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2015 Dezember

Innenansichten einer Flüchtlings-Notunterkunft

Eingetragen am 18.12.2015

18. Dezember 2015 | By |

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First Monday zu den Herausforderungen der Flüchtlingshilfe beim ASB Berlin

Was unsere Führungskräfte am First Monday in der ASB-Notunterkunft im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf zu sehen bekamen, beeindruckte viele. Sie erlebten eine gut organisierte Flüchtlingsunterkunft, die bei der Versorgung der knapp 1000 Bewohner*innen viel Unterstützung von Ehrenamtlichen bekommt, deren Einbindung in vielerlei Hinsicht vorbildlich funktioniert.

Philipp Bertram, einer der beiden Leiter der Unterkunft, führte uns durch die Räumlichkeiten, die trotz des offiziellen Status einer Notunterkunft längst nicht nur Essen und Schlafplätze für die Bewohner bereit halten. Mithilfe von Spenden und ehrenamtlichen Engagement wurde ein Ärztetrakt mit Hebammenstation, Sortierstationen für die kistenweisen Kleiderspenden, Schulräume für Deutschkurse und Spielzimmer eingerichtet. Etwa 200 Ehrenamtliche helfen täglich in der Unterkunft mit und sorgen für vielfältige Angebote im Haus. Auch für andere Unterkünfte, die teilweise anderen Trägern unterstehen und nicht so gut ausgestattet sind, wird Unterstützung, beispielsweise durch die Nutzung der Hebammenstation geboten.

Auch die Bewohner selbst packen mit an. Die sechs Friseure im Haus können ihren Mitbewohnern in einem Frisiersalon Haarschnitte anbieten und dank einer Kooperation mit einem externen Salon kann bald auch die Ausbildung zum Friseur bereits direkt in der Unterkunft beginnen. Selbst BewohnerInnen, die nicht lesen oder schreiben können, können sich in der Wäscherei, in der täglich zwölf Waschmaschinen für die Reinigung der Wäsche des gesamten Hauses sorgen, einbringen.

In der anschließenden Gesprächsrunde mit Frau Dr. Jutta Kleber, Geschäftsführerin des ASB Landesverbands Berlin, waren dementsprechend die meisten positiv überrascht und vertraten die Meinung, dass Deutschland weiterhin so viele Flüchtlinge wie bisher aufnehmen sollte. Dass die Regierung größere Anstrengungen unternehmen müsse und sich nicht auf das ehrenamtliche Engagement der Freiwilligen verlassen könne, forderten viele. Philipp Bertram bestätigte aus der Sicht der Unterkunftsleitung, dass mit einem so anhaltend hohem Engagement wie bislang nicht gerechnet werden könne und auch die Spendenfreudigkeit sinke.

Kontrovers diskutiert wurde, wie der Zusammenhalt der Gesellschaft angesichts von Wahlergebnissen wie zuletzt dem Erfolg des FN in Frankreich gelingen kann. Persönliche Begegnungen als Schlüssel für gegenseitiges Verständnis wurden ebenso angesprochen wie die Notwendigkeit einer Dialogkultur, die das Aussprechen von Ängsten zulässt, um einen Rechtsruck zu verhindern. Liberale Freiheitsrechte, die in den letzten Jahrzehnten in Deutschland beispielsweise von der Frauenbewegung erkämpft wurden, müssten von der gesamten Gesellschaft getragen werden, von Migrant*innen ebenso wie von denjenigen, die gegen diese wettern.

Einzelprogrammtag an der Zuckmayer-Schule in Neukölln

Eingetragen am 09.12.2015

9. Dezember 2015 | By |

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Migration – Wie kann Teilhabe an Arbeitsmarkt und Zivilgesellschaft gelingen?

Unter dieser leitenden Fragestellung kamen am 3. Dezember etwa 20 Führungskräfte in der Zuckmayer-Schule im Rollberg-Viertel in Nord-Neukölln zusammen, um aktiv in die Herausforderungen der Schule einzutauchen und so Erkenntnisse über aktuell drängende Fragen der Integration zu gewinnen. Der Anteil von Schüler*innen nicht-deutscher Herkunftssprache liegt bei 97% und 83% der Schüler*innen wachsen mit Hartz-IV auf.

Erfahrungslernen bei Leadership Berlin bedeutet, sich hautnah an aktuellen Problemen zu reiben und konkrete  Führungsverantwortung auch außerhalb der eigenen Komfortzone zu übernehmen. Deshalb hatten die teilnehmenden Führungskräfte am Vormittag nach kurzer Vorbereitung einen Einsatz als Vertretungslehrer*innen bei den 9. und 10. Klassen, um mit ihnen über die Schwierigkeiten im Übergang von der Schule in Ausbildung zu sprechen. In der Rückschau waren sich die meisten einig: Sie konnten den Jugendlichen einiges an Motivation, realistischen Einschätzungsvermögen und beruflicher Perspektive mitgeben!

Am Nachmittag wurde in kleinen Gesprächsrunden mit Akteuren, die sich tagtäglich mit den Schwierigkeiten der Vermittlung von Schulabgängern in die Ausbildung beschäftigen, diskutiert. Dabei zeigte sich, dass es eine wachsende Schere zwischen sinkenden schulischen Anforderungen beim Schulabschluss und steigenden Anforderungen von Ausbildungsbetrieben im Hinblick auf eine Ausbildungsfähigkeit von jungen Menschen gibt. Als Hauptursache wurde insbesondere die soziale Herkunft und Bildungsferne der Eltern identifiziert, die die Schüler*innen ohne Vorstellung von einem geregelten Arbeitsleben lassen. Klar wurde allerdings auch, dass die Ursachen wie auch Verbesserungsmöglichkeiten sich nicht im Elternhaus oder der Schule alleine finden lassen, sondern dass viele Bereiche der Gesellschaft hier mehr Verantwortung übernehmen könnten und sollten.

Wir freuen uns, wenn wir dazu zusammen mit den Teilnehmenden des Leadership-Programmtages einen kleinen Anteil beitragen können:
• 8 Teilnehmende sind bereit, einen Praktikumsplatz anzubieten
• 6 Teilnehmende sind bereit, einen Ausbildungsplatz anzubieten
• 7 Teilnehmende sind bereit, eine Schülergruppe an ihrem Arbeitsplatz zu empfangen
• 5 Teilnehmende sind bereit, als Gast an der Schule am WAT-Unterricht teilzunehmen
• 8 Teilnehmende sind bereit, an der Schule an einem Bewerbungs-Rollenspiel teilzunehmen

Wir danken der Zuckmayer-Schule und insbesondere Schulleiter Herr Eckhardt, der stellvertretenden Schuleiterin Frau Hottinger sowie der Mittelstufenkoordinatorin Frau Drochner für die Gastfreundschaft und die Mitwirkung an diesem Programmtag.

Christine Dorn als Gast bei „Das Leben draußen“ in der JVA Moabit

Eingetragen am 08.12.2015

8. Dezember 2015 | By |

Am letzten Montag im November trafen sich wieder Inhaftierte der JVA Moabit zur Gesprächsrunde „Das Leben draußen“

Diesmaliger Gast, Christine Dorn, beantwortete zum Thema „Gemeinschaft / Netzwerke“ u.a. folgende Fragen: „Wie stark ist der Einzelne im Vergleich zur Gemeinschaft? Welche Durchsetzungskraft können Netzwerke haben?“

Foto_Christine_DornChristine Dorn ist Initiatorin des Volksbegehrens für ein landesplanerisches Nachtflugverbot am Flughafen BER, seit März 2015 Vorsitzende des Bürgervereins Berlin-Brandenburg e.V. und Mitglied des Vorstands bei Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V..

Sehr plastisch und mit vielen Anschauungsmaterialien ausgestattet berichtete Christine Dorn vom steinigen Weg des Volksbegehrens:

Vom Sammeln der Unterschriften auf der Straße, an S-Bahnhöfen, in Parks und bei Festen: Eine Bananenkiste mit einem umgedrehten Kuchenblech auf dem Fahrradgepäckträger erwies sich als effektives und mobiles „Unterschriftensammelbüro“. Sie berichtete von vorbildlicher bürgerfreundlicher Zusammenarbeit mit dem Büro der Landeswahlleiterin, von engstirnigen bürgerunfreundlichen Senatsmitarbeitern an anderer Stelle oder auch Beamten als Informanten, die das Durchsetzen von Bürgerrechten ermöglichten. Vom Feilschen um jeden Schallschutz-Cent und den Interessenkonflikten der Behörden in ihren verschiedenen Rollen einerseits als Anteilseigner des Flughafens und andererseits als Genehmigungsbehörde, die dem Flughafen zum Schutz der Anwohner Grenzen setzen muss.

Für ein solch schwieriges Unterfangen, wie ein Volksbegehren unzweifelhaft ist, braucht es permanente Motivation, Standhaftigkeit und Durchsetzungsvermögen. Das erkannten alle Inhaftierten wertschätzend an. Es wurde interessiert nachgefragt und eine lebendige Diskussion zu Möglichkeiten von Bürgerbeteiligungen geführt.

Organisiert und moderiert wird das Gesprächsformat Das Leben draußen mit seinen monatlichen Gesprächsrunden zwischen Führungskräften und Inhaftierten von Crispin Hartmann und Dieter Geuß, die die Idee hierzu aus ihrer Teilnahme am Leadership-Jahresprogramm 2013 entwickelt haben. Angebote bezüglich Themen und Gesprächspartnern nimmt Crispin Hartmann unter crispin.hartmann@t-online.de gerne entgegen.

IMG_5286Dieter Geuß und Crispin Hartmann auf der thematischen Mitgliederversammlung von Leadership Berlin im Sommer 2015