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2017 Januar

Hinter Mauern, aber Teil der Gesellschaft: Zu Gast in der JVA Heidering

Eingetragen am 17.01.2017

17. Januar 2017 | By |

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„Außenwirkung verbessern und Zusammenhalt stärken – was können Führungskräfte aus Wirtschaft, öffentlichem und Non-Profit-Bereich zu diesem Thema einer JVA mitgeben und für sich selbst mitnehmen?“ – unter diesem Titel starteten wir unsere diesjährigen Programmaktivitäten mit einem Einzelprogrammtag in der JVA Heidering. Vom Banker, kaufmännischen Abteilungsleiter von Siemens, über einen ehemaligen Schulleiter und die ehemalige Leiterin einer Verfassungsschutzbehörde bis hin zu der Initiatorin eines Volksbegehrens und der Organisatorin von Obdachlosen-Stadttouren – so vielfältig war die Zusammensetzung der Teilnehmenden, die sich für einen Tag von uns hinter Gitter bringen ließen.

Um die Außenwirkung und die Motivation der Justizvollzugsbeamt*innen zu stärken, war der Leiterin der JVA, Anke Stein, eine Botschaft besonders wichtig: Kernaufgabe des Strafvollzugs ist die Resozialisierung, die Wiedereingliederung der Straffälligen in die Gesellschaft. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, ist es hilfreich, wenn die Gefängnisse, obwohl sie sich hinter Mauern befinden, von der übrigen Gesellschaft als Teil derselben anerkannt und nicht einfach gedanklich abgeschoben und hinter den Mauern allein gelassen werden.

Unterstützung von draußen bekommt die JVA Heidering u.a. von der Universal-Stiftung Helmut Ziegner, die vor Ort schulische und berufsvorbereitende Qualifizierung für die Inhaftierten durchführt. Mit den Schülern eines Grundbildungskurses unterhielten sich die Teilnehmenden eine Stunde lang in Kleingruppen. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die Männer sind, die hier ihre Freiheitsstrafe verbüßen, und auch, dass der Entzug der Selbstbestimmtheit für niemanden angenehm ist – auch wenn die JVA Heidering vergleichsweise ansprechende Räumlichkeiten bietet.

Ob sie sich denn zutrauen würden, selbst in einer JVA zu arbeiten, fragten wir unsere Teilnehmenden anschließend. Das Ergebnis: Nur etwa die Hälfte bejaht die Frage. Weniger der Umgang mit den Straffälligen schreckt die Teilnehmenden ab, sondern das beklemmende Gefühl, den ganzen Tag eingesperrt zu sein. Um so deutlicher drücken die meisten dann auch ihren Respekt vor den Justizvollzugsbeamt*innen aus, die genau dies Tag für Tag hinnehmen und in der wenig einladenden Atmosphäre Energie in ihre Arbeit stecken.

Dass aufgrund von Sparzwängen Personalknappheit herrscht, macht den Job für die Mitarbeiter*innen nicht leichter. Den Grund für die niedrigen Werte der sogenannten Gesundheitsquote sieht die Anstaltsleitung vor allem im erforderlichen Mehreinsatz.

Umso wichtiger ist es, dass die Arbeit in der JVA nicht auch noch draußen abschätzig bewertet wird und vielmehr Austausch und Kooperation, wo immer möglich, stattfinden. Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V. trägt dazu mit dem Projekt „Das Leben draußen“ bei, das unterschiedliche Führungskräfte zu Gesprächsrunden mit Inhaftierten einmal monatlich in die JVA Moabit bringt. Und auch zu ehrenamtlichem Engagement in der JVA Heidering gibt es unter den Teilnehmenden des Programmtags Bereitschaft, was uns sehr freut.

Vielen Dank an Anke Stein, Christian Reschke und alle Mitarbeiter*innen, die uns spannende Einblicke und erkenntnisreiche Einsichten in die JVA Heidering gewährt haben.

In der Berliner Morgenpost ist ein Artikel von Ulrich Krätzer zu unserem Besuch erschienen – hier ein Auszug:

Es ist eine Parallelwelt, in der eine Besuchergruppe eintaucht. Für einen Tag im Gefängnis. Mit dabei sind Politiker, Führungskräfte aus Banken, IT-Unternehmen, ein ehemaliger Schulleiter und ein Imam. Bernhard Heider, der Geschäftsführer vom Netzwerk Leadership Berlin, das den Besuchstag in der JVA organisiert hat, sagt: „Wir wollen Menschen, die Verantwortung tragen, mit Menschen und Lebenswelten in Kontakt bringen, die sie in ihrem normalen Berufsalltag sonst eher nicht kennenlernen, damit sie sich eine differenzierte Meinung bilden können.“

Das sind die nüchternen Fakten zu dem Ort des Besuchs: Die JVA Heidering, gelegen in Brandenburg, gebaut und genutzt von Berlin. Geschlossener Männervollzug. 647 Haftplätze, übersichtliche „Wohneinheiten“ mit Gemeinschaftsküche, Einzelhafträume mit je zehn Quadratmeter, Toilette und Waschbecken abgetrennt. Außenanlage mit mehreren Sportplätzen, eine 800 Quadratmeter große Mehrzweckhalle. Transparent wirkende Sicherheitszäune statt blickdichter Mauern, viel Glas, eher wenige Gitterstäbe. Unzählige Freizeitangebote, eine Bibliothek und ein anstaltseigener von den Gefangenen betriebener Radiosender.

Ein „Luxus-Knast“? So jedenfalls bezeichneten einige Zeitungen die JVA Heidering, als sie am 2. Januar 2013 eröffnet wurde. Anke Stein sagt: „Glauben Sie mir, es gibt auch bei uns keinen einzigen Gefangenen, der sagt, ich möchte hier möglichst lange bleiben.“

Die Besucher sind von der aufgeräumten und klaren, zugleich aber warmen Architektur des Hauses in den ersten Minuten des Rundgangs dennoch erkennbar beeindruckt und scheinen fast zu vergessen, dass sie in einem Gefängnis sind.

Zum vollständigen Aritkel geht es hier.

First Monday beim „Ober-Bademeister“

Eingetragen am 17.01.2017

17. Januar 2017 | By |

Scholz-Fleischmann_500x599Vier Vorstandsvorsitzende hatten die Berliner Bäderbetriebe bereits in den 20 Jahren seit ihrer Gründung 1996. Warum die Verweildauer mitunter nicht allzu lang und die Herausforderungen dafür umso größer sind, dazu gab uns Andreas Scholz-Fleischmann zu unserem First Monday im Dezember spannende Einblicke.

Das nasse Element hat es so an sich, dass Schwimmbäder jedes Jahr einen Sanierungsbedarf erzeugen. Dieser wurde über Jahrzehnte hinweg in Berlin ebenso vernachlässigt wie die Stellenbesetzungen. Wurden 1995 noch 79 Millionen Euro von öffentlicher Hand für die Schwimmbäder ausgegeben, waren es 2006 nur noch 37 Millionen Euro. Immerhin waren es in den letzten 3 Jahren wieder knapp 50 Millionen Euro Landeszuschüsse, die zukünftig noch einmal erhöht werden sollen.

Auch wenn das Problem der Unterfinanzierung und deren Folgen inzwischen erkannt ist, sind die Herausforderungen gewaltig. Wo sollen Prioritäten gesetzt werden? Wie sollen Ausschreibungen für Baumaßnahmen vorgenommen werden, wenn dazu das Fachpersonal fehlt und die Auftragsbücher der Bauwirtschaft übervoll sind? Wie kann bei den Bediensteten Akzeptanz dafür gewonnen werden, in unterschiedlichen Bädern zu arbeiten, wenn sie sich weitgehend mit dem „eigenen Bad“ identifizieren und weniger als Beschäftigte der Berliner Bäder-Betriebe? Wie kann ein über Jahre zerrüttetes Vertrauensverhältnis zwischen Betriebsrat und Vorstand wieder auf eine konstruktive Ebene gehoben werden, wenn sich noch in Gerichtsprozessen damit befasst wird, ob die zweite Führungsebene – vor zwei Jahren ohne Anhörung des Betriebsrats eingesetzt – im Amt bleiben wird? Wie kann man den unterschiedlichen Erwartungshaltungen von Kund*innen, Beschäftigten, Medien und Politik gerecht werden?

In dem Hintergrundgespräch in kleiner Runde wurde deutlich, wie herausfordernd die Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der Berliner Bäder-Betriebe ist. Klar wurde auch, wie sehr in dieser Position nicht Autorität und Geradlinigkeit, sondern vielmehr Feingespür und diplomatisches Geschick gefragt sind und dass Andreas Scholz-Fleischmann gerade diese Fähigkeiten auszeichnen.

Wir bedanken uns für den spannenden Austausch und hoffen, dass die eine oder andere Anregung der Teilnehmenden erkenntnisreich war. Für die Zukunft wünschen wir viel Erfolg und eine glückliche Hand bei der Verbesserung der Ausgangssituation!