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Januar 2018 - Leadership Berlin

First Monday bei Siemens: Stellenabbau in der Diskussion

Eingetragen am 26.01.2018

26. Januar 2018 | By |

Mit unserem First Monday im Januar bei Siemens widmeten wir uns einer aktuell kontrovers diskutierten Unternehmensentscheidung. Anfang November verkündete das Unternehmen einerseits einen Gewinn von über 6 Milliarden Euro, andererseits wurde mangels Rentabilität und Auslastung die Schließung von einzelnen Werken und die Entlassung von 5900 Beschäftigten verkündet. Diese Kombination wurde von zahlreichen Politiker*innen und Medienvertreter*innen scharf als unsozial und verantwortungslos kritisiert. Zu unserem First Monday waren wir in einem durch den geplanten Stellenabbau potentiell betroffenen Werke zu Gast im Gespräch mit Stefan Moschko, Personalleiter von Siemens Deutschland und Mitwirkender im Beirat von Leadership Berlin, Michael Friedrich, Pressesprecher bei Siemens und Jan-Marc Lischka, dem Werksleiter des Gasturbinenwerks.

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 „Ist die Entscheidung nachvollziehbar?“, dieser Frage stellten sich die 20 teilnehmenden Führungskräfte aus Non-Profit, öffentlichem und privatwirtschaftlichem Bereich von Leadership Berlin zunächst anhand eines Meinungsstrahles. Es zeigte sich dabei eine große Spannbreite, die von geringer Zustimmung bis hin zu völligem Verständnis reichte, wobei zum allgemeinen Erstaunen die Mehrheit zu letzterem tendierte. So gab es zwar Stimmen, die sich eine unternehmerische Verantwortung dahingehend wünschten, nicht mehr benötigte Werke mit anderen Produktionsabläufen zu retten und damit den geplanten Stellenabbau gerade in Regionen wie Görlitz zu vermeiden. Die Mehrheit konnte jedoch die Planung, sich von unrentablen Werken zu trennen, nachvollziehen, besonders hinsichtlich eines sich schnell wandelnden Marktes.

 Interessant für alle Beteiligten war die Diskussion umfassender Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt, die mit den genannten 3 Ds – Digitalisierung, Dekarbonisierung und demografischen Wandel – einhergehen. Hier wurden auch Ähnlichkeiten zu anderen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie beispielsweise dem Braunkohleausstieg in Brandenburg deutlich. Weitere spannende Aspekte folgten auf die anschließende Frage, ob der Aufschrei ebenso stark gewesen wäre, wenn es sich um einen Stellenabbau eines Finanzdienstleiters gehandelt hätte.

 Kontroverser diskutiert wurde im Verlauf des Abends die Kommunikation, wie sie im Hinblick auf den geplanten Stellenabbau ablief und aufgenommen wurde. Hier wurde einerseits die – teilweise durch ein Leak durcheinander gebrachten – zeitlichen Abläufe diskutiert wie auch die Art und Weise der Krisenkommunikation. Daraus ergaben sich Fragen, in die sich jeder auf unterschiedliche Weise hineindenken konnte, wie z.B.: „Hätte verhindert werden können, dass vorab Gerüchte und Teilüberlegungen über die geplanten Veränderungen an die Öffentlichkeit gelangen?“ oder „Hätte es Sinn gemacht, wenn Manager in Talkshow-Formaten wie z.B. „Hart aber Fair“ entgegen der öffentlichen Meinung versucht hätten, ihre Standpunkte darzulegen?“

In einer abschließenden Werksführung konnten die Besucher die historischen Produktionsstätten besichtigen und einige faszinierende Infos über das Produkt und die Herstellungsprozesse mitnehmen: So z.B., dass das Gewicht einer Gasturbine mitunter das einer voll besetzten A 380 übersteigt. Oder, dass die einzelnen Radscheiben der Gasturbinen, von Herrn Lischka auch als „Schwermechanik mit Uhrwerkspräzision“ beschrieben, beim Auswuchten bis auf 50 Mü, was dem Zehntel einer Haarbreite entspricht, angepasst werden. Am Ende dieses Prozesses lässt sich die Turbine, mit deren Leistung sich später eine Stadt in der Größe von Hamburg mit Strom versorgen lässt, mit einem Arm bewegen.

 Wir danken Stefan Moschko, Michael Friedrich und Jan-Marc Lischka für die spannenden Einblicke und die Teilnehmenden konnten in der Auseinandersetzung mit der gegebenen Situation intensive Eindrücke und praxisnahe Erfahrungen für Ihre Bereiche mitnehmen. Und wir drücken Siemens die Daumen, dass das Unternehmen die nächsten Jahre weiter so erfolgreich ist und noch viel mehr Menschen in florierenden Unternehmenssparten einstellen kann als man in unrentablen Unternehmenssparten abbauen muss.

 

First Monday im März: Notfallseelsorge

Eingetragen am 01.01.2018

1. Januar 2018 | By |

Ort: Notfallseelsorge bei der Ev. Hoffnungsgemeinde Berlin-Pankow, Elsa-Brändström-Str. 33, 13089 Berlin-Pankow
Zeit: Montag, den 5. März 2018, 18.30 – 21.00 Uhr
Anmeldung: bis 26. Februar 2018 hier

First Monday bei Notfallseelsorge

Erste Hilfe für die Seele

  • Wie muss man psychisch konstituiert sein, um eine solche Arbeit hauptamtlich oder ehrenamtlich zu bewältigen? Wie sehen Einsätze der Notfallseelsorge konkret aus? Wie können Krisen aushaltbar gemacht oder entschärft werden?
  • Wie kann es der Notfallseelsorge Berlin gelingen, mit ihren Angeboten und Konzepten der psycho-sozialen Betreuung mit ihren Themen wahrnehmbarer zu werden?

Gesprächspartner

  • Pfarrer Justus Münster, Landespfarrer für Notfallseelsorge in Berlin
  • Steffen Claussen, Dezernent bei der Berliner Polizei für internationale Zusammenarbeit, Teilnehmer unseres Leadership-Programms 2017 und einer von 140 Ehrenamtlichen in der Notfallseelsorge.

Hintergrund

Bekanntheit erlangt die Berliner Notfallseelsorge (Website) u.a. durch Krisenereignisse wie dem Anschlag am Breitscheidplatz 2016, bei der Love Parade 2010 oder größeren Verkehrsunfällen. Zum Einsatz kommt die Notfallseelsorge allerdings vor allem durch die tagtäglichen persönlichen Übermittlungen von Todesnachrichten in enger Zusammenarbeit mit Polizei und Feuerwehr, die Betreuung von Gewaltopfern, die Betreuung von Opfern von Haus- oder Wohnungsbränden oder auch die Betreuung von Eltern und Geschwistern bei Kindernotfällen. Die Notfallseelsorge Berlin wurde vor 23 Jahren unter dem Dach der Evangelischen Kirche und des Erzbistums Berlin ins Leben gerufen und bewältigt derzeit mit 2 Hauptamtlichen und 140 Ehrenamtlichen ca. 300 Einsätze pro Jahr. Über die Kooperation mit Polizei und Feuerwehr hinaus würde die Seelsorge zukünftig gerne auch noch stärker in Medien und von möglichen Kooperationspartnern (u.a. auch größere Unternehmen und Behörden) wahrgenommen werden. Im ersten Teil des Abends (18.30 bis 19.30 Uhr) besteht für die Teilnehmenden die Möglichkeit Einblicke in die Tätigkeit der Notfallseelsorge zu erhalten und dazu Fragen zu stellen. Nach einer Pause (19.30 – 20.00 Uhr) werden wir uns in Arbeitsgruppen der Fragestellung der Notfallseelsorge widmen, wie es ihr gelingen kann, stärker als bislang in Medien und von Unternehmen und Behörden wahrgenommen zu werden und evtl. einen Förderverein aufzubauen. Die Teilnehmenden können dabei einerseits ihre eigenen Erfahrungen aus den unterschiedlichen Kontexten einbringen – andererseits ebensolche von dem Gastgeber bzw. den anderen Teilnehmenden mitnehmen.

Teilnahmebedingungen

Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen, nur eine komplette Teilnahme möglich ist und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen dieses Mitgliedsformulars tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei, eine Anmeldung ist bis zum 26.Februar 2018 hier möglich. Sie erhalten am 27. Februar eine Rückmeldung, ob wir Ihre Anmeldung berücksichtigen konnten.