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November 2018 - Leadership Berlin

First Monday bei der Oberstaatsanwältin für Sexualdelikte

Eingetragen am 16.11.2018

16. November 2018 | By |

Wie kann das Engagement und die Vernetzung von Akteur*innen im öffentlichen Bereich, Non-Profit-Bereich und privatwirtschaftlichen Bereich gegen Kindesmissbrauch gestärkt werden?

Zeit:                                     Montag, der 3. Dezember, 18.30 – 21.00 Uhr
Ort:                                      Staatsanwaltschaft Berlin, Kirchstr. 7, 10557 Berlin

Fallgeberinnen:
– Ines Karl, Oberstaatsanwältin für Sexualdelikte (Vergewaltigung/sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch von Kindern, Kinderpornografie, sexuelle Belästigung) und Teilnehmerin unseres Leadership-Jahresprogramms 2017

– Sabine Misch, Erste Kriminalhauptkommissarin und Leiterin der Zentralstelle „Spree“ (Täterorientierte Prävention bei rückfallgefährdeten Sexualstraftätern) des Landeskriminalamtes (LKA 13)

– Viola Würffel, Gerichts- und Bewährungshelferin bei den Sozialen Dienste der Justiz Berlin, ebenfalls spezialisiert auf Sexualstraftäter

Fragestellung/Ablauf:
In der ersten Hälfte wollen wir uns gemeinsam über die Arbeitsweisen, Möglichkeiten und (auch rechtliche) Grenzen  dieser drei spezialisierten Behörden unterhalten, Opferschutz und Rückfallprophylaxe trotz knapper Ressourcen möglichst wirkungsvoll zu verbinden. Wie kann durch ein ausgewogenes Verhältnis von Repression, Kontrolle und Unterstützung dazu beigetragen werden, dass vorbestrafte Täter nicht rückfällig werden. Wie können potentielle Täter frühzeitiger erkannt und gestoppt  werden? Inwiefern würden sich die Fallgeberinnen eine stärkere Sensibilität und mehr Engagement zur Vermeidung von Straftaten von öffentlichen Institutionen (wie z.B. Jugendämtern, Schulen, Kitas), zivilgesellschaftlichen Organisationen (wie z.B. Sportvereine, freiwillige Feuerwehr, kirchliche Einrichtungen, Kinder –und Jugendeinrichtungen) oder auch von privatwirtschaftlichen Unternehmen und Eltern wünschen?

In der zweiten Hälfte wollen wir uns gemeinsam darüber unterhalten, wie ein stärkeres Engagement und eine bessere Vernetzung von den unterschiedlichen Akteur*innen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, zum Schutz gegen Missbrauch von Kindern erreicht werden kann.

 

Hintergrundinfos:
Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist ein ernst zu nehmende gesellschaftliche Problemstellung mit hohen Fallzahlen und enormer, in der Regel lebenslanger Belastung für die Opfer.  Im Jahr 2016 wurden 12.019 Fälle sexuellen Missbrauchs erfasst. Die Aufklärungsquote lag bei 86,2%. Im Jahr 2017 lag die Zahl bei 11.547 Fällen und die Aufklärungsquote lag bei 84,8 %.

Um die Zahlen ins Verhältnis zu setzen:
a) Im Jahr 1973 lag die Zahl noch deutlich höher mit 15.563 erfassten Straftaten (Unzucht mit Kindern) alleine in Westdeutschland. Im Jahr 1995 (Gesamtdeutschland) lag die Zahl noch bei 16.013 erfassten Straftaten.

  1. b) die Zahl der Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe lag 2016 bei 7.919 und 2017 bei 11.282 Fällen.
  2. c) Die Fallzahlen der Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften lag 2016 bei 5.687 und 2017 bei 6.512 Fällen.

Fazit: die Zahl der Fälle des sexuellen Missbrauchs sind erschreckend hoch und weniger volatil als bei Mord. Immerhin ist die Zahl der Straftaten des Kindesmissbrauchs deutlich niedriger als in früheren Jahren wie dies übrigens auch z.B. bei Mord (die Zahl lag 1993 mit 1468 registrierten Straftaten noch doppelt so hoch wie 2017 mit 731 Fällen) oder antisemitischen Straftaten (die Zahl lag 2006 mit 1809 registrierten Straftaten noch 20% höher als 2017 mit 1504 registrierten Straftaten) der Fall ist– auch wenn bei diesen drei Deliktformen medial ein anderes Bild erzeugt wird und in der Bevölkerung „gefühlt“ alles schlimmer wird, bzw. „früher besser war“, was definitiv nicht der Fall ist.

Täter*innen und Opfer
Nicht jede/r Täter*in ist pädophil (geeigneterer Begriff: pädosexuell) und nur ein gewisser Teil der pädosexuell ausgerichteten Erwachsenen wird zum/zur Täter*in.

Sexuelle Gewalt findet am häufigsten innerhalb der engsten Familie statt (ca. 25 %) sowie im sozialen Nahraum beziehungsweise im weiteren Familien- und Bekanntenkreis, zum Beispiel durch Nachbarn oder Personen aus Einrichtungen oder Vereinen, die die Kinder und Jugendlichen gut kennen (ca. 50 %). Sexuelle Gewalt durch Fremdtäter oder -täterinnen ist eher die Ausnahme.

Obwohl nur ein gewisser Teil der pädosexuell ausgerichteten Erwachsenen zu Täter*innen werden, ist das Urteil der Öffentlichkeit gnadenlos: bis zu 49% der Bevölkerung befürworten Präventivhaft für Menschen mit pädosexueller Ausrichtung (auch, wenn sie nie Täter wurden) und bis zu 27% wünschen auch Nicht-Täter*innen mit sexuellem Interesse an Kindern den Tod. Diese gesellschaftliche Stimmungslage erschwert enorm den Zugang zu Menschen mit pädosexueller Ausrichtung, die nicht zu Tätern wurden, für präventive Maßnahmen bzw. Therapieangebote.

Opfer der Straftaten sind zu ca. 75% Mädchen und zu ca. 25% Jungen.

Bei 95,7% der Tatverdächtigen im Jahr 2017 handelte es sich um Männer, in 4,3% um Frauen. Missbrauchende Männer stammen aus allen sozialen Schichten, leben hetero- oder homosexuell und unterscheiden sich durch kein äußeres Merkmal von nicht missbrauchenden Männern. Über missbrauchende Frauen wurde in Deutschland bislang wenig geforscht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sexueller Missbrauch durch Frauen seltener entdeckt wird, weil solche Taten Frauen kaum zugetraut werden. Der Beauftragte der Bundesregierung geht davon aus, dass 10% bis 20% der Straftaten des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen durch Mädchen und Frauen begangen wird.

Sicher bleibt allerdings, dass Männer bei Straftaten des Kindesmissbrauchs sehr stark überrepräsentiert sind wie auch bei anderen harten Straftaten. Der Anteil der Männer an allen Inhaftierten (unabhängig von der Deliktsform)  in deutschen Justizvollzugsanstalten betrug zum 31.3.2018 übrigens 94,1%. Das Geschlecht ist damit das soziodemografische Merkmal mit dem größten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, kriminell zu werden, gefolgt von Alter und Bildung. Religion und Migrationshintergrund spielen im Vergleich zu diesen drei Kategorien nur eine nachgeordnete Einflussgröße.

Teilnahmebedingungen und Anmeldung:
Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen, nur eine komplette Teilnahme möglich ist und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen eines Mitgliedsantrags tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei, eine Anmeldung ist bis zum 27. November 2018 hier möglich.
Sie erhalten spätestens am 28. November eine Rückmeldung, ob wir Ihre Anmeldung berücksichtigen konnten.

Anmeldelink:  https://goo.gl/forms/6nldNvbK93fqGcPA2

 

First Monday bei der KPMG: Workspace 2025 – Mode oder Muss?

Eingetragen am 16.11.2018

16. November 2018 | By |

Am jeweils ersten Montag im Monat begibt sich eine bis zu 20-köpfige Gruppe aus unserem Netzwerk zu einem/ einer Gastgeber*in, um sich dort mit einer Leadership Herausforderung zu befassen und so den eigenen Blick zu weiten. Im November besuchten wir die neue Arbeitswelt der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im neu entstehenden Europaquartier am Hauptbahnhof, um in diesem Rahmen Fragen nach den Gestaltungsmöglichkeiten und –pflichten moderner Bürowelten in Zeiten zunehmender Digitalisierung und Fachkräftemangel nachzugehen.

Unter der Fragestellung „Workspace 2025 – Mode oder Muss?“ erläuterten Jeanette Reilly,Head of Marketing and Communications und Catrin Krayer aus dem Change Management das Konzept im Kontext der äußeren Treiber, die auf die Unternehmenswelt einwirken und die Auseinandersetzung mit neuen Arbeits- und damit Büroformen auch in eher tradierten Branchen immer stärker in den Fokus rücken. Im Anschluss wurde über den Umgang mit Widerständen in einem solchen Transformationsprozess und der Übertragbarkeit solcher Konzepte beispielsweise für die öffentliche Verwaltung oder Non-Profit-Organisationen gesprochen.

Dazu KPMG: „Die Arbeitswelt ist digitaler geworden. Dies betrifft sowohl Arbeitsprozesse als auch Arbeitsstrukturen, die ein völlig neues „räumliches“ Denken erfordern. Hier geht es vor allem um Themen wie Kollaboration, Kommunikation und Vernetzung  – und dies in einer wesentlich höheren Geschwindigkeit als bisher.  Mit unserem flexiblen Bürokonzept reagieren wir auf genau diese Entwicklungen. Dabei verbindet die Nutzungsvielfalt und Flexibilität des Konzepts innerhalb hochmoderner Gebäude in attraktiven Innenstadtlagen für uns die Anforderungen des Marktes mit den Erwartungen künftiger Arbeitnehmergenerationen.“

Im Anschluss bestand für die Teilnehmer die Möglichkeit, die neuen Flächen zu besichtigen und die Arbeitsplatzvielfalt mit intensiv begrünten Zonen, Begegnungsflächen mit hohem Wohlfühlcharakter, Rückzugsangeboten als auch kollaborativen Arbeitsumgebungen mit hochmoderner Technik zu besichtigen und zu erkunden. Im Anschluss wurden Fragen wie „Was würde diese Arbeitsumgebung mit meiner Arbeitsweise machen?“ oder eine Einschätzung, bis wann ggf. das eigene Unternehmen in solchen Konzepten arbeitet, unter den Teilnehmern diskutiert und eine Einschätzung dazu abgefragt. In der Zusammenfassung wünschten sich über ¾ aller Teilnehmer, in einem Arbeitsumfeld tätig zu sein, das Themen wie Kollaboration, Kommunikation und Vernetzung materialisiert und entsprechend angepasste Angebote offeriert. Trotz mehrheitlich noch existierender territorialer Strukturen in den Unternehmen, Institutionen und Organisationen zeigten einige der Teilnehmer sich optimistisch, was die Entwicklungschancen bis 2025 (+X) angeht.

„Workspace 2015- Mode oder Muss?“ – die lebhaften Diskussionen, vielfältigen Einblicke und Ansatzpunkte ließen die Teilnehmendengruppe im Gesamten ein Stück weiter in Richtung eines „Muss“ tendieren- auch, wenn die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung für viele in ihren eigenen Strukturen noch offen blieb.

Wir danken der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für die Gastfreundschaft und vielfältigen Einblicke, Catrin Krayer für ihre enthusiastischen und mitreißenden inhaltlichen Ausführungen und Ursula Salcher für die tolle Organisation. Ein besonders herzlicher Dank geht an Jeanette Reilly, Head of Marketing bei KPMG und Teilnehmerin unseres Leadership Jahresprogramms 2018, die diesen Termin ermöglicht hat sowie alle Teilnehmenden für das große Interesse.