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Susanne Kappe

Premiere für „Vertretungsstunde“

Eingetragen am 28.02.2017

28. Februar 2017 | By |

Im Rahmen unseres Projektes „Vertretungsstunde“ besuchen Führungskräfte die Zuckmayer-Oberschule und geben dort in einer neunten Klasse auf der Basis ihrer Erfahrungen aus der beruflichen Praxis eine „Vertretungsstunde“ im WAT-Unterricht (Wirtschaft-Arbeit-Technik). Die Premiere am Pult gab als Vertretungslehrer Werner Gräßle, Präsident des Amtsgerichts Lichtenberg. Er gab Einblicke in die Arbeit am Gericht und stellte verschiedene Ausbildungsberufe vor. Dass er ursprünglich einmal Schreiner werden wollte und es auch mit einem nicht geradlinigen Lebenslauf zu der Position eines Gerichtspräsidenten geschafft hat, war für die Schüler*innen spannend. Sie interessierten sich dafür, ob er zufrieden mit seinem Beruf sei, obwohl er ursprünglich etwas anderes anvisiert hatte, und ob der Job anstrengend sei. Wie viel so ein Richter verdient, war natürlich auch von Interesse.

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Die Schüler*innen wollten aber auch wissen, wie eine Gerichtsverhandlung in der Realität abläuft und was es eigentlich neben Strafprozessen noch für Aufgaben gibt, mit denen sich Gerichte beschäftigen. Mit einem Beispiel über einen schwierigen Erbfall veranschaulichte Werner Gräßle die Aufgaben eines Zivilgerichts. Er erklärte auch, dass man als Richter manchmal sehr schwierige Entscheidungen treffen muss, wie beispielsweise, ob Kinder bei ihren Eltern bleiben können oder nicht.

Natürlich erfuhren die Schüler*innen auch, welche Ausbildungsberufe es in der Justiz gibt. Dort gibt es einen großen Mangel an Justizfachangestellten – ein Beruf, für den man sich mit einem Mittleren Schulabschluss (MSA) ausbilden lassen kann. Werner Gräßle erklärte hierbei, worin die Aufgaben in einem Praktikum bestehen und welche Bewerbungsfristen es gibt. Neben einem Beutel mit Infomaterial hatte er auch einen sehr konkreten praktischen Tipp für die Schüler*innen, die zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden: „Geht vorher auf die Website und informiert euch, um was es genau geht bei dem Beruf, für den ihr euch bewerbt.“

Die Schüler*innen erhalten nun monatlich Besuch von Führungskräften aus dem Netzwerk von Leadership Berlin, die als Perspektivgeber aus ihrem Beruf berichten, Ausbildungswege aufzeigen und ihre persönliche Arbeitsmotivation teilen. Mehr Informationen zum Projekt gibt es unter: http://leadership-berlin.de/vertretungsstunde/

Hinter Mauern, aber Teil der Gesellschaft: Zu Gast in der JVA Heidering

Eingetragen am 17.01.2017

17. Januar 2017 | By |

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„Außenwirkung verbessern und Zusammenhalt stärken – was können Führungskräfte aus Wirtschaft, öffentlichem und Non-Profit-Bereich zu diesem Thema einer JVA mitgeben und für sich selbst mitnehmen?“ – unter diesem Titel starteten wir unsere diesjährigen Programmaktivitäten mit einem Einzelprogrammtag in der JVA Heidering. Vom Banker, kaufmännischen Abteilungsleiter von Siemens, über einen ehemaligen Schulleiter und die ehemalige Leiterin einer Verfassungsschutzbehörde bis hin zu der Initiatorin eines Volksbegehrens und der Organisatorin von Obdachlosen-Stadttouren – so vielfältig war die Zusammensetzung der Teilnehmenden, die sich für einen Tag von uns hinter Gitter bringen ließen.

Um die Außenwirkung und die Motivation der Justizvollzugsbeamt*innen zu stärken, war der Leiterin der JVA, Anke Stein, eine Botschaft besonders wichtig: Kernaufgabe des Strafvollzugs ist die Resozialisierung, die Wiedereingliederung der Straffälligen in die Gesellschaft. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, ist es hilfreich, wenn die Gefängnisse, obwohl sie sich hinter Mauern befinden, von der übrigen Gesellschaft als Teil derselben anerkannt und nicht einfach gedanklich abgeschoben und hinter den Mauern allein gelassen werden.

Unterstützung von draußen bekommt die JVA Heidering u.a. von der Universal-Stiftung Helmut Ziegner, die vor Ort schulische und berufsvorbereitende Qualifizierung für die Inhaftierten durchführt. Mit den Schülern eines Grundbildungskurses unterhielten sich die Teilnehmenden eine Stunde lang in Kleingruppen. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die Männer sind, die hier ihre Freiheitsstrafe verbüßen, und auch, dass der Entzug der Selbstbestimmtheit für niemanden angenehm ist – auch wenn die JVA Heidering vergleichsweise ansprechende Räumlichkeiten bietet.

Ob sie sich denn zutrauen würden, selbst in einer JVA zu arbeiten, fragten wir unsere Teilnehmenden anschließend. Das Ergebnis: Nur etwa die Hälfte bejaht die Frage. Weniger der Umgang mit den Straffälligen schreckt die Teilnehmenden ab, sondern das beklemmende Gefühl, den ganzen Tag eingesperrt zu sein. Um so deutlicher drücken die meisten dann auch ihren Respekt vor den Justizvollzugsbeamt*innen aus, die genau dies Tag für Tag hinnehmen und in der wenig einladenden Atmosphäre Energie in ihre Arbeit stecken.

Dass aufgrund von Sparzwängen Personalknappheit herrscht, macht den Job für die Mitarbeiter*innen nicht leichter. Den Grund für die niedrigen Werte der sogenannten Gesundheitsquote sieht die Anstaltsleitung vor allem im erforderlichen Mehreinsatz.

Umso wichtiger ist es, dass die Arbeit in der JVA nicht auch noch draußen abschätzig bewertet wird und vielmehr Austausch und Kooperation, wo immer möglich, stattfinden. Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V. trägt dazu mit dem Projekt „Das Leben draußen“ bei, das unterschiedliche Führungskräfte zu Gesprächsrunden mit Inhaftierten einmal monatlich in die JVA Moabit bringt. Und auch zu ehrenamtlichem Engagement in der JVA Heidering gibt es unter den Teilnehmenden des Programmtags Bereitschaft, was uns sehr freut.

Vielen Dank an Anke Stein, Christian Reschke und alle Mitarbeiter*innen, die uns spannende Einblicke und erkenntnisreiche Einsichten in die JVA Heidering gewährt haben.

In der Berliner Morgenpost ist ein Artikel von Ulrich Krätzer zu unserem Besuch erschienen – hier ein Auszug:

Es ist eine Parallelwelt, in der eine Besuchergruppe eintaucht. Für einen Tag im Gefängnis. Mit dabei sind Politiker, Führungskräfte aus Banken, IT-Unternehmen, ein ehemaliger Schulleiter und ein Imam. Bernhard Heider, der Geschäftsführer vom Netzwerk Leadership Berlin, das den Besuchstag in der JVA organisiert hat, sagt: „Wir wollen Menschen, die Verantwortung tragen, mit Menschen und Lebenswelten in Kontakt bringen, die sie in ihrem normalen Berufsalltag sonst eher nicht kennenlernen, damit sie sich eine differenzierte Meinung bilden können.“

Das sind die nüchternen Fakten zu dem Ort des Besuchs: Die JVA Heidering, gelegen in Brandenburg, gebaut und genutzt von Berlin. Geschlossener Männervollzug. 647 Haftplätze, übersichtliche „Wohneinheiten“ mit Gemeinschaftsküche, Einzelhafträume mit je zehn Quadratmeter, Toilette und Waschbecken abgetrennt. Außenanlage mit mehreren Sportplätzen, eine 800 Quadratmeter große Mehrzweckhalle. Transparent wirkende Sicherheitszäune statt blickdichter Mauern, viel Glas, eher wenige Gitterstäbe. Unzählige Freizeitangebote, eine Bibliothek und ein anstaltseigener von den Gefangenen betriebener Radiosender.

Ein „Luxus-Knast“? So jedenfalls bezeichneten einige Zeitungen die JVA Heidering, als sie am 2. Januar 2013 eröffnet wurde. Anke Stein sagt: „Glauben Sie mir, es gibt auch bei uns keinen einzigen Gefangenen, der sagt, ich möchte hier möglichst lange bleiben.“

Die Besucher sind von der aufgeräumten und klaren, zugleich aber warmen Architektur des Hauses in den ersten Minuten des Rundgangs dennoch erkennbar beeindruckt und scheinen fast zu vergessen, dass sie in einem Gefängnis sind.

Zum vollständigen Aritkel geht es hier.

First Monday beim „Ober-Bademeister“

Eingetragen am 17.01.2017

17. Januar 2017 | By |

Scholz-Fleischmann_500x599Vier Vorstandsvorsitzende hatten die Berliner Bäderbetriebe bereits in den 20 Jahren seit ihrer Gründung 1996. Warum die Verweildauer mitunter nicht allzu lang und die Herausforderungen dafür umso größer sind, dazu gab uns Andreas Scholz-Fleischmann zu unserem First Monday im Dezember spannende Einblicke.

Das nasse Element hat es so an sich, dass Schwimmbäder jedes Jahr einen Sanierungsbedarf erzeugen. Dieser wurde über Jahrzehnte hinweg in Berlin ebenso vernachlässigt wie die Stellenbesetzungen. Wurden 1995 noch 79 Millionen Euro von öffentlicher Hand für die Schwimmbäder ausgegeben, waren es 2006 nur noch 37 Millionen Euro. Immerhin waren es in den letzten 3 Jahren wieder knapp 50 Millionen Euro Landeszuschüsse, die zukünftig noch einmal erhöht werden sollen.

Auch wenn das Problem der Unterfinanzierung und deren Folgen inzwischen erkannt ist, sind die Herausforderungen gewaltig. Wo sollen Prioritäten gesetzt werden? Wie sollen Ausschreibungen für Baumaßnahmen vorgenommen werden, wenn dazu das Fachpersonal fehlt und die Auftragsbücher der Bauwirtschaft übervoll sind? Wie kann bei den Bediensteten Akzeptanz dafür gewonnen werden, in unterschiedlichen Bädern zu arbeiten, wenn sie sich weitgehend mit dem „eigenen Bad“ identifizieren und weniger als Beschäftigte der Berliner Bäder-Betriebe? Wie kann ein über Jahre zerrüttetes Vertrauensverhältnis zwischen Betriebsrat und Vorstand wieder auf eine konstruktive Ebene gehoben werden, wenn sich noch in Gerichtsprozessen damit befasst wird, ob die zweite Führungsebene – vor zwei Jahren ohne Anhörung des Betriebsrats eingesetzt – im Amt bleiben wird? Wie kann man den unterschiedlichen Erwartungshaltungen von Kund*innen, Beschäftigten, Medien und Politik gerecht werden?

In dem Hintergrundgespräch in kleiner Runde wurde deutlich, wie herausfordernd die Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der Berliner Bäder-Betriebe ist. Klar wurde auch, wie sehr in dieser Position nicht Autorität und Geradlinigkeit, sondern vielmehr Feingespür und diplomatisches Geschick gefragt sind und dass Andreas Scholz-Fleischmann gerade diese Fähigkeiten auszeichnen.

Wir bedanken uns für den spannenden Austausch und hoffen, dass die eine oder andere Anregung der Teilnehmenden erkenntnisreich war. Für die Zukunft wünschen wir viel Erfolg und eine glückliche Hand bei der Verbesserung der Ausgangssituation!

First Monday: Freiräume in der Stadt

Eingetragen am 24.11.2016

24. November 2016 | By |

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Beim First Monday im November trafen wir uns in den schummrigen Hallen des Sage Club zum Austausch mit Sascha Disselkamp. Zur Sage Group, die er mit zwei Partnern betreibt, gehören neben dem Club auch das Sage-Restaurant und ein Krankenhaus im Senegal. Außerdem ist Sascha Disselkamp Mitgründer der Clubcommission, einer Interessensvertretung für Clubbetreiber und gibt seit 15 Jahren Nichtraucher-Seminare. In den Medien war er insbesondere präsent, weil er die Demos für den Erhalt der East-Side-Gallery initiiert hat, oder auch als Unterstützer für die Berlin-Reise von „Putins Rockern“ – den Nachtwölfen.

Sascha Disselkamps vielseitige Erlebnisse in Berlin, seit er Anfang der 80er-Jahre im Alter von 17 Jahren in ein besetztes Haus in West-Berlin einzog, standen im Zentrum des Abends. Dabei gab er ein leidenschaftliches Plädoyer für Clubs als notwendige Freiräume in der Stadt, die es ermöglichen, gerade jungen Menschen ein positives Lebensgefühl zu geben und eine „Ich-liebe-das-Leben“-Stimmung zu erzeugen. Dass eine Stadt von solchen Freiräumen profitiert, sehen inzwischen auch die Verantwortlichen in Regierung und Behörden so und unterstützen die Clubbetreiber*innen nach Kräften – eine äußerst positive Entwicklung, wie Sascha Disselkamp es beschreibt. In den 90er-Jahren hätten Clubs dagegen noch statt gezieltem Einsatz von verdeckten Ermittlern mit desaströsen Drogenrazzien zu kämpfen gehabt, durch die die Clubs mitunter immensen wirtschaftlichen Schaden erlitten.

Heute droht Gefahr aus seiner Sicht für die Clubs vielmehr von Immobilieninvestoren, die mit immer höheren Summen Freiflächen und Gebäude aufkaufen, um den größtmöglichen Profit daraus zu ziehen. Es ist für Sascha Disselkamp eine Herzensangelegenheit, städtische Freiräume zu erhalten – der Sage-Club ist für ihn selbstverständlich unverkäuflich und das ist eben nicht nur eine Frage des Preises, wovon ihn ein Investor etwa überzeugen wollte.

Zu seinen Feinden zählt nicht mehr die CDU, wohl aber die GEMA, die sich mit ihren – aus Sicht der Clubbetreiber*innen völlig unbegründeten und überzogenen – finanziellen Forderungen keine Freunde in der Szene gemacht hat und den Widerstand der Clubcommission einhandelte. Zumal die wenig bekannten Künstler*innen, die in den Clubs auflegten oder aufträten, überhaupt nicht genügend Verkaufszahlen hätten, um in irgendeiner Weise von den Einnahmen der GEMA zu profitieren.

Fest steht auch, dass Sascha Disselkamp niemals in Rente gehen wird, sondern nur „tot umfallen“, wie er sich ausdrückt. Auch wenn sein kleiner Sohn behauptet, er arbeite nicht, er telefoniere nur, schwappt im Gespräch eine solche Energie und Begeisterung für neue Projekte über, dass man schon darauf gespannt ist, in welchem Zusammenhang man bald von ihm hören wird.

„Führungskräfte mit Behinderung“ organisieren sich

Eingetragen am 21.11.2016

21. November 2016 | By |

 

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Die Gründungsmitglieder mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (2.v.l.)

Mit der Idee zu einem neuen Verein im Collaborative Leadership Programm fing es an – am Abschlusstag des Programms am 10. Oktober unterzeichneten nun zwölf Führungskräfte mit Behinderung die Gründungssatzung des Vereins „Führungskräfte mit Behinderung“.

Es handelt sich dabei um einen Verein, der sich dafür einsetzt, dass die Kompetenzen von Führungskräften mit Behinderung anerkannt werden und nicht – wie leider allzu häufig – vornehmlich ihre Defizite  in den Fokus genommen werden.

Eine Idee nimmt Gestalt an

Die Idee nahm ihren Anfang mit der Teilnahme von Janis McDavid am Leadership-Jahresprogramm 2016. Janis McDavid wurde ohne Arme und Beine geboren, was ihn allerdings nicht daran hinderte, neben seinem Studium Vorstand eines Vereins zu werden, ein Buch zu schreiben, als Motivationsredner durchs Land zu reisen und dabei selbst Auto zu fahren. Durch den Austausch und zahlreiche Gespräche von Janis McDavid, Gerlinde Bendzuck, Patricia Carl, Ingo Kaleschke und Peter Sdorra, die alle Führungskräfte sind und eine Behinderung haben,  sowie den Unterstützern Gerd Kirchhoff und Bernhard Heider erfolgten dann die ersten konkreten Schritte zur Initiierung des Vereins.

Im Frühsommer kamen in einer ersten Brainstorming-Session im Rahmen eines First Mondays von Leadership Berlin eine Gruppe aus Führungskräften mit und ohne Behinderung zusammen. Schnell stellten sie fest: Der Bedarf für einen bundesweiten Verein ist da. Es braucht eine Organisation, in der sich Führungskräfte mit Behinderung vernetzen und austauschen können. Und es braucht das gemeinsame Engagement, um die Hürden abzubauen, denen Menschen mit Behinderung gegenüberstehen, um eine Führungsposition übernehmen zu können. Dabei sind die Zielsetzungen des Vereins keine Einbahnstraße in Richtung Behörden und Unternehmen. Auch Menschen mit Behinderung, die sich bislang keine Führungsrolle zutrauen, sollen durch Weiterbildungsangebote und die Sichtbarmachung von Role Models, angesprochen und ermutigt werden.

Gründungssitzung

Die Vorstandsmitglieder – mit sichtbarer und nicht sichtbarer Behinderung

So divers wie die Gruppe der Menschen mit Behinderung setzt sich auch der Vorstand des neu gegründeten Vereins zusammen. Zum Vorstandsvorsitzenden wurde Dr. Peter Sdorra gewählt, Richter am Kammergericht und Hauptvertrauensperson der schwerbehinderten Richterinnen und Richter des Landes Berlin. Weitere Vorstandsmitglieder sind Detlef Kahl, Sachgebietsleiter in einem Berliner Finanzamt sowie zwei Vertreter aus anderen Teilen der Republik: Christian Habl ist Vorstandsvorsitzender des Netzwerks zur beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung und Sascha Lang selbstständiger Musikmanager, Künstlervermittler und Radioreporter. Eine oder mehrere Frauen, die sich ebenfalls im Vorstand engagieren wollen, werden noch gesucht.

Unter den Vorstandsmitglieder sind sowohl Vertreter von Menschen mit sichtbaren Behinderungen als auch Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen – ein Aspekt, dessen Bedeutung sich im Vorfeld der Gründung herauskristallisierte. Beide Gruppen sind gleichermaßen von Diskriminierung betroffen, stehen dabei jedoch vor unterschiedlichen Herausforderungen. Während Menschen mit sichtbarer Behinderung eher das Problem haben, dass sie aufgrund ihrer Behinderung nicht ernst genommen werden und ihnen keine Führungsverantwortung zugetraut wird, haben Menschen mit nicht sichtbarer Behinderung damit zu kämpfen, dass ihre Behinderung nicht ernst genommen wird.

Öffentliche Vorstellung des neu gegründeten Vereins am 10. Oktober

Die Vorstandmitglieder mit Bernhard Heider, Geschäftsführer von Leadership Berlin - Netzwerk Verantwortung e.V. (ganz rechts)

Die Vorstandmitglieder mit Bernhard Heider, Geschäftsführer von Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V. (ganz rechts)

Am 10. Oktober abends stellten die Vorstände des neu gegründeten Vereins in einer Podiumsdiskussion vor 120 Gästen, die unter dem Motto „Diversity in Leadership“ aus dem Netzwerk von Leadership Berlin geladen waren, erstmals die Ziele des neuen Vereins vor. Dabei wurden bereits bestehende Problemlagen angesprochen, die der Verein angehen will. So baut die geplante Version des neuen Teilhabegesetzes in den Augen der Führungskräfte genau solche Hürden für Menschen mit Behinderung auf, gegen die sie sich einsetzen. Auch die Ermöglichung einer Assistenz für Menschen mit Behinderung, die sich selbstständig machen wollen, ist ein Thema des Vereins.

Über die Vereinsgründung wurde bereits medial Bericht erstattet:
rollingplanet.net, 19.09.2016, Bundesverband Führungskräfte mit Behinderung geplant
evangelisch.de, 09.10.2016, Führungskräfte mit Behinderung wollen Verband gründen
inforadio.de, 10.10.2016, Führungskräfte mit Behinderung gründen eigenen Verein
Der entsprechende Beitrag in der rbb Abendschau vom 10.10. ist leider nicht mehr online verfügbar.

Die Satzung des neu gegründeten Vereins kann hier eingesehen werden (PDF-Dokument, 10MB).
Und hier findet sich ein Infoblatt mit einer Übersicht zum Verein als PDF.

Wer sich für die Aktivitäten des Vereins interessiert oder selbst Mitglied werden möchte, wendet sich bitte an:

Führungskräfte mit Behinderung e.V. i.Gr.
c/o Dr. Peter Sdorra
Kammergericht Berlin
Elsholtzstr. 30-33
10781 Berlin

Tel.:     0175- 2490012
Mail:    petersdorra@t-online.de

Das Leben draußen – Glauben hinter Mauern

Eingetragen am 09.11.2016

9. November 2016 | By |

Martin_Stoelzel-Rhoden„Ich glaube nicht an die Allmächtigkeit Gottes!“ – Der Satz von Pfarrer Martin Stoelzel-Rhoden gleich zu Beginn der Gesprächsrunde saß und zeigte seine Wirkung bei allen Anwesenden. Eigentlich waren wir doch zusammengekommen, um über Glaube zu sprechen? Und dann das!

Gerade der vermeintlich offensichtliche Widerspruch zwischen Wort und Tat (in diesem Falle eher zwischen Wort und Beruf) war der Grund, warum unser Gast des letzten Montags im Oktober von der ersten Sekunde an die ungeteilte Aufmerksamkeit der Inhaftierten genoss.

Als Krankenhausseelsorger und Leiter des ambulanten Hospizdienstes des Evangelischen Johannesstifts wird Martin Stoelzel-Rhoden häufig durch die Angehörigen mit der Frage nach dem Glauben konfrontiert – gerade im Hinblick auf schwierige Lebenssituationen.

Dem allmächtigen Gott stellt Pfarrer Stoelzel-Rhoden den mitleidenden Gott gegenüber, was er durch das Leiden Jesu am Kreuz in besonderer Weise verkörpert sieht. Gott hat in diesem Sinne am Kreuz mit dem Leiden Jesu das erlitten, was auch Menschen erleiden. Der Schrei Jesus „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?!“ ist ein Schrei, der rund um den Erdball leidende Menschen erreicht und berührt. Das Rezept für den Umgang erläutert Pfarrer Stolelzel-Rhoden einfach und pragmatisch: Der Glaube hat ein Zwillingsgeschwister – den Zweifel. Ohne Glaube kein Zweifel und insbesondere ohne Zweifel auch kein Glaube, z.B. an eine Verbesserung der aktuellen Lebensumstände.

Diese Sicht auf den Glauben sprach die Inhaftierten der JVA Moabit an. Ihrer Meinung nach glaubt man hinter den Mauern anders. Dort herrschen mehr Zweifel und gerade wegen der eingeschränkten Privatsphäre wird der Glauben stärker mit anderen Inhaftierten geteilt.

Glaube hat viele Gesichter – auch in der JVA. Einige der Inhaftierten glauben an ihre Unschuld, andere an die Rückkehr in ein normales Leben, die meisten aber tatsächlich daran, hier die Quittung für einen Teil des bisherigen Lebens zu erhalten. Einige wenige Gefangene der Gesprächsrunde glauben darüber hinaus nicht an die Wirksamkeit der Haft – ihrer Meinung nach sind die Bedingungen viel zu einladend, als das es eine abschreckende Wirkung auf sie hätte.

Zum Schluss löste Martin Stoelzel-Rhoden noch das Rätsel um seine Aussage zur Allmächtigkeit Gottes: „Der Mensch hat seinen eigenen freien Willen von Gott erhalten – deshalb ist er nicht mehr allmächtig.“

„Das Leben draußen“ – Gespräch mit Inhaftierten über Verantwortung

Eingetragen am 18.10.2016

18. Oktober 2016 | By |

Ist Verantwortung gleichzusetzen mit Verantwortlichkeit? Wie viel Verantwortung kann ich abgeben? Wie schwer wiegt Verantwortung, wenn es um Leben und Tod geht?

Wrede_FriedrichMit Dr. Friedrich Wrede als Gast beleuchteten Dieter Geuss und Crispin Hartmann gemeinsam mit den Inhaftierten der JVA Moabit diese und viele andere Fragen zum Thema Verantwortung zunächst aus der Perspektive eines Humanmediziners. Als ehemaliger Leiter der Unfallchirurgie im DIAKO Krankenhaus Flensburg war Dr. Wrede bis 2006 oft gefordert, schnelle oder grundlegende Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen zu treffen.

Verantwortung meint einerseits die Pflicht, dafür zu sorgen, dass (in bestimmten Situationen) das Notwendige und Richtige getan wird und kein Schaden entsteht. Andererseits aber auch die Verpflichtung, für seine Handlungen einzustehen und ihre Folgen zu tragen, sollte es doch zu einem Schaden gekommen sein.
Exakt diesen Gesprächsbogen spannten wir in den 90 Minuten auf und ernteten am Ende auch noch den Applaus der Gefangenen.

Dr. Wrede beschrieb eingangs, wie man als Arzt an die Verantwortung herangeführt wird. Alles beginnt mit einer umfangreichen Ausbildung, dann assistiert man zunächst bei Operationen, führt später selbst kleinere Eingriffe durch um schlussendlich selbst der verantwortliche Operateur im Saal zu sein. Die Verantwortung – als Arzt wie auch im richtigen Leben – kommt nicht auf einen Schlag. Jeder wird, mehr oder weniger schnell, an sie herangeführt.

Zunehmend aber, so Dr. Wrede, wird die Verantwortung abgegeben: Entschieden früher häufig die Mediziner, wann welcher Eingriff noch sinnvoll, lebensverlängernd und lebenswerterhaltend ist, so wird diese Verantwortung mittlerweile auf die Patienten übertragen. Der Arzt klärt richtigerweise umfangreich über mögliche Erfolgs- und Heilungschancen sowie die Risiken und Nebenwirkungen einer OP auf – die Entscheidung für oder gegen den Eingriff aber trifft der Patient. Kommt es dann zu so genannten „Kunstfehlern“, so entscheiden in der Regel die Krankenhaus- und Patientenanwälte über den Grad der Verantwortung. Das erschwert dem Arzt die Verantwortung zur Wahrheit.

Insbesondere die Ehrlichkeit und offene Art von Dr. Wrede beeindruckte die Inhaftierten nachhaltig. Er gestand Fehler ein, übernahm dafür seinerzeit aber die Verantwortung und berichtete von seinen inneren Konflikten bei schwierigen Entscheidungen. Einige Inhaftierte versicherten daraufhin glaubhaft, auch für ihre Fehler nun die Verantwortung übernehmen zu wollen.

Zum Abschluss berichtete Dr. Wrede über sein derzeitiges ehrenamtliches Engagement im Bundesverband von Seniorpartner in School (SiS) e.V. als 1. Vorsitzender. Bei SiS werden Senior*innen zu Mediator*innen ausgebildet, die in Schulen den Kindern und Jugendlichen helfen, ihre Konflikte gewaltfrei zu lösen. „Im Grunde“, so Friedrich Wrede, „bringen wir den Schülerinnen und Schülern in gewisser Weise auch Verantwortung bei.“ Auf seine Frage, ob denn SiS als hilfreich angesehen wird, antwortete ein Inhaftierter: „Wäre damals jemand von SiS da gewesen, dann wäre ich nicht hier gelandet!“

First Monday zum Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten – Aufbau einer „atmenden“ Behörde

Eingetragen am 13.09.2016

13. September 2016 | By |

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Wolf Plesmann

 

Der First Monday im September bot gleich doppelten Einblick darin, wie die gesellschaftliche Herausforderung des hohen Flüchtlingsaufkommens in Berlin angegangen wird.

Zum einen waren wir vor Ort zu Gast in einer Gemeinschaftsunterkunft für besonders schutzbedürftige Geflüchtete, die von der milaa gGmbH betrieben wird. Einrichtungsleiter Sean Corleone, selbst vor einigen Jahren aus dem Irak geflohen, zeigte uns die Unterkunft und beeindruckte die Teilnehmenden unter anderem durch seinen spürbar guten Draht zu den etwa 300 Bewohner*innen. Zu ihnen gehören kranke, vom Krieg versehrte und traumatisierte Menschen, aber auch alleinerziehende und werdende Mütter sowie ca. ein Drittel Kinder. In der Containerunterkunft haben sie einen Schutzraum, der nicht nur einen vergleichsweise hohen Standard aufweist, sondern auch besondere Leistungen wie eine Physiotherapie vor Ort, einen Fitnessraum und einen liebevoll gestalteten Kinderraum bietet. Karsta Dietrich, stellv. Geschäftsführerin der milaa gGmbH, sprach mit den Teilnehmenden außerdem über die nächsten Pläne der Organisation, wozu u.a. die Einbeziehung von Angehörigen in die Pflege gehört, wie es in den Kulturen der Herkunftsländer vieler Geflüchteter üblich ist.

Zum anderen führten wir an diesem Abend ein Gespräch mit Wolf Plesmann, dem Stellvertreter des Beauftragten für die Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge beim Regierenden Bürgermeister von Berlin.

Er leitete gemeinsam mit Claudia Langeheine den Aufbau des neuen Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten, das am 1. August 2016 seinen Betrieb aufgenommen hat. Der Management-Profi, der u.a. viereinhalb Jahre für ISAF und die GIZ in Afghanistan das Friedens- und Reintegrationsprogramm mitaufbaute, sprach über die Strategie beim Aufbau der Strukturen der Behörde und betonte auch noch einmal die enormen Herausforderungen, die die Strukturen des LAGeSo überfordert und zur Entscheidung dafür geführt hatten, dass eine neue Behörde notwendig war: Von 15.000 Flüchtlingen im Jahr 2014 war, vor allem im letzten Drittel des Jahres, 2015 die Anzahl auf 80.000 gestiegen. Eigentlich waren am LAGeSo nur etwa 50-100 Mitarbeiter*innen für die Versorgung der Flüchtlinge zuständig – am Ende befassten sich etwa 1000 Mitarbeiter*innen mit der Aufgabe.

Die neue Behörde muss die Herausforderung der Versorgung von aktuell noch knapp 40.000 Menschen, die in Flüchtlingsunterkünften untergebracht sind, nun mit etwa 570 Mitarbeiter*innen stemmen. Diese gilt es nun so zu schulen und in Strukturen einzubetten, dass ein Grad an Flexibilität erreicht wird, der auf Schübe von neuen Flüchtlingsregistrierungen ebenso reagieren kann wie auf Verschiebungen innerhalb der Leistungsgewährung von erstmaligen zu regelmäßigen Gewährungen. Ein Kern der neuen Strukturen sind außerdem die Regionalteams, die zur Bereitstellung von Unterkünften themenübergreifend zusammenarbeiten.

Bei all dem gilt es natürlich die ehemaligen Mitarbeiter*innen des vielgescholtenen LAGeSo mitzunehmen und für ihre Aufgaben zu motivieren. Herr Plesmann gab hierzu viele Einsichten und scheute auch nicht davor, über Problemlagen und Stolpersteine auf dem Weg zu sprechen. Wir bedanken uns für das erkenntnisreiche und offene Gespräch!

Ebenso gilt unser Dank den Gastgeber*innen der milaa gGmbH: dem Einrichtungsleiter Sean Corleone, der stellv. Geschäftsführerin Karsta Dietrich sowie Geschäftsführerin Jeanne Grabner.

Führungskräfte treffen Neuköllner Schüler – Programmtag „Verantwortung“

Eingetragen am 12.09.2016

12. September 2016 | By |

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Der Programmtag zum Thema „Verantwortung annehmen und abgeben können“ brachte die 36 Teilnehmenden unseres diesjährigen Collaborative Leadership Programms mit Neuköllner Schüler*innen zusammen.

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Schulleiter Roland Hägler beim morgendlichen Begrüßen der Schüler*innen

An der Hermann-von-Helmholtz-Schule erfuhren die Führungskräfte zunächst etwas über die Herausforderungen der Schule im Gespräch mit Schulleiter Roland Hägler, der explizit betont: Es handele sich nicht um eine „Brennpunkt-Schule“, wohl aber hätten viele der Schüler*innen mit erschwerten Startbedingungen zu kämpfen. Ein Großteil hat eine andere Herkunftssprache als Deutsch, bei vielen geht niemand in der Familie einer Erwerbstätigkeit nach, von den Eltern gibt es keine Hilfe bei den Hausaufgaben und viele verlassen kaum je das Viertel. Unterstützung gibt es dafür in der Schule u.a. bei der Berufsorientierung. Die Schule unterhält viele Unternehmenskooperationen zur Vermittlung von Ausbildungsplätzen und hat mit dem von der IHK finanzierten AWO-Projekt „Brückenbauer“ eigens einen Berufscoach an Bord, der beim Übergang Schule – Beruf berät. So gelingt es der Schule, immerhin etwa die Hälfte der Schüler*innen in eine Ausbildung zu vermitteln.

IMG_1292Unterstützung gab es nun auch von unseren Führungskräften, die ins kalte Wasser sprangen und jeweils im Zweier-Team oder einzeln eine Unterrichtseinheit übernahmen und mit Schüler*innen der 9. und 10. Klassen über Berufsorientierung, Eigenverantwortung und -initiative, Motivation und auch ihre eigenen Karrierewege sprachen.

Am Nachmittag wurden weitere Dimensionen des Themas Verantwortung ins Auge gefasst: Bei den Kleingruppen-Gesprächen mit verschiedenen Verantwortungsträgern ging es um gesellschaftliche Verantwortung von öffentlichen und privaten Unternehmen, Verantwortung gegenüber Mitarbeiter*innen, Kund*innen oder Mitgliedsorganisationen und auch um die Frage, wann es sinnvoll ist, Verantwortung abzugeben. Dazu gab es Einblicke von

  • Harald Eisenach, Mitglied des Management Committee Deutschland sowie Vorsitzender der Regionalen Geschäftsleitung Ost der Deutschen Bank AG mit Sitz in Berlin
  • Andreas Scholz-Fleischmann, Vorstandsvorsitzendem der Berliner Bäder-Betriebe und ehrenamtlichem Vorstandsvorsitzendem von Leadership Berlin
  • Dr. Gregor Gysi, MdB und ehemaligem Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen des Landes Berlin und von 2005 bis 2015 Fraktionsvorsitzender der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag
  • Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Landesverbandes Berlin.

Vielen Dank an die GesprächspartnerInnen sowie unsere Gastgeber Schulleiter Roland Hägler und Berufscoach Jens Priesen von der Hermann-von-Helmholtz-Schule, die dieses „Experiental Learning“ ermöglicht haben!

„Das Leben draußen“: Netzwerken für Anerkennung

Eingetragen am 09.09.2016

9. September 2016 | By |

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Udo Marin; Foto: VBKI

 

„Netzwerken funktioniert im Gefängnis besser als draußen. Hier ist das ein existentielles Interesse!“ lautet eine der Botschaften, die die Inhaftierten unserem Gesprächsgast im August, Herrn Udo Marin, mitgaben. Damit war schnell klar: Hier sitzen sich Experten gegenüber.

Udo Marin ist seit 17 Jahren der Geschäftsführer des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller e.V. (VBKI). Der Verein wurde bereits im Jahre 1879 gegründet und versteht sich selbst u.a. als eine Think-Tank-Organisation, die auf den Themenfeldern Politik, Standort Berlin, Bildung und Wissenschaft, Sport und mehr Antworten in Form von Positionspapieren erarbeitet. Darüber hinaus fördert der Verein gemeinnützige Projekte und unterstützt im Rahmen einer Sportförderung Berliner Spitzensportler während und nach ihrer aktiven Zeit.

Netzwerker sind vor allem sozial erfolgreich – sie können Menschen für sich und ihre Ideen gewinnen und kennen immer jemanden, der jemanden kennt. So auch die rheinische Frohnatur Udo Marin – eine ideale Besetzung, um zum Thema Netzwerke/Gemeinschaften seine Erfahrungen mit den Inhaftierten zu teilen.

Die Inhaftierten wiederum berichteten von ihren Strategien und Beweggründen, in der JVA selbstständig Netzwerke zu bilden oder bestehenden Netzwerken beizutreten. Sie gaben Beispiele für verschiedene Initiativen der Inhaftierten aus dem Gefängnisalltag und analysierten die Ursachen von Erfolg und Misserfolg dieser Vorhaben. Dabei kristallisierte sich schnell heraus: Der stärkste Antrieb zur Bildung einer Interessengemeinschaft ist immer noch der Kampf gegen einen gemeinsamen „Feind“.

Geschichten über Feinde hatte Herr Marin nicht zu erzählen, wohl aber über einen weiteren Aspekt der Motivation, Menschen zu helfen und dadurch Netzwerke zu bilden: Die Anerkennung.
Das Gefühl, jemandem geholfen zu haben, dafür Anerkennung zu erfahren und keine direkte Gegenleistung zu fordern, ist für Udo Marin ein wesentlicher persönlicher Antrieb seiner Arbeit im Verein. Gleichzeitig wird dadurch das Vertrauen zwischen den Beteiligten gestärkt – und ohne Vertrauen kann ein Netzwerk nicht von Dauer sein.

Ein Nachtrag zu der Gesprächsrunde erreichte uns drei Tage nach der Veranstaltung: Rosemarie Dorsch-Jäger, die Leiterin der sozialpädagogischen Abteilung der JVA Moabit, leitete uns die Rückmeldung eines Gefangenen weiter: „Der Gruppenanlass „Das Leben draußen“ war wieder sehr toll, unterhaltsam und inspirierend. Der Gast fand großen Anklang…“. Ein Ansporn für uns, uns mit „Das Leben draußen“ weiter zu engagieren!