Image Image Image Image Image Image Image Image Image

März 2019 - Leadership Berlin

Das Collaborative Leadership Programm 2019 hat begonnen

Eingetragen am 21.03.2019

21. März 2019 | By |

Die trisektoral besetzte Gruppe

Endlich: Die 36 Teilnehmenden des diesjährigen Collaborative Leadership Programms haben sich in der Schorfheide zusammengefunden und eins ist sicher – die Gruppe ist äußerst vielseitig besetzt und es verspricht eine spannende gemeinsame Learning Journey durch die Stadtgesellschaft zu werden!

Die ersten beiden Tage widmeten wir ganz dem gegenseitigen Kennenlernen, der Umsetzung von Methoden wie der kollegialen Beratung und dem Meinungsstrahl und ersten Diskussionen von gesellschaftlichen Herausforderungen, die aus den unterschiedlichen im Teilnehmerkreis vertretenen Perspektiven beleuchtet wurden.

Wir danken allen, die beim Zustandekommen der vielseitig zusammengesetzten Gruppe mitgeholfen haben und freuen uns auf die kommenden sechs Programmtage an den unterschiedlichsten Orten der Berliner Stadtgesellschaft mit den Teilnehmenden!

Rückblick: Mensa meets Leadership bei der taz

Eingetragen am 20.03.2019

20. März 2019 | By |

Was haben Menschen mit kognitiver Hochbegabung (IQ >130) und Führungskräfte gemeinsam? Selbstverständlich eine gewisse Schnittmenge von Personen, die beiden Gruppen angehören. Aber es gibt auch Unterschiede, denn Intelligenz kann zwar förderlich bei der Karriere sein, aber möglicherweise auch hinderlich, wenn sie nicht mit anderen Eigenschaften sozialer und kommunikativer Art einhergeht, oder wenn jemand mit kognitiver Hochbegabung auf ein Umfeld bzw. Vorgesetzte stößt, die damit nicht umgehen können.

Um das gegenseitige bessere Verständnis – insbesondere das von kognitiv Hochbegabten gegenüber Führungskräften – zu befördern, organisieren wir seit 2014 quartalsweise den Besuch von ca. 20 Mitgliedern von Mensa e.V. bei Führungskräften. Nachdem wir im Medienbereich bereits bei BILD und Tagesspiegel zu Gast waren, fand die letzte Begegnung nun bei der taz auf Einladung der stellvertretenden Chefredakteurin Barbara Junge statt.

Spannend war zu erfahren, welche Unterschiede zu anderen Medienhäusern es bei der taz gibt. Tatsächlich zeigten sich gleich einige:

– Während viele Printmedien mit sinkenden Auflagen und Einnahmen zu kämpfen haben und Krisenstimmung vermitteln, gelingt es der taz durch ihr Genossenschaftsmodell, dem freiwilligen online-Bezahl-Modell „taz zahl ich“ und einer weitergehenden Identifikation ihrer Leser*innen, dem Auflagenrückgang im Print mit einer Zukunftsstrategie zu begegnen und sich  sogar einen eigenen Neubau leisten zu können.“

– Während die meisten anderen Medien den Eindruck erwecken wollen, politisch neutral zu sein (was ihnen mal mehr und mal weniger gelingt), ist die taz als politisch linke Tageszeitung mit starkem Fokus auf Umweltschutz-Themen klar positioniert.

– Während es bei den meisten Medien eine Hierarchie gibt, an deren Spitze Gesellschafter, Geschäftsführung und Chefredakteur*innen das Sagen haben, zeichnet sich die Unternehmenskultur der taz durch eine ausgeprägte Mitbestimmung aus. Redakteur*innen sind sowohl bei Berufung und/oder Absetzung von Vorstand, Geschäftsführung und der Chefredaktion, wie auch vielen Entscheidungen beteiligt. Die (auch redaktionelle) Freiheit der Redakteur*innen gegenüber höheren Ebenen ist hierdurch in größerem Umfang gegeben, als dies bei anderen Medien üblicherweise der Fall ist.

– Aus dieser Freiheit und dem inhaltlich-politischen Profil heraus ergibt sich im Positiven die Möglichkeit, dass Redakteur*innen sich weniger in ständigen Abgleich mit der Berichterstattung durch andere Medien begeben müssen. Vielmehr können sie sich evtl. häufiger den Luxus leisten, eigene, umfangreichere Recherchen zu freier gewählten Themen anzustellen.

Nach der Vermittlung eines Verständnisses von Strukturen und Abläufen folgte eine spannende Diskussion darüber, ob und wie Frauen anders führen und wie evtl. Geschlechterunterschiede in einer Redaktion aussehen, deren Frauenanteil schon vor Jahrzehnten bei 50% lag. Es wurde erörtert, welches Führungsverständnis in einer linken, auf Mitbestimmung ausgelegten Organisation gelebt wird, und schließlich wurde auch noch die Frage diskutiert, ob es eine einheitliche Positionierung bzgl. des Umgangs mit Rechten gibt, bzw. ob und wie die Redaktion sich von Linksextremisten und linker Gewalt distanziert.

Barbara Junge gab einen äußerst spannenden und offenen Einblick in das Innere der taz. Wir bedanken uns für den sehr erkenntnisreichen Abend und wünschen weiterhin viel Energie und Inspiration bei der sicherlich nicht selten herausfordernden Arbeit.

Rückblick: First Monday bei Stromnetz Berlin im InfraLab

Eingetragen am 20.03.2019

20. März 2019 | By |

Unser First Monday fand im März dank der beiden Gastgeber von Stromnetz Berlin GmbH im InfraLab auf dem Euref Campus – einem von zwölf „Zukunftsorten“ in Berlin – statt. Dort diskutierte eine Gruppe Berliner Führungskräfte am Beispiel der Entwicklungen des zukünftigen Energiesystems die Herausforderungen für traditionelle Organisationen und deren Beschäftigte im Hinblick auf die zunehmende Komplexität und Vernetzung. Besonderer Fokus waren die veränderten Anforderungen für Organisationsentwicklung und Change Management.

Nachdem wir einen kurzen Einblick in das Geschehen dieser besonderen Location erhielten, sagte der Abteilungsleiter Metering, Thomas Rütting ein paar allgemeine Worte über die Stromnetz Berlin GmbH, um dann auf gesellschaftspolitische Einflussfaktoren und damit zusammenhängende Herausforderungen bzw. Umstrukturierungsmaßnahmen für die Stromnetz zu sprechen zu kommen. Claudia Rathfux, Prokuristin und Leiterin Kunden- und Marktbeziehungen knüpfte dort an und erläuterte, was das konkret für Handlungsschritte mit sich bringe – besonders in Bezug auf die Unternehmenskultur.

Daran anknüpfend gingen wir über zum offenen Gespräch über die verschiedenen Strategien und Erfahrungen im Change Management. Es wurde nochmal verdeutlicht, wie stark die Anforderungen an Unternehmen bzw. Organisationen bei globalen Querschnittsthemen vom eigentlichen Kerngeschäft wegführen und dass besonders Führungskräfte dadurch mit Innovation und Geduld jonglieren müssen. Der sektorübergreifende Erfahrungsaustausch war an dieser Stelle besonders spannend.

Wir danken der Stromnetz Berlin GmbH und dem InfraLab für die Gastfreundschaft und allen Teilnehmenden für die angeregten Diskussionen. Besonderer Dank gilt Thomas Rütting und Claudia Rathfux, die beide an unserem Collaborative Leadership Programm teilgenommen haben und uns nun mit ihrer aktiven Netzwerkarbeit unterstützen.

First Monday bei der Oberstaatsanwältin für Sexualdelikte

Eingetragen am 18.03.2019

18. März 2019 | By |

Wie kann das Engagement und die Vernetzung von Akteur*innen im öffentlichen Bereich, Non-Profit-Bereich und privatwirtschaftlichen Bereich gegen Kindesmissbrauch gestärkt werden?

Diesem herausfordernden Thema widmeten wir uns bei unserem First Monday am Montag, dem 3. Dezember in den Räumlichkeiten der Staatsanwaltschaft Berlin. Für einen fachlich fundierten Austausch sorgten zu Beginn
Ines Karl, Oberstaatsanwältin für Sexualdelikte (Vergewaltigung/sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch von Kindern, Kinderpornografie, sexuelle Belästigung) und Teilnehmerin unseres Leadership-Jahresprogramms 2017
Sabine Misch, Erste Kriminalhauptkommissarin und Leiterin der Zentralstelle „Spree“ (Täterorientierte Prävention bei rückfallgefährdeten Sexualstraftätern) des Landeskriminalamtes (LKA 13)
Viola Würffel, Gerichts- und Bewährungshelferin bei den Sozialen Dienste der Justiz Berlin, ebenfalls spezialisiert auf Sexualstraftäter

Die Teilnehmergruppe bestand aus 16 Führungskräften, die zum Teil durch Tätigkeiten wie der Leitung eines Jugendamtes, der Geschäftsführung eines Vereins für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen oder auch der fachlichen Aufsicht für eine Fachschule für Erzieher*innen und zahlreiche Kitas einen engen fachlichen Bezug zum Thema Prävention vor Kindesmissbrauch haben. Insofern war es ein sehr informativer Austausch, der wohl für alle Beteiligten wertvolle Informationen und Anregungen enthielt.

Da es insbesondere in Öffentlich ein mitunter falsches Bild über das Thema Kindesmissbrauch gibt, wollen wir hier einige Infos zu dem Thema aufführen:

– Beim Thema Kindesmissbrauch handelt es sich keineswegs um ein medial gehyptes Thema, sondern eine ernst zu nehmende gesellschaftliche Problemstellung mit erschreckend hohen Fallzahlen und enormer, in der Regel lebenslanger Belastung für die Opfer. Im Jahr 2017 lag die Zahl des sexuellen Missbrauchs an Kindern bei 11.547 Fällen und die Aufklärungsquote lag bei 84,8 %. Zum Vergleich: die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffe gegenüber Erwachsenen (in der Regel Frauen) lag 2017 bei 11.282.

– Die Dunkelziffer beim Kindesmissbrauch ist sehr hoch. Expert*innen schätzen, dass es siebenmal so viele Fälle des sexuellen Missbrauchs an Kindern gibt, wie letztendlich zur Anzeige kommen

– Auch, wenn die Zahl der Straftaten erschreckend hoch ist – so ist es keinesfalls so, dass die Situation früher besser gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Trotz einer damals vermutlich noch viel höheren Dunkelziffer lag die Zahl in der Vergangenheit noch deutlich höher. 1973 waren es beispielsweise alleine in Westdeutschland noch 15.563 Straftaten (Unzucht mit Kindern) und 1995 waren es (in Gesamtdeutschland) noch 16.013 Straftaten.

– Anders als es häufig vermutet wird, geht nicht der größte Teil der Missbrauchsfälle auf Pädosexuelle zurück. Schätzungen zufolge sind etwa 40–50% der Männer, die sexuelle Übergriffe auf Kinder begangen haben, pädophil (Beier et al. 2005; s. für einen Überblick Seto 2008). Häufiger als bei nicht pädophilen Tätern handelt es sich dabei um Wiederholungstäter.

– Anders als es häufig vermutet wird, ist es auch nicht so, dass Menschen mit pädosexueller Ausrichtung in den meisten Fällen auch zu Tätern werden. Schätzungsweise 1% der männlichen Bevölkerung ist pädosexuell ausgerichtet, also in Berlin ca. 18.000 Männer. Es wird vermutet, dass etwas weniger als die Hälfte dieser Gruppe zu Tätern wird (vgl. Kuhle, Kossow & Beier 2015)

– Die einseitige Fokussierung der Bevölkerung auf das Zerrbild „pädosexuell = Täter“ verhindert die Zugangsmöglichkeit zu pädosexuellen Nicht-Tätern oder Noch-Nicht-Tätern für präventive therapeutische Maßnahmen und erhöht insofern das Risiko, dass jemand aus der Gruppe zum Täter wird.

– Anders als eine weit verbreitete Angst vermuten ließe ist es absolut die Ausnahme, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder durch Fremdtäter stattfindet, die im Gebüsch Kindern auflauern

– Sexuelle Gewalt findet am häufigsten innerhalb der engsten Familie statt  sowie im sozialen Nahraum beziehungsweise im weiteren Familien- und Bekanntenkreis, zum Beispiel durch Nachbarn oder Personen aus Einrichtungen oder Vereinen, die die Kinder und Jugendlichen gut kennen (ca. 50 %).

– Unter den 936 registrierten Opfern sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in Berlin im Jahr 2017 lag der Anteil von Mädchen bei 68,7% und der von Jungen bei 31,3%. 45,2% der Opfer standen zum Tatverdächtigen in einer engeren oder weiteren Vorbeziehung. Darin enthalten sind die 16,2% aller Opfer, die zum Tatverdächtigen in einer familiären Beziehung standen. Unter den ermittelten Tatverdächtigen waren 95,8% männlich und hatten
75,9% die deutsche Staatsangehörigkeit. 35,5% der Tatverdächtigen war im Alter unter 21 Jahren..“ (PKS Land Berlin 2017)

– Anders als bei anderen Straftaten sind die Täter in allen möglichen sozialen Schichten und mit unterschiedlichem Bildungsniveau zu finden

– Was kaum in der Öffentlichkeit bekannt ist, ist, dass Stiefkinder besonders gefährdet sind

– Was ebenfalls häufig unterschätzt wird, ist, dass viele Kinder über Missbrauchserfahrungen gegenüber ihren Eltern berichten und nicht ernst genommen werden. Eltern sollten insofern gestärkt werden, Hinweise nicht zu überhören

– Ebenfalls kaum in der Öffentlichkeit bekannt ist, dass Opfern die Aussage und Befragung in Gerichtssälen erspart werden kann. Das wissen auch manche Professionelle aus der Kinder- und Jugendhilfe nicht, von denen einige mitunter sogar von Anzeigen abraten.

Im weiteren Verlauf des Abends wurde darüber diskutiert, welche Maßnahmen aus Sicht der Teilnehmenden Sinn machen. Hier wurden unter anderem genannt:

– Es wäre wünschenswert, wenn oben aufgeführte Kenntnisse einer größeren Teil der Bevölkerung bewusst gemacht wird und generell mehr Aufklärung und Sensibilisierung zu dem Thema erfolgt

– Es wäre wünschenswert, wenn die finanziellen Mittel für die Arbeit mit Opfern und Tätern und pädosexuellen Männern, die bislang keine Täter wurden, aufgestockt würden.

– Es wäre wünschenswert, wenn die Mittel für eine zentrale Stelle zu dem Thema in der Verwaltung ausgebaut würden.

– Es wäre wünschenswert, dass – wie bei unserem Termin geschehen – Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen wie Polizei, Staatsanwaltschaft, Kitabereich, Schulen, Mentorenprogramme, Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen und Sportvereine über das Thema austauschen. Bislang gibt es kaum einen Austausch über Kinderschutz-Konzepte z.B. zwischen Mentorenprogrammen, Sportvereinen und Kita-Trägern.

– Es wäre wünschenswert, wenn die Einholung von polizeilichen Führungszeugnissen
a) für Hauptamtliche und Ehrenamtliche in Sportvereine, Mentorenprogramme und anderen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, verpflichtend vorgeschrieben wird
b)  in zeitlichen Abständen wiederholt wird, um Änderungen festzustellen – oder umgekehrt eine Benachrichtigung erfolgen kann, wenn Einträge hinzugekommen sind
c) im Zusammenhang mit der Arbeit mit Kindern generell gebührenfrei ist
d) auch für Tätige von Dienstleistungsunternehmen in Kinder- und Jugendeinrichtungen vorgeschrieben wird (z.B. Reinigungsfirmen in Schulen und Kitas)

– Es wäre wünschenswert, dass sexuelle Selbstbestimmung fest in den Schulunterricht eingebaut wird und Lehrer*innen in Aus- und Weiterbildung für die Missbrauchsthematik geschult werden

– Es wäre wünschenswert, das Wissen über Missbrauch und dass Opfer nach Anzeigen nicht vor Gericht, sondern auch per Video aussagen können, in einfacher Form zielgruppengerecht zu vermitteln, z.B. als Pictogramme auf der Website der Senatsverwaltung

Zuletzt präsentierte Chahira Kressin-Gadermann, Geschäftsführerin von Hand-in-Hand-Patenschaft e.V. als Best-Practice-Beispiel das Kinderschutzmodell, das in einigen Mitgliedern vom Netzwerk Kinderpatenschaften entwickelt und umgesetzt wird.

Das Kinderschutzkonzept beinhaltet folgende Komponenten:
a) ein psychologisches Screening,
b) ein ausführliches Gespräch, welches sich an speziell ausgearbeiteten Fragen entlanghangelt,
c) eine mehrstündige Schulung,
d) die Vorlage eines aktuellen erweiterten Führungszeugnisses,
e) eine sechswöchige Probezeit in der Patenschaft
f) jeder, der bei uns eine Patenschaft anstrebt, stimmt außerdem unserem Ehrenkodex zu,
g) und unterschreibt, dass sein Name zum Schutz der Kinder in eine vom Netzwerk Berliner Kinderpatenschaften speziell hierfür entwickelte Datenbank von Ehrenamtlichen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eingetragen wird.

Während die ersten Punkte auf allgemeinen Anklang stießen, teilten sich die Meinungen im Hinblick auf die Nutzung der Datenbank. Die Datenbank beinhaltet keine Eintragungen über Fehlverhalten sondern ausschließlich die Informationen, wann und von welcher anderen angeschlossenen Organisation für die angefragte Person bereits eine Anfrage gestellt wurde. Die Eintragung sowie die Abfrage erfolgen nur nach Zustimmung der Betreffenden und erfüllt laut Chahira Kressin-Gadermann die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung. Die Datenbank ist als Unterstützungsinstrument dafür gedacht, dass Personen, die als Ehrenamtliche z.B. Mentorenprogrammen oder als Freizeitbetreuer aktiv Zugang zu Kindern und Jugendlichen suchen und die aufgrund von Verhalten (auch unterhalb der Strafbarkeitsgrenze) in einer Organisation aufgefallen sind, nicht im Anschluss von einer Einrichtung zur nächsten wechseln, wo sie wiederum Zugang zu Kindern und Jugendlichen suchen. Durch die Transparenz, wo jemand, der sich als Ehrenamtlicher bewirbt, zuvor schon überall vorstellig und tätig wurde, könnte bei Vorstellungsgesprächen entsprechende Nachfragen gestellt werden bzw. bei den vorherigen Einsatzorten eine Referenz angefragt werden.

Die einen fanden den Einsatz einer solchen Datenbank für einen absolut sinnvollen, überfälligen Schritt, der dazu beitragen kann, Missbrauchsfälle zu vermeiden und plädierten dafür, dass möglichst viele Träger der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen über Sportvereine, Musikvereine bis hin zur Staatsanwaltschaft sich der Datenbank anschließen. Befürworter zogen den Vergleich zu Finanzabfragen bei Schufa, Creditreform u.ä., mit denen sich jede*r auch einverstanden erklären muss, wenn man z.B. einen Mobilfunkvertrag abschließt und hoben hervor, dass durch den Einsatz der Datenbank, ein Hopping von einer Einrichtung zur nächsten durch Personen, die besonders an Kindern interessiert sind und deren Grenzüberschreitungen sich möglicherweise noch steigern, verhindert werden kann.

Einige der Anwesenden hatten allerdings starke Bedenken bzgl. der Einsetzung einer solchen Datenbank. Nach ihrer Einschätzung hat die Information über frühere Eintragungen zur Folge, dass die anfragende Organisation daraufhin bei den vorherigen Einsatzorten bzgl. positiver oder negativer Erfahrungen mit der entsprechenden Person nachfragt und damit sind Tür und Tor geöffnet, dass jemand, dem zu Unrecht von einer Organisation, bei der er/sie tätig war, etwas schlechtes nachgesagt wird, zukünftig von keiner anderen Organisation mehr für die ehrenamtliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen angenommen wird. Darüber hinaus bezweifelten manche, dass eine solche Datenbank den derzeit geltenden Datenschutzvorgaben gerecht wird und dass der Aufwand in vernünftigem Verhältnis zum Nutzen steht.

Fazit und Ausblick:

Es war ein äußerst bereichernder differenzierter Blick auf die Herausforderung und Verbesserungsmöglichkeiten zum Thema Kindesmissbrauch. Ein größerer Teil der Teilnehmenden des Austauschformats zeigte Interesse und Bereitschaft, sich bei Folgetreffen weiter mit dem Thema zu befassen. Zu dem nächsten Treffen möchte Chahira Kressin-Gadermann vom Netzwerk Berliner Kinderpatenschaften bzw. Geschäftsführerin von Hand- in-Hand-Patenschaft e.V. einladen.

Besprochen werden könnte bei einem folgenden Treffen:
– Konkrete Einblicke in die vom Netzwerk Kinderpatenschaften entwickelte Datenbank, Klärung hinsichtlich Datenschutzgrundverordnungskompatibilität und ggfls. Diskussion wie die Datenbank verändert und ausgebaut werden könnte

– Wie kann öffentliche Wissen über Kindesmissbrauch gestärkt werden? Wie können z.B. Artikel in russischsprachigen Medien platziert werden? Oder wie kann das Wissen bei Lehrer*innen, Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen erhöht werden?

– Welche interdisziplinären Austauschformate zu dem Thema gibt es und wie könnten diese ggfls. gestärkt werden? Oder macht es Sinn, selbst eine interdisziplinäre Fachkonferenz zu dem Thema auf die Beine zu stellen?

– Wie kann Lobbyarbeit aussehen und wer könnte sie machen, um eine Erhöhung öffentlicher Mittel und Personalstellen für eine zentrale Anlaufstelle in der Verwaltung, für die Arbeit mit Täter*innen, für die Arbeit mit Opfern und die Qualifizierung von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen zu bewirken?

Links:
• das Kinderschutzkonzept von Hand-in-Hand-Patenschaft e.V. : http://www.handinhand-patenschaft.de/kinderschutz.html
• Netzwerk Berliner Kinderpatenschaften: https://www.kipa-berlin.de/alle-programme-auf-einen-blick-1/
• Berliner Netzwerk gegen sexuelle Gewalt: https://www.berlin.de/sen/gpg/service/berliner-netzwerk-gegen-sexuelle-gewalt/teilnehmende/