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September 2019 - Leadership Berlin

Rückblick: First Monday Diskussion zu „Quoten“ in Demokratie & Wirtschaft

Eingetragen am 12.09.2019

12. September 2019 | By |

Am ersten Montag im September, einen Tag nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg, fand unser Diskussionsformat First Monday mit der Frage, was „Quoten“ für Demokratie und Wirtschaft bedeuten, statt. Exemplarisch wurde das Thema zunächst anhand des aktuell verhandelten Paritätsgesetzes (PDF) für Brandenburg bearbeitet. Und eins ist jedenfalls sicher: Sollte das Gesetz tatsächlich durchgesetzt werden, sehen die Listenzusammenstellungen 2020 anders aus.

Denn in diesem Jahr gingen nur 28 der 88 bzw. 31% Parlamentssitze an Frauen, was gerade einmal etwas mehr als der durchschnittliche Frauenanteil unter den Parteimitgliedern ist. Dass es wünschenswert wäre, dass mehr Frauen Mitglieder in Parteien werden und auch, dass der Frauenanteil in Führungspositionen bzw.  unter den Abgeordneten höher ist, darin stimmten alle Teilnehmenden noch überein. Ob jedoch eine gesetzliche 50-Prozent-Quote für die Zusammenstellung der Listen der richtige Weg ist, um das Ungleichgewicht aufzuheben, da schieden sich die Geister. Die einen sahen darin einen Eingriff in die demokratische Freiheit, die anderen meinten, die Gleichberechtigung von Mann und Frau werde erst angemessen gefördert, wenn auch die Direktmandate quotiert werden würden.

Daher teilten sich die Teilnehmenden in zwei Gruppen, um Pro- und Contra-Argumente zum Paritätsgesetz zu finden. Das Gespräch der Befürworter*innen wurde moderiert von Winfriede Schreiber, u.a. ehemalige Präsidentin des Verwaltungsgerichts Cottbus, Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes und heute Vorstandsvorsitzende von Leadership Brandenburg. Die andere Gruppe wurde moderiert von Bernhard Heider, Geschäftsführer von Leadership Berlin. Die jeweiligen Argumente wurden daraufhin in einem Debattenformat vorgetragen. Startschuss war das Einstiegsplädoyer von Winfriede Schreiber mit dem Titel „Mut zur Veränderung“, in welchem sie auf die lange Historie des Patriarchats und die Notwendigkeit nach neuen strukturellen Weichen verwies. Dagegen hielt die andere Gruppe, ebenfalls vertreten durch eine Frau, mit dem Einstiegsplädoyer „Fördern statt Quotieren“, in welchem angemahnt wurde, dass durch das Instrument der Quoten eine Zwangsstruktur geschaffen werde, die an den eigentlichen Bedarfen, wie familienfreundlichen Arbeitszeiten, vorbeigehe. Es entwickelte sich ein spannendes Ping-Pong-Match aus Argumenten, welches in je einem Abschlussplädoyer mündete.

Wenngleich kaum jemand die Eingangsposition gewechselt hat, gab es doch Anerkennung für die starken Argumente der „Gegenseite“ und das Gefühl, dass alle dasselbe Ziel vor Augen haben und sich nur die Wege unterscheiden. Immerhin: „Der kontroverseste First Monday, den ich je erlebt habe!“, so das Fazit eines teilnehmenden langjährigen Mitglieds.

In der Abschlussrunde besonders positiv hervorgehoben wurde der Veranstaltungsort: Dankenswerterweise hatte sich Sebastian Schimming, Geschäftsführer der Kreativitätsgrundschulen, als Gastgeber angeboten und damit ermöglicht, die Räumlichkeiten in der Grundschule im Friedrichshain zu nutzen. Und diese konnten sich blicken lassen: das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde (und wird) über zehn Jahre renoviert und strahlt mit dem großzügigen Schulhof und der imposanten Aula ein besonderes Flair aus. Ein Highlight der Überarbeitungen ist sicher das alte Schwimmbad, welches in eine Bibliothek umgebaut wurde. Der ehemalige Pool ist nun eine holzverkleidete Einlassung zwischen Büchern, in welchem gemütliche Sitzsäcke und Decken zum Schmökern und Verweilen einladen. Vielen Dank an alle Teilnehmenden für die spannende Debatte und nochmal besonders an den Gastgeber Sebastian Schimming.