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Peer Fechner, Autor bei Leadership Berlin

Veränderungsprozesse und Wandel am Beispiel des Braunkohleabbaus

Eingetragen am 10.07.2018

10. Juli 2018 | By |

Am Samstag, dem 2. Juni 2018 waren wir mit einem Einzelprogrammtag zu Gast bei der Lausitz Energie Bergbau AG und der Lausitz Energie Kraftwerke (LEAG) statt. Auf Einladung von Leadership Brandenburg e.V. gemeinsam mit Leadership Berlin e.V. traf sich eine vielfältig zusammengesetzte Gruppe von 20 Führungskräften und beschäftigte sich einen Tag lang mit den besonderen Herausforderungen der Lausitz, einer Region, die massiv mit Umstrukturierung und Veränderung konfrontiert ist.

Aus verschiedenen Perspektiven gingen sie Fragen nach, welche Strategien Verantwortungsträger vor Ort verfolgen und wie Menschen mit Führungsverantwortung dort ihre Zukunft aktiv gestalten. Wie vielfältig die Gruppe zusammengesetzt war, zeigte sich gleich zu Anfang bei einem Meinungsstrahl zu der Frage, ob der Braunkohleausstieg sofort erfolgen solle oder nicht. Hier fächerten sich die Meinungen von totaler Zustimmung bis hin zu vollkommener Ablehnung sehr breit auf. Ganz in diesem Sinne wechselten sich dann auch den ganzen Tag über Neugier mit Skepsis oder auch Überraschung ab.

Gastgeber des Tages waren die Lausitz Energie Bergbau AG und die Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG), die als Arbeitgeber von 8.000 Mitarbeitern und nochmals rund 12.000 indirekten Arbeitsplätzen in Zulieferbetrieben den Alltag vieler Menschen in der Region prägt. Unter Anleitung von Herrn Dr. Rendez, dem Vorstandsvorsitzenden der LEAG, erlebte die Gruppe neben einer Fahrt durch den Braunkohletagebau Welzow-Süd auch eine Führung durch das Kraftwerk Schwarze Pumpe. Am Nachmittag konnten wir dann außerdem noch drei weitere lokale Gesprächspartner mit ganz unterschiedlichen Perspektiven begrüßen. Frau Christine Herntier ist als Bürgermeisterin von Spremberg nahe an den Bedürfnissen der Bürger und wird deren Interessen auch in der Kommission ‘Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung‘ vertreten. Dr. Wolfgang Krüger kennt als Geschäftsführer der IHK Cottbus die direkten und indirekten Abhängigkeiten vieler, insbesondere auch kleinerer Unternehmen der Region vom Tagebau. Ein Mittler zwischen den vielen Stimmen in der Region wiederum ist Pfarrer Burkhard Behr, der seit letztem Herbst das von der evangelischen Kirche eingerichtete Zentrum für Dialog und Wandel leitet.

In den unterschiedlichen Darstellungen unserer Gesprächspartner wurden einige Punkte deutlich. Zum einen erleben alle Gestalter vor Ort, dass sie selten oder nur in geringem Umfang in die Entscheidungsprozesse und Zukunftsplanungen für die Region eingebunden werden. Die politischen Vertreter aus dem gefühlt weit entfernten Berlin kommen, wenn überhaupt, nur kurz in die Region und machen sich nur oberflächlich ein Bild von den Gegebenheiten und Bedürfnissen der Menschen. Die Zerrissenheit und Zerstrittenheit der Betroffenen, aber auch die Frustration und ein Gefühl von Machtlosigkeit schlagen sich unter anderem in der hohen AfD Wählerquote nieder. Viele erleben es als Hohn, dass in Berlin der Flugverkehr massiv ausgebaut wird und dabei die CO2 Bilanz offenbar nur eine geringe Rolle spielt, wohingegen eine von massiver Arbeitslosigkeit bedrohte Region aus demselben Grund ein gut wirtschaftendes Unternehmen schließen soll. In diesem Zusammenhang überraschte viele Teilnehmende die Information, dass die Umschichtung der Böden und die streng geregelte Rekultivierung nach dem Abbau der Braunkohle bewirkt, dass die landwirtschaftliche Qualität der Flächen im Anschluss oftmals deutlich höher ist, als es die „Märkische Sandbüchse“ davor war.

Die Meinungsvielfalt der Teilnehmenden war auch nach dem Tag groß, aber durch die hautnahen Erlebnisse und einige Stunden intensiver Beschäftigung mit den unterschiedlichen Facetten, konnten wir ein deutlich besseres Gefühl für die Komplexität der Themen rund um die Braunkohle in der Lausitz gewinnen. Eine Reihe von Sichtweisen hat gezeigt, wie die verschiedenen Entscheidungsfelder ineinandergreifen und was sie jeweils auslösen können. Auch hier ist eine einfache Lösung eine Illusion. Jedoch ist klar geworden, wie wichtig es wäre, die Menschen von hier wirklich ernsthaft an der Gestaltung der eigenen Zukunft teilhaben zu lassen. Außerdem wünschen sich viele endlich klare und verlässliche Entscheidungen, damit eine Planbarkeit überhaupt erst ermöglicht und die momentan vorherrschende Unsicherheit überwunden werden kann.

Vertretungsstunde: Diskussion zum Thema Homosexualität

Eingetragen am 09.06.2018

9. Juni 2018 | By |

„Wie würdet ihr reagieren, wenn eure Schwester, euer Bruder oder Freunde euch mitteilen, dass sie homosexuell sind?“

Gilles Duhem ist für viele Schüler ein bekanntes Gesicht. Unweit der Zuckmayer-Schule führt der 51-Jährige den Verein MORUS 14, der mit vielen freiwilligen Schülerinnen und Schülern aus dem Kiez auch Nachhilfe anbietet. Kurz erzählt er von seinem Werdegang. Aus Paris ist er vor rund 30 Jahren nach Deutschland gekommen, hat in Berlin studiert und leitet seit 2007 den Verein in der Morusstraße.

Nachdem die Schülerinnen und Schüler einen Stuhlkreis gebildet haben, bittet Gilles, darum, die Sitzordnung zu ändern – immer ein Junge und ein Mädchen nebeneinander. Für manche ist das keine leichte Aufgabe, sitzen sie doch sonst immer nach Geschlecht getrennt voneinander. Aber die Vertretungsstunde ist heute anders.

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Gilles überrascht die Jugendlichen mit einem Satz an der Tafel: „Ich bin schwul und das ist auch gut so“. Wer hat das gesagt? Einige erinnern sich an diese Aussage von Klaus Wowereit zu seinem Amtsantritt. „Das hätte auch ich sagen können“ verrät Gilles und schon gibt es viele Fragen: Hat er einen Freund oder ist er verheiratet, hat er Kinder adoptiert, wann hat er gemerkt, dass ihn Mädchen nicht interessieren und wer ist der Mann, wer ist die Frau beim Sex? Ein Junge sagt: „Ich bin da ganz ehrlich, ich bin schwulenfeindlich. Ich weiß nicht genau warum, aber wenn da einer kommt und mich anmacht!“

Gilles setzt Homosexualität zunächst in ein Verhältnis aus Zahlen und Fakten: 5 % der Weltbevölkerung bezeichnet sich als schwul, lesbisch, bi- oder transsexuell. Und das gab es schon immer. Bei den Muslimen sind es ca. 80 Millionen Menschen weltweit. Das löst Verwunderung aus. In vielen Ländern dürfen Homosexuelle heiraten und Kinder bekommen oder adoptieren, aber es gibt auch Orte, in denen sie ihre Homosexualität verschweigen müssen, weil sie unter Todesstrafe steht. Das ist z.B. im Iran, in Afghanistan oder in Saudi-Arabien der Fall. Die Selbstmordrate bei Homosexuellen ist dreimal so hoch wie bei Heterosexuellen, auch dies spricht eine deutliche Sprache. Für viele Menschen aus der muslimischen Community, die in Berlin leben, ist es schwer, zu ihrer Sexualität zu stehen, weil es ein großes Tabu ist. Gilles unterstützt einige geflüchtete Schwule aus dem Nahen Osten und berichtet von einem schwulen Imam aus Frankreich, der Homosexuelle in die Moschee einlädt.

Ein Junge möchte wissen: Wie war es bei ihm, hat sein Vater ihn nicht geschlagen, als er erfahren hat, dass sein Sohn schwul ist? Gilles sagt, dass seine Eltern moderne Ansichten haben, und es völlig unproblematisch war. Nicht alle Eltern reagieren so. Gilles erzählt von einem bayrischen Freund, der 1983 an seinem 18. Geburtstag von der Schule nach Hause kam, und einen gepackten Koffer vor der verschlossenen Tür fand. Oder von einem Fall aus Berlin. Hier wurden einem jungen Mann von seinem Vater und seinen Onkeln K.O.-Tropfen verabreicht, im Kofferraum eines Autos wollten sie ihn in den Libanon bringen, um ihn dort töten zu lassen. Glücklicherweise fielen sie Grenzpolizisten auf und wurden verhaftet. Die Schüler sind betroffen: „Es ist doch immer noch mein Kind“ sagt ein Mädchen.

„Wie würdet ihr reagieren, wenn eure Schwester, euer Bruder oder Freunde euch mitteilen, dass sie homosexuell sind?“ will Gilles wissen. „Ich würde ihm ein Mädchen klar machen“ sagt einer sofort. Einige Schüler reagieren empört, sie würden nicht mehr miteinander reden. Vor allem wollen sie nicht, dass andere davon erfahren. „Rausschmeißen oder schlagen“ sagt einer. Auch „töten, um das Blut rein zu halten“ wird als Alternative genannt, so kann die Ehre gerettet werden, ergänzt ein anderer. Jemand wirft ein, dass jeder selber wissen muss, was er mag, ob Jungs oder Mädchen, das ist doch egal, ein Mensch ist ein Mensch. Viele Vorschläge drehen sich um die passende Bestrafung, doch es gibt auch leisere Töne: ein Junge erzählt, dass er einen schwulen Cousin hat, ein anderer, der zuvor für’s Töten eingetreten ist, räumt ein, dass schlagen auch ausreichen würde.

Gilles lässt jede Meinung gelten und hört genau zu, verurteilt nicht. Denn er freut sich, dass die Schüler so offen sprechen. Viele geraten ins Grübeln. Und genau das ist es, was Gilles erreichen möchte – über Homosexualität zu reden ist ein erster Schritt weg vom Tabu und eine Einladung zur Reflektion. Die heutige Vertretungsstunde ist ganz sicher ein Anfang dafür. „Sex ist doch auch viel interessanter als Schule“ sagt Gilles mit einem ansteckenden Lachen, als es zur Pause klingelt.

Berliner Verkehrsnetze – Agieren vs. Reagieren

Eingetragen am 29.05.2018

29. Mai 2018 | By |

Agieren versus Reagieren — welche Einflussfaktoren und Gestaltungsmöglichkeiten sieht Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner für die Anpassung und Gestaltung der Verkehrsnetze von Berlin?

Foto: Sebastian Rittau [CC-BY 4.0]

Zeit:                 Montag, den 04.06.2018, 18:30 Uhr – 21:00 Uhr
Ort:                  Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
                         Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin
                         Raum 306 (Rittersaal)
Gastgeber:      Jens-Holger Kirchner, Staatssekretär für Verkehr    

Anmeldung:     hier

„Berlin wird auf Sicht gefahren“, so mitunter ein gern geäußerter Vorwurf an die Berliner Politik und Verwaltung angesichts der personellen und finanziellen Ressourcen und dem mitunter nicht ganz so ausgeprägten Mut, gegen alle Widerstände Veränderungen zu gestalten.

Zumindest letzteres kann man Jens-Holger Kirchner, seit 2016 Staatssekretär für Verkehr nicht nachsagen. In seinem Amt als Baustadtrat in Pankow erwarb er sich den Ruf, hemdärmelig und unkonventionell Dinge anzupacken: sei es in Form einer öffentlichen Ekelrestaurant-Liste, dem Ferienwohnungsverbot für Prenzlauer Berg oder, indem er z.B. auch einmal medienwirksam einen maroden Bürgersteig absperrte, um die zuständige Senatsverwaltung zum Handeln zu bewegen. Nun bekleidet er selbst in der für Verkehr zuständigen Senatsverwaltung eine führende Position.

Wie hat sich seine Sicht auf die Arbeit einer Senatsverwaltung verändert? Wie stellen sich aus seiner Sicht die Gestaltungsmöglichkeiten und die Verantwortung zur Gestaltung der Verkehrsnetze der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz dar? Welche Einflussfaktoren fließen im Hinblick auf die Gestaltung der Infrastruktur für Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV, Auto, Lieferverkehr und Flugverkehr mit ein? An welchen Stellen müssen Politik und Verwaltung auf bereits stattgefundene Entwicklungen „reagieren“ und „reparieren“ und in wieweit gelingt es, auch zu „agieren“ und tragfähige Entscheidungen mit Langfrist-Perspektive voranzubringen? Und welche sind das und wie laufen diesbezügliche Entscheidungsprozesse?

Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Nicht-Mitgliedern ermöglichen wir die Teilnahme vereinzelt. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen dieses Mitgliedsformulars tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei und Anmeldungen sind über das folgende Formular möglich.

First Monday am 9. April: Dar-as-Salam Moschee & „Inschallah“

Eingetragen am 16.04.2018

16. April 2018 | By |

Die einen reden von Islamismus, die anderen von Islamfeindlichkeit – wie kann Ausgrenzung und Abgrenzung von Muslimen entgegengewirkt werden? Der Umgang mit Kontroversen am Beispiel der Dar-as-Salam-Moschee und ihrem Imam und Vorstand Mohamed Taha Sabri.

Diesem Thema widmeten wir unseren First Monday am 9. April mit knapp 40 Teilnehmenden in der Neuköllner Begegnungsstätte (Dar-as-Salam-Moschee). Die Moderation übernahm Winfriede Schreiber, ehemalige Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes (und zuvor u.a. Polizeipräsidentin von Ost-Brandenburg und Präsidentin des Verwaltungsgerichts Cottbus) und heute Mitwirkende in unserem Projekt meet2respect wie auch Vorstandsvorsitzende unseres Schwestervereins Leadership Brandenburg.

Der First Monday begann mit der Vorführung des Filmporträts über den Imam und Vorsitzenden der Moscheegemeinde, Mohamed Taha Sabri, dem sich daraufhin ein offener Austausch mit Mohamed Taha Sabri und den beiden Regisseurinnen Judith Keil und Antje Kruska anschloss. Es war ein spannender Austausch, bei dem sowohl die Aufführung im Berliner Verfassungsschutzbericht der Moscheegemeinde wie auch die Verhältnismäßigkeit der Berichterstattung eingehend auch mit anwesenden Journalisten diskutiert wurde.

Die Teilnehmenden kamen teilweise mit einem mulmigen Gefühl und Skepsis in die Dar-as-Salam-Moschee. Denn was ihre öffentliche Darstellung angeht, sind die Berichte widersprüchlich: einerseits als Musterbeispiel integrativer, positiver Arbeit gelobt und andererseits als „Hass-Moschee“ oder „Teil der Muslimbruderschaft“ beschuldigt.
Gegangen sind die meisten mit der Erkenntnis, dass die NBS ein guter Kooperationspartner sein kann, wenn es darum geht, auch junge Muslime für gesellschaftsrelevante Themen zu mobilisieren.

Vielen Dank an alle Beteiligten und für die Gastfreundschaft der Dar-as-Salam Gemeinde.

Nachtrag: am 18. April erschien folgender Beitrag  des israelischen Journalilsten Igal Avidan beim Deutschlandradio über die Neuköllner Begegnungsstätte und ihren Imam Mohamed Taha Sabri.

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Ablauf: 
17.30 – 19.00 Uhr Filmvorführung des Films „Inschallah“, einem Filmporträt im Auftrag von 3SAT über Mohamed Taha Sabri in Anwesenheit der Regisseurinnen Judith Keil und Antje Kruska.
Der Film gewann bei den Duisburger Filmwochen 2017 den Publikumspreis und bietet einen sehr dezidierten Einblick in die Lebenswelt des Imams Mohamed Taha Sabri und seiner Gemeinde.

19.00 – 21.00 Uhr Diskussion mit Mohamed Taha Sabri und Vorständen der Gemeinde, die sich den kritischen Fragen der Teilnehmenden stellen. Da die Diskussion sich sicherlich nicht auf die Inhalte des Films beschränkt, ist auch eine Teilnahme erst ab 19 Uhr gerne möglich. Personen mit kritischen Positionen sind herzlich willkommen!


Über die Moscheegemeinde

Die Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) ist seit 2016 Gegenstand von Diskussionen. Einerseits genießt die Moscheegemeinde aufgrund ihres Engagements für interreligiösen Dialog, Integration und Verständigung Ansehen bei Organisationen, die mit ihr regelmäßig zusammenarbeiten wie z.B. der Landeszentrale für politische Bildung, Vertretern der Evangelischen und Katholischen Kirche und des Humanistischen Verbandes oder auch uns als Leadership Berlin. Ihr Vorsitzender und Imam Mohamed Taha Sabri erhielt u.a. den Verdienstorden des Landes Berlins und der Dokumentarfilm „Inschallah“ über Taha Sabri seine Moscheegemeinde gewann 2017 den Publikumspreis der Duisburger Filmwoche.

Andererseits ist die Moscheegemeinde im Verfassungsschutzbericht des Landes Berlin aufgeführt und ist Objekt kritischer Berichterstattung z.B. seitens der Journalisten Sascha Adamek vom rbb, Frank Jansen vom Tagesspiegel, Ahmad Mansour und Sigrid Herrmann-Marschall und zuletzt im Dezember 2017 in BILD, BZ und WELT. Thematisiert worden sind Verbindungen zur Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD), die von Verfassungsschutzbehörden als deutscher Arm der Muslimbruderschaft betrachtet wird (siehe „Kontroverse um Eintragung im Verfassungsschutzbericht“ und „Kritik an der Neuköllner Begegnungsstätte im Einzelnen“). 

(aus Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Neuk%C3%B6llner_Begegnungsst%C3%A4tte)

Immerhin bestreiten auch die Warner nicht, dass sich die Moscheegemeinde für Demokratie, freiheitliche Rechte, den Dialog mit Andersgläubigen und die Integration ihrer Mitglieder in die deutsche Gesellschaft erfolgreich eingesetzt hat und weiter einsetzt.

 

Die Auseinandersetzung der Moscheegemeinde mit dem Berliner Verfassungsschutz und Medien:

  • Die Moscheegemeinde steht im Bericht des Berliner Verfassungsschutzes 2016 (https://www.berlin.de/sen/inneres/verfassungsschutz/publikationen/verfassungsschutzberichte/ Seite 75ff.) unter der Rubrik „legalistischer Islamismus“ und Verbindungen zur Muslimbruderschaft. Gegen diese Aufführung hat die Moscheegemeinde Klage eingereicht, da nach Einschätzung der Moscheegemeinde die Eintragung lediglich auf zumeist vereinzelten indirekten Verbindungen und „Kontaktschuld“ basiere und nicht darauf, das sich ein Vertreter der Moschee jemals auf irgendeine Weise frauenfeindlich, homophob, antisemitisch, gewaltrelativierend oder anderweitig nicht verfassungskonform geäußert habe.
  • Im Herbst 2017 hat die Moscheegemeinde eine einstweilige Verfügung gegen den Evangelischen Pressedienst EPD erwirkt, der die Moschee auf Grundlage einer Behauptung von Dr. Abdel-Hakim Ourghi von der Ibn-Rushd-Goethe Moschee als „als salafistisch geltend“ bezeichnet hatte, was dann wiederum in einige Medienberichte eingeflossen war. Der EPD legte Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung ein, aber das Berliner Landgericht entschied jüngst im Februar zugunsten der NBS, dass Medien die Moschee nicht als „als salafistisch geltend“ bezeichnen dürfen.
  • Gegen eine nicht belegbare Behauptung im Tagesspiegel „Islamistische Prediger sollen dort gegen Juden, Homosexuelle und Schiiten gehetzt haben“ konnte die NBS im vergangenen Jahr über ihren Rechtsanwalt eine Gegendarstellung bewirken, die auch im Tagesspiegel abgedruckt wurde (https://www.tagesspiegel.de/berlin/gegendarstellungen/in-eigener-sache-gegendarstellung-zu-moschee-besucher-verletzt-fuenf-polizisten/20285758.html ) In den letzten Jahren waren immer wieder explizit und offiziell Juden, Homosexuelle und Schiiten auf Einladung der Moschee in ihren Räumlichkeiten, andererseits waren allerdings in der Zeit bis 2013 auch 2-3 Personen in der Moschee, die an anderem Ort und zu anderer Zeit mit islamistischen Äußerungen negativ auffielen.
  • Im Dezember wurde bundesweit über die NBS in der BILD sehr negativ mit Aufführung zahlreicher Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Auftreten ihres Jugendseelsorgers bei einer Gedenkveranstaltung am Breitscheidplatz berichtet. ( https://www.bild.de/politik/inland/islamismus/so-islamistisch-ist-der-radikal-imam-54302860.bild.html ) Hierzu veröffentlichte die NBS eine ausführliche Gegendarstellung auf ihrer Website. (http://www.nbs-ev.de/presse/69-stellungnahme-zum-artikel-in-der-bild-zeitung-vom26-12-2017 )

 

Berührungspunkte mit Leadership Berlin:

Im Zusammenhang mit unserem Projekt meet2respect war es Mohamed Taha Sabri und die Neuköllner Begegnungsstätte, die nach dem Mobbing eines jüdischen Schülers durch seine muslimischen Mitschüler dies mit klaren Worten verurteilte und eine diesbezügliche Erklärung gegen Antisemitimus unter Bezugnahme auf unsere meet2respect-Grundsatzerklärung zum friedlichen Miteinander von Juden und Muslimen initiierte und dafür 12 Moscheevereine und 6 Imame als Mitunterzeichner gewann. (http://www.nbs-ev.de/presse/24-gemeinsamer-brief-von-muslimen-gegen-die-diskriminierung-und-ausgrenzung-von-juedischen-mitschueler-innen )

Auch im Dezember 2017 nach einer Demonstration von Palästinensern in Berlin gegen die Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Trump veröffentlichte die Neuköllner Begegnungsstätte eine Erklärung gegen Antisemitismus unter Bezugnahme auf unsere meet2respect-Grundsatzklärung. ( http://www.nbs-ev.de/presse/66-aus-aktuellem-anlass-stellungnahme-zu-antisemitismus-und-den-protesten-in-berlin ). Dies fanden wir zum einen dadurch besonders beachtlich, als dass Palästinenser unter den ca. 1500 wöchentlichen Besucher der Freitagsgebete der Neuköllner Begegnungsstätte die größte Gruppe darstellen. Zum anderen fanden wir bedauerlich, dass, obgleich die Moscheegemeinde die beiden Erklärungen an einen 300 Empfänger umfassenden Presseverteiler versendeten, nicht ein Medium die Moschee kontaktierte, um darüber zu berichten.

Des Weiteren waren wir in der Moschee im Rahmen unseres Projektes mit einer Gruppe von schwulen und lesbischen Führungskräften zu Gast und auch zu dem Thema zeigte die Neuköllner Begegnungsstätte Profil. Einerseits, da sie Mitunterzeichner unserer meet2respect-Grundsatzerklärung von Muslimen gegen Homophobie ist ( http://meet2respect.de/religion-lgbti/grundsatzerklaerung/ ) und andererseits auch aufgrund der Offenheit, mit der Mohamed Taha Sabri mit dem Thema umgeht und sich Homophobie in seiner Gemeinde mit klaren Worten entgegenstellt.

Im Jahr 2016 organisierten wir außerdem eine Veranstaltung zum Thema „Konzepte der Parteien gegen die Ausgrenzung und Abgrenzung von Muslimen in eine Parallelgesellschaft“ in der Neuköllner Begegnungsstätte unter der Moderation von Winfriede Schreiber, zu der Vertreter von SPD, CDU, Grüne, Linkspartei, FDP und AfD in die Moschee eingeladen waren. (http://leadership-berlin.de/muslime-fragen-politiker-antworten-in-der-neukoellner-begegnungsstaette/ )

Der Vorstand und Imam der Dar-as-Salam-Moschee, Mohamed Taha Sabri, hat nicht nur zweimal Gesprächspartner unseres Collaborative Leadership Programms empfangen und beteiligte sich an unserer meet2respect-Tandemtour 2017 – er hat selbst auch an unserem letzten Jahresprogramm teilgenommen und zählt seitdem selbst zu den regelmäßigen Besuchern unserer First Monday Veranstaltungen.

Sie sehen, an der Bewertung der Neuköllner Begegnungsstätte (Dar-as-Salam-Moschee) scheiden sich die Geister. Wir als Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V. halten viel von der NBS und ihrem Imam Mohamed Taha Sabri. Wir halten es für richtig und wichtig, die Zusammenarbeit mit der Neuköllner Begegnungsstätte auch in Zukunft fortzusetzen. Selbstverständlich können wir nachvollziehen, dass manche unserer Mitglieder angesichts der Berichterstattung, in der die NBS immer wieder als Teil eines extremistischen, islamistischen Umfelds dargestellt wird und auch Begriffe wie „Hass-Moschee“, „Radikal-Imam“, „lächelndes Gesicht einer Terror-Organisation“, „salafistisch“, „islamistisch“, „Teil der Muslimbruderschaft“ (gegen die die NBS inzwischen juristisch vorgeht und dabei bereits einige Erfolge erzielen konnte – die Entscheidung über ihre Klage gegen die Aufführung im Berliner Verfassungsschutzbericht steht allerdings noch aus) in Sorge oder verunsichert sind. Mit dem First Monday unter der Moderation von Winfriede Schreiber, ehemaliger Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes, wollen wir unseren Mitgliedern und interessierten Gästen die Möglichkeit geben, direkt an die Verantwortlichen der Moschee Fragen zu stellen und sich auf dieser Grundlage selbst eine Meinung zu bilden. Wir werden die Veranstaltung für einen größeren Personenkreis öffnen und freuen uns auf eine spannende Diskussion.

 

Vertretungsstunde: Chefärztin der Chirurgie

Eingetragen am 22.03.2018

22. März 2018 | By |

Im Rahmen unseres Projektes „Vertretungsstunde“ besuchen Führungskräfte die Neuköllner Zuckmayer-Oberschule und geben dort in einer neunten Klasse auf der Basis ihrer Erfahrungen aus der beruflichen Praxis einmal monatlich eine doppelte Unterrichtseinheit.

Diesmal als Vertretungslehrerin zu Gast: Dr. Güllü Cataldegirmen

„Wer sind Ihre Vorbilder?“

Dr. Güllü Cataldegirmen beginnt die Stunde mit Fragen an die Schülerinnen und Schüler: Woher kommen ihre Eltern, welche Sprachen sprechen sie? Über sich sagt sie vorerst wenig und lässt raten – von Steuerberaterin über Erzieherin bis Psychologin reichen die Ideen, was sie beruflich machen könnte. All diese Tätigkeiten haben mit Menschenkenntnis zu tun, etwas, das sie täglich braucht, bestätigt sie und verrät, dass sie als Chefärztin die Chirurgie des Wenckebach- und des Auguste-Viktoria Klinikums leitet.

Hier führt sie Operationen bei Tumorpatienten durch und ist verantwortlich für ein großes Team. Damit gehört sie zu den wenigen Frauen in ihrer Position, 98 % der Chefärzte sind Männer. Für die Stunde in der Schule hat sie einen Operationstermin verlegt. „Menschen und Jugendliche interessieren mich. Ich möchte wissen, was ihre Themen sind, welche Probleme sie haben. Daher bin ich heute hier. Vielleicht kann ich auch Anregungen bieten oder Mut machen“, fasst sie zusammen.

Ein großer Teil der Schüler spricht türkisch, das ist neben kurdisch auch Güllü Cataldegirmens Muttersprache. Vor über vierzig Jahren kam sie in das geteilte Berlin. Mit sieben sah sie im Fernsehen Kinder aus der Dritten Welt, die dringend Hilfe brauchten. Ihr Entschluss stand fest: Sie wollte Verantwortung übernehmen und als Ärztin Menschen helfen. Der Weg dorthin war nicht einfach, zumal nur wenige Frauen mit ausländischen Wurzeln ihn einschlugen und ihre Eltern sie finanziell wenig unterstützen konnten. Doch besonders ihr Vater habe sie immer bestärkt, ihren Traum wahr werden zu lassen, sagt sie.

Die Ärztin erkundigt sich nach den Berufswünschen. Jurist möchte einer der Jungen werden. Er hatte schon einmal mit einem Anwalt zu tun, dessen Arbeit hat ihn beeindruckt. „Autohändler“, sagt ein anderer und fragt sogleich, welchen Wagen Güllü Cataldegirmen fährt. Dass es „nur“ ein Smart ist, erstaunt, denn ihr Verdienst würde doch sicher für etwas Größeres reichen. Als es um Automarken geht und etwas unruhig wird, stellt die heutige Vertretungslehrerin klar: „Ich rede nur, wenn mir auch zugehört wird“.

Sie fragt die Jugendlichen, wie sie ihren Tag verbringen, nach ihren Hobbys und was sie sich für die Zukunft erträumen. Ein Mädchen wünscht sich Geschwister, ein anderes dagegen hat schon sechs und winkt ab. Allen gemeinsam ist, dass sie später genügend verdienen wollen, um einer Familie etwas bieten zu können – eine schöne Wohnung, ein Auto und Urlaubsreisen. „Man muss an seinen Wünschen dranbleiben und nicht aufgeben. Ich selbst bin das beste Beispiel dafür und ich hoffe, dadurch motivieren zu können“ sagt Güllü Cataldegirmen.

Welche Vorbilder haben die Schüler, wie möchten sie sein? Mike Tyson und Don Corleone werden genannt. Einer, der sich nach oben geboxt hat und eine mächtige Filmfigur – gemeinsam ist ihnen, dass sie aus ärmlichen Verhältnissen kommen und heute berühmt sind. „Sie alle hier sind in der Lage, etwas aus sich zu machen, egal, ob Sie Polizist oder Jurist werden möchten. Es kommt auf den Einsatz an. Wenn Sie Ihr Ziel erreichen wollen, müssen Sie bereit sein, viel dafür zu tun. Die Wünsche und die Realität stimmen manchmal nicht überein. Dafür stellt sich oft heraus, dass der Weg das Ziel ist“, rät Güllü Cataldegirmen.

Sie möchte mithelfen, Möglichkeiten aufzuzeigen und das ganz konkret: Sie lädt die Klasse ein zu einem Besuch an ihrem Arbeitsplatz, dem Krankenhaus. Eine tolle Gelegenheit, mehr über Berufe zu erfahren!

 

First Monday März: psychosoziale Notfallversorgung

Eingetragen am 19.03.2018

19. März 2018 | By |

An diesem ersten Montag im März waren wir bei der Notfallseelsorge Berlin zu Gast.

Das aus den beiden Kirchen, dem Malteser Hilfsdienst, der Johanniter Unfallhilfe, dem DRK, DLRG, dem ASB und dem Muslimischen SeelsorgeTelefon bestehende Netzwerk der Notfallseelsorge Berlin betreut Menschen in unmittelbaren Notfallsituationen. Im Gespräch mit dem Landespfarrer Justus Münster und einem der über 140 ehrenamtlich Engagierten, unserem Mitglied Steffen Claussen, erfuhren die Teilnehmenden unseres First Mondays, wie sich die vielfältige Arbeit der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) gestaltet und organisiert. Ebenso kamen der persönliche Umgang mit schweren Schicksalen und Schwierigkeiten im Arbeitsalltag zur Sprache.

Wie bei allen unseren First Monday Veranstaltungen lag der besondere Reiz u.a. an der vielschichtigen Zusammensetzung: einerseits von Führungskräften, die in verwandten Bereichen wie z.B. Polizei, Rote Nasen Clowns in Krankenhäusern und Telefonseelsorge – andererseits auch von Personen aus gänzlich anderen Kontexten der Wirtschaft wie z.B. Energie und Technik. Gemeinsam wurden nicht nur die besondere Belastung der psychosozialen Arbeit an sich diskutiert, sondern auch die organisatorischen Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten.

Konkrete Handlungsstrategien wurden in Form der Gewinnung von Ehrenamtlichen für die Öffentlichkeitsarbeit und der Teilnahme am Markt der Möglichkeiten der Stiftung Gute Tat nahegelegt. Darüber hinaus wurde eine Einbeziehung des Humanistischen Verbandes in das Netzwerk der PSNV diskutiert und ein Austausch mit dem Fotografen-Projekt “Dein Sternenkind” angeregt, das bundesweit Fotos von Sternenkindern in Krankenhäusern organisiert.

Wir danken ganz herzlich Justus Münster und Steffen Claussen für die intensiven, anregenden Einblicke in ihre Arbeit und wünschen ihnen für die Zukunft viel Kraft, mehr finanzielle und personelle Ressourcen und öffentliche mehr öffentliche Wahrnehmung. Worüber wir uns besonders freuen würden, wäre, wenn sich im Kreis unserer Mitglieder eine Person mit Kompetenzen in der Öffentlichkeitsarbeit findet, die bereit ist, sich ehrenamtlich bei der PSNV einzubringen.

 

Kontakt:
Pfr. Justus Münster
Landespfarrer der EKBO für Notfallseelsorge und Flughafenseelsorge im Land Berlin
Tel: +49 30 24344 291
Email: j.muenster@ekbo.de
http://www.notfallseelsorge-berlin.de
http://www.facebook.com/NotfallseelsorgeBerlin

Mensa meets Leadership: zu Gast beim Tagesspiegel

Eingetragen am 27.02.2018

27. Februar 2018 | By |

Wie hoch ist das Vertrauen von kognitiv Hochbegabten in die deutsche Presse?

Dieser und anderen Fragen widmete sich das von Leadership Berlin organisierte Gespräch zwischen 20 Mitgliedern des Hochbegabtenvereins Mensa mit Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels.

Gleich zu Beginn der Begegnung positionierten sich die 20 Teilnehmenden von Mensa entlang eines Meinungsstrahles zu der Frage, ob sie großes Vertrauen in Presse hätten. Es zeigte sich dabei, dass die Extreme von null Vertrauen und vollem Vertrauen nicht vertreten waren, wohingegen vor allem der mittlere Bereich zwischen 30 und 70% stark besetzt war. Mit diesem Stimmungsbild konnte Lorenz Maroldt sich gut identifizieren, denn er hätte sich selbst ebenfalls irgendwo im mittleren Bereich angesiedelt. Kritikfähigkeit – auch und vor allem gegenüber dem eigenen Tun – sind aus seiner Sicht wichtige Voraussetzungen, die ein Journalist für seine Arbeit mitbringen sollte.

Im dann folgenden intensiven Gespräch zeigte Herr Maroldt neben Verständnis auch ein klares Bewusstsein für die Sorgen heutiger Medienkonsumenten. Er gab Einblicke, was ihn zu seinem oft bis früh in den Morgen reichenden Engagement für eine unumstößlich unabhängige und gleichzeitig auch markt- und zukunftsfähige Presse antreibt. Neben dem Willen zur Gestaltung der aktuellen Medienrevolution, der Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und auch mal mutige Entscheidungen für Experimente zu treffen, ist es vor allem der Spaß an der Sache, die ihn neben seiner Rolle als Chefredakteur zusätzlich als nächtlicher Checkpoint-Autor Müdigkeit und Hunger manchmal vergessen lassen.

Viele unserer Teilnehmer zeigten sich nach diesen knapp 2 Stunden beeindruckt von dem offenen Einblick, sowohl in die persönliche Motivation von Herrn Maroldt, als auch in die Herangehensweise des Tagesspiegel angesichts der herausfordernden Themen heutiger Zeitungsmacher.

 

Autorin: Susan Kirch

Dialog-Reihe Islam-LGBTI: Weg der kleinen Schritte

Eingetragen am 09.02.2018

9. Februar 2018 | By |

Am 07.Febuar fand das nun insgesamt fünfte von Leadership Berlin initiierte Austauschformat zum Thema Islam & Homosexualität statt. Diesmal waren wir zu Gast beim Interkulturellem Zentrum für Dialog und Bildung e.V. (IZDB) im Wedding. Man könnte sagen „Runde 5“ – aber das weckt vielleicht falsche Assoziationen, denn wir erlebten ein durchaus unaufgeregtes & friedliches Gespräch zwischen den Vertreter*innen der beiden Communities, auch wenn es inhaltlich nicht an Brisanz fehlte. Trotzdem, es war eher ein Abtasten zwischen zwei Minderheiten, die daran interessiert waren, gemeinsam in Dialog zu treten und Schritt für Schritt mehr Verständnis füreinander zu gewinnen.

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Die knapp 35 Anwesenden fanden sich zunächst an drei langen Tafeln zusammen, um durch Vertreter*innen des IZDB begrüßt zu werden: „Wir haben nicht nur einen Gebetsraum, sondern wir sind eine Moschee: nämlich ein Ort, wo Menschen sich auch treffen, Kaffee trinken, gemeinsamen Aktivitäten nachgehen und feiern.“ Ganz in diesem Sinne würde man Wert auf Vielfalt (z.B. jeweils mindestens 30% Partizipation von Jugendlichen und Frauen im Vorstand) und Gespräch legen, denn „Wir müssen im Dialog bleiben!“. Es folgte eine Blitzvorstellungsrunde, in der jeder der Teilnehmenden ein kurzes Statement zu sich und seiner Verbindung zum Thema Islam und/oder Homosexualität geben konnte. Mit diesem ersten gewonnen Überblick ging es dann ein Stockwerk höher, wo die Gruppe dem abendlichen Gebet beiwohnen konnte – als praktizierender Muslim oder beobachtend im Hintergrund. Auch der Vorredner richtete sich vor versammelter Gemeinde nochmal mit einem Bekenntnis zu vielfältiger und bunter Gesellschaft, sowie zu Akzeptanz & Respekt für Minderheiten an die Anwesenden.

Wieder zurück im Diskussionsforum schafften wir uns einen Eindruck davon, wie die Teilnehmer*innen Islamfeindlichkeit bzw. Homophobie in unserer Gesellschaft quantifizieren würden. Unser bewährter „Meinungsstrahl“, bei dem sich die Teilnehmenden irgendwo zwischen 0% und 100% Zustimmung zu einem Statement im Raum positionieren, ergab sowohl für die Aussage „Die Mehrheit der Nicht-Muslime in Deutschland ist islamfeindlich“, wie auch zu „Die Mehrheit der Muslime in Deutschland ist homophob“ eine breite Verteilung über die volle Skala aber mit Schwerpunkt unterhalb von 50% Zustimmung. Mit dem Input Einzelner, warum sie sich wo positioniert hätten ging es dann weiter mit einer Diskussionsrunde zum Thema des Abends. Hier wurde vor allem deutlich, dass es für homosexuelle Muslima & Muslime ein immenser innerer, wie auch äußerer Konflikt sei, ihren Glauben, sowie Gemeinde- & Familienzugehörigkeit mit ihrer sexuellen Orientierung und deren Ausleben zu vereinbaren. Ein Imam sagte, dass für ihn aus religiöser Sicht das Ausleben von Homosexualität eine Sünde sei, seine persönliche Sicht darauf aber auch nochmal davon zu differenzieren wäre. Ein anderer Teilnehmer sah im Zusammenhang mit dem Thema Homosexualität vor allem eine Gefahr darin, dass ja im Allgemeinen in unserer Gesellschaft die Stellung der Familie immer weiter geschwächt würde. Von Seiten der LGBTI-Vertreter*innen wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass Homosexualität keine Frage der freien Entscheidung ist, sondern etwas, womit man geboren wird und weder ansteckend noch „herbei erziehbar“ ist. Auf beiden Seiten bestand Einigkeit darüber, dass zum Thema Homosexualität in muslimischen Gemeinden großer Bedarf an Aufklärung besteht.

Ein weiterer kleiner Schritt auf diesem Weg war genau dieser Abend, an dem Berührungsängste, Vorurteile und Vorbehalte abgebaut, Wissen vermittelt und der Mut und die Anregung zu einem anderen Umgang auch in der Gemeindearbeit herübergebracht wurden. Bestätigung finden wir von Leadership Berlin darin, dass gleich die nächste Moscheegemeinde ihre Bereitschaft bekundet hat, eine LGBTI-Gruppe zu einem solchen Austausch zu empfangen. Einmal mehr Zeichen dafür, dass Schwule und Lesben durchaus in muslimischen Gotteshäusern willkommen sind und durch Besuche ein Beitrag zur Unaufgeregtheit und Normalität im Umgang mit dem Thema Homosexualität geleistet wird. Und auch im Hinblick auf Muslimfeindlichkeit ist dies ein Zeichen in Richtung LGBTI-Vertreter*innen wie auch in Richtung Mehrheitsgesellschaft, dass ein respektvoller Dialog mit Muslimen, Begegnungen oder auch Diskussionen möglich ist und dass das häufig in Medien bediente Zerrbild eines intoleranten, homophoben, extremistischen Islams nicht übereinstimmt mit der Realität.

Und noch zwei weitere Erfolge sehen wir. Erstens herrschte an dem Abend Übereinkunft darüber, dass sowohl LGBTI-Community wie auch Muslime & Muslima als Minderheit in unserer Gesellschaft diskriminiert werden. Daraus entsprang der Vorschlag, dass man sich als solche auch gemeinsam als Team gegen Diskriminierung einsetzen könne. Passend hierzu auch das Statement einer muslimischen Teilnehmerin, dass man nicht von „wir und ihr“, sondern nur noch von „wir“ sprechen sollte. Zweitens gibt es als Reaktion auf unsere Veranstaltung erste Bestrebungen auch einen umgekehrten Besuch von islamischen Vertreter*innen bei einer LGBTI-Institution zu realisieren.

Wir sind gespannt darauf, wo & wie es weitergeht und freuen uns auf die Fortführung unserer Veranstaltungsreihe! Weitere Infos zu den Gesprächen finden Sie auf der meet2respect Website hier.

Basis der Besuche in den Moscheegemeinden ist die „Grundsatzerklärung“ von muslimischen Organisationen und Vertreter*innen zum Thema Homosexualität, mit der sich Moscheegemeinden klar gegen Gewalt und Diskriminierung von Schwulen und Lesben aussprechen, siehe hier.

„Besuchen und Deutsch sprechen“ im Februar 2018

Eingetragen am 07.02.2018

7. Februar 2018 | By |

Frostige Temperaturen draußen, herzlich-warmer Austausch zum Thema Integration drinnen: am Sonntag versammelte sich abermals eine illustre Runde von Geflüchteten und Senior*innen zum „Besuchen und Deutsch sprechen“ im Pflegewohnheim „Am Plänterwald“.

Bei Kaffee erzählte zum Einstieg Maarif Chingizoglu von seinem Kurzfilm Projekt „Integration“. In dem Film lässt er zwei Geflüchtete von ihrer Geschichte, ihrem Leben & Ihrem Engagement in Deutschland erzählen. Maarif berichtete, wie es zu dem Projekt kam, was er dabei erlebte und welche weiteren Projekte er im Rahmen von Media Residents (Netzwerk für Geflüchtete, die in den Medien arbeiten) geplant hat.

Nachdem der Film gemeinsam geschaut wurde, schloss sich ein Gespräch in großer Runde an. Schnell fanden sich dann mehrere Grüppchen von Bewohner*innen und Geflüchteten zusammen, um im persönlicheren Austausch und mit der Inspiration des Films ins Gespräch zu kommen. Einige Bekanntschaften wurden weiter gefestigt, neue geknüpft. Auffällig war, wie unbelastet und offen miteinander geplauscht wurde – trotz unterschiedlicher kultureller Herkunft und teils großem Altersunterschied. Auch ließ es sich manch einer nicht nehmen, das Gegenüber mit kleinen Scherzen zu belustigen – ein schönes Zeichen von liebenswürdigem Umgang.

Positives Feedback kam von allen Anwesenden und wir freuen uns auf den nächsten Termin am 04. März!

Wir haben einen neuen Vorstand!

Eingetragen am 07.02.2018

7. Februar 2018 | By |

Glückwunsch an unser neues, tri-sektorales Vorstand-Team zu seiner Wahl auf der Mitgliederversammlung!

Insgesamt stellten sich 11 Kandidaten für die 9 zu besetzende Plätze den Mitgliedern zur Wahl vor. Einige neue Gesichter können wir begrüßen, einige Vorstände wurden in ihrem Amt bestätigt.

Gewählt und ab sofort mit an Bord sind Michael Lachmann (Barmenia Versicherung) und Philipp Wilimzig (ikusei GmbH), welche nun zusammen mit Dana Leonhardt (GASAG AG) den Sektor Privatwirtschaft im Vorstand vertreten.

Für den Non-Profit Bereich stößt Hervé Tcheumeleu (Afrika Medien Zentrum e.V.) zu Christine Dorn (Verein für Umweltverträglichkeit und Verkehr) und Sonja Müseler (Vorstandsvorsitzende der Stiftung Telefonseelsorge Berlin).

Petra Göbel (Messe Berlin) ist ab sofort Vertreterin im Vorstand für den Bereich öffentlicher Sektor zusammen mit Andreas Scholz-Fleischmann (Berliner Bäderbetriebe) und Peter Conrad (Senatsverwaltung für Finanzen). Weitere Informationen zum neuen Vorstand hier.

Wir sind stolz, wieder ein bunt gemischtes Team zur Unterstützung an unserer Seite zu wissen und freuen uns auf eine tolle Zusammenarbeit!

Des Weiteren ein ganz herzlicher Dank für ihr Engagement in den letzten Jahren bei Leadership Berlin an die ausgeschiedenen Vorstands-Mitglieder Katja Anders, Dorothee Christiani, Crispin Hartmann & Mio Lindner.

Außerdem danken wir der Hermann-von-Helmholtz-Schule und namentlich der Schulleiterin Kerstin Fischler für die Gastfreundschaft, dass wir unsere Mitgliederversammlung in den Räumlichkeiten der Schule durchführen durften!