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Corona Archive - Leadership Berlin

Kraft in der Krise – Was Berliner Führungskräften Mut macht

Eingetragen am 15.04.2020

15. April 2020 | By |

Auf dass wir bald wieder so fröhlich zusammenkommen können wie unser Mitglied Clemens Bethge, EKBO, Pfarrer und theologischer Referent im Konsistorium bei einer unserer Leadership Veranstaltungen.

In themenoffenen und themenspezifischen Video-Konferenzen bietet Leadership Berlin Austauschmöglichkeiten zu den Herausforderungen der Corona-Krise an. Im themenspezifischen Austausch zum Umgang mit Krisen aus psychologischer Sicht schilderte unsere Gesprächspartnerin Sonja Müseler, Vorsitzende der Stiftung Telefonseelsorge Berlin, dass ein dominantes Gefühl vieler Krisen das der Fremdbestimmtheit sei. Eine zentrale Aufgabe von Krisenberater*innen sei es daher, Betroffenen die möglichen Umgangsformen zu verdeutlichen, die durch eine bewusste Entscheidung die Kontrolle wieder in die eigenen Hände legt:

1. Sich entziehen/ flüchten (z.B. eine Beziehung beenden).
2. Die Situation so annehmen, wie sie ist und sie akzeptieren.
3. Die Situation verändern und neu entscheiden.

Diese Kontrollübernahme des Individuums sei zur Pandemiezeit nur sehr eingeschränkt möglich. Insofern sei es ratsam, sich auf positive Effekte der neuen Situation zu konzentrieren und experimentierfreudig zu sein. In diesem Sinne wollen wir an dieser Stelle ein wenig Heiterkeit und Zuversicht in die Welt tragen. Dazu haben wir Berliner Führungskräfte gefragt, welche positiven Aspekte oder nachhaltigen Lernerfolge sie in der Krise erleben. Diese sind so vielfältig wie unser Netzwerk: von neuen Hobbys im privaten hin zur Einführung digitaler Strukturen im professionellen Kontext ist ein bunter Blumenstrauß an Erfahrungen und Eindrücken zusammengetragen worden, empowernd und hoffnungsvoll.

Carsten Zehe, Blindenhilfswerk, Geschäftsführer

“In der Corona-Krise zeigt sich, dass es doch eine große Anzahl an Menschen gibt, die umsichtig sind, die anderen hilfsbereit zur Seite stehen und die Empathie besitzen. Ist man im Alltag selbst Träger dieser menschlichen Werte, egal wo, so erhält man gerade in dieser Krisenzeit unerwartet viele positive Reaktionen. Dies ist wunderbar, denn es zeigt, dass wir alle „nur Mensch“ sind.”

Katrin Zakrzewski, Deutsche Bank, Direktorin Firmenkunden für professionelle Immobilien-Investoren

“Durch die Krise habe ich mein Umfeld und mich besser kennengelernt. Ich finde es interessant zu beobachten, wie unterschiedlich wir mit der aktuellen Situation umgehen: mal lösungs-, mal problemorientiert, mal egoistisch, mal uneigennützig. Mir persönlich geben die Werte Familie, Freundschaft und Menschlichkeit die nötige Kraft, die Krise zu bewältigen und menschlichen Schwächen entgegenzutreten.”

Katja Brendel, wellcome, Landeskoordination Berlin

„Die neuen Verhaltensregeln in der Pandemie fordern gewohnte Wege zu verlassen, zu experimentieren, zu lernen, neue kreative Lösungen zu finden. Die große Bereitschaft zu nachbarschaftlicher Hilfe macht Mut und gibt die nötige Energie. Und zugleich wird deutlich, dass auch alle digitalen Tools die direkte Begegnung von Menschen nicht ersetzen, sondern immer nur Mittel zum Ziel sind: Beziehungen stiften.“

Gordon Klavehn, Stromnetz Berlin GmbH, Leiter Asset Owner Strategie & Geschäftsentwicklung

„In diesen Zeiten rückt man als Familie zusammen. Wir planen den Tag viel intensiver, so dass von allen die Bedürfnisse erfüllt werden. Dabei entstehen viele gemeinsame Projekte oder Aktivitäten mit meinen Kindern, die sonst so viel seltener vorgekommen wären. Mich beeindruckt auch, wie sich unsere Tochter teilweise sehr kreativ um ihren Bruder kümmert und Spiele erfindet.“

Birgit Johannssen, Seniorpartner in School Landesverband Berlin e.V., 1. Vorsitzende

“Positiv erlebe ich die Freundlichkeit der meisten Menschen beim Einkaufen und beim Spazierengehen, man grüßt sich wieder und lächelt sich an.”

“Ausbruch einer Corona Pandemie in Deutschland war kein Szenario, das ich zur Gründung meines Unternehmens in diesem Jahr angelegt hatte. Aber: Der Mut, die Kreativität, der Pragmatismus, die Flexibilität und das Verantwortungsbewußtsein, das mir aus der mittelständischen Unternehmerschaft entgegen strahlt, sind für mich die besten Mutmacher, die mir sagen, unser Land und unsere Gesellschaft wird auch diese Krise überstehen. Mut und Freude macht mir auch jedes Beispiel von gelebter Solidarität und Gemeinsinn, derjenigen, die weniger hart und nicht wirklich materiell von der Krise getroffen sind. Ich hoffe, dieser Spirit bleibt uns erhalten. Auch wenn es darum geht, sich nachhaltig um die Verlierer und Schwerstleister dieses Szenarios zu kümmern. Der Mensch neigt zum Vergessen.”

Katharina Klinge, Berliner Verkehrsbetriebe, Abteilungsleiterin Organisations- und Personalentwicklung

„Positiv erlebe ich, dass ich durch die Krise angehalten bin, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, meine Werte zu hinterfragen und daran erinnert zu werden, wie wesentlich Gesundheit und ein soziales und verantwortungsvolles Miteinander sind, und wie entbehrlich hingegen so mancher zur Gewohnheit gewordener Konsum ist. Auch ziehe ich Kraft aus dem Austausch mit anderen Menschen über deren Umgangsweise mit der aktuellen Situation, die äußerlich für alle Menschen die Gleiche zu sein scheint, dann aber doch an jeden Einzelnen ganz individuell unterschiedliche Herausforderungen stellt.“

Thomas Rudek, Volksentscheid über die Offenlegung der Teilprivatisierungsverträge bei den Berliner Wasserbetrieben, Verfasser und Sprecher

“Für unseren überhitzten Planeten bedeutet die Reduktion auf das Notwendigste eine Atempause. Mir als Asthmatiker ist jedenfalls aufgefallen, dass sich die Luftqualität erheblich verbessert hat. Und da die Sterblichkeitsrate gerade in jenen Ländern der 2/3 Welt ohne unsere medizinischen Standards auch erheblich höher ausfallen wird, ist auch zu erwarten, dass sich das Bevölkerungswachstum wenigstens minimalistisch absenkt. Ob in Deutschland das beschleunigte Ableben von älteren Personen mit mehreren Vorerkrankungen auch „dank“ EXIT mittelfristig zu einem Entlastungseffekt für die Rentenkassen führt – Stichwort „Humankapital“ – bleibt genauso abzuwarten wie die Lerneffekte für eine Änderung der Verhaltensweisen. Hier ist gewiss der Vorbildfunktion aller Führungskräfte auch und vor allem in den Medien (Stichworte: Maskenpflicht, Vielfliegerei) eine Schlüsselrolle beizumessen.”

Steffen Claussen, Der Polizeipräsident von Berlin, Dezernent für internationale Zusammenarbeit

“Letztlich definiere ich mich / mein Leben über Musik und da gibt es in jeder Lebenssituation, egal ob Krise oder bei purem Glück die passende Musik. Treffend beschreiben es die Broilers in Ihrem Lied “33 RPM”. Darin heißt es: “Ganz egal ob ich Blut schwitz, bittere Tränen wein, alles erträglich, es muss nur immer Musik da sein.” Das gilt auch und gerade in dieser Krise, wo Songs wie “Get back, Don’t stand so close to me, So lonely, Should I stay or should I go oder The show must go on, einen anderen Unterton bekommen, ihre Musikalität aber Gefühle und Leben freisetzen.
In diesem Sinne sage ich” Keep yourself alive and Always look at the bright side of life!”

Lydia Röder, Lazarus Hospiz, Leiterin Ambulante Dienste

“Ich habe gelernt, dass es immer weiter geht im Leben, egal was passiert, jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt an dem es nicht mehr weiter geht und wir sterben. Dass Leben Veränderung bedeutet und offensichtlich jederzeit unvorstellbare Dinge passieren können und damit möglich bzw. plötzlich unmöglich werden. Wie schnell ganz normal geglaubter Alltag unmöglich wird. Und vor allem, dass wir das Leben so oder so wirklich nicht im Griff haben.
Als positiven Effekt erkenne ich die Besinnung auf das Wesentliche. Und endlich auch eine – zwar erzwungene, aber immerhin- gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Themen Krankheit, Sterben, Tod. Weil der Tod so oder so zu jeder und jedem von uns kommt, und wir jetzt die Chance haben, uns mit unserer eigenen Vergänglichkeit und Sterblichkeit auseinanderzusetzen. Dies führt vielleicht zu mehr Freude am Leben und mehr Frieden und Wohlwollen in der Welt.
Aus dieser Zeit möchte ich mir beibehalten, was alles geht, obwohl nichts mehr geht. Leben findet Immer und jeden Moment statt, im Hier und Jetzt, egal unter welchen Umständen, es ist so oder so alles wertvolle Lebenszeit.”

Harald Eisenach, Deutsche Bank, Vorsitzender Regionale Geschäftsleitung Ost

“In Krisen trennt sich vielleicht noch deutlicher die sogenannte „Spreu vom Weizen“. Es ist einfach schön zu sehen, wie viele Menschen es gibt, denen nun Lösungsorientierung vor Problemorientierung, Gemeinsamkeit vor Selbstfokus und Solidarität vor Eigennutz geht. Dass Viele einen zusätzlichen Sinn darin sehen, eine für alle schwierige Zeit gemeinsam zu meistern. Vieles davon kann die Basis für eine bessere Zukunft in unserer Gesellschaft sein. Auf dass verantwortungsvolle Politiker statt Selbstwahlkämpfer gewählt werden und dass Krisenbewältiger die Mehrheit vor Krisenherbeirednern stellen.”

Peter Conrad, meet2respect gUG, Geschäftsführer

“Wir müssen uns nicht nur um uns selbst kümmern, sondern genauso um andere, die Hilfe benötigen. Das Virus entlässt uns nicht aus der Pflicht.”

Sonja Müseler, Stiftung Telefonseelsorge Berlin, Vorstandsvorsitzende

“Die Krise und mit ihr mehr Zeit allein, brachte mir eine tiefere Sicht auf die Dinge meines Lebens, mehr Focus auf das, was mir wichtig ist.”

Paul Kustermann, Rote Nasen e.V., Gründer und Clown Botschafter

“Das schlimmste in einer Krise ist nicht zu erkennen, dass es nur eine Krise ist und nicht das Ende, auch nicht der Anfang, auch nicht die Ewigkeit, sonder nur ein Punkt an dem sich alles ändert, und zwar anders als du es ahnen kannst. Erkennt man das, dann spürt man sich wieder und kriegt Hinweise darauf, was man beginnen könnte für sich und Andere zu tun.”

Franziska Brauer, Berliner Verkehrsbetriebe, Teamleiterin Politik

„In der Krise liegt die Chance: die digitale Kommunikation bestimmt nun vielerorts unseren Arbeitsalltag und schafft soziale Nähe. Digitale Projekte, die sich vorher nie so schnell entwickelt hätten, nehmen jetzt richtig Fahrt auf.“

Bernhard Heider, Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V., Geschäftsführer

“An Positivem kann ich der momentanen Krise auf gesellschaftlicher Ebene abgewinnen, dass wir in Deutschland unser Gesundheitssystem gerade auch im internationalen Vergleich doch aktuell sehr zu schätzen lernen. Und auf privater Ebene kann ich der Krise positiv abgewinnen, dass sie bei mir zu einer Entschleunigung geführt hat und ich z.B. Lust bekommen habe, Koch- und Backrezepte auszuprobieren.”

Themenspezifische Video-Konferenz “Schule in der Krise”

Eingetragen am 06.05.2008

6. Mai 2008 | By |

Zeit: Montag, der 18. Mai 2020, 20.00 – 21.00 Uhr
Ort: Digitaler Meeting-Raum B2 von Leadership Berlin
Thema: Schule in der Krise
Anschließend bleibt der digitale Raum geöffnet und es besteht die Möglichkeit zum informellen Austausch.

Freundschaftlicher Körperkontakt in der Schule wird auf einen unbestimmten Zeitraum untersagt bleiben. Was bedeutet das für die Schüler*innen?

Hintergrund:
Seit fast zwei Monaten besuchen die Schüler*innen Berlins ihre Schulen nicht mehr (abgesehen derer, deren Eltern in „systemrelevanten Berufen“ tätig sind und die daher in Notbetreuung unterrichtet werden).

Der Epidemiologe und SPD-Politiker Karl Lauterbach äußerte am 05.05.2020 bei Markus Lanz: “Daher ist nicht die Frage “Recht auf Bildung”, sondern die Frage ist – wir müssen uns eingestehen: Schulen mit 30 Kindern im Klassenraum – das ist undenkbar. Dass wird im nächsten Jahr nicht stattfinden. Es wird sogar dann nicht stattfinden, wenn wir es politisch wollten.” Ob sich dies so bewahrheitet, wird sich zeigen. In jedem Fall können und müssen wir wohl davon ausgehen, dass Abstandsgebote und eine Ausdünnung der ohnehin zu kurzen Personaldecke aufgrund des Fernbleibens von Lehrer*innen aus den Risikogruppen auch über die kommenden Sommerferien hinaus den schulischen Alltag beherrschen werden. Insofern stellen sich die Fragen:

Welche alternativen Lernkonzepte können angeboten werden? Wie wird ein digitaler Lehrplan konzipiert? Wie geht man mit den unterschiedlichen Situationen der Schüler*innen im häuslichen Umfeld um? Welche Möglichkeiten und Strategien gibt es bereits, um den Schulbetrieb wieder ans Laufen zu bringen? Wie können die verschiedenen Fähigkeiten der Lehrer*innen sinnvoll eingebracht werden? Wir freuen uns auf einen Impuls von Führungskräften sowohl aus öffentlichen wie auch dem privaten Schulbereich und einen anschließenden offenen Austausch über die Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven. 

Impulsgeber: 
– Sebastian Schimming, Geschäftsführer der KreativitätsSchulzentrum Berlin gGmBH (mit insgesamt 3 Standorten). Er war Teilnehmer unseres Jahresprogramms 2019 und ist seit 2020 Mitwirkender in unserem Vorstand
– Tilmann Kötternheinrich-Wedekind, Schulleiter des Ernst-Abbe Gynasiums und Teil des Gremiums Interessenverband Berliner Schulleitungen e.V. Er nimmt in diesem Jahr am Collaborative Leadership Programm teil (welches bisher nur virtuell stattfinden konnte).

Wir freuen uns auf einen angeregten Austausch. Wer Lust hat, kann sich vorab die Diskussion “Kinder als Corona-Verlierer: Verspielen wir gerade unsere Zukunft?” im Presseclub anschauen: https://www1.wdr.de/daserste/presseclub/sendungen/corona-jung-alt-100.html

Anmeldung:

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*Rahmenbedingungen:
Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt.
Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen und unsere Mitglieder auch im Anschlussgespräch Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Nicht-Mitgliedern ermöglichen wir die Teilnahme vereinzelt. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen des Mitgliedsformulars auf unserer Website (http://leadership-berlin.de/wp-content/uploads/2014/04/Mitgliedsantrag-für-natürliche-Mitglieder_IBAN_.pdf) tun.