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First Monday bei Siemens: Stellenabbau in der Diskussion

Mit unserem First Monday im Januar bei Siemens widmeten wir uns einer aktuell kontrovers diskutierten Unternehmensentscheidung. Anfang November verkündete das Unternehmen einerseits einen Gewinn von über 6 Milliarden Euro, andererseits wurde mangels Rentabilität und Auslastung die Schließung von einzelnen Werken und die Entlassung von 5900 Beschäftigten verkündet. Diese Kombination wurde von zahlreichen Politiker*innen und Medienvertreter*innen scharf als unsozial und verantwortungslos kritisiert. Zu unserem First Monday waren wir in einem durch den geplanten Stellenabbau potentiell betroffenen Werke zu Gast im Gespräch mit Stefan Moschko, Personalleiter von Siemens Deutschland und Mitwirkender im Beirat von Leadership Berlin, Michael Friedrich, Pressesprecher bei Siemens und Jan-Marc Lischka, dem Werksleiter des Gasturbinenwerks.

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 „Ist die Entscheidung nachvollziehbar?“, dieser Frage stellten sich die 20 teilnehmenden Führungskräfte aus Non-Profit, öffentlichem und privatwirtschaftlichem Bereich von Leadership Berlin zunächst anhand eines Meinungsstrahles. Es zeigte sich dabei eine große Spannbreite, die von geringer Zustimmung bis hin zu völligem Verständnis reichte, wobei zum allgemeinen Erstaunen die Mehrheit zu letzterem tendierte. So gab es zwar Stimmen, die sich eine unternehmerische Verantwortung dahingehend wünschten, nicht mehr benötigte Werke mit anderen Produktionsabläufen zu retten und damit den geplanten Stellenabbau gerade in Regionen wie Görlitz zu vermeiden. Die Mehrheit konnte jedoch die Planung, sich von unrentablen Werken zu trennen, nachvollziehen, besonders hinsichtlich eines sich schnell wandelnden Marktes.

 Interessant für alle Beteiligten war die Diskussion umfassender Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt, die mit den genannten 3 Ds – Digitalisierung, Dekarbonisierung und demografischen Wandel – einhergehen. Hier wurden auch Ähnlichkeiten zu anderen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie beispielsweise dem Braunkohleausstieg in Brandenburg deutlich. Weitere spannende Aspekte folgten auf die anschließende Frage, ob der Aufschrei ebenso stark gewesen wäre, wenn es sich um einen Stellenabbau eines Finanzdienstleiters gehandelt hätte.

 Kontroverser diskutiert wurde im Verlauf des Abends die Kommunikation, wie sie im Hinblick auf den geplanten Stellenabbau ablief und aufgenommen wurde. Hier wurde einerseits die – teilweise durch ein Leak durcheinander gebrachten – zeitlichen Abläufe diskutiert wie auch die Art und Weise der Krisenkommunikation. Daraus ergaben sich Fragen, in die sich jeder auf unterschiedliche Weise hineindenken konnte, wie z.B.: „Hätte verhindert werden können, dass vorab Gerüchte und Teilüberlegungen über die geplanten Veränderungen an die Öffentlichkeit gelangen?“ oder „Hätte es Sinn gemacht, wenn Manager in Talkshow-Formaten wie z.B. „Hart aber Fair“ entgegen der öffentlichen Meinung versucht hätten, ihre Standpunkte darzulegen?“

In einer abschließenden Werksführung konnten die Besucher die historischen Produktionsstätten besichtigen und einige faszinierende Infos über das Produkt und die Herstellungsprozesse mitnehmen: So z.B., dass das Gewicht einer Gasturbine mitunter das einer voll besetzten A 380 übersteigt. Oder, dass die einzelnen Radscheiben der Gasturbinen, von Herrn Lischka auch als „Schwermechanik mit Uhrwerkspräzision“ beschrieben, beim Auswuchten bis auf 50 Mü, was dem Zehntel einer Haarbreite entspricht, angepasst werden. Am Ende dieses Prozesses lässt sich die Turbine, mit deren Leistung sich später eine Stadt in der Größe von Hamburg mit Strom versorgen lässt, mit einem Arm bewegen.

 Wir danken Stefan Moschko, Michael Friedrich und Jan-Marc Lischka für die spannenden Einblicke und die Teilnehmenden konnten in der Auseinandersetzung mit der gegebenen Situation intensive Eindrücke und praxisnahe Erfahrungen für Ihre Bereiche mitnehmen. Und wir drücken Siemens die Daumen, dass das Unternehmen die nächsten Jahre weiter so erfolgreich ist und noch viel mehr Menschen in florierenden Unternehmenssparten einstellen kann als man in unrentablen Unternehmenssparten abbauen muss.