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First Monday am 9. April: Dar-as-Salam Moschee & „Inschallah“

Die einen reden von Islamismus, die anderen von Islamfeindlichkeit – wie kann Ausgrenzung und Abgrenzung von Muslimen entgegengewirkt werden? Der Umgang mit Kontroversen am Beispiel der Dar-as-Salam-Moschee und ihrem Imam und Vorstand Mohamed Taha Sabri.

Diesem Thema widmeten wir unseren First Monday am 9. April mit knapp 40 Teilnehmenden in der Neuköllner Begegnungsstätte (Dar-as-Salam-Moschee). Die Moderation übernahm Winfriede Schreiber, ehemalige Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes (und zuvor u.a. Polizeipräsidentin von Ost-Brandenburg und Präsidentin des Verwaltungsgerichts Cottbus) und heute Mitwirkende in unserem Projekt meet2respect wie auch Vorstandsvorsitzende unseres Schwestervereins Leadership Brandenburg.

Der First Monday begann mit der Vorführung des Filmporträts über den Imam und Vorsitzenden der Moscheegemeinde, Mohamed Taha Sabri, dem sich daraufhin ein offener Austausch mit Mohamed Taha Sabri und den beiden Regisseurinnen Judith Keil und Antje Kruska anschloss. Es war ein spannender Austausch, bei dem sowohl die Aufführung im Berliner Verfassungsschutzbericht der Moscheegemeinde wie auch die Verhältnismäßigkeit der Berichterstattung eingehend auch mit anwesenden Journalisten diskutiert wurde.

Die Teilnehmenden kamen teilweise mit einem mulmigen Gefühl und Skepsis in die Dar-as-Salam-Moschee. Denn was ihre öffentliche Darstellung angeht, sind die Berichte widersprüchlich: einerseits als Musterbeispiel integrativer, positiver Arbeit gelobt und andererseits als „Hass-Moschee“ oder „Teil der Muslimbruderschaft“ beschuldigt.
Gegangen sind die meisten mit der Erkenntnis, dass die NBS ein guter Kooperationspartner sein kann, wenn es darum geht, auch junge Muslime für gesellschaftsrelevante Themen zu mobilisieren.

Vielen Dank an alle Beteiligten und für die Gastfreundschaft der Dar-as-Salam Gemeinde.

Nachtrag: am 18. April erschien folgender Beitrag  des israelischen Journalilsten Igal Avidan beim Deutschlandradio über die Neuköllner Begegnungsstätte und ihren Imam Mohamed Taha Sabri.

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Ablauf: 
17.30 – 19.00 Uhr Filmvorführung des Films „Inschallah“, einem Filmporträt im Auftrag von 3SAT über Mohamed Taha Sabri in Anwesenheit der Regisseurinnen Judith Keil und Antje Kruska.
Der Film gewann bei den Duisburger Filmwochen 2017 den Publikumspreis und bietet einen sehr dezidierten Einblick in die Lebenswelt des Imams Mohamed Taha Sabri und seiner Gemeinde.

19.00 – 21.00 Uhr Diskussion mit Mohamed Taha Sabri und Vorständen der Gemeinde, die sich den kritischen Fragen der Teilnehmenden stellen. Da die Diskussion sich sicherlich nicht auf die Inhalte des Films beschränkt, ist auch eine Teilnahme erst ab 19 Uhr gerne möglich. Personen mit kritischen Positionen sind herzlich willkommen!


Über die Moscheegemeinde

Die Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) ist seit 2016 Gegenstand von Diskussionen. Einerseits genießt die Moscheegemeinde aufgrund ihres Engagements für interreligiösen Dialog, Integration und Verständigung Ansehen bei Organisationen, die mit ihr regelmäßig zusammenarbeiten wie z.B. der Landeszentrale für politische Bildung, Vertretern der Evangelischen und Katholischen Kirche und des Humanistischen Verbandes oder auch uns als Leadership Berlin. Ihr Vorsitzender und Imam Mohamed Taha Sabri erhielt u.a. den Verdienstorden des Landes Berlins und der Dokumentarfilm „Inschallah“ über Taha Sabri seine Moscheegemeinde gewann 2017 den Publikumspreis der Duisburger Filmwoche.

Andererseits ist die Moscheegemeinde im Verfassungsschutzbericht des Landes Berlin aufgeführt und ist Objekt kritischer Berichterstattung z.B. seitens der Journalisten Sascha Adamek vom rbb, Frank Jansen vom Tagesspiegel, Ahmad Mansour und Sigrid Herrmann-Marschall und zuletzt im Dezember 2017 in BILD, BZ und WELT. Thematisiert worden sind Verbindungen zur Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD), die von Verfassungsschutzbehörden als deutscher Arm der Muslimbruderschaft betrachtet wird (siehe „Kontroverse um Eintragung im Verfassungsschutzbericht“ und „Kritik an der Neuköllner Begegnungsstätte im Einzelnen“). 

(aus Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Neuk%C3%B6llner_Begegnungsst%C3%A4tte)

Immerhin bestreiten auch die Warner nicht, dass sich die Moscheegemeinde für Demokratie, freiheitliche Rechte, den Dialog mit Andersgläubigen und die Integration ihrer Mitglieder in die deutsche Gesellschaft erfolgreich eingesetzt hat und weiter einsetzt.

 

Die Auseinandersetzung der Moscheegemeinde mit dem Berliner Verfassungsschutz und Medien:

  • Die Moscheegemeinde steht im Bericht des Berliner Verfassungsschutzes 2016 (https://www.berlin.de/sen/inneres/verfassungsschutz/publikationen/verfassungsschutzberichte/ Seite 75ff.) unter der Rubrik „legalistischer Islamismus“ und Verbindungen zur Muslimbruderschaft. Gegen diese Aufführung hat die Moscheegemeinde Klage eingereicht, da nach Einschätzung der Moscheegemeinde die Eintragung lediglich auf zumeist vereinzelten indirekten Verbindungen und „Kontaktschuld“ basiere und nicht darauf, das sich ein Vertreter der Moschee jemals auf irgendeine Weise frauenfeindlich, homophob, antisemitisch, gewaltrelativierend oder anderweitig nicht verfassungskonform geäußert habe.
  • Im Herbst 2017 hat die Moscheegemeinde eine einstweilige Verfügung gegen den Evangelischen Pressedienst EPD erwirkt, der die Moschee auf Grundlage einer Behauptung von Dr. Abdel-Hakim Ourghi von der Ibn-Rushd-Goethe Moschee als „als salafistisch geltend“ bezeichnet hatte, was dann wiederum in einige Medienberichte eingeflossen war. Der EPD legte Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung ein, aber das Berliner Landgericht entschied jüngst im Februar zugunsten der NBS, dass Medien die Moschee nicht als „als salafistisch geltend“ bezeichnen dürfen.
  • Gegen eine nicht belegbare Behauptung im Tagesspiegel „Islamistische Prediger sollen dort gegen Juden, Homosexuelle und Schiiten gehetzt haben“ konnte die NBS im vergangenen Jahr über ihren Rechtsanwalt eine Gegendarstellung bewirken, die auch im Tagesspiegel abgedruckt wurde (https://www.tagesspiegel.de/berlin/gegendarstellungen/in-eigener-sache-gegendarstellung-zu-moschee-besucher-verletzt-fuenf-polizisten/20285758.html ) In den letzten Jahren waren immer wieder explizit und offiziell Juden, Homosexuelle und Schiiten auf Einladung der Moschee in ihren Räumlichkeiten, andererseits waren allerdings in der Zeit bis 2013 auch 2-3 Personen in der Moschee, die an anderem Ort und zu anderer Zeit mit islamistischen Äußerungen negativ auffielen.
  • Im Dezember wurde bundesweit über die NBS in der BILD sehr negativ mit Aufführung zahlreicher Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Auftreten ihres Jugendseelsorgers bei einer Gedenkveranstaltung am Breitscheidplatz berichtet. ( https://www.bild.de/politik/inland/islamismus/so-islamistisch-ist-der-radikal-imam-54302860.bild.html ) Hierzu veröffentlichte die NBS eine ausführliche Gegendarstellung auf ihrer Website. (http://www.nbs-ev.de/presse/69-stellungnahme-zum-artikel-in-der-bild-zeitung-vom26-12-2017 )

 

Berührungspunkte mit Leadership Berlin:

Im Zusammenhang mit unserem Projekt meet2respect war es Mohamed Taha Sabri und die Neuköllner Begegnungsstätte, die nach dem Mobbing eines jüdischen Schülers durch seine muslimischen Mitschüler dies mit klaren Worten verurteilte und eine diesbezügliche Erklärung gegen Antisemitimus unter Bezugnahme auf unsere meet2respect-Grundsatzerklärung zum friedlichen Miteinander von Juden und Muslimen initiierte und dafür 12 Moscheevereine und 6 Imame als Mitunterzeichner gewann. (http://www.nbs-ev.de/presse/24-gemeinsamer-brief-von-muslimen-gegen-die-diskriminierung-und-ausgrenzung-von-juedischen-mitschueler-innen )

Auch im Dezember 2017 nach einer Demonstration von Palästinensern in Berlin gegen die Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Trump veröffentlichte die Neuköllner Begegnungsstätte eine Erklärung gegen Antisemitismus unter Bezugnahme auf unsere meet2respect-Grundsatzklärung. ( http://www.nbs-ev.de/presse/66-aus-aktuellem-anlass-stellungnahme-zu-antisemitismus-und-den-protesten-in-berlin ). Dies fanden wir zum einen dadurch besonders beachtlich, als dass Palästinenser unter den ca. 1500 wöchentlichen Besucher der Freitagsgebete der Neuköllner Begegnungsstätte die größte Gruppe darstellen. Zum anderen fanden wir bedauerlich, dass, obgleich die Moscheegemeinde die beiden Erklärungen an einen 300 Empfänger umfassenden Presseverteiler versendeten, nicht ein Medium die Moschee kontaktierte, um darüber zu berichten.

Des Weiteren waren wir in der Moschee im Rahmen unseres Projektes mit einer Gruppe von schwulen und lesbischen Führungskräften zu Gast und auch zu dem Thema zeigte die Neuköllner Begegnungsstätte Profil. Einerseits, da sie Mitunterzeichner unserer meet2respect-Grundsatzerklärung von Muslimen gegen Homophobie ist ( http://meet2respect.de/religion-lgbti/grundsatzerklaerung/ ) und andererseits auch aufgrund der Offenheit, mit der Mohamed Taha Sabri mit dem Thema umgeht und sich Homophobie in seiner Gemeinde mit klaren Worten entgegenstellt.

Im Jahr 2016 organisierten wir außerdem eine Veranstaltung zum Thema „Konzepte der Parteien gegen die Ausgrenzung und Abgrenzung von Muslimen in eine Parallelgesellschaft“ in der Neuköllner Begegnungsstätte unter der Moderation von Winfriede Schreiber, zu der Vertreter von SPD, CDU, Grüne, Linkspartei, FDP und AfD in die Moschee eingeladen waren. (http://leadership-berlin.de/muslime-fragen-politiker-antworten-in-der-neukoellner-begegnungsstaette/ )

Der Vorstand und Imam der Dar-as-Salam-Moschee, Mohamed Taha Sabri, hat nicht nur zweimal Gesprächspartner unseres Collaborative Leadership Programms empfangen und beteiligte sich an unserer meet2respect-Tandemtour 2017 – er hat selbst auch an unserem letzten Jahresprogramm teilgenommen und zählt seitdem selbst zu den regelmäßigen Besuchern unserer First Monday Veranstaltungen.

Sie sehen, an der Bewertung der Neuköllner Begegnungsstätte (Dar-as-Salam-Moschee) scheiden sich die Geister. Wir als Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V. halten viel von der NBS und ihrem Imam Mohamed Taha Sabri. Wir halten es für richtig und wichtig, die Zusammenarbeit mit der Neuköllner Begegnungsstätte auch in Zukunft fortzusetzen. Selbstverständlich können wir nachvollziehen, dass manche unserer Mitglieder angesichts der Berichterstattung, in der die NBS immer wieder als Teil eines extremistischen, islamistischen Umfelds dargestellt wird und auch Begriffe wie „Hass-Moschee“, „Radikal-Imam“, „lächelndes Gesicht einer Terror-Organisation“, „salafistisch“, „islamistisch“, „Teil der Muslimbruderschaft“ (gegen die die NBS inzwischen juristisch vorgeht und dabei bereits einige Erfolge erzielen konnte – die Entscheidung über ihre Klage gegen die Aufführung im Berliner Verfassungsschutzbericht steht allerdings noch aus) in Sorge oder verunsichert sind. Mit dem First Monday unter der Moderation von Winfriede Schreiber, ehemaliger Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes, wollen wir unseren Mitgliedern und interessierten Gästen die Möglichkeit geben, direkt an die Verantwortlichen der Moschee Fragen zu stellen und sich auf dieser Grundlage selbst eine Meinung zu bilden. Wir werden die Veranstaltung für einen größeren Personenkreis öffnen und freuen uns auf eine spannende Diskussion.