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First Monday im Januar: SIEMENS-Stellenabbau in der Diskussion

First Monday zur Kommunikation über den Stellenabbau bei Siemens und der Verantwortung von Führungskräften in Wirtschaft und Politik

Zeit:                                  Montag, der 8. Januar, 17.30 – 20.30 Uhr
Ort:                                   Gasturbinenwerk Huttenstraße
Treffpunkt:                      Empfang in der Huttenstr. 12, 10553 Berlin-Moabit

Gesprächspartner:
Stefan Moschko, Leiter Human Resources Deutschland (118.000 Beschäftigte an 125 Standorten) und
Dr. Jan-Marc Lischka, Sprecher der Betriebsleitung im Gasturbinenwerk

 

Ablauf:                              17.30 – 18.30 Uhr           Werksführung
18.30 – 20.30 Uhr           Diskussion

Fragestellungen:            Welchen Stellenwert haben unternehmerische Freiheit und soziale Verantwortung in unserer sozialen Marktwirtschaft? Sind die Vorwürfe von Politiker*innen in Richtung Siemens gerechtfertigt oder offenbaren sie ein mangelndes Verständnis unternehmerisch sinnvoller Entscheidungen? Auf welcher Seite ist ein höheres Maß an Verantwortung sinnvoll und erwartbar?

Hintergrund: Siemens erfuhr in den letzten Wochen viel Kritik aus der Politik und von Gewerkschaften. Hintergrund ist der vom Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser verkündete Abbau von mehr als 3000 Stellen in Deutschland in der Kraftwerks- und Antriebssparte während gleichzeitig ein Konzerngewinn von 6,2 Milliarden erzielt wurde. Wie ist die Sichtweise von Stefan Moschko auf die Unternehmensentscheidung und die öffentliche Rezeption? Welche Art der öffentlichen Aufnahme und Diskussion von unternehmerischem Handeln wünscht er sich in der Gesellschaft und worin besteht aus seiner Sicht die Verantwortung von Politiker*innen? Wie ist hierzu die Sichtweise Berliner Führungskräfte aus Wirtschaft, öffentlichem und Non-Profit-Bereich?   

Politik und Medien reagierten empört. Der Stellenbau wurde von zahlreichen Politikern scharf kritisiert und dem Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser mitunter „Verantwortungslosigkeit“ vorgeworfen. – Martin Schulz (SPD) sprach von „verantwortungslosen Managern“ und bezeichnete die Entscheidung als „asozial“,

– Ramona Pop (Die Grünen) bezeichnete den Stellenabbau für kein gutes Zeichen für die soziale Marktwirtschaft und beteiligte sich an einer IG-Metall-Protestveranstaltung,

– Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht bezeichnete es als „unglaubliche Provokation“ und „dreist“, dass Siemens erheblich von öffentlichen Aufträgen profitiere, gesellschaftliche Interessen aber nicht berücksichtige. Sie forderte, dass Massenentlassungen und Werksschließungen in profitablen Unternehmen gesetzlich verboten werden müssten.

– Björn Simon MdB (CDU) kritisierte die Art, wie das Management mit den Beschäftigen kommunizierte und bezeichnete dieses „einer Firma wie Siemens nicht würdig“,

– Jürgen Lenders (FDP) sprach im Hinblick auf die Siemens-Führung von „Nieten in Nadelstreifen“ und

– Björn Höcke und andere Angehörige der AfD beteiligten sich medienwirksam an einem von der IG Metall organisierten Schweigemarsch durch Erfurt (freilich gegen deren Willen)

„In einer aktuellen Stunde des Bundestages, die die SPD beantragt hatte, warfen Politiker aller Fraktionen (mit Ausnahme der AfD) Siemens angesichts eines Milliardengewinns Verantwortungslosigkeit vor“, so berichtete der Tagesspiegel am 21.11.2017.

Aus Sicht von Siemens stellt sich diese Entscheidung ganz anders dar und Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser trat den Vorwürfen u.a. in einem offenen Brief an Martin Schulz entgegen. Umgekehrt moniert er Verantwortungslosigkeit bei Politikern. – Den 1,5 Milliarden öffentlichen Subventionen und Aufträgen in den letzten 20 Jahren in Deutschland stellt Siemens mehr als 20 Milliarden gezahlte Steuern alleine in den letzten 3 Jahren entgegen.

– Den etwas mehr als 3.000 abgebauten Stellen stellt Siemens entgegen, dass es aktuell 3.200 offene Stellen gibt, der Konzern alleine im vergangenen Geschäftsjahr 5200 Menschen in Deutschland eingestellt hat und die Zahl der Mitarbeiter*innen damit um 2000 leicht gewachsen ist. Darüber hinaus sind Zuwächse in ähnlicher Größenordnung in den nächsten Jahren zu erwarten.

– Den Stellen-Abbau im Bereich der Kraftwerks- und Antriebssparte bringt Siemens in Zusammenhang mit einer chaotischen Energiepolitik der Bundesregierung in den letzten Jahren, den fehlenden Aufträgen in den betroffenen Werken (keine einzige große Gasturbine wurde dieses Jahr in Deutschland bestellt) und der unternehmerischen Freiheit, als Konzern in unprofitablen Bereichen abzubauen, um in zukunftsträchtigen investieren zu können.

Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen, nur eine komplette Teilnahme (inkl. Führung) möglich ist und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen dieses Mitgliedsformulars tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei und Anmeldungen nimmt Justine Schmitz unter justine.schmitz@leadership-berlin.de entgegen.

 

Zum Gesprächspartner: Stefan Moschko arbeitet seit 1980 für die Siemens AG. Er war unter anderem Personalleiter an verschiedenen Standorten in Deutschland (Karlsruhe, Berlin, Nürnberg, Speyer, Essen, Leipzig, Görlitz, Erfurt und Mühlheim) und verantwortet seit 2010 als Leiter Human Resources Deutschland die operative Personalarbeit in Deutschland. Damit ist er zuständig für rund 118.000 Siemens-Beschäftigte an 125 Standorten. Stefan Moschko ist Verhandlungsführer bei Tarifverhandlungen mit der IG Metall für das Tarifgebiet Berlin-Brandenburg mit etwa 100.000 Beschäftigten, alternierender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg, ehrenamtlicher Richter beim Bundesarbeitsgericht und Mitwirkender im Beirat von Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.. Stefan Moschko ist seit 1976 Mitglied der CDU und gehört seit 2012 der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) an.

 

Presseberichte zu dem Thema:
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Siemens-will-fast-7000-Jobs-streichen-und-Werke-schliessen-3891954.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/siemens-martin-schulz-nennt-vorgehen-asozial-a-1179934.html
https://www.op-online.de/offenbach/offenbach-politiker-gewerkschafter-kritisieren-siemens-deutlichen-worten-9412450.html
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/aktuelle-stunde-im-bundestag-politiker-klagen-siemens-vorstand-an/20614198.html
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/stellenabbau-bei-siemens-kaesers-brief-an-martin-schulz-im-wortlaut/20622306.html
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Joe-Kaeser-ist-nicht-asozial-article20150186.html

Wir danken Herrn Moschko und Herrn Dr. Lischka für die Einladung und freuen uns auf einen sicherlich spannenden Austausch!