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First Monday: Menschen mit Behinderung neu und anders wahrnehmen

Führungskraft sein und eine Behinderung haben – geht das? Selbstverständlich! Allerdings bestehen derzeit in der Gesellschaft ziemlich viele Hürden. Der Fragestellung, wie man diese Hürden abbauen kann, widmete sich der Austausch zu unserem First Monday im Mai, zu dem Janis McDavid und andere Menschen mit Behinderung in den Räumen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes einluden.

Wussten Sie beispielsweise, dass Ausgaben für Umbaumaßnahmen und persönliche Assistenz zwar vom Staat übernommen werden, um Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen, sie diese allerdings selbst zahlen müssen, wenn ihr Vermögen 2.600 € überschreitet? Mehr als 2.600 € zu sparen geht nicht und auch das eigene Einkommen wird zu großen Teilen zur Finanzierung herangezogen und sogar auch das der Ehe- oder Lebenspartner*innen. Der gedachte Nachteilsausgleich wird ins Gegenteil verkehrt und Menschen mit Behinderung werden politisch in die Altersarmut gezwungen. Dies stellt nicht unbedingt eine Motivationsförderung für jemanden dar, der beispielsweise seine Beine nicht bewegen kann, im Kopf dafür allerdings umso beweglicher ist.

A propos Kopf: viele Hürden bestehen derzeit noch in den Köpfen. Wie es vor einigen Jahrzehnten noch kaum vorstellbar war, dass Frauen Führungspositionen anstreben und innehaben, so haben heute viele Menschen dieselbe verzerrte Vorstellung von Menschen mit sichtbarer Behinderung. Menschen mit Behinderung werden häufig in erster Linie mit Defiziten assoziiert und die teilweise kompensatorisch besonders ausgeprägten Stärken werden nicht wahrgenommen.

Wie man vor allem an diesen beiden Punkten etwas ändern und die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung verändern kann – dazu diskutierten Janis McDavid, Ulrike Pohl , Gerlinde Bendzuck , Ingo Kaleschke und weitere Führungskräfte mit Behinderung mit den Teilnehmenden unseres First Mondays.

Alle Teilnehmenden waren sich am Ende darin einig, dass es sinnvoll ist, einen Verein zu gründen, um mit Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit genau diese Ziele zu erreichen, und dass dieser Verein auch als Netzwerk für Erfahrungsaustausch und Ansprechpartner sowohl gegenüber Arbeitgebern als auch für Menschen mit Behinderung, die eine Führungsverantwortung anstreben, wertvolle Arbeit leisten kann.

Die genauere Definition der Ziele und Zielgruppen wird eine der nächsten Aufgaben sein. Bei der Vielzahl von bestehenden Vereinen und Organisationen im Bereich der Menschen mit Behinderungen fehlt bisher eine Interessensvertretung von Führungskräften, die nicht nur ein selbstbestimmtes Leben führen wollen, sondern beweisen, dass sie berufliche Verantwortung auch für andere übernehmen können.

Es war ein spannender Austausch, der sicherlich bald eine Fortsetzung finden wird. Interessierte können sich gerne bei Janis McDavid melden unter public@janis-mcdavid.de