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Innenansichten einer Flüchtlings-Notunterkunft

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First Monday zu den Herausforderungen der Flüchtlingshilfe beim ASB Berlin

Was unsere Führungskräfte am First Monday in der ASB-Notunterkunft im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf zu sehen bekamen, beeindruckte viele. Sie erlebten eine gut organisierte Flüchtlingsunterkunft, die bei der Versorgung der knapp 1000 Bewohner*innen viel Unterstützung von Ehrenamtlichen bekommt, deren Einbindung in vielerlei Hinsicht vorbildlich funktioniert.

Philipp Bertram, einer der beiden Leiter der Unterkunft, führte uns durch die Räumlichkeiten, die trotz des offiziellen Status einer Notunterkunft längst nicht nur Essen und Schlafplätze für die Bewohner bereit halten. Mithilfe von Spenden und ehrenamtlichen Engagement wurde ein Ärztetrakt mit Hebammenstation, Sortierstationen für die kistenweisen Kleiderspenden, Schulräume für Deutschkurse und Spielzimmer eingerichtet. Etwa 200 Ehrenamtliche helfen täglich in der Unterkunft mit und sorgen für vielfältige Angebote im Haus. Auch für andere Unterkünfte, die teilweise anderen Trägern unterstehen und nicht so gut ausgestattet sind, wird Unterstützung, beispielsweise durch die Nutzung der Hebammenstation geboten.

Auch die Bewohner selbst packen mit an. Die sechs Friseure im Haus können ihren Mitbewohnern in einem Frisiersalon Haarschnitte anbieten und dank einer Kooperation mit einem externen Salon kann bald auch die Ausbildung zum Friseur bereits direkt in der Unterkunft beginnen. Selbst BewohnerInnen, die nicht lesen oder schreiben können, können sich in der Wäscherei, in der täglich zwölf Waschmaschinen für die Reinigung der Wäsche des gesamten Hauses sorgen, einbringen.

In der anschließenden Gesprächsrunde mit Frau Dr. Jutta Kleber, Geschäftsführerin des ASB Landesverbands Berlin, waren dementsprechend die meisten positiv überrascht und vertraten die Meinung, dass Deutschland weiterhin so viele Flüchtlinge wie bisher aufnehmen sollte. Dass die Regierung größere Anstrengungen unternehmen müsse und sich nicht auf das ehrenamtliche Engagement der Freiwilligen verlassen könne, forderten viele. Philipp Bertram bestätigte aus der Sicht der Unterkunftsleitung, dass mit einem so anhaltend hohem Engagement wie bislang nicht gerechnet werden könne und auch die Spendenfreudigkeit sinke.

Kontrovers diskutiert wurde, wie der Zusammenhalt der Gesellschaft angesichts von Wahlergebnissen wie zuletzt dem Erfolg des FN in Frankreich gelingen kann. Persönliche Begegnungen als Schlüssel für gegenseitiges Verständnis wurden ebenso angesprochen wie die Notwendigkeit einer Dialogkultur, die das Aussprechen von Ängsten zulässt, um einen Rechtsruck zu verhindern. Liberale Freiheitsrechte, die in den letzten Jahrzehnten in Deutschland beispielsweise von der Frauenbewegung erkämpft wurden, müssten von der gesamten Gesellschaft getragen werden, von Migrant*innen ebenso wie von denjenigen, die gegen diese wettern.