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Aktuelles

First Monday im Februar: Bankgeschäft DER bzw. MIT Zukunft?

Eingetragen am 18.01.2018

18. Januar 2018 | By |

Einblicke und Diskussion zur Zukunft der Arbeitswelt am Beispiel der Finanzdienstleistungen: Bankgeschäft DER bzw. MIT Zukunft? Bankenstandort Deutschland „zwischen Filialgeschäft und Internet“ und „zwischen Regulation und globalem Wettbewerb“

Zeit: Montag, 5. Februar 2018, 18 bis 20:30 Uhr
Ort:
Quartier Zukunft der Deutschen Bank, Friedrichstr. 181, 10117 Berlin

Volle Transparenz – die „Gläserne Manufaktur“ im Quartier Zukunft gibt den Blick frei auf die Arbeit der Berater, Quelle: www.db.com/newsroom

Volle Transparenz – die „Gläserne Manufaktur“ im Quartier Zukunft gibt den Blick frei auf die Arbeit der Berater, Quelle: www.db.com/newsroom

Gesprächspartner:

  • Harald Eisenach, Sprecher der Regionalen Geschäftsleitung Ost/ Mitglied des Management Committes Deutschland
  • Antje Uhlig, Matthias Bonk, Christof Breuch – Teilnehmer der Deutschen Bank im Leadership Berlin Programm der letzten Jahre

Ablauf:
18.00 bis 18.30 Uhr Vorstellung des Konzepts des Quartiers Zukunft
18.30 bis 19.15 Uhr Diskussionsrunde, Teil 1
19.15 bis 19.30 Uhr Pause mit kleinen Snacks
19.30 bis 20.30 Uhr Diskussion, Teil 2

Hintergrund:
Die digitale Revolution verändert unsere Gesellschaft nachhaltig. Davon sind fast alle gesellschaftlichen Bereiche betroffen, darunter naheliegenderweise auch das Endkundengeschäft der Banken in klassischen Bankfilialen. Die Deutsche Bank als führendes Finanzdienstleitungsunternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht einen Trend zu erkennen und ihm hinterherzulaufen, sondern ihn zu setzen. In diesem Anspruch wurde als Ergebnis gezielter Trendforschung in 17 globalen Metropolen das „Quartier Zukunft“, „Q110“ in der Berliner Friedrichstraße entwickelt. „Der Verkaufsraum ist tot, das Geschäft findet im Internet statt,“ so der Trendforscher Oliver Leisse. Aus seiner Sicht geht insofern die Entwicklung vom „Verkaufsraum“ zum „Begegnungsraum“, so digital wie nötig, und doch so menschlich wie möglich. Das Quartier Zukunft setzt hier an, u.a. mit einem „Gewächshaus“ mit offenen Arbeitsplätzen, an denen Gründer neue Ideen und Geschäftsmodelle entwickeln können, einem „Customer Lab“, in dem Kunden neue Bank-Apps ausprobieren und Verbesserungsvorschläge einbringen können, einem „Urban Garden“, der mitten in der Stadt eine Verbindung von Bankgeschäft und Freiluft-Erlebnis setzt oder auch dem Kinderbetreuungsangebot „Q Kids“. Und dies alles in einzigartiger Gestaltung: das Quartier Zukunft ist Gewinner des German Design Award 2018.

Nach einem Einblick in die Zukunftsvisionen des Bankgeschäfts und die innovativen Begegnungsräume des „Quartier Zukunft“ durch Alexander Kwast freuen wir uns auf eine spannende Diskussion mit Harald Eisenach, dem obersten Vertreter der Deutschen Bank für die Region Ost (und Mitglied unseres Beirats) und Antje Uhlig, Ute Kupfer, Matthias Bonk und Christof Breuch, die an unseren letzten Collaborative Leadership Programmen teilgenommen haben. Wir erwarten eine sicherlich für beide Seiten inspirierende Diskussion zum Thema Zukunft der Arbeitswelt, bei der natürlich auch andere Fragen zu Standortfaktoren, Globalisierung, Finanzkrise und Regulierung angesprochen werden können.
Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen, nur eine komplette Teilnahme (inkl. Führung) möglich ist und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen dieses Mitgliedsformulars tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei und Anmeldungen sind über das folgende Formular möglich.

Besuchen und Deutsch sprechen

Eingetragen am 11.01.2018

11. Januar 2018 | By |

IMG_9281_üMit Scherzen und viel Lachen endete der letzte Sonntagnachmittag im Pflegewohnheim „Am Plänterwald“. Dieses Mal gab es bei „Besuchen und Deutsch sprechen“ nicht nur die Möglichkeit zu Einzelbesuchen, sondern auch zum Austausch in geselliger Runde. Die teilnehmenden Geflüchteten kamen in einem Gruppenraum mit mehreren Bewohner*innen in ein lebendiges, humorvolles Gespräch, bei dem Themen wie „Religion“ und „Sprache“ in ausgelassener Stimmung erörtert wurden.
Was die deutsche Sprache betrifft, so gab es seitens der Geflüchteten unterschiedliche Einschätzungen: Für jene, die Arabisch als Muttersprache haben, ist die deutsche Grammatik vergleichsweise einfach. Für andere aus Aserbaidschan oder Afghanistan, scheint die deutsche Grammatik dagegen komplizierter, da es im Aserbaidschanischen oder Persischen z. B. keine Artikel und keine Präpositionen gibt. Der aus Aserbaidschan stammende Mitveranstalter, Yahya Mirzayev, versuchte so der Frage nachzugehen, warum es „das Mädchen“ heißt, wobei doch eindeutig sei, dass das Mädchen weiblich sein müsse. Weiterhin möchte Marif Akberli, ehemaliger Journalist des Radio Free Europe in Aserbaidschan, zukünftig erforschen, wie viel des menschlichen Körpers jeweils als männlich, weiblich oder neutral betrachtet wird, z.B. die Lunge, das Herz, der Kopf usw.. Neu für deutsche Ohren war auch, dass die deutsche Sprache von manchen durch die vielen Artikel und Präpositionen als melodisch empfunden wird.
Über die letzten beiden Termine konnten sich einige Bekanntschaften festigen und so wurden neben allgemeineren Themen wie Familienleben, Wohnsituation und Berufe auch spezifischere Erfahrungen, wie das Erlernen von Fremdsprachen, vertieft. Zudem durften wir dieses Mal zwei neue Besucher begrüßen. Seitens der Geflüchteten wurde besonders das informelle, lockere Format gelobt, das Möglichkeit bietet, Deutsche kennenzulernen und die eigenen Sprachkenntnisse abseits von Behördengängen und Sprachschule zu erweitern. Die Bewohner*innen freuen sich über stimmungsvolle Abwechslung, Erzählungen aus fremden Ländern und auch eine respektvolle Wertschätzung für ältere Menschen, die häufig in den Herkunftsländern der Geflüchteten ausgeprägter ist als in unserer Kultur.

Nächstes Mal (am 4. Februar von 15.00 -17.00 Uhr) wird voraussichtlich zum Einstieg der Kurzfilm „Integration“ gezeigt, den Marif Akberli in den letzten Monaten produziert hat. Wir freuen uns auf den spannenden Beitrag!

First Monday im Januar: SIEMENS-Stellenabbau in der Diskussion

Eingetragen am 12.12.2017

12. Dezember 2017 | By |

First Monday zur Kommunikation über den Stellenabbau bei Siemens und der Verantwortung von Führungskräften in Wirtschaft und Politik

Zeit:                                  Montag, der 8. Januar, 17.30 – 20.30 Uhr
Ort:                                   Gasturbinenwerk Huttenstraße
Treffpunkt:                      Empfang in der Huttenstr. 12, 10553 Berlin-Moabit

Gesprächspartner:
Stefan Moschko, Leiter Human Resources Deutschland (118.000 Beschäftigte an 125 Standorten) und
Dr. Jan-Marc Lischka, Sprecher der Betriebsleitung im Gasturbinenwerk

 

Ablauf:                              17.30 – 18.30 Uhr           Werksführung
18.30 – 20.30 Uhr           Diskussion

Fragestellungen:            Welchen Stellenwert haben unternehmerische Freiheit und soziale Verantwortung in unserer sozialen Marktwirtschaft? Sind die Vorwürfe von Politiker*innen in Richtung Siemens gerechtfertigt oder offenbaren sie ein mangelndes Verständnis unternehmerisch sinnvoller Entscheidungen? Auf welcher Seite ist ein höheres Maß an Verantwortung sinnvoll und erwartbar?

Hintergrund: Siemens erfuhr in den letzten Wochen viel Kritik aus der Politik und von Gewerkschaften. Hintergrund ist der vom Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser verkündete Abbau von mehr als 3000 Stellen in Deutschland in der Kraftwerks- und Antriebssparte während gleichzeitig ein Konzerngewinn von 6,2 Milliarden erzielt wurde. Wie ist die Sichtweise von Stefan Moschko auf die Unternehmensentscheidung und die öffentliche Rezeption? Welche Art der öffentlichen Aufnahme und Diskussion von unternehmerischem Handeln wünscht er sich in der Gesellschaft und worin besteht aus seiner Sicht die Verantwortung von Politiker*innen? Wie ist hierzu die Sichtweise Berliner Führungskräfte aus Wirtschaft, öffentlichem und Non-Profit-Bereich?   

Politik und Medien reagierten empört. Der Stellenbau wurde von zahlreichen Politikern scharf kritisiert und dem Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser mitunter „Verantwortungslosigkeit“ vorgeworfen. – Martin Schulz (SPD) sprach von „verantwortungslosen Managern“ und bezeichnete die Entscheidung als „asozial“,

– Ramona Pop (Die Grünen) bezeichnete den Stellenabbau für kein gutes Zeichen für die soziale Marktwirtschaft und beteiligte sich an einer IG-Metall-Protestveranstaltung,

– Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht bezeichnete es als „unglaubliche Provokation“ und „dreist“, dass Siemens erheblich von öffentlichen Aufträgen profitiere, gesellschaftliche Interessen aber nicht berücksichtige. Sie forderte, dass Massenentlassungen und Werksschließungen in profitablen Unternehmen gesetzlich verboten werden müssten.

– Björn Simon MdB (CDU) kritisierte die Art, wie das Management mit den Beschäftigen kommunizierte und bezeichnete dieses „einer Firma wie Siemens nicht würdig“,

– Jürgen Lenders (FDP) sprach im Hinblick auf die Siemens-Führung von „Nieten in Nadelstreifen“ und

– Björn Höcke und andere Angehörige der AfD beteiligten sich medienwirksam an einem von der IG Metall organisierten Schweigemarsch durch Erfurt (freilich gegen deren Willen)

„In einer aktuellen Stunde des Bundestages, die die SPD beantragt hatte, warfen Politiker aller Fraktionen (mit Ausnahme der AfD) Siemens angesichts eines Milliardengewinns Verantwortungslosigkeit vor“, so berichtete der Tagesspiegel am 21.11.2017.

Aus Sicht von Siemens stellt sich diese Entscheidung ganz anders dar und Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser trat den Vorwürfen u.a. in einem offenen Brief an Martin Schulz entgegen. Umgekehrt moniert er Verantwortungslosigkeit bei Politikern. – Den 1,5 Milliarden öffentlichen Subventionen und Aufträgen in den letzten 20 Jahren in Deutschland stellt Siemens mehr als 20 Milliarden gezahlte Steuern alleine in den letzten 3 Jahren entgegen.

– Den etwas mehr als 3.000 abgebauten Stellen stellt Siemens entgegen, dass es aktuell 3.200 offene Stellen gibt, der Konzern alleine im vergangenen Geschäftsjahr 5200 Menschen in Deutschland eingestellt hat und die Zahl der Mitarbeiter*innen damit um 2000 leicht gewachsen ist. Darüber hinaus sind Zuwächse in ähnlicher Größenordnung in den nächsten Jahren zu erwarten.

– Den Stellen-Abbau im Bereich der Kraftwerks- und Antriebssparte bringt Siemens in Zusammenhang mit einer chaotischen Energiepolitik der Bundesregierung in den letzten Jahren, den fehlenden Aufträgen in den betroffenen Werken (keine einzige große Gasturbine wurde dieses Jahr in Deutschland bestellt) und der unternehmerischen Freiheit, als Konzern in unprofitablen Bereichen abzubauen, um in zukunftsträchtigen investieren zu können.

Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen, nur eine komplette Teilnahme (inkl. Führung) möglich ist und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen dieses Mitgliedsformulars tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei und Anmeldungen nimmt Justine Schmitz unter justine.schmitz@leadership-berlin.de entgegen.

 

Zum Gesprächspartner: Stefan Moschko arbeitet seit 1980 für die Siemens AG. Er war unter anderem Personalleiter an verschiedenen Standorten in Deutschland (Karlsruhe, Berlin, Nürnberg, Speyer, Essen, Leipzig, Görlitz, Erfurt und Mühlheim) und verantwortet seit 2010 als Leiter Human Resources Deutschland die operative Personalarbeit in Deutschland. Damit ist er zuständig für rund 118.000 Siemens-Beschäftigte an 125 Standorten. Stefan Moschko ist Verhandlungsführer bei Tarifverhandlungen mit der IG Metall für das Tarifgebiet Berlin-Brandenburg mit etwa 100.000 Beschäftigten, alternierender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg, ehrenamtlicher Richter beim Bundesarbeitsgericht und Mitwirkender im Beirat von Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.. Stefan Moschko ist seit 1976 Mitglied der CDU und gehört seit 2012 der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) an.

 

Presseberichte zu dem Thema:
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Siemens-will-fast-7000-Jobs-streichen-und-Werke-schliessen-3891954.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/siemens-martin-schulz-nennt-vorgehen-asozial-a-1179934.html
https://www.op-online.de/offenbach/offenbach-politiker-gewerkschafter-kritisieren-siemens-deutlichen-worten-9412450.html
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/aktuelle-stunde-im-bundestag-politiker-klagen-siemens-vorstand-an/20614198.html
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/stellenabbau-bei-siemens-kaesers-brief-an-martin-schulz-im-wortlaut/20622306.html
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Joe-Kaeser-ist-nicht-asozial-article20150186.html

Wir danken Herrn Moschko und Herrn Dr. Lischka für die Einladung und freuen uns auf einen sicherlich spannenden Austausch!

First Monday im Dezember: Was bedeutet Integration?

Eingetragen am 09.12.2017

9. Dezember 2017 | By |

„Was bedeutet Integration?“ Mit dieser so einfachen wie komplexen Frage an die Gesprächspartner*innen auf dem Podium startete unser First Monday Abend zum Thema „Chancen und Herausforderungen der Zuwanderung – Probleme und Lösungen der Integration“ im Gemeinschaftshaus Morus 14 e.V.. Gastgeber Gilles Duhem, der mit seinem Verein viele Kinder und Jugendliche im Neuköllner Rollbergviertel betreut, schlug darauf prompt die folgenden drei Punkte als „Integrationsanleitung“ vor: Erstens sorge dafür, dass all deine Dokumente ordentlich kopiert in einem Ordner bereitliegen, zweitens erscheine pünktlich zu jedem Termin und drittens lass keinen Müll in deiner Umgebung liegen – dann, so der Franzose Duhem, sei man im „weltoffenen“ Deutschland zu 75% integriert.

Dieser streitbare Beitrag verfehlte nicht die gewünschte Wirkung. Die Diskussion startete mit Schwung und brachte letztendlich das, was diesen Abend besonders spannend machte: einen steten Wechsel zwischen Schilderungen von konkreten Erfahrungen aus nächster Nähe und der Diskussion von übergeordneten, gesamtgesellschaftlichen Fragen. Aus dem direkten Umfeld des „segregierten“ Rollbergviertels berichteten der Gastgeber selbst, die Mittelstufenkoordinatorin sowie Jobcoachin der Zuckmayer Sekundarschule Sabine Drochner und Sigrid Salifu sowie Taha Sabri, der Imam der Dar-as-Salam-Moschee/Neuköllner Begegnungsstätte. Einen statistischen Input zum Thema Zuwanderung brachte darüber hinaus Peter Conrad, u.a. Vorstand im Begegnungschor, dem Verein Perspektiventag und bei Leadership Berlin.

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Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt wurde zunächst als ein wichtiges Thema der Integrationsarbeit diskutiert. Dabei spiele die Familie eine entscheidende Rolle, die den Ausbildungsantritt verhindern könne, wenn die berufliche Perspektive beispielsweise nicht prestigeträchtig genug sei oder auch einfach ein Heimaturlaub dazwischen käme, so eine Schilderung. Als wichtige Faktoren für eine gelungene Integration wurden insbesondere Sprache und Bildung genannt – Aspekte, die angesichts des Umstandes, dass 36 Prozent der 2015 angekommenen Geflüchteten keinen Schulabschluss haben, vor allem große Anstrengungen und Geduld abverlangten.

Neben den Expert*innen aus der beruflichen Praxis brachten einige Diskussionsteilnehmer, die selbst eine Zuwanderungs- oder Fluchtgeschichte haben, ihre Perspektiven mit ein. So fragte ein Arzt, der vor über 10 Jahren aus Palästina nach Deutschland kam und inzwischen seine eigene Praxis leitet, wann er denn eigentlich endlich als integriert gelte. Andere, die erst innerhalb der letzten drei Jahre nach Deutschland gekommen sind, brachten das Problem auf, dass qualifizierte Geflüchtete teilweise jahrelang in Warteschleifen festgehalten würden, bevor sie endlich arbeiten dürften.

Auf der allgemeineren Ebene wurde dann erörtert, inwieweit bereits der Begriff „Integration“ eigentlich diskriminierend sei – impliziere er ja, dass etwas eingefügt oder angepasst werden müsse und widerspreche damit dem Diversity-Gedanken einer vielfältigen Gesellschaft.

Neben Integration diskutierte die Gruppe auch das Phänomen der Segregation, die sich in Berlin beispielsweise daran ablesen lässt, dass es einerseits über 70 öffentliche Schulen gibt, die einen Schüleranteil nicht-deutscher Herkunftssprache von über 75 Prozent haben (bei der Zuckmayer-Schule sind es sogar 97%) und andererseits viele Schulen ohne Schüler*innen mit Migrationshintergrund. Dazu gab es sowohl die Meinung, dass segregierte Wohngegenden hinderlich für Integration seien, da die Bewohner*innen ohne deutsche Sprache auskommen und sich in solchen Gegenden – wie im Beispiel Rollbergviertel – ein hoher Arbeitslosenanteil und Bildungsferne verdichten können. Andererseits vertraten einige Diskussionsteilnehmende auch die Auffassung, dass die Konzentration türkisch- und arabischstämmiger Bevölkerung in einigen Stadtbezirken unter Wahrung kultureller Elemente aus den Herkunftsländern genauso als Selbstverständnis und Bereicherung in Deutschland akzeptiert werden sollte wie dies auch in den USA bei Minderheiten (Stichwort „Chinatown“)  der Fall ist.

„Wie viel Zuwanderung braucht Deutschland?“ lautete eine andere Frage, die kontrovers diskutiert wurde. Mit 400.000 Menschen pro Jahr beziffere das Statistische Bundesamt den Bedarf an Zuwanderung, damit das Rentensystem in Zukunft weiter funktionsfähig bleibe, war das Argument eines Gesprächsteilnehmers. Andere verwiesen auf die aktuellen Probleme bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt und meldeten Zweifel an, ob eine größere Anzahl für den Arbeitsmarkt verkraftbar sei. Als weiterer Punkt wurde diskutiert, inwieweit es egoistisch sei, wenn die westlichen Industrieländer „Rosinenpickerei“  betreiben und ausschließlich Zuwanderung von Hochqualifizierten zulassen.

Die Frage „Was ist Integration?“ wurde an diesem Abend zwar nicht abschließend geklärt, aber sie wurde in jedem Fall von verschiedensten Seiten beleuchtet und drängende Herausforderungen identifiziert. Wir danken allen Teilnehmenden und insbesondere den Expert*innen für die vielfältigen erhellenden Beiträge und hoffen, dass sich für viele im Gespräch neue Blickwinkel auf das Themenfeld Integration aufgetan haben.

Vertretungsstunde: „Muss ich studieren, um Rapper zu werden?“

Eingetragen am 30.11.2017

30. November 2017 | By |

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Dies war eine Frage, die Klaus Wilhelm Baumeister als „Vertretungslehrer“ am 3. November nicht eindeutig beantworten konnte. Viele andere schon: Was ist eigentlich Jura, mit welchen Fällen hat er als Rechtsanwalt zu tun gehabt und wie ist es in der Gerichtsmedizin?

Einmal im Monat ist „Vertretungsstunde“ in der Neuköllner Zuckmayer-Schule. Hier ist eine Führungskraft aus unserem Netzwerk zu Gast, um den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in verschiedene Berufe zu geben.

Die Karriere des Juristen verlief nicht wie aus dem Lehrbuch. Als Fünfzehnjähriger schloss er die Hauptschule ab und absolvierte zunächst eine Ausbildung als Rechtsanwalts- und Notargehilfe. „Doch irgendwann fragt man sich, ob man nicht auch noch etwas anderes machen möchte, weiterkommen möchte“ erzählte er den Schülerinnen und Schülern. Er versuchte es mit dem zweiten Bildungsweg auf einem Gymnasium, mit 22 Jahren hielt er sein Abiturzeugnis in der Hand und begann daraufhin Jura zu studieren. Er arbeitete einige Jahre als Rechtsanwalt und in den Rechtsabteilungen des WDR und des rbb. Heute ist er Geschäftsführer der rbb Media GmbH, die für die Vermarktung von Werbezeiten und andere wirtschaftliche Dienstleistungen zuständige Tochter des rbb.

Er betont, dass es für ihn sehr hilfreich war, erst einmal die „Kostprobe“ eines Berufes gehabt zu haben, um ihn gut einschätzen zu können. Das Jura-Studium ist breit gefächert und bietet Einblicke in ganz unterschiedliche Bereiche und Fragen. Zu seinem Gebiet des Medienrechts gehört z. B. auch die Diskussion, ob Fotos von Verstorbenen gezeigt werden können. Hier führte er das Beispiel von Uwe Barschel an, der nach seinem Tod auf der Titelseite des Stern abgebildet wurde, und erläuterte das „Recht am eigenen Bild“.

Den Schülerinnen und Schülern ist ein Beruf mit guten Verdienstmöglichkeiten wichtig. Doch nur wenige Schulabgänger beenden eine Ausbildung. Das liegt nicht nur an ihren Noten. Oft fehlt es auch an Beispielen aus ihrem Alltag, der sich meist ausschließlich in Neukölln abspielt. Der Besuch der Führungskräfte des Leadership-Programms ist eine Gelegenheit, über den Tellerrand des Kiezes zu blicken. Hier erfahren sie mehr über vielfältige Berufe und Lebensläufe, die nicht immer gradlinig sind. Schließlich haben die wenigsten Führungskräfte von Beginn an die Tätigkeit, die sie heute ausüben. So wie Klaus Wilhelm Baumeister, der klar sagt: „Das Leben macht manchmal Umwege. Aber Hartz 4 ist keine Karriere.“

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First Monday zum Thema Image des Jugendamts

Eingetragen am 23.11.2017

23. November 2017 | By |

Iris Hölling – Leiterin des Jugendamtes Treptow-Köpenick

„Die nehmen einem die Kinder weg!“: Schon in der ersten Runde, in der die Teilnehmenden unserer First Monday Veranstaltung im November ihr Bild vom Jugendamt beschreiben sollten, fiel dieser Satz, der auch in der Sicht der Bevölkerung verbreitet scheint. Die Inobhutnahme – für den Fall, dass die Familie den Schutz des Kindes nicht gewährleisten kann, macht jedoch nur einen sehr kleinen Teil der Aufgaben des Jugendamts aus.

Der First Monday galt einem Anliegen von Iris Hölling, Leiterin des Jugendamts Treptow-Köpenick, das Bild des Jugendamtes in der Öffentlichkeit zu verändern. Die Teilnehmenden – aus anderen Jugendämtern, Freien Trägern oder fachfremden Bereichen der Wirtschaft – wurden mit verschiedenen Fragestellungen aufgefordert, Ideen zu entwickeln, um die positiven, unterstützenden Aspekte der Arbeit des Jugendamts in den Fokus zu rücken.

Letztlich kam viel Input, der zu einem differenzierteren Bild in der Öffentlichkeit helfen könnte, zusammen: Von Vorschlägen zu Werbekampagnen, über verstärkte Social-Media-Aktivität und Erfolgsgeschichten von Jugendlichen, die selbst das Jugendamt um Hilfe gebeten hatten, bis zu Aktivitäten, wie einem Tag der offenen Tür oder Aufklärungsabenden in bestimmten Institutionen, z.B. Moscheen und Schulen.

Wir sind gespannt, welche der vielen Ideen umgesetzt werden, und wünschen Iris Hölling dafür viel Erfolg!

Abschlussabend unserer Leadership-Programme

Eingetragen am 18.10.2017

18. Oktober 2017 | By |

Am 9. Oktober fand unsere diesjährige Abschlussveranstaltung bei unserem Mitglied, dem Evangelischen Diakonieverein Zehlendorf, statt. Anlass zu feiern gab es gleich doppelt: Nicht nur die Teilnehmenden unseres Collaborative Leadership Jahresprogramm beendeten an diesem Tag ihre Learning Journey durch die Stadtgesellschaft. Auch die Berliner Führungskräfte und geflüchteten Menschen mit Führungspotential, die im Kurzprogramm „Leadership in Dialogue“ zusammengekommen waren, teilten ihre Eindrücke und Impact Stories mit den Gästen.

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Etwa 120 Führungskräfte und Freund*innen von Leadership Berlin erlebten einen facettenreichen Abend. Neben den Einblicken ins Programm gab es Integration live zu Hören und Sehen: Der Begegnungschor, der aus unserem Jahresprogramm 2015 hervorgegangen ist und in dem Berliner*innen gemeinsam mit Geflüchteten singen, gab einige deutsche und arabische Lieder aus seinem Repertoire zum Besten und lud dabei die Gäste ein, miteinzustimmen.

Daran knüpfte Petra Merkel, Präsidentin des Internationalen Bundes und des Chorverbandes Berlin sowie Mitgründerin des Begegnungschors, in einem Impulsvortrag an. Ausgehend von der Atmosphäre im Jahr 2015, als Rekordzahlen von Geflüchteten in Berlin ankamen, beschrieb sie, wie inzwischen Integration von verschiedensten Akteuren gestaltet wurde und wie sich Integration im Beispiel des Begegnungschors manifestiert.

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Die Teilnehmenden von Leadership in Dialogue gaben ihre ganz persönlichen Statements, was für sie Integration bedeutet und was sie aus dem Programm mitgenommen haben. Ganz konkret sind zwei interkulturelle Projekte entstanden: Nawid Arafat und Yahya Mirzayev präsentierten das Projekt „Besuchsdienst im Altenpflegewohnheim“. Einmal monatlich treffen sich Geflüchtete im Pflegewohnheim „Am Plänterwald“ und besuchen die Bewohner*innen. Die einen freuen sich über die Gesellschaft und die anderen können dabei etwas über das Leben in Deutschland lernen und ihr Deutsch üben.

Francis Adams und Sabine Schreiber stellten das Projekt „Interkulturelle Konfliktlotsen“ vor, an dem außerdem noch Roland Hägler, ehemaliger Schulleiter einer Sekundarschule in Neukölln, und Hasan Molki, Dozent an der Beuth-Hochschule, beteiligt sind. In interkulturell aufgestellten Tandems soll bei Konflikten vermittelt werden, wenn Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen aufeinandertreffen. Dabei sollen die kulturelle Expertise und das Engagement für ein gutes Zusammenleben dazu beitragen, dass Vorurteile abgebaut werden.

Die Teilnehmenden des Collaborative Leadership Programms gaben Einblick in die acht Programmtage und Gespräche mit unterschiedlichsten Gesprächspartner*innen. Als beeindruckende Persönlichkeit in Sachen Leadership wurde dabei beispielsweise Schulleiterin Frau Fischler von der Hermann-von-Helmholtz-Schule genannt. Das große Engagement und die Begeisterung, mit der Frau Fischler sich dafür einsetzt, ihren Schüler*innen eine gute Grundlage für ein Berufsleben zu geben, steckten an: Einige Teilnehmende des Programms engagieren sich inzwischen ehrenamtlich im Förderverein der Schule und konnten damit dessen Auflösung verhindern.

Ein weiteres Social Impact ergab sich für die Non-Profit-Organisation SOLWODI. Der Verein arbeitet mit Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind, und hilft ihnen dabei, sich ein neues Leben aufzubauen. Die Teilnehmenden zeigten sich vom Schicksal der Frauen ebenso berührt wie von der herzenswarmen Betreuung durch die Mitarbeiterinnen von SOLWODI. So wurde ein Zimmer zur kurzfristigen Unterbringung von akut gefährdeten Frauen organisiert und die Verteilung von Informationsmaterial in den Ausländerbehörden veranlasst.

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Neben diesen Beispielen berichteten die Teilnehmenden auch von persönlichen Entwicklungen. Das eine oder andere Engagement befindet sich noch im Gärungsprozess und nimmt vielleicht in den nächsten Wochen Gestalt an. Wir sind begeistert, wie viele Veränderungen auch in diesem Jahr durch das Programm angestoßen wurden und freuen uns schon auf den Start des nächsten Programms im März 2018. Allen Teilnehmenden wünschen wir, dass Ihnen der Leadership-Spirit auch über das Programm hinaus erhalten bleibt und allen, die diesen Spirit kennenlernen wollen, legen wir unser Anmeldeformular fürs nächste Jahr ans Herz.

Wir danken allen Gesprächspartner*innen und Gastgeber*innen, die zum Erfolg des Programms beigetragen haben. Für Leadership in Dialogue bedanken wir uns bei den Sponsoren und Förderern, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin, der Stiftung Pfefferwerk und der GASAG, ohne die das Programm nicht hätte durchgeführt werden können.

 

 

 

Leadership in Dialogue: zu Gast im Öffentlichen Sektor

Eingetragen am 22.09.2017

22. September 2017 | By |

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Der zweite Programmtag unserer „Leadership in Dialogue“ Lernreise stand im Zeichen des öffentlichen Sektors. Zu Gast war die Gruppe aus Führungspersönlichkeiten mit und ohne Fluchtgeschichte bei den Berliner Bäder-Betrieben in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark, der größten Schwimmhalle Europas.

Wie die Größe der Schwimmhalle bereits erahnen lässt, war auch die Führung durchs Bad beeindruckend. Die Gruppe durfte live eine (simulierte) Wasserrettung miterleben und Badleiter Martin Jähne erklärte, wie die Filteranlagen fürs Wasser funktionieren. Auch ein Blick in den einzigartigen Übungsraum fürs Trockenspringen, wo schon die Kleinsten für zukünftige Turmspringerfolge trainieren, durfte nicht fehlen.

Inhaltlich diskutierten die Teilnehmenden mit den Gesprächspartner*innen über die interkulturellen Aspekte der Arbeit im öffentlichen Dienst. Im Austausch mit den Gastgebern der Berliner Bäder-Betriebe, Badleiter Martin Jähne, Badmanager Mario Jungkuhn und dem Vorstandsvorsitzenden Andreas Scholz-Fleischmann, kamen einige kulturelle Unterschiede zur Sprache. Dazu gehört zum Beispiel, das Problem, dass einige Badegäste die Wasserhöhe danach einschätzen, ob der Boden sichtbar ist – wie sie es aus dem Baden in Flüssen in ihrer Heimat kennen. Dass das Wasser in deutschen Schwimmbädern sehr tief sein kann, obwohl dank der Wasserqualität der Boden sichtbar ist, kann für Verwirrung sorgen und Rettungen notwendig machen.

Außerdem erwies es sich für die Bäder-Betriebe schwierig, Auszubildende aus dem Kreis der Geflüchteten zu finden, die sowohl ausreichend Deutsch sprechen als auch schwimmen können. Obwohl der Wille da ist, sich kulturell breit aufzustellen, beginnen nun nur drei Geflüchtete die Ausbildung bei den Bäder-Betrieben.

Auch in der Justiz sind interkulturelle Kompetenzen gefragt. Werner Gräßle, Präsident des Amtsgerichts Lichtenberg, erklärte, dass bei Entscheidungen im Zivilrecht kulturelle Hintergründe durchaus eine Rolle spielen können. Dabei kann es beispielsweise um die Frage gehen, ob eine im Ausland geschlossene Ehe in Deutschland anerkannt wird, wenn es sich um eine Zweitehe handelt.

Schließlich gab es noch die Gelegenheit, sich mit einem Kriminalbeamten auszutauschen. Steffen Claussen, Dezernent bei der Polizei in Berlin, erklärte, wie interkulturell die Zusammensetzung der Berliner Polizei mittlerweile ist und die Teilnehmenden diskutierten mit ihm einen Fall, in dem ein deutscher Mieter immer wieder die Polizei rief, weil er fand, dass seine syrische Nachbarin zu später Stunde zu laut telefoniere.

In allen Gesprächen schwang die große Frage mit, was Integration eigentlich bedeutet und wie wir alle dazu beitragen können, dass sie gelingt. Dass dabei auch diejenigen, von denen Integration stets gefordert wird, mit in die Diskussion einbezogen sind, ist die Besonderheit von „Leadership in Dialogue“. Wir sind der Überzeugung, dass wir, indem wir uns kennenlernen und austauschen, dem abstrakten Begriff „Integration“ in der Praxis schon ein ganzes Stück näher kommen.

Herzlichen Dank an die Berliner Bäder-Betriebe für die Gastfreundschaft, an alle Beteiligten für ihr Engagement und an die Förderer des Programms „Leadership in Dialogue“: die Stiftung Pfefferwerk, den Paritätischen LV Berlin und die GASAG.

 

 

 

 

Verantwortung annehmen und abgeben können

Eingetragen am 21.09.2017

21. September 2017 | By |

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Die Teilnehmenden des Collaborative Leadership Programms 2017 widmeten sich im September dem Thema „Verantwortung annehmen und abgeben können“. Beim Programmtag in der Hermann-von-Helmholtz-Schule in der Gropiusstadt forderten wir sie dabei zunächst ganz praktisch heraus.

Als „Vertretungslehrer*innen“ übernahmen sie in 2er-Teams oder alleine eine Unterrichtseinheit in Schulklassen der 9. und 10. Jahrgangsstufe der Integrierten Sekundarschule. Ziel dabei war es, den Jugendlichen eine Perspektive auf die Berufswelt aus der Praxis einer Führungskraft zu geben: dass es sich lohnt, Verantwortung für die eigene Zukunft zu übernehmen; dass Disziplin und Zuverlässigkeit notwendig sind, um beim Arbeitgeber nicht durchzufallen; und dass bei der Wahl eines Ausbildungsweges eine realistische Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen hilft.

Schulleiterin Kerstin Fischler und „Bückenbauer“ Jens Priesen, der den Schüler*innen beim Übergang in die Ausbildung hilft, berichteten, dass viele der Jugendlichen an der Schule erschwerte Ausgangsbedingungen haben. Bei 68,4% ist die Herkunftssprache nicht Deutsch und 55% kommen aus Familien, die von Hartz IV leben. Familiäre Unterstützung beim Lernen und Planen der beruflichen Zukunft fehlt vielen. Deshalb nimmt die Schule es klar als ihren Auftrag an, nicht nur Fachunterricht zu machen und Wissen zu vermitteln, sondern auch einen Erziehungsauftrag wahrzunehmen und soziale Kompetenzen zu vermitteln.

Für uns ist dieses Engagement ein starkes Vorbild, Verantwortung auch über den eigenen Bereich hinaus zu übernehmen – wie sie die Führungskräfte mit ihrem Einsatz an der Schule auch zeigten. Einige engagieren sich sogar über den konkreten Programmtag hinaus weiter an der Schule.

Zu Gesprächen über die verschiedenen Facetten von Verantwortung ging es am Nachmittag hinaus in die Stadt. Die Verantwortungsträger teilten ihre Sicht auf die Verantwortung,die sie jeweils für die Gesellschaft, für Mitarbeiter*innen und schließlich auch für Fehler übernehmen. Nicht zuletzt diskutierten die Führungskräfte auch darüber, woher die Motivation kommt, große Verantwortung zu übernehmen und wie es gelingt, Verantwortung abzugeben.

Wir danken allen Gesprächspartner*innen sowie den Beteiligten der Hermann-von-Helmholtz-Schule, dass wir zu Gast sein durften!

 

 

Leadership in Dialogue in der Privatwirtschaft

Eingetragen am 13.09.2017

13. September 2017 | By |

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Leadership in Dialogue schafft Dialog auf Führungsebene mit Geflüchteten

In den letzten Jahren sind über eine Million geflüchteter Menschen nach Deutschland gekommen. Die Integration dieser Gruppe in unsere Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. „Wir schaffen das“ nur, wenn öffentliche Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft dafür gemeinsam mit Geflüchteten Verantwortung übernehmen.

In diesem Ansinnen organisieren wir in einem vier Tage umfassenden Leadership-Programm den größtenteils tandembasierten Dialog zwischen Menschen mit Fluchtgeschichte, die in Berlin gesellschaftlich Verantwortung übernehmen, mit etablierten Berliner Führungskräften. Den ersten Tag widmeten wir einem besseren Verständnis von Wirtschaft und den hier geltenden Rahmenbedingungen, Möglichkeiten und Herausforderungen.

Zu Gast waren wir hierzu bei der Stromnetz Berlin GmbH mit Gesprächen mit unserem Mitglied Andreas Haupt, Leiter HR & Managementsysteme und seinen Kolleginnen Melanie Müller und Grit Streese. Des weiteren standen für Kleingruppengespräche Meike Al-Habash, Bereichsleiterin Ausbildungsberatung bei der IHK Berlin und Shadi Mousa, selbständiger HNO-Arzt zur Verfügung.

Deutlich war bei allen Gesprächen einerseits die Sinnhaftigkeit und hohe Qualität der deutschen Ausbildungs- und Bildungsabschlüsse und die Erwartungshaltung von Unternehmen, dass Zugewanderte unabhängig von bereits vorhandenen Vorkenntnissen oder in Herkunftsländern vorhandenen Qualifikationen hier zunächst einmal die Sprache lernen und deutsche Bildungsabschlüsse erwerben. Auf der anderen Seite stand bei Geflüchteten die Ernüchterung und Enttäuschung, dass der deutsche Arbeitsmarkt so formalisiert ist und es im übertragenen Sinne, „nicht darauf ankommt, ob man Auto fahren kann, sondern dass man einen Führerschein hat.“

Vielen der Geflüchteten war allerdings nicht bewusst, wie gut die Berufschancen in vielen Ausbildungsberufen mittlerweile sind. Eine Information, die sie gerne weitergeben wollen. Und umgekehrt wurde deutlich, wie vieler Anstrengungen und wohlplatzierter Informationsangebote es auf Seiten der Unternehmen bedarf, um Geflüchtete in die Unternehmen zu integrieren und dass hier noch deutlich mehr getan werden könnte und sollte.

Der erste Tag wurde von allen Beteiligten als sehr bereichernd empfunden und wir freuen uns auf den folgenden Programmtag, bei dem wir uns dem öffentlichen Bereich und seinen Möglichkeiten und Herausforderungen widmen. Vielen Dank die Stromnetz Berlin, alle engagierten Beteiligten und an die Förderer des Programms „Leadership in Dialogue“: die Stiftung Pfefferwerk, den Paritätischen LV Berlin und die GASAG.