Image Image Image Image Image Image Image Image Image

Aktuelles Archive - Leadership Berlin

Leadership Berlin bringt kognitiv Hochbegabte ins Gefängnis

Eingetragen am 30.01.2019

30. Januar 2019 | By |

Ob es unter den Insassen Berliner Haftanstalten auch Menschen mit kognitiver Hochbegabung gibt, vermögen wir nicht zu beurteilen. Zumindest betraten als Besucher am 17. Dezember zwanzig Menschen mit IQ über 130 – allesamt Mitglieder der Hochbegabtenvereinigung Mensa e.V. – die JVA Moabit zu einem Gedankenaustausch mit der Gefängnisleitung. Als „ Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.“ organisierten wir das außergewöhnliche Zusammentreffen im Rahmen unseres Formates „Mensa meets Leadership“, in dem wir mit Förderung durch die gemeinnützige „Mensa in Deutschland Stiftung“ quartalsweise eine Gruppe von kognitiv Hochbegabten aus Berlin und Brandenburg mit Führungskräften der unterschiedlichsten Bereiche zusammenbringen.

Gastgeber seitens der Untersuchungshaftanstalt waren die Anstaltsleiterin Anke Stein und die Vollzugsleiterin Friederike Temme, die einen offenen Einblick in die Arbeit der JVA Moabit gaben und auf zahlreiche Fragen eingingen. Dabei zeigte sich, dass auch die hochintelligenten Besucher nicht frei waren von Zerrbildern über den Strafvollzug, wie er in Fernsehserien dargestellt wird. Anke Stein und Friederike Temme vermittelten einen realistischen und eindrucksvollen Blick in ihren beruflichen Alltag, der weder beschönigte, noch dramatisierte. In gewisser Weise erschien darin der Strafvollzug als ein Arbeitsbereich wie jeder andere, der jedoch eine wichtige gesellschaftliche Funktion innehat. Die Beschäftigten erhalten allerdings kaum die entsprechende gesellschaftliche Anerkennung für ihre wichtige und nicht immer leichte Arbeit.

Auf besonderes Interesse bei den Gästen von Mensa stießen die Diversity-Aspekte der Arbeit im Strafvollzug – einerseits die Frage der Akzeptanz weiblicher Bediensteter und einer weiblichen Gefängnisleitung, andererseits die interkulturelle Zusammensetzung der Inhaftierten mit einem Ausländeranteil von 70% zzgl. einem Anteil von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund. Aufgrund der Vielsprachigkeit der Insassen sind auch bei den Beschäftigten solche mit Migrationshintergrund und Fremdsprachenkenntnissen sehr gefragt, wobei auch unabhängig davon Mitarbeiter*innen benötigt und gesucht werden. Autoritätsprobleme aufgrund des Geschlechts sahen die beiden Leiterinnen der reinen Männer-Vollzugsanstalt jedoch ganz klar nicht – was sicher auch an dem charismatischen und bestimmten Auftreten der beiden Juristinnen liegt.

Die größte Herausforderung des Strafvollzugs aus Sicht von Anke Stein und Friederike Temme ist auch – entgegen der Erwartung so mancher Außenstehender – weniger das Thema Gewalt von bzw. zwischen Inhaftierten. Viel schwieriger ist es, aus der Zielsetzung der Resozialisierung unter den gegebenen Rahmenbedingen das Beste zu machen und genügend Nachwuchskräfte für die wichtige Arbeit im Strafvollzug zu gewinnen. So lautete auch die letzte Frage der Gefängnisleiterinnen an die Mitglieder von Mensa, ob und warum sie sich vorstellen könnten – oder auch nicht vorstellen können – im Strafvollzug zu arbeiten. Auch wenn der größte Teil sich einen solchen Arbeitsbereich nicht vorstellen könnte, immerhin zwei wären nicht ganz abgeneigt. Außerdem animierte der Besuch den ein -oder anderen, Bücher für die Gefangenen-Bibliothek zu spenden.

Unser besonderer Dank geht an Anke Stein, die bereits in ihrer früheren Funktion als Anstaltsleiterin der JVA Heidering Gastgeber für Programmtage von Leadership Berlin war und an Friederike Temme, die selbst an unserem Collaborative Leadership Jahresprogramm 2018 teilgenommen hat.

Leadership Senior Circle – neues Gremium bringt neue Ideen auf den Weg

Eingetragen am 30.01.2019

30. Januar 2019 | By |

Der erste Termin des Jahres unserer First Monday Reihe, bei der sich Führungskräfte am ersten Montag im Monat zu je einem Thema oder eine Fragestellung treffen, ergab die Gründung eines „Leadership Senior Circle“ (LSC). Der 2011 gegründete Verein Leadership Berlin verfügt inzwischen über ein breites Netzwerk hochqualifizierter Führungskräfte, von denen sich einige bereits in der letzten Phase ihrer Karriere befinden bzw. diese erfolgreich beendet haben. Die Erfahrungen jahr(zehnt)elanger Führungskompetenz für Nachwuchsführungskräfte nutzbar zu machen war Ausgangspunkt der Entwicklung einer LSC Agenda.

In den Räumlichkeiten der Berliner Bäderbetriebe kamen Führungskräfte verschiedener Altersgruppen zusammen, um aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren, für welche Formate es Interesse von Nachwuchsführungskräften und Führungskräften in der mittleren Lebensphase gibt, auf Expertise und Erfahrungen von Älteren zurück zu greifen. Gleichzeitig gaben ehemalige Führungskräfte ihre Einschätzung zu für sie denkbaren Rahmenbedingungen und strukturellem Bedarf für ihr ehrenamtliches Engagement.

In drei Gruppen wurden zunächst unabhängige Konzepte entwickelt, die der Leadership Senior Circle anbieten könnte: kollegiale Beratung, Mentoring/ Sparring und schließlich ein Programmformat in Anlehnung an das jährliche Collaborative Leadership Programm von Leadership Berlin. Schließlich ließen sich aber einige Anknüpfungspunkte ausmachen bzw. Parallelen erkennen:

  1. Seniors4Juniors (Arbeitstitel)
    Die Idee umfasst die Entwicklung eines Programms, welches sich an angehende bzw. junge Führungskräfte im Anfangsstadium ihrer Karriere richtet und somit ein Pendant zu dem jährlichen Collaborative Leadership Programms für etablierte Führungskräfte wird. Im Gegensatz zum Collaborative Jahresprogramm mit seinen 8 über das Jahr verteilten Programmtagen soll sich Seniors4Juniors lediglich über eine gemeinsame Intensivwoche erstrecken, die gemeinsam in einem in schöner Landschaft gelegenen Tagungshotel verbracht wird. Die Teilnehmergruppe soll aus 18 Nachwuchs-Führungskräften und 18 erfahrenen oder ehemaligen Führungskräften bestehen. Über den Austausch über aktuelle und ehemalige Führungsherausforderungen hinaus ist angedacht, dass sich Mentorenschaften zwischen den erfahrenen und den Nachtwuchs-Führungskräften ergeben..
  2. Mentoring/ Sparring
    Unabhängig von der Umsetzung des Programms Seniors4Juniors haben sich zwei Teilnehmende des Leadership Senior Circles dazu bereit erklärt, ein Mentorenpool innerhalb von Leadership Berlin aufzubauen. Alumni unserer Jahresprogramme wie auch Mitglieder sind eingeladen sich als Mentor*in mit einer Art „Steckbrief“ hinsichtlich ihrer Schwerpunktthemen und Kompetenzen in einem Katalog eintragen zu lassen. Teilnehmenden von neuen Programmformaten, aber auch sonstige Mitgliedern soll darüber die Möglichkeit erschlossen werden, sich auch über Jahrgangsgrenze unserer Programme hinweg ein über mehrere Treffen reichendes Mentoring-Verhältnis zu begeben.
  3. Kollegiale Beratung
    Ein weiteres Konzept für ein Angebot eines Leadership Senior Circles richtet sich an das Netzwerk des Vereins Leadership Berlin. In regelmäßigen Abständen können Führungskräfte um kollegiale Beratungen im Kreise erfahrenerer Personen bitten. Unter Umständen könnte das Format auch etwas geöffnet werden und nach dem Fishbowl Prinzip für größere Gruppen zugänglich gemacht werden. Zur Bestimmung der Themen sollte eine Abfrage der Interessen/ Bedarfe durchgeführt werden. Potenzielle Themen wären Agile Organisation, Bewerber*innenmarkt, Digitalisierung, etc.

Aus dem Kreis der Anwesenden meldeten sich bereits einige, die gerne an den Konzepten weiterarbeiten und diese ersten Überlegungen in konkrete Schritte umwandeln möchten. Wir freuen uns auf ein baldiges Folgetreffen und danken allen Teilnehmenden für den kreativen Austausch. Besonderer Dank gilt Andreas Scholz-Fleischmann, der nicht nur Vorstandsvorsitzender von Leadership Berlin, sondern auch der Berliner Bäderbetriebe ist und somit Gastgeber des Abends war.

First Monday bei der Oberstaatsanwältin für Sexualdelikte

Eingetragen am 16.11.2018

16. November 2018 | By |

Wie kann das Engagement und die Vernetzung von Akteur*innen im öffentlichen Bereich, Non-Profit-Bereich und privatwirtschaftlichen Bereich gegen Kindesmissbrauch gestärkt werden?

Zeit:                                     Montag, der 3. Dezember, 18.30 – 21.00 Uhr
Ort:                                      Staatsanwaltschaft Berlin, Kirchstr. 7, 10557 Berlin

Fallgeberinnen:
– Ines Karl, Oberstaatsanwältin für Sexualdelikte (Vergewaltigung/sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch von Kindern, Kinderpornografie, sexuelle Belästigung) und Teilnehmerin unseres Leadership-Jahresprogramms 2017

– Sabine Misch, Erste Kriminalhauptkommissarin und Leiterin der Zentralstelle „Spree“ (Täterorientierte Prävention bei rückfallgefährdeten Sexualstraftätern) des Landeskriminalamtes (LKA 13)

– Viola Würffel, Gerichts- und Bewährungshelferin bei den Sozialen Dienste der Justiz Berlin, ebenfalls spezialisiert auf Sexualstraftäter

Fragestellung/Ablauf:
In der ersten Hälfte wollen wir uns gemeinsam über die Arbeitsweisen, Möglichkeiten und (auch rechtliche) Grenzen  dieser drei spezialisierten Behörden unterhalten, Opferschutz und Rückfallprophylaxe trotz knapper Ressourcen möglichst wirkungsvoll zu verbinden. Wie kann durch ein ausgewogenes Verhältnis von Repression, Kontrolle und Unterstützung dazu beigetragen werden, dass vorbestrafte Täter nicht rückfällig werden. Wie können potentielle Täter frühzeitiger erkannt und gestoppt  werden? Inwiefern würden sich die Fallgeberinnen eine stärkere Sensibilität und mehr Engagement zur Vermeidung von Straftaten von öffentlichen Institutionen (wie z.B. Jugendämtern, Schulen, Kitas), zivilgesellschaftlichen Organisationen (wie z.B. Sportvereine, freiwillige Feuerwehr, kirchliche Einrichtungen, Kinder –und Jugendeinrichtungen) oder auch von privatwirtschaftlichen Unternehmen und Eltern wünschen?

In der zweiten Hälfte wollen wir uns gemeinsam darüber unterhalten, wie ein stärkeres Engagement und eine bessere Vernetzung von den unterschiedlichen Akteur*innen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, zum Schutz gegen Missbrauch von Kindern erreicht werden kann.

 

Hintergrundinfos:
Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist ein ernst zu nehmende gesellschaftliche Problemstellung mit hohen Fallzahlen und enormer, in der Regel lebenslanger Belastung für die Opfer.  Im Jahr 2016 wurden 12.019 Fälle sexuellen Missbrauchs erfasst. Die Aufklärungsquote lag bei 86,2%. Im Jahr 2017 lag die Zahl bei 11.547 Fällen und die Aufklärungsquote lag bei 84,8 %.

Um die Zahlen ins Verhältnis zu setzen:
a) Im Jahr 1973 lag die Zahl noch deutlich höher mit 15.563 erfassten Straftaten (Unzucht mit Kindern) alleine in Westdeutschland. Im Jahr 1995 (Gesamtdeutschland) lag die Zahl noch bei 16.013 erfassten Straftaten.

  1. b) die Zahl der Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe lag 2016 bei 7.919 und 2017 bei 11.282 Fällen.
  2. c) Die Fallzahlen der Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften lag 2016 bei 5.687 und 2017 bei 6.512 Fällen.

Fazit: die Zahl der Fälle des sexuellen Missbrauchs sind erschreckend hoch und weniger volatil als bei Mord. Immerhin ist die Zahl der Straftaten des Kindesmissbrauchs deutlich niedriger als in früheren Jahren wie dies übrigens auch z.B. bei Mord (die Zahl lag 1993 mit 1468 registrierten Straftaten noch doppelt so hoch wie 2017 mit 731 Fällen) oder antisemitischen Straftaten (die Zahl lag 2006 mit 1809 registrierten Straftaten noch 20% höher als 2017 mit 1504 registrierten Straftaten) der Fall ist– auch wenn bei diesen drei Deliktformen medial ein anderes Bild erzeugt wird und in der Bevölkerung „gefühlt“ alles schlimmer wird, bzw. „früher besser war“, was definitiv nicht der Fall ist.

Täter*innen und Opfer
Nicht jede/r Täter*in ist pädophil (geeigneterer Begriff: pädosexuell) und nur ein gewisser Teil der pädosexuell ausgerichteten Erwachsenen wird zum/zur Täter*in.

Sexuelle Gewalt findet am häufigsten innerhalb der engsten Familie statt (ca. 25 %) sowie im sozialen Nahraum beziehungsweise im weiteren Familien- und Bekanntenkreis, zum Beispiel durch Nachbarn oder Personen aus Einrichtungen oder Vereinen, die die Kinder und Jugendlichen gut kennen (ca. 50 %). Sexuelle Gewalt durch Fremdtäter oder -täterinnen ist eher die Ausnahme.

Obwohl nur ein gewisser Teil der pädosexuell ausgerichteten Erwachsenen zu Täter*innen werden, ist das Urteil der Öffentlichkeit gnadenlos: bis zu 49% der Bevölkerung befürworten Präventivhaft für Menschen mit pädosexueller Ausrichtung (auch, wenn sie nie Täter wurden) und bis zu 27% wünschen auch Nicht-Täter*innen mit sexuellem Interesse an Kindern den Tod. Diese gesellschaftliche Stimmungslage erschwert enorm den Zugang zu Menschen mit pädosexueller Ausrichtung, die nicht zu Tätern wurden, für präventive Maßnahmen bzw. Therapieangebote.

Opfer der Straftaten sind zu ca. 75% Mädchen und zu ca. 25% Jungen.

Bei 95,7% der Tatverdächtigen im Jahr 2017 handelte es sich um Männer, in 4,3% um Frauen. Missbrauchende Männer stammen aus allen sozialen Schichten, leben hetero- oder homosexuell und unterscheiden sich durch kein äußeres Merkmal von nicht missbrauchenden Männern. Über missbrauchende Frauen wurde in Deutschland bislang wenig geforscht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sexueller Missbrauch durch Frauen seltener entdeckt wird, weil solche Taten Frauen kaum zugetraut werden. Der Beauftragte der Bundesregierung geht davon aus, dass 10% bis 20% der Straftaten des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen durch Mädchen und Frauen begangen wird.

Sicher bleibt allerdings, dass Männer bei Straftaten des Kindesmissbrauchs sehr stark überrepräsentiert sind wie auch bei anderen harten Straftaten. Der Anteil der Männer an allen Inhaftierten (unabhängig von der Deliktsform)  in deutschen Justizvollzugsanstalten betrug zum 31.3.2018 übrigens 94,1%. Das Geschlecht ist damit das soziodemografische Merkmal mit dem größten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, kriminell zu werden, gefolgt von Alter und Bildung. Religion und Migrationshintergrund spielen im Vergleich zu diesen drei Kategorien nur eine nachgeordnete Einflussgröße.

Teilnahmebedingungen und Anmeldung:
Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen, nur eine komplette Teilnahme möglich ist und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen eines Mitgliedsantrags tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei, eine Anmeldung ist bis zum 27. November 2018 hier möglich.
Sie erhalten spätestens am 28. November eine Rückmeldung, ob wir Ihre Anmeldung berücksichtigen konnten.

Anmeldelink:  https://goo.gl/forms/6nldNvbK93fqGcPA2

 

First Monday bei der KPMG: Workspace 2025 – Mode oder Muss?

Eingetragen am 16.11.2018

16. November 2018 | By |

Am jeweils ersten Montag im Monat begibt sich eine bis zu 20-köpfige Gruppe aus unserem Netzwerk zu einem/ einer Gastgeber*in, um sich dort mit einer Leadership Herausforderung zu befassen und so den eigenen Blick zu weiten. Im November besuchten wir die neue Arbeitswelt der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im neu entstehenden Europaquartier am Hauptbahnhof, um in diesem Rahmen Fragen nach den Gestaltungsmöglichkeiten und –pflichten moderner Bürowelten in Zeiten zunehmender Digitalisierung und Fachkräftemangel nachzugehen.

Unter der Fragestellung „Workspace 2025 – Mode oder Muss?“ erläuterten Jeanette Reilly,Head of Marketing and Communications und Catrin Krayer aus dem Change Management das Konzept im Kontext der äußeren Treiber, die auf die Unternehmenswelt einwirken und die Auseinandersetzung mit neuen Arbeits- und damit Büroformen auch in eher tradierten Branchen immer stärker in den Fokus rücken. Im Anschluss wurde über den Umgang mit Widerständen in einem solchen Transformationsprozess und der Übertragbarkeit solcher Konzepte beispielsweise für die öffentliche Verwaltung oder Non-Profit-Organisationen gesprochen.

Dazu KPMG: „Die Arbeitswelt ist digitaler geworden. Dies betrifft sowohl Arbeitsprozesse als auch Arbeitsstrukturen, die ein völlig neues „räumliches“ Denken erfordern. Hier geht es vor allem um Themen wie Kollaboration, Kommunikation und Vernetzung  – und dies in einer wesentlich höheren Geschwindigkeit als bisher.  Mit unserem flexiblen Bürokonzept reagieren wir auf genau diese Entwicklungen. Dabei verbindet die Nutzungsvielfalt und Flexibilität des Konzepts innerhalb hochmoderner Gebäude in attraktiven Innenstadtlagen für uns die Anforderungen des Marktes mit den Erwartungen künftiger Arbeitnehmergenerationen.“

Im Anschluss bestand für die Teilnehmer die Möglichkeit, die neuen Flächen zu besichtigen und die Arbeitsplatzvielfalt mit intensiv begrünten Zonen, Begegnungsflächen mit hohem Wohlfühlcharakter, Rückzugsangeboten als auch kollaborativen Arbeitsumgebungen mit hochmoderner Technik zu besichtigen und zu erkunden. Im Anschluss wurden Fragen wie „Was würde diese Arbeitsumgebung mit meiner Arbeitsweise machen?“ oder eine Einschätzung, bis wann ggf. das eigene Unternehmen in solchen Konzepten arbeitet, unter den Teilnehmern diskutiert und eine Einschätzung dazu abgefragt. In der Zusammenfassung wünschten sich über ¾ aller Teilnehmer, in einem Arbeitsumfeld tätig zu sein, das Themen wie Kollaboration, Kommunikation und Vernetzung materialisiert und entsprechend angepasste Angebote offeriert. Trotz mehrheitlich noch existierender territorialer Strukturen in den Unternehmen, Institutionen und Organisationen zeigten einige der Teilnehmer sich optimistisch, was die Entwicklungschancen bis 2025 (+X) angeht.

„Workspace 2015- Mode oder Muss?“ – die lebhaften Diskussionen, vielfältigen Einblicke und Ansatzpunkte ließen die Teilnehmendengruppe im Gesamten ein Stück weiter in Richtung eines „Muss“ tendieren- auch, wenn die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung für viele in ihren eigenen Strukturen noch offen blieb.

Wir danken der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für die Gastfreundschaft und vielfältigen Einblicke, Catrin Krayer für ihre enthusiastischen und mitreißenden inhaltlichen Ausführungen und Ursula Salcher für die tolle Organisation. Ein besonders herzlicher Dank geht an Jeanette Reilly, Head of Marketing bei KPMG und Teilnehmerin unseres Leadership Jahresprogramms 2018, die diesen Termin ermöglicht hat sowie alle Teilnehmenden für das große Interesse.

Abschluss des Collaborative Leadership Programms 2018

Eingetragen am 23.10.2018

23. Oktober 2018 | By |

Der achte und somit letzte Programmtag des Collaborative Leadership Programms 2018 mit je 12 Teilnehmenden aus der Privatwirtschaft, dem öffentlichen und dem Non-Profit Bereich fand am Mittwoch im Sharehouse Refugio unter dem Titel „Der Blick nach vorne – das Netzwerk entwickeln“ statt. Am Vormittag hatten vier der Teilnehmden bis zu 9 Personen an ihren Arbeitsplatz eingeladen, um einen Einblick in ihr Tätigkeitsfeld zu bieten und selbstgewählte Fragestellungen zu behandeln. Am Nachmittag reflektierte der Jahrgang gemeinsam das Programm und tauschte sich zu weiteren Engagement und Vernetzungsmöglichkeiten aus. Da die Auftaktveranstaltung um März von einem selbstgeschriebenen Leadership-Song geprägt war, probte die Gruppe unter Leitung von Michael Betzner-Brandt weitere Varianten ein und gab sie vor der offziellen Zertifikatsvergabe am Abend unter Anwesenheit und tosendem Applaus von Alumni der letzten Jahre zum Besten.

Der 2018er Jahrgang war wieder einmal hochkarätig besetzt, besonderes Engagement ist am Abschlusstag dem öffentlichen Sektor anzuerkennen, aus dem alle Fallgeber*innen der Vor-Ort-Besuche kommen. Von der Arbeitsagentur für Arbeit über das Amtsgericht Schöneberg über die Investitionsbank Berlin hin zur Justizvollzugsanstalt Moabit, hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, nicht nur die imposanten Gebäude zu besuchen, sondern Arbeitsabläufe und Insiderperspektiven kennen zu lernen. Sowohl die Besucher*innen, als auch die Fallgeber*innen selbst kamen begeistert zurück und staunten auch am letzten Tag nochmal darüber, wieviel Potenzial in der Perspektivenvielfalt der Gruppe liegt.

Zum gemeinsame Mittagessen trafen wir uns in der Gesamtgruppe dann im Sharehouse refugio, einem Begegnungsraum der Stadtmission mit Wohneinheiten von Geflüchteten. Einen kulinarischen Einstieg in das Thema bot das von Malakeh Jazmati zubereitete Mittagessen. Jazmati folgte im Herbst 2015 ihrem Mann nach Deutschland und war vor ihrer Flucht im arabischen Raum als Fernsehköchin bei einem oppositionellen Fernsehsender in Syrien bekannt. Die junge Frau kann sich mit dem Kochen mittlerweile ihren Lebensunterhalt in Deutschland finanzieren. Gemeinsam mit ihrem Ehemann hat sie das Catering-Unternehmen „Levante Gourmet“ aufgebaut und eröffnet noch diesen Monat ein eigenes Restaurant. Für Jazmati bedeutet Kulinarik vor allem Kultur und Heimat und sie nutzt das Kochen als Sprache, die ein anderes Bild von Syrien vermitteln soll, als das eines zertrümmerten Kriegsschauplatzes.

Der Nachmittag drehte sich zunächst um die Fragen „Was hat mir das Programm gebracht und was nehme ich mit?“ Und „was hat mir gefehlt bzw. kam zu kurz?“ Dazu hatten die Teilnehmenden zunächst die Gelegenheit, sich im Stillen zu diversen Punkten Gedanken zu machen. Schließlich gab es nochmal eine gemeinsame Reflexion in der Gesamtgruppe, um schließlich die Frage zu stellen, wie es weiter gehen soll. Ein wichtiger Faktor sei das Fortbestehen des Austauschs innerhalb der Gruppe. So sollen nun mind. vierteljährig Besuche im Stil der Vor-Ort-Besuche im Teilenehmendenkreis stattfinden. Auch die Kraft der interdisziplinären Kollegialen Beratungsgruppen soll weiter genutzt werden. Zudem wird an einem Mentoring- bzw. Patenprogramm gearbeitet, das aus der Erfahrung einer eigenen Unterrichtseinheit der Führungskräfte an der Neuköllner Zuckmeyer entstand. Die Mehrheit der 36 Führungskräfte äußerte Interesse, an weiteren Leadership Angeboten teilzunehmen und diese aktiv mitzugestalten. Konkret wurde es dabei sogar auch: Das Thema „mit Rechten reden“, das an dem Programmtag Vielfalt bereits zu emotionalen Debatten führte, will von einigen in ein konkretes Konzept gebracht werden. Ein ganz kurzfristiger Einsatz wurde auch gleich fest gemacht: der nächste First Monday am 05.11.2018 findet bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft statt, wo unsere Teilnehmerin Jeanette Reilly als Head of Marketing tätig ist.

Schließlich leitete Petra Göbel, Mitglied des Vorstands von Leadership Berlin und Personalleiterin der Messe Berlin, durch den Abend, zu dem auch Alumni der letzten Jahre und Mitglieder des Vereins, sowie Interessierte am Jahresprogramm 2019 eingeladen waren. Für gute Stimmung sorgte der „Leadership Chor“, der alle zum Mitsingen animierte und nochmal die Erinnerungen an den phänomenalen Auftakt vor einem Dreivierteljahr in der Schorfheide erwachen ließ. Die feierliche Übergabe der Zertifikate durch jeweils zwei Vorstände aus den drei Sektoren wurde aufgelockert durch „Speed-Dating“ Einheiten, bei welchen Jahrgangsteilnehmende und Gäste in kurzer Zeit in den Austausch gingen. Zu guter Letzt trugen Clemes Bethge und Cornelia Schwarz, stellvertretend für den Jahrgang, ein „Leadership-Liebesgedicht“ vor, bei welchem sich Führungskräfte in den Verein verlieben.

Der gemütliche Ausklang bei Fingerfood und Getränken wurde nochmal aufgeheitert durch einen Auftritt des Begegnungschors, der sich aus dem Jahresprogramm 2015 entwickelt hatte und seitdem Geflüchtete und Alt-Berliner*innen zusammenbringt.

Wir danken dem Sharehouse Refugio, besonders Julia und Tabea, für die Räumlichkeiten und die Führung, unserem Vorstand für die Unterstützung, allen Alumni und Gästen für die Teilnahme, dem Chor und insbesondere MIchael Betzner-Brandt für die gute Stimmung. Natürlich danken wir vor allem allen 36 Teilnehmenden des Jahrgangs 2018 für das unvergessliche Programm. Wir freuen uns, auch in Zukunft mit Euch in Kontakt zu bleiben und in Berlin an einer Kultur der Verantwortung zu arbeiten! Zu guter Letzt danken wir Peer Fechner, der uns auf der zweiten Hälfte unserer Learning Experience gefehlt hat.

First Monday: Botschaft für Kinder

Eingetragen am 09.10.2018

9. Oktober 2018 | By |

Beim vergangenen First Monday waren wir zu Gast in der „Botschaft für Kinder“, Ort der Genese vielfältiger Projekte des Vereins SOS-Kinderdorf. Kirsten Spiewack, Geschäftsführerin des SOS-Kinderdorfs Berlin-Moabit und der „Botschaft für Kinder“ gab zunächst einen Einblick in die „Botschaft“ und den in ihr ansässigen Hotel- und Gastronomiebetrieb, um dann anschließend mit unseren Mitgliedern über Ideen, Anregungen, Hindernisse und Möglichkeiten rund um die Fragestellung „wie kann – auch im Interesse der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft – Lobbyarbeit für benachteiligte Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft noch besser gelingen?“ zu diskutieren.

SOS-Kinderdorf betreibt neben Kinderdörfern, Jugendeinrichtungen und vielen weiteren Projekten für Kinder, Jugendliche und Familien in erschwerten Lebenslagen auch drei SOS-Dorfgemeinschaften, in denen Menschen mit Behinderung leben und arbeiten. Das Hotel Rossi bezieht verschiedene Produkte aus diesen Einrichtungen. So sind die Möbel der Hotelzimmer in der Schreinerei von Hof Bockum gefertigt und für die Speisen im Restaurant werden u.a. Lebensmittel der Dorfgemeinschaft Grimmen-Hohenwieden verarbeitet. Neben den klassischen Hotelzimmern finden sich in dem Gebäude moderne Tagungsräume und ein Informationszentrum über die Arbeit von SOS-Kinder. Außerdem gibt es in der „Botschaft für Kinder“ Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Ausbildungsangebote für junge Menschen, die bei ihrem Start ins Berufsleben besondere Unterstützung benötigen. Für ganz junge Eltern unter den Auszubildenden ist es möglich, ihre Kinder betreuen zu lassen, wenn z.B. noch kein regulärer Kitaplatz zur Verfügung steht. Als Inklusionsbetrieb sind bis zu 50% der Mitarbeiterschaft Menschen mit Behinderung, die im Hotel Rossi Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt innehaben. Um das Hotel Rossi zu betreiben, wurde 2015 die Botschaft für Kinder gGmbH gegründet, die eine 100%ige Tochter von SOS-Kinderdorf ist.

Durch die herausragende Vielfalt an Tätigkeiten unter dem Dach der „Botschaft für Kinder“ ergab sich eine lebende Diskussion, die die unterschiedlichsten Tätigkeitsfelder der SOS-Kinderdörfer berührte und Ideen für mögliche Betätigungsmöglichkeiten des Hauses beinhaltete. Wir danken Kirsten Spiewack für den spannenden Einblick und der „Botschaft für Kinder“ für die Gastfreundschaft. Unser Dank gilt auch allen Teilnehmenden für den regen Austausch – der hoffentlich an einigen Stellen noch fortgeführt wird.

Programmtag Verantwortung

Eingetragen am 09.10.2018

9. Oktober 2018 | By |

Der bereits vorletzte Tag des diesjährigen Collaborative Leadership Programms drehte sich rund um das Thema „Verantwortung annehmen und abgeben können“. Wie immer lag dabei der Fokus dabei nicht auf Einezelcoaching, sondern auf der gesellschaftlichen Dimension von Verantwortung und der Rolle jeder und jedes Einzelnen darin. Im Sinne des Experiential Learnings waren die Teilnehmenden nicht nur zu Gast in der Neuköllner Zuckmayerschule, deren Schüler*innenschaft zu 92% aus Familien mit Hartz IV  kommen und von denen 94,4% nichtdeutscher Herkunftssprache sind, sondern hielten in Teams „Vertretungsstunden“ bei 8. und 9. Klassen mit dem Schwerpunkt berufsqualifizierende Maßnahmen. Am Nachmittag hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, mit Akteur*innen der Stadtgesellschaft ins Gespräch zu gehen und so verschiedene Ebenen der gesellschaftlichen Verantwortung aufzuspüren und unterschiedliche Umgangs- wie Umsetzungsformen kennenzulernen.

Raus aus der Komfortzone: vor einer Gruppe Jugendlicher vom eigenen Beruf zu erzählen und dabei bestenfalls motivierend zu wirken – das löste bei einigen unserer Führungskräfte ein mulmiges Gefühl aus. Denn was ist eigentlich ein Bezirksamt und wo liegt der Unterschied zwischen der Investions- und der Deutschen Bank? Wann muss man da immer aufstehen und wieviel verdient man jeden Monat? Da waren unsere Teilnehmenden doch froh über die Tipps der erfahrenen Pädagog*innen im Vorabgespräch: Der Schulleiter, die Konrektorin, sowie zwei pädagogische Fachkräfte machten ihnen Mut, authentisch aufzutreten und den Schüler*innen auf Augenhöhe zu begegnen. Mit gemischten Gefühlen und sehr unterschiedlichen Erfahrungen kamen die „Leadership-Vertretungslehrer*innen“ aus ihren Stunden zurück. Eines war jedoch durch die Bank weg erkennbar: exponenziell gestiegener Respekt vor dem Lehrberuf und die Erkenntnis, dass zu viel Verantwortung auf den Schulen laste. Mit dieser Einsicht erklärte sich knapp die Hälfte der Gruppe bereit, in Zukunft nochmal zu einer solchen Vertretungsstunde zur Verfügung zu stehen. Einige aus dem Teilnehmendenkreis wollen sogar längerfristig Verantwortung übernehmen und  ein Schülerpatenprogramm entwickeln.

Am Nachmittag begaben sich die Teilnehmenden in Kleingruppen in unterschiedliche (Arbeits-) Zusammenhänge, immer mit der Frage, wie dort mit Verantwortung umgegangen wird. Im Gespräch mit Alexandra Knauer, Geschäftsführerin von KNAUER Wissenschaftliche Geräte GmbH lag der Schwerpunkt besonders auf Corporate Social Responsibility und gutem Betriebsklima. Im Gespräch mit Winfriede Schreiber, ehemalige Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes, stand – unter Bezugnahme aktueller Diskussionen um Maaßen und Seehofer, vorallem behördliche bzw. politische Verantwortung im Fokus. Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, sprach mit den Teilnehmenden vornehmlich über Verantwortung für das Gemeinwohl und wie sich die Problemfelder in den letzten Jahrzehnten verändert haben. „Bürgerverantwortung“ war das Stichwort von Volker Hassemer, der nach seiner 15jährigen Erfahrung als Senator für Stadtentwicklung bzw. Kultur, Vorsitzender der Stiftung Zukunft Berlin wurde und der sich für eine bessere Vernetzung von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft einsetzt.

Wir danken der Zuckmayerschule für die Gastfreundschaft, unseren Gesprächspartner*innen für ihre Offenheit und allen Teilnehmenden für ihre Fragen und Ideen. Es war ein erfahrungsreicher und intensiver Tag dank aller Beteiligten.

First Monday zur Verkehrspolitik

Eingetragen am 20.09.2018

20. September 2018 | By |

„Berlin wird auf Sicht gefahren“, so mitunter ein gern geäußerter Vorwurf an die Berliner Politik und Verwaltung angesichts der personellen und finanziellen Ressourcen und dem mitunter nicht ganz so ausgeprägten Mut, gegen alle Widerstände Veränderungen zu gestalten.

 

Zumindest letzteres kann man Jens-Holger Kirchner, seit 2016 Staatssekretär für Verkehr nicht nachsagen. In seinem Amt als Baustadtrat in Pankow erwarb er sich den Ruf, hemdärmelig und unkonventionell Dinge anzupacken: sei es in Form einer öffentlichen Ekelrestaurant-Liste, dem Ferienwohnungsverbot für Prenzlauer Berg oder, indem er z.B. auch einmal medienwirksam einen maroden Bürgersteig absperrte, um die zuständige Senatsverwaltung zum Handeln zu bewegen. Nun bekleidet er selbst in der für Verkehr zuständigen Senatsverwaltung eine führende Position.

 

Wie hat sich seine Sicht auf die Arbeit einer Senatsverwaltung verändert? Wie stellen sich aus seiner Sicht die Gestaltungsmöglichkeiten und die Verantwortung zur Gestaltung der Verkehrsnetze der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz dar? Welche Einflussfaktoren fließen im Hinblick auf die Gestaltung der Infrastruktur für Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV, Auto, Lieferverkehr und Flugverkehr mit ein? An welchen Stellen müssen Politik und Verwaltung auf bereits stattgefundene Entwicklungen „reagieren“ und „reparieren“ und in wieweit gelingt es, auch zu „agieren“ und tragfähige Entscheidungen mit Langfrist-Perspektive voranzubringen? Und welche sind das und wie laufen diesbezügliche Entscheidungsprozesse?

 

Diesen Fragen widmete sich der First Monday, mit dem wir bei Staatssekretär Jens-Holger Kirchner, der übrigens vor einigen Jahren selbst an unserem Leadership-Jahresprogramm teilgenommen hatte, zu Gast waren. Wie schwierig das Terrain ist, auf dem er sich bewegt, zeigte sich schon an den unterschiedlichen Einschätzungen aus dem Teilnehmerkreis: während die einen fanden, dass die Stadt den Ausbau von Fahrradwegen zu langsam vorantreibe, beklagten andere gerade umgekehrt, dass aus ihrer Sicht der Autoverkehr zu Unrecht Flächen für den Radverkehr abgibt.

Jens-Holger Kirchner legte dar, wie sich die unterschiedlichen Interessenslagen im täglichen Verwaltungsalltag widerspiegeln und in welcher Form Interessen für Fahrrad, Auto, Fußgänger und ÖPNV artikuliert werden. In der Diskussion zeigten sich einerseits positive Aspekte der Mitbestimmung; politische und Verwaltungsentscheidungen werden durch die Teilhabe von Bürger*innen auf demokratischere Füße gestellt. Andererseits zeigten sich allerdings auch die negativen Aspekte, die sich in häufiger Verweigerungshaltung (not in my backyard), langjährigen Verzögerungen und einer außerordentlichen Inanspruchnahme der Verwaltung niederschlagen. So berichtete Jens-Holger Kirchner, dass mittlerweile bis zu 70% der Arbeitszeit von Verwaltungsmitarbeiter*innen auf die Korrespondenz und das Eingehen auf die Sorgen und Fragen von Bürger*innen verwendet werden.

Eine andere bisherige Herausforderung stellte sich anders da, als die meisten vermutet hätten. Waren die vergangenen Jahre und Jahrzehnte geprägt von Geldmangel und Personaleinsparungen, so hat sich die Sachlage diesbezüglich in eine ganz andere Richtung geändert. Nachdem man bis vor zwei Jahren noch Personal abgebaut hatte und über viele Jahre keine oder kaum Einstellungen vorgenommen hatte, ist mittlerweile das Geld für Personalaufstockungen da – allerdings findet sich auf dem Arbeitsmarkt nicht genügend entsprechend qualifiziertes Personal. Auch bei den Auftragsnehmern sieht es ähnlich aus. Durfte man vor einigen Jahren noch bei Baufirmen mit zahlreichen günstigen Angeboten rechnen, hat sich die Lage mittlerweile so verändert, dass es mitunter an Angeboten von Unternehmen mangelt, die noch Aufträge annehmen können und wollen. Auch Lieferzeiten von S- und U-Bahnzügen von 8 Jahren stellen den ÖPNV in den nächsten Jahren noch vor große Herausforderungen.

Jens-Holger Kirchner legte detailreich dar, wie die Verwaltung versucht, einerseits den großen Investitionsstau aus der Vergangenheit abzuarbeiten und andererseits trotzdem auch Weichenstellungen für die Zukunft vorzunehmen und dafür Sorge zu tragen, dass langen Vorlauf benötigende Entscheidungen wie die rechtzeitige Bestellung von neuen S- und U-Bahnzügen zukünftig rechtzeitig stattfinden.

Dass sein Job – gerade aufgrund der umfangreichen Planungs- und Beteiligungsvorgaben, den juristischen wie auch partizipativen Widerspruchsverfahren,  des über den Arbeitsmarkt kaum zu behebenden Personalmangel, den langen Liefer- und Ausführungszeiten von Unternehmen – kein leichter ist, ist wohl allen Teilnehmenden des First Monday klar geworden. Wir danken Jens-Holger Kirchner für den spannenden Einblick, der manche aus der Außenperspektive nicht so leicht nachvollziehbare Missstände deutlich nachvollziehbarer gemacht hat.

Mensa meets Leadership – Einführung in die Kunst des Debattierens

Eingetragen am 19.09.2018

19. September 2018 | By |

Seit vergangenem Jahr veranstalten wir regelmäßig Angebote für Mitglieder des Vereins Mensa e.V., einer Vereinigung von Menschen mit kognitiver Hochbegabung (IQ>130). Am vergangenen Montag traf sich eine Gruppe Mensaner*innen mit Pegah Maham, die als Vize-Meisterin des deutschsprachigen Debattierens nicht nur eine Einführung in die Kunst des Debattierens gab, sondern es mit ihrer Leidenschaft auch schaffte, einige zu motivieren, sich selbst im Debattieren zu probieren.

In Sichtweite unseres Treffpunktes, der beredsam GmbH, ging Pegah Maham zur Schule und kam so zum Debattieren. Nachdem sie 2016 den Titel der Vize-Meisterin holte, erhielt sie mehrfache Auszeichnung für die beste Finalrede und Gesamtsiege bei ZEIT-Debatten, war Mitglied des erfolgreichsten deutschsprachigen Teams auf den Debattier-Weltmeisterschaften 2015, wurde Präsidentin der Hanse Debating Union und Chefjurorin der deutschsprachigen Debattiermeisterschaft 2017. Pegah ist zertifizierte Debattiertrainerin, Beirat für Gleichstellung und Fairness des VDCH (Verband der Debattierclubs an Hochschulen e.V.) und Referentin bei diversen Veranstaltungen.

Das nach strengen Regeln gegliederte Debattieren ziehe besonders neugiere Menschen an, die sich für breite Themen der Gesellschaft interessieren, ehrgeizige Sportler*innen, sowie Personen, die an ihrem Auftreten arbeiten wollen. In der 15-minütigen Vorbereitungszeit auf die zugeloste Position bzgl. einer Streitfrage gehe es vor allem darum, den „Scheidepunkt“ der Positionen analytisch aufzuspüren. Debattieren sei weniger für policy-Entwicklungen, als für Problemanalysen geeignet, da der Fokus eher auf mechanistischem Argumentieren liege und so häufig ausschlaggebender als die Bezugnahme auf Statistiken sei.

Schließlich waren die Mensaner*innen selbst gefragt: Sollte es einen freien Markt für Organe geben? Alle Teilnehmenden waren eingeladen, sich mit einer anderen Person in die Debatte zu begeben und dabei die Position zu vertreten, die nicht ihre persönliche Haltung repräsentiert. Nach einem kurzen Austausch wurde nochmals eine „öffentliche Debatte“ vor der Gruppe geführt, die den Ablauf mit wechselseitigem Pro- und Contra Argumentieren simulierte.

Wer selbst Lust hat, sich mal im Debattieren zu probieren: Der Debattierclub der Berliner Hochschulen Berlin Debating Union und der gemeinnützige Verein Streitkultur Berlin e.V. bieten die Möglichkeit.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei unserem Gast Pegah Maham, bei den Mensanern Matthias Kribben und Robert Erler, sowie unserem Schwesterverein Leadership Brandenburg mit Susan Kirch für den gelungenen Abend.

 

Programmtag „Mut zum Handeln“

Eingetragen am 30.08.2018

30. August 2018 | By |

Wie können Führungskräfte denjenigen gesellschaftlichen Gruppen zu mehr Anerkennung verhelfen, die über keine starke Lobby verfügen?

Mit dieser Fragestellung starteten wir nach der Sommerpause mit den Teilnehmenden unseres Collaborative Leadership Programms in den Programmtag „Mut zum Handeln“.

Zu Gast waren wir bei den Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung (BWB). Das Unternehmen bietet Arbeitsplätze und ermöglicht somit auch gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderungen, für die der erste Arbeitsmarkt keine Perspektive darstellt.

Gemäß unseres Mottos „begegne dem anderen“ ermöglichten wir vor Ort einen Einblick in die Werkstätten und ein Gespräch mit den dortigen Beschäftigten, die für eine Vielzahl von Auftraggebern aus der Industrie und Wirtschaft praktische Arbeiten ausführen.

In einem Perspektivwechsel sprachen wir im Anschluss mit leitenden Angestellten der BWB, darunter Ulrich Hasenauer, Betriebsleiter, und Berni Jansen, Leiterin des Begleitenden Dienstes. Hierbei wurde unter anderem darüber diskutiert, wie für Beschäftigte der Werkstätten ein Wechsel in den freien Arbeitsmarkt gelingen kann und wie die BWB diesen begleitet. 60 Mal kam ein solcher Übergangsprozess bislang in den BWB vor.

Am Nachmittag tauchten die Führungskrfäte in weitere Fragestellungen aus der gesellschaftlichen Realität ein: In Kleingruppen besuchten sie gemeinnützige Organisationen und thematisierten Fragen und Problemstellungen, die diese zivilgesellschaftlichen Akteure bewegen. Dabei wurden so unterschiedliche Themen wie Anti-Ziganismus, die Situtation von Hebammen und Geburtshäusern, die Arbeit mit Tätern im Bereich sexuellen Missbrauchs, Islamfeindlichkeit sowie Arbeit mit Sterben, Tod und Trauer besprochen.

Wir danken allen Gastgeber*innen und Beteiligten für das Engagement im Programmtag. Wir ermutigen im Sinne des Programmtag-Mottos dazu, die Denkanstöße aufzugreifen und, wo immer möglich, zu handeln und Anliegen weiterzutragen.