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Aktuelles Archive - Seite 2 von 12 - Leadership Berlin

Programmtag Verantwortung

Eingetragen am 09.10.2018

9. Oktober 2018 | By |

Der bereits vorletzte Tag des diesjährigen Collaborative Leadership Programms drehte sich rund um das Thema „Verantwortung annehmen und abgeben können“. Wie immer lag dabei der Fokus dabei nicht auf Einezelcoaching, sondern auf der gesellschaftlichen Dimension von Verantwortung und der Rolle jeder und jedes Einzelnen darin. Im Sinne des Experiential Learnings waren die Teilnehmenden nicht nur zu Gast in der Neuköllner Zuckmayerschule, deren Schüler*innenschaft zu 92% aus Familien mit Hartz IV  kommen und von denen 94,4% nichtdeutscher Herkunftssprache sind, sondern hielten in Teams „Vertretungsstunden“ bei 8. und 9. Klassen mit dem Schwerpunkt berufsqualifizierende Maßnahmen. Am Nachmittag hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, mit Akteur*innen der Stadtgesellschaft ins Gespräch zu gehen und so verschiedene Ebenen der gesellschaftlichen Verantwortung aufzuspüren und unterschiedliche Umgangs- wie Umsetzungsformen kennenzulernen.

Raus aus der Komfortzone: vor einer Gruppe Jugendlicher vom eigenen Beruf zu erzählen und dabei bestenfalls motivierend zu wirken – das löste bei einigen unserer Führungskräfte ein mulmiges Gefühl aus. Denn was ist eigentlich ein Bezirksamt und wo liegt der Unterschied zwischen der Investions- und der Deutschen Bank? Wann muss man da immer aufstehen und wieviel verdient man jeden Monat? Da waren unsere Teilnehmenden doch froh über die Tipps der erfahrenen Pädagog*innen im Vorabgespräch: Der Schulleiter, die Konrektorin, sowie zwei pädagogische Fachkräfte machten ihnen Mut, authentisch aufzutreten und den Schüler*innen auf Augenhöhe zu begegnen. Mit gemischten Gefühlen und sehr unterschiedlichen Erfahrungen kamen die „Leadership-Vertretungslehrer*innen“ aus ihren Stunden zurück. Eines war jedoch durch die Bank weg erkennbar: exponenziell gestiegener Respekt vor dem Lehrberuf und die Erkenntnis, dass zu viel Verantwortung auf den Schulen laste. Mit dieser Einsicht erklärte sich knapp die Hälfte der Gruppe bereit, in Zukunft nochmal zu einer solchen Vertretungsstunde zur Verfügung zu stehen. Einige aus dem Teilnehmendenkreis wollen sogar längerfristig Verantwortung übernehmen und  ein Schülerpatenprogramm entwickeln.

Am Nachmittag begaben sich die Teilnehmenden in Kleingruppen in unterschiedliche (Arbeits-) Zusammenhänge, immer mit der Frage, wie dort mit Verantwortung umgegangen wird. Im Gespräch mit Alexandra Knauer, Geschäftsführerin von KNAUER Wissenschaftliche Geräte GmbH lag der Schwerpunkt besonders auf Corporate Social Responsibility und gutem Betriebsklima. Im Gespräch mit Winfriede Schreiber, ehemalige Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes, stand – unter Bezugnahme aktueller Diskussionen um Maaßen und Seehofer, vorallem behördliche bzw. politische Verantwortung im Fokus. Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, sprach mit den Teilnehmenden vornehmlich über Verantwortung für das Gemeinwohl und wie sich die Problemfelder in den letzten Jahrzehnten verändert haben. „Bürgerverantwortung“ war das Stichwort von Volker Hassemer, der nach seiner 15jährigen Erfahrung als Senator für Stadtentwicklung bzw. Kultur, Vorsitzender der Stiftung Zukunft Berlin wurde und der sich für eine bessere Vernetzung von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft einsetzt.

Wir danken der Zuckmayerschule für die Gastfreundschaft, unseren Gesprächspartner*innen für ihre Offenheit und allen Teilnehmenden für ihre Fragen und Ideen. Es war ein erfahrungsreicher und intensiver Tag dank aller Beteiligten.

First Monday zur Verkehrspolitik

Eingetragen am 20.09.2018

20. September 2018 | By |

„Berlin wird auf Sicht gefahren“, so mitunter ein gern geäußerter Vorwurf an die Berliner Politik und Verwaltung angesichts der personellen und finanziellen Ressourcen und dem mitunter nicht ganz so ausgeprägten Mut, gegen alle Widerstände Veränderungen zu gestalten.

 

Zumindest letzteres kann man Jens-Holger Kirchner, seit 2016 Staatssekretär für Verkehr nicht nachsagen. In seinem Amt als Baustadtrat in Pankow erwarb er sich den Ruf, hemdärmelig und unkonventionell Dinge anzupacken: sei es in Form einer öffentlichen Ekelrestaurant-Liste, dem Ferienwohnungsverbot für Prenzlauer Berg oder, indem er z.B. auch einmal medienwirksam einen maroden Bürgersteig absperrte, um die zuständige Senatsverwaltung zum Handeln zu bewegen. Nun bekleidet er selbst in der für Verkehr zuständigen Senatsverwaltung eine führende Position.

 

Wie hat sich seine Sicht auf die Arbeit einer Senatsverwaltung verändert? Wie stellen sich aus seiner Sicht die Gestaltungsmöglichkeiten und die Verantwortung zur Gestaltung der Verkehrsnetze der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz dar? Welche Einflussfaktoren fließen im Hinblick auf die Gestaltung der Infrastruktur für Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV, Auto, Lieferverkehr und Flugverkehr mit ein? An welchen Stellen müssen Politik und Verwaltung auf bereits stattgefundene Entwicklungen „reagieren“ und „reparieren“ und in wieweit gelingt es, auch zu „agieren“ und tragfähige Entscheidungen mit Langfrist-Perspektive voranzubringen? Und welche sind das und wie laufen diesbezügliche Entscheidungsprozesse?

 

Diesen Fragen widmete sich der First Monday, mit dem wir bei Staatssekretär Jens-Holger Kirchner, der übrigens vor einigen Jahren selbst an unserem Leadership-Jahresprogramm teilgenommen hatte, zu Gast waren. Wie schwierig das Terrain ist, auf dem er sich bewegt, zeigte sich schon an den unterschiedlichen Einschätzungen aus dem Teilnehmerkreis: während die einen fanden, dass die Stadt den Ausbau von Fahrradwegen zu langsam vorantreibe, beklagten andere gerade umgekehrt, dass aus ihrer Sicht der Autoverkehr zu Unrecht Flächen für den Radverkehr abgibt.

Jens-Holger Kirchner legte dar, wie sich die unterschiedlichen Interessenslagen im täglichen Verwaltungsalltag widerspiegeln und in welcher Form Interessen für Fahrrad, Auto, Fußgänger und ÖPNV artikuliert werden. In der Diskussion zeigten sich einerseits positive Aspekte der Mitbestimmung; politische und Verwaltungsentscheidungen werden durch die Teilhabe von Bürger*innen auf demokratischere Füße gestellt. Andererseits zeigten sich allerdings auch die negativen Aspekte, die sich in häufiger Verweigerungshaltung (not in my backyard), langjährigen Verzögerungen und einer außerordentlichen Inanspruchnahme der Verwaltung niederschlagen. So berichtete Jens-Holger Kirchner, dass mittlerweile bis zu 70% der Arbeitszeit von Verwaltungsmitarbeiter*innen auf die Korrespondenz und das Eingehen auf die Sorgen und Fragen von Bürger*innen verwendet werden.

Eine andere bisherige Herausforderung stellte sich anders da, als die meisten vermutet hätten. Waren die vergangenen Jahre und Jahrzehnte geprägt von Geldmangel und Personaleinsparungen, so hat sich die Sachlage diesbezüglich in eine ganz andere Richtung geändert. Nachdem man bis vor zwei Jahren noch Personal abgebaut hatte und über viele Jahre keine oder kaum Einstellungen vorgenommen hatte, ist mittlerweile das Geld für Personalaufstockungen da – allerdings findet sich auf dem Arbeitsmarkt nicht genügend entsprechend qualifiziertes Personal. Auch bei den Auftragsnehmern sieht es ähnlich aus. Durfte man vor einigen Jahren noch bei Baufirmen mit zahlreichen günstigen Angeboten rechnen, hat sich die Lage mittlerweile so verändert, dass es mitunter an Angeboten von Unternehmen mangelt, die noch Aufträge annehmen können und wollen. Auch Lieferzeiten von S- und U-Bahnzügen von 8 Jahren stellen den ÖPNV in den nächsten Jahren noch vor große Herausforderungen.

Jens-Holger Kirchner legte detailreich dar, wie die Verwaltung versucht, einerseits den großen Investitionsstau aus der Vergangenheit abzuarbeiten und andererseits trotzdem auch Weichenstellungen für die Zukunft vorzunehmen und dafür Sorge zu tragen, dass langen Vorlauf benötigende Entscheidungen wie die rechtzeitige Bestellung von neuen S- und U-Bahnzügen zukünftig rechtzeitig stattfinden.

Dass sein Job – gerade aufgrund der umfangreichen Planungs- und Beteiligungsvorgaben, den juristischen wie auch partizipativen Widerspruchsverfahren,  des über den Arbeitsmarkt kaum zu behebenden Personalmangel, den langen Liefer- und Ausführungszeiten von Unternehmen – kein leichter ist, ist wohl allen Teilnehmenden des First Monday klar geworden. Wir danken Jens-Holger Kirchner für den spannenden Einblick, der manche aus der Außenperspektive nicht so leicht nachvollziehbare Missstände deutlich nachvollziehbarer gemacht hat.

Mensa meets Leadership – Einführung in die Kunst des Debattierens

Eingetragen am 19.09.2018

19. September 2018 | By |

Seit vergangenem Jahr veranstalten wir regelmäßig Angebote für Mitglieder des Vereins Mensa e.V., einer Vereinigung von Menschen mit kognitiver Hochbegabung (IQ>130). Am vergangenen Montag traf sich eine Gruppe Mensaner*innen mit Pegah Maham, die als Vize-Meisterin des deutschsprachigen Debattierens nicht nur eine Einführung in die Kunst des Debattierens gab, sondern es mit ihrer Leidenschaft auch schaffte, einige zu motivieren, sich selbst im Debattieren zu probieren.

In Sichtweite unseres Treffpunktes, der beredsam GmbH, ging Pegah Maham zur Schule und kam so zum Debattieren. Nachdem sie 2016 den Titel der Vize-Meisterin holte, erhielt sie mehrfache Auszeichnung für die beste Finalrede und Gesamtsiege bei ZEIT-Debatten, war Mitglied des erfolgreichsten deutschsprachigen Teams auf den Debattier-Weltmeisterschaften 2015, wurde Präsidentin der Hanse Debating Union und Chefjurorin der deutschsprachigen Debattiermeisterschaft 2017. Pegah ist zertifizierte Debattiertrainerin, Beirat für Gleichstellung und Fairness des VDCH (Verband der Debattierclubs an Hochschulen e.V.) und Referentin bei diversen Veranstaltungen.

Das nach strengen Regeln gegliederte Debattieren ziehe besonders neugiere Menschen an, die sich für breite Themen der Gesellschaft interessieren, ehrgeizige Sportler*innen, sowie Personen, die an ihrem Auftreten arbeiten wollen. In der 15-minütigen Vorbereitungszeit auf die zugeloste Position bzgl. einer Streitfrage gehe es vor allem darum, den „Scheidepunkt“ der Positionen analytisch aufzuspüren. Debattieren sei weniger für policy-Entwicklungen, als für Problemanalysen geeignet, da der Fokus eher auf mechanistischem Argumentieren liege und so häufig ausschlaggebender als die Bezugnahme auf Statistiken sei.

Schließlich waren die Mensaner*innen selbst gefragt: Sollte es einen freien Markt für Organe geben? Alle Teilnehmenden waren eingeladen, sich mit einer anderen Person in die Debatte zu begeben und dabei die Position zu vertreten, die nicht ihre persönliche Haltung repräsentiert. Nach einem kurzen Austausch wurde nochmals eine „öffentliche Debatte“ vor der Gruppe geführt, die den Ablauf mit wechselseitigem Pro- und Contra Argumentieren simulierte.

Wer selbst Lust hat, sich mal im Debattieren zu probieren: Der Debattierclub der Berliner Hochschulen Berlin Debating Union und der gemeinnützige Verein Streitkultur Berlin e.V. bieten die Möglichkeit.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei unserem Gast Pegah Maham, bei den Mensanern Matthias Kribben und Robert Erler, sowie unserem Schwesterverein Leadership Brandenburg mit Susan Kirch für den gelungenen Abend.

 

Programmtag „Mut zum Handeln“

Eingetragen am 30.08.2018

30. August 2018 | By |

Wie können Führungskräfte denjenigen gesellschaftlichen Gruppen zu mehr Anerkennung verhelfen, die über keine starke Lobby verfügen?

Mit dieser Fragestellung starteten wir nach der Sommerpause mit den Teilnehmenden unseres Collaborative Leadership Programms in den Programmtag „Mut zum Handeln“.

Zu Gast waren wir bei den Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung (BWB). Das Unternehmen bietet Arbeitsplätze und ermöglicht somit auch gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderungen, für die der erste Arbeitsmarkt keine Perspektive darstellt.

Gemäß unseres Mottos „begegne dem anderen“ ermöglichten wir vor Ort einen Einblick in die Werkstätten und ein Gespräch mit den dortigen Beschäftigten, die für eine Vielzahl von Auftraggebern aus der Industrie und Wirtschaft praktische Arbeiten ausführen.

In einem Perspektivwechsel sprachen wir im Anschluss mit leitenden Angestellten der BWB, darunter Ulrich Hasenauer, Betriebsleiter, und Berni Jansen, Leiterin des Begleitenden Dienstes. Hierbei wurde unter anderem darüber diskutiert, wie für Beschäftigte der Werkstätten ein Wechsel in den freien Arbeitsmarkt gelingen kann und wie die BWB diesen begleitet. 60 Mal kam ein solcher Übergangsprozess bislang in den BWB vor.

Am Nachmittag tauchten die Führungskrfäte in weitere Fragestellungen aus der gesellschaftlichen Realität ein: In Kleingruppen besuchten sie gemeinnützige Organisationen und thematisierten Fragen und Problemstellungen, die diese zivilgesellschaftlichen Akteure bewegen. Dabei wurden so unterschiedliche Themen wie Anti-Ziganismus, die Situtation von Hebammen und Geburtshäusern, die Arbeit mit Tätern im Bereich sexuellen Missbrauchs, Islamfeindlichkeit sowie Arbeit mit Sterben, Tod und Trauer besprochen.

Wir danken allen Gastgeber*innen und Beteiligten für das Engagement im Programmtag. Wir ermutigen im Sinne des Programmtag-Mottos dazu, die Denkanstöße aufzugreifen und, wo immer möglich, zu handeln und Anliegen weiterzutragen.

 

Veränderungsprozesse und Wandel am Beispiel des Braunkohleabbaus

Eingetragen am 10.07.2018

10. Juli 2018 | By |

Am Samstag, dem 2. Juni 2018 waren wir mit einem Einzelprogrammtag zu Gast bei der Lausitz Energie Bergbau AG und der Lausitz Energie Kraftwerke (LEAG) statt. Auf Einladung von Leadership Brandenburg e.V. gemeinsam mit Leadership Berlin e.V. traf sich eine vielfältig zusammengesetzte Gruppe von 20 Führungskräften und beschäftigte sich einen Tag lang mit den besonderen Herausforderungen der Lausitz, einer Region, die massiv mit Umstrukturierung und Veränderung konfrontiert ist.

Aus verschiedenen Perspektiven gingen sie Fragen nach, welche Strategien Verantwortungsträger vor Ort verfolgen und wie Menschen mit Führungsverantwortung dort ihre Zukunft aktiv gestalten. Wie vielfältig die Gruppe zusammengesetzt war, zeigte sich gleich zu Anfang bei einem Meinungsstrahl zu der Frage, ob der Braunkohleausstieg sofort erfolgen solle oder nicht. Hier fächerten sich die Meinungen von totaler Zustimmung bis hin zu vollkommener Ablehnung sehr breit auf. Ganz in diesem Sinne wechselten sich dann auch den ganzen Tag über Neugier mit Skepsis oder auch Überraschung ab.

Gastgeber des Tages waren die Lausitz Energie Bergbau AG und die Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG), die als Arbeitgeber von 8.000 Mitarbeitern und nochmals rund 12.000 indirekten Arbeitsplätzen in Zulieferbetrieben den Alltag vieler Menschen in der Region prägt. Unter Anleitung von Herrn Dr. Rendez, dem Vorstandsvorsitzenden der LEAG, erlebte die Gruppe neben einer Fahrt durch den Braunkohletagebau Welzow-Süd auch eine Führung durch das Kraftwerk Schwarze Pumpe. Am Nachmittag konnten wir dann außerdem noch drei weitere lokale Gesprächspartner mit ganz unterschiedlichen Perspektiven begrüßen. Frau Christine Herntier ist als Bürgermeisterin von Spremberg nahe an den Bedürfnissen der Bürger und wird deren Interessen auch in der Kommission ‘Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung‘ vertreten. Dr. Wolfgang Krüger kennt als Geschäftsführer der IHK Cottbus die direkten und indirekten Abhängigkeiten vieler, insbesondere auch kleinerer Unternehmen der Region vom Tagebau. Ein Mittler zwischen den vielen Stimmen in der Region wiederum ist Pfarrer Burkhard Behr, der seit letztem Herbst das von der evangelischen Kirche eingerichtete Zentrum für Dialog und Wandel leitet.

In den unterschiedlichen Darstellungen unserer Gesprächspartner wurden einige Punkte deutlich. Zum einen erleben alle Gestalter vor Ort, dass sie selten oder nur in geringem Umfang in die Entscheidungsprozesse und Zukunftsplanungen für die Region eingebunden werden. Die politischen Vertreter aus dem gefühlt weit entfernten Berlin kommen, wenn überhaupt, nur kurz in die Region und machen sich nur oberflächlich ein Bild von den Gegebenheiten und Bedürfnissen der Menschen. Die Zerrissenheit und Zerstrittenheit der Betroffenen, aber auch die Frustration und ein Gefühl von Machtlosigkeit schlagen sich unter anderem in der hohen AfD Wählerquote nieder. Viele erleben es als Hohn, dass in Berlin der Flugverkehr massiv ausgebaut wird und dabei die CO2 Bilanz offenbar nur eine geringe Rolle spielt, wohingegen eine von massiver Arbeitslosigkeit bedrohte Region aus demselben Grund ein gut wirtschaftendes Unternehmen schließen soll. In diesem Zusammenhang überraschte viele Teilnehmende die Information, dass die Umschichtung der Böden und die streng geregelte Rekultivierung nach dem Abbau der Braunkohle bewirkt, dass die landwirtschaftliche Qualität der Flächen im Anschluss oftmals deutlich höher ist, als es die „Märkische Sandbüchse“ davor war.

Die Meinungsvielfalt der Teilnehmenden war auch nach dem Tag groß, aber durch die hautnahen Erlebnisse und einige Stunden intensiver Beschäftigung mit den unterschiedlichen Facetten, konnten wir ein deutlich besseres Gefühl für die Komplexität der Themen rund um die Braunkohle in der Lausitz gewinnen. Eine Reihe von Sichtweisen hat gezeigt, wie die verschiedenen Entscheidungsfelder ineinandergreifen und was sie jeweils auslösen können. Auch hier ist eine einfache Lösung eine Illusion. Jedoch ist klar geworden, wie wichtig es wäre, die Menschen von hier wirklich ernsthaft an der Gestaltung der eigenen Zukunft teilhaben zu lassen. Außerdem wünschen sich viele endlich klare und verlässliche Entscheidungen, damit eine Planbarkeit überhaupt erst ermöglicht und die momentan vorherrschende Unsicherheit überwunden werden kann.

Gemeinsam gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit

Eingetragen am 05.07.2018

5. Juli 2018 | By |

Am Sonntag, dem 24. Juni setzen wir einiges in Bewegung und zwar in Form unserer meet2respect-Tandemtour unter dem Motto „Gemeinsam Antisemitismus und Islamfeindlichkeit entgegenlenken“. Ganz im Sinne der von uns organisierten meet2respect-Unterrichtsbesuche von Tandems aus jüdischen und muslimischen Religionsvertreter*innen, die wir seit 2013 in mehrheitlich muslimischen Schulklassen durchführen, brachten wir nun 25 jüdisch-muslimisch besetzte Tandem-Fahrräder und Riksschas auf die Straße.

Beginnend am Holocaust-Mahnmal und vorbei beim Jüdischen Gemeindezentrum, der Synagoge am Fraenkelufer und der Mevlana-Moschee bahnte sich der Fahrrad-Korso unter Begleitung von zahlreichen Mitradler*innen, Presse und Polizei einen Weg durch Berlin. Endpunkt war der Bebelplatz und damit der Ort der Bücherverbrennung 1933. Dort fand ein Bühnenprogramm statt, bei dem u.a. die Staatsministerin für Integration im Bundeskanzleramt, Annette Widmann-Mauz, der Stellvertretende Regierende Bürgermeister, Dr. Klaus Lederer, und die Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement, Sawsan Chebli, neben zahlreichen jüdischen und muslimischen Religionsvertreter*innen und dem Begegnungschor auftraten.

 

Erfreulich war die internationale Berichterstattung über die Veranstaltung, die von Washington Post und Fox News in den USA über islamische Medien wie Oumma.com, Medien in Israel wie Arutz Sheva – Israel National News und The Times of Israel bis hin zu Medien in Kambodscha, Thailand, China und Japan reichte. Selbstverständlich wurde auch in Deutschland und Europa darüber ausführlich berichtet. In Deutschland beispielsweise in Fernsehbeiträgen in ARD und ZDF, Berichten in Morgenpost, BZ oder auf Bento, in Frankreich beispielsweise auf Facebookbeitrag auf A+J francais, der knapp 1000 mal geteilt wurde, in UK beispielsweise auf Yahoo News oder auch bei Russia Today.

Aber es ging natürlich nicht nur darum, dass Juden und Musslime gemeinsam symbolhaft für ein friedliches Miteinander in die Pedale treten. Einerseits zeigten Imame und andere muslimische Vertreter*innen, dass sie sich klar gegen Antisemitismus positionieren, und sendeten ein Signal an alle Muslime in der Stadt, dass sich antisemitische Einstellungen nicht mit dem islamischen Glauben vereinbaren lassen. Andererseits hatten die jüdischen Beteiligten und alle, die über die Medien von der Aktion erfuhren, die Chance, sich ein Bild vom Islam und Muslimen zu machen, das den gängigen Stereotypen und der pauschalen Problematisierung widerspricht.

Programmtag: Spielräume der Macht ausschöpfen

Eingetragen am 20.06.2018

20. Juni 2018 | By |

… diesem Thema widmeten sich die 36 Teilnehmenden unseres Collaborative Leadership Programms an unserem Juni-Programmtag, mit dem wir bei Vivantes zu Gast waren. Wichtig ist uns bei dem Thema, dass wir uns nicht der repressiven Form von Macht (der anderen) widmen, sondern den eigenen Handlungsspielräumen und wie diese ausgeschöpft und erweitert werden können.

Nach einem spielerischen Einstieg mit unserem Mitglied Dr. Matthias Kribben, Vize-Weltmeister im Fernschach und Mitorganisator unseres Programmformats Mensa meets Leadership starteten wir mit einem Austausch mit Vera Gäde-Butzlaff. Auf Grundlage Ihres Erfahrungsschatzes als ehemalige Vorstandsvorsitzende der BSR, der GASAG und heutiger Aufsichtsratsvorsitzender von Vivantes gab sie intensive Einblicke in die jeweiligen Leadership-Challenges und die Unterschiede der Herausforderungen von Vorständen in öffentlichen und privatwirtschaftlichen Unternehmen und die jeweiligen Zielkonflikte, die es auszuhalten, bzw. zu entschärfen gilt.

Interessante Einblicke boten darüber hinaus die Nachmittagsgespräche bei so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Marianne Voigt, Mitgründerin von Immobilienscout und heutiger Geschäftsführerin von bettermarks, Sascha Disselkamp, Gründer und Geschäftsführer der Sage Group und Mitgründer der Clubcommission, Harald Eisenach, Vorsitzender der Regionalen Geschäftsleitung Ost der Deutschen Bank und Sabine Werth, Gründerin der bundesweiten Tafelbewegung, Vorsitzende der Berliner Tafel und geschäftsführende Gesellschafterin eines mittelständischen Unternehmens.

Besonders erkenntnisreich war natürlich auch der Austausch untereinander. In der Abschlussrunde äußerten viele, wie sehr sich inspiriert fühlen. Wir sind gespannt, ob sich dies auch in Form von konkreten Projekten oder gar Vereinsgründungen wie in der Vergangenheit niederschlägt…

Der nächste Programmtag unter dem Motto „Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln“ wird hierfür möglicherweise den ein- oder anderen Anknüpfungspunkt liefern!

 

Vertretungsstunde: Diskussion zum Thema Homosexualität

Eingetragen am 09.06.2018

9. Juni 2018 | By |

„Wie würdet ihr reagieren, wenn eure Schwester, euer Bruder oder Freunde euch mitteilen, dass sie homosexuell sind?“

Gilles Duhem ist für viele Schüler ein bekanntes Gesicht. Unweit der Zuckmayer-Schule führt der 51-Jährige den Verein MORUS 14, der mit vielen freiwilligen Schülerinnen und Schülern aus dem Kiez auch Nachhilfe anbietet. Kurz erzählt er von seinem Werdegang. Aus Paris ist er vor rund 30 Jahren nach Deutschland gekommen, hat in Berlin studiert und leitet seit 2007 den Verein in der Morusstraße.

Nachdem die Schülerinnen und Schüler einen Stuhlkreis gebildet haben, bittet Gilles, darum, die Sitzordnung zu ändern – immer ein Junge und ein Mädchen nebeneinander. Für manche ist das keine leichte Aufgabe, sitzen sie doch sonst immer nach Geschlecht getrennt voneinander. Aber die Vertretungsstunde ist heute anders.

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Gilles überrascht die Jugendlichen mit einem Satz an der Tafel: „Ich bin schwul und das ist auch gut so“. Wer hat das gesagt? Einige erinnern sich an diese Aussage von Klaus Wowereit zu seinem Amtsantritt. „Das hätte auch ich sagen können“ verrät Gilles und schon gibt es viele Fragen: Hat er einen Freund oder ist er verheiratet, hat er Kinder adoptiert, wann hat er gemerkt, dass ihn Mädchen nicht interessieren und wer ist der Mann, wer ist die Frau beim Sex? Ein Junge sagt: „Ich bin da ganz ehrlich, ich bin schwulenfeindlich. Ich weiß nicht genau warum, aber wenn da einer kommt und mich anmacht!“

Gilles setzt Homosexualität zunächst in ein Verhältnis aus Zahlen und Fakten: 5 % der Weltbevölkerung bezeichnet sich als schwul, lesbisch, bi- oder transsexuell. Und das gab es schon immer. Bei den Muslimen sind es ca. 80 Millionen Menschen weltweit. Das löst Verwunderung aus. In vielen Ländern dürfen Homosexuelle heiraten und Kinder bekommen oder adoptieren, aber es gibt auch Orte, in denen sie ihre Homosexualität verschweigen müssen, weil sie unter Todesstrafe steht. Das ist z.B. im Iran, in Afghanistan oder in Saudi-Arabien der Fall. Die Selbstmordrate bei Homosexuellen ist dreimal so hoch wie bei Heterosexuellen, auch dies spricht eine deutliche Sprache. Für viele Menschen aus der muslimischen Community, die in Berlin leben, ist es schwer, zu ihrer Sexualität zu stehen, weil es ein großes Tabu ist. Gilles unterstützt einige geflüchtete Schwule aus dem Nahen Osten und berichtet von einem schwulen Imam aus Frankreich, der Homosexuelle in die Moschee einlädt.

Ein Junge möchte wissen: Wie war es bei ihm, hat sein Vater ihn nicht geschlagen, als er erfahren hat, dass sein Sohn schwul ist? Gilles sagt, dass seine Eltern moderne Ansichten haben, und es völlig unproblematisch war. Nicht alle Eltern reagieren so. Gilles erzählt von einem bayrischen Freund, der 1983 an seinem 18. Geburtstag von der Schule nach Hause kam, und einen gepackten Koffer vor der verschlossenen Tür fand. Oder von einem Fall aus Berlin. Hier wurden einem jungen Mann von seinem Vater und seinen Onkeln K.O.-Tropfen verabreicht, im Kofferraum eines Autos wollten sie ihn in den Libanon bringen, um ihn dort töten zu lassen. Glücklicherweise fielen sie Grenzpolizisten auf und wurden verhaftet. Die Schüler sind betroffen: „Es ist doch immer noch mein Kind“ sagt ein Mädchen.

„Wie würdet ihr reagieren, wenn eure Schwester, euer Bruder oder Freunde euch mitteilen, dass sie homosexuell sind?“ will Gilles wissen. „Ich würde ihm ein Mädchen klar machen“ sagt einer sofort. Einige Schüler reagieren empört, sie würden nicht mehr miteinander reden. Vor allem wollen sie nicht, dass andere davon erfahren. „Rausschmeißen oder schlagen“ sagt einer. Auch „töten, um das Blut rein zu halten“ wird als Alternative genannt, so kann die Ehre gerettet werden, ergänzt ein anderer. Jemand wirft ein, dass jeder selber wissen muss, was er mag, ob Jungs oder Mädchen, das ist doch egal, ein Mensch ist ein Mensch. Viele Vorschläge drehen sich um die passende Bestrafung, doch es gibt auch leisere Töne: ein Junge erzählt, dass er einen schwulen Cousin hat, ein anderer, der zuvor für’s Töten eingetreten ist, räumt ein, dass schlagen auch ausreichen würde.

Gilles lässt jede Meinung gelten und hört genau zu, verurteilt nicht. Denn er freut sich, dass die Schüler so offen sprechen. Viele geraten ins Grübeln. Und genau das ist es, was Gilles erreichen möchte – über Homosexualität zu reden ist ein erster Schritt weg vom Tabu und eine Einladung zur Reflektion. Die heutige Vertretungsstunde ist ganz sicher ein Anfang dafür. „Sex ist doch auch viel interessanter als Schule“ sagt Gilles mit einem ansteckenden Lachen, als es zur Pause klingelt.

First Monday mit den STERNENFISCHERN/ Berlin Greeter

Eingetragen am 24.05.2018

24. Mai 2018 | By |

„Die demografische Situation in Deutschland gleicht einem Dönerspieß!“, so einer der Teilnehmenden unseres First Mondays im Freiwilligenzentrum STERNENFISCHER, bei dem auch die Ehrenamtsinitiative Berlin Greeter Gastgeber waren. Kein Wunder also, dass das Thema Perspektiven im Alter – Wie kann ehrenamtliches Engagement den Übergang in die Rente erleichtern? akut Lösungen benötigt!

Das Brainstorming war ergiebig: Halbjährliche Informationsveranstaltungen in Betrieben, zu denen jeweils alle Personen eingeladen werden, die drei bis fünf Jahre vor der Rente stehen; Broschüren, die bei Mitarbeiter*innen Gesprächen ausgegeben werden können und Übergangsmaßnahmen, wie die wöchentliche „Schnupperstunden“ in diverse Ehrenamtstätigkeiten für angehende Rentner*innen sind nur einige der besprochenen Umsetzungsstrategien.

Die Berlin Greeter bieten dafür eine interessante Möglichkeit, im Freiwilligenzentrum STERNENFISCHER kann man sich über weitere Optionen informieren.
Vielen Dank an unsere Gastgeber Manja Harm und Philipp Wilmzig.

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Programmtag Kritik äußern und annehmen können

Eingetragen am 23.05.2018

23. Mai 2018 | By |

Den Thementag „Kritik äußern und annehmen können“ verbrachten die Teilnehmenden unseres Leadership-Jahresprogramms am vergangenen Montag beim Tagesspiegel. Dort begaben sie sich vormittags in den Austausch mit unterschiedlichsten Akteuren der Stadtgesellschaft, die in besonderem Maße Kritik austeilen und einstecken müssen.

Der  anschließende Erfahrungsaustausch der 36 Teilnehmenden unseres Jahresprogramms offenbarte große Unterschiede, wieviel Kritik die einzelnen als Organisation von außen erfahren und wie sie damit umgehen. Auch der Austausch untereinander darüber, welche Kritikkultur innerhalb von Organisationen gelebt wird, war sehr inspirierend. Er reichte von eigentlich banalen und doch häufig nicht beachteten Selbstverständlichkeiten wie,

  • dass Kritik umso eher annehmbar ist, wenn sie persönlich und unter vier Augen statt in der Gruppe, telefonisch oder gar per E-Mail erfolgt
  • dass Kritik mindestens viermal so viel Lob und positive Bestärkung gegenüberstehen sollten, um sie annehmbarer zu machen

über Anregungen zu Methoden

  • wie 360-Grad-Feedback, bei der auch Vorgesetzte von ihren Mitarbeiter*innen kritisches Feedback erhalten
  • der Remonstrationspflicht, die beinhaltet, dass sich z.B. Beamte direkt an den zwei Ebenen höher angesiedelten Vorgesetzten wenden, wenn sie Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer Weisung des direkten Vorgesetzten haben oder
  • dem Bestandteil wöchentlicher Teamsitzung, bei dem vom Vorgesetzten beginnend jeder eine Erkenntnis mit den Worten „Mein größter Fehler der letzten Woche war…“  teilt

bis hin zu der nicht seltenen Erfahrung,

  • dass man mit Argumenten nicht gegen Gefühle ankommen kann, sondern negative Gefühle nur durch positive Gefühle in Form von Erfahrungen abbauen kann.

Den Nachmittag widmeten wir dem Thema Medien, da der „vierten Gewalt“ eine besondere Rolle in Bezug auf Kritik in der Gesellschaft zuteil wird. Ein Highlight war dabei das Gespräch mit Gerd Nowakowski, leitendem Redakteur und Mitglied der Chefredaktion vom Tagesspiegel, der zuvor  u.a. Gründungsmitglied und Leiter der Berlin-Redaktion der taz war. Dabei ging es sowohl um das Selbstverständnis, in dem Medien Kritik an Entscheidungsträger*innen (wie unseren Teilnehmenden) üben, wie auch eine kritische Diskussion über die Qualität journalistischer Arbeit, Verantwortung der Medien und ihre Rolle im Hinblick auf die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft. Dabei flossen mitunter auch so manche Kritikpunkte des medienkritischen Portals UEBERMEDIEN ein, mit dessen Geschäftsführer Boris Rosenkranz sich eine Teilnehmergruppe bereits am Vormittag ausgetauscht hatte.

Wir danken dem Tagesspiegel für die Gastfreundschaft und den Blick „hinter die Kulissen“, sowie unseren Gesprächspartner*innen für Ihre Zeit und die Offenheit des Austauschs.

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