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Aktuelles

„Führungskräfte mit Behinderung“ organisieren sich

Eingetragen am 21.11.2016

21. November 2016 | By |

 

Gründungsmitglieder_Reg.Bürgermeister

Die Gründungsmitglieder mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (2.v.l.)

Mit der Idee zu einem neuen Verein im Collaborative Leadership Programm fing es an – am Abschlusstag des Programms am 10. Oktober unterzeichneten nun zwölf Führungskräfte mit Behinderung die Gründungssatzung des Vereins „Führungskräfte mit Behinderung“.

Es handelt sich dabei um einen Verein, der sich dafür einsetzt, dass die Kompetenzen von Führungskräften mit Behinderung anerkannt werden und nicht – wie leider allzu häufig – vornehmlich ihre Defizite  in den Fokus genommen werden.

Eine Idee nimmt Gestalt an

Die Idee nahm ihren Anfang mit der Teilnahme von Janis McDavid am Leadership-Jahresprogramm 2016. Janis McDavid wurde ohne Arme und Beine geboren, was ihn allerdings nicht daran hinderte, neben seinem Studium Vorstand eines Vereins zu werden, ein Buch zu schreiben, als Motivationsredner durchs Land zu reisen und dabei selbst Auto zu fahren. Durch den Austausch und zahlreiche Gespräche von Janis McDavid, Gerlinde Bendzuck, Patricia Carl, Ingo Kaleschke und Peter Sdorra, die alle Führungskräfte sind und eine Behinderung haben,  sowie den Unterstützern Gerd Kirchhoff und Bernhard Heider erfolgten dann die ersten konkreten Schritte zur Initiierung des Vereins.

Im Frühsommer kamen in einer ersten Brainstorming-Session im Rahmen eines First Mondays von Leadership Berlin eine Gruppe aus Führungskräften mit und ohne Behinderung zusammen. Schnell stellten sie fest: Der Bedarf für einen bundesweiten Verein ist da. Es braucht eine Organisation, in der sich Führungskräfte mit Behinderung vernetzen und austauschen können. Und es braucht das gemeinsame Engagement, um die Hürden abzubauen, denen Menschen mit Behinderung gegenüberstehen, um eine Führungsposition übernehmen zu können. Dabei sind die Zielsetzungen des Vereins keine Einbahnstraße in Richtung Behörden und Unternehmen. Auch Menschen mit Behinderung, die sich bislang keine Führungsrolle zutrauen, sollen durch Weiterbildungsangebote und die Sichtbarmachung von Role Models, angesprochen und ermutigt werden.

Gründungssitzung

Die Vorstandsmitglieder – mit sichtbarer und nicht sichtbarer Behinderung

So divers wie die Gruppe der Menschen mit Behinderung setzt sich auch der Vorstand des neu gegründeten Vereins zusammen. Zum Vorstandsvorsitzenden wurde Dr. Peter Sdorra gewählt, Richter am Kammergericht und Hauptvertrauensperson der schwerbehinderten Richterinnen und Richter des Landes Berlin. Weitere Vorstandsmitglieder sind Detlef Kahl, Sachgebietsleiter in einem Berliner Finanzamt sowie zwei Vertreter aus anderen Teilen der Republik: Christian Habl ist Vorstandsvorsitzender des Netzwerks zur beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung und Sascha Lang selbstständiger Musikmanager, Künstlervermittler und Radioreporter. Eine oder mehrere Frauen, die sich ebenfalls im Vorstand engagieren wollen, werden noch gesucht.

Unter den Vorstandsmitglieder sind sowohl Vertreter von Menschen mit sichtbaren Behinderungen als auch Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen – ein Aspekt, dessen Bedeutung sich im Vorfeld der Gründung herauskristallisierte. Beide Gruppen sind gleichermaßen von Diskriminierung betroffen, stehen dabei jedoch vor unterschiedlichen Herausforderungen. Während Menschen mit sichtbarer Behinderung eher das Problem haben, dass sie aufgrund ihrer Behinderung nicht ernst genommen werden und ihnen keine Führungsverantwortung zugetraut wird, haben Menschen mit nicht sichtbarer Behinderung damit zu kämpfen, dass ihre Behinderung nicht ernst genommen wird.

Öffentliche Vorstellung des neu gegründeten Vereins am 10. Oktober

Die Vorstandmitglieder mit Bernhard Heider, Geschäftsführer von Leadership Berlin - Netzwerk Verantwortung e.V. (ganz rechts)

Die Vorstandmitglieder mit Bernhard Heider, Geschäftsführer von Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V. (ganz rechts)

Am 10. Oktober abends stellten die Vorstände des neu gegründeten Vereins in einer Podiumsdiskussion vor 120 Gästen, die unter dem Motto „Diversity in Leadership“ aus dem Netzwerk von Leadership Berlin geladen waren, erstmals die Ziele des neuen Vereins vor. Dabei wurden bereits bestehende Problemlagen angesprochen, die der Verein angehen will. So baut die geplante Version des neuen Teilhabegesetzes in den Augen der Führungskräfte genau solche Hürden für Menschen mit Behinderung auf, gegen die sie sich einsetzen. Auch die Ermöglichung einer Assistenz für Menschen mit Behinderung, die sich selbstständig machen wollen, ist ein Thema des Vereins.

Über die Vereinsgründung wurde bereits medial Bericht erstattet:
rollingplanet.net, 19.09.2016, Bundesverband Führungskräfte mit Behinderung geplant
evangelisch.de, 09.10.2016, Führungskräfte mit Behinderung wollen Verband gründen
inforadio.de, 10.10.2016, Führungskräfte mit Behinderung gründen eigenen Verein
Der entsprechende Beitrag in der rbb Abendschau vom 10.10. ist leider nicht mehr online verfügbar.

Die Satzung des neu gegründeten Vereins kann hier eingesehen werden (PDF-Dokument, 10MB).
Und hier findet sich ein Infoblatt mit einer Übersicht zum Verein als PDF.

Wer sich für die Aktivitäten des Vereins interessiert oder selbst Mitglied werden möchte, wendet sich bitte an:

Führungskräfte mit Behinderung e.V. i.Gr.
c/o Dr. Peter Sdorra
Kammergericht Berlin
Elsholtzstr. 30-33
10781 Berlin

Tel.:     0175- 2490012
Mail:    petersdorra@t-online.de

Das Leben draußen – Glauben hinter Mauern

Eingetragen am 09.11.2016

9. November 2016 | By |

Martin_Stoelzel-Rhoden„Ich glaube nicht an die Allmächtigkeit Gottes!“ – Der Satz von Pfarrer Martin Stoelzel-Rhoden gleich zu Beginn der Gesprächsrunde saß und zeigte seine Wirkung bei allen Anwesenden. Eigentlich waren wir doch zusammengekommen, um über Glaube zu sprechen? Und dann das!

Gerade der vermeintlich offensichtliche Widerspruch zwischen Wort und Tat (in diesem Falle eher zwischen Wort und Beruf) war der Grund, warum unser Gast des letzten Montags im Oktober von der ersten Sekunde an die ungeteilte Aufmerksamkeit der Inhaftierten genoss.

Als Krankenhausseelsorger und Leiter des ambulanten Hospizdienstes des Evangelischen Johannesstifts wird Martin Stoelzel-Rhoden häufig durch die Angehörigen mit der Frage nach dem Glauben konfrontiert – gerade im Hinblick auf schwierige Lebenssituationen.

Dem allmächtigen Gott stellt Pfarrer Stoelzel-Rhoden den mitleidenden Gott gegenüber, was er durch das Leiden Jesu am Kreuz in besonderer Weise verkörpert sieht. Gott hat in diesem Sinne am Kreuz mit dem Leiden Jesu das erlitten, was auch Menschen erleiden. Der Schrei Jesus „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?!“ ist ein Schrei, der rund um den Erdball leidende Menschen erreicht und berührt. Das Rezept für den Umgang erläutert Pfarrer Stolelzel-Rhoden einfach und pragmatisch: Der Glaube hat ein Zwillingsgeschwister – den Zweifel. Ohne Glaube kein Zweifel und insbesondere ohne Zweifel auch kein Glaube, z.B. an eine Verbesserung der aktuellen Lebensumstände.

Diese Sicht auf den Glauben sprach die Inhaftierten der JVA Moabit an. Ihrer Meinung nach glaubt man hinter den Mauern anders. Dort herrschen mehr Zweifel und gerade wegen der eingeschränkten Privatsphäre wird der Glauben stärker mit anderen Inhaftierten geteilt.

Glaube hat viele Gesichter – auch in der JVA. Einige der Inhaftierten glauben an ihre Unschuld, andere an die Rückkehr in ein normales Leben, die meisten aber tatsächlich daran, hier die Quittung für einen Teil des bisherigen Lebens zu erhalten. Einige wenige Gefangene der Gesprächsrunde glauben darüber hinaus nicht an die Wirksamkeit der Haft – ihrer Meinung nach sind die Bedingungen viel zu einladend, als das es eine abschreckende Wirkung auf sie hätte.

Zum Schluss löste Martin Stoelzel-Rhoden noch das Rätsel um seine Aussage zur Allmächtigkeit Gottes: „Der Mensch hat seinen eigenen freien Willen von Gott erhalten – deshalb ist er nicht mehr allmächtig.“

„Das Leben draußen“ – Gespräch mit Inhaftierten über Verantwortung

Eingetragen am 18.10.2016

18. Oktober 2016 | By |

Ist Verantwortung gleichzusetzen mit Verantwortlichkeit? Wie viel Verantwortung kann ich abgeben? Wie schwer wiegt Verantwortung, wenn es um Leben und Tod geht?

Wrede_FriedrichMit Dr. Friedrich Wrede als Gast beleuchteten Dieter Geuss und Crispin Hartmann gemeinsam mit den Inhaftierten der JVA Moabit diese und viele andere Fragen zum Thema Verantwortung zunächst aus der Perspektive eines Humanmediziners. Als ehemaliger Leiter der Unfallchirurgie im DIAKO Krankenhaus Flensburg war Dr. Wrede bis 2006 oft gefordert, schnelle oder grundlegende Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen zu treffen.

Verantwortung meint einerseits die Pflicht, dafür zu sorgen, dass (in bestimmten Situationen) das Notwendige und Richtige getan wird und kein Schaden entsteht. Andererseits aber auch die Verpflichtung, für seine Handlungen einzustehen und ihre Folgen zu tragen, sollte es doch zu einem Schaden gekommen sein.
Exakt diesen Gesprächsbogen spannten wir in den 90 Minuten auf und ernteten am Ende auch noch den Applaus der Gefangenen.

Dr. Wrede beschrieb eingangs, wie man als Arzt an die Verantwortung herangeführt wird. Alles beginnt mit einer umfangreichen Ausbildung, dann assistiert man zunächst bei Operationen, führt später selbst kleinere Eingriffe durch um schlussendlich selbst der verantwortliche Operateur im Saal zu sein. Die Verantwortung – als Arzt wie auch im richtigen Leben – kommt nicht auf einen Schlag. Jeder wird, mehr oder weniger schnell, an sie herangeführt.

Zunehmend aber, so Dr. Wrede, wird die Verantwortung abgegeben: Entschieden früher häufig die Mediziner, wann welcher Eingriff noch sinnvoll, lebensverlängernd und lebenswerterhaltend ist, so wird diese Verantwortung mittlerweile auf die Patienten übertragen. Der Arzt klärt richtigerweise umfangreich über mögliche Erfolgs- und Heilungschancen sowie die Risiken und Nebenwirkungen einer OP auf – die Entscheidung für oder gegen den Eingriff aber trifft der Patient. Kommt es dann zu so genannten „Kunstfehlern“, so entscheiden in der Regel die Krankenhaus- und Patientenanwälte über den Grad der Verantwortung. Das erschwert dem Arzt die Verantwortung zur Wahrheit.

Insbesondere die Ehrlichkeit und offene Art von Dr. Wrede beeindruckte die Inhaftierten nachhaltig. Er gestand Fehler ein, übernahm dafür seinerzeit aber die Verantwortung und berichtete von seinen inneren Konflikten bei schwierigen Entscheidungen. Einige Inhaftierte versicherten daraufhin glaubhaft, auch für ihre Fehler nun die Verantwortung übernehmen zu wollen.

Zum Abschluss berichtete Dr. Wrede über sein derzeitiges ehrenamtliches Engagement im Bundesverband von Seniorpartner in School (SiS) e.V. als 1. Vorsitzender. Bei SiS werden Senior*innen zu Mediator*innen ausgebildet, die in Schulen den Kindern und Jugendlichen helfen, ihre Konflikte gewaltfrei zu lösen. „Im Grunde“, so Friedrich Wrede, „bringen wir den Schülerinnen und Schülern in gewisser Weise auch Verantwortung bei.“ Auf seine Frage, ob denn SiS als hilfreich angesehen wird, antwortete ein Inhaftierter: „Wäre damals jemand von SiS da gewesen, dann wäre ich nicht hier gelandet!“

Diversity in Leadership – jedem Ende wohnt ein Anfang inne…

Eingetragen am 12.10.2016

12. Oktober 2016 | By |

Mit unserer Abschlussveranstaltung im Goldberger Saal des VBKI endete am 10. Oktober unser diesjähriges Leadership-Jahresprogramm. Die Absolvent*innen zogen Resümee über die gemeinsam absolvierte „Learning Journey“ mit Begegnungen mit den unterschiedlichsten Akteuren der Stadtgesellschaft. Den Abschluss bildete ein Austausch mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller, der sich inmitten der Koalitionsverhandlungen die Zeit für ein Hintergrundgespräch mit unseren 36 Teilnehmenden nahm.

Als ein konkretes Ergebnis unseres diesjährigen Leadership-Jahresprogramms gründete sich am Nachmittag außerdem der Verein „Führungskräfte mit Behinderung“, dessen Zusammenkommen wir mit Janis McDavid und Gerd Kirchhoff wir initiierten und begleiteten. Der Verein soll zukünftig eine Austauschplattform für Führungskräfte mit Behinderung sein und dem häufig in erster Linie „defizitären Blick“ auf Behinderung wirksam etwas entgegensetzen. Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg wünschen wir den Gründungs-Vorstandsmitgliedern Dr. Peter Sdorra, Sascha Lang, Christian Habl und Detlef Kahl und den sieben weiteren Gründungsmitgliedern des Vereins.

Interessierte erreichen den neu gegründeten Verein unter den Kontaktdaten von Dr. Peter Sdorra, Richter am Kammergericht, Hauptvertrauensperson der schwerbehinderten Richterinnen und Richter des Landes Berlin und Vorstandsvorsitzender von „Führungskräfte mit Behinderung“.

Führungskräfte mit Behinderung e.V. i.Gr.
c/o Dr. Peter Sdorra
Kammergericht Berlin
Elsholtzstr. 30-33
10781 Berlin

Tel.:     0175- 2490012
Mail:    petersdorra@t-online.de

Wir danken dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) und der IHK Berlin für ihre Gastfreundschaft und Frau Petra Gothe, Vizepräsidentin des VBKI für die schönen Begrüßungsworte!

Expedition Polen – Leadership Learning Journey ins unbekannte Nachbarland

Eingetragen am 05.10.2016

5. Oktober 2016 | By |

Als Nachbarn, mit dem man Tür an Tür lebt, den man aber doch kaum kennt, könnte man Polen und mehr noch die westliche Region um die Stadt Poznan aus Sicht vieler Berliner*innen bezeichnen.

Um dies zu ändern, unternahmen wir mit 13 Berliner Führungskräften am 23./24. September eine zweitägige Leadership-Exkursion nach Poznan. Die polnische Regionalhauptstadt hat 580.000 Einwohner (mit dem Umland ca. eine Millionen), wird von Polen als die Geburtsstadt der polnischen Nation betrachtet und liegt auf halber Strecke zwischen Berlin und Warschau.

IMG_2297Neben Einblicken in die polnische Küche, einer Stadtbesichtigung durch unseren aus Frankfurt/Oder kommenden Reiseleiter Dieter Krawczynski und von so einigen begeistert zum Shopping genutzten Freizeit, erlebten die Teilnehmenden von Leadership Berlin und Leadership Brandenburg vielschichtige Einblicke in die drei gesellschaftlichen Sektoren in Posen:

Der öffentliche Bereich:
Bei einem Besuch im Rathaus tauschten wir uns mit dem Regierenden Bürgermeister Jacek Jaskowiak und dem Leiter der Investitionsbehörde Marcin Przylebski aus, die beide zeitweise in Deutschland lebten und beide gut Deutsch sprechen. Für Erstaunen sorgte insbesondere, dass in Poznan mit einer Arbeitslosenquote von nur 2% nahezu Vollbeschäftigung herrscht und die Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen als das geringste Problem erscheint. Was ebenfalls für uns überraschend war, wie wenig Bereiche nach dem Ende des Sozialismus in der Daseinsvorsorge in den privatwirtschaftlichen und Non-Profit-Bereich übertragen wurden. So wurden weder Energieversorgung noch Wasser oder Entsorgungswirtschaft in privatwirtschaftliche Hand gegeben, noch wurden Seniorenheime und Kitas an gemeinnützige Organisationen übertragen.

Einen interessanten Unterschied wollen wir an dieser Stelle kurz skizzieren: Jacek Jaskowiak berichtete über die Problematik, dass viele Menschen ins Umland ziehen und die Straßen dem zunehmenden Autoverkehr insbesondere zu den Stoßzeiten nicht mehr gewachsen sind. Daher ist sein Anliegen insbesondere der Ausbau von Fahrradwegen und öffentlichen Verkehrsmitteln. Als wir ihm berichteten, dass in Berlin zivilgesellschaftliche Organisationen die Politik und Verwaltung in Bezug auf einen Ausbau des Fahrradinfrastruktur „vor sich hertreiben“ und „ärgern“, meinte er, dass es bei ihm genau umgekehrt sei: die Politik und Verwaltung arbeitet an einem massiven Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur und es ist die Gesellschaft, die nicht so leicht davon zu überzeugen ist – ein Eindruck, den wir nach Gesprächen mit Taxifahrern und einem Abendessen mit den deutschsprachigen Kunden der Business-Sprachschule „Be Better Club“ bestätigen können…

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Der privatwirtschaftliche Bereich:
Wir besuchten den deutschen Unternehmer Gerold Voss, der mit einem Tischlereiunternehmen vor 16 Jahren in Poznan begann, in den letzten Jahren ein Gesundheitszentrum aufbaute und derzeit die Errichtung eines Seniorenheimes plant. Die Einblicke in das polnische Gesundheitssystem und die Planungssicherheit für Unternehmen war für alle Teilnehmenden etwas ernüchternd. Gerold Voss versucht nichtsdestotrotz eine Lücke zu finden und zu füllen, indem er in dem geplanten Seniorenheim Zimmer verkauft und die Pflege dann verhältnismäßig günstig hinzugekauft werden kann. Dies ist insofern für viele eine Option, da die Eigentumsquote in Polen eine der höchsten weltweit ist, weil nach der Wende das Eigentumsrecht für Mietwohnungen an die Bewohner übertragen wurde und alte Menschen insofern heute zwar kaum eine Rente, wohl aber häufig eine Eigentumswohnung haben, die sie verkaufen bzw. gegen ein Zimmer im Seniorenwohnheim tauschen können. Auch beim Personal will Gerold Voss neue Wege zu gehen, indem er polnischen Pflegekräfte als Alternative zu einem schlecht bezahlten Job in Polen und einem nicht ganz so schlecht bezahlten außerhalb der Heimat eine Mischform anbieten möchte. Die Pflegekräfte könnten ihren festen Arbeitsplatz in Poznan haben, allerdings pro Jahr auf drei Monate befristet in einer deutschen Partnereinrichtung eingesetzt werden.

Interessant aus deutscher Sicht war im Übrigen der Umstand, dass polnische Pflegekräfte zu einem größeren Teil ins westliche Ausland abgeworben wurden und die Polen ihrerseits mittlerweile massiv Pflegekräfte aus der Ukraine abwerben. Oder auch der Umstand dass, während man sich in Deutschland darüber aufregt, dass amerikanische Unternehmen wie Starbucks und Amazon in Deutschland zwar hohe Umsätze erzielen, aber nahezu keine Steuern zahlen, in Polen der gleiche Unmut über deutsche Unternehmen herrscht. Die aktuelle PiS-Regierung diskutiert eine umsatzabhängige Supermarktsteuer, die insbesondere auf Aldi und Lidl abzielt.

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Der Non-Profit-Bereich:
Der Non-Profit-Bereich in Polen ist weit weniger etabliert und professionalisiert als in Deutschland. Während in den ca. 700 Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin über 50.000 Hauptamtliche beschäftigt sind, arbeiten in den 200 Mitgliedsorganisationen des Dachverbandes der Nichtregierungsorganisationen WRK laut deren Vorsitzender Justyna Ochedzan nur um die 100 Hauptamtliche. Im Austausch mit Justyna Ochedzan und anschließenden Gesprächen wurde deutlich, wie wichtig zivilgesellschaftliche Organisationen und deren unabhängige Finanzierung für eine Demokratie sind. Gerade im Hinblick auf Non-Profit-Organisationen wurde deutlich, dass die in Deutschland von diesem Sektor übernommenen Aufgaben in Polen entweder in den Familien geleistet werden (z.B. Betreuung von Kindern und Senioren), sie direkt vom Staat geleistet werden, es sie schlicht nicht gibt oder eben nur zu einem ganz kleinen Teil von der Katholischen Kirche oder von Non-Profit-Organisationen übernommen werden.

Außerdem wurde deutlich, wie wichtig die EU und ihre Programme gerade für die Entwicklung einer organisierten Zivilgesellschaft– insbesondere für politische NGOs – sind und welch positiven Einfluss Partnerschaften zwischen deutschen und polnischen NGOs haben. Die sprachlichen Hürden sind zwar mitunter gegeben, allerdings ist das Bildungsniveau der äußerst wettbewerbsorientierten Schulen sehr hoch, sodass man zumindest auf gute Englischkenntnisse setzen kann.

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Auf persönlicher Ebene…
lernten wir polnische Unternehmer*innen, Rechtsanwält*innen, Angestellte im öffentlichen Dienst und Leiter*innen von gemeinnützigen Organisationen bei einem gemütlichen Abendessen kennen und konnten sie zu allen Themen, die uns interessierten, ausfragen. Dieser ganz persönliche Kontakt war ein besonderer Gewinn und hat uns die Menschen im Nachbarland noch einmal auf intensive Weise nahe gebracht.

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Das Thema Politik …
fehlte natürlich auch nicht bei den zahlreichen Gesprächen mit unseren polnischen Gesprächspartner*innen. Die rechtskonservative PiS-Regierung tauscht derzeit auf Basis entsprechender Gesetzesänderungen in massivem Umfang Richter*innen, führende Verwaltungsangestellte, Direktor*innen in den öffentlich-rechtlichen Medien und Führungskräfte in öffentlichen Unternehmen aus. Wir hörten so einiges darüber, wie einschüchternd sich dies auf die freie Meinungsäußerung auswirkt, zu der sich manche Gesprächspartner*innen auch nur hinter vorgehaltener Hand trauten. Ihren Wahlerfolg verdankte die PiS-Partei übrigens insbesondere zwei Wahlversprechen:

– zum einen einem Kindergeld in einer Höhe, die das Durchschnittseinkommen bei drei Kindern um ca. 50% erhöht
– zum anderen, dass alte Menschen ab 75 Jahren kostenlos Medikamente erhalten (die bis jetzt alle Menschen selbst finanzieren mussten, so sie es denn konnten)

Ob sich dies auf Dauer finanzieren lasse, sahen einige skeptisch. Andererseits hat Polen seit Jahren ein stabiles, weit über dem deutschen Level liegendes Wirtschaftswachstum. Und während Deutschland mit einer Staatsverschuldung von 71% im Verhältnis zum BIP die Maastricht-Kriterien von maximal 60% für einen Beitritt in die Euro-Zone heute nicht schaffen würde, liegt Polen mit einer Staatsverschuldung mit 50,3% im Verhältnis zum BIP noch deutlich darunter.

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Fazit:
Wie auch die weitere politische und wirtschaftliche Entwicklung in Polen aussehen mag – wir sehen in der aktuellen politischen Situation nicht einen Grund weniger, sondern einen Grund mehr für einen Austausch zwischen Führungskräften aus Berlin/Brandenburg und Poznan/Wielkopolska.

Momentan sieht es danach aus, dass wir eine solche 2-Tages-Leadership-Exkursion im September 2017 wiederholen werden. Wir möchten aber auch unabhängig von unseren Aktivitäten dazu ermutigen, Poznan zu besuchen und in einen Austausch mit polnischen Führungskräften zu gehen. Es lohnt sich und die Auseinandersetzung mit „dem anderen“ birgt auch immer viele Erkenntnisse für die eigenen Herausforderungen.

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Interessierten an einer unabhängigen 2-Tages-Tour nach Poznan (z.B. als Team-Building-Maßnahme oder als Vorstands-Exkursion) können wir übrigens gerne unseren Reiseleiter und Stadtführer Dieter Krawczynski empfehlen. Wir danken darüber hinaus ganz besonders Barbara Barlog, Geschäftsführerin der Business Sprachschule „be better club“ für die Organisation des Abendessens mit polnischen Führungskräften und Angelika Menze, der Geschäftsführerin des Deutsch-Polnischen Wirtschaftskreises in Poznań für die Unterstützung bei der Gewinnung von Gesprächspartnern.

 

First Monday zum Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten – Aufbau einer „atmenden“ Behörde

Eingetragen am 13.09.2016

13. September 2016 | By |

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Wolf Plesmann

 

Der First Monday im September bot gleich doppelten Einblick darin, wie die gesellschaftliche Herausforderung des hohen Flüchtlingsaufkommens in Berlin angegangen wird.

Zum einen waren wir vor Ort zu Gast in einer Gemeinschaftsunterkunft für besonders schutzbedürftige Geflüchtete, die von der milaa gGmbH betrieben wird. Einrichtungsleiter Sean Corleone, selbst vor einigen Jahren aus dem Irak geflohen, zeigte uns die Unterkunft und beeindruckte die Teilnehmenden unter anderem durch seinen spürbar guten Draht zu den etwa 300 Bewohner*innen. Zu ihnen gehören kranke, vom Krieg versehrte und traumatisierte Menschen, aber auch alleinerziehende und werdende Mütter sowie ca. ein Drittel Kinder. In der Containerunterkunft haben sie einen Schutzraum, der nicht nur einen vergleichsweise hohen Standard aufweist, sondern auch besondere Leistungen wie eine Physiotherapie vor Ort, einen Fitnessraum und einen liebevoll gestalteten Kinderraum bietet. Karsta Dietrich, stellv. Geschäftsführerin der milaa gGmbH, sprach mit den Teilnehmenden außerdem über die nächsten Pläne der Organisation, wozu u.a. die Einbeziehung von Angehörigen in die Pflege gehört, wie es in den Kulturen der Herkunftsländer vieler Geflüchteter üblich ist.

Zum anderen führten wir an diesem Abend ein Gespräch mit Wolf Plesmann, dem Stellvertreter des Beauftragten für die Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge beim Regierenden Bürgermeister von Berlin.

Er leitete gemeinsam mit Claudia Langeheine den Aufbau des neuen Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten, das am 1. August 2016 seinen Betrieb aufgenommen hat. Der Management-Profi, der u.a. viereinhalb Jahre für ISAF und die GIZ in Afghanistan das Friedens- und Reintegrationsprogramm mitaufbaute, sprach über die Strategie beim Aufbau der Strukturen der Behörde und betonte auch noch einmal die enormen Herausforderungen, die die Strukturen des LAGeSo überfordert und zur Entscheidung dafür geführt hatten, dass eine neue Behörde notwendig war: Von 15.000 Flüchtlingen im Jahr 2014 war, vor allem im letzten Drittel des Jahres, 2015 die Anzahl auf 80.000 gestiegen. Eigentlich waren am LAGeSo nur etwa 50-100 Mitarbeiter*innen für die Versorgung der Flüchtlinge zuständig – am Ende befassten sich etwa 1000 Mitarbeiter*innen mit der Aufgabe.

Die neue Behörde muss die Herausforderung der Versorgung von aktuell noch knapp 40.000 Menschen, die in Flüchtlingsunterkünften untergebracht sind, nun mit etwa 570 Mitarbeiter*innen stemmen. Diese gilt es nun so zu schulen und in Strukturen einzubetten, dass ein Grad an Flexibilität erreicht wird, der auf Schübe von neuen Flüchtlingsregistrierungen ebenso reagieren kann wie auf Verschiebungen innerhalb der Leistungsgewährung von erstmaligen zu regelmäßigen Gewährungen. Ein Kern der neuen Strukturen sind außerdem die Regionalteams, die zur Bereitstellung von Unterkünften themenübergreifend zusammenarbeiten.

Bei all dem gilt es natürlich die ehemaligen Mitarbeiter*innen des vielgescholtenen LAGeSo mitzunehmen und für ihre Aufgaben zu motivieren. Herr Plesmann gab hierzu viele Einsichten und scheute auch nicht davor, über Problemlagen und Stolpersteine auf dem Weg zu sprechen. Wir bedanken uns für das erkenntnisreiche und offene Gespräch!

Ebenso gilt unser Dank den Gastgeber*innen der milaa gGmbH: dem Einrichtungsleiter Sean Corleone, der stellv. Geschäftsführerin Karsta Dietrich sowie Geschäftsführerin Jeanne Grabner.

Führungskräfte treffen Neuköllner Schüler – Programmtag „Verantwortung“

Eingetragen am 12.09.2016

12. September 2016 | By |

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Der Programmtag zum Thema „Verantwortung annehmen und abgeben können“ brachte die 36 Teilnehmenden unseres diesjährigen Collaborative Leadership Programms mit Neuköllner Schüler*innen zusammen.

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Schulleiter Roland Hägler beim morgendlichen Begrüßen der Schüler*innen

An der Hermann-von-Helmholtz-Schule erfuhren die Führungskräfte zunächst etwas über die Herausforderungen der Schule im Gespräch mit Schulleiter Roland Hägler, der explizit betont: Es handele sich nicht um eine „Brennpunkt-Schule“, wohl aber hätten viele der Schüler*innen mit erschwerten Startbedingungen zu kämpfen. Ein Großteil hat eine andere Herkunftssprache als Deutsch, bei vielen geht niemand in der Familie einer Erwerbstätigkeit nach, von den Eltern gibt es keine Hilfe bei den Hausaufgaben und viele verlassen kaum je das Viertel. Unterstützung gibt es dafür in der Schule u.a. bei der Berufsorientierung. Die Schule unterhält viele Unternehmenskooperationen zur Vermittlung von Ausbildungsplätzen und hat mit dem von der IHK finanzierten AWO-Projekt „Brückenbauer“ eigens einen Berufscoach an Bord, der beim Übergang Schule – Beruf berät. So gelingt es der Schule, immerhin etwa die Hälfte der Schüler*innen in eine Ausbildung zu vermitteln.

IMG_1292Unterstützung gab es nun auch von unseren Führungskräften, die ins kalte Wasser sprangen und jeweils im Zweier-Team oder einzeln eine Unterrichtseinheit übernahmen und mit Schüler*innen der 9. und 10. Klassen über Berufsorientierung, Eigenverantwortung und -initiative, Motivation und auch ihre eigenen Karrierewege sprachen.

Am Nachmittag wurden weitere Dimensionen des Themas Verantwortung ins Auge gefasst: Bei den Kleingruppen-Gesprächen mit verschiedenen Verantwortungsträgern ging es um gesellschaftliche Verantwortung von öffentlichen und privaten Unternehmen, Verantwortung gegenüber Mitarbeiter*innen, Kund*innen oder Mitgliedsorganisationen und auch um die Frage, wann es sinnvoll ist, Verantwortung abzugeben. Dazu gab es Einblicke von

  • Harald Eisenach, Mitglied des Management Committee Deutschland sowie Vorsitzender der Regionalen Geschäftsleitung Ost der Deutschen Bank AG mit Sitz in Berlin
  • Andreas Scholz-Fleischmann, Vorstandsvorsitzendem der Berliner Bäder-Betriebe und ehrenamtlichem Vorstandsvorsitzendem von Leadership Berlin
  • Dr. Gregor Gysi, MdB und ehemaligem Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen des Landes Berlin und von 2005 bis 2015 Fraktionsvorsitzender der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag
  • Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Landesverbandes Berlin.

Vielen Dank an die GesprächspartnerInnen sowie unsere Gastgeber Schulleiter Roland Hägler und Berufscoach Jens Priesen von der Hermann-von-Helmholtz-Schule, die dieses „Experiental Learning“ ermöglicht haben!

„Das Leben draußen“: Netzwerken für Anerkennung

Eingetragen am 09.09.2016

9. September 2016 | By |

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Udo Marin; Foto: VBKI

 

„Netzwerken funktioniert im Gefängnis besser als draußen. Hier ist das ein existentielles Interesse!“ lautet eine der Botschaften, die die Inhaftierten unserem Gesprächsgast im August, Herrn Udo Marin, mitgaben. Damit war schnell klar: Hier sitzen sich Experten gegenüber.

Udo Marin ist seit 17 Jahren der Geschäftsführer des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller e.V. (VBKI). Der Verein wurde bereits im Jahre 1879 gegründet und versteht sich selbst u.a. als eine Think-Tank-Organisation, die auf den Themenfeldern Politik, Standort Berlin, Bildung und Wissenschaft, Sport und mehr Antworten in Form von Positionspapieren erarbeitet. Darüber hinaus fördert der Verein gemeinnützige Projekte und unterstützt im Rahmen einer Sportförderung Berliner Spitzensportler während und nach ihrer aktiven Zeit.

Netzwerker sind vor allem sozial erfolgreich – sie können Menschen für sich und ihre Ideen gewinnen und kennen immer jemanden, der jemanden kennt. So auch die rheinische Frohnatur Udo Marin – eine ideale Besetzung, um zum Thema Netzwerke/Gemeinschaften seine Erfahrungen mit den Inhaftierten zu teilen.

Die Inhaftierten wiederum berichteten von ihren Strategien und Beweggründen, in der JVA selbstständig Netzwerke zu bilden oder bestehenden Netzwerken beizutreten. Sie gaben Beispiele für verschiedene Initiativen der Inhaftierten aus dem Gefängnisalltag und analysierten die Ursachen von Erfolg und Misserfolg dieser Vorhaben. Dabei kristallisierte sich schnell heraus: Der stärkste Antrieb zur Bildung einer Interessengemeinschaft ist immer noch der Kampf gegen einen gemeinsamen „Feind“.

Geschichten über Feinde hatte Herr Marin nicht zu erzählen, wohl aber über einen weiteren Aspekt der Motivation, Menschen zu helfen und dadurch Netzwerke zu bilden: Die Anerkennung.
Das Gefühl, jemandem geholfen zu haben, dafür Anerkennung zu erfahren und keine direkte Gegenleistung zu fordern, ist für Udo Marin ein wesentlicher persönlicher Antrieb seiner Arbeit im Verein. Gleichzeitig wird dadurch das Vertrauen zwischen den Beteiligten gestärkt – und ohne Vertrauen kann ein Netzwerk nicht von Dauer sein.

Ein Nachtrag zu der Gesprächsrunde erreichte uns drei Tage nach der Veranstaltung: Rosemarie Dorsch-Jäger, die Leiterin der sozialpädagogischen Abteilung der JVA Moabit, leitete uns die Rückmeldung eines Gefangenen weiter: „Der Gruppenanlass „Das Leben draußen“ war wieder sehr toll, unterhaltsam und inspirierend. Der Gast fand großen Anklang…“. Ein Ansporn für uns, uns mit „Das Leben draußen“ weiter zu engagieren!

„Muslime fragen – Politiker antworten“ in der Neuköllner Begegnungsstätte

Eingetragen am 05.09.2016

5. September 2016 | By |

Aeisha Malek und Vorstand Taha Sabri von der NBS

Aeisha Malek und Vorstand Taha Sabri von der NBS

Unter der leitenden Fragestellung „Welche Konzepte haben die Parteien gegen die Ausgrenzung und Abgrenzung von Muslimen in eine Parallelgesellschaft“ haben wir am 2. September eine Veranstaltung in der Neuköllner Begegnungsstätte (Dar-as-Salam-Moschee) mit Unterstützung der Landeszentrale für Politische Bildung mitorganisiert. Vielen Dank nochmals an die Vertreter der Parteien von SPD (Rainer-Michael Lehmann), CDU (Dr. Hikmet Gülmez), Bündnis 90/Die Grünen (Susanna Kahlefeld), Linkspartei (Irmgard Wurdack), Piraten (Alexander Spies) und FDP (Wolfgang Jockusch). Eigentlich hatten wir auch eine Zusage von der AfD (Hanno Bachmann), die allerdings nach einem Vorstandsbeschluss des Landesverbandes der AfD diese Woche zurückgezogen wurde. Moderiert wurde die Veranstaltung von Winfriede Schreiber, ehemaliger Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes, die heute unter anderem Vorstandsvorsitzende unseres Partnervereins „Leadership Brandenburg – Netzwerk Verantwortung e.V.“ ist.

Es war eine lebendige Diskussion, bei der vom Neutralitätsgesetz bzw. der Haltung der Parteien zum Kopftuch über die Frage nach einem Einwanderungsgesetz und einem Staatsvertrag, der muslimischen Gefängnisseelsorge, der Aufführung in Verfassungsschutzberichten, die steuerlicher Absetzbarkeit von Deutschkursen, das Islamforum, die partielle Islamfeindlichkeit in Medien und Gesellschaft bis hin zu der Besetzung des Rundfunkrates die unterschiedlichsten Themen diskutiert wurden. Es wurde deutlich, wie groß das Interesse und die Zahl der Fragen ist und wie sehr ein solches Format Sinn macht.

Vielen Dank an alle Mitwirkenden, an das Vorbereitungsteam der Neuköllner Begegnungsstätte دار السلا und selbstverständlich an unseren Gastgeber Taha Sabri. Hier einige fotografische Eindrücke des Abends:

Veranstaltung am 10. Oktober: „Diversity in Leadership“

Eingetragen am 15.08.2016

15. August 2016 | By |

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„Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.“ und der neu zu gründende Verein „Führungskräfte mit Behinderung“ präsentieren, was sie unter „Leadership“ verstehen, und laden Sie herzlich ein, daran teilzunehmen:

 

Datum: Montag, den 10. Oktober 2016, 19.00 – 21.15 Uhr
Ort: Ludwig-Erhard-Haus, Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI), Goldberger Saal, Fasanenstr. 85, 10623 Berlin

Ablauf:

19.00
Grußwort Udo Marin, Geschäftsführer des VBKI[
Grußwort Dorothee Christiani, Mitglied des Vorstandes von Leadership Berlin
19.15
Diversity in Leadership – Führungskräfte mit Behinderung
Wie können Führungskräfte mit Behinderung einem defizitorientierten Blick auf Behinderung wirksam etwas für Behinderte und Nicht-Behinderte entgegensetzen? Wie ist ihr besonderer Blick auf Leadership und Diversity in Unternehmen, Behörden und Non-Profit-Organisationen?
Podiumsdiskussion von Führungskräften mit Behinderung mit Publikumsbeteiligung
20.00
Pause und Möglichkeit zum Networking
20.30
Diversity in Leadership – Abschluss einer Learning Journey durch die Stadtgesellschaft
36 Berliner Führungskräfte aus den unterschiedlichsten Bereichen absolvierten in diesem Jahr das Collaborative Leadership Programm. Dabei versuchten sie sich u.a. als „Vertretungslehrer*innen“ in einer Neuköllner Sekundarschule und tauschten sich mit der Schulleitung über Autorität, Regeln und Rituale aus. Sie besuchten die Bewohner*innen eines Seniorenheimes und sprachen mit der Heimleitung über Personalknappheit und den Umgang mit den Themen Tod und Sex im Alter. Und sie tauschten sich mit über 40 unterschiedlichen Akteuren der Stadtgesellschaft in offenen und teils kontroversen Diskussionen aus. Wie hat sich Ihr Verständnis von Leadership über die Programmtage hinweg verändert? Welche Impulse bringt das diesjährige Leadership-Programm?

Fazit der Teilnehmenden des Leadership Berlin Jahresprogramms 2016

dazwischen:
ein künstlerischer Überraschungsprogrammpunkt, der auch etwas mit dem Thema Diversity zu tun hat…
21.30
Ende und Möglichkeit zum Networking

Hintergrund:

Wir danken dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller und der IHK Berlin für die Gastfreundschaft und die Unterstützung bei der am Nachmittag des 10. Oktober stattfindenden Gründung einer Bundesvereinigung „Führungskräfte mit Behinderung.“ Die Gründung des Vereins geht aus einem Impuls im Collaborative Leadership Programm 2016 des gemeinnützigen Vereins Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung hervor.

Als Social Impact aus dem Jahresprogramm des vergangenen Jahres 2015 gingen hervor:
a)  Gründung des Begegnungschor e.V., in dem Geflüchtete mit Berliner*innen singen
b)   Gründung des Partnervereins „Leadership Brandenburg – Netzwerk Verantwortung e.V.“
c)  Impuls für die Initiierung des Volksentscheides Fahrrad durch einen Teilnehmer
d)  Initiierung des Podcast STADTGESTALTEN durch einen Teilnehmer

Wir freuen uns auf einen spannenden Abend, bei dem die Ergebnisse aus dem Jahresprogramm 2016 präsentiert und neue Kontakte geknüpft werden. Für das leibliche Wohl ist gesorgt und es wird wie immer auch genügend Zeit zum Networking bestehen.

Eingeladen sind Personen, auf die eines der folgenden drei Kriterien zutrifft:
a) Menschen mit Führungsverantwortung in Beruf oder Ehrenamt
b) Menschen mit Behinderung
c) und natürlich unsere Mitglieder, Vorstände, Beiräte, Gesprächspartner*innen unseres Leadership Jahresprogramms, Mitwirkende in unseren Projekten und deren Partner*innen, Freund*innen, Kolleg*innen, Vorgesetzte oder Mitarbeiter*innen.

Bitte melden Sie sich kurz unter Angabe des für Sie zutreffenden Aspektes an bei Susanne Kappe: susanne.kappe@leadership-berlin.de.

Führungskräfte mit Behinderung, die sich an der Gründung des Vereins „Führungskräfte mit Behinderung“ beteiligen möchten, können sich hier über Details zur Gründungssitzung informieren.