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Aktuelles Archive - Seite 3 von 11 - Leadership Berlin

First Monday im Dezember: Was bedeutet Integration?

Eingetragen am 09.12.2017

9. Dezember 2017 | By |

„Was bedeutet Integration?“ Mit dieser so einfachen wie komplexen Frage an die Gesprächspartner*innen auf dem Podium startete unser First Monday Abend zum Thema „Chancen und Herausforderungen der Zuwanderung – Probleme und Lösungen der Integration“ im Gemeinschaftshaus Morus 14 e.V.. Gastgeber Gilles Duhem, der mit seinem Verein viele Kinder und Jugendliche im Neuköllner Rollbergviertel betreut, schlug darauf prompt die folgenden drei Punkte als „Integrationsanleitung“ vor: Erstens sorge dafür, dass all deine Dokumente ordentlich kopiert in einem Ordner bereitliegen, zweitens erscheine pünktlich zu jedem Termin und drittens lass keinen Müll in deiner Umgebung liegen – dann, so der Franzose Duhem, sei man im „weltoffenen“ Deutschland zu 75% integriert.

Dieser streitbare Beitrag verfehlte nicht die gewünschte Wirkung. Die Diskussion startete mit Schwung und brachte letztendlich das, was diesen Abend besonders spannend machte: einen steten Wechsel zwischen Schilderungen von konkreten Erfahrungen aus nächster Nähe und der Diskussion von übergeordneten, gesamtgesellschaftlichen Fragen. Aus dem direkten Umfeld des „segregierten“ Rollbergviertels berichteten der Gastgeber selbst, die Mittelstufenkoordinatorin sowie Jobcoachin der Zuckmayer Sekundarschule Sabine Drochner und Sigrid Salifu sowie Taha Sabri, der Imam der Dar-as-Salam-Moschee/Neuköllner Begegnungsstätte. Einen statistischen Input zum Thema Zuwanderung brachte darüber hinaus Peter Conrad, u.a. Vorstand im Begegnungschor, dem Verein Perspektiventag und bei Leadership Berlin.

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Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt wurde zunächst als ein wichtiges Thema der Integrationsarbeit diskutiert. Dabei spiele die Familie eine entscheidende Rolle, die den Ausbildungsantritt verhindern könne, wenn die berufliche Perspektive beispielsweise nicht prestigeträchtig genug sei oder auch einfach ein Heimaturlaub dazwischen käme, so eine Schilderung. Als wichtige Faktoren für eine gelungene Integration wurden insbesondere Sprache und Bildung genannt – Aspekte, die angesichts des Umstandes, dass 36 Prozent der 2015 angekommenen Geflüchteten keinen Schulabschluss haben, vor allem große Anstrengungen und Geduld abverlangten.

Neben den Expert*innen aus der beruflichen Praxis brachten einige Diskussionsteilnehmer, die selbst eine Zuwanderungs- oder Fluchtgeschichte haben, ihre Perspektiven mit ein. So fragte ein Arzt, der vor über 10 Jahren aus Palästina nach Deutschland kam und inzwischen seine eigene Praxis leitet, wann er denn eigentlich endlich als integriert gelte. Andere, die erst innerhalb der letzten drei Jahre nach Deutschland gekommen sind, brachten das Problem auf, dass qualifizierte Geflüchtete teilweise jahrelang in Warteschleifen festgehalten würden, bevor sie endlich arbeiten dürften.

Auf der allgemeineren Ebene wurde dann erörtert, inwieweit bereits der Begriff „Integration“ eigentlich diskriminierend sei – impliziere er ja, dass etwas eingefügt oder angepasst werden müsse und widerspreche damit dem Diversity-Gedanken einer vielfältigen Gesellschaft.

Neben Integration diskutierte die Gruppe auch das Phänomen der Segregation, die sich in Berlin beispielsweise daran ablesen lässt, dass es einerseits über 70 öffentliche Schulen gibt, die einen Schüleranteil nicht-deutscher Herkunftssprache von über 75 Prozent haben (bei der Zuckmayer-Schule sind es sogar 97%) und andererseits viele Schulen ohne Schüler*innen mit Migrationshintergrund. Dazu gab es sowohl die Meinung, dass segregierte Wohngegenden hinderlich für Integration seien, da die Bewohner*innen ohne deutsche Sprache auskommen und sich in solchen Gegenden – wie im Beispiel Rollbergviertel – ein hoher Arbeitslosenanteil und Bildungsferne verdichten können. Andererseits vertraten einige Diskussionsteilnehmende auch die Auffassung, dass die Konzentration türkisch- und arabischstämmiger Bevölkerung in einigen Stadtbezirken unter Wahrung kultureller Elemente aus den Herkunftsländern genauso als Selbstverständnis und Bereicherung in Deutschland akzeptiert werden sollte wie dies auch in den USA bei Minderheiten (Stichwort „Chinatown“)  der Fall ist.

„Wie viel Zuwanderung braucht Deutschland?“ lautete eine andere Frage, die kontrovers diskutiert wurde. Mit 400.000 Menschen pro Jahr beziffere das Statistische Bundesamt den Bedarf an Zuwanderung, damit das Rentensystem in Zukunft weiter funktionsfähig bleibe, war das Argument eines Gesprächsteilnehmers. Andere verwiesen auf die aktuellen Probleme bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt und meldeten Zweifel an, ob eine größere Anzahl für den Arbeitsmarkt verkraftbar sei. Als weiterer Punkt wurde diskutiert, inwieweit es egoistisch sei, wenn die westlichen Industrieländer „Rosinenpickerei“  betreiben und ausschließlich Zuwanderung von Hochqualifizierten zulassen.

Die Frage „Was ist Integration?“ wurde an diesem Abend zwar nicht abschließend geklärt, aber sie wurde in jedem Fall von verschiedensten Seiten beleuchtet und drängende Herausforderungen identifiziert. Wir danken allen Teilnehmenden und insbesondere den Expert*innen für die vielfältigen erhellenden Beiträge und hoffen, dass sich für viele im Gespräch neue Blickwinkel auf das Themenfeld Integration aufgetan haben.

Vertretungsstunde: „Muss ich studieren, um Rapper zu werden?“

Eingetragen am 30.11.2017

30. November 2017 | By |

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Dies war eine Frage, die Klaus Wilhelm Baumeister als „Vertretungslehrer“ am 3. November nicht eindeutig beantworten konnte. Viele andere schon: Was ist eigentlich Jura, mit welchen Fällen hat er als Rechtsanwalt zu tun gehabt und wie ist es in der Gerichtsmedizin?

Einmal im Monat ist „Vertretungsstunde“ in der Neuköllner Zuckmayer-Schule. Hier ist eine Führungskraft aus unserem Netzwerk zu Gast, um den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in verschiedene Berufe zu geben.

Die Karriere des Juristen verlief nicht wie aus dem Lehrbuch. Als Fünfzehnjähriger schloss er die Hauptschule ab und absolvierte zunächst eine Ausbildung als Rechtsanwalts- und Notargehilfe. „Doch irgendwann fragt man sich, ob man nicht auch noch etwas anderes machen möchte, weiterkommen möchte“ erzählte er den Schülerinnen und Schülern. Er versuchte es mit dem zweiten Bildungsweg auf einem Gymnasium, mit 22 Jahren hielt er sein Abiturzeugnis in der Hand und begann daraufhin Jura zu studieren. Er arbeitete einige Jahre als Rechtsanwalt und in den Rechtsabteilungen des WDR und des rbb. Heute ist er Geschäftsführer der rbb Media GmbH, die für die Vermarktung von Werbezeiten und andere wirtschaftliche Dienstleistungen zuständige Tochter des rbb.

Er betont, dass es für ihn sehr hilfreich war, erst einmal die „Kostprobe“ eines Berufes gehabt zu haben, um ihn gut einschätzen zu können. Das Jura-Studium ist breit gefächert und bietet Einblicke in ganz unterschiedliche Bereiche und Fragen. Zu seinem Gebiet des Medienrechts gehört z. B. auch die Diskussion, ob Fotos von Verstorbenen gezeigt werden können. Hier führte er das Beispiel von Uwe Barschel an, der nach seinem Tod auf der Titelseite des Stern abgebildet wurde, und erläuterte das „Recht am eigenen Bild“.

Den Schülerinnen und Schülern ist ein Beruf mit guten Verdienstmöglichkeiten wichtig. Doch nur wenige Schulabgänger beenden eine Ausbildung. Das liegt nicht nur an ihren Noten. Oft fehlt es auch an Beispielen aus ihrem Alltag, der sich meist ausschließlich in Neukölln abspielt. Der Besuch der Führungskräfte des Leadership-Programms ist eine Gelegenheit, über den Tellerrand des Kiezes zu blicken. Hier erfahren sie mehr über vielfältige Berufe und Lebensläufe, die nicht immer gradlinig sind. Schließlich haben die wenigsten Führungskräfte von Beginn an die Tätigkeit, die sie heute ausüben. So wie Klaus Wilhelm Baumeister, der klar sagt: „Das Leben macht manchmal Umwege. Aber Hartz 4 ist keine Karriere.“

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First Monday zum Thema Image des Jugendamts

Eingetragen am 23.11.2017

23. November 2017 | By |

Iris Hölling – Leiterin des Jugendamtes Treptow-Köpenick

„Die nehmen einem die Kinder weg!“: Schon in der ersten Runde, in der die Teilnehmenden unserer First Monday Veranstaltung im November ihr Bild vom Jugendamt beschreiben sollten, fiel dieser Satz, der auch in der Sicht der Bevölkerung verbreitet scheint. Die Inobhutnahme – für den Fall, dass die Familie den Schutz des Kindes nicht gewährleisten kann, macht jedoch nur einen sehr kleinen Teil der Aufgaben des Jugendamts aus.

Der First Monday galt einem Anliegen von Iris Hölling, Leiterin des Jugendamts Treptow-Köpenick, das Bild des Jugendamtes in der Öffentlichkeit zu verändern. Die Teilnehmenden – aus anderen Jugendämtern, Freien Trägern oder fachfremden Bereichen der Wirtschaft – wurden mit verschiedenen Fragestellungen aufgefordert, Ideen zu entwickeln, um die positiven, unterstützenden Aspekte der Arbeit des Jugendamts in den Fokus zu rücken.

Letztlich kam viel Input, der zu einem differenzierteren Bild in der Öffentlichkeit helfen könnte, zusammen: Von Vorschlägen zu Werbekampagnen, über verstärkte Social-Media-Aktivität und Erfolgsgeschichten von Jugendlichen, die selbst das Jugendamt um Hilfe gebeten hatten, bis zu Aktivitäten, wie einem Tag der offenen Tür oder Aufklärungsabenden in bestimmten Institutionen, z.B. Moscheen und Schulen.

Wir sind gespannt, welche der vielen Ideen umgesetzt werden, und wünschen Iris Hölling dafür viel Erfolg!

Abschlussabend unserer Leadership-Programme

Eingetragen am 18.10.2017

18. Oktober 2017 | By |

Am 9. Oktober fand unsere diesjährige Abschlussveranstaltung bei unserem Mitglied, dem Evangelischen Diakonieverein Zehlendorf, statt. Anlass zu feiern gab es gleich doppelt: Nicht nur die Teilnehmenden unseres Collaborative Leadership Jahresprogramm beendeten an diesem Tag ihre Learning Journey durch die Stadtgesellschaft. Auch die Berliner Führungskräfte und geflüchteten Menschen mit Führungspotential, die im Kurzprogramm „Leadership in Dialogue“ zusammengekommen waren, teilten ihre Eindrücke und Impact Stories mit den Gästen.

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Etwa 120 Führungskräfte und Freund*innen von Leadership Berlin erlebten einen facettenreichen Abend. Neben den Einblicken ins Programm gab es Integration live zu Hören und Sehen: Der Begegnungschor, der aus unserem Jahresprogramm 2015 hervorgegangen ist und in dem Berliner*innen gemeinsam mit Geflüchteten singen, gab einige deutsche und arabische Lieder aus seinem Repertoire zum Besten und lud dabei die Gäste ein, miteinzustimmen.

Daran knüpfte Petra Merkel, Präsidentin des Internationalen Bundes und des Chorverbandes Berlin sowie Mitgründerin des Begegnungschors, in einem Impulsvortrag an. Ausgehend von der Atmosphäre im Jahr 2015, als Rekordzahlen von Geflüchteten in Berlin ankamen, beschrieb sie, wie inzwischen Integration von verschiedensten Akteuren gestaltet wurde und wie sich Integration im Beispiel des Begegnungschors manifestiert.

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Die Teilnehmenden von Leadership in Dialogue gaben ihre ganz persönlichen Statements, was für sie Integration bedeutet und was sie aus dem Programm mitgenommen haben. Ganz konkret sind zwei interkulturelle Projekte entstanden: Nawid Arafat und Yahya Mirzayev präsentierten das Projekt „Besuchsdienst im Altenpflegewohnheim“. Einmal monatlich treffen sich Geflüchtete im Pflegewohnheim „Am Plänterwald“ und besuchen die Bewohner*innen. Die einen freuen sich über die Gesellschaft und die anderen können dabei etwas über das Leben in Deutschland lernen und ihr Deutsch üben.

Francis Adams und Sabine Schreiber stellten das Projekt „Interkulturelle Konfliktlotsen“ vor, an dem außerdem noch Roland Hägler, ehemaliger Schulleiter einer Sekundarschule in Neukölln, und Hasan Molki, Dozent an der Beuth-Hochschule, beteiligt sind. In interkulturell aufgestellten Tandems soll bei Konflikten vermittelt werden, wenn Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen aufeinandertreffen. Dabei sollen die kulturelle Expertise und das Engagement für ein gutes Zusammenleben dazu beitragen, dass Vorurteile abgebaut werden.

Die Teilnehmenden des Collaborative Leadership Programms gaben Einblick in die acht Programmtage und Gespräche mit unterschiedlichsten Gesprächspartner*innen. Als beeindruckende Persönlichkeit in Sachen Leadership wurde dabei beispielsweise Schulleiterin Frau Fischler von der Hermann-von-Helmholtz-Schule genannt. Das große Engagement und die Begeisterung, mit der Frau Fischler sich dafür einsetzt, ihren Schüler*innen eine gute Grundlage für ein Berufsleben zu geben, steckten an: Einige Teilnehmende des Programms engagieren sich inzwischen ehrenamtlich im Förderverein der Schule und konnten damit dessen Auflösung verhindern.

Ein weiteres Social Impact ergab sich für die Non-Profit-Organisation SOLWODI. Der Verein arbeitet mit Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind, und hilft ihnen dabei, sich ein neues Leben aufzubauen. Die Teilnehmenden zeigten sich vom Schicksal der Frauen ebenso berührt wie von der herzenswarmen Betreuung durch die Mitarbeiterinnen von SOLWODI. So wurde ein Zimmer zur kurzfristigen Unterbringung von akut gefährdeten Frauen organisiert und die Verteilung von Informationsmaterial in den Ausländerbehörden veranlasst.

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Neben diesen Beispielen berichteten die Teilnehmenden auch von persönlichen Entwicklungen. Das eine oder andere Engagement befindet sich noch im Gärungsprozess und nimmt vielleicht in den nächsten Wochen Gestalt an. Wir sind begeistert, wie viele Veränderungen auch in diesem Jahr durch das Programm angestoßen wurden und freuen uns schon auf den Start des nächsten Programms im März 2018. Allen Teilnehmenden wünschen wir, dass Ihnen der Leadership-Spirit auch über das Programm hinaus erhalten bleibt und allen, die diesen Spirit kennenlernen wollen, legen wir unser Anmeldeformular fürs nächste Jahr ans Herz.

Wir danken allen Gesprächspartner*innen und Gastgeber*innen, die zum Erfolg des Programms beigetragen haben. Für Leadership in Dialogue bedanken wir uns bei den Sponsoren und Förderern, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin, der Stiftung Pfefferwerk und der GASAG, ohne die das Programm nicht hätte durchgeführt werden können.

 

 

 

Leadership in Dialogue: zu Gast im Öffentlichen Sektor

Eingetragen am 22.09.2017

22. September 2017 | By |

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Der zweite Programmtag unserer „Leadership in Dialogue“ Lernreise stand im Zeichen des öffentlichen Sektors. Zu Gast war die Gruppe aus Führungspersönlichkeiten mit und ohne Fluchtgeschichte bei den Berliner Bäder-Betrieben in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark, der größten Schwimmhalle Europas.

Wie die Größe der Schwimmhalle bereits erahnen lässt, war auch die Führung durchs Bad beeindruckend. Die Gruppe durfte live eine (simulierte) Wasserrettung miterleben und Badleiter Martin Jähne erklärte, wie die Filteranlagen fürs Wasser funktionieren. Auch ein Blick in den einzigartigen Übungsraum fürs Trockenspringen, wo schon die Kleinsten für zukünftige Turmspringerfolge trainieren, durfte nicht fehlen.

Inhaltlich diskutierten die Teilnehmenden mit den Gesprächspartner*innen über die interkulturellen Aspekte der Arbeit im öffentlichen Dienst. Im Austausch mit den Gastgebern der Berliner Bäder-Betriebe, Badleiter Martin Jähne, Badmanager Mario Jungkuhn und dem Vorstandsvorsitzenden Andreas Scholz-Fleischmann, kamen einige kulturelle Unterschiede zur Sprache. Dazu gehört zum Beispiel, das Problem, dass einige Badegäste die Wasserhöhe danach einschätzen, ob der Boden sichtbar ist – wie sie es aus dem Baden in Flüssen in ihrer Heimat kennen. Dass das Wasser in deutschen Schwimmbädern sehr tief sein kann, obwohl dank der Wasserqualität der Boden sichtbar ist, kann für Verwirrung sorgen und Rettungen notwendig machen.

Außerdem erwies es sich für die Bäder-Betriebe schwierig, Auszubildende aus dem Kreis der Geflüchteten zu finden, die sowohl ausreichend Deutsch sprechen als auch schwimmen können. Obwohl der Wille da ist, sich kulturell breit aufzustellen, beginnen nun nur drei Geflüchtete die Ausbildung bei den Bäder-Betrieben.

Auch in der Justiz sind interkulturelle Kompetenzen gefragt. Werner Gräßle, Präsident des Amtsgerichts Lichtenberg, erklärte, dass bei Entscheidungen im Zivilrecht kulturelle Hintergründe durchaus eine Rolle spielen können. Dabei kann es beispielsweise um die Frage gehen, ob eine im Ausland geschlossene Ehe in Deutschland anerkannt wird, wenn es sich um eine Zweitehe handelt.

Schließlich gab es noch die Gelegenheit, sich mit einem Kriminalbeamten auszutauschen. Steffen Claussen, Dezernent bei der Polizei in Berlin, erklärte, wie interkulturell die Zusammensetzung der Berliner Polizei mittlerweile ist und die Teilnehmenden diskutierten mit ihm einen Fall, in dem ein deutscher Mieter immer wieder die Polizei rief, weil er fand, dass seine syrische Nachbarin zu später Stunde zu laut telefoniere.

In allen Gesprächen schwang die große Frage mit, was Integration eigentlich bedeutet und wie wir alle dazu beitragen können, dass sie gelingt. Dass dabei auch diejenigen, von denen Integration stets gefordert wird, mit in die Diskussion einbezogen sind, ist die Besonderheit von „Leadership in Dialogue“. Wir sind der Überzeugung, dass wir, indem wir uns kennenlernen und austauschen, dem abstrakten Begriff „Integration“ in der Praxis schon ein ganzes Stück näher kommen.

Herzlichen Dank an die Berliner Bäder-Betriebe für die Gastfreundschaft, an alle Beteiligten für ihr Engagement und an die Förderer des Programms „Leadership in Dialogue“: die Stiftung Pfefferwerk, den Paritätischen LV Berlin und die GASAG.

 

 

 

 

Verantwortung annehmen und abgeben können

Eingetragen am 21.09.2017

21. September 2017 | By |

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Die Teilnehmenden des Collaborative Leadership Programms 2017 widmeten sich im September dem Thema „Verantwortung annehmen und abgeben können“. Beim Programmtag in der Hermann-von-Helmholtz-Schule in der Gropiusstadt forderten wir sie dabei zunächst ganz praktisch heraus.

Als „Vertretungslehrer*innen“ übernahmen sie in 2er-Teams oder alleine eine Unterrichtseinheit in Schulklassen der 9. und 10. Jahrgangsstufe der Integrierten Sekundarschule. Ziel dabei war es, den Jugendlichen eine Perspektive auf die Berufswelt aus der Praxis einer Führungskraft zu geben: dass es sich lohnt, Verantwortung für die eigene Zukunft zu übernehmen; dass Disziplin und Zuverlässigkeit notwendig sind, um beim Arbeitgeber nicht durchzufallen; und dass bei der Wahl eines Ausbildungsweges eine realistische Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen hilft.

Schulleiterin Kerstin Fischler und „Bückenbauer“ Jens Priesen, der den Schüler*innen beim Übergang in die Ausbildung hilft, berichteten, dass viele der Jugendlichen an der Schule erschwerte Ausgangsbedingungen haben. Bei 68,4% ist die Herkunftssprache nicht Deutsch und 55% kommen aus Familien, die von Hartz IV leben. Familiäre Unterstützung beim Lernen und Planen der beruflichen Zukunft fehlt vielen. Deshalb nimmt die Schule es klar als ihren Auftrag an, nicht nur Fachunterricht zu machen und Wissen zu vermitteln, sondern auch einen Erziehungsauftrag wahrzunehmen und soziale Kompetenzen zu vermitteln.

Für uns ist dieses Engagement ein starkes Vorbild, Verantwortung auch über den eigenen Bereich hinaus zu übernehmen – wie sie die Führungskräfte mit ihrem Einsatz an der Schule auch zeigten. Einige engagieren sich sogar über den konkreten Programmtag hinaus weiter an der Schule.

Zu Gesprächen über die verschiedenen Facetten von Verantwortung ging es am Nachmittag hinaus in die Stadt. Die Verantwortungsträger teilten ihre Sicht auf die Verantwortung,die sie jeweils für die Gesellschaft, für Mitarbeiter*innen und schließlich auch für Fehler übernehmen. Nicht zuletzt diskutierten die Führungskräfte auch darüber, woher die Motivation kommt, große Verantwortung zu übernehmen und wie es gelingt, Verantwortung abzugeben.

Wir danken allen Gesprächspartner*innen sowie den Beteiligten der Hermann-von-Helmholtz-Schule, dass wir zu Gast sein durften!

 

 

Leadership in Dialogue in der Privatwirtschaft

Eingetragen am 13.09.2017

13. September 2017 | By |

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Leadership in Dialogue schafft Dialog auf Führungsebene mit Geflüchteten

In den letzten Jahren sind über eine Million geflüchteter Menschen nach Deutschland gekommen. Die Integration dieser Gruppe in unsere Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. „Wir schaffen das“ nur, wenn öffentliche Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft dafür gemeinsam mit Geflüchteten Verantwortung übernehmen.

In diesem Ansinnen organisieren wir in einem vier Tage umfassenden Leadership-Programm den größtenteils tandembasierten Dialog zwischen Menschen mit Fluchtgeschichte, die in Berlin gesellschaftlich Verantwortung übernehmen, mit etablierten Berliner Führungskräften. Den ersten Tag widmeten wir einem besseren Verständnis von Wirtschaft und den hier geltenden Rahmenbedingungen, Möglichkeiten und Herausforderungen.

Zu Gast waren wir hierzu bei der Stromnetz Berlin GmbH mit Gesprächen mit unserem Mitglied Andreas Haupt, Leiter HR & Managementsysteme und seinen Kolleginnen Melanie Müller und Grit Streese. Des weiteren standen für Kleingruppengespräche Meike Al-Habash, Bereichsleiterin Ausbildungsberatung bei der IHK Berlin und Shadi Mousa, selbständiger HNO-Arzt zur Verfügung.

Deutlich war bei allen Gesprächen einerseits die Sinnhaftigkeit und hohe Qualität der deutschen Ausbildungs- und Bildungsabschlüsse und die Erwartungshaltung von Unternehmen, dass Zugewanderte unabhängig von bereits vorhandenen Vorkenntnissen oder in Herkunftsländern vorhandenen Qualifikationen hier zunächst einmal die Sprache lernen und deutsche Bildungsabschlüsse erwerben. Auf der anderen Seite stand bei Geflüchteten die Ernüchterung und Enttäuschung, dass der deutsche Arbeitsmarkt so formalisiert ist und es im übertragenen Sinne, „nicht darauf ankommt, ob man Auto fahren kann, sondern dass man einen Führerschein hat.“

Vielen der Geflüchteten war allerdings nicht bewusst, wie gut die Berufschancen in vielen Ausbildungsberufen mittlerweile sind. Eine Information, die sie gerne weitergeben wollen. Und umgekehrt wurde deutlich, wie vieler Anstrengungen und wohlplatzierter Informationsangebote es auf Seiten der Unternehmen bedarf, um Geflüchtete in die Unternehmen zu integrieren und dass hier noch deutlich mehr getan werden könnte und sollte.

Der erste Tag wurde von allen Beteiligten als sehr bereichernd empfunden und wir freuen uns auf den folgenden Programmtag, bei dem wir uns dem öffentlichen Bereich und seinen Möglichkeiten und Herausforderungen widmen. Vielen Dank die Stromnetz Berlin, alle engagierten Beteiligten und an die Förderer des Programms „Leadership in Dialogue“: die Stiftung Pfefferwerk, den Paritätischen LV Berlin und die GASAG.

Programmtag „Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln“

Eingetragen am 17.07.2017

17. Juli 2017 | By |

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Den Programmtag zum Thema „Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln“ verbrachten wir mit den Teilnehmenden des Jahresprogramms 2017 bei der Seniorentstiftung Prenzlauer Berg im Altenpflegewohnheim.

Im Fokus des Programmtags steht ein zentrales Motiv unseres Vereins: gesellschaftliche Missstände und Herausforderungen kennenzulernen und zu überlegen, wie man selbst jenseits formaler Zuständigkeit Verantwortung übernehmen kann. Diesen „Mut zum Handeln“, auch in Kooperationen über die Sektorengrenzen des privatwirtschaftlichen, öffentlichen und Non-Profit-Bereichs hinweg, möchten wir mit den Erfahrungen, die wir an diesem Tag den Teilnehmenden ermöglichen, fördern.

Dabei ist es unser Prinzip, dass wir nicht nur mit denjenigen sprechen, die versuchen, gesellschaftliche Probleme zu lösen, sondern auch mit denjenigen, die direkt betroffen sind. Bevor sich die Teilnehmenden mit der Leitungsebene der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg austauschten, durften sie daher vorab die Bewohnerinnen und Bewohnern selbst besuchen und über das Leben im Alter sprechen.

Mit Geschäftsführer Christian Schüler, Einrichtungsleiter Frank Wernecke, Pflegedienstleiterin Anet Raatz und Ehrenamtskoordinator Markus Mudrick fand im Anschluss ein Austausch über die Herausforderungen in der Altenpflege statt. Die größten Schwierigkeiten macht hierbei immer noch der Mangel an Pflegefachkräften und auch an Pflegekräften insgesamt. Insbesondere auch der Wegfall des Zivildienstes hat hier eine Lücke gerissen, die sich durch den Bundesfreiwillligendienst nicht schließen lässt.

Vor großen Herausforderungen stehen auch die Gesprächspartner*innen der Kleingruppengespräche am Nachmittag, die Menschen vertreten und unterstützen, die am Rande der Gesellschaft stehen bzw. keine große Lobby haben. Der Bundesfamilienverband bemüht sich, die Rechte von Familien voranzubringen, während SOLWODI Berlin Frauen unterstützt, die von Menschenhandel und Zwangsprostitution betroffen sind. Gangway e.V. kümmert sich u.a. um osteuropäische Obdachlose, die auf der Straße leben und als EU-Ausländer keine Ansprüche auf Sozialleistungen haben. Und das Whistleblower-Netzwerk setzt sich dafür ein, Whistleblower in ihren Rechten zu stärken, die gesellschaftlich relevante Missstände in Unternehmen, Vereinen und Behörden aufdecken und dafür persönlich Nachteile erleiden.

Wir danken allen Beteiligten für die Gelegenheit zum offenen Austausch und dem Gastgeber der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg für die Gastfreundschaft!

Programmtag: Spielräume der Macht

Eingetragen am 11.07.2017

11. Juli 2017 | By |

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Der Programmtag im Juni stand für die Teilnehmenden unseres Jahresprogramms unter dem Thema „Spielräume der Macht ausschöpfen und Strategien entwickeln“.

Wie sich dies im konkreten Berufskontext in den unterschiedlichen Bereichen widerspiegelt, darüber tauschten sich die 36 Teilnehmenden unseres diesjährigen Leadership-Jahresprogramms zunächst einmal untereinander aus. Und so diskutierten sie über Mut, Motivation, Authentizität,  Kommunikation, Lust am Handeln, das richtige Maß zu finden und die Bedeutsamkeit von Flexibilität und Kontakten. Und welche Rolle Wissen, Erfahrung, Glück und Zufall für beruflichen Erfolg spielen können.

Daran anknüpfend begrüßten wir dann gegen Mittag einen Gesprächspartner – dieses Mal von Bündnis 90/Die Grünen -, der durch viele Ups und Downs hindurch eine langjährige Karriere im Bundestag und im Non-Profit-Bereich zurückblickt und mit dem wir diskutieren konnten, welche Spielregeln aus seiner Sicht im politischen Geschäft gelten: Volker Beck, religions- und migrationspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, den er nach 23 Jahren im September verlassen wird, da er von seinem Landesverband keinen Listenplatz mehr bekommen hat.

Volker Beck bot ein beeindruckendes Beispiel von Resilienz (angesichts vergangener Krisen) und Authentizität und Zielorientierung, an der er auch Erfolg definierte: Erfolg macht sich für ihn nicht an der persönlichen Karriere bzw. in seinem Fall dem Verbleib im Deutschen Bundestag fest, sondern am Erreichen von inhaltlichen Zielen, was in seinem Fall das Engagement für Israel und gegen Antisemitismus und der Kampf für die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen sind. Um so beindruckender war es für die Teilnehmenden zu erleben, wie er seine Zielorientierung zwei Tage später auf dem Parteitag der Grünen in die Tat umsetzte und gegen den Parteivorstand die Homo-Ehe als Koalitionsbedingung durchbrachte. Er brachte damit auch bei FDP, SPD und CDU den Stein ins Rollen bis hin zur Beschlussfassung des Bundestages zur rechtlichen Gleichstellung der Homo-Ehe knappe zwei Wochen später. Da sage man nicht, dass ein einzelner Abgeordneter einer Nichtregierungspartei nichts bewirken könnte…

Wie sich Handlungsspielräume in anderen Bereichen erschließen oder verschließen, darüber tauschten sich die Teilnehmenden im Anschluss bei vier Vor-Ort-Besuchen am Nachmittag aus. Aus Unternehmersicht gab Marianne Voigt, Gründerin und ehemals Geschäftsführerin von Immobilien-Scout24, heute Gründerin und Geschäftsführerin von bettermarks, das Zusammenspiel von Chancen und Risiken, Erfolgen und Misserfolgen. Aus dem Non-Profit-Sektor teilte Heinrich Strößenreuther, Mit-Initiator des Volksbegehrens Fahrrad und Geschäftsführer der Agentur für Clevere Städte, seine Erfahrungen, wie es ihm gelang, das Thema fahrradgerechter Ausbau der Stadt in die Medien und auf die Tagesordnung der Politik zu bringen. Wie sich im politischen Wechselspiel Interessen vertreten und Spielräume ausloten lassen, welche Sichtweise er auf die Unterscheidung von „gutem und schlechtem Lobbying“ hat, darüber sprach Christian Wößner, der Geschäftsführer des Deutschen Atomforums e.V. (DAtF). Und für den öffentlichen Bereich gab es einen Austausch mit Jens-Holger Kirchner, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Verkehr, Umwelt und Klimaschutz, über seine Strategien zur Verwirklichung politischer Ziele – auch unter der Gefahr, Widerstände zu provozieren, wie z.B. bei dem von ihm initiieren Ferienwohnungsverbot und der auf seine Veranlassung vor einigen Jahren veröffentlichten „Ekelrestaurantliste“.

Besonderer Dank geht an unser Mitglied und Teilnehmer unseres Jahresprogramms 2012, Dr. Matthias Kribben, der als Einstieg mit den Teilnehmenden ganz praktisch die Erfolgsfaktoren bei Spielen wie Poker und Schach diskutierte, anhand derer dann umso leichter die Erfolgsfaktoren und Spielregeln in anderen Bereichen (wie z.B. im Bundestag)  analysiert werden konnten. Dr. Matthias Kribben ist leidenschaftlicher Schachspieler und Vize-Weltmeister im Fernschach.

Wir danken allen beteiligten Gesprächspartner*innen für die offenen Gespräche und freuen und auf den nächsten Programmtag, bei dem wir diejenigen Menschen in den Fokus nehmen, die über wenig Macht verfügen und keine starke Lobby haben. Hierzu lautet das Motto: „Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln“.

 

Sommer, Sonne, Netzwerken – unser Sommerfest 2017

Eingetragen am 05.07.2017

5. Juli 2017 | By |

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Dem „Netzwerk“ in unserem Namen machten wir am 3. Juli alle Ehre, als wir zu unserem Sommerfest aufs Tempelhofer Feld luden und sich über hundert Berliner Führungskräfte und Freunde zum Wiedersehen, Kennenlernen und Austauschen trafen.

Nach vier Tagen Regenwetter sorgte zum einen die Sonne für gute Laune, zum anderen auch unser Mitglied Paul Kustermann, Gründer der „Rote Nasen – Clowns in Krankenhäusern“, der als „Dieter“ mit Hasenzähnen für Stimmung am Grill und an der Spendenbüchse sorgte. Passend zum Anlass übernahmen auch unsere Vorstandsmitglieder Verantwortung hinter dem Grill und versorgten alle Hungrigen mit Grillwurst und -käse. Daneben durfte selbstverständlich der Blick über den Tellerrand nicht fehlen:

Unser ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender Andreas Scholz-Fleischmann, hauptamtlich Vorstandsvorsitzender der Berliner Bäder-Betriebe, plauderte aus dem Nähkästchen zum Thema „Wie wird man eigentlich Vorstandsvorsitzender?“ und an drei Thementischen konnte man anschließend noch einen tiefere Einblick in drei ganz unterschiedliche Leadership-Bereiche nehmen:

Der Internet- Unternehmer Arndt Kwiatkowski, einstiger Mitgründer von Immobilienscout24 und heute beim Online-Nachhilfeportal bettermarks, teilte seine Erfahrungen darüber, nach welchen Regeln Start-Ups funktionieren und erfolgreich sind oder scheitern. Einblicke, wie eine Verfassungsschutzbehörde arbeitet und welche Herausforderungen sich in der Leitung stellen, gab Winfriede Schreiber. Sie ist Vorstandsvorsitzende von Leadership Brandenburg und Mitwirkende unseres Beirats. In Ihrem beruflichen Werdegang war sie u.a. Präsidentin des Verwaltungsgerichtes Cottbus, Polizeipräsidentin für Ost-Brandenburg und zuletzt Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes. Schließlich konnte man bei Sonja Müseler, Vorstandsmitglied bei Leadership Berlin und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Telefonseelsorge, erfahren, wie eine Telefonseelsorge arbeitet und wie ein professioneller Umgang mit persönlichen Krisen aussieht.

Vielen Dank an alle Gäste, Spender*innen und fleißige Helfer*innen für ein gelungenes Fest!