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Aktuelles Archive - Seite 8 von 11 - Leadership Berlin

Neues von unserem Projekt „Das Leben draußen“: Diskussion mit Inhaftierten der JVA Moabit über Ausgrenzung

Eingetragen am 19.04.2016

19. April 2016 | By |

„Richter, Polizisten, Vorstandsvorsitzende – alle hatten wir schon da. Aber dass die Inhaftierten nach 90 Minuten unserem Gast applaudieren, das hatte vor Patricia Carl noch niemand geschafft. Die Vorstandsvorsitzende im Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien (BKMF) e.V. hatte von der ersten Minute an die Teilnehmer der Gesprächsrunde in der JVA Moabit auf ihrer Seite, denn dem gewinnenden Lächeln und dem sympathischen Selbstbewusstsein der 1,22 m großen Frau kann sich niemand entziehen.
 

Patricia Carl, Vorstandsvorsitzende im Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien (BKMF) © Anna Spindelndreier für BKMF e.V.

Wir hatten Frau Carl gebeten, zum Thema „Ausgrenzung“ ihre eigenen ganz persönlichen Erfahrungen aus dem Alltag und der Verbandsarbeit wiederzugeben – und das tat sie dann auch. Angefangen von ihrem allerersten Schultag, der gleichzeitig auch ihre erste bewusste schmerzliche Wahrnehmung der eigenen Situation darstellte, bis hin zu den täglichen, meist gedankenlosen Äußerungen und Handlungen der Mitmenschen gegenüber Kleinwüchsigen.
 
 
In der anschließenden Diskussion drehten sich die Gesprächsthemen insbesondere um die Fragestellungen: Wie funktioniert Ausgrenzung und wer bestimmt darüber? Wann ist man kein Durchschnitt mehr? Wie entsteht Ausgrenzung in den Köpfen der Menschen? Der persönliche Umgang mit Ängsten, die Bereitschaft zur Toleranz und eine gesunde Neugier wurden dabei u.a. als kritische Erfolgsfaktoren identifiziert. Erkenntnisse aus einem Gespräch, an welches sich die Inhaftierten bei ihrer Rückkehr in ihren Alltag noch öfters erinnern werden …“

First Monday zum Thema Trans*Identität

Eingetragen am 07.04.2016

7. April 2016 | By |

Die einzige Krankheit, die beim Amtsgericht geheilt wird

Intensive, tiefgründige Gespräche führten unsere Teilnehmenden am letzten First Monday mit unseren Gesprächspartner*innen Justine, Esther, Mio, Ben, Sammy, Adrian und Lena – und waren besonders beeindruckt von der sozialen Kompetenz und Offenheit des Gesprächs. Denn die Gesprächspartner*innen haben in ihrem beruflichen und privaten Leben eine Herausforderung gemeistert, die sie nachhaltig definiert und immer prägen wird. Anders als Menschen die nie ihr Geschlecht in Frage stellen mussten, sind sie aus ihrer Perspektive bei der Geburt geschlechtlich falsch zugewiesen worden. Ihnen ist gemeinsam, dass sie erst im Laufe ihres Lebens zu ihrem wahrem Geschlecht gefunden haben und für medizinischen Angleichungen und gesellschaftliche Anerkennung kämpfen mussten: Sie sind trans* Menschen. Trans* steht dabei als Sammelbegriff für Transgender, transidente, transsexuelle, genderqueere und nicht-binär-identifizierte Menschen.

Man könnte meinen, wir lebten in einer Gesellschaft, die so aufgeschlossen und tolerant ist wie noch nie und dass Unterschiede, was Rollenerwartungen oder bestimmte Kleidungsstile angeht, weitgehend aufgehoben seien. Dass dies jedoch keinesfalls selbstverständlich ist – davon kann Justine ein Lied singen. In der Nachkriegszeit, als Menschen noch aufgrund ihrer Homosexualität ins Gefängnis kamen, wäre es unmöglich gewesen,  ihr schon immer empfundenes „Frau-Sein“ zu leben. Für das Umfeld wurde sie „als Mann gelesen“ und als solcher hat sie dann auch eine Frau geheiratet, ist Vater geworden und hat den gesellschaftlichen Erwartungen so weit wie möglich entsprochen. Dabei handelte es sich allerdings immer um eine „Kunstfigur“, so Justine, weil sie anderen ständig etwas vorspielen musste und nicht natürlich und authentisch sein konnte.

Ihr Outing als Frau im Alter von 65 Jahren kam einem Befreiungsschlag gleich. Endlich konnte sie so leben, wie sie sich immer gefühlt hat. Dass der Prozess der Geschlechtsangleichung (Transition) erst relativ spät im Leben erfolgt, ist keine Seltenheit. Das gesellschaftliche Tabu und die Befürchtung, schief angeschaut zu werden oder das fehlende Bewusstsein, dass es noch andere gibt, denen es genauso geht, tragen dazu bei, dass relativ viele trans* Menschen sich erst spät für eine Transition entscheiden. „Hast Du aber Mut!“, gehört zu den wenigen positiven Rückmeldungen, die sie daraufhin bekommen. Dabei ist diese Zuschreibung gar nicht passend, so Sammy, die mit 45 den Schritt zum Outing als Frau unternahm. „Es ist ein Schicksal, dass wir uns nicht ausgesucht haben. Vor dem Coming Out muss man täglich viel Energie aufwenden, sich zu verstellen und immer im Hinterkopf haben, wem man was wo erzählt hat. Mit dem öffentlichen Rollenwechsel löst sich diese Spannung und man kann endlich man selbst sein.“

So einfach wie in Argentinien, Malta und in vier weiteren europäischen Ländern, wo trans* Menschen mit einem einfachen Gang zu den Behörden eine Geschlechtsangleichung und die entsprechende Namensänderung beantragen können, ist das in Deutschland bis heute nicht. Hierzulande benötigen trans* Menschen zunächst einmal zwei psychiatrische Gutachten, die bestätigen müssen, dass sie sich wirklich „dem anderen Geschlecht angehörig fühlen“ sowie eine 18-monatige Therapie, damit die Krankenkassen medizinische Behandlungen bewilligen.

„Was macht für Sie das Mann-Sein oder Frau-Sein – unabhängig von physischen Merkmalen – aus?“, so lautet eine beispielhafte Frage im Gutachter-Gespräch,  der sich unsere teilnehmenden Führungskräfte im Rollenspiel stellten. Dadurch wurde begreifbar, wie demütigend und von Willkür geprägt solche Gutachten sind. Darf eine Frau ein Faible für Technik haben und z.B. gerne am Motorrad herumschrauben? Selbstverständlich, würde wohl jeder sagen. Äußert sich allerdings eine trans* Person, die  sich ein Leben lang als Frau gefühlt hat derartig im psychologischen Gespräch, sieht die Bewertung möglicherweise schon anders aus.

Das Beispiel zeigt eindrücklich, wie viel Handlungsbedarf noch besteht, um die gesellschaftliche Diskriminierung von trans* Menschen zu beseitigen. Man stelle sich nur einmal vor, Schwule und Lesben müssten sich einer psychiatrischen Begutachtung und Therapie stellen, bevor sie offen als homosexuell leben dürften. Genauso absurd wie diese Vorstellung werden uns vermutlich in einigen Jahrzehnten der heutige Umgang und die bestehenden Hürden für trans* Menschen vorkommen. „In den Augen von Medizin und Behörden sind wir „krank“ und unsere „Krankheit“ wird unter der Diagnose F 64.0 im ICD aufgeführt“, so Justine. „Immerhin ist es die einzige Krankheit, die beim Amtsgericht geheilt werden kann“ fügt sie schmunzelnd hinzu. Denn mit der behördlich bescheinigten „rechtlichen Geschlechtsangleichung“ ist der Umstand, sich im falschen Geschlecht zu fühlen, ja weggefallen.

Lobby-Arbeit zum Abbau von gesetzlichen Hürden und Stärkung der gesellschaftlichen Akzeptanz sowie Normalität im Umgang mit trans* Menschen ist allen Betroffenen daher ein wichtiges Anliegen. Dennoch treten nur wenige trans* Personen in der Öffentlichkeit für ihr Thema und eine Verbesserung der Situation ein. Trans* Menschen haben sich häufig über Jahrzehnte nichts sehnlicher gewünscht, als endlich entsprechend ihrem schon immer gefühlten Geschlecht zu leben und „gelesen“ zu werden, da ist es verständlich, dass die allermeisten nach der Transition einfach nur als Mann oder Frau betrachtet und behandelt werden wollen und nicht auf ihr „trans* Sein“ begrenzt werden wollen. Gründe liegen auch in Mobbing und Diskriminierung, die viele trans* Menschen schon lange ertragen mussten und denen sie aus dem Weg gehen wollen. Trans* Frauen (Frauen, die bei der Geburt dem männlichen Geschlecht zugewiesen wurden) sind übrigens weltweit die Gruppe mit dem höchsten Risiko, ermordet zu werden.

„In der Öffentlichkeit werden mitunter Personen wie die österreichische Grand-Prix-Sängerin „Conchita Wurst“ mit Transidentität oder Transsexualität in Verbindung gebracht“, so Sammy. „Auf die Idee, Frauenkleidung und einen Bart zu tragen, käme allerdings niemand von uns. Die meisten von uns wollen gar nicht auffallen, sondern auch von außen ganz eindeutig dem Geschlecht zugeordnet werden, als das wir uns fühlen.“ Für trans* Menschen ist es häufig das soziale Umfeld, das den Prozess der Transition zu einem Problem macht. Als besonders problematisch empfinden trans* Menschen dabei, wie häufig Menschen die Hürden von Anstand und Privatsphäre missachten und z.B. danach gefragt wird, ob man „umoperiert“  sei. „Kein normaler Mensch käme auf die Idee, andere nach der Beschaffenheit seiner/ihrer Geschlechtsorgane oder auch nach der Farbe der Unterwäsche zu fragen – bei uns hingegen gehört diese Frage neben der Frage nach dem früheren Namen zum Standardprogramm“, berichtet Mio.

Die Fähigkeit, mit solchen Fragen umzugehen, ist eine der charakterlichen Stärken, die trans* Menschen auszeichnen. Dazu gehört auch das Talent, die Welt sowohl aus weiblicher wie auch aus männlicher Sicht zu sehen und für beide Sichtweisen Verständnis zu haben. Oder auch, nicht so schnell Vorurteilen gegenüber anderen Menschen zu verfallen, da man in der eigenen Wahrnehmung alles schon einmal hinterfragt und für sich neu und bewusst definiert hat. Alle diese  Fähigkeiten, die in einem mitunter schwierigen und von biografischen Brüchen geprägten Prozess erworbenen wurden, können trans* Menschen gewinnbringend in ihr Arbeitsumfeld einbringen.

Dass diese Eigenschaften nicht nur Wunschdenken sondern Realität sind, davon erlebten unsere teilnehmenden Führungskräfte überzeugende Beispiele. Umso bedauerlicher ist es, dass viele trans* Menschen aus Angst vor Mobbing und fehlender Akzeptanz während des Prozesses der Transition die Arbeitsstelle aufgeben. Viele fallen auch aufgrund ihrer mitunter nicht geradlinigen Biografie oder einer Auswahl aufgrund von Bewerbungsfotos „durchs Raster“.

Dass es sich lohnt und wichtig ist, daran etwas zu ändern, davon überzeugten uns Justine, Esther, Ben, Mio, Sammy, Adrian und Lena. Daher werden wir auch zukünftig einen Austausch mit trans* Menschen in unser Leadership-Jahresprogramm aufnehmen und versuchen, trans* Menschen als „Botschafter*innen“ für mehr Fachwissen, weniger Berührungsängste und verstärkte Akzeptanz beim Thema Transidentität mit Personalabteilungen in Unternehmen, Behörden und Non-Profit-Organisationen in Kontakt zu bringen.

Wir freuen uns über Rückmeldung von Personaler*innen, die Interesse haben und bereit sind, sich anhand eines Nachmittagstermins mit zwei bis drei trans* Menschen selbst ein Bild von den Herausforderungen in diesem Thema zu machen.

Bedanken möchten wir uns bei unseren Gesprächspartner*innen sowie bei Vera Fritz, Berater*in im Sonntags-Club und Mitinitiator*in des Projektes „Trans*Job Mentoring“, einem gemeinsamen Projekt von Transinterqueer  e.V. und Sonntags-Club e.V., die dieses Treffen organisiert hat und als Ansprechpartnerin für Unternehmen und Interessierte gerne zur Verfügung steht.

Kontakt:

Vera Fritz
Sonntags-Club e.V.
Greifenhagener Str. 28
10437 Berlin
Tel +49 30 4497590
Vera.Fritz@sonntags-club.de

 

Weitere Infos:

www.sonntags-club.de
http://www.transinterqueer.org/download/Publikationen/TrIQ-ABC_web%282%29.pdf
https://www.berlin.de/lb/ads/schwerpunkte/lsbti/materialien/transgeschlechtlichkeit /

 

 

 

 

 

Leadership Jahresprogramm 2016 startet seine Learning Journey durch die Stadtgesellschaft

Eingetragen am 18.03.2016

18. März 2016 | By |

Am 10./11. März startete unser nunmehr viertes Leadership Jahresprogramm mit einer zweitägigen Auftaktveranstaltung im Ringhotel Schorfheide. Die Gruppe besteht wie immer aus 36 Führungskräften, von denen jeweils zwölf aus Wirtschaft, öffentlichem und Non-Profit-Bereich kommen und die die unterschiedlichsten Themen repräsentieren.

Von einer Direktorin der Deutschen Bank bis zum Leiter des Sozialdienstes einer JVA,
von der Referatsleiterin für Feuerwehr und Katastrophenschutz aus der Senatsverwaltung des Inneren bis zum Abteilungsleiter für Kirchenrecht und Personal der Evangelischen Landeskirche,
von einer ehemaligen Bordellbetreiberin bis zum Präsident der Islamischen Föderation –
es ist wieder einmal eine sehr spannende wie diverse Gruppe geworden!
(siehe hier die Gesamtzusammensetzung)

An acht Programmtagen zwischen März und Oktober wird sich die Gruppe in offenen Gesprächen an den unterschiedlichsten Orten der Stadtgesellschaft mit der gesellschaftlichen Dimension von Führungsverantwortung beschäftigen. Die Teilnehmenden werden

  • Führungspersönlichkeiten treffen wie z.B. Gregor Gysi oder Harald Eisenach (Vorsitzender der Regionalen Geschäftsleitung Ost der Deutschen Bank AG),
  • Aufgaben bewältigen wie z.B. der Einsatz als Vertretungslehrer*innen in einer Neuköllner Schule oder Straßen-Interviews mit Menschen mit Migrationshintergrund durchzuführen
  • sich mit Herausforderungen von Menschen befassen, die nicht über eine starke Lobby verfügen wie z.B. Menschen mit Trans*Identität oder auch dem Whistleblower-Netzwerk.

Die Teilnehmenden unseres letzten Leadership Jahresprogramms im Jahr 2015 waren so begeistert von dem Programm und es hatte sich eine so positive Gruppendynamik entfaltet, dass sich vier Projekte aus dem Programm entwickelten und 29 der 36 Teilnehmenden sich im Anschluss entschlossen, Mitglied bei Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V. zu werden.

Wir dürfen gespannt sein, ob die Resonanz in diesem Jahr ähnlich positiv sein wird.
Nach der Auftakveranstaltung besteht gute Hoffnung hierzu!

First Monday zu Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie

Eingetragen am 13.03.2016

13. März 2016 | By |

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Thema unseres First Monday am 1. Februar waren Bürgerbeteiligung und Demokratie als Herausforderungen für Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Zu Gast waren wir bei der IFOK GmbH, die Dialogprozesse für Regierungen, Ministerien und Unternehmen moderiert, wenn große Veränderungen anstehen – wie z.B. bei großen Infrastrukturprojekten. Es war äußerst spannend zu hören, wie es den Kommunikations-Profis von IFOK gelingt, unterschiedlichste Akteure (wie z.B. Landesregierungen, Hafen- oder Flughafenbetreiber, Umweltverbände und Bürgerinitiativen) an einen Tisch zu bekommen und einen Rahmen zu schaffen, in dem gemeinsam Kompromisse gefunden werden.

Hierbei stellt sich häufig die Herausforderung, das „Beteiligungs-Paradoxon“ zu überwinden. Denn die Bürger*innen und andere Stakeholder*innen erfahren meist erst dann von folgeschweren Vorhaben, wenn die Beschlüsse bei den Verantwortlichen längst gefasst und Verträge unterschrieben sind – ein Paradebeispiel hierfür ist Stuttgart 21. Clever ist es daher, zu Beginn in Dialog zu investieren, die Betroffenen möglichst früh zu informieren und in den Prozess einzubeziehen. So lässt sich vermeiden, dass am Ende der Protest eskaliert und das Projekt scheitert oder die Kosten explodieren.

Kontrovers diskutiert wurden die Fragen nach mehr direkter Demokratie und danach, ob der Beschluss zur temporären Bebauuung eines Teil des Tempelhofer Feldes vor dem Hintergrund des Volksentscheids zu befürworten oder abzulehnen sei. Anhand der vielstimmigen Diskussion wurde schnell begreifbar, mit welch unterschiedlichen Positionen und Interessen IFOK bei der Moderation konfrontiert wird und wie schwierig es ist, derartige Prozesse zu einem Ergebnis zu führen, in dem sich alle wiederfinden.

Vielen Dank an unsere Gastgeber Christian Klasen und Janina Henning für die spannenden Einblicke!

Leadership Berlin hat einen neuen Vorstand!

Eingetragen am 12.03.2016

12. März 2016 | By |

Alle zwei Jahre wird entsprechend unserer Satzung ein neuer Vorstand gewählt. Dies geschah auf unserer ordentlichen Mitgliederversammlung, mit der wir am 28. Januar bei Vattenfall zu Gast sein durften. 12 Kandidat*innen stellten sich zur Wahl für die 9 Plätze und wir freuen uns, nun nach der konstituierenden Vorstandssitzung auch die neuen Positionen bekannt geben zu können:

Neuer und alter Vorstandsvorsitzender unseres Vereins ist Andreas Scholz-Fleischmann, zwischenzeitlich außerdem auch designierter neuer Vorrstandsvorsitzender der Berliner Bäderbetriebe, wozu wir ihm herzlich gratulieren!

Schatzmeister war und bleibt Peter Conrad und neue Schriftführerin ist Katja Anders, die genauso wie Sonja Müseler und Christine Dorn auch bereits in den letzten beiden Jahren dem Vorstand angehörte.

Neu hinzugekommen sind: Dorothee Christiani, Sabine Beikler, Mio Lindner und Crispin Hartmann.

Wir danken ganz ausdrücklich den ausgeschiedenen Vorständen der letzten beiden Jahre Petra Göbel, Kenan Yilmaz, Michael Walter und Daniel Worat und freuen uns, dass alle uns weiterhin eng verbunden bleiben.

Weitere Infos dazu

 

 

Rückschau: First Monday zum Volksentscheid Fahrrad

Eingetragen am 05.01.2016

5. Januar 2016 | By |

„Wie kann die Initiative Volksentscheid Fahrrad in Berlin erfolgreich einen Richtungswechsel in der Verkehrspolitik herbeiführen?“ Darüber diskutierten bei unserem First Monday am 4. Januar 20 Teilnehmende unseres First Monday. Eingeladen zu dem Thema hatte Heinrich Strößenreuther, der zusammen mit Peter Feldkamp, Kerstin Stark, Philipp Bastian und anderen Initiator*innen bis 2017 einen Volksentscheid zur Verbesserung der Verkehrswege und -sicherheit für Radfahrer auf den Weg bringen will.

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Ganz im Sinne unseres Mottos „begegne dem anderen“ war die Teilnehmergruppe bunt gemischt – von überzeugten Autofahrern, die die zehn Forderungen der Volksentscheidler eher als radikal und autofahrerfeindlich empfanden, bis hin zu routinierten Radfahrern, die täglich den Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad pendeln. Äußerst bereichernd erwiesen sich auch die unterschiedlichsten Fachkompetenzen der Teilnehmenden, unter denen Führungskräfte von Siemens und Lufthansa,  der Präsident eines Amtsgerichtes, eine ehemalige Polizeipräsidentin, die Initiatorin eines bereits erfolgreichen Volksentscheides, die Gründerin der bundesweiten Tafelbewegung, Journalist*innen sowie Personen, die Erfahrungen aus anderen Ländern einbringen konnten, vertreten waren.

Für einen Teil der Diskussion wurde die Gruppe dann geteilt, um die Initiatoren sowohl vom kritischen Feedback als auch von strategischen Überlegungen profitieren zu lassen. Die eine Gruppe tauschte sich über ihre Bedenken aus und brachte konstruktiv Kritik daran ein, was an dem Forderungskatalog anders aussehen müsste, damit sie zustimmen könnten. Die andere Gruppe von klaren Befürwortern widmete sich der Fragestellung, welche Strategien und Kooperationspartner das Vorhaben weiterbringen könnten.

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Unter der Vielzahl von Erkenntnissen, die der Austausch hervorbrachte, sind insbesondere die folgenden bemerkenswert:

– Es gibt eine Gruppe von überzeugten Radfahrern, die dem Volksentscheid in jedem Fall zustimmen werden, und eine Gruppe von überzeugten Autofahrern, die den Volksentscheid in jedem Fall ablehnen werden. Entscheidend für den Erfolg werden insbesondere die Bevölkerungsgruppen sein, die sowohl das Auto als auch das Rad nutzen bzw. auch als Fußgänger und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Diese gilt es bei dem Vorhaben mit ins Boot zu holen und ihnen aufzuzeigen, dass es um konstruktive Vorschläge für ein besseres Miteinander im Verkehr geht, und nicht darum, eine Fortbewegungsart zu verteufeln.

– Es bestand Einigkeit, dass es im täglichen Straßenverkehr immer mehr Konflikte zwischen Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern gibt. Der Volksentscheid sollte vermitteln, dass die angestrebten Ziele zu einer Entschärfung der Konflikte führen und nicht nur zu einer Disziplinierung von Autofahrern, sondern auch von Radfahrern beitragen.

– Die Bürger sollten mit Zahlen und Vergleichen informiert werden, um die Ziele des Volksentscheides in Relation setzen zu können. Hierzu können zum einen Vergleiche zu anderen europäischen Hauptstädten oder deutschen Großstädten beitragen. Zum anderen sollten die bei einer Umsetzung des Volksentscheides anfallenden Kosten ins Verhältnis gesetzt werden. Dass diese sich nach derzeitigen Schätzungen der Initiatoren in demselben Bereich bewegen wie der Ausbau von nur einem Kilometer Autobahn der A100, empfanden viele als sehr anschaulich und hilfreich in der Kommunikation.

– Das Thema „Kinder im Straßenverkehr“ wurde von vielen gerade auch unter dem Sicherheitsaspekt als wichtiges Element zukünftiger Kommunikation betrachtet. Wenn der Volksentscheid den Sicherheitsgewinn für radfahrende Kinder im Straßenverkehr überzeugend vermitteln kann, lassen sich hiermit auch Eltern und Großeltern gut überzeugen.

Es war ein spannender Abend mit konstruktiven Diskussionen und wir dürfen gespannt sein, wie es mit dem Volksentscheid weitergeht. Leadership Berlin ist qua Satzung politisch neutral und bleibt das auch im Hinblick auf den Volksentscheid Fahrrad. Wir freuen uns allerdings, dass Heinrich Strößenreuther sagt, dass er ohne die Teilnahme an unserem Leadership Jahresprogramm 2015 nicht auf die Idee gekommen wäre, einen Volksentscheid zu initiieren. Aufgrund dieses Zusammenhangs werden wir auch zukünftig gerne über das Projekt berichten.

Die zehn Ziele des Entscheids und weitere Infos zum Volksentscheid finden Sie unter www.volksentscheid-fahrrad.de . Unser besonderer Dank geht an Gilles Duhem als Gastgeber der Diskussionsveranstaltung im Gemeinschaftshaus Morus 14.

Einen Rückblick auf den Abend bietet auch folgender Artikel in der TAZ vom 06. Januar 2016.

Innenansichten einer Flüchtlings-Notunterkunft

Eingetragen am 18.12.2015

18. Dezember 2015 | By |

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First Monday zu den Herausforderungen der Flüchtlingshilfe beim ASB Berlin

Was unsere Führungskräfte am First Monday in der ASB-Notunterkunft im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf zu sehen bekamen, beeindruckte viele. Sie erlebten eine gut organisierte Flüchtlingsunterkunft, die bei der Versorgung der knapp 1000 Bewohner*innen viel Unterstützung von Ehrenamtlichen bekommt, deren Einbindung in vielerlei Hinsicht vorbildlich funktioniert.

Philipp Bertram, einer der beiden Leiter der Unterkunft, führte uns durch die Räumlichkeiten, die trotz des offiziellen Status einer Notunterkunft längst nicht nur Essen und Schlafplätze für die Bewohner bereit halten. Mithilfe von Spenden und ehrenamtlichen Engagement wurde ein Ärztetrakt mit Hebammenstation, Sortierstationen für die kistenweisen Kleiderspenden, Schulräume für Deutschkurse und Spielzimmer eingerichtet. Etwa 200 Ehrenamtliche helfen täglich in der Unterkunft mit und sorgen für vielfältige Angebote im Haus. Auch für andere Unterkünfte, die teilweise anderen Trägern unterstehen und nicht so gut ausgestattet sind, wird Unterstützung, beispielsweise durch die Nutzung der Hebammenstation geboten.

Auch die Bewohner selbst packen mit an. Die sechs Friseure im Haus können ihren Mitbewohnern in einem Frisiersalon Haarschnitte anbieten und dank einer Kooperation mit einem externen Salon kann bald auch die Ausbildung zum Friseur bereits direkt in der Unterkunft beginnen. Selbst BewohnerInnen, die nicht lesen oder schreiben können, können sich in der Wäscherei, in der täglich zwölf Waschmaschinen für die Reinigung der Wäsche des gesamten Hauses sorgen, einbringen.

In der anschließenden Gesprächsrunde mit Frau Dr. Jutta Kleber, Geschäftsführerin des ASB Landesverbands Berlin, waren dementsprechend die meisten positiv überrascht und vertraten die Meinung, dass Deutschland weiterhin so viele Flüchtlinge wie bisher aufnehmen sollte. Dass die Regierung größere Anstrengungen unternehmen müsse und sich nicht auf das ehrenamtliche Engagement der Freiwilligen verlassen könne, forderten viele. Philipp Bertram bestätigte aus der Sicht der Unterkunftsleitung, dass mit einem so anhaltend hohem Engagement wie bislang nicht gerechnet werden könne und auch die Spendenfreudigkeit sinke.

Kontrovers diskutiert wurde, wie der Zusammenhalt der Gesellschaft angesichts von Wahlergebnissen wie zuletzt dem Erfolg des FN in Frankreich gelingen kann. Persönliche Begegnungen als Schlüssel für gegenseitiges Verständnis wurden ebenso angesprochen wie die Notwendigkeit einer Dialogkultur, die das Aussprechen von Ängsten zulässt, um einen Rechtsruck zu verhindern. Liberale Freiheitsrechte, die in den letzten Jahrzehnten in Deutschland beispielsweise von der Frauenbewegung erkämpft wurden, müssten von der gesamten Gesellschaft getragen werden, von Migrant*innen ebenso wie von denjenigen, die gegen diese wettern.

Einzelprogrammtag an der Zuckmayer-Schule in Neukölln

Eingetragen am 09.12.2015

9. Dezember 2015 | By |

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Migration – Wie kann Teilhabe an Arbeitsmarkt und Zivilgesellschaft gelingen?

Unter dieser leitenden Fragestellung kamen am 3. Dezember etwa 20 Führungskräfte in der Zuckmayer-Schule im Rollberg-Viertel in Nord-Neukölln zusammen, um aktiv in die Herausforderungen der Schule einzutauchen und so Erkenntnisse über aktuell drängende Fragen der Integration zu gewinnen. Der Anteil von Schüler*innen nicht-deutscher Herkunftssprache liegt bei 97% und 83% der Schüler*innen wachsen mit Hartz-IV auf.

Erfahrungslernen bei Leadership Berlin bedeutet, sich hautnah an aktuellen Problemen zu reiben und konkrete  Führungsverantwortung auch außerhalb der eigenen Komfortzone zu übernehmen. Deshalb hatten die teilnehmenden Führungskräfte am Vormittag nach kurzer Vorbereitung einen Einsatz als Vertretungslehrer*innen bei den 9. und 10. Klassen, um mit ihnen über die Schwierigkeiten im Übergang von der Schule in Ausbildung zu sprechen. In der Rückschau waren sich die meisten einig: Sie konnten den Jugendlichen einiges an Motivation, realistischen Einschätzungsvermögen und beruflicher Perspektive mitgeben!

Am Nachmittag wurde in kleinen Gesprächsrunden mit Akteuren, die sich tagtäglich mit den Schwierigkeiten der Vermittlung von Schulabgängern in die Ausbildung beschäftigen, diskutiert. Dabei zeigte sich, dass es eine wachsende Schere zwischen sinkenden schulischen Anforderungen beim Schulabschluss und steigenden Anforderungen von Ausbildungsbetrieben im Hinblick auf eine Ausbildungsfähigkeit von jungen Menschen gibt. Als Hauptursache wurde insbesondere die soziale Herkunft und Bildungsferne der Eltern identifiziert, die die Schüler*innen ohne Vorstellung von einem geregelten Arbeitsleben lassen. Klar wurde allerdings auch, dass die Ursachen wie auch Verbesserungsmöglichkeiten sich nicht im Elternhaus oder der Schule alleine finden lassen, sondern dass viele Bereiche der Gesellschaft hier mehr Verantwortung übernehmen könnten und sollten.

Wir freuen uns, wenn wir dazu zusammen mit den Teilnehmenden des Leadership-Programmtages einen kleinen Anteil beitragen können:
• 8 Teilnehmende sind bereit, einen Praktikumsplatz anzubieten
• 6 Teilnehmende sind bereit, einen Ausbildungsplatz anzubieten
• 7 Teilnehmende sind bereit, eine Schülergruppe an ihrem Arbeitsplatz zu empfangen
• 5 Teilnehmende sind bereit, als Gast an der Schule am WAT-Unterricht teilzunehmen
• 8 Teilnehmende sind bereit, an der Schule an einem Bewerbungs-Rollenspiel teilzunehmen

Wir danken der Zuckmayer-Schule und insbesondere Schulleiter Herr Eckhardt, der stellvertretenden Schuleiterin Frau Hottinger sowie der Mittelstufenkoordinatorin Frau Drochner für die Gastfreundschaft und die Mitwirkung an diesem Programmtag.

Christine Dorn als Gast bei „Das Leben draußen“ in der JVA Moabit

Eingetragen am 08.12.2015

8. Dezember 2015 | By |

Am letzten Montag im November trafen sich wieder Inhaftierte der JVA Moabit zur Gesprächsrunde „Das Leben draußen“

Diesmaliger Gast, Christine Dorn, beantwortete zum Thema „Gemeinschaft / Netzwerke“ u.a. folgende Fragen: „Wie stark ist der Einzelne im Vergleich zur Gemeinschaft? Welche Durchsetzungskraft können Netzwerke haben?“

Foto_Christine_DornChristine Dorn ist Initiatorin des Volksbegehrens für ein landesplanerisches Nachtflugverbot am Flughafen BER, seit März 2015 Vorsitzende des Bürgervereins Berlin-Brandenburg e.V. und Mitglied des Vorstands bei Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V..

Sehr plastisch und mit vielen Anschauungsmaterialien ausgestattet berichtete Christine Dorn vom steinigen Weg des Volksbegehrens:

Vom Sammeln der Unterschriften auf der Straße, an S-Bahnhöfen, in Parks und bei Festen: Eine Bananenkiste mit einem umgedrehten Kuchenblech auf dem Fahrradgepäckträger erwies sich als effektives und mobiles „Unterschriftensammelbüro“. Sie berichtete von vorbildlicher bürgerfreundlicher Zusammenarbeit mit dem Büro der Landeswahlleiterin, von engstirnigen bürgerunfreundlichen Senatsmitarbeitern an anderer Stelle oder auch Beamten als Informanten, die das Durchsetzen von Bürgerrechten ermöglichten. Vom Feilschen um jeden Schallschutz-Cent und den Interessenkonflikten der Behörden in ihren verschiedenen Rollen einerseits als Anteilseigner des Flughafens und andererseits als Genehmigungsbehörde, die dem Flughafen zum Schutz der Anwohner Grenzen setzen muss.

Für ein solch schwieriges Unterfangen, wie ein Volksbegehren unzweifelhaft ist, braucht es permanente Motivation, Standhaftigkeit und Durchsetzungsvermögen. Das erkannten alle Inhaftierten wertschätzend an. Es wurde interessiert nachgefragt und eine lebendige Diskussion zu Möglichkeiten von Bürgerbeteiligungen geführt.

Organisiert und moderiert wird das Gesprächsformat Das Leben draußen mit seinen monatlichen Gesprächsrunden zwischen Führungskräften und Inhaftierten von Crispin Hartmann und Dieter Geuß, die die Idee hierzu aus ihrer Teilnahme am Leadership-Jahresprogramm 2013 entwickelt haben. Angebote bezüglich Themen und Gesprächspartnern nimmt Crispin Hartmann unter crispin.hartmann@t-online.de gerne entgegen.

IMG_5286Dieter Geuß und Crispin Hartmann auf der thematischen Mitgliederversammlung von Leadership Berlin im Sommer 2015

„Stadtgestalten“ – der Podcast von Leadership Berlin

Eingetragen am 17.11.2015

17. November 2015 | By |

Der Podcast ‚Stadtgestalten‘ ist eine Gesprächsreihe mit Führungskräften aus der Wirtschaft, dem öffentlichen Bereich und aus Non-Profit-Organisationen

Thema heute: Herausforderungen und Best-Practice im Kontext Schule

Die Hermann-von-Helmholtz-Schule in der Neuköllner Gropiusstadt ist eine Nicht-Brennpunkt-Schule in einem Brennpunktbezirk. Darauf ist der Schulleiter Roland Hägler sehr stolz, wie er in der zweiten Folge des Leadership Berlin-Podcasts „Stadtgestalten“ zu berichten weiß. So wurden in den letzten 10 bis 15 Jahren Strukturen errichtet, die es gelingen lassen, dass etwa 50% der Absolventinnen und Absolventen Ausbildungsplätze erhalten oder in die gymnasiale Oberstufe wechseln. Dies ist eine überdurchschnittlich hohe Quote für Schulen mit einem ähnlich großen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit nicht-deutscher Herkunftssprache. Das Engagement trägt mittlerweile Früchte, so dass die Schule bereits mehrfach prämiert worden ist. Über den Weg der Schule, Regeln und Leitplanken für Kinder und Wünsche für die Zukunft spricht Herr Hägler mit David Scribane in der zweiten Folge „Stadtgestalten“: http://stadtgestalten-podcast.de/sg002

David Scribane ist Leiter des IT-Service der BSR und nahm als solcher an unserem Leadership Jahresprogramm 2015 teil. Seit Oktober stellt er im monatlichen Turnus jeweils eine Person der Berliner Stadtgesellschaft vor, die mit David Scribane über ihren Arbeitsbereich und die damit verbundenen Herausforderungen mit gesellschaftlichem Bezug spricht.

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