Image Image Image Image Image Image Image Image Image

First Monday

Zukunftsplanung beim First Monday: Führungskräfte mit Behinderung

Eingetragen am 06.04.2017

6. April 2017 | By |

IMG_5782

Zum First Monday im April kamen wir mit Vertretern aus dem Vorstand des Vereins „Führungskräfte mit Behinderung“ zusammen. Der Verein ging aus Ideen und Aktivitäten des Jahresprogramms 2016 hervor und gründete sich parallel zu unserem Abschlusstag im Oktober. Mit Dr. Peter Sdorra, Richter am Kammergericht in Berlin und Vorstandsvorsitzender von „Führungskräfte mit Behinderung“, sowie seinem Vorstands-Kollegen Christian Habl, der selbstständiger Unternehmer und gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des Netzwerks zur beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung ist, sprachen wir über aktuelle Herausforderungen und die Zukunftsplanung des Vereins.

Der Verein ist bundesweit aufgesetzt und hat momentan 14 Mitglieder. In den letzten Monaten wurden die Weichen gestellt sowie die rechtlichen und vereinsorganisatorischen Grundlagen geregelt, damit der Verein nun durchstarten kann. Ein Logo ist inzwischen auch gefunden – momentan steht gerade die Erstellung einer Website ganz oben auf der Agenda, um Menschen für die Vision und Mission des Vereins zu erreichen.

Mit der „Action Learning“-Methode formulierten die Teilnehmenden Fragen, die das Team von „Führungskräfte mit Behinderung“ anregen sollen, in unterschiedliche Richtungen zu denken und bislang übersehene „Baustellen“ auszuloten. In Kleingruppen wurde dann noch einmal konkret darüber nachgedacht, wo der Verein in 5 Jahren stehen könnte und welche Meilensteine auf dem Weg erreicht werden können.

Anzupacken gibt es Vieles, um Menschen mit Behinderung zu stärken und ihnen zu mehr Sichtbarkeit gerade in Vorständen und Unternehmen zu verhelfen. Vor der großen Öffentlichkeitskampagne ist aber sicherlich der erste Schritt, sich intern zu fokussieren und gut aufzustellen. Wir sind gespannt, was wir als nächstes vom Verein hören werden!

 

 

Fusionen als Veränderungsprozesse – First Monday bei der BKK VBU

Eingetragen am 21.03.2017

21. März 2017 | By |

IMG_4485

Für den First Monday im März waren wir zu Gast bei der BKK VBU und ihrer Vorständin Andrea Galle sowie der Fusionsbeauftragten Jacqueline Fochler. Die beiden sind Fusions-Expertinnen – haben sie doch gemeinsam seit der Neu-Gründung der Kasse 1993 bereits neun Fusionen durchgeführt. Tendenz: weitere werden folgen.

Denn wie wir im Gespräch erfuhren, stehen die Kassen weiterhin unter Druck zur Vergrößerung. Die Öffnung der Kassen begann mit der Einführung des Krankenkassenwahlrechts im Jahr 1996. Die ursprünglich an Betriebsgrößen angepassten BKKs schließen sich seither zu größeren Unternehmen zusammen, um die Effizienz zu steigern und Verwaltungskosten zu sparen. So wurden aus 785 Kassen im Jahr 1993 die heute verbleibenden 88.

Der Erfolgsschlüssel für eine erfolgreiche Fusion ist aus der Erfahrung von Andrea Galle und Jacqueline Fochler die Kommunikation. Denn es komme darauf an, die Mitarbeiter*innen mental mitzunehmen. Dabei helfe bei der BKK VBU auch das soziale Engagement des Unternehmens, denn die Mitarbeiter*innen identifizierten sich mit einer sinnstiftenden Vision.

Was dagegen nicht funktioniere, sei eine arrogante Haltung à la „Kommt zu uns, dann wird alles besser“. Gelassenheit und Geduld zu haben, die Menschen sich in der neuen Situation einfinden zu lassen, seien genauso wichtig wie der Freiraum für kulturelle Besonderheiten: die Grußformeln von Hamburg und Bayern lassen sich nicht konformieren.

Wann immer möglich, schaltet das Unternehmen vor den Fusionszeitpunkt eine Kooperationsphase vor. So können die Teams sich gegenseitig ebenso wie die Verfahrensweisen des anderen kennenlernen. Dabei werden auch die eigenen Prozesse auf den Prüfstand gestellt. Ein Aktivitätenplan gibt die konkreten Schritte im Veränderungsprozess vor und gibt allen Beteiligten Orientierung.

Und nicht zuletzt wirkt die Vorständin Andrea Galle selbst als Botschafterin für den Zusammenschluss und für die sinnstiftende Idee. Wir danken ihr und Jacqueline Fochler, dass wir an der Lernkurve des Unternehmens teilhaben durften. Ebenso gilt unser Dank Dorothee Christiani, der CSR-Beauftragten der BKK VBU und Mitglied unseres Vorstands, sowie Andreas Scholz-Fleischmann, unserem Vorstandsvorsitzenden, für die Moderation.

 

First Monday zum Umgang mit Tod und Trauer in Unternehmen

Eingetragen am 20.02.2017

20. Februar 2017 | By |

Mehr als 140.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr im erwerbsfähigen Alter. Wie gehen Personalverantwortliche damit um, wenn auf einmal jemand aus dem Kollegenkreis verstirbt? Ein kurzes Innehalten und dann ein Weitermachen im business as usual? Es ist offenkundig, dass der Tod einer nahestehenden Person die Arbeitsfähigkeit von Menschen sehr einschränken kann. Aber ist das die Privatsache der Beschäftigten? Oder wie könnten und sollten sich Arbeitgeber – auch im Eigeninteresse – dem in gewisser Weise tabuisierten Thema Tod und Trauer annehmen?

Dieser Fragestellung widmeten sich die teilnehmenden Führungskräfte unseres First Mondays im Februar, mit dem wir bei Angelika Behm und Jörg Busenbender im Diakonie-Hospiz Wannsee zu Besuch waren. Der Tod und der Umgang mit diesem schwierigen Thema stehen in dem Hospiz auf der Tagesordnung. Alleine an dem Tag unserer Begegnung verstarben 3 der 14 Bewohner*innen der sozialen Einrichtung.

Voller Hochachtung ob der psychischen Belastung ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin des Hospizes lauschten unsere Teilnehmenden zunächst einmal bei einem Rundgang den Worten von Angelika Behm, die 2015 an unserem Collaborative Leadership Programm teilgenommen hat und uns insofern in besonderer Weise verbunden ist. Und welche unerwarteten Früchte unser Netzwerk mitunter erblühen lässt, zeigte sich u.a. beim Rundgang anhand der an den Wänden hängenden Bilder. Die Künstlerin ist Ina Carrasco, Führungskraft im Bezirksamt Pankow und ebenfalls eine Teilnehmerin unseres Leadership-Programms 2015.

Im zweiten Teil des Abends widmeten sich die teilnehmenden Führungskräfte der Fragestellung der Hospizleitung, wie es ihr gelingen kann, Ihr Know-How im Umgang mit Tod und Trauer Arbeitgebern zugänglich zu machen. Hierbei zeigte sich, wie sehr möglicherweise die Begriffe „Tod“ und „Trauer“ schon alleine aufgrund ihrer negativen Konnotation auf Ablehnung stoßen. Aber sollte das Hospiz deshalb Schulungen und Coaching mit Begriffen wie zum Umgang mit „psychische Belastungen“ umschreiben? Oder sollte man die Dinge beim Namen nennen? Bei dieser Fragestellung angefangen entsponn sich eine lebhafte Diskussion, die in anderen Zusammenhängen fortgesetzt werden sollte.

Vielen Dank an Angelika Behm und Jörg Busenbender vom Diakonie-Hospiz für den spannenden und emotionalen Einblick in Eure Arbeit. Wir wünschen Euch viel Kraft dafür, dass Ihr noch viele letzte Wünsche Eurer Gäste erfüllen könnt und dass Ihr das Motto der Hospiz-Pionierin Cicely Saunders weiterhin so überzeugend mit Leben füllt: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

Interessierte an der Arbeit des Diakonie-Hospizes Wannsee und solche, die sich mit dem Gedenken tragen, es finanziell oder mit ehrenamtlichem Engagement zu unterstützen, wenden sich bitte an:

Diakonie-Hospiz Wannsee
Angelika Behm
a.behm@diakonie-hospiz-wannsee.de
Tel.: 030-8050 5702
http://www.diakonie-hospiz-wannsee.de

First Monday beim „Ober-Bademeister“

Eingetragen am 17.01.2017

17. Januar 2017 | By |

Scholz-Fleischmann_500x599Vier Vorstandsvorsitzende hatten die Berliner Bäderbetriebe bereits in den 20 Jahren seit ihrer Gründung 1996. Warum die Verweildauer mitunter nicht allzu lang und die Herausforderungen dafür umso größer sind, dazu gab uns Andreas Scholz-Fleischmann zu unserem First Monday im Dezember spannende Einblicke.

Das nasse Element hat es so an sich, dass Schwimmbäder jedes Jahr einen Sanierungsbedarf erzeugen. Dieser wurde über Jahrzehnte hinweg in Berlin ebenso vernachlässigt wie die Stellenbesetzungen. Wurden 1995 noch 79 Millionen Euro von öffentlicher Hand für die Schwimmbäder ausgegeben, waren es 2006 nur noch 37 Millionen Euro. Immerhin waren es in den letzten 3 Jahren wieder knapp 50 Millionen Euro Landeszuschüsse, die zukünftig noch einmal erhöht werden sollen.

Auch wenn das Problem der Unterfinanzierung und deren Folgen inzwischen erkannt ist, sind die Herausforderungen gewaltig. Wo sollen Prioritäten gesetzt werden? Wie sollen Ausschreibungen für Baumaßnahmen vorgenommen werden, wenn dazu das Fachpersonal fehlt und die Auftragsbücher der Bauwirtschaft übervoll sind? Wie kann bei den Bediensteten Akzeptanz dafür gewonnen werden, in unterschiedlichen Bädern zu arbeiten, wenn sie sich weitgehend mit dem „eigenen Bad“ identifizieren und weniger als Beschäftigte der Berliner Bäder-Betriebe? Wie kann ein über Jahre zerrüttetes Vertrauensverhältnis zwischen Betriebsrat und Vorstand wieder auf eine konstruktive Ebene gehoben werden, wenn sich noch in Gerichtsprozessen damit befasst wird, ob die zweite Führungsebene – vor zwei Jahren ohne Anhörung des Betriebsrats eingesetzt – im Amt bleiben wird? Wie kann man den unterschiedlichen Erwartungshaltungen von Kund*innen, Beschäftigten, Medien und Politik gerecht werden?

In dem Hintergrundgespräch in kleiner Runde wurde deutlich, wie herausfordernd die Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der Berliner Bäder-Betriebe ist. Klar wurde auch, wie sehr in dieser Position nicht Autorität und Geradlinigkeit, sondern vielmehr Feingespür und diplomatisches Geschick gefragt sind und dass Andreas Scholz-Fleischmann gerade diese Fähigkeiten auszeichnen.

Wir bedanken uns für den spannenden Austausch und hoffen, dass die eine oder andere Anregung der Teilnehmenden erkenntnisreich war. Für die Zukunft wünschen wir viel Erfolg und eine glückliche Hand bei der Verbesserung der Ausgangssituation!

First Monday: Freiräume in der Stadt

Eingetragen am 24.11.2016

24. November 2016 | By |

IMG_2894

Beim First Monday im November trafen wir uns in den schummrigen Hallen des Sage Club zum Austausch mit Sascha Disselkamp. Zur Sage Group, die er mit zwei Partnern betreibt, gehören neben dem Club auch das Sage-Restaurant und ein Krankenhaus im Senegal. Außerdem ist Sascha Disselkamp Mitgründer der Clubcommission, einer Interessensvertretung für Clubbetreiber und gibt seit 15 Jahren Nichtraucher-Seminare. In den Medien war er insbesondere präsent, weil er die Demos für den Erhalt der East-Side-Gallery initiiert hat, oder auch als Unterstützer für die Berlin-Reise von „Putins Rockern“ – den Nachtwölfen.

Sascha Disselkamps vielseitige Erlebnisse in Berlin, seit er Anfang der 80er-Jahre im Alter von 17 Jahren in ein besetztes Haus in West-Berlin einzog, standen im Zentrum des Abends. Dabei gab er ein leidenschaftliches Plädoyer für Clubs als notwendige Freiräume in der Stadt, die es ermöglichen, gerade jungen Menschen ein positives Lebensgefühl zu geben und eine „Ich-liebe-das-Leben“-Stimmung zu erzeugen. Dass eine Stadt von solchen Freiräumen profitiert, sehen inzwischen auch die Verantwortlichen in Regierung und Behörden so und unterstützen die Clubbetreiber*innen nach Kräften – eine äußerst positive Entwicklung, wie Sascha Disselkamp es beschreibt. In den 90er-Jahren hätten Clubs dagegen noch statt gezieltem Einsatz von verdeckten Ermittlern mit desaströsen Drogenrazzien zu kämpfen gehabt, durch die die Clubs mitunter immensen wirtschaftlichen Schaden erlitten.

Heute droht Gefahr aus seiner Sicht für die Clubs vielmehr von Immobilieninvestoren, die mit immer höheren Summen Freiflächen und Gebäude aufkaufen, um den größtmöglichen Profit daraus zu ziehen. Es ist für Sascha Disselkamp eine Herzensangelegenheit, städtische Freiräume zu erhalten – der Sage-Club ist für ihn selbstverständlich unverkäuflich und das ist eben nicht nur eine Frage des Preises, wovon ihn ein Investor etwa überzeugen wollte.

Zu seinen Feinden zählt nicht mehr die CDU, wohl aber die GEMA, die sich mit ihren – aus Sicht der Clubbetreiber*innen völlig unbegründeten und überzogenen – finanziellen Forderungen keine Freunde in der Szene gemacht hat und den Widerstand der Clubcommission einhandelte. Zumal die wenig bekannten Künstler*innen, die in den Clubs auflegten oder aufträten, überhaupt nicht genügend Verkaufszahlen hätten, um in irgendeiner Weise von den Einnahmen der GEMA zu profitieren.

Fest steht auch, dass Sascha Disselkamp niemals in Rente gehen wird, sondern nur „tot umfallen“, wie er sich ausdrückt. Auch wenn sein kleiner Sohn behauptet, er arbeite nicht, er telefoniere nur, schwappt im Gespräch eine solche Energie und Begeisterung für neue Projekte über, dass man schon darauf gespannt ist, in welchem Zusammenhang man bald von ihm hören wird.

First Monday zum Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten – Aufbau einer „atmenden“ Behörde

Eingetragen am 13.09.2016

13. September 2016 | By |

IMG_1052

Wolf Plesmann

 

Der First Monday im September bot gleich doppelten Einblick darin, wie die gesellschaftliche Herausforderung des hohen Flüchtlingsaufkommens in Berlin angegangen wird.

Zum einen waren wir vor Ort zu Gast in einer Gemeinschaftsunterkunft für besonders schutzbedürftige Geflüchtete, die von der milaa gGmbH betrieben wird. Einrichtungsleiter Sean Corleone, selbst vor einigen Jahren aus dem Irak geflohen, zeigte uns die Unterkunft und beeindruckte die Teilnehmenden unter anderem durch seinen spürbar guten Draht zu den etwa 300 Bewohner*innen. Zu ihnen gehören kranke, vom Krieg versehrte und traumatisierte Menschen, aber auch alleinerziehende und werdende Mütter sowie ca. ein Drittel Kinder. In der Containerunterkunft haben sie einen Schutzraum, der nicht nur einen vergleichsweise hohen Standard aufweist, sondern auch besondere Leistungen wie eine Physiotherapie vor Ort, einen Fitnessraum und einen liebevoll gestalteten Kinderraum bietet. Karsta Dietrich, stellv. Geschäftsführerin der milaa gGmbH, sprach mit den Teilnehmenden außerdem über die nächsten Pläne der Organisation, wozu u.a. die Einbeziehung von Angehörigen in die Pflege gehört, wie es in den Kulturen der Herkunftsländer vieler Geflüchteter üblich ist.

Zum anderen führten wir an diesem Abend ein Gespräch mit Wolf Plesmann, dem Stellvertreter des Beauftragten für die Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge beim Regierenden Bürgermeister von Berlin.

Er leitete gemeinsam mit Claudia Langeheine den Aufbau des neuen Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten, das am 1. August 2016 seinen Betrieb aufgenommen hat. Der Management-Profi, der u.a. viereinhalb Jahre für ISAF und die GIZ in Afghanistan das Friedens- und Reintegrationsprogramm mitaufbaute, sprach über die Strategie beim Aufbau der Strukturen der Behörde und betonte auch noch einmal die enormen Herausforderungen, die die Strukturen des LAGeSo überfordert und zur Entscheidung dafür geführt hatten, dass eine neue Behörde notwendig war: Von 15.000 Flüchtlingen im Jahr 2014 war, vor allem im letzten Drittel des Jahres, 2015 die Anzahl auf 80.000 gestiegen. Eigentlich waren am LAGeSo nur etwa 50-100 Mitarbeiter*innen für die Versorgung der Flüchtlinge zuständig – am Ende befassten sich etwa 1000 Mitarbeiter*innen mit der Aufgabe.

Die neue Behörde muss die Herausforderung der Versorgung von aktuell noch knapp 40.000 Menschen, die in Flüchtlingsunterkünften untergebracht sind, nun mit etwa 570 Mitarbeiter*innen stemmen. Diese gilt es nun so zu schulen und in Strukturen einzubetten, dass ein Grad an Flexibilität erreicht wird, der auf Schübe von neuen Flüchtlingsregistrierungen ebenso reagieren kann wie auf Verschiebungen innerhalb der Leistungsgewährung von erstmaligen zu regelmäßigen Gewährungen. Ein Kern der neuen Strukturen sind außerdem die Regionalteams, die zur Bereitstellung von Unterkünften themenübergreifend zusammenarbeiten.

Bei all dem gilt es natürlich die ehemaligen Mitarbeiter*innen des vielgescholtenen LAGeSo mitzunehmen und für ihre Aufgaben zu motivieren. Herr Plesmann gab hierzu viele Einsichten und scheute auch nicht davor, über Problemlagen und Stolpersteine auf dem Weg zu sprechen. Wir bedanken uns für das erkenntnisreiche und offene Gespräch!

Ebenso gilt unser Dank den Gastgeber*innen der milaa gGmbH: dem Einrichtungsleiter Sean Corleone, der stellv. Geschäftsführerin Karsta Dietrich sowie Geschäftsführerin Jeanne Grabner.

First Monday: Menschen mit Behinderung neu und anders wahrnehmen

Eingetragen am 08.05.2016

8. Mai 2016 | By |

Führungskraft sein und eine Behinderung haben – geht das? Selbstverständlich! Allerdings bestehen derzeit in der Gesellschaft ziemlich viele Hürden. Der Fragestellung, wie man diese Hürden abbauen kann, widmete sich der Austausch zu unserem First Monday im Mai, zu dem Janis McDavid und andere Menschen mit Behinderung in den Räumen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes einluden.

Wussten Sie beispielsweise, dass Ausgaben für Umbaumaßnahmen und persönliche Assistenz zwar vom Staat übernommen werden, um Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen, sie diese allerdings selbst zahlen müssen, wenn ihr Vermögen 2.600 € überschreitet? Mehr als 2.600 € zu sparen geht nicht und auch das eigene Einkommen wird zu großen Teilen zur Finanzierung herangezogen und sogar auch das der Ehe- oder Lebenspartner*innen. Der gedachte Nachteilsausgleich wird ins Gegenteil verkehrt und Menschen mit Behinderung werden politisch in die Altersarmut gezwungen. Dies stellt nicht unbedingt eine Motivationsförderung für jemanden dar, der beispielsweise seine Beine nicht bewegen kann, im Kopf dafür allerdings umso beweglicher ist.

A propos Kopf: viele Hürden bestehen derzeit noch in den Köpfen. Wie es vor einigen Jahrzehnten noch kaum vorstellbar war, dass Frauen Führungspositionen anstreben und innehaben, so haben heute viele Menschen dieselbe verzerrte Vorstellung von Menschen mit sichtbarer Behinderung. Menschen mit Behinderung werden häufig in erster Linie mit Defiziten assoziiert und die teilweise kompensatorisch besonders ausgeprägten Stärken werden nicht wahrgenommen.

Wie man vor allem an diesen beiden Punkten etwas ändern und die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung verändern kann – dazu diskutierten Janis McDavid, Ulrike Pohl , Gerlinde Bendzuck , Ingo Kaleschke und weitere Führungskräfte mit Behinderung mit den Teilnehmenden unseres First Mondays.

Alle Teilnehmenden waren sich am Ende darin einig, dass es sinnvoll ist, einen Verein zu gründen, um mit Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit genau diese Ziele zu erreichen, und dass dieser Verein auch als Netzwerk für Erfahrungsaustausch und Ansprechpartner sowohl gegenüber Arbeitgebern als auch für Menschen mit Behinderung, die eine Führungsverantwortung anstreben, wertvolle Arbeit leisten kann.

Die genauere Definition der Ziele und Zielgruppen wird eine der nächsten Aufgaben sein. Bei der Vielzahl von bestehenden Vereinen und Organisationen im Bereich der Menschen mit Behinderungen fehlt bisher eine Interessensvertretung von Führungskräften, die nicht nur ein selbstbestimmtes Leben führen wollen, sondern beweisen, dass sie berufliche Verantwortung auch für andere übernehmen können.

Es war ein spannender Austausch, der sicherlich bald eine Fortsetzung finden wird. Interessierte können sich gerne bei Janis McDavid melden unter public@janis-mcdavid.de

First Monday zum Thema Trans*Identität

Eingetragen am 07.04.2016

7. April 2016 | By |

Die einzige Krankheit, die beim Amtsgericht geheilt wird

Intensive, tiefgründige Gespräche führten unsere Teilnehmenden am letzten First Monday mit unseren Gesprächspartner*innen Justine, Esther, Mio, Ben, Sammy, Adrian und Lena – und waren besonders beeindruckt von der sozialen Kompetenz und Offenheit des Gesprächs. Denn die Gesprächspartner*innen haben in ihrem beruflichen und privaten Leben eine Herausforderung gemeistert, die sie nachhaltig definiert und immer prägen wird. Anders als Menschen die nie ihr Geschlecht in Frage stellen mussten, sind sie aus ihrer Perspektive bei der Geburt geschlechtlich falsch zugewiesen worden. Ihnen ist gemeinsam, dass sie erst im Laufe ihres Lebens zu ihrem wahrem Geschlecht gefunden haben und für medizinischen Angleichungen und gesellschaftliche Anerkennung kämpfen mussten: Sie sind trans* Menschen. Trans* steht dabei als Sammelbegriff für Transgender, transidente, transsexuelle, genderqueere und nicht-binär-identifizierte Menschen.

Man könnte meinen, wir lebten in einer Gesellschaft, die so aufgeschlossen und tolerant ist wie noch nie und dass Unterschiede, was Rollenerwartungen oder bestimmte Kleidungsstile angeht, weitgehend aufgehoben seien. Dass dies jedoch keinesfalls selbstverständlich ist – davon kann Justine ein Lied singen. In der Nachkriegszeit, als Menschen noch aufgrund ihrer Homosexualität ins Gefängnis kamen, wäre es unmöglich gewesen,  ihr schon immer empfundenes „Frau-Sein“ zu leben. Für das Umfeld wurde sie „als Mann gelesen“ und als solcher hat sie dann auch eine Frau geheiratet, ist Vater geworden und hat den gesellschaftlichen Erwartungen so weit wie möglich entsprochen. Dabei handelte es sich allerdings immer um eine „Kunstfigur“, so Justine, weil sie anderen ständig etwas vorspielen musste und nicht natürlich und authentisch sein konnte.

Ihr Outing als Frau im Alter von 65 Jahren kam einem Befreiungsschlag gleich. Endlich konnte sie so leben, wie sie sich immer gefühlt hat. Dass der Prozess der Geschlechtsangleichung (Transition) erst relativ spät im Leben erfolgt, ist keine Seltenheit. Das gesellschaftliche Tabu und die Befürchtung, schief angeschaut zu werden oder das fehlende Bewusstsein, dass es noch andere gibt, denen es genauso geht, tragen dazu bei, dass relativ viele trans* Menschen sich erst spät für eine Transition entscheiden. „Hast Du aber Mut!“, gehört zu den wenigen positiven Rückmeldungen, die sie daraufhin bekommen. Dabei ist diese Zuschreibung gar nicht passend, so Sammy, die mit 45 den Schritt zum Outing als Frau unternahm. „Es ist ein Schicksal, dass wir uns nicht ausgesucht haben. Vor dem Coming Out muss man täglich viel Energie aufwenden, sich zu verstellen und immer im Hinterkopf haben, wem man was wo erzählt hat. Mit dem öffentlichen Rollenwechsel löst sich diese Spannung und man kann endlich man selbst sein.“

So einfach wie in Argentinien, Malta und in vier weiteren europäischen Ländern, wo trans* Menschen mit einem einfachen Gang zu den Behörden eine Geschlechtsangleichung und die entsprechende Namensänderung beantragen können, ist das in Deutschland bis heute nicht. Hierzulande benötigen trans* Menschen zunächst einmal zwei psychiatrische Gutachten, die bestätigen müssen, dass sie sich wirklich „dem anderen Geschlecht angehörig fühlen“ sowie eine 18-monatige Therapie, damit die Krankenkassen medizinische Behandlungen bewilligen.

„Was macht für Sie das Mann-Sein oder Frau-Sein – unabhängig von physischen Merkmalen – aus?“, so lautet eine beispielhafte Frage im Gutachter-Gespräch,  der sich unsere teilnehmenden Führungskräfte im Rollenspiel stellten. Dadurch wurde begreifbar, wie demütigend und von Willkür geprägt solche Gutachten sind. Darf eine Frau ein Faible für Technik haben und z.B. gerne am Motorrad herumschrauben? Selbstverständlich, würde wohl jeder sagen. Äußert sich allerdings eine trans* Person, die  sich ein Leben lang als Frau gefühlt hat derartig im psychologischen Gespräch, sieht die Bewertung möglicherweise schon anders aus.

Das Beispiel zeigt eindrücklich, wie viel Handlungsbedarf noch besteht, um die gesellschaftliche Diskriminierung von trans* Menschen zu beseitigen. Man stelle sich nur einmal vor, Schwule und Lesben müssten sich einer psychiatrischen Begutachtung und Therapie stellen, bevor sie offen als homosexuell leben dürften. Genauso absurd wie diese Vorstellung werden uns vermutlich in einigen Jahrzehnten der heutige Umgang und die bestehenden Hürden für trans* Menschen vorkommen. „In den Augen von Medizin und Behörden sind wir „krank“ und unsere „Krankheit“ wird unter der Diagnose F 64.0 im ICD aufgeführt“, so Justine. „Immerhin ist es die einzige Krankheit, die beim Amtsgericht geheilt werden kann“ fügt sie schmunzelnd hinzu. Denn mit der behördlich bescheinigten „rechtlichen Geschlechtsangleichung“ ist der Umstand, sich im falschen Geschlecht zu fühlen, ja weggefallen.

Lobby-Arbeit zum Abbau von gesetzlichen Hürden und Stärkung der gesellschaftlichen Akzeptanz sowie Normalität im Umgang mit trans* Menschen ist allen Betroffenen daher ein wichtiges Anliegen. Dennoch treten nur wenige trans* Personen in der Öffentlichkeit für ihr Thema und eine Verbesserung der Situation ein. Trans* Menschen haben sich häufig über Jahrzehnte nichts sehnlicher gewünscht, als endlich entsprechend ihrem schon immer gefühlten Geschlecht zu leben und „gelesen“ zu werden, da ist es verständlich, dass die allermeisten nach der Transition einfach nur als Mann oder Frau betrachtet und behandelt werden wollen und nicht auf ihr „trans* Sein“ begrenzt werden wollen. Gründe liegen auch in Mobbing und Diskriminierung, die viele trans* Menschen schon lange ertragen mussten und denen sie aus dem Weg gehen wollen. Trans* Frauen (Frauen, die bei der Geburt dem männlichen Geschlecht zugewiesen wurden) sind übrigens weltweit die Gruppe mit dem höchsten Risiko, ermordet zu werden.

„In der Öffentlichkeit werden mitunter Personen wie die österreichische Grand-Prix-Sängerin „Conchita Wurst“ mit Transidentität oder Transsexualität in Verbindung gebracht“, so Sammy. „Auf die Idee, Frauenkleidung und einen Bart zu tragen, käme allerdings niemand von uns. Die meisten von uns wollen gar nicht auffallen, sondern auch von außen ganz eindeutig dem Geschlecht zugeordnet werden, als das wir uns fühlen.“ Für trans* Menschen ist es häufig das soziale Umfeld, das den Prozess der Transition zu einem Problem macht. Als besonders problematisch empfinden trans* Menschen dabei, wie häufig Menschen die Hürden von Anstand und Privatsphäre missachten und z.B. danach gefragt wird, ob man „umoperiert“  sei. „Kein normaler Mensch käme auf die Idee, andere nach der Beschaffenheit seiner/ihrer Geschlechtsorgane oder auch nach der Farbe der Unterwäsche zu fragen – bei uns hingegen gehört diese Frage neben der Frage nach dem früheren Namen zum Standardprogramm“, berichtet Mio.

Die Fähigkeit, mit solchen Fragen umzugehen, ist eine der charakterlichen Stärken, die trans* Menschen auszeichnen. Dazu gehört auch das Talent, die Welt sowohl aus weiblicher wie auch aus männlicher Sicht zu sehen und für beide Sichtweisen Verständnis zu haben. Oder auch, nicht so schnell Vorurteilen gegenüber anderen Menschen zu verfallen, da man in der eigenen Wahrnehmung alles schon einmal hinterfragt und für sich neu und bewusst definiert hat. Alle diese  Fähigkeiten, die in einem mitunter schwierigen und von biografischen Brüchen geprägten Prozess erworbenen wurden, können trans* Menschen gewinnbringend in ihr Arbeitsumfeld einbringen.

Dass diese Eigenschaften nicht nur Wunschdenken sondern Realität sind, davon erlebten unsere teilnehmenden Führungskräfte überzeugende Beispiele. Umso bedauerlicher ist es, dass viele trans* Menschen aus Angst vor Mobbing und fehlender Akzeptanz während des Prozesses der Transition die Arbeitsstelle aufgeben. Viele fallen auch aufgrund ihrer mitunter nicht geradlinigen Biografie oder einer Auswahl aufgrund von Bewerbungsfotos „durchs Raster“.

Dass es sich lohnt und wichtig ist, daran etwas zu ändern, davon überzeugten uns Justine, Esther, Ben, Mio, Sammy, Adrian und Lena. Daher werden wir auch zukünftig einen Austausch mit trans* Menschen in unser Leadership-Jahresprogramm aufnehmen und versuchen, trans* Menschen als „Botschafter*innen“ für mehr Fachwissen, weniger Berührungsängste und verstärkte Akzeptanz beim Thema Transidentität mit Personalabteilungen in Unternehmen, Behörden und Non-Profit-Organisationen in Kontakt zu bringen.

Wir freuen uns über Rückmeldung von Personaler*innen, die Interesse haben und bereit sind, sich anhand eines Nachmittagstermins mit zwei bis drei trans* Menschen selbst ein Bild von den Herausforderungen in diesem Thema zu machen.

Bedanken möchten wir uns bei unseren Gesprächspartner*innen sowie bei Vera Fritz, Berater*in im Sonntags-Club und Mitinitiator*in des Projektes „Trans*Job Mentoring“, einem gemeinsamen Projekt von Transinterqueer  e.V. und Sonntags-Club e.V., die dieses Treffen organisiert hat und als Ansprechpartnerin für Unternehmen und Interessierte gerne zur Verfügung steht.

Kontakt:

Vera Fritz
Sonntags-Club e.V.
Greifenhagener Str. 28
10437 Berlin
Tel +49 30 4497590
Vera.Fritz@sonntags-club.de

 

Weitere Infos:

www.sonntags-club.de
http://www.transinterqueer.org/download/Publikationen/TrIQ-ABC_web%282%29.pdf
https://www.berlin.de/lb/ads/schwerpunkte/lsbti/materialien/transgeschlechtlichkeit /

 

 

 

 

 

First Monday zu Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie

Eingetragen am 13.03.2016

13. März 2016 | By |

IMG_7957

Thema unseres First Monday am 1. Februar waren Bürgerbeteiligung und Demokratie als Herausforderungen für Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Zu Gast waren wir bei der IFOK GmbH, die Dialogprozesse für Regierungen, Ministerien und Unternehmen moderiert, wenn große Veränderungen anstehen – wie z.B. bei großen Infrastrukturprojekten. Es war äußerst spannend zu hören, wie es den Kommunikations-Profis von IFOK gelingt, unterschiedlichste Akteure (wie z.B. Landesregierungen, Hafen- oder Flughafenbetreiber, Umweltverbände und Bürgerinitiativen) an einen Tisch zu bekommen und einen Rahmen zu schaffen, in dem gemeinsam Kompromisse gefunden werden.

Hierbei stellt sich häufig die Herausforderung, das „Beteiligungs-Paradoxon“ zu überwinden. Denn die Bürger*innen und andere Stakeholder*innen erfahren meist erst dann von folgeschweren Vorhaben, wenn die Beschlüsse bei den Verantwortlichen längst gefasst und Verträge unterschrieben sind – ein Paradebeispiel hierfür ist Stuttgart 21. Clever ist es daher, zu Beginn in Dialog zu investieren, die Betroffenen möglichst früh zu informieren und in den Prozess einzubeziehen. So lässt sich vermeiden, dass am Ende der Protest eskaliert und das Projekt scheitert oder die Kosten explodieren.

Kontrovers diskutiert wurden die Fragen nach mehr direkter Demokratie und danach, ob der Beschluss zur temporären Bebauuung eines Teil des Tempelhofer Feldes vor dem Hintergrund des Volksentscheids zu befürworten oder abzulehnen sei. Anhand der vielstimmigen Diskussion wurde schnell begreifbar, mit welch unterschiedlichen Positionen und Interessen IFOK bei der Moderation konfrontiert wird und wie schwierig es ist, derartige Prozesse zu einem Ergebnis zu führen, in dem sich alle wiederfinden.

Vielen Dank an unsere Gastgeber Christian Klasen und Janina Henning für die spannenden Einblicke!

Rückschau: First Monday zum Volksentscheid Fahrrad

Eingetragen am 05.01.2016

5. Januar 2016 | By |

„Wie kann die Initiative Volksentscheid Fahrrad in Berlin erfolgreich einen Richtungswechsel in der Verkehrspolitik herbeiführen?“ Darüber diskutierten bei unserem First Monday am 4. Januar 20 Teilnehmende unseres First Monday. Eingeladen zu dem Thema hatte Heinrich Strößenreuther, der zusammen mit Peter Feldkamp, Kerstin Stark, Philipp Bastian und anderen Initiator*innen bis 2017 einen Volksentscheid zur Verbesserung der Verkehrswege und -sicherheit für Radfahrer auf den Weg bringen will.

IMG_7718

Ganz im Sinne unseres Mottos „begegne dem anderen“ war die Teilnehmergruppe bunt gemischt – von überzeugten Autofahrern, die die zehn Forderungen der Volksentscheidler eher als radikal und autofahrerfeindlich empfanden, bis hin zu routinierten Radfahrern, die täglich den Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad pendeln. Äußerst bereichernd erwiesen sich auch die unterschiedlichsten Fachkompetenzen der Teilnehmenden, unter denen Führungskräfte von Siemens und Lufthansa,  der Präsident eines Amtsgerichtes, eine ehemalige Polizeipräsidentin, die Initiatorin eines bereits erfolgreichen Volksentscheides, die Gründerin der bundesweiten Tafelbewegung, Journalist*innen sowie Personen, die Erfahrungen aus anderen Ländern einbringen konnten, vertreten waren.

Für einen Teil der Diskussion wurde die Gruppe dann geteilt, um die Initiatoren sowohl vom kritischen Feedback als auch von strategischen Überlegungen profitieren zu lassen. Die eine Gruppe tauschte sich über ihre Bedenken aus und brachte konstruktiv Kritik daran ein, was an dem Forderungskatalog anders aussehen müsste, damit sie zustimmen könnten. Die andere Gruppe von klaren Befürwortern widmete sich der Fragestellung, welche Strategien und Kooperationspartner das Vorhaben weiterbringen könnten.

IMG_7696
Unter der Vielzahl von Erkenntnissen, die der Austausch hervorbrachte, sind insbesondere die folgenden bemerkenswert:

– Es gibt eine Gruppe von überzeugten Radfahrern, die dem Volksentscheid in jedem Fall zustimmen werden, und eine Gruppe von überzeugten Autofahrern, die den Volksentscheid in jedem Fall ablehnen werden. Entscheidend für den Erfolg werden insbesondere die Bevölkerungsgruppen sein, die sowohl das Auto als auch das Rad nutzen bzw. auch als Fußgänger und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Diese gilt es bei dem Vorhaben mit ins Boot zu holen und ihnen aufzuzeigen, dass es um konstruktive Vorschläge für ein besseres Miteinander im Verkehr geht, und nicht darum, eine Fortbewegungsart zu verteufeln.

– Es bestand Einigkeit, dass es im täglichen Straßenverkehr immer mehr Konflikte zwischen Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern gibt. Der Volksentscheid sollte vermitteln, dass die angestrebten Ziele zu einer Entschärfung der Konflikte führen und nicht nur zu einer Disziplinierung von Autofahrern, sondern auch von Radfahrern beitragen.

– Die Bürger sollten mit Zahlen und Vergleichen informiert werden, um die Ziele des Volksentscheides in Relation setzen zu können. Hierzu können zum einen Vergleiche zu anderen europäischen Hauptstädten oder deutschen Großstädten beitragen. Zum anderen sollten die bei einer Umsetzung des Volksentscheides anfallenden Kosten ins Verhältnis gesetzt werden. Dass diese sich nach derzeitigen Schätzungen der Initiatoren in demselben Bereich bewegen wie der Ausbau von nur einem Kilometer Autobahn der A100, empfanden viele als sehr anschaulich und hilfreich in der Kommunikation.

– Das Thema „Kinder im Straßenverkehr“ wurde von vielen gerade auch unter dem Sicherheitsaspekt als wichtiges Element zukünftiger Kommunikation betrachtet. Wenn der Volksentscheid den Sicherheitsgewinn für radfahrende Kinder im Straßenverkehr überzeugend vermitteln kann, lassen sich hiermit auch Eltern und Großeltern gut überzeugen.

Es war ein spannender Abend mit konstruktiven Diskussionen und wir dürfen gespannt sein, wie es mit dem Volksentscheid weitergeht. Leadership Berlin ist qua Satzung politisch neutral und bleibt das auch im Hinblick auf den Volksentscheid Fahrrad. Wir freuen uns allerdings, dass Heinrich Strößenreuther sagt, dass er ohne die Teilnahme an unserem Leadership Jahresprogramm 2015 nicht auf die Idee gekommen wäre, einen Volksentscheid zu initiieren. Aufgrund dieses Zusammenhangs werden wir auch zukünftig gerne über das Projekt berichten.

Die zehn Ziele des Entscheids und weitere Infos zum Volksentscheid finden Sie unter www.volksentscheid-fahrrad.de . Unser besonderer Dank geht an Gilles Duhem als Gastgeber der Diskussionsveranstaltung im Gemeinschaftshaus Morus 14.

Einen Rückblick auf den Abend bietet auch folgender Artikel in der TAZ vom 06. Januar 2016.