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First Monday Archive - Leadership Berlin

Leadership Senior Circles – wer bringt sich mit Ideen ein?

Eingetragen am 14.12.2018

14. Dezember 2018 | By |

Austausch zur denkbaren Gründung eines „Leadership Senior Circle“

Zeit:       Montag, der 7. Januar 2019, 18.30 – 21.00 Uhr
Ort:        Berliner Bäderbetriebe, Sachsendamm 2-4, 10829 Berlin

Führungskräfte verfügen nach Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben nicht nur über langjährige Berufserfahrung und Kompetenzen, sondern auch – in der Regel im Gegensatz zu den zurückliegenden Jahren – über zeitliche Kapazitäten und möglicherweise dem Interesse/der Bereitschaft, diese ehrenamtlich in begrenztem Umfang einzubringen. Bei dem First Monday soll darüber diskutiert werden:

  1. Welche Formate sind denkbar, in denen sich ehemalige Führungskräfte einbringen wollen würden?
    (z.B. ehrenamtliche Beratung bei Zielkonflikten, Programmformat mit ehemaligen Führungskräften und Nachwuchsführungskräften, Projektideen aufgreifen und umsetzen, ein regelmäßiger Stammtisch)
  2. Für welche Formate gibt es Interesse von Nachwuchsführungskräften und Führungskräften in der mittleren Lebensphase, auf Expertise und Erfahrungen von Älteren zurück zu greifen?
  3. Wer könnte sich vorstellen, ehrenamtlich einen Leadership Senior Circle zu organisieren und die Einsätze zu koordinieren?

Gastgeber des Abends ist Andreas Scholz-Fleischmann, Vorstandsvorsitzender der Berliner Bäderbetriebe, was er noch bis Mai 2019 sein wird.

Ihre Teilnahme angekündigt haben bereits:

  • Winfriede Schreiber, vor ihrer Pensionierung u.a. Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes, Polizeipräsidentin von Ost-Brandenburg und Präsidentin des Verwaltungsgerichts Cottbus, heute ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende von Leadership Brandenburg -Netzwerk Verantwortung e.V.
  • Sonja Müseler, vor ihrer Pensionierung Ausbildungsleiterin der Telefonseelsorge Berlin und Vorstand von Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.
  • Klaus-Wilhelm Baumeister, vor seiner Pensionierung (vor einigen Wochen) u.a. Hauptgeschäftsführer von rbb media und Justiziar diverser öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten, heute Beirat von Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.
  • Peter Conrad, Sachgebietsleiter in der Senatsverwaltung für Finanzen und Vorstand von Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.

Ob es einen „Leadership Senior Circle“ unter dem Dach von Leadership Berlin zukünftig geben wird und wie er aussehen könnte, darüber soll ergebnisoffen an dem First Monday gesprochen werden.

Teilnehmende aller Altersgruppen sind herzlich zu dem Gedankenaustausch eingeladen!

Teilnahmebedingungen und Anmeldung:
Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen, nur eine komplette Teilnahme möglich ist und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen eines Mitgliedsantrags tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei, eine Anmeldung ist bis zum 2 Januar 2019  hier möglich.
Sie erhalten spätestens am 3. Januar eine Rückmeldung, ob wir Ihre Anmeldung berücksichtigen konnten.

Anmeldelink:  https://goo.gl/forms/j1l0VgJhCN6dZXRr2

First Monday bei der Oberstaatsanwältin für Sexualdelikte

Eingetragen am 16.11.2018

16. November 2018 | By |

Wie kann das Engagement und die Vernetzung von Akteur*innen im öffentlichen Bereich, Non-Profit-Bereich und privatwirtschaftlichen Bereich gegen Kindesmissbrauch gestärkt werden?

Zeit:                                     Montag, der 3. Dezember, 18.30 – 21.00 Uhr
Ort:                                      Staatsanwaltschaft Berlin, Kirchstr. 7, 10557 Berlin

Fallgeberinnen:
– Ines Karl, Oberstaatsanwältin für Sexualdelikte (Vergewaltigung/sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch von Kindern, Kinderpornografie, sexuelle Belästigung) und Teilnehmerin unseres Leadership-Jahresprogramms 2017

– Sabine Misch, Erste Kriminalhauptkommissarin und Leiterin der Zentralstelle „Spree“ (Täterorientierte Prävention bei rückfallgefährdeten Sexualstraftätern) des Landeskriminalamtes (LKA 13)

– Viola Würffel, Gerichts- und Bewährungshelferin bei den Sozialen Dienste der Justiz Berlin, ebenfalls spezialisiert auf Sexualstraftäter

Fragestellung/Ablauf:
In der ersten Hälfte wollen wir uns gemeinsam über die Arbeitsweisen, Möglichkeiten und (auch rechtliche) Grenzen  dieser drei spezialisierten Behörden unterhalten, Opferschutz und Rückfallprophylaxe trotz knapper Ressourcen möglichst wirkungsvoll zu verbinden. Wie kann durch ein ausgewogenes Verhältnis von Repression, Kontrolle und Unterstützung dazu beigetragen werden, dass vorbestrafte Täter nicht rückfällig werden. Wie können potentielle Täter frühzeitiger erkannt und gestoppt  werden? Inwiefern würden sich die Fallgeberinnen eine stärkere Sensibilität und mehr Engagement zur Vermeidung von Straftaten von öffentlichen Institutionen (wie z.B. Jugendämtern, Schulen, Kitas), zivilgesellschaftlichen Organisationen (wie z.B. Sportvereine, freiwillige Feuerwehr, kirchliche Einrichtungen, Kinder –und Jugendeinrichtungen) oder auch von privatwirtschaftlichen Unternehmen und Eltern wünschen?

In der zweiten Hälfte wollen wir uns gemeinsam darüber unterhalten, wie ein stärkeres Engagement und eine bessere Vernetzung von den unterschiedlichen Akteur*innen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, zum Schutz gegen Missbrauch von Kindern erreicht werden kann.

 

Hintergrundinfos:
Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist ein ernst zu nehmende gesellschaftliche Problemstellung mit hohen Fallzahlen und enormer, in der Regel lebenslanger Belastung für die Opfer.  Im Jahr 2016 wurden 12.019 Fälle sexuellen Missbrauchs erfasst. Die Aufklärungsquote lag bei 86,2%. Im Jahr 2017 lag die Zahl bei 11.547 Fällen und die Aufklärungsquote lag bei 84,8 %.

Um die Zahlen ins Verhältnis zu setzen:
a) Im Jahr 1973 lag die Zahl noch deutlich höher mit 15.563 erfassten Straftaten (Unzucht mit Kindern) alleine in Westdeutschland. Im Jahr 1995 (Gesamtdeutschland) lag die Zahl noch bei 16.013 erfassten Straftaten.

  1. b) die Zahl der Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe lag 2016 bei 7.919 und 2017 bei 11.282 Fällen.
  2. c) Die Fallzahlen der Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften lag 2016 bei 5.687 und 2017 bei 6.512 Fällen.

Fazit: die Zahl der Fälle des sexuellen Missbrauchs sind erschreckend hoch und weniger volatil als bei Mord. Immerhin ist die Zahl der Straftaten des Kindesmissbrauchs deutlich niedriger als in früheren Jahren wie dies übrigens auch z.B. bei Mord (die Zahl lag 1993 mit 1468 registrierten Straftaten noch doppelt so hoch wie 2017 mit 731 Fällen) oder antisemitischen Straftaten (die Zahl lag 2006 mit 1809 registrierten Straftaten noch 20% höher als 2017 mit 1504 registrierten Straftaten) der Fall ist– auch wenn bei diesen drei Deliktformen medial ein anderes Bild erzeugt wird und in der Bevölkerung „gefühlt“ alles schlimmer wird, bzw. „früher besser war“, was definitiv nicht der Fall ist.

Täter*innen und Opfer
Nicht jede/r Täter*in ist pädophil (geeigneterer Begriff: pädosexuell) und nur ein gewisser Teil der pädosexuell ausgerichteten Erwachsenen wird zum/zur Täter*in.

Sexuelle Gewalt findet am häufigsten innerhalb der engsten Familie statt (ca. 25 %) sowie im sozialen Nahraum beziehungsweise im weiteren Familien- und Bekanntenkreis, zum Beispiel durch Nachbarn oder Personen aus Einrichtungen oder Vereinen, die die Kinder und Jugendlichen gut kennen (ca. 50 %). Sexuelle Gewalt durch Fremdtäter oder -täterinnen ist eher die Ausnahme.

Obwohl nur ein gewisser Teil der pädosexuell ausgerichteten Erwachsenen zu Täter*innen werden, ist das Urteil der Öffentlichkeit gnadenlos: bis zu 49% der Bevölkerung befürworten Präventivhaft für Menschen mit pädosexueller Ausrichtung (auch, wenn sie nie Täter wurden) und bis zu 27% wünschen auch Nicht-Täter*innen mit sexuellem Interesse an Kindern den Tod. Diese gesellschaftliche Stimmungslage erschwert enorm den Zugang zu Menschen mit pädosexueller Ausrichtung, die nicht zu Tätern wurden, für präventive Maßnahmen bzw. Therapieangebote.

Opfer der Straftaten sind zu ca. 75% Mädchen und zu ca. 25% Jungen.

Bei 95,7% der Tatverdächtigen im Jahr 2017 handelte es sich um Männer, in 4,3% um Frauen. Missbrauchende Männer stammen aus allen sozialen Schichten, leben hetero- oder homosexuell und unterscheiden sich durch kein äußeres Merkmal von nicht missbrauchenden Männern. Über missbrauchende Frauen wurde in Deutschland bislang wenig geforscht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sexueller Missbrauch durch Frauen seltener entdeckt wird, weil solche Taten Frauen kaum zugetraut werden. Der Beauftragte der Bundesregierung geht davon aus, dass 10% bis 20% der Straftaten des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen durch Mädchen und Frauen begangen wird.

Sicher bleibt allerdings, dass Männer bei Straftaten des Kindesmissbrauchs sehr stark überrepräsentiert sind wie auch bei anderen harten Straftaten. Der Anteil der Männer an allen Inhaftierten (unabhängig von der Deliktsform)  in deutschen Justizvollzugsanstalten betrug zum 31.3.2018 übrigens 94,1%. Das Geschlecht ist damit das soziodemografische Merkmal mit dem größten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, kriminell zu werden, gefolgt von Alter und Bildung. Religion und Migrationshintergrund spielen im Vergleich zu diesen drei Kategorien nur eine nachgeordnete Einflussgröße.

Teilnahmebedingungen und Anmeldung:
Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen, nur eine komplette Teilnahme möglich ist und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen eines Mitgliedsantrags tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei, eine Anmeldung ist bis zum 27. November 2018 hier möglich.
Sie erhalten spätestens am 28. November eine Rückmeldung, ob wir Ihre Anmeldung berücksichtigen konnten.

Anmeldelink:  https://goo.gl/forms/6nldNvbK93fqGcPA2

 

Berliner Verkehrsnetze – Agieren vs. Reagieren

Eingetragen am 29.05.2018

29. Mai 2018 | By |

Agieren versus Reagieren — welche Einflussfaktoren und Gestaltungsmöglichkeiten sieht Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner für die Anpassung und Gestaltung der Verkehrsnetze von Berlin?

Foto: Sebastian Rittau [CC-BY 4.0]

Zeit:                 Montag, den 04.06.2018, 18:30 Uhr – 21:00 Uhr
Ort:                  Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
                         Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin
                         Raum 306 (Rittersaal)
Gastgeber:      Jens-Holger Kirchner, Staatssekretär für Verkehr    

Anmeldung:     hier

„Berlin wird auf Sicht gefahren“, so mitunter ein gern geäußerter Vorwurf an die Berliner Politik und Verwaltung angesichts der personellen und finanziellen Ressourcen und dem mitunter nicht ganz so ausgeprägten Mut, gegen alle Widerstände Veränderungen zu gestalten.

Zumindest letzteres kann man Jens-Holger Kirchner, seit 2016 Staatssekretär für Verkehr nicht nachsagen. In seinem Amt als Baustadtrat in Pankow erwarb er sich den Ruf, hemdärmelig und unkonventionell Dinge anzupacken: sei es in Form einer öffentlichen Ekelrestaurant-Liste, dem Ferienwohnungsverbot für Prenzlauer Berg oder, indem er z.B. auch einmal medienwirksam einen maroden Bürgersteig absperrte, um die zuständige Senatsverwaltung zum Handeln zu bewegen. Nun bekleidet er selbst in der für Verkehr zuständigen Senatsverwaltung eine führende Position.

Wie hat sich seine Sicht auf die Arbeit einer Senatsverwaltung verändert? Wie stellen sich aus seiner Sicht die Gestaltungsmöglichkeiten und die Verantwortung zur Gestaltung der Verkehrsnetze der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz dar? Welche Einflussfaktoren fließen im Hinblick auf die Gestaltung der Infrastruktur für Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV, Auto, Lieferverkehr und Flugverkehr mit ein? An welchen Stellen müssen Politik und Verwaltung auf bereits stattgefundene Entwicklungen „reagieren“ und „reparieren“ und in wieweit gelingt es, auch zu „agieren“ und tragfähige Entscheidungen mit Langfrist-Perspektive voranzubringen? Und welche sind das und wie laufen diesbezügliche Entscheidungsprozesse?

Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Nicht-Mitgliedern ermöglichen wir die Teilnahme vereinzelt. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen dieses Mitgliedsformulars tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei und Anmeldungen sind über das folgende Formular möglich.

First Monday mit den STERNENFISCHERN/ Berlin Greeter

Eingetragen am 24.05.2018

24. Mai 2018 | By |

„Die demografische Situation in Deutschland gleicht einem Dönerspieß!“, so einer der Teilnehmenden unseres First Mondays im Freiwilligenzentrum STERNENFISCHER, bei dem auch die Ehrenamtsinitiative Berlin Greeter Gastgeber waren. Kein Wunder also, dass das Thema Perspektiven im Alter – Wie kann ehrenamtliches Engagement den Übergang in die Rente erleichtern? akut Lösungen benötigt!

Das Brainstorming war ergiebig: Halbjährliche Informationsveranstaltungen in Betrieben, zu denen jeweils alle Personen eingeladen werden, die drei bis fünf Jahre vor der Rente stehen; Broschüren, die bei Mitarbeiter*innen Gesprächen ausgegeben werden können und Übergangsmaßnahmen, wie die wöchentliche „Schnupperstunden“ in diverse Ehrenamtstätigkeiten für angehende Rentner*innen sind nur einige der besprochenen Umsetzungsstrategien.

Die Berlin Greeter bieten dafür eine interessante Möglichkeit, im Freiwilligenzentrum STERNENFISCHER kann man sich über weitere Optionen informieren.
Vielen Dank an unsere Gastgeber Manja Harm und Philipp Wilmzig.

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First Monday am 9. April: Dar-as-Salam Moschee & „Inschallah“

Eingetragen am 16.04.2018

16. April 2018 | By |

Die einen reden von Islamismus, die anderen von Islamfeindlichkeit – wie kann Ausgrenzung und Abgrenzung von Muslimen entgegengewirkt werden? Der Umgang mit Kontroversen am Beispiel der Dar-as-Salam-Moschee und ihrem Imam und Vorstand Mohamed Taha Sabri.

Diesem Thema widmeten wir unseren First Monday am 9. April mit knapp 40 Teilnehmenden in der Neuköllner Begegnungsstätte (Dar-as-Salam-Moschee). Die Moderation übernahm Winfriede Schreiber, ehemalige Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes (und zuvor u.a. Polizeipräsidentin von Ost-Brandenburg und Präsidentin des Verwaltungsgerichts Cottbus) und heute Mitwirkende in unserem Projekt meet2respect wie auch Vorstandsvorsitzende unseres Schwestervereins Leadership Brandenburg.

Der First Monday begann mit der Vorführung des Filmporträts über den Imam und Vorsitzenden der Moscheegemeinde, Mohamed Taha Sabri, dem sich daraufhin ein offener Austausch mit Mohamed Taha Sabri und den beiden Regisseurinnen Judith Keil und Antje Kruska anschloss. Es war ein spannender Austausch, bei dem sowohl die Aufführung im Berliner Verfassungsschutzbericht der Moscheegemeinde wie auch die Verhältnismäßigkeit der Berichterstattung eingehend auch mit anwesenden Journalisten diskutiert wurde.

Die Teilnehmenden kamen teilweise mit einem mulmigen Gefühl und Skepsis in die Dar-as-Salam-Moschee. Denn was ihre öffentliche Darstellung angeht, sind die Berichte widersprüchlich: einerseits als Musterbeispiel integrativer, positiver Arbeit gelobt und andererseits als „Hass-Moschee“ oder „Teil der Muslimbruderschaft“ beschuldigt.
Gegangen sind die meisten mit der Erkenntnis, dass die NBS ein guter Kooperationspartner sein kann, wenn es darum geht, auch junge Muslime für gesellschaftsrelevante Themen zu mobilisieren.

Vielen Dank an alle Beteiligten und für die Gastfreundschaft der Dar-as-Salam Gemeinde.

Nachtrag: am 18. April erschien folgender Beitrag  des israelischen Journalilsten Igal Avidan beim Deutschlandradio über die Neuköllner Begegnungsstätte und ihren Imam Mohamed Taha Sabri.

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Ablauf: 
17.30 – 19.00 Uhr Filmvorführung des Films „Inschallah“, einem Filmporträt im Auftrag von 3SAT über Mohamed Taha Sabri in Anwesenheit der Regisseurinnen Judith Keil und Antje Kruska.
Der Film gewann bei den Duisburger Filmwochen 2017 den Publikumspreis und bietet einen sehr dezidierten Einblick in die Lebenswelt des Imams Mohamed Taha Sabri und seiner Gemeinde.

19.00 – 21.00 Uhr Diskussion mit Mohamed Taha Sabri und Vorständen der Gemeinde, die sich den kritischen Fragen der Teilnehmenden stellen. Da die Diskussion sich sicherlich nicht auf die Inhalte des Films beschränkt, ist auch eine Teilnahme erst ab 19 Uhr gerne möglich. Personen mit kritischen Positionen sind herzlich willkommen!


Über die Moscheegemeinde

Die Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) ist seit 2016 Gegenstand von Diskussionen. Einerseits genießt die Moscheegemeinde aufgrund ihres Engagements für interreligiösen Dialog, Integration und Verständigung Ansehen bei Organisationen, die mit ihr regelmäßig zusammenarbeiten wie z.B. der Landeszentrale für politische Bildung, Vertretern der Evangelischen und Katholischen Kirche und des Humanistischen Verbandes oder auch uns als Leadership Berlin. Ihr Vorsitzender und Imam Mohamed Taha Sabri erhielt u.a. den Verdienstorden des Landes Berlins und der Dokumentarfilm „Inschallah“ über Taha Sabri seine Moscheegemeinde gewann 2017 den Publikumspreis der Duisburger Filmwoche.

Andererseits ist die Moscheegemeinde im Verfassungsschutzbericht des Landes Berlin aufgeführt und ist Objekt kritischer Berichterstattung z.B. seitens der Journalisten Sascha Adamek vom rbb, Frank Jansen vom Tagesspiegel, Ahmad Mansour und Sigrid Herrmann-Marschall und zuletzt im Dezember 2017 in BILD, BZ und WELT. Thematisiert worden sind Verbindungen zur Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD), die von Verfassungsschutzbehörden als deutscher Arm der Muslimbruderschaft betrachtet wird (siehe „Kontroverse um Eintragung im Verfassungsschutzbericht“ und „Kritik an der Neuköllner Begegnungsstätte im Einzelnen“). 

(aus Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Neuk%C3%B6llner_Begegnungsst%C3%A4tte)

Immerhin bestreiten auch die Warner nicht, dass sich die Moscheegemeinde für Demokratie, freiheitliche Rechte, den Dialog mit Andersgläubigen und die Integration ihrer Mitglieder in die deutsche Gesellschaft erfolgreich eingesetzt hat und weiter einsetzt.

 

Die Auseinandersetzung der Moscheegemeinde mit dem Berliner Verfassungsschutz und Medien:

  • Die Moscheegemeinde steht im Bericht des Berliner Verfassungsschutzes 2016 (https://www.berlin.de/sen/inneres/verfassungsschutz/publikationen/verfassungsschutzberichte/ Seite 75ff.) unter der Rubrik „legalistischer Islamismus“ und Verbindungen zur Muslimbruderschaft. Gegen diese Aufführung hat die Moscheegemeinde Klage eingereicht, da nach Einschätzung der Moscheegemeinde die Eintragung lediglich auf zumeist vereinzelten indirekten Verbindungen und „Kontaktschuld“ basiere und nicht darauf, das sich ein Vertreter der Moschee jemals auf irgendeine Weise frauenfeindlich, homophob, antisemitisch, gewaltrelativierend oder anderweitig nicht verfassungskonform geäußert habe.
  • Im Herbst 2017 hat die Moscheegemeinde eine einstweilige Verfügung gegen den Evangelischen Pressedienst EPD erwirkt, der die Moschee auf Grundlage einer Behauptung von Dr. Abdel-Hakim Ourghi von der Ibn-Rushd-Goethe Moschee als „als salafistisch geltend“ bezeichnet hatte, was dann wiederum in einige Medienberichte eingeflossen war. Der EPD legte Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung ein, aber das Berliner Landgericht entschied jüngst im Februar zugunsten der NBS, dass Medien die Moschee nicht als „als salafistisch geltend“ bezeichnen dürfen.
  • Gegen eine nicht belegbare Behauptung im Tagesspiegel „Islamistische Prediger sollen dort gegen Juden, Homosexuelle und Schiiten gehetzt haben“ konnte die NBS im vergangenen Jahr über ihren Rechtsanwalt eine Gegendarstellung bewirken, die auch im Tagesspiegel abgedruckt wurde (https://www.tagesspiegel.de/berlin/gegendarstellungen/in-eigener-sache-gegendarstellung-zu-moschee-besucher-verletzt-fuenf-polizisten/20285758.html ) In den letzten Jahren waren immer wieder explizit und offiziell Juden, Homosexuelle und Schiiten auf Einladung der Moschee in ihren Räumlichkeiten, andererseits waren allerdings in der Zeit bis 2013 auch 2-3 Personen in der Moschee, die an anderem Ort und zu anderer Zeit mit islamistischen Äußerungen negativ auffielen.
  • Im Dezember wurde bundesweit über die NBS in der BILD sehr negativ mit Aufführung zahlreicher Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Auftreten ihres Jugendseelsorgers bei einer Gedenkveranstaltung am Breitscheidplatz berichtet. ( https://www.bild.de/politik/inland/islamismus/so-islamistisch-ist-der-radikal-imam-54302860.bild.html ) Hierzu veröffentlichte die NBS eine ausführliche Gegendarstellung auf ihrer Website. (http://www.nbs-ev.de/presse/69-stellungnahme-zum-artikel-in-der-bild-zeitung-vom26-12-2017 )

 

Berührungspunkte mit Leadership Berlin:

Im Zusammenhang mit unserem Projekt meet2respect war es Mohamed Taha Sabri und die Neuköllner Begegnungsstätte, die nach dem Mobbing eines jüdischen Schülers durch seine muslimischen Mitschüler dies mit klaren Worten verurteilte und eine diesbezügliche Erklärung gegen Antisemitimus unter Bezugnahme auf unsere meet2respect-Grundsatzerklärung zum friedlichen Miteinander von Juden und Muslimen initiierte und dafür 12 Moscheevereine und 6 Imame als Mitunterzeichner gewann. (http://www.nbs-ev.de/presse/24-gemeinsamer-brief-von-muslimen-gegen-die-diskriminierung-und-ausgrenzung-von-juedischen-mitschueler-innen )

Auch im Dezember 2017 nach einer Demonstration von Palästinensern in Berlin gegen die Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Trump veröffentlichte die Neuköllner Begegnungsstätte eine Erklärung gegen Antisemitismus unter Bezugnahme auf unsere meet2respect-Grundsatzklärung. ( http://www.nbs-ev.de/presse/66-aus-aktuellem-anlass-stellungnahme-zu-antisemitismus-und-den-protesten-in-berlin ). Dies fanden wir zum einen dadurch besonders beachtlich, als dass Palästinenser unter den ca. 1500 wöchentlichen Besucher der Freitagsgebete der Neuköllner Begegnungsstätte die größte Gruppe darstellen. Zum anderen fanden wir bedauerlich, dass, obgleich die Moscheegemeinde die beiden Erklärungen an einen 300 Empfänger umfassenden Presseverteiler versendeten, nicht ein Medium die Moschee kontaktierte, um darüber zu berichten.

Des Weiteren waren wir in der Moschee im Rahmen unseres Projektes mit einer Gruppe von schwulen und lesbischen Führungskräften zu Gast und auch zu dem Thema zeigte die Neuköllner Begegnungsstätte Profil. Einerseits, da sie Mitunterzeichner unserer meet2respect-Grundsatzerklärung von Muslimen gegen Homophobie ist ( http://meet2respect.de/religion-lgbti/grundsatzerklaerung/ ) und andererseits auch aufgrund der Offenheit, mit der Mohamed Taha Sabri mit dem Thema umgeht und sich Homophobie in seiner Gemeinde mit klaren Worten entgegenstellt.

Im Jahr 2016 organisierten wir außerdem eine Veranstaltung zum Thema „Konzepte der Parteien gegen die Ausgrenzung und Abgrenzung von Muslimen in eine Parallelgesellschaft“ in der Neuköllner Begegnungsstätte unter der Moderation von Winfriede Schreiber, zu der Vertreter von SPD, CDU, Grüne, Linkspartei, FDP und AfD in die Moschee eingeladen waren. (http://leadership-berlin.de/muslime-fragen-politiker-antworten-in-der-neukoellner-begegnungsstaette/ )

Der Vorstand und Imam der Dar-as-Salam-Moschee, Mohamed Taha Sabri, hat nicht nur zweimal Gesprächspartner unseres Collaborative Leadership Programms empfangen und beteiligte sich an unserer meet2respect-Tandemtour 2017 – er hat selbst auch an unserem letzten Jahresprogramm teilgenommen und zählt seitdem selbst zu den regelmäßigen Besuchern unserer First Monday Veranstaltungen.

Sie sehen, an der Bewertung der Neuköllner Begegnungsstätte (Dar-as-Salam-Moschee) scheiden sich die Geister. Wir als Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V. halten viel von der NBS und ihrem Imam Mohamed Taha Sabri. Wir halten es für richtig und wichtig, die Zusammenarbeit mit der Neuköllner Begegnungsstätte auch in Zukunft fortzusetzen. Selbstverständlich können wir nachvollziehen, dass manche unserer Mitglieder angesichts der Berichterstattung, in der die NBS immer wieder als Teil eines extremistischen, islamistischen Umfelds dargestellt wird und auch Begriffe wie „Hass-Moschee“, „Radikal-Imam“, „lächelndes Gesicht einer Terror-Organisation“, „salafistisch“, „islamistisch“, „Teil der Muslimbruderschaft“ (gegen die die NBS inzwischen juristisch vorgeht und dabei bereits einige Erfolge erzielen konnte – die Entscheidung über ihre Klage gegen die Aufführung im Berliner Verfassungsschutzbericht steht allerdings noch aus) in Sorge oder verunsichert sind. Mit dem First Monday unter der Moderation von Winfriede Schreiber, ehemaliger Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes, wollen wir unseren Mitgliedern und interessierten Gästen die Möglichkeit geben, direkt an die Verantwortlichen der Moschee Fragen zu stellen und sich auf dieser Grundlage selbst eine Meinung zu bilden. Wir werden die Veranstaltung für einen größeren Personenkreis öffnen und freuen uns auf eine spannende Diskussion.

 

First Monday März: psychosoziale Notfallversorgung

Eingetragen am 19.03.2018

19. März 2018 | By |

An diesem ersten Montag im März waren wir bei der Notfallseelsorge Berlin zu Gast.

Das aus den beiden Kirchen, dem Malteser Hilfsdienst, der Johanniter Unfallhilfe, dem DRK, DLRG, dem ASB und dem Muslimischen SeelsorgeTelefon bestehende Netzwerk der Notfallseelsorge Berlin betreut Menschen in unmittelbaren Notfallsituationen. Im Gespräch mit dem Landespfarrer Justus Münster und einem der über 140 ehrenamtlich Engagierten, unserem Mitglied Steffen Claussen, erfuhren die Teilnehmenden unseres First Mondays, wie sich die vielfältige Arbeit der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) gestaltet und organisiert. Ebenso kamen der persönliche Umgang mit schweren Schicksalen und Schwierigkeiten im Arbeitsalltag zur Sprache.

Wie bei allen unseren First Monday Veranstaltungen lag der besondere Reiz u.a. an der vielschichtigen Zusammensetzung: einerseits von Führungskräften, die in verwandten Bereichen wie z.B. Polizei, Rote Nasen Clowns in Krankenhäusern und Telefonseelsorge – andererseits auch von Personen aus gänzlich anderen Kontexten der Wirtschaft wie z.B. Energie und Technik. Gemeinsam wurden nicht nur die besondere Belastung der psychosozialen Arbeit an sich diskutiert, sondern auch die organisatorischen Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten.

Konkrete Handlungsstrategien wurden in Form der Gewinnung von Ehrenamtlichen für die Öffentlichkeitsarbeit und der Teilnahme am Markt der Möglichkeiten der Stiftung Gute Tat nahegelegt. Darüber hinaus wurde eine Einbeziehung des Humanistischen Verbandes in das Netzwerk der PSNV diskutiert und ein Austausch mit dem Fotografen-Projekt “Dein Sternenkind” angeregt, das bundesweit Fotos von Sternenkindern in Krankenhäusern organisiert.

Wir danken ganz herzlich Justus Münster und Steffen Claussen für die intensiven, anregenden Einblicke in ihre Arbeit und wünschen ihnen für die Zukunft viel Kraft, mehr finanzielle und personelle Ressourcen und öffentliche mehr öffentliche Wahrnehmung. Worüber wir uns besonders freuen würden, wäre, wenn sich im Kreis unserer Mitglieder eine Person mit Kompetenzen in der Öffentlichkeitsarbeit findet, die bereit ist, sich ehrenamtlich bei der PSNV einzubringen.

 

Kontakt:
Pfr. Justus Münster
Landespfarrer der EKBO für Notfallseelsorge und Flughafenseelsorge im Land Berlin
Tel: +49 30 24344 291
Email: j.muenster@ekbo.de
http://www.notfallseelsorge-berlin.de
http://www.facebook.com/NotfallseelsorgeBerlin

First Monday im Quartier Zukunft der Deutschen Bank

Eingetragen am 26.02.2018

26. Februar 2018 | By |

Montagabend, Berlin Mitte. Im „Q110“ werden auch um 18 Uhr noch Ideen besprochen, Konzepte entwickelt und weiter gedacht. Schon der erste Hinweis darauf, dass es sich um keine gewöhnliche Filiale der Deutschen Bank handelt.

Mit unserem First Monday-Format waren wir mit dem Thema „Zukunft der Arbeitswelt am Beispiel der Finanzdienstleistungen: Bankgeschäft DER bzw. MIT Zukunft?“ zu Gast im „Quartier Zukunft“ der Deutschen Bank und genossen einen Abend lang die Zeit und Betreuung, die sich die neue Filiale für ihre Kunden als Aufgabe auf die Fahnen geschrieben hat. Denn hier soll eine Brücke geschlagen werden zwischen „Filialgeschäft und Internet“ bzw. „Regulation und globalem Wettbewerb“.

 

Begrüßt wurden wir von Filialleiterin Nadine Churcher, die ihren Job als „Herzenssache“ bezeichnete. Im Anschluss führte uns der Koordinator des Quartiers, Alexander Kwast, durch die Räumlichkeiten. Dabei sprach er nicht nur über das Konzept, das hinter der neuen Filiale steht, sondern plauderte auch aus dem Nähkästchen und thematisierte seine persönliche Rolle im Entstehungsprozess. Damit machte er deutlich, worum es den Schöpfer*innen des Zukunftsquartiers im Kern geht: um Emotionen und Menschlichkeit.

Vor mehr als zehn Jahren startete die Filiale Zukunft und dient seither als Labor, um verschiedene Formate von „Wie soll Bank sein?“ zu testen. Immer wieder werden Ideen in andere Filialen implementiert, als Gesamtkonzept ist das Quartier jedoch einmalig. Seit zwei Jahren ist die Gestaltung nun im aktuellen Design, welches sich an den vier Grundpfeilern des modernen Bankings orientiert: Innovation, Coaching, Inspiration und Community. Dazu wurde ein offener, heller Raum ohne (physische) Barrieren kreiert, der explizit vom klassischen Aufbau traditioneller Bankfilialen mit Geldautomaten im Eingangsbereich abweicht.
Ziel sei es, ein Ort zu werden, an dem die Menschen – nach ihrem Zuhause und ihrem Arbeitsplatz – gerne Zeit verbringen. Daher empfängt einen auch eine Cafébar statt Counter, es stehen Sessel und Bücher bereit, die mietbaren Arbeitsplätze sind von bepflanzten Wänden umgeben. Kooperationen mit diversen Startups sorgen für Dynamik.

Die Diskussionsrunde verlief, wie es die Vielfalt der Gruppe erwarten ließ: brisant, kritisch, provokant, interessiert, wohlwollend und angeregt. Gleich die ersten Fragen zielten auf Themen wie die Bankenkrise und was daraus gelernt wurde, Investment-Banking und seine heutige Bedeutung im Unternehmen, die Geschäftsbeziehung zu Donald Trump ab und wie junge Menschen heute für eine Ausbildung im Unternehmen begeistert werden können. Harald Eisenach, Sprecher der Regionalen Geschäftsleitung Ost und Mitglied des Management Committees Deutschland, sowie die langjährigen Mitarbeitenden Antje Uhlig, Ute Kupfer, Matthias Bonk und Christof Breuch meldeten sich daraufhin zu Wort und beschrieben ihre persönlichen Erfahrungen in Ihrer Arbeit und auch in Bezug auf den Umgang mit „Skandalen“ um ihren Arbeitgeber. Dazu gehört auch, dass bei einer so großen Institution wie der Deutschen Bank, diejenigen, die z.B. an den Schaltern stehen, nur sehr wenig direkte Einflussmöglichkeit auf globale Entscheidungsprozesse der Unternehmensführung haben, sicherlich aber diejenigen sind, die jeden Tag Ihren Kunden Rede und Antwort stehen müssen zu den häufigen negativen Schlagzeilen zum eigenen Hause. Sie berichteten, dass ihre eigentliche Arbeit oft in den Schatten solcher Konflikte geriete und bedauerten eine quasi „deutsche Masochismus-Kultur“, die häufig nicht ausgewogen berichtet über vorhandenes und zu kritisierendes Fehlverhalten auf der einen Seite und sicherlich auch in Banken vorhandenem normalem Gutverhalten und tägliche Kundenorientierung.

Die Vertrauensverluste und die resultierenden neuen Ansätze, die im Zuge des Change Management Prozesses eingeführt wurden, haben schließlich auch zu der Idee für eine „Plattformweiterentwicklung“ geführt, die in Form des Quartiers realisiert wurde.

Das Q110 ist dabei vielleicht nicht DIE Filiale, wie sie deutschlandweit entstehen wird. Ihr Zweck besteht für die Deutsche Bank darin, Möglichkeiten zu testen, wie mit einem heterogenen Kundenstamm und einer riesigen Bandbreite an Bedarfen in Zukunft umgegangen werden kann. Die Führungskräfte im Zukunftsquartier sind überzeugt, dass persönlicher Kontakt nicht ersetzbar ist und deshalb Modernisierung nicht als reine Digitalisierung, sondern ganzheitlich umgesetzt werden muss. „Wir waren überrascht, wie viele junge Leute in unseren Filialen Überweisungsträger ausfüllen!“, ist eine Beobachtung, von der sie berichteten.

Zur Zukunft des Bankenwesens und zum Ruf der Deutschen Bank hatten die Teilnehmenden unseres First Mondays trotz dieser Zukunftsstrategie unterschiedlichste Meinungen, wie sich bei der Aufstellung in einem Meinungsstrahl zeigte. Klar wurde, dass die Deutsche Bank, mehr als so mancher anderer „Global Player“ made in Germany, sich nach wie vor als deutsches Unternehmen mit globaler Präsenz betrachtet, in dem das Geschäft im Heimatmarkt mit Privatkunden und Firmenkunden in weit höherer Intensität verfolgt wird als in anderen Ländern.

Das Schlusswort der Gastgeber*innen war ein Plädoyer für Visionen: In Berlin treffe Historie auf viel Neues, Ungeordnetes. Das sollte Mut machen, Dinge nicht als gegeben hinzunehmen, sondern die Frage zu stellen: Was können WIR selbst verändern?

In diesem Sinne danken wir der Deutschen Bank, dass wir für die spannende Diskussion zu Gast sein durften, sowie allen Beteiligten, die hoffentlich viel Inspiration und Mut aus dem Abend mitnehmen konnten.

First Monday bei Siemens: Stellenabbau in der Diskussion

Eingetragen am 26.01.2018

26. Januar 2018 | By |

Mit unserem First Monday im Januar bei Siemens widmeten wir uns einer aktuell kontrovers diskutierten Unternehmensentscheidung. Anfang November verkündete das Unternehmen einerseits einen Gewinn von über 6 Milliarden Euro, andererseits wurde mangels Rentabilität und Auslastung die Schließung von einzelnen Werken und die Entlassung von 5900 Beschäftigten verkündet. Diese Kombination wurde von zahlreichen Politiker*innen und Medienvertreter*innen scharf als unsozial und verantwortungslos kritisiert. Zu unserem First Monday waren wir in einem durch den geplanten Stellenabbau potentiell betroffenen Werke zu Gast im Gespräch mit Stefan Moschko, Personalleiter von Siemens Deutschland und Mitwirkender im Beirat von Leadership Berlin, Michael Friedrich, Pressesprecher bei Siemens und Jan-Marc Lischka, dem Werksleiter des Gasturbinenwerks.

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 „Ist die Entscheidung nachvollziehbar?“, dieser Frage stellten sich die 20 teilnehmenden Führungskräfte aus Non-Profit, öffentlichem und privatwirtschaftlichem Bereich von Leadership Berlin zunächst anhand eines Meinungsstrahles. Es zeigte sich dabei eine große Spannbreite, die von geringer Zustimmung bis hin zu völligem Verständnis reichte, wobei zum allgemeinen Erstaunen die Mehrheit zu letzterem tendierte. So gab es zwar Stimmen, die sich eine unternehmerische Verantwortung dahingehend wünschten, nicht mehr benötigte Werke mit anderen Produktionsabläufen zu retten und damit den geplanten Stellenabbau gerade in Regionen wie Görlitz zu vermeiden. Die Mehrheit konnte jedoch die Planung, sich von unrentablen Werken zu trennen, nachvollziehen, besonders hinsichtlich eines sich schnell wandelnden Marktes.

 Interessant für alle Beteiligten war die Diskussion umfassender Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt, die mit den genannten 3 Ds – Digitalisierung, Dekarbonisierung und demografischen Wandel – einhergehen. Hier wurden auch Ähnlichkeiten zu anderen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie beispielsweise dem Braunkohleausstieg in Brandenburg deutlich. Weitere spannende Aspekte folgten auf die anschließende Frage, ob der Aufschrei ebenso stark gewesen wäre, wenn es sich um einen Stellenabbau eines Finanzdienstleiters gehandelt hätte.

 Kontroverser diskutiert wurde im Verlauf des Abends die Kommunikation, wie sie im Hinblick auf den geplanten Stellenabbau ablief und aufgenommen wurde. Hier wurde einerseits die – teilweise durch ein Leak durcheinander gebrachten – zeitlichen Abläufe diskutiert wie auch die Art und Weise der Krisenkommunikation. Daraus ergaben sich Fragen, in die sich jeder auf unterschiedliche Weise hineindenken konnte, wie z.B.: „Hätte verhindert werden können, dass vorab Gerüchte und Teilüberlegungen über die geplanten Veränderungen an die Öffentlichkeit gelangen?“ oder „Hätte es Sinn gemacht, wenn Manager in Talkshow-Formaten wie z.B. „Hart aber Fair“ entgegen der öffentlichen Meinung versucht hätten, ihre Standpunkte darzulegen?“

In einer abschließenden Werksführung konnten die Besucher die historischen Produktionsstätten besichtigen und einige faszinierende Infos über das Produkt und die Herstellungsprozesse mitnehmen: So z.B., dass das Gewicht einer Gasturbine mitunter das einer voll besetzten A 380 übersteigt. Oder, dass die einzelnen Radscheiben der Gasturbinen, von Herrn Lischka auch als „Schwermechanik mit Uhrwerkspräzision“ beschrieben, beim Auswuchten bis auf 50 Mü, was dem Zehntel einer Haarbreite entspricht, angepasst werden. Am Ende dieses Prozesses lässt sich die Turbine, mit deren Leistung sich später eine Stadt in der Größe von Hamburg mit Strom versorgen lässt, mit einem Arm bewegen.

 Wir danken Stefan Moschko, Michael Friedrich und Jan-Marc Lischka für die spannenden Einblicke und die Teilnehmenden konnten in der Auseinandersetzung mit der gegebenen Situation intensive Eindrücke und praxisnahe Erfahrungen für Ihre Bereiche mitnehmen. Und wir drücken Siemens die Daumen, dass das Unternehmen die nächsten Jahre weiter so erfolgreich ist und noch viel mehr Menschen in florierenden Unternehmenssparten einstellen kann als man in unrentablen Unternehmenssparten abbauen muss.

 

First Monday im März: Notfallseelsorge

Eingetragen am 01.01.2018

1. Januar 2018 | By |

Ort: Notfallseelsorge bei der Ev. Hoffnungsgemeinde Berlin-Pankow, Elsa-Brändström-Str. 33, 13089 Berlin-Pankow
Zeit: Montag, den 5. März 2018, 18.30 – 21.00 Uhr
Anmeldung: bis 26. Februar 2018 hier

First Monday bei Notfallseelsorge

Erste Hilfe für die Seele

  • Wie muss man psychisch konstituiert sein, um eine solche Arbeit hauptamtlich oder ehrenamtlich zu bewältigen? Wie sehen Einsätze der Notfallseelsorge konkret aus? Wie können Krisen aushaltbar gemacht oder entschärft werden?
  • Wie kann es der Notfallseelsorge Berlin gelingen, mit ihren Angeboten und Konzepten der psycho-sozialen Betreuung mit ihren Themen wahrnehmbarer zu werden?

Gesprächspartner

  • Pfarrer Justus Münster, Landespfarrer für Notfallseelsorge in Berlin
  • Steffen Claussen, Dezernent bei der Berliner Polizei für internationale Zusammenarbeit, Teilnehmer unseres Leadership-Programms 2017 und einer von 140 Ehrenamtlichen in der Notfallseelsorge.

Hintergrund

Bekanntheit erlangt die Berliner Notfallseelsorge (Website) u.a. durch Krisenereignisse wie dem Anschlag am Breitscheidplatz 2016, bei der Love Parade 2010 oder größeren Verkehrsunfällen. Zum Einsatz kommt die Notfallseelsorge allerdings vor allem durch die tagtäglichen persönlichen Übermittlungen von Todesnachrichten in enger Zusammenarbeit mit Polizei und Feuerwehr, die Betreuung von Gewaltopfern, die Betreuung von Opfern von Haus- oder Wohnungsbränden oder auch die Betreuung von Eltern und Geschwistern bei Kindernotfällen. Die Notfallseelsorge Berlin wurde vor 23 Jahren unter dem Dach der Evangelischen Kirche und des Erzbistums Berlin ins Leben gerufen und bewältigt derzeit mit 2 Hauptamtlichen und 140 Ehrenamtlichen ca. 300 Einsätze pro Jahr. Über die Kooperation mit Polizei und Feuerwehr hinaus würde die Seelsorge zukünftig gerne auch noch stärker in Medien und von möglichen Kooperationspartnern (u.a. auch größere Unternehmen und Behörden) wahrgenommen werden. Im ersten Teil des Abends (18.30 bis 19.30 Uhr) besteht für die Teilnehmenden die Möglichkeit Einblicke in die Tätigkeit der Notfallseelsorge zu erhalten und dazu Fragen zu stellen. Nach einer Pause (19.30 – 20.00 Uhr) werden wir uns in Arbeitsgruppen der Fragestellung der Notfallseelsorge widmen, wie es ihr gelingen kann, stärker als bislang in Medien und von Unternehmen und Behörden wahrgenommen zu werden und evtl. einen Förderverein aufzubauen. Die Teilnehmenden können dabei einerseits ihre eigenen Erfahrungen aus den unterschiedlichen Kontexten einbringen – andererseits ebensolche von dem Gastgeber bzw. den anderen Teilnehmenden mitnehmen.

Teilnahmebedingungen

Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen, nur eine komplette Teilnahme möglich ist und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen dieses Mitgliedsformulars tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei, eine Anmeldung ist bis zum 26.Februar 2018 hier möglich. Sie erhalten am 27. Februar eine Rückmeldung, ob wir Ihre Anmeldung berücksichtigen konnten.

First Monday im Dezember: Was bedeutet Integration?

Eingetragen am 09.12.2017

9. Dezember 2017 | By |

„Was bedeutet Integration?“ Mit dieser so einfachen wie komplexen Frage an die Gesprächspartner*innen auf dem Podium startete unser First Monday Abend zum Thema „Chancen und Herausforderungen der Zuwanderung – Probleme und Lösungen der Integration“ im Gemeinschaftshaus Morus 14 e.V.. Gastgeber Gilles Duhem, der mit seinem Verein viele Kinder und Jugendliche im Neuköllner Rollbergviertel betreut, schlug darauf prompt die folgenden drei Punkte als „Integrationsanleitung“ vor: Erstens sorge dafür, dass all deine Dokumente ordentlich kopiert in einem Ordner bereitliegen, zweitens erscheine pünktlich zu jedem Termin und drittens lass keinen Müll in deiner Umgebung liegen – dann, so der Franzose Duhem, sei man im „weltoffenen“ Deutschland zu 75% integriert.

Dieser streitbare Beitrag verfehlte nicht die gewünschte Wirkung. Die Diskussion startete mit Schwung und brachte letztendlich das, was diesen Abend besonders spannend machte: einen steten Wechsel zwischen Schilderungen von konkreten Erfahrungen aus nächster Nähe und der Diskussion von übergeordneten, gesamtgesellschaftlichen Fragen. Aus dem direkten Umfeld des „segregierten“ Rollbergviertels berichteten der Gastgeber selbst, die Mittelstufenkoordinatorin sowie Jobcoachin der Zuckmayer Sekundarschule Sabine Drochner und Sigrid Salifu sowie Taha Sabri, der Imam der Dar-as-Salam-Moschee/Neuköllner Begegnungsstätte. Einen statistischen Input zum Thema Zuwanderung brachte darüber hinaus Peter Conrad, u.a. Vorstand im Begegnungschor, dem Verein Perspektiventag und bei Leadership Berlin.

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Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt wurde zunächst als ein wichtiges Thema der Integrationsarbeit diskutiert. Dabei spiele die Familie eine entscheidende Rolle, die den Ausbildungsantritt verhindern könne, wenn die berufliche Perspektive beispielsweise nicht prestigeträchtig genug sei oder auch einfach ein Heimaturlaub dazwischen käme, so eine Schilderung. Als wichtige Faktoren für eine gelungene Integration wurden insbesondere Sprache und Bildung genannt – Aspekte, die angesichts des Umstandes, dass 36 Prozent der 2015 angekommenen Geflüchteten keinen Schulabschluss haben, vor allem große Anstrengungen und Geduld abverlangten.

Neben den Expert*innen aus der beruflichen Praxis brachten einige Diskussionsteilnehmer, die selbst eine Zuwanderungs- oder Fluchtgeschichte haben, ihre Perspektiven mit ein. So fragte ein Arzt, der vor über 10 Jahren aus Palästina nach Deutschland kam und inzwischen seine eigene Praxis leitet, wann er denn eigentlich endlich als integriert gelte. Andere, die erst innerhalb der letzten drei Jahre nach Deutschland gekommen sind, brachten das Problem auf, dass qualifizierte Geflüchtete teilweise jahrelang in Warteschleifen festgehalten würden, bevor sie endlich arbeiten dürften.

Auf der allgemeineren Ebene wurde dann erörtert, inwieweit bereits der Begriff „Integration“ eigentlich diskriminierend sei – impliziere er ja, dass etwas eingefügt oder angepasst werden müsse und widerspreche damit dem Diversity-Gedanken einer vielfältigen Gesellschaft.

Neben Integration diskutierte die Gruppe auch das Phänomen der Segregation, die sich in Berlin beispielsweise daran ablesen lässt, dass es einerseits über 70 öffentliche Schulen gibt, die einen Schüleranteil nicht-deutscher Herkunftssprache von über 75 Prozent haben (bei der Zuckmayer-Schule sind es sogar 97%) und andererseits viele Schulen ohne Schüler*innen mit Migrationshintergrund. Dazu gab es sowohl die Meinung, dass segregierte Wohngegenden hinderlich für Integration seien, da die Bewohner*innen ohne deutsche Sprache auskommen und sich in solchen Gegenden – wie im Beispiel Rollbergviertel – ein hoher Arbeitslosenanteil und Bildungsferne verdichten können. Andererseits vertraten einige Diskussionsteilnehmende auch die Auffassung, dass die Konzentration türkisch- und arabischstämmiger Bevölkerung in einigen Stadtbezirken unter Wahrung kultureller Elemente aus den Herkunftsländern genauso als Selbstverständnis und Bereicherung in Deutschland akzeptiert werden sollte wie dies auch in den USA bei Minderheiten (Stichwort „Chinatown“)  der Fall ist.

„Wie viel Zuwanderung braucht Deutschland?“ lautete eine andere Frage, die kontrovers diskutiert wurde. Mit 400.000 Menschen pro Jahr beziffere das Statistische Bundesamt den Bedarf an Zuwanderung, damit das Rentensystem in Zukunft weiter funktionsfähig bleibe, war das Argument eines Gesprächsteilnehmers. Andere verwiesen auf die aktuellen Probleme bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt und meldeten Zweifel an, ob eine größere Anzahl für den Arbeitsmarkt verkraftbar sei. Als weiterer Punkt wurde diskutiert, inwieweit es egoistisch sei, wenn die westlichen Industrieländer „Rosinenpickerei“  betreiben und ausschließlich Zuwanderung von Hochqualifizierten zulassen.

Die Frage „Was ist Integration?“ wurde an diesem Abend zwar nicht abschließend geklärt, aber sie wurde in jedem Fall von verschiedensten Seiten beleuchtet und drängende Herausforderungen identifiziert. Wir danken allen Teilnehmenden und insbesondere den Expert*innen für die vielfältigen erhellenden Beiträge und hoffen, dass sich für viele im Gespräch neue Blickwinkel auf das Themenfeld Integration aufgetan haben.