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First Monday Archive - Leadership Berlin

Rückblick FM: (Un-)Sicherheit in der Bevölkerung

Eingetragen am 23.03.2020

23. März 2020 | By |

Bei unserer First Monday Begegnungsreihe bringen wir Führungskräfte aus unserem Netzwerk in trisektoraler Zusammensetzung mit Akteur*innen der Berliner Stadtgesellschaft ins Gespräch. Diese erläutern anhand des eigenen Arbeitsumfelds eine gesellschaftsrelevante Leadership Herausforderung.

Im März sprachen wir gemeinsam mit Petra Roeßemann, Lehrkraft für besondere Aufgaben für Kriminalistik der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (zuvor Inspektionleiterin Referat Kriminalitätsbekämpfung der Polizeidirektion 5) über die objektive Gefahrenlage im Berliner Stadtraum und wie diese sich zum gefühlten Unsicherheitsgefühl in der Gesellschaft verhält.

Die Teilnehmenden waren eingeladen, Orte und Situationen, in denen sie sich besonders un-/sicher fühlen, auf Karten zu sammeln. Schon dabei wurde klar, dass das persönliche Empfinden von individuellen Faktoren, wie Alter, Geschlecht, Erfahrungen, Persönlichkeitsstruktur, Selbsteinschätzung oder dem Konsum bestimmter Medienberichte abhängt. Orte, die als besonders bedrohlich wahrgenommen werden, sind meist dunkel und unübersichtlich. Fehlende Belebtheit, Desorganisationserscheinungen oder gar Verwahrlosung, sowie die Dominanz einer einzelnen, dem eigenen Erfahrungsbereich eher unvertrauten Nutzungsgruppe vermitteln ebenso ein unangenehmes Gefühl. Daran knüpfte für viele die Frage an, ob das eigene Gefühl mit der Möglichkeit, wirklich Opfer zu werden, übereinstimmt. Zur Beantwortung dieser Frage wird häufig die Polizeiliche Kriminalstatistik zurate gezogen.  

Es war ein sehr informativer, teils kontroverser, in jedem Fall aber spannender First Monday, der inhaltlich auch beim Leadership Stammtisch noch rege Fortsetzung fand.

Wir danken Petra Roeßemann ganz herzlich für die Einblicke und Ausführungen, Elke Plate von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und die Gastfreundschaft, sowie allen Teilnehmenden für die angeregte Diskussion.

First Monday im Januar – Berlin in einer Post Party Depression?

Eingetragen am 15.01.2020

15. Januar 2020 | By |

Wie verändern Gentrifizierungsprozesse die Berliner Clubkultur?

Bei unserer First Monday Begegnungsreihe, bei der wir Berliner Führungskräfte mit Akteur*innen der Stadt ins Gespräch bringen, standen im Januar die Wechselwirkungen zwischen Gentrifizierung und der Clubszene Berlins im Mittelpunkt.

Sascha Disselkamp ist als Betreiber des Sage-Clubs nicht nur Stakeholder in der Partyszene, sondern als Gründungsmitglied und heutiger Sprecher der Clubcommission auch ein politischer Akteur des Kulturbereichs und kämpft – wie viele andere – um Raum in der Stadt.

Die Herausforderungen, mit denen die Szene heute konfrontiert ist, sind heute natürlich andere als in den 1990er Jahren. Die Diskussion drehte sich um Fragestellungen wie: “Welche Strategien sind fruchtbar im Umgang mit erhöhten Grundstückswerten und daraus resultierenden steigenden Mieten, Auflagen im Emissionsschutz oder wechselnder Anwohnerschaft und ihren Lärmbeschwerden?”
Eindrücklich, aber humorvoll schilderte Sascha Disselkamp die Erfahrungen, die er als Clubbetreiber und als Sprecher der Clubcommission durch die Verknappung der innerstädtischen Flächen machte. Besonders hervorzuheben sind sicher die Verhandlungen mit Investoren zur Raumnutzung nach oben (z.B. auf Parkdächern) und unten (bspw. in Kellerräumen), sowie der Nutzung von “Restflächen” (z.B. Tunneln).

Unterschiedliche Einschätzungen im Teilnehmendenkreis gab es zur Rolle, die die Politik in diesem Gefüge einnehmen sollte. Sieht Sascha Disselkamp in den Beschäftigten der Senatsverwaltung eher Unterstützer*innen, die seine Anliegen fördern, aber gegenüber privaten Eigentümern oft keine Handlungsmacht haben, erachteten es einige der Teilnehmenden als städtische Pflicht, Kulturstätten – und damit auch der Clubszene – Raum zur Verfügung zu stellen.

Einen weiteren zentralen Aspekt des Austauschs stellte das Thema Diskriminierung durch die Szene selbst dar. Wie kann es gelingen, dass Schutzräume für bestimmte Personenkreise geschaffen werden, ohne im gleichen Zuge andere Personen (z.B. mit türkisch/arabischer Herkunft) aufgrund oberflächlicher Kriterien davon auszuschließen? Hier zeigte sich der Fallgeber selbst betrübt und beteuerte, dass er aktiv an diesem Dilemma arbeite. Die Clubcommission habe bereits einen Arbeitskreis dazu gegründet, der spezielle Schulungen für Türpersonal organisiere. Unterstützung für diesen Arbeitskreis bietet in Zukunft eine Person aus dem Teilnehmendenkreis durch die Erkenntnissen aus ihrer langjährigen Erfahrung an einer Tür. Sascha Disselkamp zeigte sich darüber sehr erfreut und äußerte, dass er ebenfalls eine engere Zusammenarbeit zwischen Antidiskriminierungsstellen und Clubs befürworten würde.

Wir danken allen Teilnehmenden für das Interesse und Sascha Disselkamp für die offenen Worte, sowie der Clubcommission für die Gastfreundschaft.

Ankündigung: First Monday im Januar – Post party depression?

Eingetragen am 19.12.2019

19. Dezember 2019 | By |

Wie verändern Gentrifizierungsprozesse die Berliner Clubkultur?

Foto von Maurício Mascaro von Pexels

Neu: ab 2020 finden unsere First Monday Begegnungen jeweils zwischen 18..00 Uhr und 20.00 Uhr statt. Unmittelbar danach schließt sich unser Leadership Stammtisch an, zu dem auch Mitglieder willkommen sind, die nicht am vorherigen First Monday teilgenommen haben.

Zeit: Montag, der 6. Januar 2020, 18.00 – 20.00 Uhr

Ort: Clubcommission Berlin Verband der Berliner Club-, Party- und Kulturereignisveranstalter e.V., Brückenstraße 1 in 10179 Berlin

Gesprächspartner: Sascha Disselkamp, Betreiber des Sage Clubs (in dem auch der Kitkat-Club angesiedelt ist) und Vorstand und Sprecher der Clubcommission

Anschließend von 20.15 – 22 Uhr: offener Leadership Stammtisch im Restaurant Mittmann’s in der Rungestraße 11, 10179 Berlin

Hintergrund:
Der Beat Berlins schlägt seit der Wende im Takt des Technos. Die leeren Flächen und unbewohnten Teile des Berliner Ostens lockten mit günstigen Mieten und niedrigen Grundstückspreisen Kunst- und Kulturschaffende in die neue Bundeshauptstadt. Inzwischen ist Berlin international für seine Feierszene und Clubkultur bekannt, welche mit alternativen selfmade-looks (wie im Sisyphos, Heideglühen, dem Club der Visionäre oder dem Katerblau), industriellen Designs (wie bspw. im Tresor oder der Ritter Butzke), spektakulären Spots (wie das Watergate oder Weekend) oder Szeneveranstaltungen für ein Fetisch-Publikum (wie im KitKat oder dem Berghain) so vielfältig ist wie sein Publikum.

Die Berliner Clubs sind allerdings auch ein Wirtschaftsfaktor und haben laut einer Studie der Senatsverwaltung für Wirtschaft im letzten Jahr mit 58.000 Veranstaltungen mit 71.000 künstlerischen Auftritten einen Umsatz von 168 Millionen Euro erwirtschaftet. Und das Berliner Nachtleben leistet einen großen Beitrag zu der auch internationalen Anziehungskraft von Berlin auf Touristen und den Zuzug von Unternehmen und Menschen.

Gerade letzteres allerdings bedroht nun immer mehr die Existenz der Berliner Clublandschaft. Angesichts des Bevölkerungszuwachses von ca. 40.000 Menschen pro Jahr sind die Immobilienpreise in die Höhe gestiegen und wird die Stadt immer dichter besiedelt. Mehr und mehr Clubstandorten fehlen die Gelder, eine „anderweitige Verwertung“ der Standorte durch Finanzinvestoren verhindern zu können, in erweiterten Schallschutz investieren zu können oder andere neue Auflagen zu erfüllen.

Sascha Disselkamp, selbst Betreiber des Sage Clubs und KitKat-Clubs, kann aus eigener Erfahrung darüber ein Lied singen. Aber auch die Situation anderer Clubbetreibender kennt Sascha Disselkamp gut, ist er doch Mit-Initiator und Sprecher der 2001 gegründeten Clubcommission, die die Interessen ihrer ca. 200 Mitglieder gegenüber Politik, Verwaltung und Medien vertreten. Wir freuen uns auf einen spannenden Austausch mit Sascha Disselkamp über die Veränderung der Stadt und den damit einhergehenden Herausforderungen aus Sicht von Clubbetreibenden. In trisektoraler Zusammensetzung wollen wir überlegen, in welcher Form Collaborative Leadership in dem Zusammenhang zum Tragen kommt.

Wir freuen uns über eine Rückmeldung über dieses Formular:

  •  

*Rahmenbedingungen:
Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis.
Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen und unsere Mitglieder auch im Anschlussgespräch Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Nicht-Mitgliedern ermöglichen wir die Teilnahme vereinzelt. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen des Mitgliedsformulars auf unserer Website (http://leadership-berlin.de/wp-content/uploads/2014/04/Mitgliedsantrag-für-natürliche-Mitglieder_IBAN_.pdf) tun.

Rückblick: First Monday im Dezember zum Thema Agilität

Eingetragen am 17.12.2019

17. Dezember 2019 | By |

Ist Agilität die Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit?

Unsere First Monday Begegnungsreihe für Berliner Führungskräfte verabschiedete das Jahr 2019 mit einem spannenden Austausch zum Thema Agilität, welcher die Teilnehmenden sicher auch in 2020 noch beschäftigen wird. Zumindest verließ die große Mehrheit die Veranstaltung mit dem Vorhaben, in einigen Arbeitsbereichen mehr Agilität auszuprobieren.

Die Fallgebenden waren Alumni des Collaborative Leadership Programms 2019: Dr. Bärbel Bardarsky, Anstaltsleiterin der JVA für Frauen und Tassilo Kubitz, Leiter Projektmanagement bei dem IT-Unternehmen akquinet@spree GmbH. Sie hatten während ihrer Teilnahme am Jahresprogramm – trotz der unterschiedlichen Arbeitsbereiche – festgestellt, dass sie sich mit ähnlichen Fragen rund um Entscheidungsprozesse und strukturelle Herausforderungen konfrontiert sehen: Wie etablieren wir eine neue Strategie auf allen Arbeitsebenen? Wen holen wir mit ins Boot, wenn eine Akut-Situation drängt, diese aber weitreichende Auswirkungen hat? Welche Konzepte passen zu Mitarbeitenden aus verschiedenen Generationen? In einem Dialog-Format der beiden wurde anhand von Praxisbeispielen deutlich: in einer Haftanstalt geht es teils überraschend agil zu, an anderen Stellen bewähren sich klassische Vorgehensweisen.

Diese Veranschaulichungen von Agilität im Vollzug (doppeldeutig!) boten einen greifbaren Ausgangspunkt für die Teilnehmenden, um die jeweils eigene Organisation zwischen klassischer Struktur und Agilität zu verorten.

In einer Gruppenarbeit analysierten die Führungskräfte anhand der eigenen Arbeitsbereiche, wo etwas mehr Agilität zu neuen Ansätzen und Verbesserungen führen könnte und wann Planungsgremien oder langfristige Festlegungen durchaus sinnvoll sind.

Wenngleich einige Teilnehmende überrascht waren, wie agil ihre (Teil-) Bereiche bereits aufgestellt sind, wurde die Umstellung der Arbeitsprozesse, besonders in öffentlichen Behörden, doch noch als weit entferntes Ziel eingeschätzt.

Wir danken Tassilo Kubitz und Bärbel Bardarsky für den spannenden Termin, Carola Trömel für die vorangestellte und eindrucksvolle Führung durch die Räumlichkeiten der JVA für Frauen, sowie unserem Alumni Werner Gräßle, Präsident des Amtsgerichts Lichtenberg für die Gastfreundschaft. Natürlich danken wir auch allen Teilnehmenden für das Interesse und die Offenheit und freuen uns auf den nächsten Termin am 06.01.20 im neuen Programmformat: Ab Januar 2020 finden die First Mondays von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr statt und im Anschluss gibt es einen offenen Leadership Stammtisch.

Rückblick: First Monday Diskussion zu „Quoten“ in Demokratie & Wirtschaft

Eingetragen am 12.09.2019

12. September 2019 | By |

Am ersten Montag im September, einen Tag nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg, fand unser Diskussionsformat First Monday mit der Frage, was “Quoten” für Demokratie und Wirtschaft bedeuten, statt. Exemplarisch wurde das Thema zunächst anhand des aktuell verhandelten Paritätsgesetzes (PDF) für Brandenburg bearbeitet. Und eins ist jedenfalls sicher: Sollte das Gesetz tatsächlich durchgesetzt werden, sehen die Listenzusammenstellungen 2020 anders aus.

Denn in diesem Jahr gingen nur 28 der 88 bzw. 31% Parlamentssitze an Frauen, was gerade einmal etwas mehr als der durchschnittliche Frauenanteil unter den Parteimitgliedern ist. Dass es wünschenswert wäre, dass mehr Frauen Mitglieder in Parteien werden und auch, dass der Frauenanteil in Führungspositionen bzw.  unter den Abgeordneten höher ist, darin stimmten alle Teilnehmenden noch überein. Ob jedoch eine gesetzliche 50-Prozent-Quote für die Zusammenstellung der Listen der richtige Weg ist, um das Ungleichgewicht aufzuheben, da schieden sich die Geister. Die einen sahen darin einen Eingriff in die demokratische Freiheit, die anderen meinten, die Gleichberechtigung von Mann und Frau werde erst angemessen gefördert, wenn auch die Direktmandate quotiert werden würden.

Daher teilten sich die Teilnehmenden in zwei Gruppen, um Pro- und Contra-Argumente zum Paritätsgesetz zu finden. Das Gespräch der Befürworter*innen wurde moderiert von Winfriede Schreiber, u.a. ehemalige Präsidentin des Verwaltungsgerichts Cottbus, Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes und heute Vorstandsvorsitzende von Leadership Brandenburg. Die andere Gruppe wurde moderiert von Bernhard Heider, Geschäftsführer von Leadership Berlin. Die jeweiligen Argumente wurden daraufhin in einem Debattenformat vorgetragen. Startschuss war das Einstiegsplädoyer von Winfriede Schreiber mit dem Titel “Mut zur Veränderung”, in welchem sie auf die lange Historie des Patriarchats und die Notwendigkeit nach neuen strukturellen Weichen verwies. Dagegen hielt die andere Gruppe, ebenfalls vertreten durch eine Frau, mit dem Einstiegsplädoyer “Fördern statt Quotieren”, in welchem angemahnt wurde, dass durch das Instrument der Quoten eine Zwangsstruktur geschaffen werde, die an den eigentlichen Bedarfen, wie familienfreundlichen Arbeitszeiten, vorbeigehe. Es entwickelte sich ein spannendes Ping-Pong-Match aus Argumenten, welches in je einem Abschlussplädoyer mündete.

Wenngleich kaum jemand die Eingangsposition gewechselt hat, gab es doch Anerkennung für die starken Argumente der “Gegenseite” und das Gefühl, dass alle dasselbe Ziel vor Augen haben und sich nur die Wege unterscheiden. Immerhin: “Der kontroverseste First Monday, den ich je erlebt habe!”, so das Fazit eines teilnehmenden langjährigen Mitglieds.

In der Abschlussrunde besonders positiv hervorgehoben wurde der Veranstaltungsort: Dankenswerterweise hatte sich Sebastian Schimming, Geschäftsführer der Kreativitätsgrundschulen, als Gastgeber angeboten und damit ermöglicht, die Räumlichkeiten in der Grundschule im Friedrichshain zu nutzen. Und diese konnten sich blicken lassen: das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde (und wird) über zehn Jahre renoviert und strahlt mit dem großzügigen Schulhof und der imposanten Aula ein besonderes Flair aus. Ein Highlight der Überarbeitungen ist sicher das alte Schwimmbad, welches in eine Bibliothek umgebaut wurde. Der ehemalige Pool ist nun eine holzverkleidete Einlassung zwischen Büchern, in welchem gemütliche Sitzsäcke und Decken zum Schmökern und Verweilen einladen. Vielen Dank an alle Teilnehmenden für die spannende Debatte und nochmal besonders an den Gastgeber Sebastian Schimming.

Rückblick: Gespräch mit Aktivist*innen von Fridays for Future

Eingetragen am 15.08.2019

15. August 2019 | By |

Laurens Heintze, Jaro Watzke, Anna Ducksch, Malin Rackles, Anton Zölsz, Benjamin Dörfel und Henrik Arhold (v.l.n.r.)

Kaum ein Zukunftsthema steht derzeit so sehr im Fokus wie die Prognosen des Klimawandels und die von zahlreichen Klimawissenschaftler*innen dringend angemahnten und von „Fridays for Future“ auf die Straße getragenen Forderungen nach einem konsequenten und zügigen CO2-Ausstieg. Insofern lag es nahe, dass wir zu unserem First Monday am 5. August einen Austausch von Aktivist*innen von Fridays for Future und Führungskräften organisierten, um über die Umsetzung des CO2-Ausstiegs zu sprechen.

Als Veranstaltungsort für die Diskussion durften wir dankenswerter Weise auf das „Quartier Zukunft“ der Deutschen Bank zurückgreifen, wo Harald Eisenach, Vorsitzender der Regionalen Geschäftsleitung Ost der Deutschen Bank AG und Mitwirkender im Beirat von Leadership Berlin, nach einer kurzen Führung alle Anwesenden begrüßte.

Wir begannen mit einem inhaltlichen Impuls, in dem die Aktivist*innen ihre Forderungen vortrugen:

  • eine Netto-Null beim CO2-Ausstoß bis 2035
  • sofortige Beendigung der Subventionierung für fossile Energieträger
  • Umstieg auf 100% erneuerbare Energie bis 2035
  • 1/4 der Kohlekraft abschalten
  • ein Kohleausstieg bis 2030
  • und eine CO2-Steuer in Höhe von 180 Euro/Tonne (bedeutet z.B. 47 Cent pro l Diesel)

Die Schüler*innen wiesen darauf hin, dass sie als junge Menschen mit den Konsequenzen leben müssen, wenn der menschengemachte CO2-Ausstoß nicht konsequent beendet werde. Und sie luden alle Anwesenden ein, sich am globalen Klimastreik am 20. September 2019 in Berlin zu beteiligen.

Die Kernkompetenz von Leadership Berlin liegt darin, dass wir eine breite Vielfalt von Entscheidungsträger*innen und Verantwortungsträger*innen aus den unterschiedlichsten Bereichen in unserem Netzwerk zusammenbringen. Dies zeigte sich auch deutlich an diesem First Monday, an dem von der Geschäftsführerin der Klimaallianz oder den Initiatoren von zwei Volksentscheiden auf der einen Seite und Führungskräfte von GASAG, Vattenfall und der LEAG (die den Braunkohleabbau in der Lausitz betreibt) auf der anderen Seite die unterschiedlichsten Stakeholder vertreten waren. Ob anhand einer Aufstellung der Teilnehmenden auf einem Meinungsstrahl bzgl. des geschätzten Prozentsatzes des menschlichen Anteils am Klimawandel, der Zustimmung zu einer CO2-Steuer oder auch der Frage, ob man befürworten würde, dass die Netto-Null beim CO2-Ausstoß ins Grundgesetz geschrieben wird – es zeigte sich jeweils, dass von einem allgemeinen Konsens nicht die Rede sein kann, wenn auch die Mehrheit der teilnehmenden Führungskräfte die Einschätzungen und Forderungen der Aktivist*innen teilte.

So emotional das Thema mitunter in Medien und Politik diskutiert wird, so angenehm war die Gesprächsatmosphäre bei unserer Veranstaltung. Besonders die Bereitschaft, die Blickwinkel „der anderen Seite“ anzuhören, sowohl in der ersten Hälfte des Abends in der Gesamtgruppe als auch in der zweiten Hälfte in Kleingruppengesprächen, fiel dabei positiv ins Gewicht. Dies schätzten zum einen die Aktivist*innen von Fridays for Future, die positiv überrascht waren, von Führungskräften auf Augenhöhe behandelt zu werden – zum anderen aber auch beispielsweise seitens der Vertreterin der LEAG, dass sachlich mit ihr diskutiert wurde. Besonders beeindruckend – und wir denken, wir sprechen hier im Namen aller teilnehmenden Führungskräfte – war die Ausdrucksfähigkeit, die Differenziertheit und das Engagements der jungen Menschen von denen, diesen Eindruck konnte man gewinnen, sicherlich auch viele einmal zu Führungskräften werden.  

Auch, wenn nicht in allen Punkten ein Konsens vorhanden war, so konnte der Abend doch einen Beitrag dazu leisten, das Thema Klimawandel und CO2-Ausstieg bei vielen der Anwesenden stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Als Leadership Berlin wollen wir auch weiterhin einen Beitrag dazu leisten, das Thema vielfältig und differenziert stärker in das Bewusstsein von Führungskräften zu rücken. In diesem Sinne freuen wir uns, folgende Aktivitäten auf den Weg zu bringen:

1. Wir führen eine Befragung in unserem Netzwerk zum Klimawandel und CO2-Ausstoß durch und werden die Ergebnisse veröffentlichen.

2. Eingebettet in diese Umfrage besteht die Möglichkeit, Fragen zum Klimawandel und CO2-Ausstieg zu stellen. Zum einen haben sich Klima-Expert*innen aus unserem Netzwerk und andererseits Dr. Helmar Rendez,  Vorstandsvorsitzender der LEAG freundlicherweise bereiterklärt, Antworten zu dem sie betreffenden Themenfeld auszuarbeiten.

3. Ebenfalls im Fragebogen besteht die Möglichkeit, Ideen, Anregungen oder auch Best-Practice-Beispiele zur CO2-Reduktion zu benennen, die wir dann ebenfalls veröffentlichen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich die Zeit nehmen würden, unter folgendem Link teilzunehmen: Umfrage.

Zuletzt wurde von einigen teilnehmenden Führungskräften der Wille und die Bereitschaft geäußert, den Diskurs mit den Aktivist*innen von Fridays for Future fortzusetzen. So wurde z.B. der Plan gefasst, dass Leadership Berlin ein Zusammenkommen von Führungskräften der LEAG mit Aktivist*innen von Fridays for Future im Braunkohle-Revier in der Lausitz veranstalten könnte. Sowohl seitens der Aktivist*innen wie auch seitens der LEAG besteht dazu Bereitschaft bzw. Interesse und für Leadership Berlin wäre das Zusammenbringen dieser beiden Seiten passend zu unserem Selbstverständnis und Motto begegne dem anderen, welches der rote Faden unserer Projektarbeit ist (wie unser Zusammenbringen von Imamen und Rabbinern in unserem mittlerweile in eine Tochtergesellschaft ausgegliederten Projekt meet2respect).
Der Termin wird voraussichtlich im Januar 2020 stattfinden und unseren Mitgliedern werden wir die Möglichkeit anbieten, an der Führung durch Werk und Abbau-Areale wie auch der anschließenden Diskussionsveranstaltung teilzunehmen.

Auch der Gastgeber Harald Eisenach sieht in dem Zusammenkommen mit den Schüler*innen keine einmalige Sache: Er vermittelt den jungen Menschen ein Treffen mit den Physiker*innen aus dem Greentech-Team des Hauses. Außerdem hat sich die Deutsche Bank dazu bereit erklärt, die Räumlichkeiten des Quartier Zukunft kostenfrei für vereinzelte Treffen für Fridays for Future Gruppen bereitzustellen.

Wir danken den Aktivist*innen Anna Ducksch, Anton Zölsz, Benjamin Dörfel, Henrik Arhold, Jaro Abraham, Laurens Heintze und Malin Rackles für ihr Engagement, der Deutschen Bank für die Gastfreundschaft und allen Teilnehmenden für ihr Interesse.

First Monday Perspektive Ost: Wiedervereinigung oder Anschluss?

Eingetragen am 21.05.2019

21. Mai 2019 | By |

Was hätte besser laufen können bei der „Wiedervereinigung“? – Was können und sollten wir daraus im Hinblick auf Vergangenheit, aber auch im Hinblick auf Gegenwart und Zukunft lernen?

Unter dieser Fragestellung fand der First Monday im Mai in der Hochschule für Technik und Wirtschaft, frühere „DDR-Elite-Uni“ statt, um besonders Personen mit Ost-Sozialisation die Gelegenheit zu geben, ihre Erfahrungen und Einschätzungen zu teilen.

Die Gruppe bestand zu gleichen Teilen aus Führungskräften mit Ost- und West-Sozialisation und bot nicht zuletzt dadurch einen Rahmen, der vielseitige Perspektiven und Erfahrungen nebeneinander stehen ließ:

– wo Enttäuschungen bei Ostdeutschen herrühren

– ob und wie diese Enttäuschungen überwunden werden können,

– wie die Anerkennung von Lebensleistungen von Ostdeutschen auch in Westdeutschland erreicht werden kann,

– wie mehr Chancengleichheit für Ostdeutsche in der Repräsentanz in Führungspositionen und im Rentensystem hergestellt werden kann

– wie ganz allgemein gesehen strukturschwache Gebiete wirtschaftliche Perspektiven gewinnen und

– wie mehr gemeinsame Identität und Identifikation erreicht werden kann.

Kenntnis und Anerkenntnis wurden als notwendige Schritte identifiziert, die besonders den letzten Punkt prägen sollten. Wir hoffen, dass dieser First Monday einen kleinen Beitrag dazu leisten konnte.

Wir danken allen Teilnehmenden für die persönlichen Schilderungen und das Interesse, sowie unseren Mitgliedern Cornelia Schwarz und Torsten Harr für die Initiative zu dem Termin.

Rückblick: First Monday bei der Barmenia Versicherung

Eingetragen am 24.04.2019

24. April 2019 | By |

First Monday im April – Alles, nur nicht Stromberg

„Alles Stromberg oder was?“ fragten wir zwar spaßeshalber in der Ankündigung zu unserem First Monday im April. Unser Gastgeber, die Barmenia Versicherung mit ihren Führungskräften Dr. Jan Seidel und Michael Lachmann, bewies den Teilnehmenden dann aber, dass Mitarbeiterführung und Kundenbindung in einer Versicherung auch ganz modern und mit viel Engagement gestaltet werden können – jenseits von blöden Sprüchen und Klischees.

Zunächst gab Dr. Jan Seidel, Vorstandsassistent aus der Zentrale der Versicherung in Wuppertal, einen Einblick in die aktuellen Rahmenbedingungen des Versicherungsmarktes. Wie die gesamte Branche sieht sich auch die Barmenia mit einem rückläufigen Angebot an Arbeitskräften auf dem Vermittlermarkt konfrontiert. Nichtsdestotrotz ist es der Barmenia gelungen, die Zahl der gebundenen Vermittler in den vergangenen Jahren auszubauen. Die goldenen Zeiten, in denen sich innerhalb einer Woche 15 Bewerber*innen auf eine Zeitungsannonce für eine Stelle meldeten, sind jedoch vorbei. Heute werden in der Berliner Bereichsdirektion vermehrt Xing und Facebook sowie im digitalen Umfeld eher „unkonventionell“ erscheinende Strategien, wie z.B. ein persönlich gestalteter Brief auf einer Webseite für Versicherungskarrieren, erfolgreich genutzt, um als Arbeitgeber aus der Masse hervorzustechen und die Aufmerksamkeit potentieller Mitarbeiter*innen zu gewinnen, berichtete Michael Lachmann, Bereichsdirektor der Barmenia in Berlin.

Interessant war für viele die Einschätzung der Barmenia-Vertreter, dass Kundengewinnung mit Hilfe von persönlichen Vermittler*innen (stationärer Vertrieb) sowie im Internet (Direktvertrieb) nicht in unmittelbarer Konkurrenz zueinander zu sehen sind, sondern eher als komplementär betrachtet werden können. Für eine rege Diskussion sorgte in diesem Zusammenhang die Frage, welche Kanäle für den Vertragsabschluss bevorzugt werden: an ein Versicherungsunternehmen gebundene Berater*innen, Makler*innen oder digitale Vergleichsportale. Als Kernfrage kristallisierte sich heraus, wie es gelingt, Vertrauen zu erzeugen. Im Teilnehmendenkreis zeigte sich, dass eine persönliche Beziehung, sei es zur Maklerin oder zum langjährigen gebundenen Berater, vertrauensfördernd wirken kann. Eine wichtige Rolle spielen hierbei auch Empfehlungen aus dem engen Umkreis. Ein digitales Vergleichstool dagegen hat den Vorteil, dass es Kund*innen die Arbeit abnimmt, sich mit den Einzelheiten der Versicherungsprodukte auseinanderzusetzen. Ebenfalls diskutiert wurde, dass es für  diese Onlinedienste zunehmend schwieriger wird,  Verbraucher*innen von ihrer Unabhängigkeit und Neutralität zu überzeugen.

Von Michael Lachmann, dem Bereichsdirektor für Berlin, gab es außerdem Einblicke in den Methodenkoffer und auch die Trickkiste einer langjährigen Führungskraft im Vertrieb, wobei er die Wichtigkeit des persönlichen Austauschs und der Wertschätzung für die Arbeit der Vermittler*innen durch die Führungskraft betonte.

Zum Abschluss verriet Michael Lachmann dann noch seinen „Zaubersatz“, mit dem es ihm gelingt, andere Menschen  – egal ob im Beruflichen oder im Privaten – für seine Pläne zu gewinnen. Wenn Bernd Stromberg diesen Satz gekannt hätte, er hätte sich sicherlich so einige Konflikte im Büro ersparen können.

Wir danken ganz herzlich den Gastgebern von der Barmenia-Versicherung für die spannenden und unterhaltsamen Einblicke in die Herausforderungen der Versicherungs-Branche sowie die Versorgung mit Speis und Trank.

Demnächst: First Monday Diskussion zu „Quoten“ in Demokratie & Wirtschaft

Eingetragen am 04.04.2019

4. April 2019 | By |

Zeit:       Montag, den 02. September 2019, 18.30 Uhr bis 21.00 Uhr

Ort:       Kreativitätsgrundschule Friedrichshain, Strausberger Straße 38, 10243 Berlin-Friedrichshain

Gastgeber:   Sebastian Schimming, Geschäftsführer des KreativitätsSchulzentrum Berlin

Moderation: Winfriede Schreiber, u.a. ehemalige Präsidentin des Verwaltungsgerichts Cottbus, Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes und heute Vorstandsvorsitzende von Leadership Brandenburg) und Bernhard Heider, Geschäftsführer von Leadership Berlin Anmeldung für den First Monday bitte über folgendes Formular.
Bei der Veranstaltung werden wir u.a. auch auf die von uns durchgeführte Umfrage zum Thema Benachteiligung und Quoten eingehen, die wir im Juni 2019 veröffentlicht haben.

Winfriede Schreiber

Zum Thema des Abends:
Als erstes Landesparlament hat der Landtag in Brandenburg im Januar 2019 ein Paritätsgesetz beschlossen, nach dem alle* Parteien bei Landtagswahlen  auf ihren Wahllisten abwechselnd Frauen und Männer aufstellen müssen. Damit wird eine Repräsentanz von Frauen von ca. 50% auf den Landeslisten aller Parteien, die qua Satzung Männer und Frauen als Mitglieder aufnehmen, sicher gestellt. Auf Direktmandate bezieht sich das Paritätsgesetz nicht. (* ausgenommen von dieser Verpflichtung sind lediglich Parteien, die ausschließlich aus Angehörigen eines Geschlechtes bestehen, wie z.B. die Frauenpartei)

Am First Monday im September wollen wir uns in einem Debatten-Format den Pro- und Contra-Argumenten für eine solche gesetzliche Regelung widmen. Der Austausch beginnt mit der Sammlung von Argumenten in zwei Teilgruppen:

A            Teilnehmende, die eine Quotierung der Geschlechter in Höhe von ca. 50% auf den Listenplätzen befürworten
Moderation: Winfriede Schreiber, Vorstandsvorsitzende von Leadership Brandenburg und vor ihrer Pensionierung u.a. Präsidentin des Verwaltungsgerichts Cottbus und Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes. Winfriede Schreiber ist Befürworterin des Brandenburger Paritätsgesetzes, für das sie sich sowohl im Juristinnenbund als auch als Expertin vor dem Brandenburger Landtag ausgesprochen hat.

B            Teilnehmende, die eine Quotierung der Geschlechter in Höhe von ca. 50% auf den Listenplätzen ablehnen
Moderation: Bernhard Heider, Geschäftsführer von Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.

Zum Paritätsgesetz:
Befürworter*innen sehen darin eine notwendige und gerechte Maßnahme, da der Anteil von weiblichen Abgeordneten im Deutschen Bundestag trotz eines Bevölkerungsanteils von 51% bei lediglich 30,9% liegt und zuletzt (in der Legislaturperiode ab 2013 lag er noch bei 36,9%) sogar gesunken ist. Aus Sicht der Befürworter*innen sollten Frauen entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil deutlich stärker in den Parlamenten vertreten sein und dieses Ziel lässt sich nach den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte nur über eine gesetzliche Regelung erzielen. Gegner*innen sehen in der quotierten Vergabe der Sitze nach binärer Geschlechtszugehörigkeit eine falsche und ungerechte Maßnahme, da der Anteil von Frauen in den Parteien nur bei 16  bis 39% (durchschnittlich bei 29%) liegt und eine gesteuerte Vergabe von 50% der Listenplätze an 16 – 39% der Parteimitglieder zulasten von fairem Wettbewerb und der Chancengleichheit für Männer geht. Selbstverständlich gibt es noch zahlreiche weitere Argumente dafür und dagegen, die wir bei unserem First Monday zusammentragen wollen.

Anteil von Frauen an Parteimitgliedern und Mandaten:
Der Frauenanteil bei den Mitgliedern und Mandaten in den im Bundestag vertretenen Parteien sieht aktuell folgendermaßen aus:

Frauenanteil
bei Parteimitgliedern
Frauenanteil
bei Mandaten im Bundestag
Grüne 39,8 % 58%
Linkspartei 36,5% 54%
SPD 32,5% 43%
CDU 26,2% 22%
CSU 20,5% 17%
FDP 21,9% 24%
AfD 17% 11%


Frauen sind nicht nur in allen Parteien als Parteimitglieder und in den meisten Parteien bei der Vergabe der Mandate (gemessen am Bevölkerungsanteil) unterrepräsentiert, sondern auch außerhalb der Politik allgemein in Führungspositionen: nur ca. ein Drittel der Führungskräfte sind Frauen. Was man allerdings auch nicht ausblenden sollte: neben der Geschlechterzugehörigkeit gibt es auch andere Merkmale, deren Merkmalsträger*innen (ostdeutsch, muslimisch, alleinerziehend, usw.) in Parlamenten und Führungspositionen verglichen mit ihrem Bevölkerungsanteil noch stärker unterrepräsentiert sind als Frauen. Die Frage nach Quotierung könnte sich insofern hier genauso stellen wie bei der Repräsentanz nach Geschlecht. Und was die Zweifel anbetrifft, dass Paritätsgesetze nicht verfassungskonform seien, so lohnt sich auch hier, den Blickfeld etwas zu erweitern auf diesbezügliche Präzendenzfälle. So wird aktuell im Wahlrecht in Schleswig-Holstein beispielsweise die dänische Minderheit begünstigt oder auch das Betriebsverfassungsgesetz begünstigt die jeweilige Geschlechterminderheit.

Gegner wie auch Befürworter beziehen sich argumentativ auf Artikel 3 des Grundgesetzes und sehen ihre Befürwortung oder Ablehnung von Quoten darin bestätigt:
 (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Warum widmen wir uns einer Diskussion des Paritätsgesetzes?
Wir wollen das Thema in einem größeren gesellschaftlichen Zusammenhang sehen, denn die Frage nach der Notwendigkeit, Gerechtigkeit oder Sinnhaftigkeit von „Quoten“ beschränkt sich nicht auf die Repräsentanz von Frauen in Höhe von 50% auf die Listenplätze aller gemischtgeschlechtlich zusammengesetzten Parteien, denn …

a) solche Paritätsgesetze sind auch für das Berliner Abgeordnetenhaus und den Bundestag Gegenstand von gesellschaftlichen und juristischen Auseinandersetzungen

b) die Frage nach der Einführung von Frauen-Quoten stellt sich auch hinsichtlich gesetzlicher Vorgaben für Vorstände und Aufsichtsräte von Unternehmen (wobei es für letztere bereits eine gesetzliche Vorgabe gibt)

c) die Frage nach der Einführung von Quoten stellt sich ebenso wie bei Frauen auch bei anderen in Parlamenten und Führungspositionen unterrepräsentierten Gruppen (Menschen mit Migrationshintergrund, Ostdeutsche, Berufstätige mit aktiver Elternrolle, Muslime, usw.)

d) es handelt sich um eine gesellschaftliche Debatte, die international geführt wird. Paritätsgesetze für die Repräsentanz von Frauen entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil in Parlamenten gelten bereits in 23 Ländern und einige Länder (wie Italien und Norwegen) regeln darüber hinaus durch Quoten auch die Repräsentanz von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen

Die Frage, ob Quoten zu einem festen Instrument für unsere Demokratie und Wirtschaft werden dürfen/sollen/müssen, ist insofern ein Thema, über das sich nachzudenken und zu diskutieren lohnt.

Bei unserem First Monday wollen wir diese umkämpfte gesellschaftliche Fragestellung aufgreifen und uns der Diskussion des Für und Widers von Gleichstellung per Quote und Gesetz am Beispiel des Paritätsgesetzes widmen.

Ablauf:

18.30 – 18.50 Uhr            Vorstellungsrunde mit Eingangs-Statement

18.50 – 19.30 Uhr            Aufteilung der Gruppe in Pro und Contra zum Paritätsgesetz

19.30 – 19.45 Uhr            Vortrag der Argumente der Pro- und Contra-Gruppe durch jeweils eine*n Speaker*in

19.45 –  20.00 Uhr            Pause

20.00 – 20.30 Uhr            Austausch in der Gesamtgruppe über die vorhandene oder fehlende Überzeugungskraft der jeweils anderen Gruppe

20.30 – 21.00 Uhr            Austausch über die Übertragbarkeit der Debatte auf andere Quoten-Debatten und Ausloten möglicher Kompromisse

Rahmenbedingungen:
Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen, nur eine komplette Teilnahme möglich ist und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen eines Mitgliedsantrags tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei.

Rückblick: Mensa meets Leadership bei der taz

Eingetragen am 20.03.2019

20. März 2019 | By |

Was haben Menschen mit kognitiver Hochbegabung (IQ >130) und Führungskräfte gemeinsam? Selbstverständlich eine gewisse Schnittmenge von Personen, die beiden Gruppen angehören. Aber es gibt auch Unterschiede, denn Intelligenz kann zwar förderlich bei der Karriere sein, aber möglicherweise auch hinderlich, wenn sie nicht mit anderen Eigenschaften sozialer und kommunikativer Art einhergeht, oder wenn jemand mit kognitiver Hochbegabung auf ein Umfeld bzw. Vorgesetzte stößt, die damit nicht umgehen können.

Um das gegenseitige bessere Verständnis – insbesondere das von kognitiv Hochbegabten gegenüber Führungskräften – zu befördern, organisieren wir seit 2014 quartalsweise den Besuch von ca. 20 Mitgliedern von Mensa e.V. bei Führungskräften. Nachdem wir im Medienbereich bereits bei BILD und Tagesspiegel zu Gast waren, fand die letzte Begegnung nun bei der taz auf Einladung der stellvertretenden Chefredakteurin Barbara Junge statt.

Spannend war zu erfahren, welche Unterschiede zu anderen Medienhäusern es bei der taz gibt. Tatsächlich zeigten sich gleich einige:

– Während viele Printmedien mit sinkenden Auflagen und Einnahmen zu kämpfen haben und Krisenstimmung vermitteln, gelingt es der taz durch ihr Genossenschaftsmodell, dem freiwilligen online-Bezahl-Modell “taz zahl ich” und einer weitergehenden Identifikation ihrer Leser*innen, dem Auflagenrückgang im Print mit einer Zukunftsstrategie zu begegnen und sich  sogar einen eigenen Neubau leisten zu können.”

– Während die meisten anderen Medien den Eindruck erwecken wollen, politisch neutral zu sein (was ihnen mal mehr und mal weniger gelingt), ist die taz als politisch linke Tageszeitung mit starkem Fokus auf Umweltschutz-Themen klar positioniert.

– Während es bei den meisten Medien eine Hierarchie gibt, an deren Spitze Gesellschafter, Geschäftsführung und Chefredakteur*innen das Sagen haben, zeichnet sich die Unternehmenskultur der taz durch eine ausgeprägte Mitbestimmung aus. Redakteur*innen sind sowohl bei Berufung und/oder Absetzung von Vorstand, Geschäftsführung und der Chefredaktion, wie auch vielen Entscheidungen beteiligt. Die (auch redaktionelle) Freiheit der Redakteur*innen gegenüber höheren Ebenen ist hierdurch in größerem Umfang gegeben, als dies bei anderen Medien üblicherweise der Fall ist.

– Aus dieser Freiheit und dem inhaltlich-politischen Profil heraus ergibt sich im Positiven die Möglichkeit, dass Redakteur*innen sich weniger in ständigen Abgleich mit der Berichterstattung durch andere Medien begeben müssen. Vielmehr können sie sich evtl. häufiger den Luxus leisten, eigene, umfangreichere Recherchen zu freier gewählten Themen anzustellen.

Nach der Vermittlung eines Verständnisses von Strukturen und Abläufen folgte eine spannende Diskussion darüber, ob und wie Frauen anders führen und wie evtl. Geschlechterunterschiede in einer Redaktion aussehen, deren Frauenanteil schon vor Jahrzehnten bei 50% lag. Es wurde erörtert, welches Führungsverständnis in einer linken, auf Mitbestimmung ausgelegten Organisation gelebt wird, und schließlich wurde auch noch die Frage diskutiert, ob es eine einheitliche Positionierung bzgl. des Umgangs mit Rechten gibt, bzw. ob und wie die Redaktion sich von Linksextremisten und linker Gewalt distanziert.

Barbara Junge gab einen äußerst spannenden und offenen Einblick in das Innere der taz. Wir bedanken uns für den sehr erkenntnisreichen Abend und wünschen weiterhin viel Energie und Inspiration bei der sicherlich nicht selten herausfordernden Arbeit.