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First Monday Archive - Leadership Berlin

First Monday am 9. April: Dar-as-Salam Moschee & „Inschallah“

Eingetragen am 16.04.2018

16. April 2018 | By |

Die einen reden von Islamismus, die anderen von Islamfeindlichkeit – wie kann Ausgrenzung und Abgrenzung von Muslimen entgegengewirkt werden? Der Umgang mit Kontroversen am Beispiel der Dar-as-Salam-Moschee und ihrem Imam und Vorstand Mohamed Taha Sabri.

Diesem Thema widmeten wir unseren First Monday am 9. April mit knapp 40 Teilnehmenden in der Neuköllner Begegnungsstätte (Dar-as-Salam-Moschee). Die Moderation übernahm Winfriede Schreiber, ehemalige Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes (und zuvor u.a. Polizeipräsidentin von Ost-Brandenburg und Präsidentin des Verwaltungsgerichts Cottbus) und heute Mitwirkende in unserem Projekt meet2respect wie auch Vorstandsvorsitzende unseres Schwestervereins Leadership Brandenburg.

Der First Monday begann mit der Vorführung des Filmporträts über den Imam und Vorsitzenden der Moscheegemeinde, Mohamed Taha Sabri, dem sich daraufhin ein offener Austausch mit Mohamed Taha Sabri und den beiden Regisseurinnen Judith Keil und Antje Kruska anschloss. Es war ein spannender Austausch, bei dem sowohl die Aufführung im Berliner Verfassungsschutzbericht der Moscheegemeinde wie auch die Verhältnismäßigkeit der Berichterstattung eingehend auch mit anwesenden Journalisten diskutiert wurde.

Die Teilnehmenden kamen teilweise mit einem mulmigen Gefühl und Skepsis in die Dar-as-Salam-Moschee. Denn was ihre öffentliche Darstellung angeht, sind die Berichte widersprüchlich: einerseits als Musterbeispiel integrativer, positiver Arbeit gelobt und andererseits als „Hass-Moschee“ oder „Teil der Muslimbruderschaft“ beschuldigt.
Gegangen sind die meisten mit der Erkenntnis, dass die NBS ein guter Kooperationspartner sein kann, wenn es darum geht, auch junge Muslime für gesellschaftsrelevante Themen zu mobilisieren.

Vielen Dank an alle Beteiligten und für die Gastfreundschaft der Dar-as-Salam Gemeinde.

Nachtrag: am 18. April erschien folgender Beitrag  des israelischen Journalilsten Igal Avidan beim Deutschlandradio über die Neuköllner Begegnungsstätte und ihren Imam Mohamed Taha Sabri.

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Ablauf: 
17.30 – 19.00 Uhr Filmvorführung des Films „Inschallah“, einem Filmporträt im Auftrag von 3SAT über Mohamed Taha Sabri in Anwesenheit der Regisseurinnen Judith Keil und Antje Kruska.
Der Film gewann bei den Duisburger Filmwochen 2017 den Publikumspreis und bietet einen sehr dezidierten Einblick in die Lebenswelt des Imams Mohamed Taha Sabri und seiner Gemeinde.

19.00 – 21.00 Uhr Diskussion mit Mohamed Taha Sabri und Vorständen der Gemeinde, die sich den kritischen Fragen der Teilnehmenden stellen. Da die Diskussion sich sicherlich nicht auf die Inhalte des Films beschränkt, ist auch eine Teilnahme erst ab 19 Uhr gerne möglich. Personen mit kritischen Positionen sind herzlich willkommen!


Über die Moscheegemeinde

Die Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) ist seit 2016 Gegenstand von Diskussionen. Einerseits genießt die Moscheegemeinde aufgrund ihres Engagements für interreligiösen Dialog, Integration und Verständigung Ansehen bei Organisationen, die mit ihr regelmäßig zusammenarbeiten wie z.B. der Landeszentrale für politische Bildung, Vertretern der Evangelischen und Katholischen Kirche und des Humanistischen Verbandes oder auch uns als Leadership Berlin. Ihr Vorsitzender und Imam Mohamed Taha Sabri erhielt u.a. den Verdienstorden des Landes Berlins und der Dokumentarfilm „Inschallah“ über Taha Sabri seine Moscheegemeinde gewann 2017 den Publikumspreis der Duisburger Filmwoche.

Andererseits ist die Moscheegemeinde im Verfassungsschutzbericht des Landes Berlin aufgeführt und ist Objekt kritischer Berichterstattung z.B. seitens der Journalisten Sascha Adamek vom rbb, Frank Jansen vom Tagesspiegel, Ahmad Mansour und Sigrid Herrmann-Marschall und zuletzt im Dezember 2017 in BILD, BZ und WELT. Thematisiert worden sind Verbindungen zur Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD), die von Verfassungsschutzbehörden als deutscher Arm der Muslimbruderschaft betrachtet wird (siehe „Kontroverse um Eintragung im Verfassungsschutzbericht“ und „Kritik an der Neuköllner Begegnungsstätte im Einzelnen“). 

(aus Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Neuk%C3%B6llner_Begegnungsst%C3%A4tte)

Immerhin bestreiten auch die Warner nicht, dass sich die Moscheegemeinde für Demokratie, freiheitliche Rechte, den Dialog mit Andersgläubigen und die Integration ihrer Mitglieder in die deutsche Gesellschaft erfolgreich eingesetzt hat und weiter einsetzt.

 

Die Auseinandersetzung der Moscheegemeinde mit dem Berliner Verfassungsschutz und Medien:

  • Die Moscheegemeinde steht im Bericht des Berliner Verfassungsschutzes 2016 (https://www.berlin.de/sen/inneres/verfassungsschutz/publikationen/verfassungsschutzberichte/ Seite 75ff.) unter der Rubrik „legalistischer Islamismus“ und Verbindungen zur Muslimbruderschaft. Gegen diese Aufführung hat die Moscheegemeinde Klage eingereicht, da nach Einschätzung der Moscheegemeinde die Eintragung lediglich auf zumeist vereinzelten indirekten Verbindungen und „Kontaktschuld“ basiere und nicht darauf, das sich ein Vertreter der Moschee jemals auf irgendeine Weise frauenfeindlich, homophob, antisemitisch, gewaltrelativierend oder anderweitig nicht verfassungskonform geäußert habe.
  • Im Herbst 2017 hat die Moscheegemeinde eine einstweilige Verfügung gegen den Evangelischen Pressedienst EPD erwirkt, der die Moschee auf Grundlage einer Behauptung von Dr. Abdel-Hakim Ourghi von der Ibn-Rushd-Goethe Moschee als „als salafistisch geltend“ bezeichnet hatte, was dann wiederum in einige Medienberichte eingeflossen war. Der EPD legte Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung ein, aber das Berliner Landgericht entschied jüngst im Februar zugunsten der NBS, dass Medien die Moschee nicht als „als salafistisch geltend“ bezeichnen dürfen.
  • Gegen eine nicht belegbare Behauptung im Tagesspiegel „Islamistische Prediger sollen dort gegen Juden, Homosexuelle und Schiiten gehetzt haben“ konnte die NBS im vergangenen Jahr über ihren Rechtsanwalt eine Gegendarstellung bewirken, die auch im Tagesspiegel abgedruckt wurde (https://www.tagesspiegel.de/berlin/gegendarstellungen/in-eigener-sache-gegendarstellung-zu-moschee-besucher-verletzt-fuenf-polizisten/20285758.html ) In den letzten Jahren waren immer wieder explizit und offiziell Juden, Homosexuelle und Schiiten auf Einladung der Moschee in ihren Räumlichkeiten, andererseits waren allerdings in der Zeit bis 2013 auch 2-3 Personen in der Moschee, die an anderem Ort und zu anderer Zeit mit islamistischen Äußerungen negativ auffielen.
  • Im Dezember wurde bundesweit über die NBS in der BILD sehr negativ mit Aufführung zahlreicher Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Auftreten ihres Jugendseelsorgers bei einer Gedenkveranstaltung am Breitscheidplatz berichtet. ( https://www.bild.de/politik/inland/islamismus/so-islamistisch-ist-der-radikal-imam-54302860.bild.html ) Hierzu veröffentlichte die NBS eine ausführliche Gegendarstellung auf ihrer Website. (http://www.nbs-ev.de/presse/69-stellungnahme-zum-artikel-in-der-bild-zeitung-vom26-12-2017 )

 

Berührungspunkte mit Leadership Berlin:

Im Zusammenhang mit unserem Projekt meet2respect war es Mohamed Taha Sabri und die Neuköllner Begegnungsstätte, die nach dem Mobbing eines jüdischen Schülers durch seine muslimischen Mitschüler dies mit klaren Worten verurteilte und eine diesbezügliche Erklärung gegen Antisemitimus unter Bezugnahme auf unsere meet2respect-Grundsatzerklärung zum friedlichen Miteinander von Juden und Muslimen initiierte und dafür 12 Moscheevereine und 6 Imame als Mitunterzeichner gewann. (http://www.nbs-ev.de/presse/24-gemeinsamer-brief-von-muslimen-gegen-die-diskriminierung-und-ausgrenzung-von-juedischen-mitschueler-innen )

Auch im Dezember 2017 nach einer Demonstration von Palästinensern in Berlin gegen die Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Trump veröffentlichte die Neuköllner Begegnungsstätte eine Erklärung gegen Antisemitismus unter Bezugnahme auf unsere meet2respect-Grundsatzklärung. ( http://www.nbs-ev.de/presse/66-aus-aktuellem-anlass-stellungnahme-zu-antisemitismus-und-den-protesten-in-berlin ). Dies fanden wir zum einen dadurch besonders beachtlich, als dass Palästinenser unter den ca. 1500 wöchentlichen Besucher der Freitagsgebete der Neuköllner Begegnungsstätte die größte Gruppe darstellen. Zum anderen fanden wir bedauerlich, dass, obgleich die Moscheegemeinde die beiden Erklärungen an einen 300 Empfänger umfassenden Presseverteiler versendeten, nicht ein Medium die Moschee kontaktierte, um darüber zu berichten.

Des Weiteren waren wir in der Moschee im Rahmen unseres Projektes mit einer Gruppe von schwulen und lesbischen Führungskräften zu Gast und auch zu dem Thema zeigte die Neuköllner Begegnungsstätte Profil. Einerseits, da sie Mitunterzeichner unserer meet2respect-Grundsatzerklärung von Muslimen gegen Homophobie ist ( http://meet2respect.de/religion-lgbti/grundsatzerklaerung/ ) und andererseits auch aufgrund der Offenheit, mit der Mohamed Taha Sabri mit dem Thema umgeht und sich Homophobie in seiner Gemeinde mit klaren Worten entgegenstellt.

Im Jahr 2016 organisierten wir außerdem eine Veranstaltung zum Thema „Konzepte der Parteien gegen die Ausgrenzung und Abgrenzung von Muslimen in eine Parallelgesellschaft“ in der Neuköllner Begegnungsstätte unter der Moderation von Winfriede Schreiber, zu der Vertreter von SPD, CDU, Grüne, Linkspartei, FDP und AfD in die Moschee eingeladen waren. (http://leadership-berlin.de/muslime-fragen-politiker-antworten-in-der-neukoellner-begegnungsstaette/ )

Der Vorstand und Imam der Dar-as-Salam-Moschee, Mohamed Taha Sabri, hat nicht nur zweimal Gesprächspartner unseres Collaborative Leadership Programms empfangen und beteiligte sich an unserer meet2respect-Tandemtour 2017 – er hat selbst auch an unserem letzten Jahresprogramm teilgenommen und zählt seitdem selbst zu den regelmäßigen Besuchern unserer First Monday Veranstaltungen.

Sie sehen, an der Bewertung der Neuköllner Begegnungsstätte (Dar-as-Salam-Moschee) scheiden sich die Geister. Wir als Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V. halten viel von der NBS und ihrem Imam Mohamed Taha Sabri. Wir halten es für richtig und wichtig, die Zusammenarbeit mit der Neuköllner Begegnungsstätte auch in Zukunft fortzusetzen. Selbstverständlich können wir nachvollziehen, dass manche unserer Mitglieder angesichts der Berichterstattung, in der die NBS immer wieder als Teil eines extremistischen, islamistischen Umfelds dargestellt wird und auch Begriffe wie „Hass-Moschee“, „Radikal-Imam“, „lächelndes Gesicht einer Terror-Organisation“, „salafistisch“, „islamistisch“, „Teil der Muslimbruderschaft“ (gegen die die NBS inzwischen juristisch vorgeht und dabei bereits einige Erfolge erzielen konnte – die Entscheidung über ihre Klage gegen die Aufführung im Berliner Verfassungsschutzbericht steht allerdings noch aus) in Sorge oder verunsichert sind. Mit dem First Monday unter der Moderation von Winfriede Schreiber, ehemaliger Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes, wollen wir unseren Mitgliedern und interessierten Gästen die Möglichkeit geben, direkt an die Verantwortlichen der Moschee Fragen zu stellen und sich auf dieser Grundlage selbst eine Meinung zu bilden. Wir werden die Veranstaltung für einen größeren Personenkreis öffnen und freuen uns auf eine spannende Diskussion.

 

First Monday März: psychosoziale Notfallversorgung

Eingetragen am 19.03.2018

19. März 2018 | By |

An diesem ersten Montag im März waren wir bei der Notfallseelsorge Berlin zu Gast.

Das aus den beiden Kirchen, dem Malteser Hilfsdienst, der Johanniter Unfallhilfe, dem DRK, DLRG, dem ASB und dem Muslimischen SeelsorgeTelefon bestehende Netzwerk der Notfallseelsorge Berlin betreut Menschen in unmittelbaren Notfallsituationen. Im Gespräch mit dem Landespfarrer Justus Münster und einem der über 140 ehrenamtlich Engagierten, unserem Mitglied Steffen Claussen, erfuhren die Teilnehmenden unseres First Mondays, wie sich die vielfältige Arbeit der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) gestaltet und organisiert. Ebenso kamen der persönliche Umgang mit schweren Schicksalen und Schwierigkeiten im Arbeitsalltag zur Sprache.

Wie bei allen unseren First Monday Veranstaltungen lag der besondere Reiz u.a. an der vielschichtigen Zusammensetzung: einerseits von Führungskräften, die in verwandten Bereichen wie z.B. Polizei, Rote Nasen Clowns in Krankenhäusern und Telefonseelsorge – andererseits auch von Personen aus gänzlich anderen Kontexten der Wirtschaft wie z.B. Energie und Technik. Gemeinsam wurden nicht nur die besondere Belastung der psychosozialen Arbeit an sich diskutiert, sondern auch die organisatorischen Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten.

Konkrete Handlungsstrategien wurden in Form der Gewinnung von Ehrenamtlichen für die Öffentlichkeitsarbeit und der Teilnahme am Markt der Möglichkeiten der Stiftung Gute Tat nahegelegt. Darüber hinaus wurde eine Einbeziehung des Humanistischen Verbandes in das Netzwerk der PSNV diskutiert und ein Austausch mit dem Fotografen-Projekt “Dein Sternenkind” angeregt, das bundesweit Fotos von Sternenkindern in Krankenhäusern organisiert.

Wir danken ganz herzlich Justus Münster und Steffen Claussen für die intensiven, anregenden Einblicke in ihre Arbeit und wünschen ihnen für die Zukunft viel Kraft, mehr finanzielle und personelle Ressourcen und öffentliche mehr öffentliche Wahrnehmung. Worüber wir uns besonders freuen würden, wäre, wenn sich im Kreis unserer Mitglieder eine Person mit Kompetenzen in der Öffentlichkeitsarbeit findet, die bereit ist, sich ehrenamtlich bei der PSNV einzubringen.

 

Kontakt:
Pfr. Justus Münster
Landespfarrer der EKBO für Notfallseelsorge und Flughafenseelsorge im Land Berlin
Tel: +49 30 24344 291
Email: j.muenster@ekbo.de
http://www.notfallseelsorge-berlin.de
http://www.facebook.com/NotfallseelsorgeBerlin

First Monday im Quartier Zukunft der Deutschen Bank

Eingetragen am 26.02.2018

26. Februar 2018 | By |

Montagabend, Berlin Mitte. Im „Q110“ werden auch um 18 Uhr noch Ideen besprochen, Konzepte entwickelt und weiter gedacht. Schon der erste Hinweis darauf, dass es sich um keine gewöhnliche Filiale der Deutschen Bank handelt.

Mit unserem First Monday-Format waren wir mit dem Thema „Zukunft der Arbeitswelt am Beispiel der Finanzdienstleistungen: Bankgeschäft DER bzw. MIT Zukunft?“ zu Gast im „Quartier Zukunft“ der Deutschen Bank und genossen einen Abend lang die Zeit und Betreuung, die sich die neue Filiale für ihre Kunden als Aufgabe auf die Fahnen geschrieben hat. Denn hier soll eine Brücke geschlagen werden zwischen „Filialgeschäft und Internet“ bzw. „Regulation und globalem Wettbewerb“.

 

Begrüßt wurden wir von Filialleiterin Nadine Churcher, die ihren Job als „Herzenssache“ bezeichnete. Im Anschluss führte uns der Koordinator des Quartiers, Alexander Kwast, durch die Räumlichkeiten. Dabei sprach er nicht nur über das Konzept, das hinter der neuen Filiale steht, sondern plauderte auch aus dem Nähkästchen und thematisierte seine persönliche Rolle im Entstehungsprozess. Damit machte er deutlich, worum es den Schöpfer*innen des Zukunftsquartiers im Kern geht: um Emotionen und Menschlichkeit.

Vor mehr als zehn Jahren startete die Filiale Zukunft und dient seither als Labor, um verschiedene Formate von „Wie soll Bank sein?“ zu testen. Immer wieder werden Ideen in andere Filialen implementiert, als Gesamtkonzept ist das Quartier jedoch einmalig. Seit zwei Jahren ist die Gestaltung nun im aktuellen Design, welches sich an den vier Grundpfeilern des modernen Bankings orientiert: Innovation, Coaching, Inspiration und Community. Dazu wurde ein offener, heller Raum ohne (physische) Barrieren kreiert, der explizit vom klassischen Aufbau traditioneller Bankfilialen mit Geldautomaten im Eingangsbereich abweicht.
Ziel sei es, ein Ort zu werden, an dem die Menschen – nach ihrem Zuhause und ihrem Arbeitsplatz – gerne Zeit verbringen. Daher empfängt einen auch eine Cafébar statt Counter, es stehen Sessel und Bücher bereit, die mietbaren Arbeitsplätze sind von bepflanzten Wänden umgeben. Kooperationen mit diversen Startups sorgen für Dynamik.

Die Diskussionsrunde verlief, wie es die Vielfalt der Gruppe erwarten ließ: brisant, kritisch, provokant, interessiert, wohlwollend und angeregt. Gleich die ersten Fragen zielten auf Themen wie die Bankenkrise und was daraus gelernt wurde, Investment-Banking und seine heutige Bedeutung im Unternehmen, die Geschäftsbeziehung zu Donald Trump ab und wie junge Menschen heute für eine Ausbildung im Unternehmen begeistert werden können. Harald Eisenach, Sprecher der Regionalen Geschäftsleitung Ost und Mitglied des Management Committees Deutschland, sowie die langjährigen Mitarbeitenden Antje Uhlig, Ute Kupfer, Matthias Bonk und Christof Breuch meldeten sich daraufhin zu Wort und beschrieben ihre persönlichen Erfahrungen in Ihrer Arbeit und auch in Bezug auf den Umgang mit „Skandalen“ um ihren Arbeitgeber. Dazu gehört auch, dass bei einer so großen Institution wie der Deutschen Bank, diejenigen, die z.B. an den Schaltern stehen, nur sehr wenig direkte Einflussmöglichkeit auf globale Entscheidungsprozesse der Unternehmensführung haben, sicherlich aber diejenigen sind, die jeden Tag Ihren Kunden Rede und Antwort stehen müssen zu den häufigen negativen Schlagzeilen zum eigenen Hause. Sie berichteten, dass ihre eigentliche Arbeit oft in den Schatten solcher Konflikte geriete und bedauerten eine quasi „deutsche Masochismus-Kultur“, die häufig nicht ausgewogen berichtet über vorhandenes und zu kritisierendes Fehlverhalten auf der einen Seite und sicherlich auch in Banken vorhandenem normalem Gutverhalten und tägliche Kundenorientierung.

Die Vertrauensverluste und die resultierenden neuen Ansätze, die im Zuge des Change Management Prozesses eingeführt wurden, haben schließlich auch zu der Idee für eine „Plattformweiterentwicklung“ geführt, die in Form des Quartiers realisiert wurde.

Das Q110 ist dabei vielleicht nicht DIE Filiale, wie sie deutschlandweit entstehen wird. Ihr Zweck besteht für die Deutsche Bank darin, Möglichkeiten zu testen, wie mit einem heterogenen Kundenstamm und einer riesigen Bandbreite an Bedarfen in Zukunft umgegangen werden kann. Die Führungskräfte im Zukunftsquartier sind überzeugt, dass persönlicher Kontakt nicht ersetzbar ist und deshalb Modernisierung nicht als reine Digitalisierung, sondern ganzheitlich umgesetzt werden muss. „Wir waren überrascht, wie viele junge Leute in unseren Filialen Überweisungsträger ausfüllen!“, ist eine Beobachtung, von der sie berichteten.

Zur Zukunft des Bankenwesens und zum Ruf der Deutschen Bank hatten die Teilnehmenden unseres First Mondays trotz dieser Zukunftsstrategie unterschiedlichste Meinungen, wie sich bei der Aufstellung in einem Meinungsstrahl zeigte. Klar wurde, dass die Deutsche Bank, mehr als so mancher anderer „Global Player“ made in Germany, sich nach wie vor als deutsches Unternehmen mit globaler Präsenz betrachtet, in dem das Geschäft im Heimatmarkt mit Privatkunden und Firmenkunden in weit höherer Intensität verfolgt wird als in anderen Ländern.

Das Schlusswort der Gastgeber*innen war ein Plädoyer für Visionen: In Berlin treffe Historie auf viel Neues, Ungeordnetes. Das sollte Mut machen, Dinge nicht als gegeben hinzunehmen, sondern die Frage zu stellen: Was können WIR selbst verändern?

In diesem Sinne danken wir der Deutschen Bank, dass wir für die spannende Diskussion zu Gast sein durften, sowie allen Beteiligten, die hoffentlich viel Inspiration und Mut aus dem Abend mitnehmen konnten.

First Monday bei Siemens: Stellenabbau in der Diskussion

Eingetragen am 26.01.2018

26. Januar 2018 | By |

Mit unserem First Monday im Januar bei Siemens widmeten wir uns einer aktuell kontrovers diskutierten Unternehmensentscheidung. Anfang November verkündete das Unternehmen einerseits einen Gewinn von über 6 Milliarden Euro, andererseits wurde mangels Rentabilität und Auslastung die Schließung von einzelnen Werken und die Entlassung von 5900 Beschäftigten verkündet. Diese Kombination wurde von zahlreichen Politiker*innen und Medienvertreter*innen scharf als unsozial und verantwortungslos kritisiert. Zu unserem First Monday waren wir in einem durch den geplanten Stellenabbau potentiell betroffenen Werke zu Gast im Gespräch mit Stefan Moschko, Personalleiter von Siemens Deutschland und Mitwirkender im Beirat von Leadership Berlin, Michael Friedrich, Pressesprecher bei Siemens und Jan-Marc Lischka, dem Werksleiter des Gasturbinenwerks.

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 „Ist die Entscheidung nachvollziehbar?“, dieser Frage stellten sich die 20 teilnehmenden Führungskräfte aus Non-Profit, öffentlichem und privatwirtschaftlichem Bereich von Leadership Berlin zunächst anhand eines Meinungsstrahles. Es zeigte sich dabei eine große Spannbreite, die von geringer Zustimmung bis hin zu völligem Verständnis reichte, wobei zum allgemeinen Erstaunen die Mehrheit zu letzterem tendierte. So gab es zwar Stimmen, die sich eine unternehmerische Verantwortung dahingehend wünschten, nicht mehr benötigte Werke mit anderen Produktionsabläufen zu retten und damit den geplanten Stellenabbau gerade in Regionen wie Görlitz zu vermeiden. Die Mehrheit konnte jedoch die Planung, sich von unrentablen Werken zu trennen, nachvollziehen, besonders hinsichtlich eines sich schnell wandelnden Marktes.

 Interessant für alle Beteiligten war die Diskussion umfassender Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt, die mit den genannten 3 Ds – Digitalisierung, Dekarbonisierung und demografischen Wandel – einhergehen. Hier wurden auch Ähnlichkeiten zu anderen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie beispielsweise dem Braunkohleausstieg in Brandenburg deutlich. Weitere spannende Aspekte folgten auf die anschließende Frage, ob der Aufschrei ebenso stark gewesen wäre, wenn es sich um einen Stellenabbau eines Finanzdienstleiters gehandelt hätte.

 Kontroverser diskutiert wurde im Verlauf des Abends die Kommunikation, wie sie im Hinblick auf den geplanten Stellenabbau ablief und aufgenommen wurde. Hier wurde einerseits die – teilweise durch ein Leak durcheinander gebrachten – zeitlichen Abläufe diskutiert wie auch die Art und Weise der Krisenkommunikation. Daraus ergaben sich Fragen, in die sich jeder auf unterschiedliche Weise hineindenken konnte, wie z.B.: „Hätte verhindert werden können, dass vorab Gerüchte und Teilüberlegungen über die geplanten Veränderungen an die Öffentlichkeit gelangen?“ oder „Hätte es Sinn gemacht, wenn Manager in Talkshow-Formaten wie z.B. „Hart aber Fair“ entgegen der öffentlichen Meinung versucht hätten, ihre Standpunkte darzulegen?“

In einer abschließenden Werksführung konnten die Besucher die historischen Produktionsstätten besichtigen und einige faszinierende Infos über das Produkt und die Herstellungsprozesse mitnehmen: So z.B., dass das Gewicht einer Gasturbine mitunter das einer voll besetzten A 380 übersteigt. Oder, dass die einzelnen Radscheiben der Gasturbinen, von Herrn Lischka auch als „Schwermechanik mit Uhrwerkspräzision“ beschrieben, beim Auswuchten bis auf 50 Mü, was dem Zehntel einer Haarbreite entspricht, angepasst werden. Am Ende dieses Prozesses lässt sich die Turbine, mit deren Leistung sich später eine Stadt in der Größe von Hamburg mit Strom versorgen lässt, mit einem Arm bewegen.

 Wir danken Stefan Moschko, Michael Friedrich und Jan-Marc Lischka für die spannenden Einblicke und die Teilnehmenden konnten in der Auseinandersetzung mit der gegebenen Situation intensive Eindrücke und praxisnahe Erfahrungen für Ihre Bereiche mitnehmen. Und wir drücken Siemens die Daumen, dass das Unternehmen die nächsten Jahre weiter so erfolgreich ist und noch viel mehr Menschen in florierenden Unternehmenssparten einstellen kann als man in unrentablen Unternehmenssparten abbauen muss.

 

First Monday im März: Notfallseelsorge

Eingetragen am 01.01.2018

1. Januar 2018 | By |

Ort: Notfallseelsorge bei der Ev. Hoffnungsgemeinde Berlin-Pankow, Elsa-Brändström-Str. 33, 13089 Berlin-Pankow
Zeit: Montag, den 5. März 2018, 18.30 – 21.00 Uhr
Anmeldung: bis 26. Februar 2018 hier

First Monday bei Notfallseelsorge

Erste Hilfe für die Seele

  • Wie muss man psychisch konstituiert sein, um eine solche Arbeit hauptamtlich oder ehrenamtlich zu bewältigen? Wie sehen Einsätze der Notfallseelsorge konkret aus? Wie können Krisen aushaltbar gemacht oder entschärft werden?
  • Wie kann es der Notfallseelsorge Berlin gelingen, mit ihren Angeboten und Konzepten der psycho-sozialen Betreuung mit ihren Themen wahrnehmbarer zu werden?

Gesprächspartner

  • Pfarrer Justus Münster, Landespfarrer für Notfallseelsorge in Berlin
  • Steffen Claussen, Dezernent bei der Berliner Polizei für internationale Zusammenarbeit, Teilnehmer unseres Leadership-Programms 2017 und einer von 140 Ehrenamtlichen in der Notfallseelsorge.

Hintergrund

Bekanntheit erlangt die Berliner Notfallseelsorge (Website) u.a. durch Krisenereignisse wie dem Anschlag am Breitscheidplatz 2016, bei der Love Parade 2010 oder größeren Verkehrsunfällen. Zum Einsatz kommt die Notfallseelsorge allerdings vor allem durch die tagtäglichen persönlichen Übermittlungen von Todesnachrichten in enger Zusammenarbeit mit Polizei und Feuerwehr, die Betreuung von Gewaltopfern, die Betreuung von Opfern von Haus- oder Wohnungsbränden oder auch die Betreuung von Eltern und Geschwistern bei Kindernotfällen. Die Notfallseelsorge Berlin wurde vor 23 Jahren unter dem Dach der Evangelischen Kirche und des Erzbistums Berlin ins Leben gerufen und bewältigt derzeit mit 2 Hauptamtlichen und 140 Ehrenamtlichen ca. 300 Einsätze pro Jahr. Über die Kooperation mit Polizei und Feuerwehr hinaus würde die Seelsorge zukünftig gerne auch noch stärker in Medien und von möglichen Kooperationspartnern (u.a. auch größere Unternehmen und Behörden) wahrgenommen werden. Im ersten Teil des Abends (18.30 bis 19.30 Uhr) besteht für die Teilnehmenden die Möglichkeit Einblicke in die Tätigkeit der Notfallseelsorge zu erhalten und dazu Fragen zu stellen. Nach einer Pause (19.30 – 20.00 Uhr) werden wir uns in Arbeitsgruppen der Fragestellung der Notfallseelsorge widmen, wie es ihr gelingen kann, stärker als bislang in Medien und von Unternehmen und Behörden wahrgenommen zu werden und evtl. einen Förderverein aufzubauen. Die Teilnehmenden können dabei einerseits ihre eigenen Erfahrungen aus den unterschiedlichen Kontexten einbringen – andererseits ebensolche von dem Gastgeber bzw. den anderen Teilnehmenden mitnehmen.

Teilnahmebedingungen

Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen, nur eine komplette Teilnahme möglich ist und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen dieses Mitgliedsformulars tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei, eine Anmeldung ist bis zum 26.Februar 2018 hier möglich. Sie erhalten am 27. Februar eine Rückmeldung, ob wir Ihre Anmeldung berücksichtigen konnten.

First Monday im Dezember: Was bedeutet Integration?

Eingetragen am 09.12.2017

9. Dezember 2017 | By |

„Was bedeutet Integration?“ Mit dieser so einfachen wie komplexen Frage an die Gesprächspartner*innen auf dem Podium startete unser First Monday Abend zum Thema „Chancen und Herausforderungen der Zuwanderung – Probleme und Lösungen der Integration“ im Gemeinschaftshaus Morus 14 e.V.. Gastgeber Gilles Duhem, der mit seinem Verein viele Kinder und Jugendliche im Neuköllner Rollbergviertel betreut, schlug darauf prompt die folgenden drei Punkte als „Integrationsanleitung“ vor: Erstens sorge dafür, dass all deine Dokumente ordentlich kopiert in einem Ordner bereitliegen, zweitens erscheine pünktlich zu jedem Termin und drittens lass keinen Müll in deiner Umgebung liegen – dann, so der Franzose Duhem, sei man im „weltoffenen“ Deutschland zu 75% integriert.

Dieser streitbare Beitrag verfehlte nicht die gewünschte Wirkung. Die Diskussion startete mit Schwung und brachte letztendlich das, was diesen Abend besonders spannend machte: einen steten Wechsel zwischen Schilderungen von konkreten Erfahrungen aus nächster Nähe und der Diskussion von übergeordneten, gesamtgesellschaftlichen Fragen. Aus dem direkten Umfeld des „segregierten“ Rollbergviertels berichteten der Gastgeber selbst, die Mittelstufenkoordinatorin sowie Jobcoachin der Zuckmayer Sekundarschule Sabine Drochner und Sigrid Salifu sowie Taha Sabri, der Imam der Dar-as-Salam-Moschee/Neuköllner Begegnungsstätte. Einen statistischen Input zum Thema Zuwanderung brachte darüber hinaus Peter Conrad, u.a. Vorstand im Begegnungschor, dem Verein Perspektiventag und bei Leadership Berlin.

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Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt wurde zunächst als ein wichtiges Thema der Integrationsarbeit diskutiert. Dabei spiele die Familie eine entscheidende Rolle, die den Ausbildungsantritt verhindern könne, wenn die berufliche Perspektive beispielsweise nicht prestigeträchtig genug sei oder auch einfach ein Heimaturlaub dazwischen käme, so eine Schilderung. Als wichtige Faktoren für eine gelungene Integration wurden insbesondere Sprache und Bildung genannt – Aspekte, die angesichts des Umstandes, dass 36 Prozent der 2015 angekommenen Geflüchteten keinen Schulabschluss haben, vor allem große Anstrengungen und Geduld abverlangten.

Neben den Expert*innen aus der beruflichen Praxis brachten einige Diskussionsteilnehmer, die selbst eine Zuwanderungs- oder Fluchtgeschichte haben, ihre Perspektiven mit ein. So fragte ein Arzt, der vor über 10 Jahren aus Palästina nach Deutschland kam und inzwischen seine eigene Praxis leitet, wann er denn eigentlich endlich als integriert gelte. Andere, die erst innerhalb der letzten drei Jahre nach Deutschland gekommen sind, brachten das Problem auf, dass qualifizierte Geflüchtete teilweise jahrelang in Warteschleifen festgehalten würden, bevor sie endlich arbeiten dürften.

Auf der allgemeineren Ebene wurde dann erörtert, inwieweit bereits der Begriff „Integration“ eigentlich diskriminierend sei – impliziere er ja, dass etwas eingefügt oder angepasst werden müsse und widerspreche damit dem Diversity-Gedanken einer vielfältigen Gesellschaft.

Neben Integration diskutierte die Gruppe auch das Phänomen der Segregation, die sich in Berlin beispielsweise daran ablesen lässt, dass es einerseits über 70 öffentliche Schulen gibt, die einen Schüleranteil nicht-deutscher Herkunftssprache von über 75 Prozent haben (bei der Zuckmayer-Schule sind es sogar 97%) und andererseits viele Schulen ohne Schüler*innen mit Migrationshintergrund. Dazu gab es sowohl die Meinung, dass segregierte Wohngegenden hinderlich für Integration seien, da die Bewohner*innen ohne deutsche Sprache auskommen und sich in solchen Gegenden – wie im Beispiel Rollbergviertel – ein hoher Arbeitslosenanteil und Bildungsferne verdichten können. Andererseits vertraten einige Diskussionsteilnehmende auch die Auffassung, dass die Konzentration türkisch- und arabischstämmiger Bevölkerung in einigen Stadtbezirken unter Wahrung kultureller Elemente aus den Herkunftsländern genauso als Selbstverständnis und Bereicherung in Deutschland akzeptiert werden sollte wie dies auch in den USA bei Minderheiten (Stichwort „Chinatown“)  der Fall ist.

„Wie viel Zuwanderung braucht Deutschland?“ lautete eine andere Frage, die kontrovers diskutiert wurde. Mit 400.000 Menschen pro Jahr beziffere das Statistische Bundesamt den Bedarf an Zuwanderung, damit das Rentensystem in Zukunft weiter funktionsfähig bleibe, war das Argument eines Gesprächsteilnehmers. Andere verwiesen auf die aktuellen Probleme bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt und meldeten Zweifel an, ob eine größere Anzahl für den Arbeitsmarkt verkraftbar sei. Als weiterer Punkt wurde diskutiert, inwieweit es egoistisch sei, wenn die westlichen Industrieländer „Rosinenpickerei“  betreiben und ausschließlich Zuwanderung von Hochqualifizierten zulassen.

Die Frage „Was ist Integration?“ wurde an diesem Abend zwar nicht abschließend geklärt, aber sie wurde in jedem Fall von verschiedensten Seiten beleuchtet und drängende Herausforderungen identifiziert. Wir danken allen Teilnehmenden und insbesondere den Expert*innen für die vielfältigen erhellenden Beiträge und hoffen, dass sich für viele im Gespräch neue Blickwinkel auf das Themenfeld Integration aufgetan haben.

First Monday zum Thema Image des Jugendamts

Eingetragen am 23.11.2017

23. November 2017 | By |

Iris Hölling – Leiterin des Jugendamtes Treptow-Köpenick

„Die nehmen einem die Kinder weg!“: Schon in der ersten Runde, in der die Teilnehmenden unserer First Monday Veranstaltung im November ihr Bild vom Jugendamt beschreiben sollten, fiel dieser Satz, der auch in der Sicht der Bevölkerung verbreitet scheint. Die Inobhutnahme – für den Fall, dass die Familie den Schutz des Kindes nicht gewährleisten kann, macht jedoch nur einen sehr kleinen Teil der Aufgaben des Jugendamts aus.

Der First Monday galt einem Anliegen von Iris Hölling, Leiterin des Jugendamts Treptow-Köpenick, das Bild des Jugendamtes in der Öffentlichkeit zu verändern. Die Teilnehmenden – aus anderen Jugendämtern, Freien Trägern oder fachfremden Bereichen der Wirtschaft – wurden mit verschiedenen Fragestellungen aufgefordert, Ideen zu entwickeln, um die positiven, unterstützenden Aspekte der Arbeit des Jugendamts in den Fokus zu rücken.

Letztlich kam viel Input, der zu einem differenzierteren Bild in der Öffentlichkeit helfen könnte, zusammen: Von Vorschlägen zu Werbekampagnen, über verstärkte Social-Media-Aktivität und Erfolgsgeschichten von Jugendlichen, die selbst das Jugendamt um Hilfe gebeten hatten, bis zu Aktivitäten, wie einem Tag der offenen Tür oder Aufklärungsabenden in bestimmten Institutionen, z.B. Moscheen und Schulen.

Wir sind gespannt, welche der vielen Ideen umgesetzt werden, und wünschen Iris Hölling dafür viel Erfolg!

Zukunftsplanung beim First Monday: Führungskräfte mit Behinderung

Eingetragen am 06.04.2017

6. April 2017 | By |

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Zum First Monday im April kamen wir mit Vertretern aus dem Vorstand des Vereins „Führungskräfte mit Behinderung“ zusammen. Der Verein ging aus Ideen und Aktivitäten des Jahresprogramms 2016 hervor und gründete sich parallel zu unserem Abschlusstag im Oktober. Mit Dr. Peter Sdorra, Richter am Kammergericht in Berlin und Vorstandsvorsitzender von „Führungskräfte mit Behinderung“, sowie seinem Vorstands-Kollegen Christian Habl, der selbstständiger Unternehmer und gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des Netzwerks zur beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung ist, sprachen wir über aktuelle Herausforderungen und die Zukunftsplanung des Vereins.

Der Verein ist bundesweit aufgesetzt und hat momentan 14 Mitglieder. In den letzten Monaten wurden die Weichen gestellt sowie die rechtlichen und vereinsorganisatorischen Grundlagen geregelt, damit der Verein nun durchstarten kann. Ein Logo ist inzwischen auch gefunden – momentan steht gerade die Erstellung einer Website ganz oben auf der Agenda, um Menschen für die Vision und Mission des Vereins zu erreichen.

Mit der „Action Learning“-Methode formulierten die Teilnehmenden Fragen, die das Team von „Führungskräfte mit Behinderung“ anregen sollen, in unterschiedliche Richtungen zu denken und bislang übersehene „Baustellen“ auszuloten. In Kleingruppen wurde dann noch einmal konkret darüber nachgedacht, wo der Verein in 5 Jahren stehen könnte und welche Meilensteine auf dem Weg erreicht werden können.

Anzupacken gibt es Vieles, um Menschen mit Behinderung zu stärken und ihnen zu mehr Sichtbarkeit gerade in Vorständen und Unternehmen zu verhelfen. Vor der großen Öffentlichkeitskampagne ist aber sicherlich der erste Schritt, sich intern zu fokussieren und gut aufzustellen. Wir sind gespannt, was wir als nächstes vom Verein hören werden!

 

 

Fusionen als Veränderungsprozesse – First Monday bei der BKK VBU

Eingetragen am 21.03.2017

21. März 2017 | By |

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Für den First Monday im März waren wir zu Gast bei der BKK VBU und ihrer Vorständin Andrea Galle sowie der Fusionsbeauftragten Jacqueline Fochler. Die beiden sind Fusions-Expertinnen – haben sie doch gemeinsam seit der Neu-Gründung der Kasse 1993 bereits neun Fusionen durchgeführt. Tendenz: weitere werden folgen.

Denn wie wir im Gespräch erfuhren, stehen die Kassen weiterhin unter Druck zur Vergrößerung. Die Öffnung der Kassen begann mit der Einführung des Krankenkassenwahlrechts im Jahr 1996. Die ursprünglich an Betriebsgrößen angepassten BKKs schließen sich seither zu größeren Unternehmen zusammen, um die Effizienz zu steigern und Verwaltungskosten zu sparen. So wurden aus 785 Kassen im Jahr 1993 die heute verbleibenden 88.

Der Erfolgsschlüssel für eine erfolgreiche Fusion ist aus der Erfahrung von Andrea Galle und Jacqueline Fochler die Kommunikation. Denn es komme darauf an, die Mitarbeiter*innen mental mitzunehmen. Dabei helfe bei der BKK VBU auch das soziale Engagement des Unternehmens, denn die Mitarbeiter*innen identifizierten sich mit einer sinnstiftenden Vision.

Was dagegen nicht funktioniere, sei eine arrogante Haltung à la „Kommt zu uns, dann wird alles besser“. Gelassenheit und Geduld zu haben, die Menschen sich in der neuen Situation einfinden zu lassen, seien genauso wichtig wie der Freiraum für kulturelle Besonderheiten: die Grußformeln von Hamburg und Bayern lassen sich nicht konformieren.

Wann immer möglich, schaltet das Unternehmen vor den Fusionszeitpunkt eine Kooperationsphase vor. So können die Teams sich gegenseitig ebenso wie die Verfahrensweisen des anderen kennenlernen. Dabei werden auch die eigenen Prozesse auf den Prüfstand gestellt. Ein Aktivitätenplan gibt die konkreten Schritte im Veränderungsprozess vor und gibt allen Beteiligten Orientierung.

Und nicht zuletzt wirkt die Vorständin Andrea Galle selbst als Botschafterin für den Zusammenschluss und für die sinnstiftende Idee. Wir danken ihr und Jacqueline Fochler, dass wir an der Lernkurve des Unternehmens teilhaben durften. Ebenso gilt unser Dank Dorothee Christiani, der CSR-Beauftragten der BKK VBU und Mitglied unseres Vorstands, sowie Andreas Scholz-Fleischmann, unserem Vorstandsvorsitzenden, für die Moderation.

 

First Monday zum Umgang mit Tod und Trauer in Unternehmen

Eingetragen am 20.02.2017

20. Februar 2017 | By |

Mehr als 140.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr im erwerbsfähigen Alter. Wie gehen Personalverantwortliche damit um, wenn auf einmal jemand aus dem Kollegenkreis verstirbt? Ein kurzes Innehalten und dann ein Weitermachen im business as usual? Es ist offenkundig, dass der Tod einer nahestehenden Person die Arbeitsfähigkeit von Menschen sehr einschränken kann. Aber ist das die Privatsache der Beschäftigten? Oder wie könnten und sollten sich Arbeitgeber – auch im Eigeninteresse – dem in gewisser Weise tabuisierten Thema Tod und Trauer annehmen?

Dieser Fragestellung widmeten sich die teilnehmenden Führungskräfte unseres First Mondays im Februar, mit dem wir bei Angelika Behm und Jörg Busenbender im Diakonie-Hospiz Wannsee zu Besuch waren. Der Tod und der Umgang mit diesem schwierigen Thema stehen in dem Hospiz auf der Tagesordnung. Alleine an dem Tag unserer Begegnung verstarben 3 der 14 Bewohner*innen der sozialen Einrichtung.

Voller Hochachtung ob der psychischen Belastung ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin des Hospizes lauschten unsere Teilnehmenden zunächst einmal bei einem Rundgang den Worten von Angelika Behm, die 2015 an unserem Collaborative Leadership Programm teilgenommen hat und uns insofern in besonderer Weise verbunden ist. Und welche unerwarteten Früchte unser Netzwerk mitunter erblühen lässt, zeigte sich u.a. beim Rundgang anhand der an den Wänden hängenden Bilder. Die Künstlerin ist Ina Carrasco, Führungskraft im Bezirksamt Pankow und ebenfalls eine Teilnehmerin unseres Leadership-Programms 2015.

Im zweiten Teil des Abends widmeten sich die teilnehmenden Führungskräfte der Fragestellung der Hospizleitung, wie es ihr gelingen kann, Ihr Know-How im Umgang mit Tod und Trauer Arbeitgebern zugänglich zu machen. Hierbei zeigte sich, wie sehr möglicherweise die Begriffe „Tod“ und „Trauer“ schon alleine aufgrund ihrer negativen Konnotation auf Ablehnung stoßen. Aber sollte das Hospiz deshalb Schulungen und Coaching mit Begriffen wie zum Umgang mit „psychische Belastungen“ umschreiben? Oder sollte man die Dinge beim Namen nennen? Bei dieser Fragestellung angefangen entsponn sich eine lebhafte Diskussion, die in anderen Zusammenhängen fortgesetzt werden sollte.

Vielen Dank an Angelika Behm und Jörg Busenbender vom Diakonie-Hospiz für den spannenden und emotionalen Einblick in Eure Arbeit. Wir wünschen Euch viel Kraft dafür, dass Ihr noch viele letzte Wünsche Eurer Gäste erfüllen könnt und dass Ihr das Motto der Hospiz-Pionierin Cicely Saunders weiterhin so überzeugend mit Leben füllt: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

Interessierte an der Arbeit des Diakonie-Hospizes Wannsee und solche, die sich mit dem Gedenken tragen, es finanziell oder mit ehrenamtlichem Engagement zu unterstützen, wenden sich bitte an:

Diakonie-Hospiz Wannsee
Angelika Behm
a.behm@diakonie-hospiz-wannsee.de
Tel.: 030-8050 5702
http://www.diakonie-hospiz-wannsee.de