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Mensa meets Leadership Archive - Leadership Berlin

Leadership Berlin bringt kognitiv Hochbegabte ins Gefängnis

Eingetragen am 30.01.2019

30. Januar 2019 | By |

Ob es unter den Insassen Berliner Haftanstalten auch Menschen mit kognitiver Hochbegabung gibt, vermögen wir nicht zu beurteilen. Zumindest betraten als Besucher am 17. Dezember zwanzig Menschen mit IQ über 130 – allesamt Mitglieder der Hochbegabtenvereinigung Mensa e.V. – die JVA Moabit zu einem Gedankenaustausch mit der Gefängnisleitung. Als „ Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.“ organisierten wir das außergewöhnliche Zusammentreffen im Rahmen unseres Formates „Mensa meets Leadership“, in dem wir mit Förderung durch die gemeinnützige „Mensa in Deutschland Stiftung“ quartalsweise eine Gruppe von kognitiv Hochbegabten aus Berlin und Brandenburg mit Führungskräften der unterschiedlichsten Bereiche zusammenbringen.

Gastgeber seitens der Untersuchungshaftanstalt waren die Anstaltsleiterin Anke Stein und die Vollzugsleiterin Friederike Temme, die einen offenen Einblick in die Arbeit der JVA Moabit gaben und auf zahlreiche Fragen eingingen. Dabei zeigte sich, dass auch die hochintelligenten Besucher nicht frei waren von Zerrbildern über den Strafvollzug, wie er in Fernsehserien dargestellt wird. Anke Stein und Friederike Temme vermittelten einen realistischen und eindrucksvollen Blick in ihren beruflichen Alltag, der weder beschönigte, noch dramatisierte. In gewisser Weise erschien darin der Strafvollzug als ein Arbeitsbereich wie jeder andere, der jedoch eine wichtige gesellschaftliche Funktion innehat. Die Beschäftigten erhalten allerdings kaum die entsprechende gesellschaftliche Anerkennung für ihre wichtige und nicht immer leichte Arbeit.

Auf besonderes Interesse bei den Gästen von Mensa stießen die Diversity-Aspekte der Arbeit im Strafvollzug – einerseits die Frage der Akzeptanz weiblicher Bediensteter und einer weiblichen Gefängnisleitung, andererseits die interkulturelle Zusammensetzung der Inhaftierten mit einem Ausländeranteil von 70% zzgl. einem Anteil von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund. Aufgrund der Vielsprachigkeit der Insassen sind auch bei den Beschäftigten solche mit Migrationshintergrund und Fremdsprachenkenntnissen sehr gefragt, wobei auch unabhängig davon Mitarbeiter*innen benötigt und gesucht werden. Autoritätsprobleme aufgrund des Geschlechts sahen die beiden Leiterinnen der reinen Männer-Vollzugsanstalt jedoch ganz klar nicht – was sicher auch an dem charismatischen und bestimmten Auftreten der beiden Juristinnen liegt.

Die größte Herausforderung des Strafvollzugs aus Sicht von Anke Stein und Friederike Temme ist auch – entgegen der Erwartung so mancher Außenstehender – weniger das Thema Gewalt von bzw. zwischen Inhaftierten. Viel schwieriger ist es, aus der Zielsetzung der Resozialisierung unter den gegebenen Rahmenbedingen das Beste zu machen und genügend Nachwuchskräfte für die wichtige Arbeit im Strafvollzug zu gewinnen. So lautete auch die letzte Frage der Gefängnisleiterinnen an die Mitglieder von Mensa, ob und warum sie sich vorstellen könnten – oder auch nicht vorstellen können – im Strafvollzug zu arbeiten. Auch wenn der größte Teil sich einen solchen Arbeitsbereich nicht vorstellen könnte, immerhin zwei wären nicht ganz abgeneigt. Außerdem animierte der Besuch den ein -oder anderen, Bücher für die Gefangenen-Bibliothek zu spenden.

Unser besonderer Dank geht an Anke Stein, die bereits in ihrer früheren Funktion als Anstaltsleiterin der JVA Heidering Gastgeber für Programmtage von Leadership Berlin war und an Friederike Temme, die selbst an unserem Collaborative Leadership Jahresprogramm 2018 teilgenommen hat.

Mensa meets Leadership: zu Gast beim Tagesspiegel

Eingetragen am 27.02.2018

27. Februar 2018 | By |

Wie hoch ist das Vertrauen von kognitiv Hochbegabten in die deutsche Presse?

Dieser und anderen Fragen widmete sich das von Leadership Berlin organisierte Gespräch zwischen 20 Mitgliedern des Hochbegabtenvereins Mensa mit Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels.

Gleich zu Beginn der Begegnung positionierten sich die 20 Teilnehmenden von Mensa entlang eines Meinungsstrahles zu der Frage, ob sie großes Vertrauen in Presse hätten. Es zeigte sich dabei, dass die Extreme von null Vertrauen und vollem Vertrauen nicht vertreten waren, wohingegen vor allem der mittlere Bereich zwischen 30 und 70% stark besetzt war. Mit diesem Stimmungsbild konnte Lorenz Maroldt sich gut identifizieren, denn er hätte sich selbst ebenfalls irgendwo im mittleren Bereich angesiedelt. Kritikfähigkeit – auch und vor allem gegenüber dem eigenen Tun – sind aus seiner Sicht wichtige Voraussetzungen, die ein Journalist für seine Arbeit mitbringen sollte.

Im dann folgenden intensiven Gespräch zeigte Herr Maroldt neben Verständnis auch ein klares Bewusstsein für die Sorgen heutiger Medienkonsumenten. Er gab Einblicke, was ihn zu seinem oft bis früh in den Morgen reichenden Engagement für eine unumstößlich unabhängige und gleichzeitig auch markt- und zukunftsfähige Presse antreibt. Neben dem Willen zur Gestaltung der aktuellen Medienrevolution, der Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und auch mal mutige Entscheidungen für Experimente zu treffen, ist es vor allem der Spaß an der Sache, die ihn neben seiner Rolle als Chefredakteur zusätzlich als nächtlicher Checkpoint-Autor Müdigkeit und Hunger manchmal vergessen lassen.

Viele unserer Teilnehmer zeigten sich nach diesen knapp 2 Stunden beeindruckt von dem offenen Einblick, sowohl in die persönliche Motivation von Herrn Maroldt, als auch in die Herangehensweise des Tagesspiegel angesichts der herausfordernden Themen heutiger Zeitungsmacher.

 

Autorin: Susan Kirch