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Mensa meets Leadership Archive - Leadership Berlin

Grenzerfahrung: Exkursion nach FFO und Slubice

Eingetragen am 24.05.2019

24. Mai 2019 | By |

Einmal im Jahr bieten wir Mitgliedern und Freunden von Leadership Berlin die Teilnahme an einem Programmtag mit Begegnungen jenseits des eigenen Tellerrandes an. In diesem Jahr ging es gemeinsam mit unserem Schwesterverein Leadership Brandenburg – Netzwerk Verantwortung e.V. und einigen Mitgliedern von Mensa e.V. nach Frankfurt/Oder und in die polnische Nachbarstadt Slubice.

Der Tag beinhaltete Gespräche mit Einblicken in Wirtschaft, öffentlichen Sektor und dem Non-Profit Bereich und wurde aufgelockert durch durch einen fachkundlich begleiteten Stadtspaziergang.

Besuch im deutsch-polnischen Coworking-Space BLOK O und Gespräch mit Coworking-Managerin Linda Pickny

Bei einer Führung durch die Räumlichkeiten schilderte Linda Pickny ihre Eindrücke und Erfahrungen eines Standorts an der deutsch-polnischen Grenze und erläuterte, wie die Region aus ihrer Sicht tragfähige Perspektiven für junge Menschen bieten kann. Außerdem stellten die Gründer Michal Podyma und Jonas Schöneberg, die das BLOK O bereits aktiv nutzen, im Elevator-Pitch-Format ihre Ideen vor. Dabei handelte es sich zum einen um die deutsch-polnische Zeitarbeitsfirma Eurojob West und zum anderen um gleich zwei Unternehmen; WM Wasser Manufaktur GmbH und die GM GesundheitsManufaktur GmbH. Die teilnehmenden Führungskräfte gaben zu den Start-Ups ihr Feedback.

Treffen mit Oberbürgermeister René Wilke im Rathaus von Frankfurt/Oder

Zu den größten Herausforderungen der Stadt zählt laut Oberbürgermeister René Wilke besonders das Missverhältnis von Schulden und verfügbarem Investitionsbudget. Auf die hohen Schulden summiert sich ein Rückstau ausstehender Reparaturkosten von 120 Millionen Euro. Für diese stehen aber jährlich nur 10 Millionen Euro zur Verfügung, Landes- und EU-Fördergelder bereits eingerechnet. Er befinde sich mit seinen Entscheidungen somit in einem ständigen Spagat zwischen reiner Schadensbegrenzung und neuen Investitionen, die besonders wichtig für die infrastrukturelle Entwicklung vor Ort seien. Obwohl die Region seit der Wende eher von Skepsis und Enttäuschung geprägt sei, war der Tenor ein zaghaft-optimistischer: die Viadrina-Universität sei auch unter internationalen Studierenden ein wichtiger Pull-Faktor. Außerdem stellte sich bei der internationalen „Doppelstadt-Konferenz“ FFO/Slubice eindeutig als best practice Modell dar. Das gebe – trotz wachsender Probleme in der Zusammenarbeit aufgrund national-politische Interessen – Mut zur Intensivierung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit.

Treffen mit Dr. Krzysztof Wojciechowski, Verwaltungsdirektor des Collegiums Polonicum

Mit dem Geschichtenerzählen kennt sich Dr. Krzysztof Wojciechowski als Vorsitzender des Vereins „mylife – erzählte Zeitgeschichte e.V.“ und als Autor des Buchs „Meine lieben Deutschen“ aus – und das merkte man seinen Schilderungen aus der Zeit, als der „europäische Alltag noch kein Standard war“ an. Bildhaft und teils (selbst-)ironisch schilderte er den Lebensalltag an der deutsch-polnischen Grenze und wie sich die Brücke über die Oder von einem „Schlachtfeld“ zu einem „Bindeglied“ wandelte. Besonders die Kriminalität, die durch Not und Neid bedingt wurde, sei so gut wie verschwunden. Es habe vielfältige Angleichung gegeben; das Lohngefälle von 1:10 sei inzwischen bei 1:3 angelangt und die Bilingualität der Doppelstadt trage maßgeblich zum positiven Verhältnis bei. Doch auch schwer messbare Faktoren, wie Kleidungsstile, non-verbale Kommunikation oder Essgewohnheiten seien näher zusammengerückt. Auf die Frage, wieso es nach der – im Weltmaßstab außergewöhnlich geglückten – deutsch-polnischen Versöhnung zum aktuellen Aufschwung nationaler Tendenzen komme, zeichnete Herr Wojciechowski ein plastisches Bild moderner Gesellschaft: Die Menschen seien im Paradies angekommen, hätten nun die Engelschöre satt und liefen Gefahr, durch den Hinterausgang direkt auf eine Müllhalde zuzusteuern.“

Unser Dank gilt unseren Gesprächspartner*innen und den Gründern für die spannenden Perspektiven auf diese besondere Region. Wir danken allen Teilnehmenden, besonders aber Dieter Krawczynski, der uns durch die Stadt führte und mit historischen Hintergründen sowie ortsbezogenen Anekdoten versorgte.

Leadership Berlin bringt kognitiv Hochbegabte ins Gefängnis

Eingetragen am 30.01.2019

30. Januar 2019 | By |

Ob es unter den Insassen Berliner Haftanstalten auch Menschen mit kognitiver Hochbegabung gibt, vermögen wir nicht zu beurteilen. Zumindest betraten als Besucher am 17. Dezember zwanzig Menschen mit IQ über 130 – allesamt Mitglieder der Hochbegabtenvereinigung Mensa e.V. – die JVA Moabit zu einem Gedankenaustausch mit der Gefängnisleitung. Als „ Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.“ organisierten wir das außergewöhnliche Zusammentreffen im Rahmen unseres Formates „Mensa meets Leadership“, in dem wir mit Förderung durch die gemeinnützige „Mensa in Deutschland Stiftung“ quartalsweise eine Gruppe von kognitiv Hochbegabten aus Berlin und Brandenburg mit Führungskräften der unterschiedlichsten Bereiche zusammenbringen.

Gastgeber seitens der Untersuchungshaftanstalt waren die Anstaltsleiterin Anke Stein und die Vollzugsleiterin Friederike Temme, die einen offenen Einblick in die Arbeit der JVA Moabit gaben und auf zahlreiche Fragen eingingen. Dabei zeigte sich, dass auch die hochintelligenten Besucher nicht frei waren von Zerrbildern über den Strafvollzug, wie er in Fernsehserien dargestellt wird. Anke Stein und Friederike Temme vermittelten einen realistischen und eindrucksvollen Blick in ihren beruflichen Alltag, der weder beschönigte, noch dramatisierte. In gewisser Weise erschien darin der Strafvollzug als ein Arbeitsbereich wie jeder andere, der jedoch eine wichtige gesellschaftliche Funktion innehat. Die Beschäftigten erhalten allerdings kaum die entsprechende gesellschaftliche Anerkennung für ihre wichtige und nicht immer leichte Arbeit.

Auf besonderes Interesse bei den Gästen von Mensa stießen die Diversity-Aspekte der Arbeit im Strafvollzug – einerseits die Frage der Akzeptanz weiblicher Bediensteter und einer weiblichen Gefängnisleitung, andererseits die interkulturelle Zusammensetzung der Inhaftierten mit einem Ausländeranteil von 70% zzgl. einem Anteil von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund. Aufgrund der Vielsprachigkeit der Insassen sind auch bei den Beschäftigten solche mit Migrationshintergrund und Fremdsprachenkenntnissen sehr gefragt, wobei auch unabhängig davon Mitarbeiter*innen benötigt und gesucht werden. Autoritätsprobleme aufgrund des Geschlechts sahen die beiden Leiterinnen der reinen Männer-Vollzugsanstalt jedoch ganz klar nicht – was sicher auch an dem charismatischen und bestimmten Auftreten der beiden Juristinnen liegt.

Die größte Herausforderung des Strafvollzugs aus Sicht von Anke Stein und Friederike Temme ist auch – entgegen der Erwartung so mancher Außenstehender – weniger das Thema Gewalt von bzw. zwischen Inhaftierten. Viel schwieriger ist es, aus der Zielsetzung der Resozialisierung unter den gegebenen Rahmenbedingen das Beste zu machen und genügend Nachwuchskräfte für die wichtige Arbeit im Strafvollzug zu gewinnen. So lautete auch die letzte Frage der Gefängnisleiterinnen an die Mitglieder von Mensa, ob und warum sie sich vorstellen könnten – oder auch nicht vorstellen können – im Strafvollzug zu arbeiten. Auch wenn der größte Teil sich einen solchen Arbeitsbereich nicht vorstellen könnte, immerhin zwei wären nicht ganz abgeneigt. Außerdem animierte der Besuch den ein -oder anderen, Bücher für die Gefangenen-Bibliothek zu spenden.

Unser besonderer Dank geht an Anke Stein, die bereits in ihrer früheren Funktion als Anstaltsleiterin der JVA Heidering Gastgeber für Programmtage von Leadership Berlin war und an Friederike Temme, die selbst an unserem Collaborative Leadership Jahresprogramm 2018 teilgenommen hat.

Mensa meets Leadership: zu Gast beim Tagesspiegel

Eingetragen am 27.02.2018

27. Februar 2018 | By |

Wie hoch ist das Vertrauen von kognitiv Hochbegabten in die deutsche Presse?

Dieser und anderen Fragen widmete sich das von Leadership Berlin organisierte Gespräch zwischen 20 Mitgliedern des Hochbegabtenvereins Mensa mit Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels.

Gleich zu Beginn der Begegnung positionierten sich die 20 Teilnehmenden von Mensa entlang eines Meinungsstrahles zu der Frage, ob sie großes Vertrauen in Presse hätten. Es zeigte sich dabei, dass die Extreme von null Vertrauen und vollem Vertrauen nicht vertreten waren, wohingegen vor allem der mittlere Bereich zwischen 30 und 70% stark besetzt war. Mit diesem Stimmungsbild konnte Lorenz Maroldt sich gut identifizieren, denn er hätte sich selbst ebenfalls irgendwo im mittleren Bereich angesiedelt. Kritikfähigkeit – auch und vor allem gegenüber dem eigenen Tun – sind aus seiner Sicht wichtige Voraussetzungen, die ein Journalist für seine Arbeit mitbringen sollte.

Im dann folgenden intensiven Gespräch zeigte Herr Maroldt neben Verständnis auch ein klares Bewusstsein für die Sorgen heutiger Medienkonsumenten. Er gab Einblicke, was ihn zu seinem oft bis früh in den Morgen reichenden Engagement für eine unumstößlich unabhängige und gleichzeitig auch markt- und zukunftsfähige Presse antreibt. Neben dem Willen zur Gestaltung der aktuellen Medienrevolution, der Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und auch mal mutige Entscheidungen für Experimente zu treffen, ist es vor allem der Spaß an der Sache, die ihn neben seiner Rolle als Chefredakteur zusätzlich als nächtlicher Checkpoint-Autor Müdigkeit und Hunger manchmal vergessen lassen.

Viele unserer Teilnehmer zeigten sich nach diesen knapp 2 Stunden beeindruckt von dem offenen Einblick, sowohl in die persönliche Motivation von Herrn Maroldt, als auch in die Herangehensweise des Tagesspiegel angesichts der herausfordernden Themen heutiger Zeitungsmacher.

 

Autorin: Susan Kirch