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Programmtag

Verantwortung annehmen und abgeben können

Eingetragen am 21.09.2017

21. September 2017 | By |

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Die Teilnehmenden des Collaborative Leadership Programms 2017 widmeten sich im September dem Thema „Verantwortung annehmen und abgeben können“. Beim Programmtag in der Hermann-von-Helmholtz-Schule in der Gropiusstadt forderten wir sie dabei zunächst ganz praktisch heraus.

Als „Vertretungslehrer*innen“ übernahmen sie in 2er-Teams oder alleine eine Unterrichtseinheit in Schulklassen der 9. und 10. Jahrgangsstufe der Integrierten Sekundarschule. Ziel dabei war es, den Jugendlichen eine Perspektive auf die Berufswelt aus der Praxis einer Führungskraft zu geben: dass es sich lohnt, Verantwortung für die eigene Zukunft zu übernehmen; dass Disziplin und Zuverlässigkeit notwendig sind, um beim Arbeitgeber nicht durchzufallen; und dass bei der Wahl eines Ausbildungsweges eine realistische Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen hilft.

Schulleiterin Kerstin Fischler und „Bückenbauer“ Jens Priesen, der den Schüler*innen beim Übergang in die Ausbildung hilft, berichteten, dass viele der Jugendlichen an der Schule erschwerte Ausgangsbedingungen haben. Bei 68,4% ist die Herkunftssprache nicht Deutsch und 55% kommen aus Familien, die von Hartz IV leben. Familiäre Unterstützung beim Lernen und Planen der beruflichen Zukunft fehlt vielen. Deshalb nimmt die Schule es klar als ihren Auftrag an, nicht nur Fachunterricht zu machen und Wissen zu vermitteln, sondern auch einen Erziehungsauftrag wahrzunehmen und soziale Kompetenzen zu vermitteln.

Für uns ist dieses Engagement ein starkes Vorbild, Verantwortung auch über den eigenen Bereich hinaus zu übernehmen – wie sie die Führungskräfte mit ihrem Einsatz an der Schule auch zeigten. Einige engagieren sich sogar über den konkreten Programmtag hinaus weiter an der Schule.

Zu Gesprächen über die verschiedenen Facetten von Verantwortung ging es am Nachmittag hinaus in die Stadt. Die Verantwortungsträger teilten ihre Sicht auf die Verantwortung,die sie jeweils für die Gesellschaft, für Mitarbeiter*innen und schließlich auch für Fehler übernehmen. Nicht zuletzt diskutierten die Führungskräfte auch darüber, woher die Motivation kommt, große Verantwortung zu übernehmen und wie es gelingt, Verantwortung abzugeben.

Wir danken allen Gesprächspartner*innen sowie den Beteiligten der Hermann-von-Helmholtz-Schule, dass wir zu Gast sein durften!

 

 

Programmtag „Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln“

Eingetragen am 17.07.2017

17. Juli 2017 | By |

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Den Programmtag zum Thema „Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln“ verbrachten wir mit den Teilnehmenden des Jahresprogramms 2017 bei der Seniorentstiftung Prenzlauer Berg im Altenpflegewohnheim.

Im Fokus des Programmtags steht ein zentrales Motiv unseres Vereins: gesellschaftliche Missstände und Herausforderungen kennenzulernen und zu überlegen, wie man selbst jenseits formaler Zuständigkeit Verantwortung übernehmen kann. Diesen „Mut zum Handeln“, auch in Kooperationen über die Sektorengrenzen des privatwirtschaftlichen, öffentlichen und Non-Profit-Bereichs hinweg, möchten wir mit den Erfahrungen, die wir an diesem Tag den Teilnehmenden ermöglichen, fördern.

Dabei ist es unser Prinzip, dass wir nicht nur mit denjenigen sprechen, die versuchen, gesellschaftliche Probleme zu lösen, sondern auch mit denjenigen, die direkt betroffen sind. Bevor sich die Teilnehmenden mit der Leitungsebene der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg austauschten, durften sie daher vorab die Bewohnerinnen und Bewohnern selbst besuchen und über das Leben im Alter sprechen.

Mit Geschäftsführer Christian Schüler, Einrichtungsleiter Frank Wernecke, Pflegedienstleiterin Anet Raatz und Ehrenamtskoordinator Markus Mudrick fand im Anschluss ein Austausch über die Herausforderungen in der Altenpflege statt. Die größten Schwierigkeiten macht hierbei immer noch der Mangel an Pflegefachkräften und auch an Pflegekräften insgesamt. Insbesondere auch der Wegfall des Zivildienstes hat hier eine Lücke gerissen, die sich durch den Bundesfreiwillligendienst nicht schließen lässt.

Vor großen Herausforderungen stehen auch die Gesprächspartner*innen der Kleingruppengespräche am Nachmittag, die Menschen vertreten und unterstützen, die am Rande der Gesellschaft stehen bzw. keine große Lobby haben. Der Bundesfamilienverband bemüht sich, die Rechte von Familien voranzubringen, während SOLWODI Berlin Frauen unterstützt, die von Menschenhandel und Zwangsprostitution betroffen sind. Gangway e.V. kümmert sich u.a. um osteuropäische Obdachlose, die auf der Straße leben und als EU-Ausländer keine Ansprüche auf Sozialleistungen haben. Und das Whistleblower-Netzwerk setzt sich dafür ein, Whistleblower in ihren Rechten zu stärken, die gesellschaftlich relevante Missstände in Unternehmen, Vereinen und Behörden aufdecken und dafür persönlich Nachteile erleiden.

Wir danken allen Beteiligten für die Gelegenheit zum offenen Austausch und dem Gastgeber der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg für die Gastfreundschaft!

Programmtag: Spielräume der Macht

Eingetragen am 11.07.2017

11. Juli 2017 | By |

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Der Programmtag im Juni stand für die Teilnehmenden unseres Jahresprogramms unter dem Thema „Spielräume der Macht ausschöpfen und Strategien entwickeln“.

Wie sich dies im konkreten Berufskontext in den unterschiedlichen Bereichen widerspiegelt, darüber tauschten sich die 36 Teilnehmenden unseres diesjährigen Leadership-Jahresprogramms zunächst einmal untereinander aus. Und so diskutierten sie über Mut, Motivation, Authentizität,  Kommunikation, Lust am Handeln, das richtige Maß zu finden und die Bedeutsamkeit von Flexibilität und Kontakten. Und welche Rolle Wissen, Erfahrung, Glück und Zufall für beruflichen Erfolg spielen können.

Daran anknüpfend begrüßten wir dann gegen Mittag einen Gesprächspartner – dieses Mal von Bündnis 90/Die Grünen -, der durch viele Ups und Downs hindurch eine langjährige Karriere im Bundestag und im Non-Profit-Bereich zurückblickt und mit dem wir diskutieren konnten, welche Spielregeln aus seiner Sicht im politischen Geschäft gelten: Volker Beck, religions- und migrationspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, den er nach 23 Jahren im September verlassen wird, da er von seinem Landesverband keinen Listenplatz mehr bekommen hat.

Volker Beck bot ein beeindruckendes Beispiel von Resilienz (angesichts vergangener Krisen) und Authentizität und Zielorientierung, an der er auch Erfolg definierte: Erfolg macht sich für ihn nicht an der persönlichen Karriere bzw. in seinem Fall dem Verbleib im Deutschen Bundestag fest, sondern am Erreichen von inhaltlichen Zielen, was in seinem Fall das Engagement für Israel und gegen Antisemitismus und der Kampf für die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen sind. Um so beindruckender war es für die Teilnehmenden zu erleben, wie er seine Zielorientierung zwei Tage später auf dem Parteitag der Grünen in die Tat umsetzte und gegen den Parteivorstand die Homo-Ehe als Koalitionsbedingung durchbrachte. Er brachte damit auch bei FDP, SPD und CDU den Stein ins Rollen bis hin zur Beschlussfassung des Bundestages zur rechtlichen Gleichstellung der Homo-Ehe knappe zwei Wochen später. Da sage man nicht, dass ein einzelner Abgeordneter einer Nichtregierungspartei nichts bewirken könnte…

Wie sich Handlungsspielräume in anderen Bereichen erschließen oder verschließen, darüber tauschten sich die Teilnehmenden im Anschluss bei vier Vor-Ort-Besuchen am Nachmittag aus. Aus Unternehmersicht gab Marianne Voigt, Gründerin und ehemals Geschäftsführerin von Immobilien-Scout24, heute Gründerin und Geschäftsführerin von bettermarks, das Zusammenspiel von Chancen und Risiken, Erfolgen und Misserfolgen. Aus dem Non-Profit-Sektor teilte Heinrich Strößenreuther, Mit-Initiator des Volksbegehrens Fahrrad und Geschäftsführer der Agentur für Clevere Städte, seine Erfahrungen, wie es ihm gelang, das Thema fahrradgerechter Ausbau der Stadt in die Medien und auf die Tagesordnung der Politik zu bringen. Wie sich im politischen Wechselspiel Interessen vertreten und Spielräume ausloten lassen, welche Sichtweise er auf die Unterscheidung von „gutem und schlechtem Lobbying“ hat, darüber sprach Christian Wößner, der Geschäftsführer des Deutschen Atomforums e.V. (DAtF). Und für den öffentlichen Bereich gab es einen Austausch mit Jens-Holger Kirchner, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Verkehr, Umwelt und Klimaschutz, über seine Strategien zur Verwirklichung politischer Ziele – auch unter der Gefahr, Widerstände zu provozieren, wie z.B. bei dem von ihm initiieren Ferienwohnungsverbot und der auf seine Veranlassung vor einigen Jahren veröffentlichten „Ekelrestaurantliste“.

Besonderer Dank geht an unser Mitglied und Teilnehmer unseres Jahresprogramms 2012, Dr. Matthias Kribben, der als Einstieg mit den Teilnehmenden ganz praktisch die Erfolgsfaktoren bei Spielen wie Poker und Schach diskutierte, anhand derer dann umso leichter die Erfolgsfaktoren und Spielregeln in anderen Bereichen (wie z.B. im Bundestag)  analysiert werden konnten. Dr. Matthias Kribben ist leidenschaftlicher Schachspieler und Vize-Weltmeister im Fernschach.

Wir danken allen beteiligten Gesprächspartner*innen für die offenen Gespräche und freuen und auf den nächsten Programmtag, bei dem wir diejenigen Menschen in den Fokus nehmen, die über wenig Macht verfügen und keine starke Lobby haben. Hierzu lautet das Motto: „Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln“.

 

Kritik äußern und annehmen – Herausforderung am Programmtag

Eingetragen am 24.04.2017

24. April 2017 | By |

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Zum Thema „Kritik äußern und annehmen können“ gingen die Teilnehmenden unseres Leadership-Jahresprogramms am vergangenen Donnerstag am Vormittag in Austausch mit den unterschiedlichsten Akteuren der Stadtgesellschaft, die besonders viel austeilen und einstecken mussten und müssen.

Den Nachmittag verbrachten wir dann im Kulturforum Hellersdorf mit Bürger*innen, die „Führungskräften einmal ihre Meinung sagen wollen“. Obwohl wir auf unterschiedlichsten Wegen für die Veranstaltung geworben haben, war eine erste Feststellung, dass längst nicht so viele Bürger*innen von dem Gesprächsangebot Gebrauch machten, wie wir dies erwartet hätten.

Dennoch kam ein lebendiger Dialog zwischen den Gästen und unseren teilnehmenden Führungskräften zustande. Haupt-Kritikpunkte waren die Arroganz der Macht, soziale Schieflagen, Konformität statt Bürgernähe in der öffentlichen Verwaltung und das Funktionieren der Verwaltung allgemein, das Thema Schule, die Diskussionskultur und Denkverbote z.B. im Umgang mit der AfD sowie die Themen Sicherheit und Migration.

Die Diskussion in der Gesamtgruppe zeigte hierbei noch einmal, wie unterschiedlich viele Fragen sowohl unter den teilnehmenden Führungskräften als auch innerhalb der Gruppe der Gesprächspartner*innen eingeschätzt werden. Wirklichkeit ist komplex und es kann nur von Vorteil sein, seinen Bereich eines „selbstreferentiellen Systems“ mitunter zu verlassen – so eine Erkenntnis, die viele der Anwesenden mitnahmen.

Mut zur Vielfalt – Programmtag

Eingetragen am 23.04.2017

23. April 2017 | By |

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Unter dem Motto „Mut zur Vielfalt – dem anderen begegnen“ stand unser Programmtag im Mai des Collaborative Leadership Programms 2017. Im Zeichen von Vielfalt standen somit auch die Begegnungen, an denen die Führungskräfte an diesem Tag teilnahmen.

Gesprächspartner*innen waren Patricia Carl, die Vorstandsvorsitzende des Vereins Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien, sowie Sascha Disselkamp, Partner in der Sage Group, der in die Hallen des Sage Clubs lud und den Teilnehmenden die Parallelwelt des Berliner Nachtlebens näher brachte. Außerdem besuchten die Führungskräfte die Wagenburg Lohmühle und sprachen mit Bewohner*innen und tauschten sich beim Sonntags-Club mit Trans*Menschen aus, deren angeborene physische Geschlechtsmerkmale nicht mit dem gefühlten Geschlecht übereinstimmten.

Gastgeber des Tages war das Interkulturelle Zentrum für Dialog und Bildung, eine Moschee im Wedding. Dort hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, einer TV-Diskussion mit Jens Spahn zum Thema „Gehört der Islam zu Deutschland?“ beizuwohnen und mit den Vorstandsmitgliedern Hassan Attalah und Herrn Ramzi zu diskutieren und Fragen zum Islam und muslimischem Leben in Berlin zu stellen.

Den „Mut zur Vielfalt“ galt es bei zwei Herausforderungen im öffentlichen Raum unter Beweis zu stellen. Ein Teil der Gruppe nahm sich dem Thema „Barrierefreiheit“ an und bewältigte im Rollstuhl eine Strecke mit verschiedenen öffentlichen Verkehrsmitteln. Andere Führungskräfte gingen auf Meinungsforschung zum Thema „Religion“ im Kiez der Osloer Straße. Bei beiden „Challenges“ waren gute Kommunikationsstrategien gefragt und der Mut, sich aus der eigenen Komfortzone heraus zu bewegen.

Wir danken allen Gesprächspartner*innen und dem IZDB für die Unterstützung!

Auftakt fürs Jahresprogramm 2017

Eingetragen am 03.04.2017

3. April 2017 | By |

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Das Collaborative Leadership Programm 2017 ist am 23./24.3. mit der Auftaktveranstaltung im Ringhotel Schorfheide gestartet. Mit dabei sind wieder 36 Führungskräfte aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft: von „Zahlenmenschen“ aus der Wirtschaft über Führungskräfte aus Bezirksämtern bis zu Leiter*innen von sozialen Einrichtungen und Non-Profit-Initiativen (hier eine Übersicht über die Teilnehmer*innen).

An den ersten beiden Programmtagen stand das gegenseitige Kennenlernen im Zentrum. Aber es gab auch eine erste Gelegenheit zur  Kollegialen Beratung sowie einen Ausblick auf die Methodik des Experiential Learning und die Gespräche mit unterschiedlichsten Akteuren aus der Stadtgesellschaft. Hierfür standen sieben Mitglieder unseres Vorstandes zu den Themen der kommenden Programmtage als Gesprächspartner*innen zur Verfügung – es ging um Kritik, Verantwortung, Macht, Ohnmacht und Vielfalt in der Gesellschaft. Außerdem durften sich die Führungskräfte einer Herausforderung weit außerhalb ihres formalen Zuständigkeitsbereichs stellen… und wurden mit einer Menge Spaß und Applaus belohnt!

Hinter Mauern, aber Teil der Gesellschaft: Zu Gast in der JVA Heidering

Eingetragen am 17.01.2017

17. Januar 2017 | By |

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„Außenwirkung verbessern und Zusammenhalt stärken – was können Führungskräfte aus Wirtschaft, öffentlichem und Non-Profit-Bereich zu diesem Thema einer JVA mitgeben und für sich selbst mitnehmen?“ – unter diesem Titel starteten wir unsere diesjährigen Programmaktivitäten mit einem Einzelprogrammtag in der JVA Heidering. Vom Banker, kaufmännischen Abteilungsleiter von Siemens, über einen ehemaligen Schulleiter und die ehemalige Leiterin einer Verfassungsschutzbehörde bis hin zu der Initiatorin eines Volksbegehrens und der Organisatorin von Obdachlosen-Stadttouren – so vielfältig war die Zusammensetzung der Teilnehmenden, die sich für einen Tag von uns hinter Gitter bringen ließen.

Um die Außenwirkung und die Motivation der Justizvollzugsbeamt*innen zu stärken, war der Leiterin der JVA, Anke Stein, eine Botschaft besonders wichtig: Kernaufgabe des Strafvollzugs ist die Resozialisierung, die Wiedereingliederung der Straffälligen in die Gesellschaft. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, ist es hilfreich, wenn die Gefängnisse, obwohl sie sich hinter Mauern befinden, von der übrigen Gesellschaft als Teil derselben anerkannt und nicht einfach gedanklich abgeschoben und hinter den Mauern allein gelassen werden.

Unterstützung von draußen bekommt die JVA Heidering u.a. von der Universal-Stiftung Helmut Ziegner, die vor Ort schulische und berufsvorbereitende Qualifizierung für die Inhaftierten durchführt. Mit den Schülern eines Grundbildungskurses unterhielten sich die Teilnehmenden eine Stunde lang in Kleingruppen. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die Männer sind, die hier ihre Freiheitsstrafe verbüßen, und auch, dass der Entzug der Selbstbestimmtheit für niemanden angenehm ist – auch wenn die JVA Heidering vergleichsweise ansprechende Räumlichkeiten bietet.

Ob sie sich denn zutrauen würden, selbst in einer JVA zu arbeiten, fragten wir unsere Teilnehmenden anschließend. Das Ergebnis: Nur etwa die Hälfte bejaht die Frage. Weniger der Umgang mit den Straffälligen schreckt die Teilnehmenden ab, sondern das beklemmende Gefühl, den ganzen Tag eingesperrt zu sein. Um so deutlicher drücken die meisten dann auch ihren Respekt vor den Justizvollzugsbeamt*innen aus, die genau dies Tag für Tag hinnehmen und in der wenig einladenden Atmosphäre Energie in ihre Arbeit stecken.

Dass aufgrund von Sparzwängen Personalknappheit herrscht, macht den Job für die Mitarbeiter*innen nicht leichter. Den Grund für die niedrigen Werte der sogenannten Gesundheitsquote sieht die Anstaltsleitung vor allem im erforderlichen Mehreinsatz.

Umso wichtiger ist es, dass die Arbeit in der JVA nicht auch noch draußen abschätzig bewertet wird und vielmehr Austausch und Kooperation, wo immer möglich, stattfinden. Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V. trägt dazu mit dem Projekt „Das Leben draußen“ bei, das unterschiedliche Führungskräfte zu Gesprächsrunden mit Inhaftierten einmal monatlich in die JVA Moabit bringt. Und auch zu ehrenamtlichem Engagement in der JVA Heidering gibt es unter den Teilnehmenden des Programmtags Bereitschaft, was uns sehr freut.

Vielen Dank an Anke Stein, Christian Reschke und alle Mitarbeiter*innen, die uns spannende Einblicke und erkenntnisreiche Einsichten in die JVA Heidering gewährt haben.

In der Berliner Morgenpost ist ein Artikel von Ulrich Krätzer zu unserem Besuch erschienen – hier ein Auszug:

Es ist eine Parallelwelt, in der eine Besuchergruppe eintaucht. Für einen Tag im Gefängnis. Mit dabei sind Politiker, Führungskräfte aus Banken, IT-Unternehmen, ein ehemaliger Schulleiter und ein Imam. Bernhard Heider, der Geschäftsführer vom Netzwerk Leadership Berlin, das den Besuchstag in der JVA organisiert hat, sagt: „Wir wollen Menschen, die Verantwortung tragen, mit Menschen und Lebenswelten in Kontakt bringen, die sie in ihrem normalen Berufsalltag sonst eher nicht kennenlernen, damit sie sich eine differenzierte Meinung bilden können.“

Das sind die nüchternen Fakten zu dem Ort des Besuchs: Die JVA Heidering, gelegen in Brandenburg, gebaut und genutzt von Berlin. Geschlossener Männervollzug. 647 Haftplätze, übersichtliche „Wohneinheiten“ mit Gemeinschaftsküche, Einzelhafträume mit je zehn Quadratmeter, Toilette und Waschbecken abgetrennt. Außenanlage mit mehreren Sportplätzen, eine 800 Quadratmeter große Mehrzweckhalle. Transparent wirkende Sicherheitszäune statt blickdichter Mauern, viel Glas, eher wenige Gitterstäbe. Unzählige Freizeitangebote, eine Bibliothek und ein anstaltseigener von den Gefangenen betriebener Radiosender.

Ein „Luxus-Knast“? So jedenfalls bezeichneten einige Zeitungen die JVA Heidering, als sie am 2. Januar 2013 eröffnet wurde. Anke Stein sagt: „Glauben Sie mir, es gibt auch bei uns keinen einzigen Gefangenen, der sagt, ich möchte hier möglichst lange bleiben.“

Die Besucher sind von der aufgeräumten und klaren, zugleich aber warmen Architektur des Hauses in den ersten Minuten des Rundgangs dennoch erkennbar beeindruckt und scheinen fast zu vergessen, dass sie in einem Gefängnis sind.

Zum vollständigen Aritkel geht es hier.

Führungskräfte treffen Neuköllner Schüler – Programmtag „Verantwortung“

Eingetragen am 12.09.2016

12. September 2016 | By |

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Der Programmtag zum Thema „Verantwortung annehmen und abgeben können“ brachte die 36 Teilnehmenden unseres diesjährigen Collaborative Leadership Programms mit Neuköllner Schüler*innen zusammen.

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Schulleiter Roland Hägler beim morgendlichen Begrüßen der Schüler*innen

An der Hermann-von-Helmholtz-Schule erfuhren die Führungskräfte zunächst etwas über die Herausforderungen der Schule im Gespräch mit Schulleiter Roland Hägler, der explizit betont: Es handele sich nicht um eine „Brennpunkt-Schule“, wohl aber hätten viele der Schüler*innen mit erschwerten Startbedingungen zu kämpfen. Ein Großteil hat eine andere Herkunftssprache als Deutsch, bei vielen geht niemand in der Familie einer Erwerbstätigkeit nach, von den Eltern gibt es keine Hilfe bei den Hausaufgaben und viele verlassen kaum je das Viertel. Unterstützung gibt es dafür in der Schule u.a. bei der Berufsorientierung. Die Schule unterhält viele Unternehmenskooperationen zur Vermittlung von Ausbildungsplätzen und hat mit dem von der IHK finanzierten AWO-Projekt „Brückenbauer“ eigens einen Berufscoach an Bord, der beim Übergang Schule – Beruf berät. So gelingt es der Schule, immerhin etwa die Hälfte der Schüler*innen in eine Ausbildung zu vermitteln.

IMG_1292Unterstützung gab es nun auch von unseren Führungskräften, die ins kalte Wasser sprangen und jeweils im Zweier-Team oder einzeln eine Unterrichtseinheit übernahmen und mit Schüler*innen der 9. und 10. Klassen über Berufsorientierung, Eigenverantwortung und -initiative, Motivation und auch ihre eigenen Karrierewege sprachen.

Am Nachmittag wurden weitere Dimensionen des Themas Verantwortung ins Auge gefasst: Bei den Kleingruppen-Gesprächen mit verschiedenen Verantwortungsträgern ging es um gesellschaftliche Verantwortung von öffentlichen und privaten Unternehmen, Verantwortung gegenüber Mitarbeiter*innen, Kund*innen oder Mitgliedsorganisationen und auch um die Frage, wann es sinnvoll ist, Verantwortung abzugeben. Dazu gab es Einblicke von

  • Harald Eisenach, Mitglied des Management Committee Deutschland sowie Vorsitzender der Regionalen Geschäftsleitung Ost der Deutschen Bank AG mit Sitz in Berlin
  • Andreas Scholz-Fleischmann, Vorstandsvorsitzendem der Berliner Bäder-Betriebe und ehrenamtlichem Vorstandsvorsitzendem von Leadership Berlin
  • Dr. Gregor Gysi, MdB und ehemaligem Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen des Landes Berlin und von 2005 bis 2015 Fraktionsvorsitzender der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag
  • Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Landesverbandes Berlin.

Vielen Dank an die GesprächspartnerInnen sowie unsere Gastgeber Schulleiter Roland Hägler und Berufscoach Jens Priesen von der Hermann-von-Helmholtz-Schule, die dieses „Experiental Learning“ ermöglicht haben!

Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln

Eingetragen am 01.08.2016

1. August 2016 | By |

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Der letzte Programmtag des aktuellen Leadership-Jahresprogramms stand ganz im Zeichen von Menschen und Gruppen, die eher zu den Schwachen unserer Gesellschaft gehören und die keine starke Lobby haben.

Gastgeber für die 36 teilnehmenden Führungskräfte unseres Leadership-Programms war das Altenpflegewohnheim „Am Plänterwald“ des Unhionhilfswerks, wo die Führungskräfte in ihrer sozialen Kompetenz gefordert waren und Einzelbesuche bei Bewohner*innen des Heims abstatteten. Im anschließenden Gespräch mit Heimleiter Klaus-Jürgen Schüler und der Hospizbeauftragten Sabine Sack ging es natürlich um den Fachkräfemangel in der Pflege, aber auch um Themen wie die Schulung der Mitarbeiter*innen im Umgang damit, dass jedes Jahr fast die Hälfte der Bewohner*innen stirbt, oder der Problematik, dass Leasing-Firmen nicht mehr ausreichend Aushilfskräfte zur Verfügung stellen können.

Die Frage nach dem fehlenden Pflegepersonal nahmen die Teilnehmer*innen mit in das Gespräch mit Jeanne Grabner, Geschäftsführerin der milaa gGmbH, das in der Notunterkunft am Buckower Damm stattfand. Als Betreiberin einer Flüchtlingsunterkunft für besonders Schutzbedürftige, d.h. neben Minderjährigen und besonders schutzbedürfigen Frauen vor allem auch für Ältere, Menschen mit Behinderung und schweren Erkrankungen, hat Jeanne Grabner die Erfahrung gemacht, dass viele Geflüchtete bereits innerhalb der Familie selbstständig pflegen und über diese Tätigkeit an Pflegeberufe herangeführt werden könnten.

Die Gruppe der Geflüchteten war allerdings nicht die einzige, die in die Vor-Ort-Besuche am Nachmittag miteinbezogen wurde. Die Herausforderungen eines Projekts für Obdachlose wurden gemeinsam mit Sally Ollech und Tilman Höffken von „querstadtein“ aufgegriffen. Im Gespräch mit den Verantwortlichen, die Stadtführungen von ehemaligen Obdachlosen organisieren, ging es unter anderem um die Frage, wie sich das soziale Unternehmen besser aufstellen kann.

Die wichtigsten Aufgaben des Bundesverbands für kleinwüchsige Menschen und ihrer Angehörigen sind das Empowerment der eigenen Mitglieder und gesellschaftliche Aufklärung und Sensibilisierung, erfuhren die Teilnehmer*innen im Gespräch mit der Vorstandsvorsitzenden, Patricia Carl. Denn das kleinwüchsige Menschen verniedlicht und nicht ernst genommen werden, kommt leider immer noch viel zu häufig vor und hat Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein und die Arbeitschancen für die Betroffenen.

Die Herausforderung der Bewohner*innen der Wagenburg Lohmühle besteht darin, die „das Establishment“ repräsentierenden Führungskräfte davon zu überzeugen, dass die Wagenburg  schützenswert ist. Die Frage, wie ihnen das gelingen kann, stellt sich angesichts eines alle paar Jahre auslaufenden Pachtvertrags immer wieder neu.  „Bürgermeister“ Zosch stellte den Lebensalltag und das ökologische Konzept der Wagenburg vor und berichtete über das Sommerprogramm mit zahlreichen Jazz-Konzerten. Unsere Besucher*innen waren positiv überrascht – insbesondere von der Offenheit und reflektierten Charakter des Gesprächs, in dem auch Themen wie Lärmbeschwerden von Anwohnern und die Situation in der Rigaer Straße nicht ausgespart wurden.

Vielen Dank an alle Gesprächspartner*innen für den offenen und erkenntnisreichen Austausch!

„Spielräume der Macht“ im Roten Rathaus

Eingetragen am 28.06.2016

28. Juni 2016 | By |

Wer, wenn nicht das Rote Rathaus könnte ein passender Gastgeber für unseren Programmtag zum Thema „Macht“ sein?

Der Regierende Bürgermeister war zwar außer Haus, doch in unseren Programmtagen werden ohnehin alle im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien verschiedentlich in Gespräche einbezogen. Deshalb ging dieses Mal ein weiteres Regierungsmitglied, Justizsenator Thomas Heilmann, ins Gespräch mit den 36 teilnehmenden Führungskräften unseres Leadership-Programms. Wie es sich aus seiner Doppelrolle als Senator und erfolgreichem Unternehmer ergibt, sprach er nicht nur über Machtfaktoren in Partei und Regierung, sondern auch über seine Perspektive auf unterschiedliche Abläufe und Strukturen in öffentlicher Verwaltung und privaten Unternehmen. Beim Führungsstil neigen seiner Meinung nach viele Chefinnen und Chefs entweder zu Über- oder Untersteuerung.

Auch unsere Teilnehmenden machten sich Gedanken darüber, was gute Führung auszeichnet und welche Eigenschaften und Aspekte Faktoren für beruflichen und persönlichen Erfolg sind. Ob Glück, ein gutes Netzwerk, starker innerer Antrieb, kommunikative Fähigkeiten oder Gestaltungswille und Durchsetzungsfähigkeit – die Teilnehmenden hatten Gelegenheit sich selbst hinsichtlich dieser Aspekte zu hinterfragen und mit erfolgreichen Führungspersönlichkeiten abzugleichen, die sie am Nachmittag in Kleingruppen besuchten.

Bei so unterschiedlichen Gesprächspartner*innen wie Melanie Bähr, der stellvertretenden Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin, Sabine Werth, der Gründerin der Berliner Tafel und der bundesweiten Tafelbewegung, dem Unternehmer Bernd Schachtsiek, der u.a. auch Vorsitzender des Völklinger Kreises, einem Netzwerk für schwule Führungskräfte, war, und Volker Hassemer, dem ehemaligem Senator und aktuellen Vorsitzenden des Vorstands der Stiftung Zukunft Berlin, war es klar, dass individuelle Wege zum Erfolg führen. Dennoch vereinigen alle eine Vielzahl der gesammelten Erfolgsfaktoren auf sich – sonst stünden sie wohl nicht an den Positionen, die sie heute innehaben, und könnten nicht auf so viele Erfolge zurückblicken.