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Berlin Archive - Leadership Berlin

Mitradeln für Respekt und Toleranz!

Eingetragen am 14.06.2018

14. Juni 2018 | By |

Im Rahmen unseres Projektes meet2respect bringen wir „Tandems“ aus jüdischen und muslimischen Religionsvertretern zusammen, die sich in mehrheitlich muslimischen Schulklassen gemeinsam gegen Antisemitismus und allgemein gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aussprechen. Am Sonntag, dem 24. Juni bringen wir das Konzept der Tandems auf die Straße in Form von mindestens 25 jüdisch-muslimisch besetzten Tandems, die ein Zeichen für Respekt und Toleranz setzen. Es sind allerdings alle eingeladen, mit eigenem Fahrrad mitzufahren, die sich mit dem Motto „Gemeinsam Antisemitismus und Islamfeindlichkeit entgegenlenken“ identifizieren können und das Zeichen mit ihrer Teilnahme unterstreichen wollen.

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Startpunkt der Tour ist um 15.30 Uhr am Holocaust-Mahnmal (Ecke Cora-Berliner-Straße/ Behrenstraße). Die Tour führt vorbei an der Synagoge am Fraenkelufer sowie der Mevlana-Moschee und endet um 17.00 Uhr am Bebelplatz (Unter den Linden), dem Ort der Bücherverbrennung 1933.  Auf der Abschlusskundgebung am Bebelplatz werden u.a. die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Annette Widmann-Mauz, der Stellvertretende Regierende Bürgermeister Berlins, Dr. Klaus Lederer, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Dr. Gideon Joffe, und der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sprechen. Der Begegnungschor, in dem Geflüchtete gemeinsam mit Berliner*innen singen, bietet ein musikalisches Programm. Für Hungrige stehen Stände mit koscherem und halal Imbissen bereit.

Anlass für die Aktion sind die ca. 1500 antisemitischen und ca. 1000 antimuslimischen Straftaten, die im vergangenen Jahr in Deutschland verübt wurden. Hinzu kommen Fälle von Mobbing und Ausgrenzung an Schulen, Skandale wie die Echoverleihung an Kollegah und Farid Bang trotz ihrer antisemitischen Texte und tagtägliche Beschimpfungen und Schikanen, die unter dem Radar laufen.

Die Tandemtour organisieren wir als Leadership Berlin in Kooperation mit der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA), dem Zentrum für Antisemitismusforschung, dem Jüdischen Museum Berlin, dem Violence Prevention Network, der Langen Nacht der Religionen und dem Museum für Islamische Kunst.

Unterstützt wird der Aufruf zur Teilnahme von einem breiten Bündnis, dem u.a. der Zentralrat der Juden und der Zentralrat der Muslime, aber auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie der Paritätische Wohlfahrtsverband, die Initiative „Gesicht zeigen!“ und viele mehr angehören.


Infos zur Tandemtour: 
http://meet2respect.de/tandem

Anmeldung (wenn möglich): https://www.facebook.com/events/1021207881370042/

Berliner Verkehrsnetze – Agieren vs. Reagieren

Eingetragen am 29.05.2018

29. Mai 2018 | By |

Agieren versus Reagieren — welche Einflussfaktoren und Gestaltungsmöglichkeiten sieht Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner für die Anpassung und Gestaltung der Verkehrsnetze von Berlin?

Foto: Sebastian Rittau [CC-BY 4.0]

Zeit:                 Montag, den 04.06.2018, 18:30 Uhr – 21:00 Uhr
Ort:                  Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
                         Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin
                         Raum 306 (Rittersaal)
Gastgeber:      Jens-Holger Kirchner, Staatssekretär für Verkehr    

Anmeldung:     hier

„Berlin wird auf Sicht gefahren“, so mitunter ein gern geäußerter Vorwurf an die Berliner Politik und Verwaltung angesichts der personellen und finanziellen Ressourcen und dem mitunter nicht ganz so ausgeprägten Mut, gegen alle Widerstände Veränderungen zu gestalten.

Zumindest letzteres kann man Jens-Holger Kirchner, seit 2016 Staatssekretär für Verkehr nicht nachsagen. In seinem Amt als Baustadtrat in Pankow erwarb er sich den Ruf, hemdärmelig und unkonventionell Dinge anzupacken: sei es in Form einer öffentlichen Ekelrestaurant-Liste, dem Ferienwohnungsverbot für Prenzlauer Berg oder, indem er z.B. auch einmal medienwirksam einen maroden Bürgersteig absperrte, um die zuständige Senatsverwaltung zum Handeln zu bewegen. Nun bekleidet er selbst in der für Verkehr zuständigen Senatsverwaltung eine führende Position.

Wie hat sich seine Sicht auf die Arbeit einer Senatsverwaltung verändert? Wie stellen sich aus seiner Sicht die Gestaltungsmöglichkeiten und die Verantwortung zur Gestaltung der Verkehrsnetze der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz dar? Welche Einflussfaktoren fließen im Hinblick auf die Gestaltung der Infrastruktur für Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV, Auto, Lieferverkehr und Flugverkehr mit ein? An welchen Stellen müssen Politik und Verwaltung auf bereits stattgefundene Entwicklungen „reagieren“ und „reparieren“ und in wieweit gelingt es, auch zu „agieren“ und tragfähige Entscheidungen mit Langfrist-Perspektive voranzubringen? Und welche sind das und wie laufen diesbezügliche Entscheidungsprozesse?

Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Nicht-Mitgliedern ermöglichen wir die Teilnahme vereinzelt. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen dieses Mitgliedsformulars tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei und Anmeldungen sind über das folgende Formular möglich.

Programmtag: Spielräume der Macht

Eingetragen am 11.07.2017

11. Juli 2017 | By |

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Der Programmtag im Juni stand für die Teilnehmenden unseres Jahresprogramms unter dem Thema „Spielräume der Macht ausschöpfen und Strategien entwickeln“.

Wie sich dies im konkreten Berufskontext in den unterschiedlichen Bereichen widerspiegelt, darüber tauschten sich die 36 Teilnehmenden unseres diesjährigen Leadership-Jahresprogramms zunächst einmal untereinander aus. Und so diskutierten sie über Mut, Motivation, Authentizität,  Kommunikation, Lust am Handeln, das richtige Maß zu finden und die Bedeutsamkeit von Flexibilität und Kontakten. Und welche Rolle Wissen, Erfahrung, Glück und Zufall für beruflichen Erfolg spielen können.

Daran anknüpfend begrüßten wir dann gegen Mittag einen Gesprächspartner – dieses Mal von Bündnis 90/Die Grünen -, der durch viele Ups und Downs hindurch eine langjährige Karriere im Bundestag und im Non-Profit-Bereich zurückblickt und mit dem wir diskutieren konnten, welche Spielregeln aus seiner Sicht im politischen Geschäft gelten: Volker Beck, religions- und migrationspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, den er nach 23 Jahren im September verlassen wird, da er von seinem Landesverband keinen Listenplatz mehr bekommen hat.

Volker Beck bot ein beeindruckendes Beispiel von Resilienz (angesichts vergangener Krisen) und Authentizität und Zielorientierung, an der er auch Erfolg definierte: Erfolg macht sich für ihn nicht an der persönlichen Karriere bzw. in seinem Fall dem Verbleib im Deutschen Bundestag fest, sondern am Erreichen von inhaltlichen Zielen, was in seinem Fall das Engagement für Israel und gegen Antisemitismus und der Kampf für die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen sind. Um so beindruckender war es für die Teilnehmenden zu erleben, wie er seine Zielorientierung zwei Tage später auf dem Parteitag der Grünen in die Tat umsetzte und gegen den Parteivorstand die Homo-Ehe als Koalitionsbedingung durchbrachte. Er brachte damit auch bei FDP, SPD und CDU den Stein ins Rollen bis hin zur Beschlussfassung des Bundestages zur rechtlichen Gleichstellung der Homo-Ehe knappe zwei Wochen später. Da sage man nicht, dass ein einzelner Abgeordneter einer Nichtregierungspartei nichts bewirken könnte…

Wie sich Handlungsspielräume in anderen Bereichen erschließen oder verschließen, darüber tauschten sich die Teilnehmenden im Anschluss bei vier Vor-Ort-Besuchen am Nachmittag aus. Aus Unternehmersicht gab Marianne Voigt, Gründerin und ehemals Geschäftsführerin von Immobilien-Scout24, heute Gründerin und Geschäftsführerin von bettermarks, das Zusammenspiel von Chancen und Risiken, Erfolgen und Misserfolgen. Aus dem Non-Profit-Sektor teilte Heinrich Strößenreuther, Mit-Initiator des Volksbegehrens Fahrrad und Geschäftsführer der Agentur für Clevere Städte, seine Erfahrungen, wie es ihm gelang, das Thema fahrradgerechter Ausbau der Stadt in die Medien und auf die Tagesordnung der Politik zu bringen. Wie sich im politischen Wechselspiel Interessen vertreten und Spielräume ausloten lassen, welche Sichtweise er auf die Unterscheidung von „gutem und schlechtem Lobbying“ hat, darüber sprach Christian Wößner, der Geschäftsführer des Deutschen Atomforums e.V. (DAtF). Und für den öffentlichen Bereich gab es einen Austausch mit Jens-Holger Kirchner, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Verkehr, Umwelt und Klimaschutz, über seine Strategien zur Verwirklichung politischer Ziele – auch unter der Gefahr, Widerstände zu provozieren, wie z.B. bei dem von ihm initiieren Ferienwohnungsverbot und der auf seine Veranlassung vor einigen Jahren veröffentlichten „Ekelrestaurantliste“.

Besonderer Dank geht an unser Mitglied und Teilnehmer unseres Jahresprogramms 2012, Dr. Matthias Kribben, der als Einstieg mit den Teilnehmenden ganz praktisch die Erfolgsfaktoren bei Spielen wie Poker und Schach diskutierte, anhand derer dann umso leichter die Erfolgsfaktoren und Spielregeln in anderen Bereichen (wie z.B. im Bundestag)  analysiert werden konnten. Dr. Matthias Kribben ist leidenschaftlicher Schachspieler und Vize-Weltmeister im Fernschach.

Wir danken allen beteiligten Gesprächspartner*innen für die offenen Gespräche und freuen und auf den nächsten Programmtag, bei dem wir diejenigen Menschen in den Fokus nehmen, die über wenig Macht verfügen und keine starke Lobby haben. Hierzu lautet das Motto: „Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln“.

 

meet2respect-Tandemtour am 25. Mai

Eingetragen am 10.04.2017

10. April 2017 | By |

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Für Respekt und Toleranz gegenüber Gläubigen, Anders-Gläubigen und Nicht-Gläubigen

Was?               Fahrrad-Corso mit ca. 25 interreligiösen Tandems & 1000 Radfahrern
Start in der Nähe des Holocaust-Mahnmals, vorbei an der Gedächtniskirche, der Mevlana-Moschee, dem Haus des Humanistischen Bundesverbandes und dem Centrum Judaicum bis zum Gendarmenmarkt

Wann?            Donnerstag, den 25. Mai 2017, 10.00 – 13.00 Uhr
Es handelt sich um den Feiertag Christi Himmelfahrt (Herren-Tag), an dem dieses Jahr in Berlin sowohl die Lange Nacht der Religionen als auch der Deutsche Evangelische Kirchentag stattfindet, zu dem ca. 200.000 Besucher erwartet werden.

Wo?                Die Tour startet an der Ecke Lennéstraße/Kemperplatz um 10 Uhr und endet am Gendarmenmarkt um 13 Uhr
Der Treffpunkt befindet sich ca. 300m westlich des Holocaust-Mahnmals zwischen Sony Center und Tiergarten. Für die Tour nutzen wir die Straße des 17. Juni und andere Hauptstraßen der Stadt, die von der Polizei für uns abgesichert werden. Das Tempo wird kinder- bzw. familienfreundlich sein. Die Tour endet am Gendarmenmarkt, wo zwischen 13 und 14 ein von der „Langen Nacht der Religionen“ organisiertes gemeinsames Essen (Weiße Tafel) und damit die Auftaktveranstaltung der Langen Nacht der Religionen stattfindet.

Warum?          Liebe statt Hass. Respekt statt Abwertung. Demut statt Hybris.
Alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften vereinen unter ihrem Dach Menschen, die sich Nächstenliebe, Solidarität und Respekt gegenüber anderen verpflichtet fühlen und die religiösen oder ethischen Werte der anderen akzeptieren. Leider gibt es in jeder Religions- und Weltanschauungsgemeinschaft auch Vertreter*innen, die Überlegenheit aus ihrer Position oder Perspektive herleiten und sich damit über andere stellen wollen.
Die meet2respect-Tandem-Tour vereint Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen zu Religion und Glaubensfragen, Gläubige, Agnostiker*innen und Humanist*innen, die folgende Werte teilen:

  • Nächstenliebe/Solidarität
  • Respekt gegenüber Anders- und Nichtgläubigen
  • sich nicht über andere Menschen erheben und sich einem moralisch-ethischen Wertekontext verpflichtet fühlen

Wer?               Vorweg fahren 20-30 Tandems jeweils mit einer/einem Vertreter*in

  • des Christentums (z.B. evangelische Pfarrer*innen oder katholische Nonnen) und
  • einer anderen großen Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft (z.B. Imame, Rabbiner*innen oder Führungskräfte des Humanistischen Verbandes)
  • gefolgt von einer großen Gruppe von Einzel-Radfahrer*innen, die das Anliegen der meet2respect-Tour teilen.

Veranstalter: Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V., Projekt: meet2respect
Als gemeinnütziger Verein „Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.“ stehen wir ein für eine pluralistische und demokratische Gesellschaft im Sinne eines respektvollen Miteinanders und bestärken Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen darin, sich in einer Vorbildfunktion entsprechend dieser Werte zu positionieren. Mit der meet2respect-Tandemtour knüpfen wir an an die Tandem-Tour von Imamen und Rabbinern, die wir im Frühjahr 2015 in Kooperation mit der Initiative Clevere Städte organisiert haben. Damals beteiligten sich 10 jüdisch-muslimische Tandems, denen eine Gruppe von ca. 500 Radfahrer*innen folgte.

Kooperationspartner:
Die meet2respect-Tandem-Tour mündet in die Eröffnungsveranstaltung der Langen Nacht der Religionen, in dessen Programm die Tour als Bestandteil aufgeführt ist. Als Kooperationspartner trägt der Verein „Lange Nacht der Religionen e.V.“ maßgeblich zur Gewinnung von zahlreichen beteiligten Religionsvertreter*innen bei.

Kooperationspartner darüber hinaus sind:

Anmeldung: 
Vertreter von Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen, die bereit sind, auf einem Tandem mitzufahren nutzen bitte das Anmeldeformular. Über die Zusammensetzung der Tandems entscheidet der aus den Projektbeteiligten bestehende Koordinierungskreis. Für den ehrenamtlichen Vorsitz des Koordinierungskreises konnten wir Winfriede Schreiber gewinnen. Vor ihrer Pensionierung war sie u.a. Präsidentin des Verwaltungsgerichts Cottbus, Polizeipräsidentin für Ost-Brandenburg und von 2005 bis 2013 Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes.

Informationen können Sie außerdrem bei den oben aufgeführten Ansprechpartner*innen erhalten oder bei  Susanne Kappe, susanne.kappe [at] leadership-berlin.de, Tel.: 030 – 22 488 630. Wir kümmern uns um das Tandem und machen Vorschläge hinsichtlich der Tandem-Partner.

Menschen, die das Motto der Veranstaltung teilen, sind herzlich eingeladen, mitzufahren. Für Auswärtige besteht die Möglichkeit, sich ein Fahrrad bei einer der vielen Fahrradverleih-Stationen zu mieten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wir sind allerdings dankbar, wenn Teilnehmende auf unserer Facebook-Seite oder über Eventbrite Ihre Beteiligung ankündigen, um einen Überblick über die zu erwartende Zahl zu erhalten.

Hier einige Impressionen der meet2respect-Tandem-Tour 2015 von Imamen und Rabbinern:

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First Monday beim „Ober-Bademeister“

Eingetragen am 17.01.2017

17. Januar 2017 | By |

Scholz-Fleischmann_500x599Vier Vorstandsvorsitzende hatten die Berliner Bäderbetriebe bereits in den 20 Jahren seit ihrer Gründung 1996. Warum die Verweildauer mitunter nicht allzu lang und die Herausforderungen dafür umso größer sind, dazu gab uns Andreas Scholz-Fleischmann zu unserem First Monday im Dezember spannende Einblicke.

Das nasse Element hat es so an sich, dass Schwimmbäder jedes Jahr einen Sanierungsbedarf erzeugen. Dieser wurde über Jahrzehnte hinweg in Berlin ebenso vernachlässigt wie die Stellenbesetzungen. Wurden 1995 noch 79 Millionen Euro von öffentlicher Hand für die Schwimmbäder ausgegeben, waren es 2006 nur noch 37 Millionen Euro. Immerhin waren es in den letzten 3 Jahren wieder knapp 50 Millionen Euro Landeszuschüsse, die zukünftig noch einmal erhöht werden sollen.

Auch wenn das Problem der Unterfinanzierung und deren Folgen inzwischen erkannt ist, sind die Herausforderungen gewaltig. Wo sollen Prioritäten gesetzt werden? Wie sollen Ausschreibungen für Baumaßnahmen vorgenommen werden, wenn dazu das Fachpersonal fehlt und die Auftragsbücher der Bauwirtschaft übervoll sind? Wie kann bei den Bediensteten Akzeptanz dafür gewonnen werden, in unterschiedlichen Bädern zu arbeiten, wenn sie sich weitgehend mit dem „eigenen Bad“ identifizieren und weniger als Beschäftigte der Berliner Bäder-Betriebe? Wie kann ein über Jahre zerrüttetes Vertrauensverhältnis zwischen Betriebsrat und Vorstand wieder auf eine konstruktive Ebene gehoben werden, wenn sich noch in Gerichtsprozessen damit befasst wird, ob die zweite Führungsebene – vor zwei Jahren ohne Anhörung des Betriebsrats eingesetzt – im Amt bleiben wird? Wie kann man den unterschiedlichen Erwartungshaltungen von Kund*innen, Beschäftigten, Medien und Politik gerecht werden?

In dem Hintergrundgespräch in kleiner Runde wurde deutlich, wie herausfordernd die Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der Berliner Bäder-Betriebe ist. Klar wurde auch, wie sehr in dieser Position nicht Autorität und Geradlinigkeit, sondern vielmehr Feingespür und diplomatisches Geschick gefragt sind und dass Andreas Scholz-Fleischmann gerade diese Fähigkeiten auszeichnen.

Wir bedanken uns für den spannenden Austausch und hoffen, dass die eine oder andere Anregung der Teilnehmenden erkenntnisreich war. Für die Zukunft wünschen wir viel Erfolg und eine glückliche Hand bei der Verbesserung der Ausgangssituation!

First Monday: Freiräume in der Stadt

Eingetragen am 24.11.2016

24. November 2016 | By |

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Beim First Monday im November trafen wir uns in den schummrigen Hallen des Sage Club zum Austausch mit Sascha Disselkamp. Zur Sage Group, die er mit zwei Partnern betreibt, gehören neben dem Club auch das Sage-Restaurant und ein Krankenhaus im Senegal. Außerdem ist Sascha Disselkamp Mitgründer der Clubcommission, einer Interessensvertretung für Clubbetreiber und gibt seit 15 Jahren Nichtraucher-Seminare. In den Medien war er insbesondere präsent, weil er die Demos für den Erhalt der East-Side-Gallery initiiert hat, oder auch als Unterstützer für die Berlin-Reise von „Putins Rockern“ – den Nachtwölfen.

Sascha Disselkamps vielseitige Erlebnisse in Berlin, seit er Anfang der 80er-Jahre im Alter von 17 Jahren in ein besetztes Haus in West-Berlin einzog, standen im Zentrum des Abends. Dabei gab er ein leidenschaftliches Plädoyer für Clubs als notwendige Freiräume in der Stadt, die es ermöglichen, gerade jungen Menschen ein positives Lebensgefühl zu geben und eine „Ich-liebe-das-Leben“-Stimmung zu erzeugen. Dass eine Stadt von solchen Freiräumen profitiert, sehen inzwischen auch die Verantwortlichen in Regierung und Behörden so und unterstützen die Clubbetreiber*innen nach Kräften – eine äußerst positive Entwicklung, wie Sascha Disselkamp es beschreibt. In den 90er-Jahren hätten Clubs dagegen noch statt gezieltem Einsatz von verdeckten Ermittlern mit desaströsen Drogenrazzien zu kämpfen gehabt, durch die die Clubs mitunter immensen wirtschaftlichen Schaden erlitten.

Heute droht Gefahr aus seiner Sicht für die Clubs vielmehr von Immobilieninvestoren, die mit immer höheren Summen Freiflächen und Gebäude aufkaufen, um den größtmöglichen Profit daraus zu ziehen. Es ist für Sascha Disselkamp eine Herzensangelegenheit, städtische Freiräume zu erhalten – der Sage-Club ist für ihn selbstverständlich unverkäuflich und das ist eben nicht nur eine Frage des Preises, wovon ihn ein Investor etwa überzeugen wollte.

Zu seinen Feinden zählt nicht mehr die CDU, wohl aber die GEMA, die sich mit ihren – aus Sicht der Clubbetreiber*innen völlig unbegründeten und überzogenen – finanziellen Forderungen keine Freunde in der Szene gemacht hat und den Widerstand der Clubcommission einhandelte. Zumal die wenig bekannten Künstler*innen, die in den Clubs auflegten oder aufträten, überhaupt nicht genügend Verkaufszahlen hätten, um in irgendeiner Weise von den Einnahmen der GEMA zu profitieren.

Fest steht auch, dass Sascha Disselkamp niemals in Rente gehen wird, sondern nur „tot umfallen“, wie er sich ausdrückt. Auch wenn sein kleiner Sohn behauptet, er arbeite nicht, er telefoniere nur, schwappt im Gespräch eine solche Energie und Begeisterung für neue Projekte über, dass man schon darauf gespannt ist, in welchem Zusammenhang man bald von ihm hören wird.

First Monday zum Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten – Aufbau einer „atmenden“ Behörde

Eingetragen am 13.09.2016

13. September 2016 | By |

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Wolf Plesmann

 

Der First Monday im September bot gleich doppelten Einblick darin, wie die gesellschaftliche Herausforderung des hohen Flüchtlingsaufkommens in Berlin angegangen wird.

Zum einen waren wir vor Ort zu Gast in einer Gemeinschaftsunterkunft für besonders schutzbedürftige Geflüchtete, die von der milaa gGmbH betrieben wird. Einrichtungsleiter Sean Corleone, selbst vor einigen Jahren aus dem Irak geflohen, zeigte uns die Unterkunft und beeindruckte die Teilnehmenden unter anderem durch seinen spürbar guten Draht zu den etwa 300 Bewohner*innen. Zu ihnen gehören kranke, vom Krieg versehrte und traumatisierte Menschen, aber auch alleinerziehende und werdende Mütter sowie ca. ein Drittel Kinder. In der Containerunterkunft haben sie einen Schutzraum, der nicht nur einen vergleichsweise hohen Standard aufweist, sondern auch besondere Leistungen wie eine Physiotherapie vor Ort, einen Fitnessraum und einen liebevoll gestalteten Kinderraum bietet. Karsta Dietrich, stellv. Geschäftsführerin der milaa gGmbH, sprach mit den Teilnehmenden außerdem über die nächsten Pläne der Organisation, wozu u.a. die Einbeziehung von Angehörigen in die Pflege gehört, wie es in den Kulturen der Herkunftsländer vieler Geflüchteter üblich ist.

Zum anderen führten wir an diesem Abend ein Gespräch mit Wolf Plesmann, dem Stellvertreter des Beauftragten für die Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge beim Regierenden Bürgermeister von Berlin.

Er leitete gemeinsam mit Claudia Langeheine den Aufbau des neuen Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten, das am 1. August 2016 seinen Betrieb aufgenommen hat. Der Management-Profi, der u.a. viereinhalb Jahre für ISAF und die GIZ in Afghanistan das Friedens- und Reintegrationsprogramm mitaufbaute, sprach über die Strategie beim Aufbau der Strukturen der Behörde und betonte auch noch einmal die enormen Herausforderungen, die die Strukturen des LAGeSo überfordert und zur Entscheidung dafür geführt hatten, dass eine neue Behörde notwendig war: Von 15.000 Flüchtlingen im Jahr 2014 war, vor allem im letzten Drittel des Jahres, 2015 die Anzahl auf 80.000 gestiegen. Eigentlich waren am LAGeSo nur etwa 50-100 Mitarbeiter*innen für die Versorgung der Flüchtlinge zuständig – am Ende befassten sich etwa 1000 Mitarbeiter*innen mit der Aufgabe.

Die neue Behörde muss die Herausforderung der Versorgung von aktuell noch knapp 40.000 Menschen, die in Flüchtlingsunterkünften untergebracht sind, nun mit etwa 570 Mitarbeiter*innen stemmen. Diese gilt es nun so zu schulen und in Strukturen einzubetten, dass ein Grad an Flexibilität erreicht wird, der auf Schübe von neuen Flüchtlingsregistrierungen ebenso reagieren kann wie auf Verschiebungen innerhalb der Leistungsgewährung von erstmaligen zu regelmäßigen Gewährungen. Ein Kern der neuen Strukturen sind außerdem die Regionalteams, die zur Bereitstellung von Unterkünften themenübergreifend zusammenarbeiten.

Bei all dem gilt es natürlich die ehemaligen Mitarbeiter*innen des vielgescholtenen LAGeSo mitzunehmen und für ihre Aufgaben zu motivieren. Herr Plesmann gab hierzu viele Einsichten und scheute auch nicht davor, über Problemlagen und Stolpersteine auf dem Weg zu sprechen. Wir bedanken uns für das erkenntnisreiche und offene Gespräch!

Ebenso gilt unser Dank den Gastgeber*innen der milaa gGmbH: dem Einrichtungsleiter Sean Corleone, der stellv. Geschäftsführerin Karsta Dietrich sowie Geschäftsführerin Jeanne Grabner.