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Clubs

First Monday: Freiräume in der Stadt

Eingetragen am 24.11.2016

24. November 2016 | By |

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Beim First Monday im November trafen wir uns in den schummrigen Hallen des Sage Club zum Austausch mit Sascha Disselkamp. Zur Sage Group, die er mit zwei Partnern betreibt, gehören neben dem Club auch das Sage-Restaurant und ein Krankenhaus im Senegal. Außerdem ist Sascha Disselkamp Mitgründer der Clubcommission, einer Interessensvertretung für Clubbetreiber und gibt seit 15 Jahren Nichtraucher-Seminare. In den Medien war er insbesondere präsent, weil er die Demos für den Erhalt der East-Side-Gallery initiiert hat, oder auch als Unterstützer für die Berlin-Reise von „Putins Rockern“ – den Nachtwölfen.

Sascha Disselkamps vielseitige Erlebnisse in Berlin, seit er Anfang der 80er-Jahre im Alter von 17 Jahren in ein besetztes Haus in West-Berlin einzog, standen im Zentrum des Abends. Dabei gab er ein leidenschaftliches Plädoyer für Clubs als notwendige Freiräume in der Stadt, die es ermöglichen, gerade jungen Menschen ein positives Lebensgefühl zu geben und eine „Ich-liebe-das-Leben“-Stimmung zu erzeugen. Dass eine Stadt von solchen Freiräumen profitiert, sehen inzwischen auch die Verantwortlichen in Regierung und Behörden so und unterstützen die Clubbetreiber*innen nach Kräften – eine äußerst positive Entwicklung, wie Sascha Disselkamp es beschreibt. In den 90er-Jahren hätten Clubs dagegen noch statt gezieltem Einsatz von verdeckten Ermittlern mit desaströsen Drogenrazzien zu kämpfen gehabt, durch die die Clubs mitunter immensen wirtschaftlichen Schaden erlitten.

Heute droht Gefahr aus seiner Sicht für die Clubs vielmehr von Immobilieninvestoren, die mit immer höheren Summen Freiflächen und Gebäude aufkaufen, um den größtmöglichen Profit daraus zu ziehen. Es ist für Sascha Disselkamp eine Herzensangelegenheit, städtische Freiräume zu erhalten – der Sage-Club ist für ihn selbstverständlich unverkäuflich und das ist eben nicht nur eine Frage des Preises, wovon ihn ein Investor etwa überzeugen wollte.

Zu seinen Feinden zählt nicht mehr die CDU, wohl aber die GEMA, die sich mit ihren – aus Sicht der Clubbetreiber*innen völlig unbegründeten und überzogenen – finanziellen Forderungen keine Freunde in der Szene gemacht hat und den Widerstand der Clubcommission einhandelte. Zumal die wenig bekannten Künstler*innen, die in den Clubs auflegten oder aufträten, überhaupt nicht genügend Verkaufszahlen hätten, um in irgendeiner Weise von den Einnahmen der GEMA zu profitieren.

Fest steht auch, dass Sascha Disselkamp niemals in Rente gehen wird, sondern nur „tot umfallen“, wie er sich ausdrückt. Auch wenn sein kleiner Sohn behauptet, er arbeite nicht, er telefoniere nur, schwappt im Gespräch eine solche Energie und Begeisterung für neue Projekte über, dass man schon darauf gespannt ist, in welchem Zusammenhang man bald von ihm hören wird.