Image Image Image Image Image Image Image Image Image

Integration Archive - Leadership Berlin

First Monday im Dezember: Was bedeutet Integration?

Eingetragen am 09.12.2017

9. Dezember 2017 | By |

„Was bedeutet Integration?“ Mit dieser so einfachen wie komplexen Frage an die Gesprächspartner*innen auf dem Podium startete unser First Monday Abend zum Thema „Chancen und Herausforderungen der Zuwanderung – Probleme und Lösungen der Integration“ im Gemeinschaftshaus Morus 14 e.V.. Gastgeber Gilles Duhem, der mit seinem Verein viele Kinder und Jugendliche im Neuköllner Rollbergviertel betreut, schlug darauf prompt die folgenden drei Punkte als „Integrationsanleitung“ vor: Erstens sorge dafür, dass all deine Dokumente ordentlich kopiert in einem Ordner bereitliegen, zweitens erscheine pünktlich zu jedem Termin und drittens lass keinen Müll in deiner Umgebung liegen – dann, so der Franzose Duhem, sei man im „weltoffenen“ Deutschland zu 75% integriert.

Dieser streitbare Beitrag verfehlte nicht die gewünschte Wirkung. Die Diskussion startete mit Schwung und brachte letztendlich das, was diesen Abend besonders spannend machte: einen steten Wechsel zwischen Schilderungen von konkreten Erfahrungen aus nächster Nähe und der Diskussion von übergeordneten, gesamtgesellschaftlichen Fragen. Aus dem direkten Umfeld des „segregierten“ Rollbergviertels berichteten der Gastgeber selbst, die Mittelstufenkoordinatorin sowie Jobcoachin der Zuckmayer Sekundarschule Sabine Drochner und Sigrid Salifu sowie Taha Sabri, der Imam der Dar-as-Salam-Moschee/Neuköllner Begegnungsstätte. Einen statistischen Input zum Thema Zuwanderung brachte darüber hinaus Peter Conrad, u.a. Vorstand im Begegnungschor, dem Verein Perspektiventag und bei Leadership Berlin.

IMG_9171

Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt wurde zunächst als ein wichtiges Thema der Integrationsarbeit diskutiert. Dabei spiele die Familie eine entscheidende Rolle, die den Ausbildungsantritt verhindern könne, wenn die berufliche Perspektive beispielsweise nicht prestigeträchtig genug sei oder auch einfach ein Heimaturlaub dazwischen käme, so eine Schilderung. Als wichtige Faktoren für eine gelungene Integration wurden insbesondere Sprache und Bildung genannt – Aspekte, die angesichts des Umstandes, dass 36 Prozent der 2015 angekommenen Geflüchteten keinen Schulabschluss haben, vor allem große Anstrengungen und Geduld abverlangten.

Neben den Expert*innen aus der beruflichen Praxis brachten einige Diskussionsteilnehmer, die selbst eine Zuwanderungs- oder Fluchtgeschichte haben, ihre Perspektiven mit ein. So fragte ein Arzt, der vor über 10 Jahren aus Palästina nach Deutschland kam und inzwischen seine eigene Praxis leitet, wann er denn eigentlich endlich als integriert gelte. Andere, die erst innerhalb der letzten drei Jahre nach Deutschland gekommen sind, brachten das Problem auf, dass qualifizierte Geflüchtete teilweise jahrelang in Warteschleifen festgehalten würden, bevor sie endlich arbeiten dürften.

Auf der allgemeineren Ebene wurde dann erörtert, inwieweit bereits der Begriff „Integration“ eigentlich diskriminierend sei – impliziere er ja, dass etwas eingefügt oder angepasst werden müsse und widerspreche damit dem Diversity-Gedanken einer vielfältigen Gesellschaft.

Neben Integration diskutierte die Gruppe auch das Phänomen der Segregation, die sich in Berlin beispielsweise daran ablesen lässt, dass es einerseits über 70 öffentliche Schulen gibt, die einen Schüleranteil nicht-deutscher Herkunftssprache von über 75 Prozent haben (bei der Zuckmayer-Schule sind es sogar 97%) und andererseits viele Schulen ohne Schüler*innen mit Migrationshintergrund. Dazu gab es sowohl die Meinung, dass segregierte Wohngegenden hinderlich für Integration seien, da die Bewohner*innen ohne deutsche Sprache auskommen und sich in solchen Gegenden – wie im Beispiel Rollbergviertel – ein hoher Arbeitslosenanteil und Bildungsferne verdichten können. Andererseits vertraten einige Diskussionsteilnehmende auch die Auffassung, dass die Konzentration türkisch- und arabischstämmiger Bevölkerung in einigen Stadtbezirken unter Wahrung kultureller Elemente aus den Herkunftsländern genauso als Selbstverständnis und Bereicherung in Deutschland akzeptiert werden sollte wie dies auch in den USA bei Minderheiten (Stichwort „Chinatown“)  der Fall ist.

„Wie viel Zuwanderung braucht Deutschland?“ lautete eine andere Frage, die kontrovers diskutiert wurde. Mit 400.000 Menschen pro Jahr beziffere das Statistische Bundesamt den Bedarf an Zuwanderung, damit das Rentensystem in Zukunft weiter funktionsfähig bleibe, war das Argument eines Gesprächsteilnehmers. Andere verwiesen auf die aktuellen Probleme bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt und meldeten Zweifel an, ob eine größere Anzahl für den Arbeitsmarkt verkraftbar sei. Als weiterer Punkt wurde diskutiert, inwieweit es egoistisch sei, wenn die westlichen Industrieländer „Rosinenpickerei“  betreiben und ausschließlich Zuwanderung von Hochqualifizierten zulassen.

Die Frage „Was ist Integration?“ wurde an diesem Abend zwar nicht abschließend geklärt, aber sie wurde in jedem Fall von verschiedensten Seiten beleuchtet und drängende Herausforderungen identifiziert. Wir danken allen Teilnehmenden und insbesondere den Expert*innen für die vielfältigen erhellenden Beiträge und hoffen, dass sich für viele im Gespräch neue Blickwinkel auf das Themenfeld Integration aufgetan haben.

Mut zur Vielfalt – Programmtag

Eingetragen am 23.04.2017

23. April 2017 | By |

IMG_6485

Unter dem Motto „Mut zur Vielfalt – dem anderen begegnen“ stand unser Programmtag im Mai des Collaborative Leadership Programms 2017. Im Zeichen von Vielfalt standen somit auch die Begegnungen, an denen die Führungskräfte an diesem Tag teilnahmen.

Gesprächspartner*innen waren Patricia Carl, die Vorstandsvorsitzende des Vereins Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien, sowie Sascha Disselkamp, Partner in der Sage Group, der in die Hallen des Sage Clubs lud und den Teilnehmenden die Parallelwelt des Berliner Nachtlebens näher brachte. Außerdem besuchten die Führungskräfte die Wagenburg Lohmühle und sprachen mit Bewohner*innen und tauschten sich beim Sonntags-Club mit Trans*Menschen aus, deren angeborene physische Geschlechtsmerkmale nicht mit dem gefühlten Geschlecht übereinstimmten.

Gastgeber des Tages war das Interkulturelle Zentrum für Dialog und Bildung, eine Moschee im Wedding. Dort hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, einer TV-Diskussion mit Jens Spahn zum Thema „Gehört der Islam zu Deutschland?“ beizuwohnen und mit den Vorstandsmitgliedern Hassan Attalah und Herrn Ramzi zu diskutieren und Fragen zum Islam und muslimischem Leben in Berlin zu stellen.

Den „Mut zur Vielfalt“ galt es bei zwei Herausforderungen im öffentlichen Raum unter Beweis zu stellen. Ein Teil der Gruppe nahm sich dem Thema „Barrierefreiheit“ an und bewältigte im Rollstuhl eine Strecke mit verschiedenen öffentlichen Verkehrsmitteln. Andere Führungskräfte gingen auf Meinungsforschung zum Thema „Religion“ im Kiez der Osloer Straße. Bei beiden „Challenges“ waren gute Kommunikationsstrategien gefragt und der Mut, sich aus der eigenen Komfortzone heraus zu bewegen.

Wir danken allen Gesprächspartner*innen und dem IZDB für die Unterstützung!

„Muslime fragen – Politiker antworten“ in der Neuköllner Begegnungsstätte

Eingetragen am 05.09.2016

5. September 2016 | By |

Aeisha Malek und Vorstand Taha Sabri von der NBS

Aeisha Malek und Vorstand Taha Sabri von der NBS

Unter der leitenden Fragestellung „Welche Konzepte haben die Parteien gegen die Ausgrenzung und Abgrenzung von Muslimen in eine Parallelgesellschaft“ haben wir am 2. September eine Veranstaltung in der Neuköllner Begegnungsstätte (Dar-as-Salam-Moschee) mit Unterstützung der Landeszentrale für Politische Bildung mitorganisiert. Vielen Dank nochmals an die Vertreter der Parteien von SPD (Rainer-Michael Lehmann), CDU (Dr. Hikmet Gülmez), Bündnis 90/Die Grünen (Susanna Kahlefeld), Linkspartei (Irmgard Wurdack), Piraten (Alexander Spies) und FDP (Wolfgang Jockusch). Eigentlich hatten wir auch eine Zusage von der AfD (Hanno Bachmann), die allerdings nach einem Vorstandsbeschluss des Landesverbandes der AfD diese Woche zurückgezogen wurde. Moderiert wurde die Veranstaltung von Winfriede Schreiber, ehemaliger Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes, die heute unter anderem Vorstandsvorsitzende unseres Partnervereins „Leadership Brandenburg – Netzwerk Verantwortung e.V.“ ist.

Es war eine lebendige Diskussion, bei der vom Neutralitätsgesetz bzw. der Haltung der Parteien zum Kopftuch über die Frage nach einem Einwanderungsgesetz und einem Staatsvertrag, der muslimischen Gefängnisseelsorge, der Aufführung in Verfassungsschutzberichten, die steuerlicher Absetzbarkeit von Deutschkursen, das Islamforum, die partielle Islamfeindlichkeit in Medien und Gesellschaft bis hin zu der Besetzung des Rundfunkrates die unterschiedlichsten Themen diskutiert wurden. Es wurde deutlich, wie groß das Interesse und die Zahl der Fragen ist und wie sehr ein solches Format Sinn macht.

Vielen Dank an alle Mitwirkenden, an das Vorbereitungsteam der Neuköllner Begegnungsstätte دار السلا und selbstverständlich an unseren Gastgeber Taha Sabri. Hier einige fotografische Eindrücke des Abends:

Besuchen und Deutsch sprechen

Eingetragen am 11.01.1918

11. Januar 1918 | By |

IMG_9281_üMit Scherzen und viel Lachen endete der letzte Sonntagnachmittag im Pflegewohnheim „Am Plänterwald“. Dieses Mal gab es bei „Besuchen und Deutsch sprechen“ nicht nur die Möglichkeit zu Einzelbesuchen, sondern auch zum Austausch in geselliger Runde. Die teilnehmenden Geflüchteten kamen in einem Gruppenraum mit mehreren Bewohner*innen in ein lebendiges, humorvolles Gespräch, bei dem Themen wie „Religion“ und „Sprache“ in ausgelassener Stimmung erörtert wurden.
Was die deutsche Sprache betrifft, so gab es seitens der Geflüchteten unterschiedliche Einschätzungen: Für jene, die Arabisch als Muttersprache haben, ist die deutsche Grammatik vergleichsweise einfach. Für andere aus Aserbaidschan oder Afghanistan, scheint die deutsche Grammatik dagegen komplizierter, da es im Aserbaidschanischen oder Persischen z. B. keine Artikel und keine Präpositionen gibt. Der aus Aserbaidschan stammende Mitveranstalter, Yahya Mirzayev, versuchte so der Frage nachzugehen, warum es „das Mädchen“ heißt, wobei doch eindeutig sei, dass das Mädchen weiblich sein müsse. Weiterhin möchte Marif Akberli, ehemaliger Journalist des Radio Free Europe in Aserbaidschan, zukünftig erforschen, wie viel des menschlichen Körpers jeweils als männlich, weiblich oder neutral betrachtet wird, z.B. die Lunge, das Herz, der Kopf usw.. Neu für deutsche Ohren war auch, dass die deutsche Sprache von manchen durch die vielen Artikel und Präpositionen als melodisch empfunden wird.
Über die letzten beiden Termine konnten sich einige Bekanntschaften festigen und so wurden neben allgemeineren Themen wie Familienleben, Wohnsituation und Berufe auch spezifischere Erfahrungen, wie das Erlernen von Fremdsprachen, vertieft. Zudem durften wir dieses Mal zwei neue Besucher begrüßen. Seitens der Geflüchteten wurde besonders das informelle, lockere Format gelobt, das Möglichkeit bietet, Deutsche kennenzulernen und die eigenen Sprachkenntnisse abseits von Behördengängen und Sprachschule zu erweitern. Die Bewohner*innen freuen sich über stimmungsvolle Abwechslung, Erzählungen aus fremden Ländern und auch eine respektvolle Wertschätzung für ältere Menschen, die häufig in den Herkunftsländern der Geflüchteten ausgeprägter ist als in unserer Kultur.

Nächstes Mal (am 4. Februar von 15.00 -17.00 Uhr) wird voraussichtlich zum Einstieg der Kurzfilm „Integration“ gezeigt, den Marif Akberli in den letzten Monaten produziert hat. Wir freuen uns auf den spannenden Beitrag!

Besuchen und Deutsch sprechen

Eingetragen am 16.11.1000

16. November 1000 | By |

IMG_8863

Am 5. November konnten die Bewohner*innen des Pflegeheims „Am Plänterwald“ sechs besondere Besucher begrüßen. Yahya, Marif, Ahmed, Shan, Mohammad und Nawid sind erst seit Kurzem in Berlin und dankbar, sich mit Deutschen unterhalten zu können. Bei den Bewohner*innen freuten sich vor allem diejenigen, die keine Angehörigen in Berlin haben, über den sonntäglichen Besuch.

Schnell fand sich interessanter Gesprächsstoff: Neben einem ersten Austausch über Herkunft, Familie und Beruf wurden auch ernsthafte Themen wie Krieg und Wiederaufbau angesprochen – eine Erfahrung, die die Älteren und die Neuankömmlinge verbindet.

Viele der Geflüchteten waren zum ersten Mal in einem Pflegeheim, da in ihren Kulturkreisen die älteren Familienmitglieder zu Hause gepflegt werden. Die Besucher*innen lernten einige neue Wörter und mehr über die deutsche Geschichte. „Mir hat der Besuch bei Frau Koch sehr viel Energie gegeben. Ihr Optimismus, immer wieder aufzustehen, egal was passiert, beeindruckt mich.“ war Yahyas Fazit für den Nachmittag.

Wer beim nächsten Mal auch dabei sein möchte, kann uns gerne eine Nachricht schicken. Der nächste Termin findet am 3.12. von 15.00 -17.00 Uhr statt.