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leadership Archive - Leadership Berlin

Berliner Verkehrsnetze – Agieren vs. Reagieren

Eingetragen am 29.05.2018

29. Mai 2018 | By |

Agieren versus Reagieren — welche Einflussfaktoren und Gestaltungsmöglichkeiten sieht Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner für die Anpassung und Gestaltung der Verkehrsnetze von Berlin?

Foto: Sebastian Rittau [CC-BY 4.0]

Zeit:                 Montag, den 04.06.2018, 18:30 Uhr – 21:00 Uhr
Ort:                  Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
                         Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin
                         Raum 306 (Rittersaal)
Gastgeber:      Jens-Holger Kirchner, Staatssekretär für Verkehr    

Anmeldung:     hier

„Berlin wird auf Sicht gefahren“, so mitunter ein gern geäußerter Vorwurf an die Berliner Politik und Verwaltung angesichts der personellen und finanziellen Ressourcen und dem mitunter nicht ganz so ausgeprägten Mut, gegen alle Widerstände Veränderungen zu gestalten.

Zumindest letzteres kann man Jens-Holger Kirchner, seit 2016 Staatssekretär für Verkehr nicht nachsagen. In seinem Amt als Baustadtrat in Pankow erwarb er sich den Ruf, hemdärmelig und unkonventionell Dinge anzupacken: sei es in Form einer öffentlichen Ekelrestaurant-Liste, dem Ferienwohnungsverbot für Prenzlauer Berg oder, indem er z.B. auch einmal medienwirksam einen maroden Bürgersteig absperrte, um die zuständige Senatsverwaltung zum Handeln zu bewegen. Nun bekleidet er selbst in der für Verkehr zuständigen Senatsverwaltung eine führende Position.

Wie hat sich seine Sicht auf die Arbeit einer Senatsverwaltung verändert? Wie stellen sich aus seiner Sicht die Gestaltungsmöglichkeiten und die Verantwortung zur Gestaltung der Verkehrsnetze der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz dar? Welche Einflussfaktoren fließen im Hinblick auf die Gestaltung der Infrastruktur für Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV, Auto, Lieferverkehr und Flugverkehr mit ein? An welchen Stellen müssen Politik und Verwaltung auf bereits stattgefundene Entwicklungen „reagieren“ und „reparieren“ und in wieweit gelingt es, auch zu „agieren“ und tragfähige Entscheidungen mit Langfrist-Perspektive voranzubringen? Und welche sind das und wie laufen diesbezügliche Entscheidungsprozesse?

Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Nicht-Mitgliedern ermöglichen wir die Teilnahme vereinzelt. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen dieses Mitgliedsformulars tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei und Anmeldungen sind über das folgende Formular möglich.

Beiratssitzung am 23. April 2018

Eingetragen am 23.04.2018

23. April 2018 | By |

Blick hinter die Kulissen: auf der Sitzung unseres Beirats nutzen wir die geballte Führungs- und Erfahrungskompetenz der Mitwirkenden aus Wirtschaft, öffentlichem und Non-Profit-Bereich für einen Rund-um-Blick mit zahlreichen Anregungen auf unsere Programm- und Projektaktivitäten.

Ob demografischer, digitaler Wandel oder zum „Markenkern“ – wir erhielten zahlreiche Impulse für zukünftige Aktivitäten. An dieser Stelle daher herzlichen Dank an den Gastgeber Michael Lachmann, Bereichsdirektor der Barmenia Versicherung für Berlin und Mitglied unseres Vorstands, sowie an die Teilnehmenden Beiräte der Sitzung:

WIRTSCHAFT:

Harald Eisenach
Mitglied des Management Committee Deutschland sowie Vorsitzender der Regionalen Geschäftsleitung Ost der Deutschen Bank AG mit Sitz in Berlin

Dr. Berthold Leube
Partner im Berliner Büro von Egon Zehnder International

Dr. Helmar Rendez
Finanzvorstand der Vattenfall Mining & Generation AG

ÖFFENTLICHER BEREICH

Wolfgang Fixson
Anstaltsleiter der JVA Moabit a.D..

Iris Hölling
Leiterin des Jugendamtes Treptow-Köpenick und Vorstand in der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V.

Dr. Gregor Rosenthal
Leiter der Geschäftsstelle des Bündnis für Demokratie und Toleranz

GEMEINNÜTZIGER BEREICH:

Aletta Gräfin von Hardenberg
Geschäftsführerin der Charta der Vielfalt e.V.

Dr. Volker Meyer-Guckel
Stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes für die
Deutsche Wissenschaft, Vorsitzender des Stiftungsrates der Leuphana Universität Lüneburg und Mitglied im Vorstand Hermann und Lily Schilling Stiftung

Imran Sagir
Geschäftsführer des Muslimischen Seelsorge-Telefon

Loring Sittler
Leiter Generali Zukunftsfonds der Generali Deutschland Holding AG a.D.

Sabine Werth
Vorstandsvorsitzende der Berliner Tafel und Initiatorin der bundesweiten Tafelbewegung

Außerdem danken wir unserem Schatzmeister und langjährigem Vorstandsmitglied Peter Conrad für die Teilnahme.

Auftakt 2018: Collaborative Leadership Programm gestartet

Eingetragen am 22.03.2018

22. März 2018 | By |

Die Teilnehmenden-Gruppe 2018

Die Reise hat begonnen – mit den Teilnehmenden des diesjährigen Collaborative Leadership Programms verbrachten wir am 15. und 16. März zwei anregende und intensive Programmtage in der Schorfheide als Start für die kommende Learning Journey durch die Stadtgesellschaft.

Die Gruppe setzt sich – wie es kennzeichnend für unser Leadership-Programm ist – aus Führungskräften und Macher*innen aus allen Bereichen der Gesellschaft zusammen: Von HR-Verantwortlichen aus großen privatwirtschaftlichen Global Playern über Abteilungsleiter*innen aus der Berliner Verwaltung bis hin zu Menschen, die in Eigeninitiative gemeinnützige NGOs aufgebaut haben, sind vielfältige Persönlichkeiten mit ganz unterschiedlichen Expertisen vertreten. Die Gesamtzusammensetzung der Gruppe kann man hier einsehen.

Wir setzen darauf, dass diese Vielfalt im Laufe des Programms dazu anregen wird, gesellschaftliche Herausforderungen aus ganz verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und gemeinschaftlich im Sinne des „Collaborative Leadership“ anzugehen – wie dies in der Vergangenheit durch verschiedene Initiativen und Vereinsgründungen geglückt ist (siehe Social Impact). Hinzu kommen Einblicke in weitere Führungsaufgaben der Stadt im Austausch mit über 50 Gesprächspartner*innen ganz im Sinne unseres Mottos „begegne dem anderen“. Hier entstehen Berührungspunkte mit Bereichen, mit denen viele der Teilnehmenden bislang vermutlich noch überhaupt nicht in Kontakt gekommen sind.

Eine Einstimmung hierauf gab es in Gesprächen mit Mitgliedern aus unserem Vorstand, die erste Impulse zu den großen Themen des Programms „Kritik äußern und annehmen können“, „Mut zur – Vielfalt“, „Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln“ und „Verantwortung annehmen und abgeben können“ gaben.

Außerdem durften sich die Führungskräfte gleich einer ersten Leadership-Herausforderung außerhalb des eigenen beruflichen Kompetenzbereichs stellen. In interdisziplinärer Kooperation haben sie diese mit Bravour gemeistert.

Was natürlich auch nicht fehlen durfte: Diskussionen zu kontroversen gesellschaftlichen Fragen, kollegialer Austausch zu Führungsthemen und Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen.

Wir freuen uns darauf, uns zusammen mit dieser spannenden, vielfältigen Gruppe und ihrer geballten Kompetenz in den kommenden Monaten auf eine Lernreise durch die Stadtgesellschaft zu begeben!

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Vertretungsstunde: „Muss ich studieren, um Rapper zu werden?“

Eingetragen am 30.11.2017

30. November 2017 | By |

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Dies war eine Frage, die Klaus Wilhelm Baumeister als „Vertretungslehrer“ am 3. November nicht eindeutig beantworten konnte. Viele andere schon: Was ist eigentlich Jura, mit welchen Fällen hat er als Rechtsanwalt zu tun gehabt und wie ist es in der Gerichtsmedizin?

Einmal im Monat ist „Vertretungsstunde“ in der Neuköllner Zuckmayer-Schule. Hier ist eine Führungskraft aus unserem Netzwerk zu Gast, um den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in verschiedene Berufe zu geben.

Die Karriere des Juristen verlief nicht wie aus dem Lehrbuch. Als Fünfzehnjähriger schloss er die Hauptschule ab und absolvierte zunächst eine Ausbildung als Rechtsanwalts- und Notargehilfe. „Doch irgendwann fragt man sich, ob man nicht auch noch etwas anderes machen möchte, weiterkommen möchte“ erzählte er den Schülerinnen und Schülern. Er versuchte es mit dem zweiten Bildungsweg auf einem Gymnasium, mit 22 Jahren hielt er sein Abiturzeugnis in der Hand und begann daraufhin Jura zu studieren. Er arbeitete einige Jahre als Rechtsanwalt und in den Rechtsabteilungen des WDR und des rbb. Heute ist er Geschäftsführer der rbb Media GmbH, die für die Vermarktung von Werbezeiten und andere wirtschaftliche Dienstleistungen zuständige Tochter des rbb.

Er betont, dass es für ihn sehr hilfreich war, erst einmal die „Kostprobe“ eines Berufes gehabt zu haben, um ihn gut einschätzen zu können. Das Jura-Studium ist breit gefächert und bietet Einblicke in ganz unterschiedliche Bereiche und Fragen. Zu seinem Gebiet des Medienrechts gehört z. B. auch die Diskussion, ob Fotos von Verstorbenen gezeigt werden können. Hier führte er das Beispiel von Uwe Barschel an, der nach seinem Tod auf der Titelseite des Stern abgebildet wurde, und erläuterte das „Recht am eigenen Bild“.

Den Schülerinnen und Schülern ist ein Beruf mit guten Verdienstmöglichkeiten wichtig. Doch nur wenige Schulabgänger beenden eine Ausbildung. Das liegt nicht nur an ihren Noten. Oft fehlt es auch an Beispielen aus ihrem Alltag, der sich meist ausschließlich in Neukölln abspielt. Der Besuch der Führungskräfte des Leadership-Programms ist eine Gelegenheit, über den Tellerrand des Kiezes zu blicken. Hier erfahren sie mehr über vielfältige Berufe und Lebensläufe, die nicht immer gradlinig sind. Schließlich haben die wenigsten Führungskräfte von Beginn an die Tätigkeit, die sie heute ausüben. So wie Klaus Wilhelm Baumeister, der klar sagt: „Das Leben macht manchmal Umwege. Aber Hartz 4 ist keine Karriere.“

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Verantwortung annehmen und abgeben können

Eingetragen am 21.09.2017

21. September 2017 | By |

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Die Teilnehmenden des Collaborative Leadership Programms 2017 widmeten sich im September dem Thema „Verantwortung annehmen und abgeben können“. Beim Programmtag in der Hermann-von-Helmholtz-Schule in der Gropiusstadt forderten wir sie dabei zunächst ganz praktisch heraus.

Als „Vertretungslehrer*innen“ übernahmen sie in 2er-Teams oder alleine eine Unterrichtseinheit in Schulklassen der 9. und 10. Jahrgangsstufe der Integrierten Sekundarschule. Ziel dabei war es, den Jugendlichen eine Perspektive auf die Berufswelt aus der Praxis einer Führungskraft zu geben: dass es sich lohnt, Verantwortung für die eigene Zukunft zu übernehmen; dass Disziplin und Zuverlässigkeit notwendig sind, um beim Arbeitgeber nicht durchzufallen; und dass bei der Wahl eines Ausbildungsweges eine realistische Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen hilft.

Schulleiterin Kerstin Fischler und „Bückenbauer“ Jens Priesen, der den Schüler*innen beim Übergang in die Ausbildung hilft, berichteten, dass viele der Jugendlichen an der Schule erschwerte Ausgangsbedingungen haben. Bei 68,4% ist die Herkunftssprache nicht Deutsch und 55% kommen aus Familien, die von Hartz IV leben. Familiäre Unterstützung beim Lernen und Planen der beruflichen Zukunft fehlt vielen. Deshalb nimmt die Schule es klar als ihren Auftrag an, nicht nur Fachunterricht zu machen und Wissen zu vermitteln, sondern auch einen Erziehungsauftrag wahrzunehmen und soziale Kompetenzen zu vermitteln.

Für uns ist dieses Engagement ein starkes Vorbild, Verantwortung auch über den eigenen Bereich hinaus zu übernehmen – wie sie die Führungskräfte mit ihrem Einsatz an der Schule auch zeigten. Einige engagieren sich sogar über den konkreten Programmtag hinaus weiter an der Schule.

Zu Gesprächen über die verschiedenen Facetten von Verantwortung ging es am Nachmittag hinaus in die Stadt. Die Verantwortungsträger teilten ihre Sicht auf die Verantwortung,die sie jeweils für die Gesellschaft, für Mitarbeiter*innen und schließlich auch für Fehler übernehmen. Nicht zuletzt diskutierten die Führungskräfte auch darüber, woher die Motivation kommt, große Verantwortung zu übernehmen und wie es gelingt, Verantwortung abzugeben.

Wir danken allen Gesprächspartner*innen sowie den Beteiligten der Hermann-von-Helmholtz-Schule, dass wir zu Gast sein durften!

 

 

Programmtag „Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln“

Eingetragen am 17.07.2017

17. Juli 2017 | By |

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Den Programmtag zum Thema „Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln“ verbrachten wir mit den Teilnehmenden des Jahresprogramms 2017 bei der Seniorentstiftung Prenzlauer Berg im Altenpflegewohnheim.

Im Fokus des Programmtags steht ein zentrales Motiv unseres Vereins: gesellschaftliche Missstände und Herausforderungen kennenzulernen und zu überlegen, wie man selbst jenseits formaler Zuständigkeit Verantwortung übernehmen kann. Diesen „Mut zum Handeln“, auch in Kooperationen über die Sektorengrenzen des privatwirtschaftlichen, öffentlichen und Non-Profit-Bereichs hinweg, möchten wir mit den Erfahrungen, die wir an diesem Tag den Teilnehmenden ermöglichen, fördern.

Dabei ist es unser Prinzip, dass wir nicht nur mit denjenigen sprechen, die versuchen, gesellschaftliche Probleme zu lösen, sondern auch mit denjenigen, die direkt betroffen sind. Bevor sich die Teilnehmenden mit der Leitungsebene der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg austauschten, durften sie daher vorab die Bewohnerinnen und Bewohnern selbst besuchen und über das Leben im Alter sprechen.

Mit Geschäftsführer Christian Schüler, Einrichtungsleiter Frank Wernecke, Pflegedienstleiterin Anet Raatz und Ehrenamtskoordinator Markus Mudrick fand im Anschluss ein Austausch über die Herausforderungen in der Altenpflege statt. Die größten Schwierigkeiten macht hierbei immer noch der Mangel an Pflegefachkräften und auch an Pflegekräften insgesamt. Insbesondere auch der Wegfall des Zivildienstes hat hier eine Lücke gerissen, die sich durch den Bundesfreiwillligendienst nicht schließen lässt.

Vor großen Herausforderungen stehen auch die Gesprächspartner*innen der Kleingruppengespräche am Nachmittag, die Menschen vertreten und unterstützen, die am Rande der Gesellschaft stehen bzw. keine große Lobby haben. Der Bundesfamilienverband bemüht sich, die Rechte von Familien voranzubringen, während SOLWODI Berlin Frauen unterstützt, die von Menschenhandel und Zwangsprostitution betroffen sind. Gangway e.V. kümmert sich u.a. um osteuropäische Obdachlose, die auf der Straße leben und als EU-Ausländer keine Ansprüche auf Sozialleistungen haben. Und das Whistleblower-Netzwerk setzt sich dafür ein, Whistleblower in ihren Rechten zu stärken, die gesellschaftlich relevante Missstände in Unternehmen, Vereinen und Behörden aufdecken und dafür persönlich Nachteile erleiden.

Wir danken allen Beteiligten für die Gelegenheit zum offenen Austausch und dem Gastgeber der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg für die Gastfreundschaft!

Programmtag: Spielräume der Macht

Eingetragen am 11.07.2017

11. Juli 2017 | By |

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Der Programmtag im Juni stand für die Teilnehmenden unseres Jahresprogramms unter dem Thema „Spielräume der Macht ausschöpfen und Strategien entwickeln“.

Wie sich dies im konkreten Berufskontext in den unterschiedlichen Bereichen widerspiegelt, darüber tauschten sich die 36 Teilnehmenden unseres diesjährigen Leadership-Jahresprogramms zunächst einmal untereinander aus. Und so diskutierten sie über Mut, Motivation, Authentizität,  Kommunikation, Lust am Handeln, das richtige Maß zu finden und die Bedeutsamkeit von Flexibilität und Kontakten. Und welche Rolle Wissen, Erfahrung, Glück und Zufall für beruflichen Erfolg spielen können.

Daran anknüpfend begrüßten wir dann gegen Mittag einen Gesprächspartner – dieses Mal von Bündnis 90/Die Grünen -, der durch viele Ups und Downs hindurch eine langjährige Karriere im Bundestag und im Non-Profit-Bereich zurückblickt und mit dem wir diskutieren konnten, welche Spielregeln aus seiner Sicht im politischen Geschäft gelten: Volker Beck, religions- und migrationspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, den er nach 23 Jahren im September verlassen wird, da er von seinem Landesverband keinen Listenplatz mehr bekommen hat.

Volker Beck bot ein beeindruckendes Beispiel von Resilienz (angesichts vergangener Krisen) und Authentizität und Zielorientierung, an der er auch Erfolg definierte: Erfolg macht sich für ihn nicht an der persönlichen Karriere bzw. in seinem Fall dem Verbleib im Deutschen Bundestag fest, sondern am Erreichen von inhaltlichen Zielen, was in seinem Fall das Engagement für Israel und gegen Antisemitismus und der Kampf für die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen sind. Um so beindruckender war es für die Teilnehmenden zu erleben, wie er seine Zielorientierung zwei Tage später auf dem Parteitag der Grünen in die Tat umsetzte und gegen den Parteivorstand die Homo-Ehe als Koalitionsbedingung durchbrachte. Er brachte damit auch bei FDP, SPD und CDU den Stein ins Rollen bis hin zur Beschlussfassung des Bundestages zur rechtlichen Gleichstellung der Homo-Ehe knappe zwei Wochen später. Da sage man nicht, dass ein einzelner Abgeordneter einer Nichtregierungspartei nichts bewirken könnte…

Wie sich Handlungsspielräume in anderen Bereichen erschließen oder verschließen, darüber tauschten sich die Teilnehmenden im Anschluss bei vier Vor-Ort-Besuchen am Nachmittag aus. Aus Unternehmersicht gab Marianne Voigt, Gründerin und ehemals Geschäftsführerin von Immobilien-Scout24, heute Gründerin und Geschäftsführerin von bettermarks, das Zusammenspiel von Chancen und Risiken, Erfolgen und Misserfolgen. Aus dem Non-Profit-Sektor teilte Heinrich Strößenreuther, Mit-Initiator des Volksbegehrens Fahrrad und Geschäftsführer der Agentur für Clevere Städte, seine Erfahrungen, wie es ihm gelang, das Thema fahrradgerechter Ausbau der Stadt in die Medien und auf die Tagesordnung der Politik zu bringen. Wie sich im politischen Wechselspiel Interessen vertreten und Spielräume ausloten lassen, welche Sichtweise er auf die Unterscheidung von „gutem und schlechtem Lobbying“ hat, darüber sprach Christian Wößner, der Geschäftsführer des Deutschen Atomforums e.V. (DAtF). Und für den öffentlichen Bereich gab es einen Austausch mit Jens-Holger Kirchner, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Verkehr, Umwelt und Klimaschutz, über seine Strategien zur Verwirklichung politischer Ziele – auch unter der Gefahr, Widerstände zu provozieren, wie z.B. bei dem von ihm initiieren Ferienwohnungsverbot und der auf seine Veranlassung vor einigen Jahren veröffentlichten „Ekelrestaurantliste“.

Besonderer Dank geht an unser Mitglied und Teilnehmer unseres Jahresprogramms 2012, Dr. Matthias Kribben, der als Einstieg mit den Teilnehmenden ganz praktisch die Erfolgsfaktoren bei Spielen wie Poker und Schach diskutierte, anhand derer dann umso leichter die Erfolgsfaktoren und Spielregeln in anderen Bereichen (wie z.B. im Bundestag)  analysiert werden konnten. Dr. Matthias Kribben ist leidenschaftlicher Schachspieler und Vize-Weltmeister im Fernschach.

Wir danken allen beteiligten Gesprächspartner*innen für die offenen Gespräche und freuen und auf den nächsten Programmtag, bei dem wir diejenigen Menschen in den Fokus nehmen, die über wenig Macht verfügen und keine starke Lobby haben. Hierzu lautet das Motto: „Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln“.

 

Sommer, Sonne, Netzwerken – unser Sommerfest 2017

Eingetragen am 05.07.2017

5. Juli 2017 | By |

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Dem „Netzwerk“ in unserem Namen machten wir am 3. Juli alle Ehre, als wir zu unserem Sommerfest aufs Tempelhofer Feld luden und sich über hundert Berliner Führungskräfte und Freunde zum Wiedersehen, Kennenlernen und Austauschen trafen.

Nach vier Tagen Regenwetter sorgte zum einen die Sonne für gute Laune, zum anderen auch unser Mitglied Paul Kustermann, Gründer der „Rote Nasen – Clowns in Krankenhäusern“, der als „Dieter“ mit Hasenzähnen für Stimmung am Grill und an der Spendenbüchse sorgte. Passend zum Anlass übernahmen auch unsere Vorstandsmitglieder Verantwortung hinter dem Grill und versorgten alle Hungrigen mit Grillwurst und -käse. Daneben durfte selbstverständlich der Blick über den Tellerrand nicht fehlen:

Unser ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender Andreas Scholz-Fleischmann, hauptamtlich Vorstandsvorsitzender der Berliner Bäder-Betriebe, plauderte aus dem Nähkästchen zum Thema „Wie wird man eigentlich Vorstandsvorsitzender?“ und an drei Thementischen konnte man anschließend noch einen tiefere Einblick in drei ganz unterschiedliche Leadership-Bereiche nehmen:

Der Internet- Unternehmer Arndt Kwiatkowski, einstiger Mitgründer von Immobilienscout24 und heute beim Online-Nachhilfeportal bettermarks, teilte seine Erfahrungen darüber, nach welchen Regeln Start-Ups funktionieren und erfolgreich sind oder scheitern. Einblicke, wie eine Verfassungsschutzbehörde arbeitet und welche Herausforderungen sich in der Leitung stellen, gab Winfriede Schreiber. Sie ist Vorstandsvorsitzende von Leadership Brandenburg und Mitwirkende unseres Beirats. In Ihrem beruflichen Werdegang war sie u.a. Präsidentin des Verwaltungsgerichtes Cottbus, Polizeipräsidentin für Ost-Brandenburg und zuletzt Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes. Schließlich konnte man bei Sonja Müseler, Vorstandsmitglied bei Leadership Berlin und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Telefonseelsorge, erfahren, wie eine Telefonseelsorge arbeitet und wie ein professioneller Umgang mit persönlichen Krisen aussieht.

Vielen Dank an alle Gäste, Spender*innen und fleißige Helfer*innen für ein gelungenes Fest!

„Vertretungsstunde“: Auf Umwegen in die Werbe- und PR-Agentur

Eingetragen am 07.06.2017

7. Juni 2017 | By |

IMG_0832Am 2. Juni war wieder „Vertretungsstunde“ in der Neuköllner Zuckmayer-Schule. Carmen Vallero von der Peperoni Werbe- und PR-Agentur begann sie mit Fragen an die Schülerinnen und Schüler: wer ist in Berlin geboren, wer spricht welche Sprache, wer hat die meisten Geschwister oder: wer kann gut kochen? Dann erfuhr die Klasse anhand von richtigen und falschen Aussagen auf ausgeteilten Karten auch etwas mehr über die „Vertretungslehrerin“. Gerade das Raten machte allen Spaß –ist sie Polizistin, Lehrerin, Schauspielerin oder bei der Müllabfuhr? Fährt sie Fahrrad, Motorrad oder nur mit Chauffeur?

Carmen Vallero hat nach der Realschule eine Ausbildung in einem Rechtsanwaltsbüro in Niedersachsen absolviert. Sie verriet, dass ihre Noten nie gut waren und in ihrem Umfeld wenig Inspiration oder Vorbilder, um sich in der Schule mehr anzustrengen. Die ungeliebte Ausbildung hat ihr jedoch viel ermöglicht – z. B. das erste eigene Geld, um den Führerschein zu machen und zu verreisen. Als frischgebackene Rechtsanwalts-und Notargehilfin ging sie kurz vor Mauerfall nach Berlin, um weiter in dem erlernten Beruf zu arbeiten. Nach zwei Auslandsaufenthalten sattelte sie um und arbeitete als Sekretärin im Berlin Verlag, bewarb sich dann über den § 11 des Berliner Hochschulgesetzes an der Universität der Künste und konnte dort auch ohne Abitur Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studieren. Nach einigen Jahren in einer Event-Agentur übernahm sie für die Deutsche AIDS-Hilfe die Öffentlichkeitsarbeit und war anschließend als Freiberuflerin für unterschiedliche Auftraggeber tätig. Heute arbeitet sie als Kommunikationsberaterin in der Peperoni Werbe- und PR-Agentur und betreut u. a. die Kampagnen der Berliner Stadtreinigung.

IMG_0831Besondere Aufmerksamkeit in der Klasse herrschte bei der Schilderung der eigenen Erlebnisse wie z. B. einer Veranstaltung mit der Bundeskanzlerin, der Arbeit mit Social Media, die Erfahrungen mit Praktikanten in der Agentur. Carmen Vallero ermunterte die Schüler vor allem, die vielen Möglichkeiten, die sich ihnen bieten, zu nutzen und sich über Ausbildungen zu informieren, den MSA anzustreben und sich immer vor Augen zu halten, dass jede Ausbildung ein guter Anfang ist, um in das Berufsleben einzusteigen. Schließlich ist auch ihre eigene Biografie ein Beispiel dafür, dass ein erlernter Beruf nicht für immer ist und man viel weiter kommen kann. Am Ende der Stunde wurde noch einmal diskutiert, warum und wann ein Beruf eigentlich „gut“ ist. Hier setzten die Schüler den Spaß an der Arbeit in einem guten Team an die erste Stelle – noch vor dem Geldverdienen. Und genau das wünschte die Vertretungslehrerin allen Schülerinnen und Schülern: Wer nicht aufgibt, kann Großes erreichen, es lohnt sich!

Leadership in Dialogue im Non-Profit-Bereich

Eingetragen am 02.06.2017

2. Juni 2017 | By |

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Wie sieht die Arbeit im gemeinnützigen Bereich aus? Vor welchen Herausforderungen stehen Non-Profit-Organisationen und welche Unterschiede gibt es im sozialen Bereich zwischen Deutschland und den Herkunftsländern der Teilnehmenden?

Leadership in Dialogue verbrachte den dritten Programmtag zum Thema Non-Profit-Bereich. Die Teilnehmenden mit und ohne Fluchtgeschichte waren zu Gast im Pflegewohnheim des Unionhilfswerks „Am Plänterwald“.

Anne Fritzsche, Sozialarbeiterin, Céline Calvet vom ambulaten Hospizdienst sowie Ergotherapeutin Esther Hackenberg erklärten, wie ihre Arbeit im Pflegewohnheim aussieht. Dabei begeisterten sie die Teilnehmenden mit ihrer Motivation und Freude am Beruf. Beides war im Auftreten der Frauen und ihren Erzählungen aus dem Arbeitsalltag deutlich zu spüren. Selbstverständlich ist das nicht – könnten die Mitarbeiterinnen doch genauso gut wegen Überlastung klagen. Denn auch „Am Plänterwald“ fehlt es wie fast überall im Pflegebereich an Personal und die Mitarbeiter*innen leisten daher häufig mehr als eigentlich für eine Person vorgesehen ist.

Wie die Begeisterung der Mitarbeiterinnen sich auf die Atmosphäre im Haus auswirkt, erfuhren die Teilnehmenden in persönlichen Gesprächen. Zu zweit oder dritt besuchten sie Bewohner*innen und tauschten sich beispielsweise über das Leben in Deutschland, die Heimatländer und kulturelle Besonderheiten aus. Eine Win-Win-Situation: Die Senior*innen freuen sich über Gesellschaft und sind daran interessiert, neue Menschen kennenzulernen. Und die Geflüchteten wollen die Sprache üben und mehr über Deutschland, seine Geschichte und die Gesellschaft erfahren.

Jeden ersten Sonntag im Monat wollen sich einige Geflüchtete nun zum Besuch im Pflegewohnheim verabreden, um mit den alten Menschen zu sprechen. Organisiert werden die am 5. November startenden Treffen von Yahya Mirzayev, ehemaligem Finanzmanager von Radio Free Europe in Aserbaidschan, und Nawid Arafat, Machinenbau-Ingenieur aus Afghanistan.

Und noch ein weiteres ehrenamtliches Projekt wurde initiiert: Interkulturelle Konftliktlotsen-Tandems sollen bei Konflikten zwischen Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund schlichten.

Beide Projekte und weitere Ergebnisse aus dem Programm werden wir auf unserer diesjährigen Abschlussveranstaltung am 9. Oktober vorstellen, zu der wir unsere Mitglieder und Beiräte sowie Gesprächspartner*innen und Freund*innen des Vereins ganz herzlich einladen.

Unser herzlicher Dank gilt den Gastgeberinnen und Klaus-Jürgen Schüler vom Pflegewohnheim „Am Plänterwald“ sowie den beiden Gesprächspartnerinnen Sabine Schreiber und Margarete Heitmüller, die jeweils Einblicke und Austausch zu ihren Arbeitsbereichen „Kita“ und „Volksentscheide in Berlin“ ermöglichten, sowie an die Förderer des Programms „Leadership in Dialogue“: die Stiftung Pfefferwerk, den Paritätischen LV Berlin und die GASAG.