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Netzwerke

„Das Leben draußen“: Netzwerken für Anerkennung

Eingetragen am 09.09.2016

9. September 2016 | By |

Udo_Marin_VBKI

Udo Marin; Foto: VBKI

 

„Netzwerken funktioniert im Gefängnis besser als draußen. Hier ist das ein existentielles Interesse!“ lautet eine der Botschaften, die die Inhaftierten unserem Gesprächsgast im August, Herrn Udo Marin, mitgaben. Damit war schnell klar: Hier sitzen sich Experten gegenüber.

Udo Marin ist seit 17 Jahren der Geschäftsführer des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller e.V. (VBKI). Der Verein wurde bereits im Jahre 1879 gegründet und versteht sich selbst u.a. als eine Think-Tank-Organisation, die auf den Themenfeldern Politik, Standort Berlin, Bildung und Wissenschaft, Sport und mehr Antworten in Form von Positionspapieren erarbeitet. Darüber hinaus fördert der Verein gemeinnützige Projekte und unterstützt im Rahmen einer Sportförderung Berliner Spitzensportler während und nach ihrer aktiven Zeit.

Netzwerker sind vor allem sozial erfolgreich – sie können Menschen für sich und ihre Ideen gewinnen und kennen immer jemanden, der jemanden kennt. So auch die rheinische Frohnatur Udo Marin – eine ideale Besetzung, um zum Thema Netzwerke/Gemeinschaften seine Erfahrungen mit den Inhaftierten zu teilen.

Die Inhaftierten wiederum berichteten von ihren Strategien und Beweggründen, in der JVA selbstständig Netzwerke zu bilden oder bestehenden Netzwerken beizutreten. Sie gaben Beispiele für verschiedene Initiativen der Inhaftierten aus dem Gefängnisalltag und analysierten die Ursachen von Erfolg und Misserfolg dieser Vorhaben. Dabei kristallisierte sich schnell heraus: Der stärkste Antrieb zur Bildung einer Interessengemeinschaft ist immer noch der Kampf gegen einen gemeinsamen „Feind“.

Geschichten über Feinde hatte Herr Marin nicht zu erzählen, wohl aber über einen weiteren Aspekt der Motivation, Menschen zu helfen und dadurch Netzwerke zu bilden: Die Anerkennung.
Das Gefühl, jemandem geholfen zu haben, dafür Anerkennung zu erfahren und keine direkte Gegenleistung zu fordern, ist für Udo Marin ein wesentlicher persönlicher Antrieb seiner Arbeit im Verein. Gleichzeitig wird dadurch das Vertrauen zwischen den Beteiligten gestärkt – und ohne Vertrauen kann ein Netzwerk nicht von Dauer sein.

Ein Nachtrag zu der Gesprächsrunde erreichte uns drei Tage nach der Veranstaltung: Rosemarie Dorsch-Jäger, die Leiterin der sozialpädagogischen Abteilung der JVA Moabit, leitete uns die Rückmeldung eines Gefangenen weiter: „Der Gruppenanlass „Das Leben draußen“ war wieder sehr toll, unterhaltsam und inspirierend. Der Gast fand großen Anklang…“. Ein Ansporn für uns, uns mit „Das Leben draußen“ weiter zu engagieren!