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Zwei Neuköllner Gewächse in der „Vertretungsstunde“

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Die Schüler und Schülerinnen der Klasse 9a der Zuckmayer-Sekundarschule durften sich letzte Woche gleich über zwei Führungskräfte als Gäste freuen, die beide selbst in Neukölln aufwuchsen und zur Schule gingen. Im Rahmen unseres Projekts „Vertretungsstunde“ gaben sie Einblicke in ihren beruflichen Werdegang und Tipps für den Berufseinstieg.

Kenan Yilmaz machte nach dem Abitur zunächst eine Maurerlehre und arbeitete auf dem Bau. In seiner Freizeit besuchte er u.a. Kampfsportschulen und Wing Tsun wurde zunächst zu seiner Leidenschaft und dann zu seinem  Beruf. Als er an unserem Leadership-Programm 2013 teilnahm war er Betreiber von zwei Wing-Tsun-Schulen. Inzwischen vereint er unter dem Dach seiner Firma VESQ GmbH insgesamt 12 Kampfkunstschulen in Berlin und Brandenburg. Auch wenn sein heutiger Beruf nichts mehr mit dem Maurer-Handwerk zu tun hat, so war seine Empfehlung an die Schüler*innen doch eindeutig: schaut, dass ihr eine Ausbildung macht. Wenn ihr in etwas gut seid und es wirklich wollt, öffnen sich danach noch viele andere Wege.

Petra Göbel verdiente sich ihr erstes Geld u.a. als Putzkraft und Kassiererin und erwarb ihre Englisch-Kenntnisse vor allem als Aupair in Großbritanien, bevor sie nach Studium und Auslands-Stipendium ihre berufliche Karriere bei Siemens startete, wo sie mittlerweile als Personalreferentin im Oberen Führungskreis in dem Weltkonzern angekommen ist und ihre Mails auch mal rund 100.000 Empfänger haben. Anschaulich sprach sie über Mindeststandards in Vorstellungsgesprächen, Kleidung, Fehltage in den Schulzeugnissen, den richtigen Umgangston, Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit und Kritikfähigkeit bis hin zu Rechtsschreibung und Englischkenntnissen und diverse Gründe, warum Arbeitsverhältnisse mitunter aufgelöst werden.

Kenan Yilmaz und Petra Göbel gaben insofern ganz unterschiedliche Einblicke in ihre berufliche Praxis, die für die meisten Schüler*innen der Zuckmayer-Schule noch sehr weit weg ist. 92% der Schüler*innen der Zuckmayer-Schule wachsen mit Lehrmittelbefreiung auf, was in der Regel bedeutet, dass die Familie ALG II bezieht. Für die Schüler*innen war es insofern ein Einblick in eine weitgehend fremde Welt des Berufslebens, die ihnen unsere beiden „Vertretungslehrer“ im Rahmen unseres Projektes „Vertretungsstunde“ lieferten. Wir hoffen mit den Besuchen von Menschen, die fest im Berufsleben stehen, einen Impuls zu geben, um den Anteil der Schüler*innen zu erhöhen, die eine duale Berufsausbildung beginnen. Aus dem letzten Abschluss-Jahrgang haben sich lediglich 20% der Schüler*innen dafür entschlossen, womit die Schule allerdings noch besser da steht als viele andere Schulen mit vergleichbarer Schüler-Zusammensetzung.

Vielen Dank an Petra Göbel und Kenan Yilmaz und die Lehrer*innen der Zuckmayer-Schule!

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