Image Image Image Image Image Image Image Image Image

First Monday am 4. Mai: Die Ökonomisierung der sozialen Arbeit – Wie sozial kann und sollte ein Jobcenter sein?

Ökonomisierung der sozialen Arbeit: Wie sozial kann und sollte ein Jobcenter sein?

Im Spannungsfeld zwischen sozialem Auftrag, geschäftspolitischen Zielen, hoher öffentlicher Sensibilität und unterschiedlichen politischen Interessen.

In Berlin gibt es, entsprechend der Verwaltungsbezirke, insgesamt 12 Jobcenter.
Das Jobcenter Berlin Mitte ist mit rund 85.000 Leistungsbeziehern das viertgrößte von bundesweit über 400 Jobcentern. Das Haus teilt sich auf vier Standorte mit insgesamt kapp 1.000 Mitarbeiter auf.

David Wingert, Geschäftsführer Operativ des Jobcenter Berlin Mitte und Teilnehmer unseres Collaborative Leadership Programms 2014

Der Kernauftrag der Jobcenter besteht in der Erfüllung des gesetzlichen Auftrags.
Dieser besagt, dass die Jobcenter es den Leistungsberechtigten ermöglichen sollen, ein Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht. Dabei soll die Eigenverantwortung der Leistungsberechtigten gestärkt und dazu beigetragen werden, dass sie ihren Lebensunterhalt unabhängig von der Grundsicherung aus eigenen Mitteln und Kräften bestreiten können.

Stark gerafft, bestehen die Hauptziele der Jobcenter damit aus:
• Sicherung des Lebensunterhalts (Geldleistungen) sowie
• Vermittlung in Arbeit
Die gesetzliche Verantwortung für die Aufgaben liegt im Schwerpunkt klar bei der Bundesagentur für Arbeit. Die Ziele sind angesiedelt im gesellschaftlichen Spannungsfeld zwischen sozialpolitischem Auftrag, den Prämissen Fördern und Fordern sowie der haushaltpolitischen Maxime von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit.

Seit einem Jahr ist David Wingert der Geschäftsführer Operativ des Jobcenter Berlin Mitte.
In der Diskussion mit den unterschiedlichsten Interessensgruppen und Meinungsführern (Bundesagentur für Arbeit, Kommune/ Bezirk, Arbeitgeber, Abgeordneten, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbänden, Kammern, Medien etc.) werden unterschiedliche Schwerpunkte und Auslegungen des gesetzlichen Auftrags deutlich. Insbesondere auch unterschiedliche, teils widerstrebende Interessen, Erwartungen und Forderungen, bspw.:
– Aufgrund der Zielsysteme der Bundesagentur für Arbeit stehen nicht mehr die Menschen sondern die Zahlen im Vordergrund – schließt sich beides wirklich aus?
– sollte bzw. darf jemand der Grundsicherungsleistungen bezieht sanktioniert werden?
– wie weit kann und sollte Hilfe zur Selbsthilfe gehen?
– wie viel Pauschalierung ist nötig, wie viel Einzelfallentscheidungen sind leistbar?
– ist ein subventionierter 2. Arbeitsmarkt zwingend notwendig als Brücke zurück ins Erwerbsleben oder verfestigt dieser langfristig eher Strukturen der Langzeitarbeitslosigkeit

Die bis zu 15 Teilnehmenden sind eingeladen, durch den Austausch eigener Verhaltens- und Reaktionsbeispiele, Anregungen für den Umgang mit oder gar das Auflösen von Spannungsfeldern zu gewinnen. Gastgeber ist David Wingert, Teilnehmer unseres Collaborative Leadership Programms 2014 und Geschäftsführer Operativ des Jobcenter Berlin Mitte.