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Oktober 2020 - Leadership Berlin

Programmtag zu Ohnmacht und Aktivismus

Eingetragen am 22.10.2020

22. Oktober 2020 | By |

Zu unserem fünften Programmtag waren wir zu Gast im Umweltforum, wo sich die 36 Teilnehmenden unseres Leadership Jahresprogramms mit Menschen und zu Themen austauschten, die einerseits kontrovers diskutiert werden, bei denen andererseits Personen aus einer benachteiligten Position heraus ein gesellschaftliches Umdenken erreichen wollen. In Anbetracht des Covid-19-Infektionsgeschehens führten wir den Programmtag „hybrid“ durch – ein Teil der Teilnehmenden war via einer Leinwand, Lautsprecher und Mikrofonen zugeschaltet.  Technisch funktionierte dies erstaunlich gut – in der Praxis bedeutete es allerdings eine deutlich verlangsamte Dynamik, da für Redebeiträge am Veranstaltungsort jeweils der Einsatz eines Mikrofons erforderlich war, damit die online zugeschalteten diese akustisch mitverfolgen konnten.

http://karuna.familyAm Vormittag befassten wir uns mit dem Thema Obdachlosigkeit. Einen intensiven Einblick boten dabei Werner und Ingo, die freimütig über ihren Lebensweg und ihre Erfahrungen in der Obdachlosigkeit berichteten. Ob über Alkohol, Drogen und andere psychische Erkrankungen, Zuzug von osteuropäischen Obdachlosen, Gewalt, Kriminalität und die unterschiedlichsten Faktoren, die zu einem Leben auf der Straße geführt haben bzw. Wege, die aus dieser Situation herausführen können – Ingo und Werner gingen offen auf Fragen unserer teilnehmenden Führungskräfte ein und zeigten auf, dass es unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema gibt. Bereichert wurde der Austausch durch Jörg Richert, Gründer von Karuna und der KARUNA Sozialgenossenschaft, zwei soziale Unternehmungen mit vielfältigen Unterstützungsangeboten für Obdachlose und Straßenkinder. Jörg Richert warb eindringlich für die Umsetzung eines berlinweiten Aktionsprogramms mit dem Ziel, dass es bis 2030 keine Obdachlosigkeit mehr in der Stadt gibt. Diskutiert wurden dabei auch die bisherigen Maßnahmen und ob die 300 Millionen Euro, die Berlin jährlich zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit ausgibt, nicht auch besser ausgegeben werden könnten. Einig waren sich Jörg Richert und die aus der Betroffenheit kommenden Ingo und Werner in jedem Fall dahingehend, dass sich möglichst viele Bereiche der Gesellschaft den Themen Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit annehmen sollten und dass dazu auch die Stimme von Betroffenen selbst, wie sie beispielsweise in der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen zum Ausdruck kommt, dabei auch Gehör finden sollte.

Das Thema, wie Aktivist*innen aus einer Situation der Ohnmacht und Benachteiligung heraus, gesellschaftlich etwas bewegen können, widmeten sich die Teilnehmenden am Nachmittag in Kleingruppen bei Gesprächen mit 5 Aktivist*innen von Fridays for Future, mit Frau Prof. Dr. Godula Kosack, Vorstandsvorsitzende von TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. und mit Tahir Tella, Vorstand und Sprecher der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland Bund e.V.. Egal ob es um den beschleunigten CO2-Ausstieg bis 2035, ein Kopftuchverbot an öffentlichen Schulen für Unter-18-Jährige oder um die Umbenennung von Straßen wie der M-Straße ging – unsere Teilnehmenden setzen sich mit den jeweiligen Argumenten auseinander und hatten Gelegenheit, sich mit den jeweiligen Anliegen und den Aktivitäten der Gesprächspartner*innen auseinanderzusetzen.

„Begegne dem anderen“ lautet das Motto von Leadership Berlin. Entsprechend gehört es (wie beim Thema Obdachlosigkeit) zu unserer Überzeugung, dass man nicht nur „mit einer Seite“ über etwas sprechen sollte, sondern auch und gerade jeweils mit Betroffenen bzw. Andersdenkenden. Entsprechend knüpfte das Gespräch mit den Aktivist*innen von Fridays for Future an eine Begegnung an einem vorherigen Programmtag mit dem Vorstandsvorsitzenden der LEAG, Dr. Helmar Rendez an, dem Gespräch mit Frau Prof. Dr. Kosack wird ein Gespräch mit Kopftuchträgerinnen zu einem späteren Programmtag folgen und dem Gespräch mit Tahir Della ging ein Gespräch an einem früheren Programmtag mit Erika Steinbach, Vorstandsvorsitzender der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung voran.

Wir freuen uns auf eine Fortsetzung unseres Leadership-Programms und spannende Gesprächen in unserer vielfältigen Gesellschaft, werden dafür allerdings zunächst einmal eine Pause einlegen, da es uns aufgrund des Covid-19-Infektionsgeschehens besser erscheint, bis zum Mai eine Pause einzulegen.

Wir danken allen Mitwirkenden an unseren bisherigen Programmtagen für ihre Mitwirkung und hoffen und wünschen für uns alle, dass die Worst-Case-Szenarien bzgl. Covid-19 und der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen in den kommenden Monaten nicht eintreffen werden. Passen Sie auf sich und auf andere auf!

Programmtag zu Erfolgskriterien und Handlungsspielräumen

Eingetragen am 20.10.2020

20. Oktober 2020 | By |

Erfolgskriterien und Handlungsspielräume in unterschiedlichen Kontexten widmeten sich die 36 Teilnehmenden unseres Leadership Jahresprogramms zu unserem Programmtag „Spielräume der Macht ausschöpfen – Strategien entwickeln“. Ob mit
– Thomas Englberger, Geschäftsführer der Arena Berlin Betriebs GmbH,
– Soheil Mirpour, Vorstand des milliarden-schweren Internet-Inkubators Rocket Internet
– unserem Vorstandsmitglied Nadine Evers, bis letztes Jahr Geschäftsführerin der Open Knowledge Foundation und heute Senior Special Consultant bei Roland Berger,

oder in Kleingruppen über den eigenen Arbeitskontext tauschten sich die Teilnehmenden über die jeweiligen Erfolgskriterien, Handlungsspielräume und Strategien aus. Klar wurde dabei, dass es nicht DAS Patentrezept für Erfolg gibt, sondern dass es vielmehr darum geht, Chancen – gerade auch in Krisen oder bei besonderen Herausforderungen – zu erkennen und zu nutzen und dass der Blick von außen und ein breites Netzwerk dabei sehr hilfreich sein können.

Während der Begriff „Macht“ im deutschen Sprachraum eher negativ und restriktiv besetzt ist, widmeten wir uns dabei vor allem dem konstruktiven Aspekt des „Machens“ und wie Akteur*innen darin erfolgreich sein können, ihre Handlungsspielräume zu erweitern und erfolgreich zu sein. In Zeiten, in denen TESLA mehr wert ist als VW, Daimler und BMW zusammen bzw. in denen die „New Economy“ in vielen Bereichen die „Old Economy“ herausfordert und zum Teil „alt aussehen lässt“, hatten unsere 36 Teilnehmenden am Nachmittag Gelegenheit, sich in Kleingruppen mit 5 Start-Ups über deren Konzepte und Strategien auszutauschen und deren Erfolgsperspektiven zu diskutieren. Unser Dank geht an:

– Franziska Michel, Gründerin von Yoona Technology, die mit einer Software Modeketten die Optimierung bei der Gestaltung und Anpassung von Kollektionen anbietet

– Daniil Belazovschi und Dario Kniesel, Gründer der Kitanauten, die mit einem zugeschnittenen Vermittlungsangebot dem Fachkräftemangel in Kitas entgegenwirken

– Tim Wegner, Mit-Gründer von Workist, das Lösungen entwickelt hat, operative Geschäftsprozesse zu automatisieren und innovative Teamarbeit zwischen Mensch und KI-Algorithmus zu ermöglichen

– Anja Ring, die innovative Raumnutzungsstrategien zur optimalen Nutzung von Wohnflächen der beständigen Erweiterung von Wohnflächen entgegensetzt und

– Daniele Berardo, Mitgründer von Energenious, die eine Software-Lösung für autarke, dezentrale Energieversorgung entwickelt haben

, dass sie ihre Geschäftsmodelle mit unseren Teilnehmenden diskutiert haben. Auch und gerade weil in der anschließenden Reflexionsrunde viele unserer „arrivierten“ Führungskräfte sich entweder nicht anmaßen wollten, über die jeweiligen Erfolgsaussichten eine Aussage treffen zu können bzw. den jeweiligen Unternehmungen mitunter auch Bedenken entgegenbrachten, so wurde der „Kultur-Unterschied“ zwischen den mitunter großen „Tankern“ unserer Teilnehmenden mit all ihren Größenvorteilen und – Nachteilen und den kleinen, flexiblen Gründungsinitiativen deutlich. Dies bot eine gute Inspiration,  darüber nachzudenken, ob und wie mehr Innovationskraft und Flexibilität in den eigenen Organisationen erreicht werden könnte.

Technologische Aspekte bot der Programmtag nicht nur im Hinblick auf die von den Gründer*innen vorgestellten Geschäftskonzepte, sondern auch in der Umsetzung. In Anbetracht der zunehmenden Zahl an Covid-19-Infektionen setzten wir den Programmtag „hybrid“ um und ermöglichten Teilnehmenden, die aufgrund von Krankheitssymptomen oder aus Vorsicht oder Unternehmensvorgaben nicht physisch teilnehmen konnten eine virtuelle Teilnahme, indem sie per Bildschirm, Lautsprechern und Raum-Mikrofonen zugeschaltet waren. Unser besonderer Dank geht an Thomas Englberger, den Geschäftsführer der Arena, der trotz der angespannten Wirtschaftslage seines Unternehmen, das bislang in der Corona-Krise bis auf Kurzarbeitergeld keine öffentlichen Hilfen erhalten hat, eine Durchführung unter Einhaltung der Abstandsgebote mit 5 Tisch-Inseln im Glashaus der Arena ermöglichte und den Teilnehmenden in Kleingruppen Einblicke in das 22.000 qm umfassende Veranstaltungs-Areal inkl. Badeschiff, Club und Messehalle, in der am darauffolgenden Tag die deGUT (Deutsche Gründer- und Unternehmertage) begann, bot.

Wir drücken der Arena und den Beschäftigten die Daumen, dass sie gut durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise kommen und hoffen, dass diese einzigartige Location Berlin erhalten bleibt! Und natürlich wünschen wir auch den Gründer*innen viel Erfolg und freuen uns, unseren Teilnehmenden über die weitere Entwicklung der Gründungen in einigen Monaten berichten zu können.

Leadership Talk mit Dieter Hallervorden im Schlosspark Theater

Eingetragen am 05.10.2020

5. Oktober 2020 | By |

Mit unserem Leadership Talk am 5. Oktober waren wir zu Gast bei Dieter Hallervorden in dem von ihm betriebenen Schlosspark Theater. Aufhänger waren die Auswirkungen, aktuelle Strategien und Perspektiven für privatwirtschaftlich geführte Kulturbeitriebe, von denen mit dem Schlosspark Theater und dem Theater-Kabarett „Die Wühlmäuse“ gleich zwei von Dieter Hallervorden gegründet und geleitet wurden. Der Austausch beschränkte sich allerdings nicht auf den politischen und gesellschaftlichen Umgang mit Covid-19, sondern umfasste auch das künstlerische und unternehmerische Wirken von Dieter Hallervorden, der mit seinen 85 Lebensjahren auf langjährige und vielseitige Erfahrungen zurückgreifen kann. Außer Mitgliedern von Leadership Berlin ermöglichten wir zu diesem Leadership Talk auch Mitgliedern unserer Netzwerkpartner, des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) und von Mensa in Deutschland eine Teilnahme. Die Teilnehmenden saßen mit Abständen zwischen Puppen in dem 473 Plätze umfassenden Schlosspark Theaters und konnten über zwei Saal-Mikrofone ihre Fragen stellen.

Businessfotografie Inga Haar/VBKI

Zwei Leben in einem – diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man Dieter Hallervorden erlebt und kennenlernt. Während viele Menschen mit 65 bereits in den Ruhestand gehen, bevorzugt Dieter Hallervorden den „Unruhestand“, der nun schon 20 Arbeits-Jahre über das durchschnittliche Renteneintrittsalter hinaus geht. Auch das berufliche Wirken vereint komplett unterschiedliche Felder. Da ist zum einen die Rolle des Comedians – zum anderen die Wahrnehmung ernster Rollen. Da ist zum einen der Theater-Schauspieler, zum anderen der Film- und Fernsehschauspieler. Auf der einen Seite ist Dieter Hallervorden Solo-Künstler, der sich als solcher einem höchsten Bekanntheitsgrad erfreut – auf der anderen Seite ist Dieter Hallervorden Unternehmer und Geschäftsführer sowohl des Theater-Kabaretts „die Wühlmäuse“ wie auch des von ihm mit 1,7 Millionen Euro aus eigener Tasche instandgesetzten Schlosspark-Theaters. Aktuell steht der 85-jährige tagsüber für eine ZDF-Produktion vor der Kamera, um aus den daraus resultierenden Einnahmen das Schlosspark Theater mit der aktuell nur 20%igen Publikumsauslastung durch die Krise zu retten und die Arbeitsplätze der Beschäftigten zu erhalten.

Fotos: Businessfotografie Inga Haar/VBKI

„Ich habe so viele Krisen durchlebt“, so Dieter Hallervorden bei dem von Bernhard Heider moderierten Leadership-Talk, „da lasse ich mir von so einem Virus doch jetzt nicht mein Theater kaputt machen!“ Enttäuschung äußerte Hallervorden vor allem über die Politik, einerseits, was die Kommunikation mit der Kulturwirtschaft anbetrifft, andererseits hinsichtlich der Unterstützung privatwirtschaftlicher Kulturbetriebe, die angesichts der geltenden Abstandsregeln entweder gar nicht oder nur mit hohen Verlusten den Betrieb aufrecht erhalten können. Immerhin, so Hallervorden, sei Deutschland bislang mit weniger Toten und weniger Einschränkungen als viele  andere Länder durch die Krise gekommen – insofern hat die Politik aus seiner Sicht auch einiges richtig gemacht und er will sich auch nicht anmaßen, die Expertise von Virologen beurteilen zu können. Allerdings sind die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen doch gewaltig und die Lasten und staatlichen Unterstützungen mitunter sehr unterschiedlich verteilt.

Fotos: Businessfotografie Inga Haar/VBKI
Ein Aufgeben kommt für Dieter Hallervorden nicht in Frage und man nimmt ihm gerne ab, dass er noch viele Jahre unternehmerisch und künstlerisch wirken wird. Rückhalt findet er dafür insbesondere in seiner Familie, von der sein 22-jähriger Sohn Johannes Hallervorden an dem Abend auch organisatorisch mitwirkte. „Ich mache mir meine Enkel selbst“, so kommentierte verschmitzt Dieter Hallervorden den Umstand, dass er mit 63 nochmals Vater wurde.

Sofern es die Zeit zulässt – sucht und findet er auch Erholung auf der von ihm vor vielen Jahren erworbenen Insel in der Bretagne. Denn auch das wissen viele nicht von Dieter Hallervorden: er liebt französische Sprache und Kultur, studierte u.a. bei Victor Klemperer Romanistik, wirkte in der DDR u.a. als Übersetzer bevor er 1958 nur knapp vor dem Zugriff der Stasi nach West-Berlin flüchtete und übersetzt auch heute noch in seiner Freizeit französische Theater-Stücke, die er dann mitunter in Berlin zur Aufführung bringt.

Angesprochen auf die Quelle seiner enormen Energie für sein künstlerisches und unternehmerisches Wirken verweist Dieter Hallervorden vor allem darauf, wie wichtig ihm das Publikum, seine Beschäftigten und das erfolgreiche „Machen“ an sich sind. Alt ist man erst dann, wenn man vor allem zurückschaut – er hingegen schaue eher nach vorne, auch wenn er sich bewusst sei, dass das Dasein endlich ist. Ein Übriges tun bei Dieter Hallervorden nach eigenen Angaben eine Stunde Sport am Tag und eine gesunde Ernährung, die allerdings da ein- oder andere Glas Wein nicht ausschließt. In diesem Sinne ließen wir den Abend – wenn auch mit Abständen und an Tischen – im Foyer des Schlosspark-Theaters ausklingen. Es waren spannende Einblicke und für viele war es bestimmt nicht der letzte Besuch im Schlosspark Theater.