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Leadership Talk mit Dieter Hallervorden im Schlosspark Theater

Mit unserem Leadership Talk am 5. Oktober waren wir zu Gast bei Dieter Hallervorden in dem von ihm betriebenen Schlosspark Theater. Aufhänger waren die Auswirkungen, aktuelle Strategien und Perspektiven für privatwirtschaftlich geführte Kulturbeitriebe, von denen mit dem Schlosspark Theater und dem Theater-Kabarett „Die Wühlmäuse“ gleich zwei von Dieter Hallervorden gegründet und geleitet wurden. Der Austausch beschränkte sich allerdings nicht auf den politischen und gesellschaftlichen Umgang mit Covid-19, sondern umfasste auch das künstlerische und unternehmerische Wirken von Dieter Hallervorden, der mit seinen 85 Lebensjahren auf langjährige und vielseitige Erfahrungen zurückgreifen kann. Außer Mitgliedern von Leadership Berlin ermöglichten wir zu diesem Leadership Talk auch Mitgliedern unserer Netzwerkpartner, des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) und von Mensa in Deutschland eine Teilnahme. Die Teilnehmenden saßen mit Abständen zwischen Puppen in dem 473 Plätze umfassenden Schlosspark Theaters und konnten über zwei Saal-Mikrofone ihre Fragen stellen.

Businessfotografie Inga Haar/VBKI

Zwei Leben in einem – diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man Dieter Hallervorden erlebt und kennenlernt. Während viele Menschen mit 65 bereits in den Ruhestand gehen, bevorzugt Dieter Hallervorden den „Unruhestand“, der nun schon 20 Arbeits-Jahre über das durchschnittliche Renteneintrittsalter hinaus geht. Auch das berufliche Wirken vereint komplett unterschiedliche Felder. Da ist zum einen die Rolle des Comedians – zum anderen die Wahrnehmung ernster Rollen. Da ist zum einen der Theater-Schauspieler, zum anderen der Film- und Fernsehschauspieler. Auf der einen Seite ist Dieter Hallervorden Solo-Künstler, der sich als solcher einem höchsten Bekanntheitsgrad erfreut – auf der anderen Seite ist Dieter Hallervorden Unternehmer und Geschäftsführer sowohl des Theater-Kabaretts „die Wühlmäuse“ wie auch des von ihm mit 1,7 Millionen Euro aus eigener Tasche instandgesetzten Schlosspark-Theaters. Aktuell steht der 85-jährige tagsüber für eine ZDF-Produktion vor der Kamera, um aus den daraus resultierenden Einnahmen das Schlosspark Theater mit der aktuell nur 20%igen Publikumsauslastung durch die Krise zu retten und die Arbeitsplätze der Beschäftigten zu erhalten.

Fotos: Businessfotografie Inga Haar/VBKI

„Ich habe so viele Krisen durchlebt“, so Dieter Hallervorden bei dem von Bernhard Heider moderierten Leadership-Talk, „da lasse ich mir von so einem Virus doch jetzt nicht mein Theater kaputt machen!“ Enttäuschung äußerte Hallervorden vor allem über die Politik, einerseits, was die Kommunikation mit der Kulturwirtschaft anbetrifft, andererseits hinsichtlich der Unterstützung privatwirtschaftlicher Kulturbetriebe, die angesichts der geltenden Abstandsregeln entweder gar nicht oder nur mit hohen Verlusten den Betrieb aufrecht erhalten können. Immerhin, so Hallervorden, sei Deutschland bislang mit weniger Toten und weniger Einschränkungen als viele  andere Länder durch die Krise gekommen – insofern hat die Politik aus seiner Sicht auch einiges richtig gemacht und er will sich auch nicht anmaßen, die Expertise von Virologen beurteilen zu können. Allerdings sind die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen doch gewaltig und die Lasten und staatlichen Unterstützungen mitunter sehr unterschiedlich verteilt.

Fotos: Businessfotografie Inga Haar/VBKI
Ein Aufgeben kommt für Dieter Hallervorden nicht in Frage und man nimmt ihm gerne ab, dass er noch viele Jahre unternehmerisch und künstlerisch wirken wird. Rückhalt findet er dafür insbesondere in seiner Familie, von der sein 22-jähriger Sohn Johannes Hallervorden an dem Abend auch organisatorisch mitwirkte. „Ich mache mir meine Enkel selbst“, so kommentierte verschmitzt Dieter Hallervorden den Umstand, dass er mit 63 nochmals Vater wurde.

Sofern es die Zeit zulässt – sucht und findet er auch Erholung auf der von ihm vor vielen Jahren erworbenen Insel in der Bretagne. Denn auch das wissen viele nicht von Dieter Hallervorden: er liebt französische Sprache und Kultur, studierte u.a. bei Victor Klemperer Romanistik, wirkte in der DDR u.a. als Übersetzer bevor er 1958 nur knapp vor dem Zugriff der Stasi nach West-Berlin flüchtete und übersetzt auch heute noch in seiner Freizeit französische Theater-Stücke, die er dann mitunter in Berlin zur Aufführung bringt.

Angesprochen auf die Quelle seiner enormen Energie für sein künstlerisches und unternehmerisches Wirken verweist Dieter Hallervorden vor allem darauf, wie wichtig ihm das Publikum, seine Beschäftigten und das erfolgreiche „Machen“ an sich sind. Alt ist man erst dann, wenn man vor allem zurückschaut – er hingegen schaue eher nach vorne, auch wenn er sich bewusst sei, dass das Dasein endlich ist. Ein Übriges tun bei Dieter Hallervorden nach eigenen Angaben eine Stunde Sport am Tag und eine gesunde Ernährung, die allerdings da ein- oder andere Glas Wein nicht ausschließt. In diesem Sinne ließen wir den Abend – wenn auch mit Abständen und an Tischen – im Foyer des Schlosspark-Theaters ausklingen. Es waren spannende Einblicke und für viele war es bestimmt nicht der letzte Besuch im Schlosspark Theater.