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Programmtag zu Ohnmacht und Aktivismus

Zu unserem fünften Programmtag waren wir zu Gast im Umweltforum, wo sich die 36 Teilnehmenden unseres Leadership Jahresprogramms mit Menschen und zu Themen austauschten, die einerseits kontrovers diskutiert werden, bei denen andererseits Personen aus einer benachteiligten Position heraus ein gesellschaftliches Umdenken erreichen wollen. In Anbetracht des Covid-19-Infektionsgeschehens führten wir den Programmtag „hybrid“ durch – ein Teil der Teilnehmenden war via einer Leinwand, Lautsprecher und Mikrofonen zugeschaltet.  Technisch funktionierte dies erstaunlich gut – in der Praxis bedeutete es allerdings eine deutlich verlangsamte Dynamik, da für Redebeiträge am Veranstaltungsort jeweils der Einsatz eines Mikrofons erforderlich war, damit die online zugeschalteten diese akustisch mitverfolgen konnten.

http://karuna.familyAm Vormittag befassten wir uns mit dem Thema Obdachlosigkeit. Einen intensiven Einblick boten dabei Werner und Ingo, die freimütig über ihren Lebensweg und ihre Erfahrungen in der Obdachlosigkeit berichteten. Ob über Alkohol, Drogen und andere psychische Erkrankungen, Zuzug von osteuropäischen Obdachlosen, Gewalt, Kriminalität und die unterschiedlichsten Faktoren, die zu einem Leben auf der Straße geführt haben bzw. Wege, die aus dieser Situation herausführen können – Ingo und Werner gingen offen auf Fragen unserer teilnehmenden Führungskräfte ein und zeigten auf, dass es unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema gibt. Bereichert wurde der Austausch durch Jörg Richert, Gründer von Karuna und der KARUNA Sozialgenossenschaft, zwei soziale Unternehmungen mit vielfältigen Unterstützungsangeboten für Obdachlose und Straßenkinder. Jörg Richert warb eindringlich für die Umsetzung eines berlinweiten Aktionsprogramms mit dem Ziel, dass es bis 2030 keine Obdachlosigkeit mehr in der Stadt gibt. Diskutiert wurden dabei auch die bisherigen Maßnahmen und ob die 300 Millionen Euro, die Berlin jährlich zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit ausgibt, nicht auch besser ausgegeben werden könnten. Einig waren sich Jörg Richert und die aus der Betroffenheit kommenden Ingo und Werner in jedem Fall dahingehend, dass sich möglichst viele Bereiche der Gesellschaft den Themen Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit annehmen sollten und dass dazu auch die Stimme von Betroffenen selbst, wie sie beispielsweise in der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen zum Ausdruck kommt, dabei auch Gehör finden sollte.

Das Thema, wie Aktivist*innen aus einer Situation der Ohnmacht und Benachteiligung heraus, gesellschaftlich etwas bewegen können, widmeten sich die Teilnehmenden am Nachmittag in Kleingruppen bei Gesprächen mit 5 Aktivist*innen von Fridays for Future, mit Frau Prof. Dr. Godula Kosack, Vorstandsvorsitzende von TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. und mit Tahir Tella, Vorstand und Sprecher der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland Bund e.V.. Egal ob es um den beschleunigten CO2-Ausstieg bis 2035, ein Kopftuchverbot an öffentlichen Schulen für Unter-18-Jährige oder um die Umbenennung von Straßen wie der M-Straße ging – unsere Teilnehmenden setzen sich mit den jeweiligen Argumenten auseinander und hatten Gelegenheit, sich mit den jeweiligen Anliegen und den Aktivitäten der Gesprächspartner*innen auseinanderzusetzen.

„Begegne dem anderen“ lautet das Motto von Leadership Berlin. Entsprechend gehört es (wie beim Thema Obdachlosigkeit) zu unserer Überzeugung, dass man nicht nur „mit einer Seite“ über etwas sprechen sollte, sondern auch und gerade jeweils mit Betroffenen bzw. Andersdenkenden. Entsprechend knüpfte das Gespräch mit den Aktivist*innen von Fridays for Future an eine Begegnung an einem vorherigen Programmtag mit dem Vorstandsvorsitzenden der LEAG, Dr. Helmar Rendez an, dem Gespräch mit Frau Prof. Dr. Kosack wird ein Gespräch mit Kopftuchträgerinnen zu einem späteren Programmtag folgen und dem Gespräch mit Tahir Della ging ein Gespräch an einem früheren Programmtag mit Erika Steinbach, Vorstandsvorsitzender der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung voran.

Wir freuen uns auf eine Fortsetzung unseres Leadership-Programms und spannende Gesprächen in unserer vielfältigen Gesellschaft, werden dafür allerdings zunächst einmal eine Pause einlegen, da es uns aufgrund des Covid-19-Infektionsgeschehens besser erscheint, bis zum Mai eine Pause einzulegen.

Wir danken allen Mitwirkenden an unseren bisherigen Programmtagen für ihre Mitwirkung und hoffen und wünschen für uns alle, dass die Worst-Case-Szenarien bzgl. Covid-19 und der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen in den kommenden Monaten nicht eintreffen werden. Passen Sie auf sich und auf andere auf!