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Bernhard Heider, Autor bei Leadership Berlin

Programmtag zum Thema Verantwortung

Eingetragen am 17.09.2020

17. September 2020 | By |

Verantwortung eröffnet Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten – zugleich ist Verantwortung immer auch mit Risiken verbunden, die es sorgsam abzuwägen gilt. Zum dritten Programmtag unseres Collaborative Leadership Programms befassten sich die 36 Teilnehmenden unseres Collaborative Leadership Programms mit einer Reflexion dieser und anderer Aspekte zum Thema Verantwortung.

Zu Gast waren wir zu diesem Anlass in der Turnhalle der Zuckmayer-Sekundarschule im Neuköllner Rollbergviertel, wo die Schulleiterin Kristin Stollin und der Mittelstufenleiterin Sabine Drochner einen Einblick in Ihre Verantwortungsbereiche in einer Schule im sozialen Brennpunkt gaben. Welche Möglichkeiten es außerhalb des Programms für Engagement und Unterstützung der Zuckmayer-Schule gibt, darüber sprachen u.a. unsere Alumni Carmen Vallero, die ehrenamtlich seit drei Jahren unser Projekt Vertretungsstunde an der Schule koordiniert und Sebastian Schimming, der sich (als Geschäftsführer einer Privatschulgruppe) in dem Leadership- Freundeskreis der Zuckmayer-Schule engagiert.

Verantwortung stellt sich in unterschiedlichen Kontexten mitunter sehr unterschiedlich dar. In diesem Sinne hatten die Teilnehmenden am Nachmittag die Möglichkeit, ihre Sichtweisen auf das Thema „Verantwortung“ mit unterschiedlichen Verantwortungsträger*innen zu vertiefen. Dies waren:

– Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin,
– Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes,
– Friederike Temme, Vollzugsleiterin der Justizvollzugsanstalt des Offenen Vollzuges Berlin (zuvor Vollzugsleiterin der JVA Moabit) und
– Prof. Dr. Detlef Krüger, Direktor des Instituts für Virologie der Charité a.D., dem Vorgänger von Prof. Dr. Christian Drosten.

Wir danken allen Beteiligten für einen facetten- und erkenntnisreichen Austausch und sind gespannt, was sich daraus noch alles ergeben wird.

Programmtag zum Thema Kritik

Eingetragen am 23.08.2020

23. August 2020 | By |

Umso höher man in einer Organisation aufsteigt, desto mehr hat man es mit Menschen aus anderen Kontexten zu tun, die dem eigenen Unternehmen/Behörde/Organisation und den mit ihr verbundenen Zielen und Handlungsweisen eher kritisch gegenüberstehen. Diesem Zusammenhang widmeten wir unseren Programmtag “Kritik äußern und annehmen können”, zu dem die Teilnehmenden unserer Leadership Jahresprogramms dieses Mal beim Tagesspiegel zusammenkamen. Der normalerweise für bis zu 400 Personen ausgelegte Konferenzbereich bot dabei die Möglichkeit, die geltenden Abstandsregeln einzuhalten.

Im Gespräch mit Chefredakteur Lorenz Maroldt stellten die teilnehmenden Führungskräfte die Innen- und Außenperspektive von Medien und die von und an ihnen geäußerte Kritik gegenüber. Im Austausch untereinander und in Kleingruppengesprächen vertieften die Teilnehmenden ihre Betrachtungsweisen auf das Thema. Für den Nachmittag hatten wir dazu externe Gesprächspartner*innen eingeladen, die im Zusammenhang mit einer Personalverantwortung für bis zu 8000 Beschäftigte in einem Wirtschaftsunternehmen, mit langjähriger Spitzenpositionen in Behörden mit bis zu 4000 Bediensteten, mit langjähriger parlamentarischer und außerparlamentarischer Arbeit oder mit der Initiierung eines Volksentscheides ziemlich viele und mitunter sehr unterschiedliche Erfahrungen mit “Kritik-Kultur” einbrachten.

Wir danken dem Tagesspiegel, insbesondere dem Chefredakteur Lorenz Maroldt und dem Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff für die Gastfreundschaft und allen Mitwirkenden für den spannenden und erkenntnisreichen Tag.

Rettungs- und Nutzungskonzept für Event-Locations

Eingetragen am 21.08.2020

21. August 2020 | By |

Unter dem Namen „1000plus“ bringt Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V. die Betreiber*innen von Veranstaltungsorten, an denen normalerweise Veranstaltungen für mehr als 1000 Personen pro Tag stattfinden, zu einem sektorübergreifenden Austausch zusammen.  Das erste Treffen fand am 18. Juni im City-Cube der Messe Berlin (22.000qm Nutzfläche) statt, das darauffolgende Treffen am 11. August in der Station Berlin (23.000 qm Veranstaltungsfläche).

Neben einem Erfahrungsaustausch über die jeweiligen Herausforderungen und Best-Practice-Beispiele im Zusammenhang mit der Corona-Krise entstand aus dem Austausch folgende Idee:

  • Viele öffentliche Veranstaltungen für 20 bis 100 Personen können aufgrund der Abstandsregeln in den hierfür normalerweise vorgesehenen Räumlichkeiten nicht in gewohntem Umfang stattfinden. Beispiele:
    – Bezirksverordnetenversammlungen
    – Weiterbildungs-Seminare der Verwaltungsakademie, der IHK, Volkshochschulen usw.
    – Gerichtsverhandlungen und vieles mehr
  • Zur gleichen Zeit stehen die großen Veranstaltungsorte in Berlin weitgehend leer und ungenutzt. Veranstaltungen wie Messen, Konzerte können nicht oder nicht kostendeckend unter den gegebenen Abstandsregeln stattfinden. Viele Veranstaltungsorte wissen nicht, ob sie den Jahreswechsel bzw. das kommende Jahr wirtschaftlich überstehen werden.

Eine denkbare Win-Win-Situation könnte nun sein, dass diese großen Veranstaltungsorte für Seminare, Bezirksverordnetenversammlungen, Gerichtsverhandlungen usw. genutzt werden. Den einen wird ermöglicht, dass ihre Veranstaltungen in gewohnter Personenzahl unter Einhaltung der Abstandsregeln stattfinden können, die anderen werden wirtschaftlich vor dem Ruin gerettet.

Für die Umsetzung braucht es:

  • den dafür notwendigen politischen Willen
  • einen öffentlichen Finanztopf, aus dem die nicht unerheblichen Kosten getragen werden und
  • einen zentralen Pool mit den angemieteten Räumlichkeiten, auf den dann Behörden und öffentliche Institutionen zurückgreifen können

Der Kostenaspekt ist dabei der Dreh- und Angelpunkt. Wenn man auf die einzelne Veranstaltung schaut, wäre es finanziell kaum abbildbar, wenn z.B. für eine Bezirksverordnetenversammlung mit 55 Teilnehmenden eine Halle von 1000 qm angemietet wird. Wenn man aber das Große und Ganze sieht, dann sollte der Kostenaspekt nicht das Knock-Out-Kriterium sein, da für die zahlreichen leerstehenden Hallen in der Stadt ja auch ohne Nutzung fast genauso hohe oder sogar noch höhere öffentliche Ausgaben anfallen:

Zum Einen in Form von Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld für die hier normalerweise Beschäftigen, zum Anderen in Form von öffentlichen Finanzhilfen, die ohne Gegenleistung gewährt werden müssen, wenn die Stadt nicht ihre Veranstaltungsorte und den damit zusammenhängenden Reiz für Touristen in der Nach-Corona-Ära verlieren will.

Aus diesem Grund halten wir ein zentral gesteuertes Rettungs- und Nutzungskonzept für außerordentlich sinnvoll. Öffentliche Veranstaltungen könnten wieder mit normalen Teilnehmerzahlen stattfinden und die Veranstaltungsbranche wird gerettet, wobei es dafür eine Gegenleistung gibt.

Denkbar wäre, dass Nutzungsverträge mit Veranstaltungsorte über 20 Tage pro Monat abgeschlossen werden und die entsprechenden Mietkosten, notwendige Umbaukosten (z.B. für das Einbringen von Stühlen und Tischen), Betriebs- und Betreuungskosten aus einem zentralen Topf finanziert werden, in einen Location-Pool aufgenommen werden und öffentliche Einrichtungen/Behörden dann daraus passende Orte für ihre Formate auswählen können.

Wir versuchen aktuell, diese Idee bei den hierfür in Frage kommenden Senatsverwaltungen bzw. der Senatskanzlei einzubringen.

Präsenz-Start unseres Leadership Programms

Eingetragen am 29.07.2020

29. Juli 2020 | By |

Nach Monaten der Beschränkung auf digitale Austauschformate starteten wir am 22. Juni die Präsenzphase unseres diesjährigen Leadership Programms. Unter dem Titel “Gemeinschaft gestalten” kamen die 36 Teilnehmenden unseres diesjährigen Leadership Programms an einem Ort zusammen, der sich diesem Thema in besonderer Weise widmet: der Messe Berlin.


Die 22.000 qm des CityCubes ermöglichten uns einen abwechslungsreichen Programmstart, der Austauschformate in unterschiedlicher Konstellation ermöglichte. Spannende Einblicke in das Messe-Business und die Rahmenbedingungen eines öffentlichen Unternehmens bot das Gespräch mit Dr. Christian Göke, Vorstand der Geschäftsleitung der Messe Berlin.

Nachmittags bestand für unsere Teilnehmenden sodann die Möglichkeit, die gewonnenen Eindrücke in Kleingruppengesprächen zu vertiefen. Hierzu hatten wir Betreiber*innen von Veranstaltungsorten eingeladen, an denen normalerweise über 1000 Personen am Tag zusammenkommen.

Von der Arena Treptow, Berghain, Columbiahalle, der Dar-as-Salam-Moschee, der Evangelischen Gedächtniskirche bis hin zu Tempodrom und Waldbühne hatten wir führende Vertreter*innen der unterschiedlichsten Veranstaltungsorte zu Gast, sodass in Kleingruppen intensiv über die jeweiligen Rahmenbedingungen der Zusammenkünfte vor Corona und der aktuellen Herausforderungen gesprochen werden konnte.

Es waren spannende und inspirierende Gespräche zwischen unseren Teilnehmenden und den Menschen, die Profis darin sind, “Gemeinschaft zu gestalten” und die angesichts der Covid-19-bedingten Einschränkungen von Sozialkontakten nun vor besonderen Herausforderungen stehen.

Wir hoffen, an der ein oder anderen Stelle mithelfen zu können, dass diese Orte von Großveranstaltungen, die einen nicht geringen Anteil der Anziehungskraft und der DNA Berlins ausmachen, die Zeit der Kontaktbeschränkungen wirtschaftlich überstehen werden.

Und wir danken der Messe Berlin, Herrn Dr. Göke und den anderen Gesprächspartner*innen für die erkenntnisreichen Einblicken in die jeweiligen Leadership-Kontexte und freuen uns auf den nächsten Programmtag unseres Leadership-Jahresprogramms, an dem wir zum Thema “Kritik äußern und annehmen können” im August zusammenkommen werden.

Austausch von Locationbetreibern “1.000plus”

Eingetragen am 29.04.2020

29. April 2020 | By |

Sie machen Anziehungskraft und Einzigartigkeit von Berlin aus, gleichzeitig sind sie wie kaum ein anderer Bereich von der wirtschaftlichen Seite der Corona-Krise betroffen – Betreiber*innen von Veranstaltungsorten, an denen normalerweise über 1.000 Menschen am Tag zusammenkommen. Einige müssen um ihre weitere wirtschaftliche Existenz kämpfen. Und es droht, dass Berlin so manches verloren geht, was für Touristen, Zugezogene, aber auch Ur-Berliner*innen gerade den besonderen Reiz unserer Stadt ausmacht.

Um dem entgegenzuwirken, organisierten wir am 18. Juni in der Messe Berlin einen branchen- und sektorübergreifenden Austausch, bei dem in unterschiedlichen Gruppengrößen und Formaten über die aktuellen Herausforderungen, Strategien und Best-Practice-Beispiele, Fördermöglichkeiten, Kredite, Vereinbarungen mit Vermietern, Umgang mit Zahlungsausfällen und Stornierungen, Vereinbarungen mit Gas-, Wassser- und Stromanbietern, Aufrechterhaltung von Kundenbeziehungen, sektor- und branchenübergreifender Lobbyarbeit und vieles mehr gesprochen wurde.

Betreiber*innen von Veranstaltungsorte müssen um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen


Eingeladen dazu haben wir u.a. Betreiber*innen von
– Messe- und Austellungshallen wie der Messe Berlin oder der Station Berlin,
– Konzerthallen wie der Columbiahalle oder der Arena Treptow,
– Clubs wie dem Berghain oder des Sage Club,
– religiöse Orte wie der Gedächtniskirche oder der Dar-as-Salam-Moschee,
– Open-Air-Veranstaltungsorte wie der Alten Försterei oder der Waldbühne,
– Konzert- und Opernhäuser klassischer Musik wie dem Konzerthaus Berlin oder der Deutschen Oper,
– Freizeitveranstaltungsorten wie dem FEZ oder dem Wellenwerk Berlin und
– sonstigen Event-Locations wie dem Kraftwerk oder der Urania
von denen ein großer Teil das Angebot zum Austausch gerne annahm.

Das erste Treffen am 18. Juni in der Messe Berlin beinhaltete neben dem Austausch untereinander auch Kleingruppengespräche mit den 36 Teilnehmenden unseres Leadership Jahresprogramms und einem Einblick durch Emanuel Höger, Pressesprecher der Messe Berlin, Gastgeber des ersten Treffens war, dem noch weitere ab August folgen werden.

Bei all der Unterschiedlichkeit der Rahmenbedingungen, Gesellschafterstruktur und finanziellen Lage zeigten sich doch viele Parallelen und so bot der Austausch interessante Einblicke, welche Strategien die Führungskräfte in ihren jeweiligen Bereichen verfolgten.

Das nächste Treffen wird im August in der Station Berlin stattfinden. Anmeldungen von Betreiber*innen von Veranstaltungsorten, an denen normalerweise über 1.000 Personen zusammenkommen, sind noch möglich.

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*Rahmenbedingungen:
Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis.
Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmendenzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen.

Notfallhilfe-Lebensretter*innen-Kurs für Führungskräfte

Eingetragen am 19.12.2019

19. Dezember 2019 | By |

Leadership bietet in Zusammenarbeit mit der BKK VBU und Stromnetz Berlin einen Schnellkurs für die drei essentiellen lebensrettenden Maßnahmen – prüfen, rufen, drücken – an, die jede*r kennen sollte.

Welche Relevanz es hat, über das wesentliche Wissen zu verfügen, können folgende Zahlen und Beispiel verdeutlichen:

Wissenslücke Herzdruckmassage und Einsatz von Defibrillatoren:
280.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Herzinfarkt, 140.000 sterben daran. Im Vergleich: durch Autounfälle versterben jedes Jahr “nur” 3000 – 3500 Menschen, durch Brände sind es jeweils “nur” 300 – 400 Menschen. Viele dieser 140.000 Todesfälle könnten verhindert werden, wenn Personen um Umfeld Grundkenntnisse über lebensrettende Maßnahmen wie Herzdruckmassage hätten. Während in Skandinavien beim Eintreffen von Rettungskräften in ca. 70% der Fälle Personen im Umfeld lebensrettende Maßnahmen eingeleitet haben, sind es Deutschland allerdings nur 15%.

Wissenslücke Seitenlage und Kopfstellung bei Bewußtlosigkeit:
Ein besonders drastisches Beispiel musste Frank Risy bei einem Einsatz als Rettungssanitäter erleben: Ein 9-jähriger Junge rannte beim Fußballspielen gegen eine Mauer, zog sich eine Gehirnerschütterung zu und war ohne Bewusstsein. Als Frank Risy am Einsatzort ankam, standen zehn Erwachsene um den Jungen, von denen keiner sich der Lage gesehen hatte, den Jungen in seine Seitenlage zu bringen und den Kopf nach hinten zu neigen. Für den Jungen wirkte sich dieses Unwissen tödlich aus – aufgrund der die Atemwege blockierenden Zunge war er in den 15 min bis zum Eintreffen des Rettungswagens erstickt und konnte nicht mehr wiederbelebt werden.

Gründe für die Wissenslücken:
– bei vielen liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs zu lange zurück (häufig so lange wie der Erwerb des Führerscheins)
– Erste-Hilfe-Kurs sind häufig umfangreich und beinhalten zu viele auch nicht für die Lebensrettung relevanten Facetten, als dass es die Absolvent*innen lange in Erinnerung behalten
– Erste-Hilfe-Kurse wirken auf die Teilnehmenden mitunter langweilig
– aus der Angst, etwas falsch zu machen, sehen sich in der Folge viele Erwachsene nicht in der Lage, die wichtigsten Dinge wie Seitenlage und Herzdruckmassage umzusetzen.

Die Möglichkeit, für Lebensrettung relevante Wissenslücken aufzufüllen:
Die BKK VBU möchte dazu beitragen, dass die Zahl der 140.000 Todesfälle durch Herzinfarkt verringert und vermeidbare Erstickungstode wie in obigem Beispiel verhindert werden. Aus diesem Grund sponsert die BKK VBU einen durch Frank Risy durchgeführten sehr anschaulichen und praktisch orientierten zweistündigen Notfallhilfe-Kurs, der sich auf das Wesentliche konzentriert.

Wir als “Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.” sehen als eine zentrale Führungskompetenz, “Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können” und “einen Blick für das Wesentliche zu haben”. Ganz in diesem Sinne haben wir uns entschieden, unseren Mitgliedern und anderen interessierten Führungskräften mit freundlicher Unterstützung von BKK VBU und in den Räumlichkeiten von Stromnetz Berlin mit einem Notfallhilfekurs das wesentliche Wissen über lebensrettende Maßnahmen an Führungskräfte zu vermitteln, über das eigentlich jede*r – insbesondere aber auch Führungskräfte – verfügen sollte.

Der Kurs findet am Dienstag, dem 28. Januar 2020 im Vorfeld unserer Mitgliederversammlung statt. Kosten fallen für die Teilnehmenden nicht an. Auch Nicht-Mitglieder von uns sind eingeladen – sofern noch Plätze verfügbar sind – an dem

Die Kosten übernimmt die BKK VBU, sodass für die Teilnehmenden keine Kosten anfallen.

Zeit: Dienstag, der 28. Januar 2020, 16.00 – 18.00 Uhr

Ort: Stromnetz Berlin, Wilhelm-von-Siemens-Straße 2-10, 12277 Berlin-Marienfelde

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Umfrage zum Thema Klimawandel und CO2-Ausstoß

Eingetragen am 19.12.2019

19. Dezember 2019 | By |

Angesichts der Relevanz der Themen Klimawandel und CO2-Reduktion mit all ihren Folgen haben wir als Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V. uns entschlossen, eine Befragung zu diesen Themen durchzuführen. Die Befragung fand zwischen August und November 2019 statt. Eingeladen zu einer Teilnahme an der Befragung haben wir 720 Führungskräfte aus Wirtschaft, öffentlichem und Non-Profit-Bereich aus unserem Netzwerk.

Die Vielfalt der Zusammensetzung kann man ungefähr anhand der Zusammensetzung unserer jährlichen Collaborative Leadership Programme ablesen. Von den 720 zu einer Beteiligung eingeladenen Personen haben sich trotz mehrmaliger Aufforderung lediglich 21 an der Umfrage beteiligt. Die Beteiligung war damit deutlich geringer als eine vorangegangene Umfrage zum Thema „Benachteiligung und Quoten“, woran sich 59 Personen beteiligt hatten. Man kann insofern daraus folgern, dass sich weit weniger Führungskräfte von dem Thema „Klimawandel und CO2-Reduktion“ angesprochen fühlen als vom Thema „Benachteiligung und Quoten“.

Wir haben zunächst einmal mit uns gerungen, ob wir die Ergebnisse angesichts der geringen Beteiligung überhaupt veröffentlichen sollten. Abgesehen davon, dass fraglich ist, ob die 21, denen die Themen „Klimawandel und CO2-Reduktion“ offenkundig zumindest so weit am Herzen liegen, dass sie sich an der Umfrage beteiligten, repräsentativ für die Gesamtgruppe an Führungskräften ist, bietet eine Zahl von 21 Fragebögen natürlich nur begrenzt eine Grundlage für eine quantitative Auswertung.

Da wir das Thema allerdings wichtig finden, haben wir die Zahl der befragten Personen erweitert und zwar um Mitglieder des Vereins „Mensa in Deutschland e.V.“, die sich durch eine kognitive Hochbegabung auszeichnen (IQ über 130) und mit denen wir über unser Projekt „Mensa meets Leadership“ verbunden sind. Mensa hat in Berlin ca. 1000 Mitglieder, die über den Berliner E-Mail-Verteiler von Mensa zu einer Teilnahme eingeladen wurden. Von den eingeladenen Personen haben sich 29 an der Umfrage beteiligt, von denen 31%  beruflich auch Führungsverantwortung tragen.

Die beiden befragten Gruppen kommen zusammen auf 50 Befragte.

Wir hoffen, mit der Veröffentlichung den einen oder anderen Impuls für eine der Relevanz des Themas angemessene, sachliche Diskussion  beizusteuern  – gerade auch mit den Antworten auf die offenen Fragen. Die Themen Klimawandel wie auch CO2-Reduktion sind es in jedem Fall aus unserer Sicht wert, denn die Folgen politischen Handelns – oder auch Nicht-Handelns – betreffen uns alle.

Hier einige Ergebnisse aus der Befragung:

  • Eine große Mehrheit von 76% der teilnehmenden Führungskräfte und 61% der Teilnehmenden mit kognitiver Hochbegabung sind der Meinung, dass die Politik dem Thema Klimawandel zu wenig Aufmerksamkeit widmet. Während unter den beteiligten Führungskräften lediglich 5% der Aussage zustimmten, dass dem Thema viel zu viel Aufmerksamkeit gewidmet wird, sind es unter den Befragten mit kognitiver Hochbegabung 28%.
  • Eine große Mehrheit von 81% der teilnehmenden Führungskräfte und 73% der Teilnehmenden mit kognitiver Hochbegabung gaben an, dass die Energieerzeugung aus Kohle in Deutschland bis 2030 beendet werden sollte. Lediglich 5% der teilnehmenden Führungskräfte und 17% der teilnehmenden mit kognitiver Hochbegabung plädieren für einen Ausstieg aus der Energieerzeugung aus Kohle erst nach 2038.
  • Sowohl innerhalb der Gruppe der Führungskräfte als auch unter den kognitiv Hochbegabten würden sich bei einer Volksabstimmung über 60% für eine Nettonull beim CO2-Auststoß bis 2035 aussprechen.
  • Über 60%  der befragten Führungskräfte wie auch der befragten Hochbegabten würden sich für eine Erfüllung der Forderung von Fridays for Future einer CO2-Steuer in Höhe von 180 Euro pro Tonne CO2 aussprechen.
  • Ungefähr die Hälfte der Befragten (Führungskräfte wie Hochbegabte) würden sich für ein Verbot von Inlandsflügen aussprechen, ungefähr die Hälfte der Befragten wäre dagegen.

Die kompletten Ergebnisse der Befragung stehen unter folgendem Link zum Download bereit.



Als Führungskraft sollte man sich nicht nur mit dem Wünschenswerten befassen, sondern auch mit der Frage der Umsetzung. In diesem Sinne hat Bernhard Heider einmal auf Grundlage der Primärenergiebilanzen einmal berechnet, was unterschiedliche Ausstiegsszenarien für den für die Substitution erforderlichen Ausbau Erneuerbarer und Reduktion des Energieverbrauchs bedeutet und wie lange es dauern würde, die Energieerzeugung durch Kohle bzw. alle fossilen Brennelemente in Deutschland durch Erneuerbare zu ersetzen. Hier die Ergebnisse:
http://leadership-berlin.de/dimensionen-zeithorizonte-und-ihre-implikationen-fur-co2-und-braunkohle-ausstieg/






Mitglieder-Exkursion: Diskurs zum Ende der Braunkohle-Verstromung

Eingetragen am 08.11.2019

8. November 2019 | By |

Zeit: Samstag, der 25. Januar 2019, 09.30 – 17.30 Uhr
Ort: Braunkohle-Tagebau in Welzow-Süd und Kraftwerksgelände “Schwarze Pumpe” der LEAG in Spremberg
Kosten: 30 Euro

Für die An- und Rückreise organisieren wir Fahrgemeinschaften bzw. einen Shuttle-Service zwischen dem Bahnhof Spremberg und dem Kraftwerksgelände.

Besichtigung des Braunkohle-Tagebaus in Welzow-Süd

Für die Einen ist eine schnellstmögliche Beendigung der Braunkohle-Verstromung in der Lausitz alternativlos – da Braunkohleverstromung die klimaschädlichste Energieerzeugung ist, aus der so bald wie möglich ausgestiegen werden sollte.

Für die Anderen ist die Braunkohle-Verstromung noch alternativlos – als Arbeitgeber für 11.000 Beschäftigte in strukturschwacher Region oder auch als Energiequelle, so lange nicht in entsprechendem Umfang erneuerbare Energieerzeugung aufgebaut ist.

In Anknüpfung an unseren First Monday im August 2019, bei dem Aktivist*innen von Fridays for Future mit Berliner Führungskräften aus unterschiedlichen Bereichen, wie der Klima-Allianz und German Zero einerseits und Siemens, GASAG, Stromnetz Berlin und LEAG andererseits ins Gespräch gingen, wollen wir das Thema nun weiter diskutieren und zwar als Mitglieder-Exkursion vor Ort in der Lausitz.

Auf Einladung der LEAG werden wir am Samstag, dem 25. Januar 2020 die Möglichkeit haben, zunächst den Braunkohle-Tagebau Wetzow-Süd und die Rekultivierung der ehemaligen Abbaugebiete erkunden und das Innere des Kraftwerks besichtigen. Am Nachmittag erwartet uns eine kontroverse Diskussion mit Dr. Helmar Rendez, Vorstandsvorsitzender der LEAG und Vertreter*innen der Belegschaft, Aktivist*innen von Fridays for Future und natürlich den mitfahrenden ca. zwanzig Mitglieder von Leadership Berlin.

“Höhepunkt” der Besichtigung ist die Begehung des oberen Bereichs des Kraftwerks

Ja, die Debatte ist emotional aufgeladen. Für die Einen geht es um das Welt-Klima und die Verantwortung für nachkommende Generationen im Hinblick auf die Umwelt, für die Anderen geht es um die Arbeitsplätze und die Verantwortung für günstige Energie für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Dies zeigte sich auch bei unserer Umfrage zu den Themen Klimawandel und CO2-Ausstieg, die wir zwischen August und November 2019 durchgeführt haben. Bei dem Termin am 25. Januar wollen wir – wie auch bei unserem First Monday im August und getreu unserem Motto „begegne dem anderen“ – bewusst Vertreter*innen beider Seiten zusammen und miteinander ins Gespräch bringen.

Da es sich bei dem Programmtag am 25. Januar um unsere Mitglieder-Exkursion handelt, bitten wir um Verständnis, dass wir außer den eingeladenen Vertreter*innen von Fridays for Future ausschließlich Mitgliedern und Ehrenamtlichen unseres Vereins eine Teilnahme anbieten.

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Ergebnisse der Mitgliederbefragung zum Thema Quoten

Eingetragen am 14.06.2019

14. Juni 2019 | By |

Im zweiten Quartal führten wir zwei Befragungen zu den Themen Benachteiligung und Quoten durch. Die erste Befragung fand unter den 36 Teilnehmenden des Leadership Jahresprogramms statt . Der Frauenanteil lag insofern bei 44 % und ist damit deutlich höher als der gesamtgesellschaftliche Frauenanteil unter Führungskräften (ca. 30%).

Die zweite Befragung fand unter den 722 Führungkräften statt, die mit uns in Kontakt stehen (Mitglieder, ehemalige Teilnehmende und ehemalige Gesprächspartner*innen). Der Frauenanteil in dieser Empfängerliste liegt aktuell bei 47%.

Hier geht es zu den ausführlichen Ergebnissen der beiden Befragungen.

Und hier einige der überraschenden Ergebnisse (Seite 3+4) kurz skizziert:

1. Die Wahrnehmung von Männern und Frauen im Hinblick auf die Bevorzugung des anderen Geschlechts stehen sich diametral gegenüber:
Frauen gaben durchschnittlich an, dass „männlich sein“ große Vorteile biete, Männer hingegen empfinden im Durchschnitt „weiblich sein“ als vorteilhaft in ihrem Arbeitskontext.

2. Letztendlich sind sich Männer und Frauen in der durchschnittlichen Wahrnehmung einig, dass weder das eigene, noch das andere Geschlecht ein absolutes Benachteiligungsmerkmal darstellt, wohingegen „die aktive Wahrnehmung einer Elternrolle“ oder erst recht „alleinerziehend zu sein“ eine enorme Benachteiligung für die Karriere darstellen.

3.  Die Befragten sind sich außerdem einig, dass andere Merkmale wie „afrikanische Wurzeln“ zu haben, „muslimisch zu sein“, „kleinwüchsig“ oder „intersexuell zu sein“ eine spürbare Benachteiligung mit sich bringen, wobei diese vor allem von den befragten Frauen gesehen wird und Männer Benachteiligungen deutlich niedriger einschätzen.

Folgende Fragen wurden bei uns aufgeworfen:

a) Worin liegen die Gründe, dass Männer und Frauen so unterschiedliche Wahrnehmungen haben?

b) Wurde die zum Vorschein gekommene Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung von Männern und Frauen in Gender Studies bereits einmal näher erforscht, bzw. zeigte sie sich auch in anderen Untersuchungen?

c) Wurde die in unserer Befragung adressierte Wahrnehmungs-Perspektive auf die geschätzte positive oder negative Auswirkung  von unterschiedlichen Diskriminierungsmerkmalen (Geschlecht, sexuelle Identität, Religion, usw.) durch Führungskräfte im Hinblick auf ihren jeweiligen Arbeitskontext bereits anderweitig in den Gender Studies erforscht bzw. betrachtet? Gibt es insofern entsprechende Befragungsergebnisse, die auf einer breiteren und repräsentativen Datenlage beruhen?

d) Nach den Ergebnissen unserer Befragung könnte man zu dem Ergebnis kommen, dass eine „Förderung für Berufstätige mit aktiver Elternrolle (und das sind überdurchschnittlich häufig Frauen)“ sinnvoller sein könnte als eine pauschale „Frauen-Förderung“, da aus Sicht der weiblichen wie auch der männlichen Führungskräften die aktive Elternrolle eine massive Benachteiligung bewirkt, wohingegen das „weiblich sein“ nach gemeinsamer gemittelter Einschätzung heutzutage gar keinen negativen Einfluss auf die Karriere hat. Welche Perspektiven bieten hierzu Analysen der Gender-Studies?

e) Da im Hinblick auf Benachteiligung wie festgestellt Frauen und Männer eine sehr unterschiedliche Sicht haben, stellt sich die Frage – (wie) gelingt es den Wissenschaftler*innen der Gender-Studies angesichts eines Frauenanteils von über 95% und den Gleichstellungsbeauftragten mit einem Frauenanteil von 100%, dass ihr Diskurs und Handeln neutral sind und auch die männliche Perspektive entsprechend Berücksichtigung findet?
Die Beteiligung von Männern an unserer Umfrage war übrigens deutlich geringer als die von Frauen: obgleich 53% der 722 Führungskräfte aus unserem Netzwerk Männer sind, lag der Männer-Anteil unter den Befragungsergebnissen unter 40%. Der fehlende Bezug zu dem befragten Thema könnte ein Grund dafür sein.

Wenn jemand zu den aufgeführten Fragen Analysen und Arbeiten kennt, freuen wir uns über Zusendung. Wir könnten diese dann bei unserem First Monday am 2. September einfließen lassen, zu dem wir herzlich einladen! Weitere Infos finden Sie hier.

First Monday bei der Oberstaatsanwältin für Sexualdelikte

Eingetragen am 18.03.2019

18. März 2019 | By |

Wie kann das Engagement und die Vernetzung von Akteur*innen im öffentlichen Bereich, Non-Profit-Bereich und privatwirtschaftlichen Bereich gegen Kindesmissbrauch gestärkt werden?

Diesem herausfordernden Thema widmeten wir uns bei unserem First Monday am Montag, dem 3. Dezember in den Räumlichkeiten der Staatsanwaltschaft Berlin. Für einen fachlich fundierten Austausch sorgten zu Beginn
Ines Karl, Oberstaatsanwältin für Sexualdelikte (Vergewaltigung/sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch von Kindern, Kinderpornografie, sexuelle Belästigung) und Teilnehmerin unseres Leadership-Jahresprogramms 2017
Sabine Misch, Erste Kriminalhauptkommissarin und Leiterin der Zentralstelle „Spree“ (Täterorientierte Prävention bei rückfallgefährdeten Sexualstraftätern) des Landeskriminalamtes (LKA 13)
Viola Würffel, Gerichts- und Bewährungshelferin bei den Sozialen Dienste der Justiz Berlin, ebenfalls spezialisiert auf Sexualstraftäter

Die Teilnehmergruppe bestand aus 16 Führungskräften, die zum Teil durch Tätigkeiten wie der Leitung eines Jugendamtes, der Geschäftsführung eines Vereins für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen oder auch der fachlichen Aufsicht für eine Fachschule für Erzieher*innen und zahlreiche Kitas einen engen fachlichen Bezug zum Thema Prävention vor Kindesmissbrauch haben. Insofern war es ein sehr informativer Austausch, der wohl für alle Beteiligten wertvolle Informationen und Anregungen enthielt.

Da es insbesondere in Öffentlich ein mitunter falsches Bild über das Thema Kindesmissbrauch gibt, wollen wir hier einige Infos zu dem Thema aufführen:

– Beim Thema Kindesmissbrauch handelt es sich keineswegs um ein medial gehyptes Thema, sondern eine ernst zu nehmende gesellschaftliche Problemstellung mit erschreckend hohen Fallzahlen und enormer, in der Regel lebenslanger Belastung für die Opfer. Im Jahr 2017 lag die Zahl des sexuellen Missbrauchs an Kindern bei 11.547 Fällen und die Aufklärungsquote lag bei 84,8 %. Zum Vergleich: die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffe gegenüber Erwachsenen (in der Regel Frauen) lag 2017 bei 11.282.

– Die Dunkelziffer beim Kindesmissbrauch ist sehr hoch. Expert*innen schätzen, dass es siebenmal so viele Fälle des sexuellen Missbrauchs an Kindern gibt, wie letztendlich zur Anzeige kommen

– Auch, wenn die Zahl der Straftaten erschreckend hoch ist – so ist es keinesfalls so, dass die Situation früher besser gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Trotz einer damals vermutlich noch viel höheren Dunkelziffer lag die Zahl in der Vergangenheit noch deutlich höher. 1973 waren es beispielsweise alleine in Westdeutschland noch 15.563 Straftaten (Unzucht mit Kindern) und 1995 waren es (in Gesamtdeutschland) noch 16.013 Straftaten.

– Anders als es häufig vermutet wird, geht nicht der größte Teil der Missbrauchsfälle auf Pädosexuelle zurück. Schätzungen zufolge sind etwa 40–50% der Männer, die sexuelle Übergriffe auf Kinder begangen haben, pädophil (Beier et al. 2005; s. für einen Überblick Seto 2008). Häufiger als bei nicht pädophilen Tätern handelt es sich dabei um Wiederholungstäter.

– Anders als es häufig vermutet wird, ist es auch nicht so, dass Menschen mit pädosexueller Ausrichtung in den meisten Fällen auch zu Tätern werden. Schätzungsweise 1% der männlichen Bevölkerung ist pädosexuell ausgerichtet, also in Berlin ca. 18.000 Männer. Es wird vermutet, dass etwas weniger als die Hälfte dieser Gruppe zu Tätern wird (vgl. Kuhle, Kossow & Beier 2015)

– Die einseitige Fokussierung der Bevölkerung auf das Zerrbild „pädosexuell = Täter“ verhindert die Zugangsmöglichkeit zu pädosexuellen Nicht-Tätern oder Noch-Nicht-Tätern für präventive therapeutische Maßnahmen und erhöht insofern das Risiko, dass jemand aus der Gruppe zum Täter wird.

– Anders als eine weit verbreitete Angst vermuten ließe ist es absolut die Ausnahme, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder durch Fremdtäter stattfindet, die im Gebüsch Kindern auflauern

– Sexuelle Gewalt findet am häufigsten innerhalb der engsten Familie statt  sowie im sozialen Nahraum beziehungsweise im weiteren Familien- und Bekanntenkreis, zum Beispiel durch Nachbarn oder Personen aus Einrichtungen oder Vereinen, die die Kinder und Jugendlichen gut kennen (ca. 50 %).

– Unter den 936 registrierten Opfern sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in Berlin im Jahr 2017 lag der Anteil von Mädchen bei 68,7% und der von Jungen bei 31,3%. 45,2% der Opfer standen zum Tatverdächtigen in einer engeren oder weiteren Vorbeziehung. Darin enthalten sind die 16,2% aller Opfer, die zum Tatverdächtigen in einer familiären Beziehung standen. Unter den ermittelten Tatverdächtigen waren 95,8% männlich und hatten
75,9% die deutsche Staatsangehörigkeit. 35,5% der Tatverdächtigen war im Alter unter 21 Jahren..“ (PKS Land Berlin 2017)

– Anders als bei anderen Straftaten sind die Täter in allen möglichen sozialen Schichten und mit unterschiedlichem Bildungsniveau zu finden

– Was kaum in der Öffentlichkeit bekannt ist, ist, dass Stiefkinder besonders gefährdet sind

– Was ebenfalls häufig unterschätzt wird, ist, dass viele Kinder über Missbrauchserfahrungen gegenüber ihren Eltern berichten und nicht ernst genommen werden. Eltern sollten insofern gestärkt werden, Hinweise nicht zu überhören

– Ebenfalls kaum in der Öffentlichkeit bekannt ist, dass Opfern die Aussage und Befragung in Gerichtssälen erspart werden kann. Das wissen auch manche Professionelle aus der Kinder- und Jugendhilfe nicht, von denen einige mitunter sogar von Anzeigen abraten.

Im weiteren Verlauf des Abends wurde darüber diskutiert, welche Maßnahmen aus Sicht der Teilnehmenden Sinn machen. Hier wurden unter anderem genannt:

– Es wäre wünschenswert, wenn oben aufgeführte Kenntnisse einer größeren Teil der Bevölkerung bewusst gemacht wird und generell mehr Aufklärung und Sensibilisierung zu dem Thema erfolgt

– Es wäre wünschenswert, wenn die finanziellen Mittel für die Arbeit mit Opfern und Tätern und pädosexuellen Männern, die bislang keine Täter wurden, aufgestockt würden.

– Es wäre wünschenswert, wenn die Mittel für eine zentrale Stelle zu dem Thema in der Verwaltung ausgebaut würden.

– Es wäre wünschenswert, dass – wie bei unserem Termin geschehen – Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen wie Polizei, Staatsanwaltschaft, Kitabereich, Schulen, Mentorenprogramme, Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen und Sportvereine über das Thema austauschen. Bislang gibt es kaum einen Austausch über Kinderschutz-Konzepte z.B. zwischen Mentorenprogrammen, Sportvereinen und Kita-Trägern.

– Es wäre wünschenswert, wenn die Einholung von polizeilichen Führungszeugnissen
a) für Hauptamtliche und Ehrenamtliche in Sportvereine, Mentorenprogramme und anderen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, verpflichtend vorgeschrieben wird
b)  in zeitlichen Abständen wiederholt wird, um Änderungen festzustellen – oder umgekehrt eine Benachrichtigung erfolgen kann, wenn Einträge hinzugekommen sind
c) im Zusammenhang mit der Arbeit mit Kindern generell gebührenfrei ist
d) auch für Tätige von Dienstleistungsunternehmen in Kinder- und Jugendeinrichtungen vorgeschrieben wird (z.B. Reinigungsfirmen in Schulen und Kitas)

– Es wäre wünschenswert, dass sexuelle Selbstbestimmung fest in den Schulunterricht eingebaut wird und Lehrer*innen in Aus- und Weiterbildung für die Missbrauchsthematik geschult werden

– Es wäre wünschenswert, das Wissen über Missbrauch und dass Opfer nach Anzeigen nicht vor Gericht, sondern auch per Video aussagen können, in einfacher Form zielgruppengerecht zu vermitteln, z.B. als Pictogramme auf der Website der Senatsverwaltung

Zuletzt präsentierte Chahira Kressin-Gadermann, Geschäftsführerin von Hand-in-Hand-Patenschaft e.V. als Best-Practice-Beispiel das Kinderschutzmodell, das in einigen Mitgliedern vom Netzwerk Kinderpatenschaften entwickelt und umgesetzt wird.

Das Kinderschutzkonzept beinhaltet folgende Komponenten:
a) ein psychologisches Screening,
b) ein ausführliches Gespräch, welches sich an speziell ausgearbeiteten Fragen entlanghangelt,
c) eine mehrstündige Schulung,
d) die Vorlage eines aktuellen erweiterten Führungszeugnisses,
e) eine sechswöchige Probezeit in der Patenschaft
f) jeder, der bei uns eine Patenschaft anstrebt, stimmt außerdem unserem Ehrenkodex zu,
g) und unterschreibt, dass sein Name zum Schutz der Kinder in eine vom Netzwerk Berliner Kinderpatenschaften speziell hierfür entwickelte Datenbank von Ehrenamtlichen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eingetragen wird.

Während die ersten Punkte auf allgemeinen Anklang stießen, teilten sich die Meinungen im Hinblick auf die Nutzung der Datenbank. Die Datenbank beinhaltet keine Eintragungen über Fehlverhalten sondern ausschließlich die Informationen, wann und von welcher anderen angeschlossenen Organisation für die angefragte Person bereits eine Anfrage gestellt wurde. Die Eintragung sowie die Abfrage erfolgen nur nach Zustimmung der Betreffenden und erfüllt laut Chahira Kressin-Gadermann die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung. Die Datenbank ist als Unterstützungsinstrument dafür gedacht, dass Personen, die als Ehrenamtliche z.B. Mentorenprogrammen oder als Freizeitbetreuer aktiv Zugang zu Kindern und Jugendlichen suchen und die aufgrund von Verhalten (auch unterhalb der Strafbarkeitsgrenze) in einer Organisation aufgefallen sind, nicht im Anschluss von einer Einrichtung zur nächsten wechseln, wo sie wiederum Zugang zu Kindern und Jugendlichen suchen. Durch die Transparenz, wo jemand, der sich als Ehrenamtlicher bewirbt, zuvor schon überall vorstellig und tätig wurde, könnte bei Vorstellungsgesprächen entsprechende Nachfragen gestellt werden bzw. bei den vorherigen Einsatzorten eine Referenz angefragt werden.

Die einen fanden den Einsatz einer solchen Datenbank für einen absolut sinnvollen, überfälligen Schritt, der dazu beitragen kann, Missbrauchsfälle zu vermeiden und plädierten dafür, dass möglichst viele Träger der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen über Sportvereine, Musikvereine bis hin zur Staatsanwaltschaft sich der Datenbank anschließen. Befürworter zogen den Vergleich zu Finanzabfragen bei Schufa, Creditreform u.ä., mit denen sich jede*r auch einverstanden erklären muss, wenn man z.B. einen Mobilfunkvertrag abschließt und hoben hervor, dass durch den Einsatz der Datenbank, ein Hopping von einer Einrichtung zur nächsten durch Personen, die besonders an Kindern interessiert sind und deren Grenzüberschreitungen sich möglicherweise noch steigern, verhindert werden kann.

Einige der Anwesenden hatten allerdings starke Bedenken bzgl. der Einsetzung einer solchen Datenbank. Nach ihrer Einschätzung hat die Information über frühere Eintragungen zur Folge, dass die anfragende Organisation daraufhin bei den vorherigen Einsatzorten bzgl. positiver oder negativer Erfahrungen mit der entsprechenden Person nachfragt und damit sind Tür und Tor geöffnet, dass jemand, dem zu Unrecht von einer Organisation, bei der er/sie tätig war, etwas schlechtes nachgesagt wird, zukünftig von keiner anderen Organisation mehr für die ehrenamtliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen angenommen wird. Darüber hinaus bezweifelten manche, dass eine solche Datenbank den derzeit geltenden Datenschutzvorgaben gerecht wird und dass der Aufwand in vernünftigem Verhältnis zum Nutzen steht.

Fazit und Ausblick:

Es war ein äußerst bereichernder differenzierter Blick auf die Herausforderung und Verbesserungsmöglichkeiten zum Thema Kindesmissbrauch. Ein größerer Teil der Teilnehmenden des Austauschformats zeigte Interesse und Bereitschaft, sich bei Folgetreffen weiter mit dem Thema zu befassen. Zu dem nächsten Treffen möchte Chahira Kressin-Gadermann vom Netzwerk Berliner Kinderpatenschaften bzw. Geschäftsführerin von Hand- in-Hand-Patenschaft e.V. einladen.

Besprochen werden könnte bei einem folgenden Treffen:
– Konkrete Einblicke in die vom Netzwerk Kinderpatenschaften entwickelte Datenbank, Klärung hinsichtlich Datenschutzgrundverordnungskompatibilität und ggfls. Diskussion wie die Datenbank verändert und ausgebaut werden könnte

– Wie kann öffentliche Wissen über Kindesmissbrauch gestärkt werden? Wie können z.B. Artikel in russischsprachigen Medien platziert werden? Oder wie kann das Wissen bei Lehrer*innen, Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen erhöht werden?

– Welche interdisziplinären Austauschformate zu dem Thema gibt es und wie könnten diese ggfls. gestärkt werden? Oder macht es Sinn, selbst eine interdisziplinäre Fachkonferenz zu dem Thema auf die Beine zu stellen?

– Wie kann Lobbyarbeit aussehen und wer könnte sie machen, um eine Erhöhung öffentlicher Mittel und Personalstellen für eine zentrale Anlaufstelle in der Verwaltung, für die Arbeit mit Täter*innen, für die Arbeit mit Opfern und die Qualifizierung von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen zu bewirken?

Links:
• das Kinderschutzkonzept von Hand-in-Hand-Patenschaft e.V. : http://www.handinhand-patenschaft.de/kinderschutz.html
• Netzwerk Berliner Kinderpatenschaften: https://www.kipa-berlin.de/alle-programme-auf-einen-blick-1/
• Berliner Netzwerk gegen sexuelle Gewalt: https://www.berlin.de/sen/gpg/service/berliner-netzwerk-gegen-sexuelle-gewalt/teilnehmende/