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Bernhard Heider, Autor bei Leadership Berlin - Seite 3 von 6

Programmtag: Spielräume der Macht ausschöpfen

Eingetragen am 20.06.2018

20. Juni 2018 | By |

… diesem Thema widmeten sich die 36 Teilnehmenden unseres Collaborative Leadership Programms an unserem Juni-Programmtag, mit dem wir bei Vivantes zu Gast waren. Wichtig ist uns bei dem Thema, dass wir uns nicht der repressiven Form von Macht (der anderen) widmen, sondern den eigenen Handlungsspielräumen und wie diese ausgeschöpft und erweitert werden können.

Nach einem spielerischen Einstieg mit unserem Mitglied Dr. Matthias Kribben, Vize-Weltmeister im Fernschach und Mitorganisator unseres Programmformats Mensa meets Leadership starteten wir mit einem Austausch mit Vera Gäde-Butzlaff. Auf Grundlage Ihres Erfahrungsschatzes als ehemalige Vorstandsvorsitzende der BSR, der GASAG und heutiger Aufsichtsratsvorsitzender von Vivantes gab sie intensive Einblicke in die jeweiligen Leadership-Challenges und die Unterschiede der Herausforderungen von Vorständen in öffentlichen und privatwirtschaftlichen Unternehmen und die jeweiligen Zielkonflikte, die es auszuhalten, bzw. zu entschärfen gilt.

Interessante Einblicke boten darüber hinaus die Nachmittagsgespräche bei so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Marianne Voigt, Mitgründerin von Immobilienscout und heutiger Geschäftsführerin von bettermarks, Sascha Disselkamp, Gründer und Geschäftsführer der Sage Group und Mitgründer der Clubcommission, Harald Eisenach, Vorsitzender der Regionalen Geschäftsleitung Ost der Deutschen Bank und Sabine Werth, Gründerin der bundesweiten Tafelbewegung, Vorsitzende der Berliner Tafel und geschäftsführende Gesellschafterin eines mittelständischen Unternehmens.

Besonders erkenntnisreich war natürlich auch der Austausch untereinander. In der Abschlussrunde äußerten viele, wie sehr sich inspiriert fühlen. Wir sind gespannt, ob sich dies auch in Form von konkreten Projekten oder gar Vereinsgründungen wie in der Vergangenheit niederschlägt…

Der nächste Programmtag unter dem Motto „Ohnmacht erkennen – Mut zum Handeln“ wird hierfür möglicherweise den ein- oder anderen Anknüpfungspunkt liefern!

 

First Monday bei Siemens: Stellenabbau in der Diskussion

Eingetragen am 26.01.2018

26. Januar 2018 | By |

Mit unserem First Monday im Januar bei Siemens widmeten wir uns einer aktuell kontrovers diskutierten Unternehmensentscheidung. Anfang November verkündete das Unternehmen einerseits einen Gewinn von über 6 Milliarden Euro, andererseits wurde mangels Rentabilität und Auslastung die Schließung von einzelnen Werken und die Entlassung von 5900 Beschäftigten verkündet. Diese Kombination wurde von zahlreichen Politiker*innen und Medienvertreter*innen scharf als unsozial und verantwortungslos kritisiert. Zu unserem First Monday waren wir in einem durch den geplanten Stellenabbau potentiell betroffenen Werke zu Gast im Gespräch mit Stefan Moschko, Personalleiter von Siemens Deutschland und Mitwirkender im Beirat von Leadership Berlin, Michael Friedrich, Pressesprecher bei Siemens und Jan-Marc Lischka, dem Werksleiter des Gasturbinenwerks.

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 „Ist die Entscheidung nachvollziehbar?“, dieser Frage stellten sich die 20 teilnehmenden Führungskräfte aus Non-Profit, öffentlichem und privatwirtschaftlichem Bereich von Leadership Berlin zunächst anhand eines Meinungsstrahles. Es zeigte sich dabei eine große Spannbreite, die von geringer Zustimmung bis hin zu völligem Verständnis reichte, wobei zum allgemeinen Erstaunen die Mehrheit zu letzterem tendierte. So gab es zwar Stimmen, die sich eine unternehmerische Verantwortung dahingehend wünschten, nicht mehr benötigte Werke mit anderen Produktionsabläufen zu retten und damit den geplanten Stellenabbau gerade in Regionen wie Görlitz zu vermeiden. Die Mehrheit konnte jedoch die Planung, sich von unrentablen Werken zu trennen, nachvollziehen, besonders hinsichtlich eines sich schnell wandelnden Marktes.

 Interessant für alle Beteiligten war die Diskussion umfassender Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt, die mit den genannten 3 Ds – Digitalisierung, Dekarbonisierung und demografischen Wandel – einhergehen. Hier wurden auch Ähnlichkeiten zu anderen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie beispielsweise dem Braunkohleausstieg in Brandenburg deutlich. Weitere spannende Aspekte folgten auf die anschließende Frage, ob der Aufschrei ebenso stark gewesen wäre, wenn es sich um einen Stellenabbau eines Finanzdienstleiters gehandelt hätte.

 Kontroverser diskutiert wurde im Verlauf des Abends die Kommunikation, wie sie im Hinblick auf den geplanten Stellenabbau ablief und aufgenommen wurde. Hier wurde einerseits die – teilweise durch ein Leak durcheinander gebrachten – zeitlichen Abläufe diskutiert wie auch die Art und Weise der Krisenkommunikation. Daraus ergaben sich Fragen, in die sich jeder auf unterschiedliche Weise hineindenken konnte, wie z.B.: „Hätte verhindert werden können, dass vorab Gerüchte und Teilüberlegungen über die geplanten Veränderungen an die Öffentlichkeit gelangen?“ oder „Hätte es Sinn gemacht, wenn Manager in Talkshow-Formaten wie z.B. „Hart aber Fair“ entgegen der öffentlichen Meinung versucht hätten, ihre Standpunkte darzulegen?“

In einer abschließenden Werksführung konnten die Besucher die historischen Produktionsstätten besichtigen und einige faszinierende Infos über das Produkt und die Herstellungsprozesse mitnehmen: So z.B., dass das Gewicht einer Gasturbine mitunter das einer voll besetzten A 380 übersteigt. Oder, dass die einzelnen Radscheiben der Gasturbinen, von Herrn Lischka auch als „Schwermechanik mit Uhrwerkspräzision“ beschrieben, beim Auswuchten bis auf 50 Mü, was dem Zehntel einer Haarbreite entspricht, angepasst werden. Am Ende dieses Prozesses lässt sich die Turbine, mit deren Leistung sich später eine Stadt in der Größe von Hamburg mit Strom versorgen lässt, mit einem Arm bewegen.

 Wir danken Stefan Moschko, Michael Friedrich und Jan-Marc Lischka für die spannenden Einblicke und die Teilnehmenden konnten in der Auseinandersetzung mit der gegebenen Situation intensive Eindrücke und praxisnahe Erfahrungen für Ihre Bereiche mitnehmen. Und wir drücken Siemens die Daumen, dass das Unternehmen die nächsten Jahre weiter so erfolgreich ist und noch viel mehr Menschen in florierenden Unternehmenssparten einstellen kann als man in unrentablen Unternehmenssparten abbauen muss.

 

First Monday im Dezember: Was bedeutet Integration?

Eingetragen am 09.12.2017

9. Dezember 2017 | By |

„Was bedeutet Integration?“ Mit dieser so einfachen wie komplexen Frage an die Gesprächspartner*innen auf dem Podium startete unser First Monday Abend zum Thema „Chancen und Herausforderungen der Zuwanderung – Probleme und Lösungen der Integration“ im Gemeinschaftshaus Morus 14 e.V.. Gastgeber Gilles Duhem, der mit seinem Verein viele Kinder und Jugendliche im Neuköllner Rollbergviertel betreut, schlug darauf prompt die folgenden drei Punkte als „Integrationsanleitung“ vor: Erstens sorge dafür, dass all deine Dokumente ordentlich kopiert in einem Ordner bereitliegen, zweitens erscheine pünktlich zu jedem Termin und drittens lass keinen Müll in deiner Umgebung liegen – dann, so der Franzose Duhem, sei man im „weltoffenen“ Deutschland zu 75% integriert.

Dieser streitbare Beitrag verfehlte nicht die gewünschte Wirkung. Die Diskussion startete mit Schwung und brachte letztendlich das, was diesen Abend besonders spannend machte: einen steten Wechsel zwischen Schilderungen von konkreten Erfahrungen aus nächster Nähe und der Diskussion von übergeordneten, gesamtgesellschaftlichen Fragen. Aus dem direkten Umfeld des „segregierten“ Rollbergviertels berichteten der Gastgeber selbst, die Mittelstufenkoordinatorin sowie Jobcoachin der Zuckmayer Sekundarschule Sabine Drochner und Sigrid Salifu sowie Taha Sabri, der Imam der Dar-as-Salam-Moschee/Neuköllner Begegnungsstätte. Einen statistischen Input zum Thema Zuwanderung brachte darüber hinaus Peter Conrad, u.a. Vorstand im Begegnungschor, dem Verein Perspektiventag und bei Leadership Berlin.

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Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt wurde zunächst als ein wichtiges Thema der Integrationsarbeit diskutiert. Dabei spiele die Familie eine entscheidende Rolle, die den Ausbildungsantritt verhindern könne, wenn die berufliche Perspektive beispielsweise nicht prestigeträchtig genug sei oder auch einfach ein Heimaturlaub dazwischen käme, so eine Schilderung. Als wichtige Faktoren für eine gelungene Integration wurden insbesondere Sprache und Bildung genannt – Aspekte, die angesichts des Umstandes, dass 36 Prozent der 2015 angekommenen Geflüchteten keinen Schulabschluss haben, vor allem große Anstrengungen und Geduld abverlangten.

Neben den Expert*innen aus der beruflichen Praxis brachten einige Diskussionsteilnehmer, die selbst eine Zuwanderungs- oder Fluchtgeschichte haben, ihre Perspektiven mit ein. So fragte ein Arzt, der vor über 10 Jahren aus Palästina nach Deutschland kam und inzwischen seine eigene Praxis leitet, wann er denn eigentlich endlich als integriert gelte. Andere, die erst innerhalb der letzten drei Jahre nach Deutschland gekommen sind, brachten das Problem auf, dass qualifizierte Geflüchtete teilweise jahrelang in Warteschleifen festgehalten würden, bevor sie endlich arbeiten dürften.

Auf der allgemeineren Ebene wurde dann erörtert, inwieweit bereits der Begriff „Integration“ eigentlich diskriminierend sei – impliziere er ja, dass etwas eingefügt oder angepasst werden müsse und widerspreche damit dem Diversity-Gedanken einer vielfältigen Gesellschaft.

Neben Integration diskutierte die Gruppe auch das Phänomen der Segregation, die sich in Berlin beispielsweise daran ablesen lässt, dass es einerseits über 70 öffentliche Schulen gibt, die einen Schüleranteil nicht-deutscher Herkunftssprache von über 75 Prozent haben (bei der Zuckmayer-Schule sind es sogar 97%) und andererseits viele Schulen ohne Schüler*innen mit Migrationshintergrund. Dazu gab es sowohl die Meinung, dass segregierte Wohngegenden hinderlich für Integration seien, da die Bewohner*innen ohne deutsche Sprache auskommen und sich in solchen Gegenden – wie im Beispiel Rollbergviertel – ein hoher Arbeitslosenanteil und Bildungsferne verdichten können. Andererseits vertraten einige Diskussionsteilnehmende auch die Auffassung, dass die Konzentration türkisch- und arabischstämmiger Bevölkerung in einigen Stadtbezirken unter Wahrung kultureller Elemente aus den Herkunftsländern genauso als Selbstverständnis und Bereicherung in Deutschland akzeptiert werden sollte wie dies auch in den USA bei Minderheiten (Stichwort “Chinatown”)  der Fall ist.

„Wie viel Zuwanderung braucht Deutschland?“ lautete eine andere Frage, die kontrovers diskutiert wurde. Mit 400.000 Menschen pro Jahr beziffere das Statistische Bundesamt den Bedarf an Zuwanderung, damit das Rentensystem in Zukunft weiter funktionsfähig bleibe, war das Argument eines Gesprächsteilnehmers. Andere verwiesen auf die aktuellen Probleme bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt und meldeten Zweifel an, ob eine größere Anzahl für den Arbeitsmarkt verkraftbar sei. Als weiterer Punkt wurde diskutiert, inwieweit es egoistisch sei, wenn die westlichen Industrieländer “Rosinenpickerei”  betreiben und ausschließlich Zuwanderung von Hochqualifizierten zulassen.

Die Frage „Was ist Integration?“ wurde an diesem Abend zwar nicht abschließend geklärt, aber sie wurde in jedem Fall von verschiedensten Seiten beleuchtet und drängende Herausforderungen identifiziert. Wir danken allen Teilnehmenden und insbesondere den Expert*innen für die vielfältigen erhellenden Beiträge und hoffen, dass sich für viele im Gespräch neue Blickwinkel auf das Themenfeld Integration aufgetan haben.

Abschlussabend unserer Leadership-Programme

Eingetragen am 18.10.2017

18. Oktober 2017 | By |

Am 9. Oktober fand unsere diesjährige Abschlussveranstaltung bei unserem Mitglied, dem Evangelischen Diakonieverein Zehlendorf, statt. Anlass zu feiern gab es gleich doppelt: Nicht nur die Teilnehmenden unseres Collaborative Leadership Jahresprogramm beendeten an diesem Tag ihre Learning Journey durch die Stadtgesellschaft. Auch die Berliner Führungskräfte und geflüchteten Menschen mit Führungspotential, die im Kurzprogramm „Leadership in Dialogue“ zusammengekommen waren, teilten ihre Eindrücke und Impact Stories mit den Gästen.

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Etwa 120 Führungskräfte und Freund*innen von Leadership Berlin erlebten einen facettenreichen Abend. Neben den Einblicken ins Programm gab es Integration live zu Hören und Sehen: Der Begegnungschor, der aus unserem Jahresprogramm 2015 hervorgegangen ist und in dem Berliner*innen gemeinsam mit Geflüchteten singen, gab einige deutsche und arabische Lieder aus seinem Repertoire zum Besten und lud dabei die Gäste ein, miteinzustimmen.

Daran knüpfte Petra Merkel, Präsidentin des Internationalen Bundes und des Chorverbandes Berlin sowie Mitgründerin des Begegnungschors, in einem Impulsvortrag an. Ausgehend von der Atmosphäre im Jahr 2015, als Rekordzahlen von Geflüchteten in Berlin ankamen, beschrieb sie, wie inzwischen Integration von verschiedensten Akteuren gestaltet wurde und wie sich Integration im Beispiel des Begegnungschors manifestiert.

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Die Teilnehmenden von Leadership in Dialogue gaben ihre ganz persönlichen Statements, was für sie Integration bedeutet und was sie aus dem Programm mitgenommen haben. Ganz konkret sind zwei interkulturelle Projekte entstanden: Nawid Arafat und Yahya Mirzayev präsentierten das Projekt „Besuchsdienst im Altenpflegewohnheim“. Einmal monatlich treffen sich Geflüchtete im Pflegewohnheim „Am Plänterwald“ und besuchen die Bewohner*innen. Die einen freuen sich über die Gesellschaft und die anderen können dabei etwas über das Leben in Deutschland lernen und ihr Deutsch üben.

Francis Adams und Sabine Schreiber stellten das Projekt „Interkulturelle Konfliktlotsen“ vor, an dem außerdem noch Roland Hägler, ehemaliger Schulleiter einer Sekundarschule in Neukölln, und Hasan Molki, Dozent an der Beuth-Hochschule, beteiligt sind. In interkulturell aufgestellten Tandems soll bei Konflikten vermittelt werden, wenn Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen aufeinandertreffen. Dabei sollen die kulturelle Expertise und das Engagement für ein gutes Zusammenleben dazu beitragen, dass Vorurteile abgebaut werden.

Die Teilnehmenden des Collaborative Leadership Programms gaben Einblick in die acht Programmtage und Gespräche mit unterschiedlichsten Gesprächspartner*innen. Als beeindruckende Persönlichkeit in Sachen Leadership wurde dabei beispielsweise Schulleiterin Frau Fischler von der Hermann-von-Helmholtz-Schule genannt. Das große Engagement und die Begeisterung, mit der Frau Fischler sich dafür einsetzt, ihren Schüler*innen eine gute Grundlage für ein Berufsleben zu geben, steckten an: Einige Teilnehmende des Programms engagieren sich inzwischen ehrenamtlich im Förderverein der Schule und konnten damit dessen Auflösung verhindern.

Ein weiteres Social Impact ergab sich für die Non-Profit-Organisation SOLWODI. Der Verein arbeitet mit Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind, und hilft ihnen dabei, sich ein neues Leben aufzubauen. Die Teilnehmenden zeigten sich vom Schicksal der Frauen ebenso berührt wie von der herzenswarmen Betreuung durch die Mitarbeiterinnen von SOLWODI. So wurde ein Zimmer zur kurzfristigen Unterbringung von akut gefährdeten Frauen organisiert und die Verteilung von Informationsmaterial in den Ausländerbehörden veranlasst.

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Neben diesen Beispielen berichteten die Teilnehmenden auch von persönlichen Entwicklungen. Das eine oder andere Engagement befindet sich noch im Gärungsprozess und nimmt vielleicht in den nächsten Wochen Gestalt an. Wir sind begeistert, wie viele Veränderungen auch in diesem Jahr durch das Programm angestoßen wurden und freuen uns schon auf den Start des nächsten Programms im März 2018. Allen Teilnehmenden wünschen wir, dass Ihnen der Leadership-Spirit auch über das Programm hinaus erhalten bleibt und allen, die diesen Spirit kennenlernen wollen, legen wir unser Anmeldeformular fürs nächste Jahr ans Herz.

Wir danken allen Gesprächspartner*innen und Gastgeber*innen, die zum Erfolg des Programms beigetragen haben. Für Leadership in Dialogue bedanken wir uns bei den Sponsoren und Förderern, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin, der Stiftung Pfefferwerk und der GASAG, ohne die das Programm nicht hätte durchgeführt werden können.

 

 

 

First Monday zum Umgang mit Tod und Trauer in Unternehmen

Eingetragen am 20.02.2017

20. Februar 2017 | By |

Mehr als 140.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr im erwerbsfähigen Alter. Wie gehen Personalverantwortliche damit um, wenn auf einmal jemand aus dem Kollegenkreis verstirbt? Ein kurzes Innehalten und dann ein Weitermachen im business as usual? Es ist offenkundig, dass der Tod einer nahestehenden Person die Arbeitsfähigkeit von Menschen sehr einschränken kann. Aber ist das die Privatsache der Beschäftigten? Oder wie könnten und sollten sich Arbeitgeber – auch im Eigeninteresse – dem in gewisser Weise tabuisierten Thema Tod und Trauer annehmen?

Dieser Fragestellung widmeten sich die teilnehmenden Führungskräfte unseres First Mondays im Februar, mit dem wir bei Angelika Behm und Jörg Busenbender im Diakonie-Hospiz Wannsee zu Besuch waren. Der Tod und der Umgang mit diesem schwierigen Thema stehen in dem Hospiz auf der Tagesordnung. Alleine an dem Tag unserer Begegnung verstarben 3 der 14 Bewohner*innen der sozialen Einrichtung.

Voller Hochachtung ob der psychischen Belastung ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin des Hospizes lauschten unsere Teilnehmenden zunächst einmal bei einem Rundgang den Worten von Angelika Behm, die 2015 an unserem Collaborative Leadership Programm teilgenommen hat und uns insofern in besonderer Weise verbunden ist. Und welche unerwarteten Früchte unser Netzwerk mitunter erblühen lässt, zeigte sich u.a. beim Rundgang anhand der an den Wänden hängenden Bilder. Die Künstlerin ist Ina Carrasco, Führungskraft im Bezirksamt Pankow und ebenfalls eine Teilnehmerin unseres Leadership-Programms 2015.

Im zweiten Teil des Abends widmeten sich die teilnehmenden Führungskräfte der Fragestellung der Hospizleitung, wie es ihr gelingen kann, Ihr Know-How im Umgang mit Tod und Trauer Arbeitgebern zugänglich zu machen. Hierbei zeigte sich, wie sehr möglicherweise die Begriffe „Tod“ und „Trauer“ schon alleine aufgrund ihrer negativen Konnotation auf Ablehnung stoßen. Aber sollte das Hospiz deshalb Schulungen und Coaching mit Begriffen wie zum Umgang mit „psychische Belastungen“ umschreiben? Oder sollte man die Dinge beim Namen nennen? Bei dieser Fragestellung angefangen entsponn sich eine lebhafte Diskussion, die in anderen Zusammenhängen fortgesetzt werden sollte.

Vielen Dank an Angelika Behm und Jörg Busenbender vom Diakonie-Hospiz für den spannenden und emotionalen Einblick in Eure Arbeit. Wir wünschen Euch viel Kraft dafür, dass Ihr noch viele letzte Wünsche Eurer Gäste erfüllen könnt und dass Ihr das Motto der Hospiz-Pionierin Cicely Saunders weiterhin so überzeugend mit Leben füllt: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

Interessierte an der Arbeit des Diakonie-Hospizes Wannsee und solche, die sich mit dem Gedenken tragen, es finanziell oder mit ehrenamtlichem Engagement zu unterstützen, wenden sich bitte an:

Diakonie-Hospiz Wannsee
Angelika Behm
a.behm@diakonie-hospiz-wannsee.de
Tel.: 030-8050 5702
http://www.diakonie-hospiz-wannsee.de

Diversity in Leadership – jedem Ende wohnt ein Anfang inne…

Eingetragen am 12.10.2016

12. Oktober 2016 | By |

Mit unserer Abschlussveranstaltung im Goldberger Saal des VBKI endete am 10. Oktober unser diesjähriges Leadership-Jahresprogramm. Die Absolvent*innen zogen Resümee über die gemeinsam absolvierte „Learning Journey“ mit Begegnungen mit den unterschiedlichsten Akteuren der Stadtgesellschaft. Den Abschluss bildete ein Austausch mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller, der sich inmitten der Koalitionsverhandlungen die Zeit für ein Hintergrundgespräch mit unseren 36 Teilnehmenden nahm.

Als ein konkretes Ergebnis unseres diesjährigen Leadership-Jahresprogramms gründete sich am Nachmittag außerdem der Verein „Führungskräfte mit Behinderung“, dessen Zusammenkommen wir mit Janis McDavid und Gerd Kirchhoff wir initiierten und begleiteten. Der Verein soll zukünftig eine Austauschplattform für Führungskräfte mit Behinderung sein und dem häufig in erster Linie „defizitären Blick“ auf Behinderung wirksam etwas entgegensetzen. Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg wünschen wir den Gründungs-Vorstandsmitgliedern Dr. Peter Sdorra, Sascha Lang, Christian Habl und Detlef Kahl und den sieben weiteren Gründungsmitgliedern des Vereins.

Interessierte erreichen den neu gegründeten Verein unter den Kontaktdaten von Dr. Peter Sdorra, Richter am Kammergericht, Hauptvertrauensperson der schwerbehinderten Richterinnen und Richter des Landes Berlin und Vorstandsvorsitzender von “Führungskräfte mit Behinderung”.

Führungskräfte mit Behinderung e.V. i.Gr.
c/o Dr. Peter Sdorra
Kammergericht Berlin
Elsholtzstr. 30-33
10781 Berlin

Tel.:     0175- 2490012
Mail:    petersdorra@t-online.de

Wir danken dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) und der IHK Berlin für ihre Gastfreundschaft und Frau Petra Gothe, Vizepräsidentin des VBKI für die schönen Begrüßungsworte!

Expedition Polen – Leadership Learning Journey ins unbekannte Nachbarland

Eingetragen am 05.10.2016

5. Oktober 2016 | By |

Als Nachbarn, mit dem man Tür an Tür lebt, den man aber doch kaum kennt, könnte man Polen und mehr noch die westliche Region um die Stadt Poznan aus Sicht vieler Berliner*innen bezeichnen.

Um dies zu ändern, unternahmen wir mit 13 Berliner Führungskräften am 23./24. September eine zweitägige Leadership-Exkursion nach Poznan. Die polnische Regionalhauptstadt hat 580.000 Einwohner (mit dem Umland ca. eine Millionen), wird von Polen als die Geburtsstadt der polnischen Nation betrachtet und liegt auf halber Strecke zwischen Berlin und Warschau.

IMG_2297Neben Einblicken in die polnische Küche, einer Stadtbesichtigung durch unseren aus Frankfurt/Oder kommenden Reiseleiter Dieter Krawczynski und von so einigen begeistert zum Shopping genutzten Freizeit, erlebten die Teilnehmenden von Leadership Berlin und Leadership Brandenburg vielschichtige Einblicke in die drei gesellschaftlichen Sektoren in Posen:

Der öffentliche Bereich:
Bei einem Besuch im Rathaus tauschten wir uns mit dem Regierenden Bürgermeister Jacek Jaskowiak und dem Leiter der Investitionsbehörde Marcin Przylebski aus, die beide zeitweise in Deutschland lebten und beide gut Deutsch sprechen. Für Erstaunen sorgte insbesondere, dass in Poznan mit einer Arbeitslosenquote von nur 2% nahezu Vollbeschäftigung herrscht und die Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen als das geringste Problem erscheint. Was ebenfalls für uns überraschend war, wie wenig Bereiche nach dem Ende des Sozialismus in der Daseinsvorsorge in den privatwirtschaftlichen und Non-Profit-Bereich übertragen wurden. So wurden weder Energieversorgung noch Wasser oder Entsorgungswirtschaft in privatwirtschaftliche Hand gegeben, noch wurden Seniorenheime und Kitas an gemeinnützige Organisationen übertragen.

Einen interessanten Unterschied wollen wir an dieser Stelle kurz skizzieren: Jacek Jaskowiak berichtete über die Problematik, dass viele Menschen ins Umland ziehen und die Straßen dem zunehmenden Autoverkehr insbesondere zu den Stoßzeiten nicht mehr gewachsen sind. Daher ist sein Anliegen insbesondere der Ausbau von Fahrradwegen und öffentlichen Verkehrsmitteln. Als wir ihm berichteten, dass in Berlin zivilgesellschaftliche Organisationen die Politik und Verwaltung in Bezug auf einen Ausbau des Fahrradinfrastruktur „vor sich hertreiben“ und „ärgern“, meinte er, dass es bei ihm genau umgekehrt sei: die Politik und Verwaltung arbeitet an einem massiven Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur und es ist die Gesellschaft, die nicht so leicht davon zu überzeugen ist – ein Eindruck, den wir nach Gesprächen mit Taxifahrern und einem Abendessen mit den deutschsprachigen Kunden der Business-Sprachschule „Be Better Club“ bestätigen können…

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Der privatwirtschaftliche Bereich:
Wir besuchten den deutschen Unternehmer Gerold Voss, der mit einem Tischlereiunternehmen vor 16 Jahren in Poznan begann, in den letzten Jahren ein Gesundheitszentrum aufbaute und derzeit die Errichtung eines Seniorenheimes plant. Die Einblicke in das polnische Gesundheitssystem und die Planungssicherheit für Unternehmen war für alle Teilnehmenden etwas ernüchternd. Gerold Voss versucht nichtsdestotrotz eine Lücke zu finden und zu füllen, indem er in dem geplanten Seniorenheim Zimmer verkauft und die Pflege dann verhältnismäßig günstig hinzugekauft werden kann. Dies ist insofern für viele eine Option, da die Eigentumsquote in Polen eine der höchsten weltweit ist, weil nach der Wende das Eigentumsrecht für Mietwohnungen an die Bewohner übertragen wurde und alte Menschen insofern heute zwar kaum eine Rente, wohl aber häufig eine Eigentumswohnung haben, die sie verkaufen bzw. gegen ein Zimmer im Seniorenwohnheim tauschen können. Auch beim Personal will Gerold Voss neue Wege zu gehen, indem er polnischen Pflegekräfte als Alternative zu einem schlecht bezahlten Job in Polen und einem nicht ganz so schlecht bezahlten außerhalb der Heimat eine Mischform anbieten möchte. Die Pflegekräfte könnten ihren festen Arbeitsplatz in Poznan haben, allerdings pro Jahr auf drei Monate befristet in einer deutschen Partnereinrichtung eingesetzt werden.

Interessant aus deutscher Sicht war im Übrigen der Umstand, dass polnische Pflegekräfte zu einem größeren Teil ins westliche Ausland abgeworben wurden und die Polen ihrerseits mittlerweile massiv Pflegekräfte aus der Ukraine abwerben. Oder auch der Umstand dass, während man sich in Deutschland darüber aufregt, dass amerikanische Unternehmen wie Starbucks und Amazon in Deutschland zwar hohe Umsätze erzielen, aber nahezu keine Steuern zahlen, in Polen der gleiche Unmut über deutsche Unternehmen herrscht. Die aktuelle PiS-Regierung diskutiert eine umsatzabhängige Supermarktsteuer, die insbesondere auf Aldi und Lidl abzielt.

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Der Non-Profit-Bereich:
Der Non-Profit-Bereich in Polen ist weit weniger etabliert und professionalisiert als in Deutschland. Während in den ca. 700 Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin über 50.000 Hauptamtliche beschäftigt sind, arbeiten in den 200 Mitgliedsorganisationen des Dachverbandes der Nichtregierungsorganisationen WRK laut deren Vorsitzender Justyna Ochedzan nur um die 100 Hauptamtliche. Im Austausch mit Justyna Ochedzan und anschließenden Gesprächen wurde deutlich, wie wichtig zivilgesellschaftliche Organisationen und deren unabhängige Finanzierung für eine Demokratie sind. Gerade im Hinblick auf Non-Profit-Organisationen wurde deutlich, dass die in Deutschland von diesem Sektor übernommenen Aufgaben in Polen entweder in den Familien geleistet werden (z.B. Betreuung von Kindern und Senioren), sie direkt vom Staat geleistet werden, es sie schlicht nicht gibt oder eben nur zu einem ganz kleinen Teil von der Katholischen Kirche oder von Non-Profit-Organisationen übernommen werden.

Außerdem wurde deutlich, wie wichtig die EU und ihre Programme gerade für die Entwicklung einer organisierten Zivilgesellschaft– insbesondere für politische NGOs – sind und welch positiven Einfluss Partnerschaften zwischen deutschen und polnischen NGOs haben. Die sprachlichen Hürden sind zwar mitunter gegeben, allerdings ist das Bildungsniveau der äußerst wettbewerbsorientierten Schulen sehr hoch, sodass man zumindest auf gute Englischkenntnisse setzen kann.

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Auf persönlicher Ebene…
lernten wir polnische Unternehmer*innen, Rechtsanwält*innen, Angestellte im öffentlichen Dienst und Leiter*innen von gemeinnützigen Organisationen bei einem gemütlichen Abendessen kennen und konnten sie zu allen Themen, die uns interessierten, ausfragen. Dieser ganz persönliche Kontakt war ein besonderer Gewinn und hat uns die Menschen im Nachbarland noch einmal auf intensive Weise nahe gebracht.

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Das Thema Politik …
fehlte natürlich auch nicht bei den zahlreichen Gesprächen mit unseren polnischen Gesprächspartner*innen. Die rechtskonservative PiS-Regierung tauscht derzeit auf Basis entsprechender Gesetzesänderungen in massivem Umfang Richter*innen, führende Verwaltungsangestellte, Direktor*innen in den öffentlich-rechtlichen Medien und Führungskräfte in öffentlichen Unternehmen aus. Wir hörten so einiges darüber, wie einschüchternd sich dies auf die freie Meinungsäußerung auswirkt, zu der sich manche Gesprächspartner*innen auch nur hinter vorgehaltener Hand trauten. Ihren Wahlerfolg verdankte die PiS-Partei übrigens insbesondere zwei Wahlversprechen:

– zum einen einem Kindergeld in einer Höhe, die das Durchschnittseinkommen bei drei Kindern um ca. 50% erhöht
– zum anderen, dass alte Menschen ab 75 Jahren kostenlos Medikamente erhalten (die bis jetzt alle Menschen selbst finanzieren mussten, so sie es denn konnten)

Ob sich dies auf Dauer finanzieren lasse, sahen einige skeptisch. Andererseits hat Polen seit Jahren ein stabiles, weit über dem deutschen Level liegendes Wirtschaftswachstum. Und während Deutschland mit einer Staatsverschuldung von 71% im Verhältnis zum BIP die Maastricht-Kriterien von maximal 60% für einen Beitritt in die Euro-Zone heute nicht schaffen würde, liegt Polen mit einer Staatsverschuldung mit 50,3% im Verhältnis zum BIP noch deutlich darunter.

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Fazit:
Wie auch die weitere politische und wirtschaftliche Entwicklung in Polen aussehen mag – wir sehen in der aktuellen politischen Situation nicht einen Grund weniger, sondern einen Grund mehr für einen Austausch zwischen Führungskräften aus Berlin/Brandenburg und Poznan/Wielkopolska.

Momentan sieht es danach aus, dass wir eine solche 2-Tages-Leadership-Exkursion im September 2017 wiederholen werden. Wir möchten aber auch unabhängig von unseren Aktivitäten dazu ermutigen, Poznan zu besuchen und in einen Austausch mit polnischen Führungskräften zu gehen. Es lohnt sich und die Auseinandersetzung mit „dem anderen“ birgt auch immer viele Erkenntnisse für die eigenen Herausforderungen.

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Interessierten an einer unabhängigen 2-Tages-Tour nach Poznan (z.B. als Team-Building-Maßnahme oder als Vorstands-Exkursion) können wir übrigens gerne unseren Reiseleiter und Stadtführer Dieter Krawczynski empfehlen. Wir danken darüber hinaus ganz besonders Barbara Barlog, Geschäftsführerin der Business Sprachschule „be better club“ für die Organisation des Abendessens mit polnischen Führungskräften und Angelika Menze, der Geschäftsführerin des Deutsch-Polnischen Wirtschaftskreises in Poznań für die Unterstützung bei der Gewinnung von Gesprächspartnern.

 

Islam meets LGBTI in der Dar-as-Salam-Moschee

Eingetragen am 22.07.2016

22. Juli 2016 | By |

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Unsere meet2respect-Dialogreihe, die schwule, lesbische und andere Menschen mit LGBTI- Identität mit Muslimen zu Gesprächen in Moscheen zusammenbringt, wurde am vergangenen Dienstag in der Dar-as-Salam-Moschee in Neukölln fortgesetzt.

Bei dem meet2respect-Termin am Dienstag, dem 19. Juli 2016 hatte eine Gruppe von etwa zehn schwulen Führungskräften Gelegenheit, sich das Moscheegebäude näher anzusehen, etwas über seine Geschichte (eine ehemalige Freikirche) zu erfahren und grundlegende Fragen zum Islam zu stellen. Aeisha, die sich im Verein vor allem um Öffentlichkeitsarbeit kümmert, stellte die Gemeinde und deren langjährige Arbeit im interreligiösen Dialog, der sozialen Unterstützung (u.a. für Obdachlose und Geflüchtete) sowie dem Bildungs- und Integrationsbereich (Sprachkurse, Diskussionsabende, politische Bildung) vor. Auch nach den Ereignissen von Köln seien einige Gemeindemitglieder spontan aktiv geworden, erzählte Aesha. Sie verteilten Rosen an Frauen vor dem Neuköllner Rathaus – und ernteten Dankbarkeit.

Als Moderatorin für den Austausch wirkte Winfriede Schreiber, die ehemalige Leiterin des Verfassungsschutzes Brandenburg und heutige Vorstandsvorsitzende von Leadership Brandenburg, der es gelang, eine offene und entspannte Diskussionsatmosphäre herzustellen. Zu Beginn waren die Teilnehmer*innen aufgefordert, sich jeweils zu den Aussagen „Ich glaube, dass die meisten Muslime Homosexuelle in ihrer sexuellen Identität respektieren“ und „Ich glaube, dass der Großteil der Mehrheitsgesellschaft Muslime in ihrer religiösen Identität respektiert“ zu positionieren. Bei beiden Aussagen gab es eine große Bandbreite an Meinungen. Imam Sabri und Dr. Mousa vertraten beide die Meinung, dass es viele Muslime gebe, die Homosexuelle nicht in ihrer religiösen Identität respektierten und betonten, dass hier noch viel Aufklärungsarbeit nötig sei. Auf der anderen Seite gab es auch niemanden in der Gruppe, der glaubte, dass die Mehrheitsgesellschaft Muslime voll und ganz akzeptiere und respektiere.

Die Einstiegsübung machte deutlich, dass es Menschen, die sich als lesbisch, schwul, bi, trans- oder intersexuell identifizieren, und Muslimen gleichermaßen um gesellschaftliche Akzeptanz geht. Dieser Wunsch nach Akzeptanz und Gleichstellung wurde im Austausch dann auch von verschiedenen Seiten betont. Imam Sabri erklärte auch seine (nicht: die) islamische Sicht auf Homosexualität, in der zwar der gleichgeschlechtliche Sexualakt als Sünde definiert wird, aber gleichzeitig mit der eindringlichen Ermahnung einhergeht, dass kein Mensch das Recht habe, über andere zu urteilen. Er erzählte auch von Homosexuellen, die in der Dar-as-Salam-Moschee beteten und sich ihm anvertraut hätten. Diesen habe er gesagt: „Natürlich bist du Muslim, natürlich hört Gott deine Gebete“. Seine Position gibt ganz gut die Grundsatzerklärung islamischer Verbände zu Homosexualität  aus dem Jahr 2008 wieder, an deren Ausarbeitung die NBS mitwirkte. Zweimal habe er das Thema auch in der Freitagspredigt aufgegriffen und Respekt gegenüber der abweichenden Lebensweise eingefordert. Zur Freitagspredigt, die übrigens immer auf Deutsch gehalten oder übersetzt werde, lud er dann auch gleich alle Anwesenden ein.

Auf den vor einigen Monaten von uns vorgebrachten Vorschlag, eine Gruppe schwuler und lesbischer Menschen in der Moschee zu empfangen, hatte die Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) sehr offen und positiv reagiert. Kein Wunder, die NBS wurde uns vor zwei Jahren von der AGIM der Berliner Polizei (Arbeitsgebiete Integration und Migration) empfohlen, NBS-Imam Sabri wurde 2015 mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet und unser erster Besuch fand zusammen mit jüdischen Vertretern anlässlich einer Stolpersteinverlegung statt. Nach zehn Jahren Gemeindearbeit zieht der Vorstandsvorsitzende Imam Sabri heute eine positive Bilanz und betont, dass ein enormer Wandel und eine Öffnung stattgefunden hätten, die gerade bei den Jüngeren deutlich spürbar seien. Dass heute freitags 1.500 Betende zum Gebet kämen statt wie zu Beginn seiner Amtszeit nur dreißig, bestätigt ihn in seiner Arbeit.

Nach einiger Planungszeit und dem Ende des Fastenmonats Ramadan kam der Termin nun zu einem Zeitpunkt zustande, zu dem die Moscheegemeinde und ihr Vorstand mit Medienberichten konfrontiert sind, die sie in einen extremistischen Zusammenhang stellen. Die Moschee wird als „radikal“ bezeichnet und Bezirksbürgermeisterin Dr. Giffey Naivität dafür unterstellt, die Moschee besucht zu haben. Die diesbezügliche Berichterstattung hielten wir für tendenziös und ungerecht gegenüber einer Moscheegemeinde, die sich gegen Extremismus engagiert und in der auch Besuche und Auftritte von jüdischen Vertretern stattfanden. Dies hat unser Geschäftsführer Bernhard Heider auch schriftlich in einem offenen Brief zum Ausdruck gebracht.

Wir danken der Dar-as-Salam-Moschee und ihren Vertretern für die Gastfreundschaft und wünschen ihnen viel Erfolg, dass sie bei ihrem Engagement für Respekt gegenüber anderen auch umgekehrt Respekt erfährt.

Podcast Stadtgestalten: Margarete Koppers, Vizepräsidentin der Berliner Polizei

Eingetragen am 09.06.2016

9. Juni 2016 | By |

Bei der nächsten Fahrt kriegen Sie etwas was auf die Ohren!

… z.B. die nächste Ausgabe unseres Leadership-Berlin-Podcasts STADTGESTALTEN. Gesprächspartnerin dieses mal ist Margarete Koppers, Vizepräsidentin der Polizei Berlin . David Scribane stellt spannende Fragen zur Hierarchie, zur Kritikkultur, der Diversität innerhalb der Behörde, ob und wie über Straftaten von Minderheiten berichtet wird und vieles mehr…
Reinhören lohnt sich: http://stadtgestalten-podcast.de/sg006/

MargareteKoppers

First Monday: Menschen mit Behinderung neu und anders wahrnehmen

Eingetragen am 08.05.2016

8. Mai 2016 | By |

Führungskraft sein und eine Behinderung haben – geht das? Selbstverständlich! Allerdings bestehen derzeit in der Gesellschaft ziemlich viele Hürden. Der Fragestellung, wie man diese Hürden abbauen kann, widmete sich der Austausch zu unserem First Monday im Mai, zu dem Janis McDavid und andere Menschen mit Behinderung in den Räumen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes einluden.

Wussten Sie beispielsweise, dass Ausgaben für Umbaumaßnahmen und persönliche Assistenz zwar vom Staat übernommen werden, um Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen, sie diese allerdings selbst zahlen müssen, wenn ihr Vermögen 2.600 € überschreitet? Mehr als 2.600 € zu sparen geht nicht und auch das eigene Einkommen wird zu großen Teilen zur Finanzierung herangezogen und sogar auch das der Ehe- oder Lebenspartner*innen. Der gedachte Nachteilsausgleich wird ins Gegenteil verkehrt und Menschen mit Behinderung werden politisch in die Altersarmut gezwungen. Dies stellt nicht unbedingt eine Motivationsförderung für jemanden dar, der beispielsweise seine Beine nicht bewegen kann, im Kopf dafür allerdings umso beweglicher ist.

A propos Kopf: viele Hürden bestehen derzeit noch in den Köpfen. Wie es vor einigen Jahrzehnten noch kaum vorstellbar war, dass Frauen Führungspositionen anstreben und innehaben, so haben heute viele Menschen dieselbe verzerrte Vorstellung von Menschen mit sichtbarer Behinderung. Menschen mit Behinderung werden häufig in erster Linie mit Defiziten assoziiert und die teilweise kompensatorisch besonders ausgeprägten Stärken werden nicht wahrgenommen.

Wie man vor allem an diesen beiden Punkten etwas ändern und die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung verändern kann – dazu diskutierten Janis McDavid, Ulrike Pohl , Gerlinde Bendzuck , Ingo Kaleschke und weitere Führungskräfte mit Behinderung mit den Teilnehmenden unseres First Mondays.

Alle Teilnehmenden waren sich am Ende darin einig, dass es sinnvoll ist, einen Verein zu gründen, um mit Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit genau diese Ziele zu erreichen, und dass dieser Verein auch als Netzwerk für Erfahrungsaustausch und Ansprechpartner sowohl gegenüber Arbeitgebern als auch für Menschen mit Behinderung, die eine Führungsverantwortung anstreben, wertvolle Arbeit leisten kann.

Die genauere Definition der Ziele und Zielgruppen wird eine der nächsten Aufgaben sein. Bei der Vielzahl von bestehenden Vereinen und Organisationen im Bereich der Menschen mit Behinderungen fehlt bisher eine Interessensvertretung von Führungskräften, die nicht nur ein selbstbestimmtes Leben führen wollen, sondern beweisen, dass sie berufliche Verantwortung auch für andere übernehmen können.

Es war ein spannender Austausch, der sicherlich bald eine Fortsetzung finden wird. Interessierte können sich gerne bei Janis McDavid melden unter public@janis-mcdavid.de