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Das Leben draußen Archive - Seite 2 von 2 - Leadership Berlin

Außerhalb des Gerichtssaals: Richter und Inhaftierte sprechen über Macht

Eingetragen am 03.05.2016

3. Mai 2016 | By |

Die Frage eines Inhaftierten an unseren Gast offenbarte an diesem Tag ganz deutlich, wie kontrovers die Sicht auf die Justiz manchmal sein kann: „Macht es Ihnen eigentlich Spaß, Leute ins Gefängnis zu bringen?“

Gleichzeitig zeigt die Frage, wie wichtig der offene Austausch zwischen den Welten drinnen und draußen ist. Diesem Austausch widmet sich das Leadership-Projekt “Das Leben Draußen” mit Gesprächsrunden von Führungskräften und Inhaftierten.

Werner_GrässleWerne Gräßle ist Präsident des Amtsgerichts Berlin-Lichtenberg und war am 25. April unser Gesprächsgast in der JVA Moabit. In seiner Rolle als Richter, die er seit 1993 in der Berliner Justiz ausübt, setzt er sich täglich mit Machtfragen, Machtkonstellationen und Machtstrategien auseinander. Denn egal ob Angeklagte, Verteidigung, Klagende oder Richtende – alle Seiten versuchen im Rahmen Ihrer Rolle und der damit verbundenen Gestaltungsmacht Einfluss auf den Verlauf eines Prozesses zu nehmen. „Welche Verantwortung habe ich mit Macht?“ und „Was kann ich Positives mit meiner Macht erreichen? waren deshalb die Kernfragen des Gesprächs.

Die Inhaftierten geizten in der Diskussion nicht mit Vorurteilen gegenüber einem Richter und der Rechtsstaatlichkeit Deutschlands im Allgemeinen. Herr Gräßle ließ sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen und beantwortete die zahlreichen Fragen souverän und gelassen. Im weiteren Verlauf boten uns einige Inhaftierte dann auch einen Einblick in die Motive und Erfahrungen Ihrer (mutmaßlichen) Taten – und siehe da: Macht spielte immer eine Rolle. Sei es die Macht durch schnelles Geld oder auch die Macht durch den gewonnenen Einfluss auf Menschen und Prozesse. Die Auseinandersetzung mit den Reizen von Macht und der damit verbundenen Verantwortung erlaubte Werner Gräßle und Crispin Hartmann wieder zum eigentlichen Thema zurückzukehren. Während einzelne Inhaftierte sich im weiteren Verlauf des Gespräches in die Perspektive der „hellen Seite der Macht“ versetzten, zementierten andere Insassen der JVA Moabit offen ihr Bekenntnis zur “dunklen Seite“ derselben.

Neues von unserem Projekt “Das Leben draußen”: Diskussion mit Inhaftierten der JVA Moabit über Ausgrenzung

Eingetragen am 19.04.2016

19. April 2016 | By |

„Richter, Polizisten, Vorstandsvorsitzende – alle hatten wir schon da. Aber dass die Inhaftierten nach 90 Minuten unserem Gast applaudieren, das hatte vor Patricia Carl noch niemand geschafft. Die Vorstandsvorsitzende im Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien (BKMF) e.V. hatte von der ersten Minute an die Teilnehmer der Gesprächsrunde in der JVA Moabit auf ihrer Seite, denn dem gewinnenden Lächeln und dem sympathischen Selbstbewusstsein der 1,22 m großen Frau kann sich niemand entziehen.
 

Patricia Carl, Vorstandsvorsitzende im Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien (BKMF) © Anna Spindelndreier für BKMF e.V.

Wir hatten Frau Carl gebeten, zum Thema „Ausgrenzung“ ihre eigenen ganz persönlichen Erfahrungen aus dem Alltag und der Verbandsarbeit wiederzugeben – und das tat sie dann auch. Angefangen von ihrem allerersten Schultag, der gleichzeitig auch ihre erste bewusste schmerzliche Wahrnehmung der eigenen Situation darstellte, bis hin zu den täglichen, meist gedankenlosen Äußerungen und Handlungen der Mitmenschen gegenüber Kleinwüchsigen.
 
 
In der anschließenden Diskussion drehten sich die Gesprächsthemen insbesondere um die Fragestellungen: Wie funktioniert Ausgrenzung und wer bestimmt darüber? Wann ist man kein Durchschnitt mehr? Wie entsteht Ausgrenzung in den Köpfen der Menschen? Der persönliche Umgang mit Ängsten, die Bereitschaft zur Toleranz und eine gesunde Neugier wurden dabei u.a. als kritische Erfolgsfaktoren identifiziert. Erkenntnisse aus einem Gespräch, an welches sich die Inhaftierten bei ihrer Rückkehr in ihren Alltag noch öfters erinnern werden …”