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First Monday Archive - Seite 6 von 6 - Leadership Berlin

First Monday im September: Botschaft für Kinder

Eingetragen am 22.08.1918

22. August 1918 | By |

Zu Besuch bei der „Botschaft für Kinder“: wie kann – auch im Interesse der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft – Lobbyarbeit für benachteiligte Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft noch besser gelingen?
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Armut ist in den letzten Jahrzehnten gestiegen. In Mitte und Neukölln leben 50% der Unter-18-jährigen mit Hartz IV, auf ganz Berlin bezogen sind es knapp über 30%. Viele Kinder kommen darüber hinaus aus bildungsfernen Haushalten und erhalten eher wenig Förderung und Motivation für einem erfolgreichen Bildungsabschluss und Einstieg in das Berufsleben. Und gleichzeitig hat die soziale Durchmischung an Schulen in den letzten Jahren massiv abgenommen und die staatlichen Maßnahmen zum Nachteilsausgleich nicht entsprechend zugenommen. Es gibt mittlerweile zahlreiche Schulen, bei denen über 80% der Schüler*innen aus Hartz-IV-Haushalten kommen und die Schüler*innen kaum Personen aus ihrem persönlichen Umfeld kennen, die ihren Lebensunterhalt mit Arbeit bestreiten.

Die von den SOS-Kinderdorf-Organisation unweit des Hauptbahnhofs betriebene „Botschaft für Kinder“ versteht sich als Lobby-Organisation für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Zu unserem First Monday wird Kirsten Spiewack, Geschäftsführerin des SOS-Kinderdorfs Berlin-Moabit und der Botschaft für Kinder zunächst einen Einblick in die „Botschaft“ und den in ihr ansässigen Hotel- und Gastronomiebetrieb geben, um dann anschließend mit unseren Mitgliedern und Freund*innen über Ideen, Anregungen, Hindernisse und Möglichkeiten für Lobbyarbeit für benachteiligte Kinder und Jugendliche zu diskutieren:

– wie kann ein gesellschaftliches Bewusstsein geweckt werden, dass eine erfolgreiche Integration von benachteiligten Kindern und Jugendlichen in den Arbeitsmarkt nicht nur ein Thema individueller Verantwortung der jeweiligen Familien oder der öffentlichen Schulen ist, sondern ein gesamtgesellschaftliches Verantwortungsthema?

– wie können Medien dafür gewonnen werden, über das Thema Kinderarmut und wie Benachteiligung ausgeglichen werden kann, stärker zu berichten?

– wie kann die Politik dafür gewonnen werden, dass statt Einsparungen angesichts der Zunahme von Kindern und Jugendlichen in Armut die Unterstützungsangebote eher ausgeweitet werden?

– wie können Bildungsbürger dafür gewonnen werden, als Bildungspaten oder Perspektivgeber ansprechbar für Kinder und Jugendliche aus bildungsfernem Elternhaus zu sein?

– wie kann der Segregation an Berliner Schulen nach Geldbeutel der Eltern und Migrationshintergrund entgegen gewirkt werden?

– welche konkreten Verbesserungen für Kinder und Jugendliche könnten und sollten angegangen werden?

– welche Form der Netzwerke gibt es derzeit und welche sind denkbar?

– wie können darüber hinaus die Interessen von benachteiligten Kindern und Jugendlichen öffentlich wahrgenommen werden?

Zeit: Montag, 03. September 2018, 18:30 – 21:00 Uhr
Ort: Botschaft für Kinder (
Lehrterstraße 66, 10557 Berlin)

Teilnahmebedingungen
Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen, nur eine komplette Teilnahme möglich ist und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen dieses Mitgliedsformulars tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei, eine Anmeldung ist bis zum 30. August 2018 hier möglich. Sie erhalten spätestens am 30. August eine Rückmeldung, ob wir Ihre Anmeldung berücksichtigen konnten.

First Monday im Januar: SIEMENS-Stellenabbau in der Diskussion

Eingetragen am 12.12.1917

12. Dezember 1917 | By |

First Monday zur Kommunikation über den Stellenabbau bei Siemens und der Verantwortung von Führungskräften in Wirtschaft und Politik

Zeit:                                  Montag, der 8. Januar, 17.30 – 20.30 Uhr
Ort:                                   Gasturbinenwerk Huttenstraße
Treffpunkt:                      Empfang in der Huttenstr. 12, 10553 Berlin-Moabit

Gesprächspartner:
Stefan Moschko, Leiter Human Resources Deutschland (118.000 Beschäftigte an 125 Standorten) und
Dr. Jan-Marc Lischka, Sprecher der Betriebsleitung im Gasturbinenwerk

 

Ablauf:                              17.30 – 18.30 Uhr           Werksführung
18.30 – 20.30 Uhr           Diskussion

Fragestellungen:            Welchen Stellenwert haben unternehmerische Freiheit und soziale Verantwortung in unserer sozialen Marktwirtschaft? Sind die Vorwürfe von Politiker*innen in Richtung Siemens gerechtfertigt oder offenbaren sie ein mangelndes Verständnis unternehmerisch sinnvoller Entscheidungen? Auf welcher Seite ist ein höheres Maß an Verantwortung sinnvoll und erwartbar?

Hintergrund: Siemens erfuhr in den letzten Wochen viel Kritik aus der Politik und von Gewerkschaften. Hintergrund ist der vom Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser verkündete Abbau von mehr als 3000 Stellen in Deutschland in der Kraftwerks- und Antriebssparte während gleichzeitig ein Konzerngewinn von 6,2 Milliarden erzielt wurde. Wie ist die Sichtweise von Stefan Moschko auf die Unternehmensentscheidung und die öffentliche Rezeption? Welche Art der öffentlichen Aufnahme und Diskussion von unternehmerischem Handeln wünscht er sich in der Gesellschaft und worin besteht aus seiner Sicht die Verantwortung von Politiker*innen? Wie ist hierzu die Sichtweise Berliner Führungskräfte aus Wirtschaft, öffentlichem und Non-Profit-Bereich?   

Politik und Medien reagierten empört. Der Stellenbau wurde von zahlreichen Politikern scharf kritisiert und dem Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser mitunter „Verantwortungslosigkeit“ vorgeworfen. – Martin Schulz (SPD) sprach von „verantwortungslosen Managern“ und bezeichnete die Entscheidung als „asozial“,

– Ramona Pop (Die Grünen) bezeichnete den Stellenabbau für kein gutes Zeichen für die soziale Marktwirtschaft und beteiligte sich an einer IG-Metall-Protestveranstaltung,

– Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht bezeichnete es als “unglaubliche Provokation” und “dreist”, dass Siemens erheblich von öffentlichen Aufträgen profitiere, gesellschaftliche Interessen aber nicht berücksichtige. Sie forderte, dass Massenentlassungen und Werksschließungen in profitablen Unternehmen gesetzlich verboten werden müssten.

– Björn Simon MdB (CDU) kritisierte die Art, wie das Management mit den Beschäftigen kommunizierte und bezeichnete dieses „einer Firma wie Siemens nicht würdig“,

– Jürgen Lenders (FDP) sprach im Hinblick auf die Siemens-Führung von „Nieten in Nadelstreifen“ und

– Björn Höcke und andere Angehörige der AfD beteiligten sich medienwirksam an einem von der IG Metall organisierten Schweigemarsch durch Erfurt (freilich gegen deren Willen)

„In einer aktuellen Stunde des Bundestages, die die SPD beantragt hatte, warfen Politiker aller Fraktionen (mit Ausnahme der AfD) Siemens angesichts eines Milliardengewinns Verantwortungslosigkeit vor“, so berichtete der Tagesspiegel am 21.11.2017.

Aus Sicht von Siemens stellt sich diese Entscheidung ganz anders dar und Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser trat den Vorwürfen u.a. in einem offenen Brief an Martin Schulz entgegen. Umgekehrt moniert er Verantwortungslosigkeit bei Politikern. – Den 1,5 Milliarden öffentlichen Subventionen und Aufträgen in den letzten 20 Jahren in Deutschland stellt Siemens mehr als 20 Milliarden gezahlte Steuern alleine in den letzten 3 Jahren entgegen.

– Den etwas mehr als 3.000 abgebauten Stellen stellt Siemens entgegen, dass es aktuell 3.200 offene Stellen gibt, der Konzern alleine im vergangenen Geschäftsjahr 5200 Menschen in Deutschland eingestellt hat und die Zahl der Mitarbeiter*innen damit um 2000 leicht gewachsen ist. Darüber hinaus sind Zuwächse in ähnlicher Größenordnung in den nächsten Jahren zu erwarten.

– Den Stellen-Abbau im Bereich der Kraftwerks- und Antriebssparte bringt Siemens in Zusammenhang mit einer chaotischen Energiepolitik der Bundesregierung in den letzten Jahren, den fehlenden Aufträgen in den betroffenen Werken (keine einzige große Gasturbine wurde dieses Jahr in Deutschland bestellt) und der unternehmerischen Freiheit, als Konzern in unprofitablen Bereichen abzubauen, um in zukunftsträchtigen investieren zu können.

Das Treffen findet wie immer unter den Rahmenbedingungen der Chatham-House-Vertraulichkeitsregel statt und alle Beteiligten geben mit ihrer Teilnahme eine Fotoerlaubnis. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Teilnehmerzahl zugunsten des Austauschformates begrenzen, nur eine komplette Teilnahme (inkl. Führung) möglich ist und unsere Mitglieder Vorrang bei der Belegung der Plätze haben. Wer noch kein Mitglied ist und dies ändern möchte, kann dies mit dem Ausfüllen dieses Mitgliedsformulars tun. Die Teilnahme am First Monday ist kostenfrei und Anmeldungen nimmt Justine Schmitz unter justine.schmitz@leadership-berlin.de entgegen.

 

Zum Gesprächspartner: Stefan Moschko arbeitet seit 1980 für die Siemens AG. Er war unter anderem Personalleiter an verschiedenen Standorten in Deutschland (Karlsruhe, Berlin, Nürnberg, Speyer, Essen, Leipzig, Görlitz, Erfurt und Mühlheim) und verantwortet seit 2010 als Leiter Human Resources Deutschland die operative Personalarbeit in Deutschland. Damit ist er zuständig für rund 118.000 Siemens-Beschäftigte an 125 Standorten. Stefan Moschko ist Verhandlungsführer bei Tarifverhandlungen mit der IG Metall für das Tarifgebiet Berlin-Brandenburg mit etwa 100.000 Beschäftigten, alternierender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg, ehrenamtlicher Richter beim Bundesarbeitsgericht und Mitwirkender im Beirat von Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.. Stefan Moschko ist seit 1976 Mitglied der CDU und gehört seit 2012 der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) an.

 

Presseberichte zu dem Thema:
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Siemens-will-fast-7000-Jobs-streichen-und-Werke-schliessen-3891954.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/siemens-martin-schulz-nennt-vorgehen-asozial-a-1179934.html
https://www.op-online.de/offenbach/offenbach-politiker-gewerkschafter-kritisieren-siemens-deutlichen-worten-9412450.html
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/aktuelle-stunde-im-bundestag-politiker-klagen-siemens-vorstand-an/20614198.html
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/stellenabbau-bei-siemens-kaesers-brief-an-martin-schulz-im-wortlaut/20622306.html
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Joe-Kaeser-ist-nicht-asozial-article20150186.html

Wir danken Herrn Moschko und Herrn Dr. Lischka für die Einladung und freuen uns auf einen sicherlich spannenden Austausch!