Wie führt man dort, wo Entscheidungen tief in die Rechte anderer Menschen eingreifen und Sicherheit wie Resozialisierung gewährleistet werden sollen?
Am 5. Oktober 2026 besuchten Mitglieder von Leadership Berlin und Mitglieder der Hochbegabtenvereinigung Mensa, gefördert durch die Mensa-Stiftung, die JVA Tegel. Unser Alumnus und Mitglied Albrecht Zierep, Vollzugsleiter der JVA Tegel, ermöglichte tiefe Einblicke in den Strafvollzug und seine Führungsherausforderungen. In verschiedenen Teilanstalten sprachen wir mit Bediensteten des Vollzugsdienstes und der psychologischen Betreuung. In Kleingruppen tauschten wir uns anschließend mit Inhaftiertenvertretern und einem Redakteur der Gefangenenzeitschrift „der lichtblick“ aus – ohne Aufsicht durch Bedienstete.
In der großen Abschlussrunde mit Albrecht Zierep, Teilanstaltsleiterin Frau Lind und Elias Kuley vom Sozialdienst ging es um die besonderen Rahmenbedingungen: erhebliche Eingriffe in Persönlichkeitsrechte, enge Vorgaben des öffentlichen Dienstes und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen. Sicherheit und Resozialisierung können dabei auch in einen Zielkonflikt geraten. Besonders beeindruckten die Offenheit und Reflektiertheit der Gespräche sowie der bewusste Umgang mit Macht, Einschränkungen und Sanktionen. Führung verlangt hier, unterschiedliche Ziele und Interessen sorgfältig abzuwägen. Respekt und Wertschätzung sind eine Grundlage verantwortungsvoller Autorität.
Bernhard Heider, Geschäftsführer von Leadership Berlin:
„Eine gute Führungskraft muss nach meinem Dafürhalten einen Spagat meistern: Einerseits braucht sie Empathie, feine Antennen und die Fähigkeit, Menschen mitzunehmen. Andererseits muss sie auch unbeliebte Entscheidungen treffen, Regeln vertreten, Ziele konsequent verfolgen und mit Belastungen umgehen können. Unsere Learning Journey durch die Stadtgesellschaft führt uns an viele Orte und ins Gespräch mit Führungskräften aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Der Strafvollzug beeindruckt mich dabei jedes Mal besonders, weil er diese ganze Spannbreite in besonderem Maße verlangt. Um es bildhaft auszudrücken: Auf der Klaviatur der Führung bespielen Führungskräfte im Strafvollzug noch ein, zwei Oktaven mehr.“
Herzlichen Dank an Albrecht Zierep, sein Team, die Inhaftiertenvertretung und den Redakteur von „der lichtblick“ für ihre Zeit und Offenheit!
Führungskräfte, die in unserem Projekt „Das Leben draußen“ einem Gesprächskreis mit circa zehn Inhaftierten Einblicke in ihren beruflichen Kontext geben möchten, sind herzlich eingeladen, sich dazu bei Elias Kuley von der JVA Tegel zu melden: elias.kuhley@jvatgl.berlin.de













