Mit unserem Leadership Talk im April waren wir zu Gast beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), wo Intendantin Ulrike Demmer den Fragen der Teilnehmenden Rede und Antwort stand und einen differenzierten Einblick in die Führungsherausforderungen ihres Kontextes gab. Sie trägt dabei nicht nur extern Verantwortung für die von allen Beitragszahlenden in Berlin und Brandenburg finanzierten Programmangebote, sondern auch intern für rund 3.000 Beschäftigte.

Im Gespräch standen zentrale Spannungsfelder im Fokus: der Umgang mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen gesellschaftlicher Gruppen, die transparente Sicherung von Qualität und Objektivität der Berichterstattung, die Umsetzung von Sparmaßnahmen und strukturellen Veränderungen sowie die Frage, wie unterschiedliche Zielgruppen – beispielsweise jüngere Menschen – erreicht werden können.

Zum Einstieg schilderte Ulrike Demmer anschaulich, wie anspruchsvoll es ist, notwendige Konsolidierungsprozesse möglichst konfliktarm zu gestalten, ohne dabei die Funktionsfähigkeit und Qualität des Senders zu beeinträchtigen. Deutlich wurde auch, wie herausfordernd es ist, divergierenden Erwartungen an Programmformate und politische Ausrichtung gerecht zu werden und sich zugleich in einem Umfeld zu bewegen, das von anhaltender öffentlicher Kritik geprägt ist. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage thematisiert, wie Vertrauen nachhaltig gestärkt werden konnte und kann.

Die Teilnehmendengruppe war heterogen und zugleich anspruchsvoll: 42 Führungspersönlichkeiten, jeweils zur Hälfte aus dem Netzwerk von Leadership Berlin sowie aus der Hochbegabtenvereinigung Mensa (IQ > 130). Ein strukturierender Ausgangspunkt des Gesprächs war eine vorab durchgeführte digitale Umfrage. Im Zentrum standen Einschätzungen zum Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie zur Priorisierung zentraler Zielgrößen wie inhaltliche Qualität, Vertrauen, Digitalisierung, Kostenreduktion und Reichweite. Ein konsistentes Ergebnis: Sowohl die Teilnehmenden als auch die Intendantin priorisierten die Qualität der Inhalte klar an erster Stelle.

In der Diskussion konnten die Teilnehmenden ihre Fragen einbringen; moderiert wurde dies durch unsere beiden Girls-Day-Hospitantinnen Marla und Rosa. Inhaltlich reichten die Beiträge von der Frage nach dem Wiederaufbau von Vertrauen über die Erreichbarkeit unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen – etwa jüngere Zielgruppen, Menschen im ländlichen Raum oder Nichtakademiker*innen – bis hin zu strategischen Fragen der Digitalisierung. Ebenfalls thematisiert wurde der Umgang mit wachsenden Bevölkerungsanteilen, die sich in Umfragen Parteien wie der Alternative für Deutschland (AfD) zuwenden und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk grundsätzlich infrage stellen.

Deutlich wurde dabei, dass die Herausforderung, Reichweite und gesellschaftliche Anschlussfähigkeit zu sichern, nicht nur den rbb betrifft, sondern öffentlich-rechtliche Medien insgesamt – auch im internationalen Vergleich. Digitalisierung, veränderte Mediennutzung, das Erstarken rechter und rechtsextremer Strömungen sowie zunehmend fragmentierte Öffentlichkeiten wurden wiederholt als zentrale Einflussfaktoren benannt.

Der Abend zeichnete sich durch eine hohe inhaltliche Dichte, eine offene Gesprächsatmosphäre und eine ausgeprägte Bereitschaft zur differenzierten Auseinandersetzung aus. Für die Teilnehmenden bot sich damit nicht nur ein Einblick in die spezifischen Führungsrealitäten einer Intendantin, sondern auch ein Anlass zur Reflexion über Vertrauen, Öffentlichkeit und Verantwortung in komplexen institutionellen Kontexten.

Ulrike Demmer vermittelte einen authentischen Eindruck ihrer Perspektiven und trug dazu bei, das Verständnis für die Rahmenbedingungen ihrer Tätigkeit zu vertiefen. Gleichzeitig wurde der Anspruch ihres Führungskontextes deutlich: die Verantwortung für eine große Organisation mit mehreren tausend Mitarbeitenden sowie für ein breites Publikum mit sehr unterschiedlichen Erwartungen und Sichtweisen.

Den Abschluss bildete eine Führung durch die Gebäude des rbb, bei der auch Radio- und Fernsehstudios besichtigt wurden. Dazu zählte auch das Studio der Sendung „Nuhr im Ersten“. Im Kontrast zu Formaten wie dem im ZDF produzierten Magazin Royal von Jan Böhmermann ein anschauliches Beispiel, wie unterschiedlich politisch-satirische Unterhaltungsformate im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausgestaltet sein können. Wer über das eine lachen kann, wird über das andere kaum lachen können –  sondern sich eher darüber aufregen. Und so lange in einer vielfältigen Gesellschaft jede*r etwas zum Lachen und zum Aufregen hat, ist der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vielleicht ganz gut erfüllt.

Leadership Berlin

„begegne dem anderen“ – nach diesem Motto bringt der gemeinnützige Verein Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.  in seinen Weiterbildungsprogrammen und Projekten Führungskräfte zu gleichen Teilen aus Wirtschaft, öffentlichem und Non-Profit-Bereich zusammen, die sich dann gemeinsam mit der gesellschaftlichen Dimension von Führungsverantwortung befassen.